Rechtssatz für 14Os139/04 11Os48/06b 1...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Strafrecht

Rechtssatznummer

RS0119511

Geschäftszahl

14Os139/04; 11Os48/06b; 12Os138/06w; 14Os43/09v; 15Os20/11x; 13Os82/11z; 11Os115/11p; 11Os66/12h; 14Os90/16s

Entscheidungsdatum

28.09.2016

Norm

MRK Art5 Abs1 lita III4a
MRK Art5 Abs1 litc III4d1
MRK Art5 Abs3 IV3d
MRK Art6 Abs1 II6
StPO §193 Abs1
StPO §193 Abs2
  1. StPO § 193 heute
  2. StPO § 193 gültig ab 01.01.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 19/2004
  3. StPO § 193 gültig von 01.01.1994 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 526/1993
  4. StPO § 193 gültig von 01.07.1983 bis 31.12.1993 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 168/1983
  1. StPO § 193 heute
  2. StPO § 193 gültig ab 01.01.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 19/2004
  3. StPO § 193 gültig von 01.01.1994 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 526/1993
  4. StPO § 193 gültig von 01.07.1983 bis 31.12.1993 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 168/1983

Rechtssatz

Wenn die Schuld einer Person bereits in einer Hauptverhandlung festgestellt worden ist, die in ihrem Ablauf den Erfordernissen des Artikel 6, Absatz eins, MRK entsprochen hat, finden nach der Rsp des EGMR Verhängung und Fortsetzung der Untersuchungshaft ihre Rechtfertigung in Artikel 5, Absatz eins, Litera a, MRK. Fänden Verhängung und Fortsetzung der Untersuchungshaft ihre Rechtfertigung auch nach erstinstanzlicher Verurteilung in Artikel 5, Absatz eins, Litera c, MRK, könnte mit Blick auf den Wortlaut des Artikel 5, Absatz eins, MRK argumentiert werden, dass die aus welchem Grund immer verhängte oder fortgesetzte Untersuchungshaft nach einem erstinstanzlichen Schuldspruch nach Maßgabe der MRK stets aufgehoben werden müsste, weil die StPO eine "Vorführung" des auf freiem Fuß befindlichen Angeklagten im Rechtsmittelverfahren nicht kennt (Paragraphen 286, Absatz eins, zweiter Satz, 294 Absatz 5, zweiter Satz, 296 Absatz 3, zweiter Satz, 344 zweiter Satz, 473 Absatz eins, 489, Absatz eins, zweiter Satz StPO). Wer sich wegen der Verlängerung seiner Haft über die erstinstanzliche Verurteilung hinaus aufgrund der Verzögerung, die mit der Entscheidung über sein Rechtsmittel verbunden ist, zu beschweren hätte, kann sich nach der Rsp des EGMR nicht auf Artikel 5, Absatz 3, MRK berufen, wohl aber "möglicherweise Nichtbeachtung der in Artikel 6, Absatz eins, MRK vorgesehenen angemessenen Frist geltend machen" (EGMR, 27. 6. 1968, Wemhoff gg Deutschland). Nach der Rsp des Obersten Gerichtshofes setzen Paragraph 193, Absatz eins und 2 StPO diese Grundrechtsverheißung auf einfachgesetzlicher Stufe um (richtungweisend: 15 Os 34/04).

