Rechtssatz für 10Os55/70; 12Os152/74; ...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Strafrecht

Rechtssatznummer

RS0082031

Geschäftszahl

10Os55/70; 12Os152/74; 10Os112/75; 13Os171/76; 9Os15/78; 13Os30/79; 9Os88/79; 9Os191/80; 13Os112/82; 11Os112/07s; 14Os83/10b; 13Os148/10d; 11Os83/11g; 15Os71/11x; 12Os50/12p; 11Os102/12b; 15Os131/13y; 15Os146/14f; 13Os7/15a; 13Os136/16y; 12Os64/17d; 15Os12/20h; 13Os62/20x; 13Os76/20f; 15Os117/22b; 13Os45/23a; 12Os81/23p; 15Os85/25a; 15Os60/25z

Entscheidungsdatum

10.09.2025

Norm

WaffG 1986 §11 Abs1 Z7
WaffG 1986 §36 Abs1 Z2

Rechtssatz

Gewöhnliche Messer (das sind Messer mit stumpfen Rücken, wie Jagdmesser, Hirschfänger, Brotmesser, Tischmesser und Küchenmesser) und insbesondere Taschenmesser aller Art sind selbst dann, wenn sie eine Feststellungsvorrichtung für die Klinge besitzen (sogenanntes "Fixiermesser"), in der Regel nicht als Waffen im technischen Sinn, sondern als Gebrauchsgegenstände anzusehen. Erst dann, wenn ein solches feststellbares Taschenmesser überdies noch eine besondere Vorrichtung zum Ausspringen der Klinge besitzt ("Springmesser" und "Fallmesser" im Sinne des Paragraph 11, Absatz eins, Ziffer 6, WaffG 1967), ist es eine Stichwaffe und Stoßwaffe und als Waffe im technischen Sinn zu werten.

