Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ra 2019/03/0120

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ra 2019/03/0120

Entscheidungsdatum

25.02.2020

Index

E000 EU- Recht allgemein
E1E
E1M
59/04 EU - EWR

Norm

EURallg
12010E267 AEUV Art267
12010M004 EUV Art4 Abs3

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2017/03/0108 E 10. Oktober 2018 RS 4

Stammrechtssatz

Die Verwaltungsgerichte und die Verwaltungsbehörden trifft insbesondere die Verpflichtung, im Anwendungsbereich des Unionsrechts die einschlägigen Rechtsvorschriften der Union zu identifizieren und deren Sinn auch anhand der Rechtsprechung der Gerichte der Europäischen Union, insbesondere des EuGH, der letztlich zur Auslegung der Rechtsvorschriften der Europäischen Union zuständig ist vergleiche Artikel 267, AEUV), zu erfassen. Auf dieser Grundlage ist der Inhalt der österreichischen Rechtsvorschriften zu klären, die damit im Zusammenhang stehen. Dies betrifft insbesondere solche österreichischen Rechtsvorschriften, die unionsrechtliche Vorgaben umsetzen. Maßgebend für das Zusammenwirken zwischen unionsrechtlichen und österreichischen Rechtsvorschriften sind insbesondere die unionsrechtlichen Grundsätze des Anwendungsvorrangs des Unionsrechts samt der unionsrechtskonformen Auslegung des nationalen Rechtes.

Schlagworte

Gemeinschaftsrecht Anwendungsvorrang, partielle Nichtanwendung von innerstaatlichem Recht EURallg1 Gemeinschaftsrecht Auslegung des Mitgliedstaatenrechtes EURallg2

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019030120.L01

Im RIS seit

27.09.2021

Zuletzt aktualisiert am

27.09.2021

Dokumentnummer

JWR_2019030120_20200225L01

Rechtssatz für Ra 2019/03/0120

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

Ra 2019/03/0120

Entscheidungsdatum

25.02.2020

Index

E000 EU- Recht allgemein
40/01 Verwaltungsverfahren

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2017/03/0108 E 10. Oktober 2018 RS 5

Stammrechtssatz

Soweit die rechtliche Grundlage einer verwaltungsgerichtlichen oder einer verwaltungsbehördlichen Entscheidung nicht nur österreichisches Recht, sondern auch (etwa im Wege einer unionsrechtskonformen Auslegung) Unionsrecht sein kann, erfordert die nach dem jeweils anzuwendenden Verfahrensrecht bestehende Begründungspflicht gegebenenfalls auch eine Begründung dafür, weshalb die Anwendung der nationalen Regelung entgegen dem (nicht erkennbar völlig grundlosen) am Unionsrecht orientierten Parteienvorbringen erfolgte. Dies schließt auch die Verpflichtung ein, sich mit den von einer Partei vorgetragenen Bedenken, sofern diese plausibel sind, auseinanderzusetzen. Verlangt die Begründung, weshalb die innerstaatliche Vorschrift entgegen solchen aus dem Blickwinkel des Unionsrechts bestehenden Bedenken angewendet wird, Sachverhaltsfeststellungen, sind diese in diesen Entscheidungen zu treffen vergleiche VwGH 21.6.1999, 97/17/0501; VwGH 27.6.2002, 99/10/0159).

Schlagworte

Begründung Allgemein Gemeinschaftsrecht Auslegung des Mitgliedstaatenrechtes EURallg2 Sachverhalt Sachverhaltsfeststellung Parteivorbringen Erforschung des Parteiwillens

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019030120.L02

Im RIS seit

27.09.2021

Zuletzt aktualisiert am

27.09.2021

Dokumentnummer

JWR_2019030120_20200225L02

Rechtssatz für Ra 2019/03/0120

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

3

Geschäftszahl

Ra 2019/03/0120

Entscheidungsdatum

25.02.2020

Index

E1E
40/01 Verwaltungsverfahren
59/04 EU - EWR

Norm

AVG §37
VwGVG 2014 §17
12010E267 AEUV Art267
12010E267 AEUV Art267 Abs3

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2017/03/0108 E 10. Oktober 2018 RS 6