Entscheidungstexte

  • 14 Os 139/04
    Entscheidungstext OGH 23.11.2004 14 Os 139/04
  • 11 Os 48/06b
    Entscheidungstext OGH 13.06.2006 11 Os 48/06b
    Auch; Beisatz: Die Anhaltung in Untersuchungshaft widerstreitet nach einem in erster Instanz auf der Grundlage einer in ihrem Ablauf den Erfordernissen des Art 6 Abs 1 MRK entsprechenden Hauptverhandlung ergangenen Schuldausspruch und Strafausspruch keineswegs der Unschuldsvermutung des Art 6 Abs 2 MRK, sondern findet im Gegenteil ihre - nach Maßgabe der nationalen Gesetzeslage zu beurteilende - Rechtfertigung in Art 5 Abs 1 lit a MRK. (T1)
  • 12 Os 138/06w
    Entscheidungstext OGH 21.12.2006 12 Os 138/06w
    Auch; nur: Wenn die Schuld einer Person bereits in einer Hauptverhandlung festgestellt worden ist, die in ihrem Ablauf den Erfordernissen des Art 6 Abs 1 MRK entsprochen hat, finden nach der Rsp des EGMR Verhängung und Fortsetzung der Untersuchungshaft ihre Rechtfertigung in Art 5 Abs 1 lit a MRK. (T2)
    Beisatz: Wenngleich das Urteil angefochten wurde. (T3)
  • 14 Os 43/09v
    Entscheidungstext OGH 29.04.2009 14 Os 43/09v
    Vgl; Beisatz: Der Schutzbereich des Art 5 Abs 3 zweiter Satz EMRK erstreckt sich aber nur auf die Haftgründe des Art 5 Abs 1 lit c EMRK. (T4)
  • 15 Os 20/11x
    Entscheidungstext OGH 16.03.2011 15 Os 20/11x
    Vgl auch; nur T2
  • 13 Os 82/11z
    Entscheidungstext OGH 27.07.2011 13 Os 82/11z
    Auch; nur T2; Beisatz: Art 5 Abs 1 lit a MRK stellt nämlich auf die Haft ab der erstinstanzlichen Verurteilung, nicht erst auf jene ab Rechtskraft des Urteils ab. Deswegen werden auch vom EGMR Beschwerdeführer mit der Behauptung, der Schuldspruch oder die gegen sie verhängte Strafe würden auf einem Tatsachen-oder Rechtsirrtum des Erstgerichts beruhen, nicht gehört. (T5)
  • 11 Os 115/11p
    Entscheidungstext OGH 13.09.2011 11 Os 115/11p
    Vgl auch; Beis ähnlich wie T1
  • 11 Os 66/12h
    Entscheidungstext OGH 19.06.2012 11 Os 66/12h
    Vgl auch; ähnlich nur T2
  • 14 Os 90/16s
    Entscheidungstext OGH 28.09.2016 14 Os 90/16s
    Auch; Beis ähnlich wie T5

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2004:RS0119511

Im RIS seit

23.12.2004

Zuletzt aktualisiert am

24.10.2016

Dokumentnummer

JJR_20041123_OGH0002_0140OS00139_0400000_001

Rechtssatz für 14Os134/97; 15Os111/98; ...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Strafrecht

Rechtssatznummer

RS0108486

Geschäftszahl

14Os134/97; 15Os111/98; 15Os99/02; 11Os92/03; 14Os141/05z; 12Os138/06w; 14Os59/09x; 14Os46/10m; 15Os133/10p; 12Os18/11f; 15Os20/11x; 13Os23/11y; 14Os22/11h; 13Os82/11z; 11Os115/11p; 11Os66/12h; 15Os69/12d; 15Os50/12k; 14Os127/12a; 14Os54/13t; 11Os82/15s; 13Os130/15i; 11Os78/16d; 14Os90/16s; 14Os87/20f; 12Os30/21k; 12Os54/24v; 14Os97/24g; 11Os3/26i; 15Os83/26h

Entscheidungsdatum

20.07.2026

Rechtssatz

Die Dringlichkeit des Tatverdachtes ist ab Fällung des Urteils in erster Instanz im Grundrechtsbeschwerdeverfahren nicht mehr zu überprüfen (so schon 11 Os 88/93, 15 Os 105/93, 11 Os 20/94, 14 Os 34/94, 11 Os 142/95, 13 Os 103/96).