Entscheidungstexte

  • 10 Os 55/70
    Entscheidungstext OGH 12.05.1970 10 Os 55/70
    Veröff: EvBl 1970/306 S 523 = JBl 1970,483 = RZ 1970,219 = SSt 41/25
  • 12 Os 152/74
    Entscheidungstext OGH 10.12.1974 12 Os 152/74
    Vgl auch; Beisatz: Fixiermesser werden in der Regel nicht von § 36 Abs 1 lit b (§ 11 Abs 1 Z 6) WaffG erfasst. (T1)
  • 10 Os 112/75
    Entscheidungstext OGH 07.01.1976 10 Os 112/75
  • 13 Os 171/76
    Entscheidungstext OGH 16.12.1976 13 Os 171/76
    Beisatz: Bajonett ähnliches Stichmesser. (T2) Veröff: EvBl 1977/137 S 276
  • 9 Os 15/78
    Entscheidungstext OGH 17.02.1978 9 Os 15/78
    Beisatz: Fixiermesser mit bloßer Klingenfixierung. (T3)
  • 13 Os 30/79
    Entscheidungstext OGH 22.03.1979 13 Os 30/79
    Beis wie T3
  • 9 Os 88/79
    Entscheidungstext OGH 17.07.1979 9 Os 88/79
    Beis wie T3; Beisatz: Länge und Beschaffenheit der Klinge sind ohne Bedeutung. (T4) Veröff: EvBl 1980/35 S 109
  • 9 Os 191/80
    Entscheidungstext OGH 24.03.1981 9 Os 191/80
  • 13 Os 112/82
    Entscheidungstext OGH 04.11.1982 13 Os 112/82
    Vgl auch; Beisatz: Keine Einziehung (§ 26 StGB) eines Fixiermessers. (T5)
  • 11 Os 112/07s
    Entscheidungstext OGH 20.11.2007 11 Os 112/07s
    Auch; nur: Gewöhnliche Messer - das sind Messer mit stumpfen Rücken, wie Jagdmesser, Hirschfänger, Brotmesser, Tischmesser und Küchenmesser) und insbesondere Taschenmesser aller Art sind selbst dann, wenn sie eine Feststellungsvorrichtung für die Klinge besitzen (sogenanntes "Fixiermesser") in der Regel nicht als Waffen im technischen Sinn, sondern als Gebrauchsgegenstände anzusehen. (T6);
    Beisatz: Ein „ausgeklapptes Messer" ohne sonstige besondere Eigenschaften, die über jene eines gewöhnlichen Gebrauchsgegenstandes hinausgehen, ist keine Waffe im Sinn des § 1 WaffG. (T7)
  • 14 Os 83/10b
    Entscheidungstext OGH 20.07.2010 14 Os 83/10b
    Vgl auch
  • 13 Os 148/10d
    Entscheidungstext OGH 17.02.2011 13 Os 148/10d
    Vgl; Beis ähnlich wie T5; Beisatz: Hier: Klappmesser. (T8)
  • 11 Os 83/11g
    Entscheidungstext OGH 14.07.2011 11 Os 83/11g
    Vgl auch; Beiastz: Hier: Keine Einziehung eines gewöhnlichen Messers ohne besondere Eigenschaften. (T9)
  • 15 Os 71/11x
    Entscheidungstext OGH 29.06.2011 15 Os 71/11x
    Auch; nur T6; Beis wie T3; Beis wie T5; Beisatz: Für eine Einordnung unter § 50 Abs 1 Z 3 WaffG müssten besondere Eigenschaften festgestellt werden, die über jene eines gewöhnlichen Gebrauchsgegenstandes hinausgehen. (T10)
  • 12 Os 50/12p
    Entscheidungstext OGH 09.08.2012 12 Os 50/12p
    Vgl auch; Beisatz: Klappmesser ohne Hinzutreten besonderer Eigenschaften. (T11)
  • 11 Os 102/12b
    Entscheidungstext OGH 09.10.2012 11 Os 102/12b
    Vgl auch
  • 15 Os 131/13y
    Entscheidungstext OGH 13.11.2013 15 Os 131/13y
    Vgl; Beisatz: Hier: Schlitzschraubenzieher. (T12)
  • 15 Os 146/14f
    Entscheidungstext OGH 18.02.2015 15 Os 146/14f
    Auch; Beis wie T5; Beis wie T9
  • 13 Os 7/15a
    Entscheidungstext OGH 15.04.2015 13 Os 7/15a
    Vgl; Beis wie T11
  • 13 Os 136/16y
    Entscheidungstext OGH 28.06.2017 13 Os 136/16y
    Auch
  • 12 Os 64/17d
    Entscheidungstext OGH 13.07.2017 12 Os 64/17d
    Auch; Beis wie T4; Beis wie T10; Beisatz: Die Beschaffenheit der für das Messer vorgesehenen Halterung spielt für diese Beurteilung keine Rolle. (T13)
  • 15 Os 12/20h
    Entscheidungstext OGH 04.03.2020 15 Os 12/20h
    Vgl
  • 13 Os 62/20x
    Entscheidungstext OGH 16.09.2020 13 Os 62/20x
    Vgl
  • 13 Os 76/20f
    Entscheidungstext OGH 18.11.2020 13 Os 76/20f
    Beis wie T9; Beis wie T10
  • 15 Os 117/22b
    Entscheidungstext OGH 18.01.2023 15 Os 117/22b
    Vgl
  • 13 Os 45/23a
    Entscheidungstext OGH 28.06.2023 13 Os 45/23a
    vgl; Beisatz wie T9
  • 12 Os 81/23p
    Entscheidungstext OGH 19.10.2023 12 Os 81/23p
    vgl
  • 15 Os 85/25a
    Entscheidungstext OGH 10.09.2025 15 Os 85/25a
    vgl; Beisatz: Hier: Fehlen einer Darstellung besonderer Eigenschaften von "Militärmesser", "Multifunktionstaschenmesser" und "Messer mit rot-schwarzem Griff". (T14)
  • 15 Os 60/25z
    Entscheidungstext OGH 10.09.2025 15 Os 60/25z
    vgl; nur T6; Beisatz wie T7

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1970:RS0082031

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

03.11.2025

Dokumentnummer

JJR_19700512_OGH0002_0100OS00055_7000000_001

Rechtssatz für 11Os112/07s; 15Os71/11x; ...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Strafrecht

Rechtssatznummer

RS0122916

Geschäftszahl

11Os112/07s; 15Os71/11x; 15Os84/13m; 13Os136/16y; 12Os64/17d; 13Os76/20f; 15Os85/25a; 15Os60/25z

Entscheidungsdatum

10.09.2025

Norm

StGB §143 B
WaffG §1
  1. StGB § 143 heute
  2. StGB § 143 gültig von 01.01.2016 bis 31.12.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 112/2015
  3. StGB § 143 gültig ab 01.01.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 154/2015
  4. StGB § 143 gültig von 01.10.2002 bis 31.12.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 134/2002
  5. StGB § 143 gültig von 01.03.1988 bis 30.09.2002 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 605/1987

Rechtssatz

Anders als beim strafrechtlichen (funktionalen) Waffenbegriff, der nach hM und stRsp neben Waffen im technischen Sinn (nach Paragraph eins, WaffG) auch solche Gegenstände umfasst, die diesen nach ihrer Anwendbarkeit und Wirkung gleichkommen, ist nach der Legaldefinition des Paragraph eins, WaffG für die Qualifikation eines Gegenstandes als Waffe im Sinne des Waffengesetzes nur die objektive Zweckwidmung maßgeblich, die subjektive Zweckwidmung durch den Inhaber des Gegenstandes spielt dabei keine Rolle.