Stammrechtssatz

Da eine etwaige Vorlage an den EuGH gemäß Artikel 267, AEUV nur auf der Grundlage des festgestellten Sachverhalts erfolgen kann, sind für die Unionsrechtsproblematik erforderliche Sachverhaltsfeststellungen zunächst von der Verwaltungsbehörde und in der Folge vom VwG zu treffen, und zwar vom VwG auch dann, wenn es von seiner Zuständigkeit zur Vorlage nach Artikel 267, AEUV nicht Gebrauch macht und eine allfällige Vorlageverpflichtung dann dem VwGH nach Artikel 267, Absatz 3, AEUV zukommt vergleiche dazu VwGH 21.6.1999, 97/17/0501).

Schlagworte

Sachverhalt Sachverhaltsfeststellung

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019030120.L03

Im RIS seit

27.09.2021

Zuletzt aktualisiert am

27.09.2021

Dokumentnummer

JWR_2019030120_20200225L03

Rechtssatz für Ra 2019/03/0120

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

4

Geschäftszahl

Ra 2019/03/0120

Entscheidungsdatum

25.02.2020

Index

E000 EU- Recht allgemein
E3R E05204020
E3R E05205000
E6J
27/01 Rechtsanwälte

Norm

EURallg
RAO 1868 §49
RAO 1868 §50
32004R0883 Koordinierung Soziale Sicherheit Art2 Abs1
32004R0883 Koordinierung Soziale Sicherheit Art3 Abs1 litd
32004R0883 Koordinierung Soziale Sicherheit Art87 Abs1
32004R0883 Koordinierung Soziale Sicherheit Art87 Abs3
32004R0883 Koordinierung Soziale Sicherheit Art9
32009R0987 Koordinierung Soziale Sicherheit DV
62014CJ0453 Knauer VORAB

Rechtssatz

Die VO 883 aus 2004, gilt seit dem Inkrafttreten ihrer Durchführungsverordnung (VO 987 aus 2009,) am 1. Mai 2010 in den Mitgliedstaaten der EU. Seit 1. April 2012 gelten die VO 883 aus 2004, und die VO 987 aus 2009, im Übrigen auch im Verhältnis zur Schweiz (VwGH 7.4.2016, Ro 2014/08/0047). Nach Artikel 87, Absatz 3, VO 883 aus 2004, sind dabei für die Begründung eines aktuellen Anspruchs vergleiche Artikel 87, Absatz eins,) auch Sachverhalte oder Ereignisse zu berücksichtigen, die vor Beginn der Anwendung der Verordnung - im Verhältnis zur Schweiz mit 1. April 2012 - liegen (VwGH 1.6.2017, Ra 2014/08/0042). Leistungen bei Alter fallen, wenn sie in einer Erklärung im Sinne des Artikel 9, VO 883 aus 2004, aufgeführt sind, in den Geltungsbereich dieser Verordnung vergleiche EuGH 21.1.2016, Rs C-453/14, Knauer, Rn. 23, mwN). Berufsständische Sondersysteme in Europa, wie etwa die in Österreich (u.a.) für Rechtsanwälte errichteten Versorgungseinrichtungen, sind in den sachlichen Geltungsbereich der VO 883 aus 2004, einbezogen vergleiche VwGH 6.7.2016, Ro 2016/08/0008, Rn. 18). Es ist daher im vorliegenden Fall anzunehmen, dass der Revisionswerber infolge seiner Rechtsanwaltstätigkeit in mehreren Mitgliedstaaten und der Schweiz den Rechtsvorschriften im Bereich der sozialen Sicherheit (zumindest) eines Mitgliedstaats unterliegt und daher vom Geltungsbereich der VO 883 aus 2004, (Artikel 2, Absatz eins,, Artikel 3, Absatz eins, Litera d,) umfasst ist.