Entscheidungstexte

  • 14 Os 134/97
    Entscheidungstext OGH 01.10.1997 14 Os 134/97
  • 15 Os 111/98
    Entscheidungstext OGH 02.07.1998 15 Os 111/98
    Auch; Beisatz: Durch die Tatsache, dass ein Erkenntnisgericht einen Schuldspruch gefällt hat (der zum Zeitpunkt der Entscheidung über die Grundrechtsbeschwerde rechtskräftig ist), wird der dringende Tatverdacht ausreichend indiziert. (T1)
  • 15 Os 99/02
    Entscheidungstext OGH 28.08.2002 15 Os 99/02
    Auch; Beisatz: Auch bei nicht rechtskräftiger Verurteilung entspricht der Tatverdacht jedenfalls der vom Gesetz geforderten Dringlichkeit. (T2)
  • 11 Os 92/03
    Entscheidungstext OGH 11.08.2003 11 Os 92/03
    Vgl auch; Beisatz: Ein nach Durchführung eines kontradiktorischen Beweisverfahrens ergangener Schuldspruch begründet den für die Verhängung und Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft erforderlichen dringenden Tatverdacht - unvorgreiflich der vom Berufungsgericht zu treffenden Sachentscheidung über das Rechtsmittel des Beschwerdeführers - jedenfalls hinreichend. (T3)
  • 14 Os 141/05z
    Entscheidungstext OGH 09.01.2006 14 Os 141/05z
    Vgl auch; Beisatz: Im Rahmen des Grundrechtsbeschwerdeverfahrens ist in Betreff der Sachverhaltsannahmen für die Haftvoraussetzung des dringenden Tatverdacht von denjenigen des - wenngleich angefochtenen - Urteils auszugehen. (T4)
  • 12 Os 138/06w
    Entscheidungstext OGH 21.12.2006 12 Os 138/06w
    Auch; Beis wie T3
  • 14 Os 59/09x
    Entscheidungstext OGH 04.06.2009 14 Os 59/09x
    Auch; Beis wie T1; Beis wie T3
  • 14 Os 46/10m
    Entscheidungstext OGH 13.04.2010 14 Os 46/10m
    Vgl auch; Beis wie T1
  • 15 Os 133/10p
    Entscheidungstext OGH 13.10.2010 15 Os 133/10p
  • 12 Os 18/11f
    Entscheidungstext OGH 08.03.2011 12 Os 18/11f
  • 15 Os 20/11x
    Entscheidungstext OGH 16.03.2011 15 Os 20/11x
    Auch; Beis wie T3
  • 13 Os 23/11y
    Entscheidungstext OGH 07.04.2011 13 Os 23/11y
  • 14 Os 22/11h
    Entscheidungstext OGH 16.03.2011 14 Os 22/11h
    Auch; Beis wie T3
  • 13 Os 82/11z
    Entscheidungstext OGH 27.07.2011 13 Os 82/11z
    Auch
  • 11 Os 115/11p
    Entscheidungstext OGH 13.09.2011 11 Os 115/11p
  • 11 Os 66/12h
    Entscheidungstext OGH 19.06.2012 11 Os 66/12h
  • 15 Os 69/12d
    Entscheidungstext OGH 12.06.2012 15 Os 69/12d
    Vgl auch; Ähnlich Beis wie T4
  • 15 Os 50/12k
    Entscheidungstext OGH 10.05.2012 15 Os 50/12k
    Vgl auch; Beis wie T4
  • 14 Os 127/12a
    Entscheidungstext OGH 29.01.2013 14 Os 127/12a
    Vgl; Beis wie T4
  • 14 Os 54/13t
    Entscheidungstext OGH 25.04.2013 14 Os 54/13t
    Vgl; Beis wie T4
  • 11 Os 82/15s
    Entscheidungstext OGH 30.07.2015 11 Os 82/15s
  • 13 Os 130/15i
    Entscheidungstext OGH 30.11.2015 13 Os 130/15i
  • 11 Os 78/16d
    Entscheidungstext OGH 18.08.2016 11 Os 78/16d
  • 14 Os 90/16s
    Entscheidungstext OGH 28.09.2016 14 Os 90/16s
  • 14 Os 87/20f
    Entscheidungstext OGH 01.09.2020 14 Os 87/20f
  • 12 Os 30/21k
    Entscheidungstext OGH 25.03.2021 12 Os 30/21k
    Vgl
  • 12 Os 54/24v
    Entscheidungstext OGH 27.06.2024 12 Os 54/24v
    vgl; Beisatz: hier: Dringender Tatverdacht nur in Ansehung der vom Schuldspruch umfassten Tat. (T5)
  • 14 Os 97/24g
    Entscheidungstext OGH 08.10.2024 14 Os 97/24g
    vgl
  • 11 Os 3/26i
    Entscheidungstext OGH 23.01.2026 11 Os 3/26i
    vgl
  • 15 Os 83/26h
    Entscheidungstext OGH 20.07.2026 15 Os 83/26h
    vgl