Entscheidungstexte

  • 11 Os 112/07s
    Entscheidungstext OGH 20.11.2007 11 Os 112/07s
  • 15 Os 71/11x
    Entscheidungstext OGH 29.06.2011 15 Os 71/11x
    Beisatz: Hier: Fixiermesser. (T1)
  • 15 Os 84/13m
    Entscheidungstext OGH 21.08.2013 15 Os 84/13m
    Beisatz: Diesem technischen Waffenbegriff unterliegen neben allen Schusswaffen insbesondere auch Hieb-, Stich- und Stoßwaffen sowie verbotene Waffen. „Gewöhnliche“ Messer mit stumpfem Rücken, wie etwa Brot-, Tisch- und Küchenmesser sowie Jagd-, Taschen-, Pfadfinder- und Fahrtenmesser sind allerdings nicht als Waffen im Sinn des WaffG, sondern als Gebrauchsgegenstände anzusehen. (T2)
  • 13 Os 136/16y
    Entscheidungstext OGH 28.06.2017 13 Os 136/16y
  • 12 Os 64/17d
    Entscheidungstext OGH 13.07.2017 12 Os 64/17d
    Auch
  • 13 Os 76/20f
    Entscheidungstext OGH 18.11.2020 13 Os 76/20f
    Beis wie T2
  • 15 Os 85/25a
    Entscheidungstext OGH 10.09.2025 15 Os 85/25a
    Beisatz: Die Qualifikation eines Messers als Tatobjekt des § 50 Abs 1 Z 3 WaffG setzt die Darstellung seiner besonderen Eigenschaften voraus, die seine Einordnung als Waffe im Sinne des § 1 WaffG erlauben. (T3)
  • 15 Os 60/25z
    Entscheidungstext OGH 10.09.2025 15 Os 60/25z
    vgl

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2007:RS0122916

Im RIS seit

20.12.2007

Zuletzt aktualisiert am

03.11.2025

Dokumentnummer

JJR_20071120_OGH0002_0110OS00112_07S0000_001

Rechtssatz für 11Os182/95 (11Os183/95); ...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Strafrecht

Rechtssatznummer

RS0090597

Geschäftszahl

11Os182/95 (11Os183/95); 11Os4/01 (11Os7/01); 13Os35/14t; 12Os64/17d; 13Os129/17w; 12Os99/17a; 14Os120/20h; 13Os37/22y; 13Os121/22a; 15Os98/22h; 15Os64/22h; 14Os52/23p; 12Os68/23a; 13Os56/23v; 13Os79/23a; 12Os122/23t; 12Os132/24i; 12Os22/25i; 11Os24/25a; 15Os20/25t; 13Os31/26x

Entscheidungsdatum

27.05.2026

Norm

StGB §32
StGB §33
  1. StGB § 33 heute
  2. StGB § 33 gültig ab 01.09.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 159/2021
  3. StGB § 33 gültig von 01.01.2020 bis 31.08.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 105/2019
  4. StGB § 33 gültig von 01.01.2016 bis 31.12.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 154/2015
  5. StGB § 33 gültig von 01.01.2016 bis 31.12.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 112/2015
  6. StGB § 33 gültig von 01.01.2012 bis 31.12.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 130/2011
  7. StGB § 33 gültig von 01.03.1997 bis 31.12.2011 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 762/1996
  8. StGB § 33 gültig von 01.01.1975 bis 28.02.1997

Rechtssatz

Die Tatbegehung während einer Probezeit ist bei der Gewichtung der persönlichen Schuld der Angeklagten zu berücksichtigen, stellt aber keinen eigenen Erschwerungsgrund dar.