Gerichtsentscheidung

EuGH 62014CJ0453 Knauer VORAB

Schlagworte

Gemeinschaftsrecht Verordnung EURallg5

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019030120.L04

Im RIS seit

27.09.2021

Zuletzt aktualisiert am

27.09.2021

Dokumentnummer

JWR_2019030120_20200225L04

Rechtssatz für Ra 2019/03/0120

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

5

Geschäftszahl

Ra 2019/03/0120

Entscheidungsdatum

25.02.2020

Index

E000 EU- Recht allgemein
E3R E05204020
E6J
27/01 Rechtsanwälte

Norm

EURallg
RAO 1868 §49 Abs2
32004R0883 Koordinierung Soziale Sicherheit Art11 Abs1
62016CJ0089 Szoja VORAB
62018CJ0033 V VORAB

Rechtssatz

Gemäß Artikel 11, Absatz eins, VO 883 aus 2004, unterliegen Personen, für die diese Verordnung gilt, den Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaats. Mit diesem Grundsatz sollen die Komplikationen, die sich aus der gleichzeitigen Anwendung von Rechtsvorschriften mehrerer Mitgliedstaaten ergeben können, vermieden und die Ungleichbehandlungen ausgeschlossen werden, die für innerhalb der Union zu- und abwandernde Personen aus einer teilweisen oder vollständigen Kumulierung der anwendbaren Rechtsvorschriften folgen würden (EuGH 13.7.2017, Rs C-89/16, Szoja, Rn. 35; 6.6.2019, Rs C-33/18, römisch fünf, Rn. 42, jeweils mwN). Doppelversicherungen (und doppelte Beitragslasten) sollen also vermieden werden. Dementsprechend sieht Paragraph 49, Absatz 2, RAO auch vor, dass die - grundsätzlich für alle in die Liste einer österreichischen Rechtsanwaltskammer oder in die Liste der niedergelassenen europäischen Rechtsanwälte einer österreichischen Rechtsanwaltskammer eingetragenen Rechtsanwälte geltende - Beitragspflicht zu den Versorgungseinrichtungen der österreichischen Rechtsanwaltskammern dann nicht besteht, wenn der Rechtsanwalt aufgrund seiner rechtsanwaltlichen Tätigkeit bereits aufgrund anderer Rechtsvorschriften einer Pflichtversicherung in einem Altersversicherungssystem eines Mitgliedstaats der EU, eines anderen Vertragsstaats des Abkommen über den EWR oder der Schweiz unterliegt.

Gerichtsentscheidung

EuGH 62016CJ0089 Szoja VORAB
EuGH 62018CJ0033 V VORAB

Schlagworte

Gemeinschaftsrecht Verordnung EURallg5

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019030120.L05

Im RIS seit

27.09.2021

Zuletzt aktualisiert am

27.09.2021

Dokumentnummer

JWR_2019030120_20200225L05

Rechtssatz für Ra 2019/03/0120

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

6

Geschäftszahl

Ra 2019/03/0120

Entscheidungsdatum

25.02.2020

Index

E000 EU- Recht allgemein
E3R E05204020
E3R E05205000
27/01 Rechtsanwälte

Norm

EURallg
RAO 1868 §49
32004R0883 Koordinierung Soziale Sicherheit Art11 Abs3 lita
32004R0883 Koordinierung Soziale Sicherheit Art13 Abs2
32004R0883 Koordinierung Soziale Sicherheit Art14
32009R0987 Koordinierung Soziale Sicherheit DV Art45 Abs4

