Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ra 2021/01/0291

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0291

Entscheidungsdatum

10.12.2021

Index

41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

StbG 1985 §10 Abs1 Z6

Rechtssatz

Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 6, StbG 1985 enthält zwei Tatbestände (Fälle; arg.: "und").

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2021010291.L05

Im RIS seit

24.02.2022

Zuletzt aktualisiert am

04.04.2022

Dokumentnummer

JWR_2021010291_20211210L01

Rechtssatz für Ra 2021/01/0291

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0291

Entscheidungsdatum

10.12.2021

Index

41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

StbG 1985 §10 Abs1 Z6

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie 2001/01/0150 E 15. Mai 2003 RS 1

Stammrechtssatz

Die nach Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 6, StbG 1985 zunächst geforderte positive Einstellung zur Republik bezieht sich auf die politische Gesinnung des Einbürgerungswerbers und soll insbesondere Gewähr leisten, dass nicht Personen mit antidemokratischer Einstellung in den österreichischen Staatsverband aufgenommen werden. Das Vorliegen dieser Voraussetzung ist somit davon abhängig, ob - vom Gesamtverhalten des Einbürgerungswerbers her - auf eine grundsätzlich negative Einstellung zur Republik Österreich bzw. deren grundlegenden Institutionen geschlossenen werden kann oder nicht vergleiche E 6.9.1995, Zl. 95/01/0072, E 12.3.2002, Zl. 2001/01/0430).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2021010291.L01

Im RIS seit

24.02.2022

Zuletzt aktualisiert am

04.04.2022

Dokumentnummer

JWR_2021010291_20211210L02

Rechtssatz für Ra 2021/01/0291

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

3

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0291

Entscheidungsdatum

10.12.2021

Index

25/01 Strafprozess
41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

StbG 1985 §10 Abs1 Z6
StPO 1975 §198

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie 2013/01/0002 E 21. November 2013 RS 1

Stammrechtssatz

Das Verleihungshindernis des Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 6, StbG setzt eine gerichtliche Verurteilung wegen einer als erwiesen angesehenen Straftat nicht voraus. Vielmehr knüpft Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 6, StbG nicht an die gerichtliche Verurteilung, sondern an das Verhalten des Einbürgerungswerbers an vergleiche das hg. Erkenntnis vom 22. August 2006, Zl. 2005/01/0026, mwN). Auch Taten, hinsichtlich derer es zur Verfahrenseinstellung (nach Diversion) kommt, gehören zum Gesamtverhalten, von dem die Staatsbürgerschaftsbehörde bei ihrer Prüfung auszugehen hat vergleiche das hg. Erkenntnis vom 22. August 2007, Zl. 2005/01/0067, mwN).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2021010291.L02

Im RIS seit

24.02.2022

Zuletzt aktualisiert am

04.04.2022

Dokumentnummer

JWR_2021010291_20211210L03

Rechtssatz für Ra 2021/01/0291

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

4

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0291

Entscheidungsdatum

10.12.2021

Index

41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

StbG 1985 §10 Abs1 Z6

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ro 2021/01/0010 E 2. April 2021 RS 20 (hier keine Bezugnahme auf das Beschwerdeverfahren)

Stammrechtssatz

Bei der Prüfung des Verleihungshindernisses nach Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 6, StbG ist (im Beschwerdeverfahren: vom Verwaltungsgericht) eine Prognose über das zukünftige Wohlverhalten des Verleihungswerbers zu treffen. Es ist auch zu beachten, dass die Verleihung der Staatsbürgerschaft den Abschluss einer (erfolgreichen) Integration des Fremden in Österreich darstellt vergleiche zu allem VwGH 2.9.2020, Ra 2020/01/0323, mwN).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2021010291.L07

Im RIS seit

24.02.2022

Zuletzt aktualisiert am

04.04.2022

Dokumentnummer

JWR_2021010291_20211210L04

Rechtssatz für Ra 2021/01/0291

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

5

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0291

Entscheidungsdatum

10.12.2021

Index

41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

StbG 1985 §10 Abs1
StbG 1985 §10 Abs2
StbG 1985 §11

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2018/01/0406 E 14. Dezember 2018 RS 6 (hier keine Bezugnahme auf Verfahren ohne Ermessensspielraum)

Stammrechtssatz

Nach der Staatsbürgerschaftsrecht-Novelle 2005 ist Paragraph 11, StbG auch auf Verfahren ohne Ermessensspielraum anwendbar und dient als Interpretationsmaxime für Paragraph 10, Absatz eins und 2 StbG vergleiche auch Fessler/Fessler/Pfandner, Staatsbürgerschaftsrecht (2018), 68, Anmerkung 1 zu Paragraph 11, StbG).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2021010291.L03