Entscheidungstexte

  • 11 Os 182/95
    Entscheidungstext OGH 13.02.1996 11 Os 182/95
  • 11 Os 4/01
    Entscheidungstext OGH 20.03.2001 11 Os 4/01
    Auch
  • 13 Os 35/14t
    Entscheidungstext OGH 05.06.2014 13 Os 35/14t
    Vgl auch; Beisatz: Die Tatbegehung innerhalb offener Probezeit erhöht nach ständiger Rechtsprechung und herrschender Lehre den Schuldgehalt (§ 32 Abs 2 zweiter Satz StGB). (T1)
  • 12 Os 64/17d
    Entscheidungstext OGH 13.07.2017 12 Os 64/17d
    Auch
  • 13 Os 129/17w
    Entscheidungstext OGH 06.12.2017 13 Os 129/17w
    Auch
  • 12 Os 99/17a
    Entscheidungstext OGH 18.01.2018 12 Os 99/17a
    Auch
  • 14 Os 120/20h
    Entscheidungstext OGH 15.12.2020 14 Os 120/20h
    Vgl
  • 13 Os 37/22y
    Entscheidungstext OGH 22.06.2022 13 Os 37/22y
    Vgl
  • 13 Os 121/22a
    Entscheidungstext OGH 18.01.2023 13 Os 121/22a
    Vgl
  • 15 Os 98/22h
    Entscheidungstext OGH 18.01.2023 15 Os 98/22h
    Vgl
  • 15 Os 64/22h
    Entscheidungstext OGH 18.10.2022 15 Os 64/22h
    Vgl
  • 14 Os 52/23p
    Entscheidungstext OGH 27.06.2023 14 Os 52/23p
    vgl
  • 12 Os 68/23a
    Entscheidungstext OGH 07.09.2023 12 Os 68/23a
    vgl; Beisatz: Hier: Berücksichtigung der Begehung der Taten teilweise während offener Probezeit als erschwerend im Rahmen der allgemeinen Strafbemessung (§ 32 Abs 2 und 3 StGB). (T2)
  • 13 Os 56/23v
    Entscheidungstext OGH 20.09.2023 13 Os 56/23v
    vgl
  • 13 Os 79/23a
    Entscheidungstext OGH 18.10.2023 13 Os 79/23a
    vgl
  • 12 Os 122/23t
    Entscheidungstext OGH 23.11.2023 12 Os 122/23t
    vgl
  • 12 Os 132/24i
    Entscheidungstext OGH 29.01.2025 12 Os 132/24i
    vgl
  • 12 Os 22/25i
    Entscheidungstext OGH 02.04.2025 12 Os 22/25i
    vgl
  • 11 Os 24/25a
    Entscheidungstext OGH 06.05.2025 11 Os 24/25a
    vgl
  • 15 Os 20/25t
    Entscheidungstext OGH 04.06.2025 15 Os 20/25t
    vgl
  • 13 Os 31/26x
    Entscheidungstext OGH 27.05.2026 13 Os 31/26x
    vgl

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1996:RS0090597

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

08.07.2026

Dokumentnummer

JJR_19960213_OGH0002_0110OS00182_9500000_001

Entscheidungstext 12Os64/17d

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Rechtsgebiet

Strafrecht

Fundstelle

SSt 2017/46

Geschäftszahl

12Os64/17d

Entscheidungsdatum

13.07.2017

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 13. Juli 2017 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof. Dr. Schroll als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte und die Hofrätinnen des Obersten Gerichtshofs Dr. T. Solé, Dr. Oshidari, Dr. Michel-Kwapinski und Dr. Brenner in Gegenwart des Richteramtsanwärters Limberger, LL.M., als Schriftführer in der Strafsache gegen Adam K***** wegen des Verbrechens des schweren Raubes nach Paragraphen 142, Absatz eins, 143, Absatz eins, zweiter Fall StGB und einer weiteren strafbaren Handlung über die von der Generalprokuratur erhobene Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes sowie über die Berufungen des Angeklagten und der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Wien als Schöffengericht vom 17. Februar 2017, GZ 86 Hv 22/16h-24, nach öffentlicher Verhandlung in Anwesenheit des Vertreters der Generalprokuratur, Staatsanwalt Dr. Konecny, LL.M., des Angeklagten und seines Verteidigers Rechtsanwalt Mag. Andreas Strobl,

römisch eins. zu Recht erkannt:

Das Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Wien vom 17. Februar 2017, GZ 86 Hv 22/16h-24, verletzt in seinem Schuldspruch B./ Paragraph 50, Absatz eins, Ziffer 3, WaffG.