Rechtssatz

Artikel 11, Absatz 3, Litera a, VO 883 aus 2004, statuiert den Grundsatz, dass eine Person, vorbehaltlich der Artikel 12 bis 16 leg. cit., den Rechtsvorschriften jenes Mitgliedstaats unterliegt, in dem sie eine Beschäftigung ausübt. Für Personen, die gewöhnlich in zwei oder mehr Mitgliedstaaten eine selbständige Erwerbstätigkeit ausüben, bestimmt Artikel 13, Absatz 2, VO 883 aus 2004,, nach welchen Kriterien die anzuwendenden Rechtsvorschriften zu ermitteln sind. Demnach unterliegt eine Person, die von Artikel 13, Absatz 2, leg. cit. erfasst ist, entweder den Rechtsvorschriften ihres Wohnmitgliedstaats oder, wenn sie dort nicht einen wesentlichen Teil der Tätigkeit ausübt, den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats, in dem sich der Mittelpunkt ihrer Tätigkeiten befindet. Nähere Vorschriften zur Ermittlung der für diesen Personenkreis geltenden Rechtsvorschriften enthält Artikel 14, Absatz 6 bis 10 VO 987 aus 2009,. Wird - wie hier - ein Leistungsantrag auf Bezug einer Altersrente gestellt, sieht Artikel 45, Absatz 4, VO 987 aus 2009, entsprechend diesen Grundsätzen vor, dass der Antrag entweder beim Träger des Wohnorts oder beim Träger des Mitgliedstaats, dessen Rechtsvorschriften zuletzt für den Antragsteller galten, gestellt wird.

Schlagworte

Gemeinschaftsrecht Verordnung EURallg5

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019030120.L06

Im RIS seit

27.09.2021

Zuletzt aktualisiert am

27.09.2021

Dokumentnummer

JWR_2019030120_20200225L06

Rechtssatz für Ra 2019/03/0120

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

7

Geschäftszahl

Ra 2019/03/0120

Entscheidungsdatum

25.02.2020

Index

E3R E05204020
E3R E05205000
10/07 Verwaltungsgerichtshof
27/01 Rechtsanwälte
40/01 Verwaltungsverfahren

Norm

RAO 1868 §49
RAO 1868 §50
VwGG §42 Abs2 Z1
VwGVG 2014 §24
32004R0883 Koordinierung Soziale Sicherheit Art11 Abs1
32004R0883 Koordinierung Soziale Sicherheit Art11 Abs3 lita
32004R0883 Koordinierung Soziale Sicherheit Art13 Abs2
32009R0987 Koordinierung Soziale Sicherheit DV Art14
32009R0987 Koordinierung Soziale Sicherheit DV Art45 Abs4
  1. VwGG § 42 heute
  2. VwGG § 42 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  3. VwGG § 42 gültig von 01.07.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. VwGG § 42 gültig von 01.07.2008 bis 30.06.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  5. VwGG § 42 gültig von 01.01.1991 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 330/1990
  6. VwGG § 42 gültig von 05.01.1985 bis 31.12.1990

Rechtssatz

Angesichts des Vorbringens des Revisionswerbers, wonach er in Österreich nie über einen festen Wohnsitz verfügt habe und seit über 35 Jahren eine eigene Rechtsanwaltskanzlei in Köln führe, scheint sohin schon fraglich, ob der Ausschuss der Rechtsanwaltskammer Wien für die Bearbeitung des verfahrenseinleitenden Antrags betreffend Gewährung einer vorzeitigen Altersrente unionsrechtlich zuständig ist vergleiche zu den Modalitäten der Beantragung von Leistungen bei Alter auch Pöltl, Artikel 45, VO 987 aus 2009,, Rn. 5; Artikel 47, VO 987 aus 2009,, Rn. 3ff, in: Spiegel (Hrsg), Zwischenstaatliches Sozialversicherungsrecht, 23. Lfg; Janda, Artikel 50, VO 883 aus 2004,, Rn. 3ff, in: Fuchs (Hrsg), Europäisches Sozialrecht7 (2018); OGH 25.11.2014, 10 ObS 109/14y). Dazu wird das VwG erforderlichen Feststellungen (insbesondere zum Wohnort des Revisionswerbers, zum Mittelpunkt seiner Tätigkeiten iSd Artikel 13, Absatz 2, VO 883 aus 2004, und, daran anknüpfend, zu - aktuellen und vergangenen - Zugehörigkeit(en) des Revisionswerbers zu einem System der sozialen Sicherheit) zu treffen haben. Dies erfordert die Durchführung einer mündlichen Verhandlung.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019030120.L07

Im RIS seit

27.09.2021

Zuletzt aktualisiert am

27.09.2021

Dokumentnummer

JWR_2019030120_20200225L07