Im RIS seit

24.02.2022

Zuletzt aktualisiert am

04.04.2022

Dokumentnummer

JWR_2021010291_20211210L05

Rechtssatz für Ra 2021/01/0291

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

6

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0291

Entscheidungsdatum

10.12.2021

Index

40/01 Verwaltungsverfahren

Norm

AVG §45 Abs2
AVG §52
VwGVG 2014 §17
  1. AVG § 52 heute
  2. AVG § 52 gültig ab 01.01.2026 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 82/2025
  3. AVG § 52 gültig von 01.01.2002 bis 27.11.2001 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 471/1995
  4. AVG § 52 gültig von 01.07.1998 bis 31.12.2025 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 471/1995
  5. AVG § 52 gültig von 01.07.1998 bis 30.06.1998 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 471/1995
  6. AVG § 52 gültig von 01.07.1995 bis 30.06.1998 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 471/1995
  7. AVG § 52 gültig von 01.02.1991 bis 30.06.1995

Rechtssatz

Gegenstand eines Zeugenbeweises ist es, Auskunft über Wahrnehmungen in tatsächlicher Hinsicht zu geben vergleiche etwa VwGH 1.2.2017, Ra 2016/04/0151). Ein sachverständiger Zeuge könnte vor dem VwG allenfalls über seine unmittelbaren Wahrnehmungen betreffend eine Befundaufnahme oder den Entstehungsprozess eines Gutachtens aussagen, nicht aber - unter Wahrheitspflicht als Hilfsorgan des Gerichts - sachverständige Schlussfolgerungen ziehen vergleiche VwGH 6.7.2016, Ro 2016/08/0012).

Schlagworte

Beweismittel Sachverständigenbeweis Beweismittel Zeugenbeweis

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2021010291.L04

Im RIS seit

24.02.2022

Zuletzt aktualisiert am

04.04.2022

Dokumentnummer

JWR_2021010291_20211210L06

Rechtssatz für Ra 2021/01/0291

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

7

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0291

Entscheidungsdatum

10.12.2021

Index

40/01 Verwaltungsverfahren
41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

AVG §60
StbG 1985 §10
VwGVG 2014 §17
VwGVG 2014 §29 Abs1

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2018/01/0325 E 25. September 2018 RS 3

Stammrechtssatz

Eine von den Sicherheitsbehörden geleistete "Amtshilfe" bzw. im Verleihungsverfahren abgegebene negative Stellungnahme entfaltet für die Verleihungsbehörde keine Bindung in ihrer Entscheidung. Sie entbindet die Staatsbürgerschaftsbehörde vor allem nicht davon, die Voraussetzungen der Einbürgerung in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht zu überprüfen und ihre Entscheidung entsprechend darzustellen. Diese Voraussetzungen sind nach der Rechtsprechung des VwGH aber dann erfüllt, wenn die Behörde die Feststellungen der Sicherheitsbehörde wiedergegeben hat, sich diesen anschloss und aus diesen rechtlich das Vorliegen der angeführten Verleihungshindernisse ableitete vergleiche VwGH 26.5.2015, Ro 2014/01/0035, mwN).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2021010291.L13

Im RIS seit

24.02.2022

Zuletzt aktualisiert am

04.04.2022

Dokumentnummer

JWR_2021010291_20211210L07

Rechtssatz für Ra 2021/01/0291

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

8

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0291

Entscheidungsdatum

10.12.2021

Index

10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG)
10/10 Grundrechte
19/05 Menschenrechte
20/09 Internationales Privatrecht
41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

B-VG Art7 Abs1
IPRG §6
MRK Art9 Abs1
StbG 1985 §10 Abs1 Z6
StbG 1985 §11
StGG Art14

Rechtssatz

Im Zusammenhang mit der Rechtsfrage, ob eine grundsätzlich negative Einstellung zur Republik Österreich bzw. zu deren grundlegenden Institutionen vorliegt (Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 6, erster Fall StbG 1985) bzw. ob ein Bekenntnis zu den Grundwerten eines europäischen demokratischen Staates und seiner Gesellschaft fehlt (Paragraph 11, StbG 1985) ist auf den Grundsatz der Trennung von Staat und Kirche vergleiche VfGH 9.3.2011, G 287/09 = VfSlg. 19.349, mwN), das verfassungsrechtliche Gebot der religiösen und weltanschaulichen Neutralität des Staates vergleiche VfGH 11.12.2020, G 4 aus 2020,, mwN) und die Gleichberechtigung als ein von Paragraph 6, IPRG geschützter Grundwert vergleiche etwa VfGH 11.10.2012, B 99/12 ua, mwN) hinzuweisen.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2021010291.L08