Es werden dieses Urteil, das im Übrigen unberührt bleibt, in seinem Schuldspruch B./ wegen des Vergehens nach Paragraph 50, Absatz eins, Ziffer 3, WaffG ersatzlos und demzufolge im Strafausspruch (einschließlich der Vorhaftanrechnung) und die gleichzeitig gefassten Beschlüsse gemäß Paragraph 494 a, Absatz eins, Ziffer 2 und 4 und Absatz 6, StPO aufgehoben und in der Sache selbst erkannt:

Für das ihm zu Schuldspruch A./ weiterhin zur Last liegende Verbrechen des schweren Raubes nach Paragraphen 142, Absatz eins, 143, Absatz eins, zweiter Fall StGB wird Adam K***** nach Paragraph 143, Absatz eins, StGB zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt.

Mit ihren Berufungen werden der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft auf diese Entscheidung verwiesen.

Die Vorhaftanrechnung wird dem Erstgericht überlassen.

römisch zwei. den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Vom Widerruf der Adam K***** mit Urteilen des Landesgerichts für Strafsachen Wien vom 16. Februar 2015, AZ 111 Hv 1/15b, sowie des Bezirksgerichts Leopoldstadt vom 9. November 2016, AZ 28 U 121/16a, gewährten bedingten Strafnachsichten wird abgesehen. In beiden Fällen werden die Probezeiten jeweils auf fünf Jahre verlängert.

Text

Gründe:

Mit Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Wien vom 17. Februar 2017, GZ 86 Hv 22/16h-24, wurde Adam K***** des Verbrechens des schweren Raubes nach Paragraphen 142, Absatz eins, 143, Absatz eins, zweiter Fall StGB (A./) und des Vergehens nach Paragraph 50, Absatz eins, Ziffer 3, WaffG (B./) schuldig erkannt.

Danach hat er in W*****

A./ am 29. November 2016 durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben (Paragraph 89, StGB) Verfügungsberechtigten des Lokals „I*****“ fremde bewegliche Sachen, und zwar etwa 500 Euro Bargeld, mit auf unrechtmäßige Bereicherung gerichtetem Vorsatz abgenötigt, indem er Oguzhan C***** ein Messer vorhielt und ihn mit den Worten „Gib mir das Geld, sonst schlitz ich dich auf!“ zur Herausgabe von Bargeld aufforderte, wobei er den Raub unter Verwendung einer Waffe verübte;

B./ vom 10. bis zum 29. November 2016 eine Waffe, und zwar ein Messer mit einer ca 15 cm langen Klinge, welches er zu Selbstverteidigungszwecken anschaffte und in einer dafür vorgesehenen Halterung bei sich trug, besessen, obwohl ihm dies gemäß Paragraph 12, WaffG verboten war.

Nach den getroffenen Feststellungen besorgte der Angeklagte Anfang November 2016 das Messer, um es zu Selbstverteidigungszwecken einzusetzen. Er trug es in einer extra dafür vorgesehenen Halterung am Körper, bei der man einen Druckknopf öffnen musste, um das Messer herauszuziehen (US 4). Das Messer hatte eine ca 15 cm lange, auf einer Seite spitz zugeschliffene Klinge und gelangte bei der Raubtat zum Einsatz (US 3 f).

Der Schuldspruch ist aufgrund der Rückziehung (ON 35) der vom Angeklagten angemeldeten (ON 26, 27) Nichtigkeitsbeschwerde rechtskräftig; über die Berufungen der Staatsanwaltschaft (ON 30) und des Angeklagten (ON 32) hat das Oberlandesgericht Wien noch nicht entschieden.

Wie die Generalprokuratur in ihrer zur Wahrung des Gesetzes erhobenen Nichtigkeitsbeschwerde zutreffend ausführt, verletzt das Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Wien vom 17. Februar 2017, GZ 86 Hv 22/16h-24, aus folgenden Gründen das Gesetz:

Rechtliche Beurteilung

Nach Paragraph 50, Absatz eins, Ziffer 3, WaffG ist zu bestrafen, wer, wenn auch nur fahrlässig, Waffen oder Munition besitzt, obwohl ihm dies gemäß Paragraph 12, WaffG verboten ist.

