Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ra 2018/01/0406

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ra 2018/01/0406

Entscheidungsdatum

14.12.2018

Index

20/09 Internationales Privatrecht

Rechtssatz

Gemäß Paragraph 6, IPRG ist eine Bestimmung des fremden Rechts nicht anzuwenden, wenn ihre Anwendung zu einem Ergebnis führen würde, das mit den Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung unvereinbar ist. Schutzobjekt sind primär die "Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung" und nicht subjektive Rechtspositionen von Inländern vergleiche VwGH 6.9.2018, Ra 2018/18/0094, mwN ua auf VwGH 11.10.2016, Ra 2016/01/0025-0026).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2018010406.L01

Im RIS seit

25.01.2019

Zuletzt aktualisiert am

21.03.2019

Dokumentnummer

JWR_2018010406_20181214L01

Rechtssatz für Ra 2018/01/0406

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

Ra 2018/01/0406

Entscheidungsdatum

14.12.2018

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein
20/09 Internationales Privatrecht

Rechtssatz

Zum "ordre public" zählt der "Inhalt der geschützten Grundwertungen des österreichischen Rechtes (...), also die unverzichtbaren Wertvorstellungen, die die österreichische Rechtsordnung prägen" vergleiche VwGH 6.9.2018, Ra 2018/18/0094, mwN auf VfGH 11.10.2012, B 99/12 ua).

Schlagworte

Definition von Begriffen mit allgemeiner Bedeutung VwRallg7

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2018010406.L02

Im RIS seit

25.01.2019

Zuletzt aktualisiert am

21.03.2019

Dokumentnummer

JWR_2018010406_20181214L02

Rechtssatz für Ra 2018/01/0406

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

3

Geschäftszahl

Ra 2018/01/0406

Entscheidungsdatum

14.12.2018

Index

20/09 Internationales Privatrecht
24/01 Strafgesetzbuch

Rechtssatz

Nach übereinstimmender Rechtsprechung der Höchstgerichte zählt die Einehe zu den von Paragraph 6, IPRG geschützten Grundwerten vergleiche VwGH 6.9.2018, Ra 2018/18/0094, mwN, VfGH 11.10.2012, B 99/12 ua, sowie OGH RIS-Justiz RS 0076998). Die Einehe bzw. das Verbot der mehrfachen Ehe (Bigamie) ist somit Inhalt der geschützten Grundwertungen des österreichischen Rechts und damit der unverzichtbaren Wertvorstellungen, die die österreichische Rechtsordnung prägen. Dies macht auch der gerichtliche Straftatbestand des Paragraph 192, StGB deutlich, wonach eine mehrfache Ehe oder eingetragene Partnerschaft mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen ist.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2018010406.L03

Im RIS seit

25.01.2019

Zuletzt aktualisiert am

21.03.2019

Dokumentnummer

JWR_2018010406_20181214L03

Rechtssatz für Ra 2018/01/0406

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

4

Geschäftszahl

Ra 2018/01/0406

Entscheidungsdatum

14.12.2018

Index

20/09 Internationales Privatrecht
41/02 Staatsbürgerschaft

Rechtssatz

Das Eingehen einer mehrfachen Ehe (Bigamie) verletzt die geschützten Grundwertungen des österreichischen Rechts. Es ist somit von einem fehlenden Bekenntnis des Verleihungswerbers nach Paragraph 11, StbG 1985 zu den Grundwerten eines europäischen demokratischen Staates und seiner Gesellschaft auszugehen.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2018010406.L04

Im RIS seit

25.01.2019

Zuletzt aktualisiert am

21.03.2019

Dokumentnummer

JWR_2018010406_20181214L04

Rechtssatz für Ra 2018/01/0406

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

5

Geschäftszahl

Ra 2018/01/0406

Entscheidungsdatum

14.12.2018

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein
41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

StbG 1985 §10;
StbG 1985 §11;
VwRallg;

Rechtssatz

Für die Person des Verleihungswerbers ist gesondert zu prüfen, ob die Verleihungsvoraussetzungen des Paragraph 10, StbG 1985 erfüllt sind und ob gegebenenfalls eine positive Ermessensübung nach Paragraph 11, StbG 1985 in Frage kommt vergleiche VwGH 20.6.2017, Ra 2017/01/0122).

Schlagworte

Ermessen VwRallg8

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2018010406.L05

Im RIS seit

25.01.2019

Zuletzt aktualisiert am

21.03.2019

Dokumentnummer

JWR_2018010406_20181214L05

Rechtssatz für Ra 2018/01/0406

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

6

Geschäftszahl

Ra 2018/01/0406

Entscheidungsdatum

14.12.2018

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein
41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

StbG 1985 §10 Abs1;
StbG 1985 §10 Abs2;
StbG 1985 §11;
VwRallg;

Rechtssatz

Nach der Staatsbürgerschaftsrecht-Novelle 2005 ist Paragraph 11, StbG auch auf Verfahren ohne Ermessensspielraum anwendbar und dient als Interpretationsmaxime für Paragraph 10, Absatz eins und 2 StbG vergleiche auch Fessler/Fessler/Pfandner, Staatsbürgerschaftsrecht (2018), 68, Anmerkung 1 zu Paragraph 11, StbG).