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1997:RS0108486

Im RIS seit

31.10.1997

Zuletzt aktualisiert am

01.09.2026

Dokumentnummer

JJR_19971001_OGH0002_0140OS00134_9700000_002

Entscheidungstext 12Os138/06w

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Rechtsgebiet

Strafrecht

Geschäftszahl

12Os138/06w

Entscheidungsdatum

21.12.2006

Anmerkung

E82985 12Os138.06w

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 21. Dezember 2006 durch den Hofrat des Obersten Gerichtshofes Dr. Schwab als Vorsitzenden sowie die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Zehetner und Dr. Lässig als weitere Richter, in Gegenwart des Richteramtsanwärters Mag. Hinterleitner als Schriftführer, in der Strafsache gegen Gernot B***** wegen des Verbrechens nach Paragraph 28, Absatz 2, vierter Fall, Absatz 3, erster Fall und Absatz 4, Ziffer 3, SMG sowie weiterer strafbarer Handlungen, AZ 14 Hv 202/04s des Landesgerichtes Klagenfurt, über die Grundrechtsbeschwerde des Angeklagten gegen den Beschluss des Oberlandesgerichtes Graz vom 25. Oktober 2006, AZ 9 Bs 327/06s (ON 79 der Hv-Akten), nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

Gernot B***** wurde im Grundrecht auf persönliche Freiheit nicht verletzt.

Die Grundrechtsbeschwerde wird abgewiesen.

Text

Gründe:

Gernot B***** wurde mit Urteil des Landesgerichtes Klagenfurt als Schöffengericht vom 5. Oktober 2006, GZ 14 Hv 202/04s-73, des Verbrechens nach Paragraph 28, Absatz 2, vierter Fall, Absatz 3, erster Fall und Absatz 4, Ziffer 3, SMG (römisch zwei) sowie der Vergehen nach Paragraph 28, Absatz eins, SMG (römisch eins) und des teilweise beim Versuch nach Paragraph 15, StGB verbliebenen nach Paragraph 27, Absatz eins, erster, zweiter und sechster Fall SMG (römisch drei) schuldig erkannt und hiefür unter Anwendung des Paragraph 28, StGB nach Paragraph 28, Absatz 4, SMG zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Gemäß Paragraph 38, Absatz eins, Ziffer eins, StGB wurde eine Vorhaft vom 8. Dezember 2005, 23:05 Uhr, bis 18. Juli 2006, 9:00 Uhr, aus dem Verfahren 8 Ur 272/05w des Landesgerichtes Klagenfurt auf die verhängte Freiheitsstrafe angerechnet. Inhaltlich des Schuldspruches hat Gernot B***** in Klagenfurt und anderen Orten den bestehenden Vorschriften zuwider Suchtgift

römisch eins. in den Jahren 1995 und 1996 insgesamt mindestens 1.260 Gramm Kokain mit einer Reinsubstanz von zumindest 630 Gramm Kokainbase, somit Suchtgift in einer großen Menge, mit dem Vorsatz vom abgesondert verfolgten Shengul F***** erworben, dass es in Verkehr gesetzt werde;

römisch zwei. von 1998 bis Ende 2001 in einer die Grenzmenge des Paragraph 28, Absatz 6, SMG um mehr als das Fünfundzwanzigfache übersteigenden Menge, nämlich insgesamt mindestens 1.055 Gramm Kokain mit einer Reinsubstanz von zumindest 500 Gramm Kokainbase in der Absicht, sich durch die wiederkehrende Begehung gleichartiger Taten (iSv Paragraph 28, Absatz 2, vierter Fall SMG) eine fortlaufende Einnahme zu verschaffen, durch teils unmittelbaren gewinnbringenden Verkauf an Kresimir V***** (10 Gramm) und teils Weitergabe zum gewinnbringenden Verkauf an Alfred T***** (15 Gramm), Daut S***** (zumindestens 1.000 Gramm) sowie Alfred G***** (30 Gramm) in Verkehr gesetzt;

römisch drei. außer den Fällen des Paragraph 28, SMG

1. in der Zeit von Anfang 1995 bis zumindest Sommer 2003 unbestimmte Mengen Kokain anlässlich des wiederholten, teils gemeinsamen Konsums mit zahlreichen im Urteil namentlichen angeführten Personen erworben, besessen und anderen überlassen,

2. im Frühjahr 1998 rund 100 Gramm Kokain von Shengul F***** zu erwerben versucht.