Im RIS seit

24.02.2022

Zuletzt aktualisiert am

04.04.2022

Dokumentnummer

JWR_2021010291_20211210L08

Rechtssatz für Ra 2021/01/0291

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

9

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0291

Entscheidungsdatum

10.12.2021

Index

10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG)
10/10 Grundrechte
19/05 Menschenrechte
20/09 Internationales Privatrecht
41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

B-VG Art7 Abs1
IPRG §6
MRK Art9 Abs1
StbG 1985 §10 Abs1 Z6
StbG 1985 §11
StGG Art14

Rechtssatz

Das Verhältnis von Kirche und Staat ist in Österreich durch den Grundsatz der Säkularität des Staates geprägt, worunter zu verstehen ist, dass sowohl die Aufgaben des Staates als auch die zu ihrer Erfüllung einzusetzenden Mittel bewusst und gewollt auf rein Weltliches reduziert sind vergleiche VwGH 30.1.1991, 89/01/0276). Dem würde ein Vorrang islamischer Rechtsvorschriften gegenüber staatlichen Gesetzen - ebenso wie eine (vom VwGH in der angeführten Rechtsprechung behandelte) im ausländischen Recht festgelegte Ehenichtigkeit aus Gründen der Religion - widersprechen und nicht im Einklang mit dem österreichischen ordre-public nach Paragraph 6, IPRG stehen vergleiche nochmals VwGH 30.1.1991, 89/01/0276). So hat auch der OGH festgehalten, dass die einseitige Verstoßung der Ehefrau durch den Ehemann nach islamischem Recht (talaq) dem inländischen ordre public widerspricht vergleiche RIS-Justiz RS0121192; vergleiche zuletzt OGH 27.11.2019, 6 Ob 115/19h, wonach die ordre public-Widrigkeit nur dann nicht vorliegt, wenn die Ehefrau von Anfang an mit der einseitigen Verstoßungsscheidung einverstanden war). Letztlich hat auch der VwGH zum Eingehen einer mehrfachen Ehe (Bigamie) mit der Rechtfertigung, eine zweite Ehe sei "nur" aus religiösen Gründen eingegangen worden, bereits festgehalten, dass von einem fehlenden Bekenntnis des Fremden nach Paragraph 11, StbG 1985 zu den Grundwerten eines europäischen demokratischen Staates und seiner Gesellschaft auszugehen ist vergleiche VwGH 14.12.2018, Ra 2018/01/0406, vergleiche VwGH 22.10.2021, Ra 2021/01/0327, mwN).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2021010291.L09

Im RIS seit

24.02.2022

Zuletzt aktualisiert am

04.04.2022

Dokumentnummer

JWR_2021010291_20211210L09

Rechtssatz für Ra 2021/01/0291

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

10

Geschäftszahl

Ra 2021/01/0291

Entscheidungsdatum

10.12.2021

Index

40/01 Verwaltungsverfahren
41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

StbG 1985 §10
VwGVG 2014 §28 Abs2

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2016/01/0058 E 24. Mai 2016 RS 2 (hier betreffend einen Antrag auf Verleihung der Staatsbürgerschaft)

Stammrechtssatz

Hat das Verwaltungsgericht - gestützt auf Paragraph 28, Absatz 2, VwGVG - im Spruch des angefochtenen Erkenntnisses der gegen den bekämpften Bescheid erhobenen Beschwerde Folge gegeben und diesen Bescheid behoben, ohne dass ein inhaltlicher Abspruch über den Antrag auf Bewilligung der Beibehaltung der Staatsbürgerschaft erfolgt ist, hat das Verwaltungsgericht gegen seine Verpflichtung verstoßen, nicht nur die gegen den verwaltungsbehördlichen Bescheid eingebrachte Beschwerde sondern auch die Angelegenheit zu erledigen, die von der Verwaltungsbehörde zu entscheiden war vergleiche die hg. Erkenntnisse vom 26. Juni 2014, Ro 2014/03/0063, und vom 26. Februar 2015, Ra 2014/22/0103).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2021:RA2021010291.L06

Im RIS seit

24.02.2022

Zuletzt aktualisiert am

04.04.2022

Dokumentnummer

JWR_2021010291_20211210L10