Nach der Legaldefinition des Paragraph eins, WaffG sind Waffen Gegenstände, die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind, die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen durch unmittelbare Einwirkung zu beseitigen oder herabzusetzen (1./) oder bei der Jagd oder beim Schießsport zur Abgabe von Schüssen verwendet zu werden (2./). Dieser waffenrechtliche (technische) Waffenbegriff deckt sich nicht mit dem strafrechtlichen (funktionalen) Waffenbegriff. Vom technischen Waffenbegriff sind neben allen Schusswaffen insbesondere auch Hieb-, Stich- und Stoßwaffen sowie verbotene Waffen umfasst. „Gewöhnliche“ Messer mit stumpfem Rücken, wie etwa Brot-, Tisch- und Küchenmesser sowie Jagd-, Taschen-, Pfadfinder- und Fahrtenmesser sind nicht als Waffen im Sinn des Waffengesetzes anzusehen, weil sie nicht ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind, die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen durch unmittelbare Einwirkung zu beseitigen oder herabzusetzen. Die subjektive Zweckwidmung durch den Inhaber des Gegenstands spielt dabei keine Rolle. Maßgeblich ist nur die objektive Zweckwidmung (RIS-Justiz RS0122916). Auch die Länge und Beschaffenheit der Klinge sind ohne Bedeutung; für eine Einordnung unter Paragraph 50, Absatz eins, Ziffer 3, WaffG müssten besondere Eigenschaften festgestellt werden, die über jene eines gewöhnlichen Gebrauchsgegenstands hinausgehen (RIS-Justiz RS0082031 [T4, T10]).

Solche besonderen Eigenschaften des Messers, die über jene eines gewöhnlichen Gebrauchsgegenstands hinausgehen, hat das Gericht nicht festgestellt. Die Beschaffenheit der für das Messer vorgesehenen Halterung spielt für diese Beurteilung hingegen keine Rolle. Die Konstatierungen vermögen die rechtliche Beurteilung nach Paragraph 50, Absatz eins, Ziffer 3, WaffG daher nicht zu tragen.

Entsprechende Feststellungen sind nach dem Akteninhalt auch nicht zu erwarten, weil der Angeklagte nach seinen Angaben das Messer am 30. November 2016 von einer Brücke in die Donau geworfen hat (ON 8 S 79; ON 23 S 6). Dieser Verantwortung entgegenstehende Beweismittel liegen ebenso wenig vor wie konkrete, über die im Urteil zitierten, die Eigenschaften des Messers betreffende Beschreibungen.

Da sich dieser, mit dem Verbrechen nach Paragraphen 142, Absatz eins, 143, Absatz eins, zweiter Fall StGB infolge Verwendung des in Rede stehenden Messers anlässlich des Raubgeschehens idealkonkurrierende Schuldspruch zum Nachteil des Angeklagten ausgewirkt hat, sah sich der Oberste Gerichtshof veranlasst, mit dessen ersatzloser Aufhebung vorzugehen.

Bei der damit erforderlichen Strafneubemessung waren als erschwerend fünf einschlägige Vorstrafen und das Vorliegen der Voraussetzungen des Paragraph 39, StGB, als mildernd hingegen das reumütige Geständnis, der erfolglos gebliebene Versuch der Schadensgutmachung in der Hauptverhandlung vergleiche US 4 f) und die Tatsache zu werten, dass sich der Angeklagte der Polizei stellte.

Unter Berücksichtigung des Unrechts der Tat und der Schuld des Angeklagten, auch der Tatbegehung während zweier offener Probezeiten vergleiche RIS-Justiz RS0090597), war, – wie bereits vom Erstgericht – mit der Verhängung einer fünfjährigen Freiheitsstrafe vorzugehen.

Mit ihren Berufungen waren der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft auf diese Entscheidung zu verweisen.

Die Vorhaftanrechnung war dem Erstgericht zu überlassen.

Angesichts der erstmaligen Verbüßung einer mehrjährigen Freiheitsstrafe bedurfte es nicht des Widerrufs der bedingten Strafnachsicht zu AZ 28 U 121/16a des Bezirksgerichts Leopoldstadt. Das Absehen vom Widerruf der mit Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Wien vom 16. Februar 2015, AZ 111 Hv 1/15b, gewährten bedingten Strafnachsicht blieb seitens der Staatsanwaltschaft unbekämpft.

Die noch offenen Probezeiten waren jedoch aus spezialpräventiven Gründen gemäß Paragraph 494 a, Absatz 6, StPO auf fünf Jahre zu verlängern.

Textnummer

E118900

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2017:0120OS00064.17D.0713.000

Im RIS seit

08.08.2017

Zuletzt aktualisiert am

01.02.2021

Dokumentnummer

JJT_20170713_OGH0002_0120OS00064_17D0000_000