Nach Verkündung des Urteils haben sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung angemeldet (S 29/IV) und wurde über Antrag des Staatsanwaltes über Gernot B***** die Untersuchungshaft aus dem Haftgrund der Fluchtgefahr nach Paragraph 180, Absatz 2, Ziffer eins, StPO verhängt (ON 74).

Einer gegen diese Entscheidung erhobenen Beschwerde gab das Oberlandesgericht Graz mit dem angefochtenen Beschluss nicht Folge (Paragraph 179, Absatz 6, StPO).

Rechtliche Beurteilung

Die dagegen gerichtete Grundrechtsbeschwerde (ON 82) ist nicht im Recht.

Zutreffend ist der Gerichtshof zweiter Instanz hinsichtlich des dringenden Tatverdachtes von den Sachverhaltsannahmen im - wenngleich angefochtenen - Urteil ausgegangen. Denn ein nach Durchführung eines kontradiktorischen Beweisverfahrens ergangener Schuldspruch begründet jedenfalls einen für die Verhängung und Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft erforderlichen dringenden Tatverdacht (RIS-Justiz RS0108486; auch RS0119511).

Die in der Beschwerde gegen die Glaubwürdigkeit eines Zeugen und somit gegen den Schuldspruch römisch eins erhobenen eigenständig beweiswürdigenden Einwände entbehren im Gegenstand (s Schuldspruch römisch zwei) der entscheidenden Bedeutung.

Den Haftgrund der Fluchtgefahr hat das Beschwerdegericht unter Berücksichtigung des inländischen Wohnsitzes darauf gestützt, dass die Hoffnung des Angeklagten auf einen Freispruch durch das verurteilende Erkenntnis zunichte gemacht wurde, er vielmehr jetzt rechnen muss, in kurzer Zeit eine nicht unbeträchtliche Strafe zu verbüßen, dass gegen ihn ein weiteres Strafverfahren mit einer bereits rechtswirksamen Anklageschrift (ua wegen des Verbrechens der Vergewaltigung nach Paragraph 201, Absatz 2, in der Fassung vor BGBl römisch eins 2004/15 - vergleiche dazu 12 Os 82/06k) anhängig ist und dass seine Gattin ohne weiteres seine Geschäfte allein weiter führen kann.

Diese Begründung ist - dem substratlosen Beschwerdevorbringen entgegen - logisch und empirisch einwandfrei.

Die Aufhebung der Untersuchungshaft unter Anwendung gelinderer Mittel, ua gegen Kaution, lehnte das Oberlandesgericht im Hinblick auf die besondere Intensität des Haftgrundes ab. Diesem zutreffenden Argument vermag die Beschwerde außer der Behauptung, dass der Zweck der Untersuchungshaft auch durch gelindere Mittel erreicht werden könnte, nichts entgegenzusetzen.

Ausgehend von der vom Erstgericht ausgesprochenen, wenngleich nicht rechtskräftigen Strafe ist die bisherige Dauer der Untersuchungshaft auch unter Bedachtnahme auf die aus einem anderen Verfahren angerechnete Vorhaft von rund sieben Monaten nicht unangemessen. Eine Verletzung des Beschleunigungsgebotes (Paragraph 193, Absatz eins, StPO) durch ins Gewicht fallend verzögerte Ausfertigung des Urteiles liegt nicht vor. Nach sechs teilweise ganztägigen Hauptverhandlungs-Terminen, in denen zahlreiche Zeugen vernommen wurden, erforderte die schriftliche Urteilsausfertigung eine umfangreiche Begründung, insbesondere zur Beweiswürdigung (US 21 bis 40). Dessen ungeachtet wurde das Urteil am 5. Dezember 2006 zugestellt vergleiche 14 Os 77/06i und 12 Os 98/06p). Gernot B***** wurde daher im Grundrecht auf persönliche Freiheit nicht verletzt, weshalb die Beschwerde ohne Kostenzuspruch abzuweisen war (Paragraph 8, GRBG).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2006:0120OS00138.06W.1221.000

Dokumentnummer

JJT_20061221_OGH0002_0120OS00138_06W0000_000