Schlagworte

Ermessen VwRallg8

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2018010406.L06

Im RIS seit

25.01.2019

Zuletzt aktualisiert am

21.03.2019

Dokumentnummer

JWR_2018010406_20181214L06

Rechtssatz für Ra 2018/01/0406

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

7

Geschäftszahl

Ra 2018/01/0406

Entscheidungsdatum

14.12.2018

Index

41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

StbG 1985 §10 Abs1 Z6;

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie 2013/01/0002 E 21. November 2013 RS 1 (hier nur die ersten zwei Sätze)

Stammrechtssatz

Das Verleihungshindernis des Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 6, StbG setzt eine gerichtliche Verurteilung wegen einer als erwiesen angesehenen Straftat nicht voraus. Vielmehr knüpft Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 6, StbG nicht an die gerichtliche Verurteilung, sondern an das Verhalten des Einbürgerungswerbers an vergleiche das hg. Erkenntnis vom 22. August 2006, Zl. 2005/01/0026, mwN). Auch Taten, hinsichtlich derer es zur Verfahrenseinstellung (nach Diversion) kommt, gehören zum Gesamtverhalten, von dem die Staatsbürgerschaftsbehörde bei ihrer Prüfung auszugehen hat vergleiche das hg. Erkenntnis vom 22. August 2007, Zl. 2005/01/0067, mwN).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2018010406.L07

Im RIS seit

25.01.2019

Zuletzt aktualisiert am

21.03.2019

Dokumentnummer

JWR_2018010406_20181214L07

Rechtssatz für Ra 2018/01/0406

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

8

Geschäftszahl

Ra 2018/01/0406

Entscheidungsdatum

14.12.2018

Index

41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

StbG 1985 §10 Abs1 Z6;

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2016/01/0124 B 11. Oktober 2016 RS 1 (hier nur der letzte Satz)

Stammrechtssatz

Nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ist bei der Prüfung der Verleihungsvoraussetzung des Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 6, StbG auf das Gesamtverhalten des Verleihungswerbers Bedacht zu nehmen und eine Prognose anzustellen, ob der Verleihungswerber Gewähr dafür bietet, keine Gefahr für die öffentlichen Interessen darzustellen. Vor allem vom Verleihungswerber begangene Straftaten haben in diese Beurteilung einzufließen. Daraus lässt sich aber nicht der Umkehrschluss ziehen, dass die strafrechtliche Unbescholtenheit eines Einbürgerungswerbers in jedem Fall zu einer für ihn positiven Prognose zukünftigen Wohlverhaltens führen muss. Die Gefährlichkeit eines Verleihungswerbers im Sinn des Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 6, StbG kann sich nämlich auch aus besonderen Umständen in seiner Person ergeben, die bislang noch zu keinem Konflikt mit dem Strafgesetz geführt haben.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2018010406.L08

Im RIS seit

25.01.2019

Zuletzt aktualisiert am

21.03.2019

Dokumentnummer

JWR_2018010406_20181214L08

Rechtssatz für Ra 2018/01/0406

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

9

Geschäftszahl

Ra 2018/01/0406

Entscheidungsdatum

14.12.2018

Index

24/01 Strafgesetzbuch
41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

StbG 1985 §10 Abs1 Z6;
StGB §192;

Rechtssatz

Für die Beurteilung nach Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 6, StbG 1985 ist es unerheblich, ob die vom Verleihungswerber (hier: in Ägypten) eingegangene mehrfache Ehe (Bigamie) in Österreich von ordentlichen Gerichten oder Verwaltungsbehörden geahndet wurde bzw. werden konnte.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2018010406.L09

Im RIS seit

25.01.2019

Zuletzt aktualisiert am

21.03.2019

Dokumentnummer

JWR_2018010406_20181214L09

Rechtssatz für Ra 2018/01/0406

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

10

Geschäftszahl

Ra 2018/01/0406

Entscheidungsdatum

14.12.2018

Index

41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

StbG 1985 §10 Abs1 Z6;

Rechtssatz

Ein längeres Wohlverhalten des Fremden seit einem nach Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 6, StbG 1985 relevanten Fehlverhalten kann für eine negative Prognose nach dieser Bestimmung von Bedeutung sein vergleiche VwGH 18.6.2014, 2013/01/0120).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2018010406.L10

Im RIS seit

25.01.2019

Zuletzt aktualisiert am

21.03.2019

Dokumentnummer

JWR_2018010406_20181214L10

Rechtssatz für Ra 2018/01/0406

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

11

Geschäftszahl

Ra 2018/01/0406

Entscheidungsdatum

14.12.2018

Index

41/02 Staatsbürgerschaft

Norm

StbG 1985 §10 Abs1 Z6;
StbG 1985 §11;

Rechtssatz

Die vom Verleihungswerber im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht vorgebrachten Gründe für das Eingehen einer mehrfachen Ehe, insbesondere die Rechtfertigung, er sei die zweite Ehe "nur" aus religiösen Gründen eingegangen, dokumentieren, dass weiterhin von einem fehlenden Bekenntnis des Verleihungswerbers nach Paragraph 11, StbG zu den Grundwerten eines europäischen demokratischen Staates und seiner Gesellschaft auszugehen ist. Somit ist das vom Verleihungswerber vorgenommene Eingehen einer mehrfachen Ehe (Bigamie) samt seiner im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht zum Ausdruck gekommenen Einstellung hiezu als Verhalten zu qualifizieren, welches das Verleihungshindernis nach Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 6, StbG verwirklicht.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2018:RA2018010406.L11

Im RIS seit

25.01.2019

Zuletzt aktualisiert am

21.03.2019

Dokumentnummer

JWR_2018010406_20181214L11