Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

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Entscheidungstext Ra 2015/15/0050

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

Ra 2015/15/0050

Entscheidungsdatum

23.02.2017

Index

10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG);
10/07 Verwaltungsgerichtshof;
32/01 Finanzverfahren allgemeines Abgabenrecht;
32/02 Steuern vom Einkommen und Ertrag;
32/08 Sonstiges Steuerrecht;

Norm

BAO §4 Abs1;
B-VG Art133 Abs4;
B-VG Art140 Abs7;
EStG 1988 §46 Abs1;
UmgrStG 1991 §9 Abs8;
VwGG §34 Abs1;
  1. BAO § 4 heute
  2. BAO § 4 gültig ab 30.10.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 103/2019
  3. BAO § 4 gültig von 01.01.2013 bis 29.10.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2013
  4. BAO § 4 gültig von 26.03.2009 bis 31.12.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 20/2009
  5. BAO § 4 gültig von 01.01.1995 bis 25.03.2009 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 681/1994
  6. BAO § 4 gültig von 19.04.1980 bis 31.12.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 151/1980
  1. B-VG Art. 133 heute
  2. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2019 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  3. B-VG Art. 133 gültig ab 01.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  4. B-VG Art. 133 gültig von 25.05.2018 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  5. B-VG Art. 133 gültig von 01.08.2014 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 164/2013
  6. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  7. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.1975 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  9. B-VG Art. 133 gültig von 25.12.1946 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  10. B-VG Art. 133 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 133 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. B-VG Art. 140 heute
  2. B-VG Art. 140 gültig ab 01.01.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 114/2013
  3. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  4. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.2008 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2008
  5. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  6. B-VG Art. 140 gültig von 06.06.1992 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 276/1992
  7. B-VG Art. 140 gültig von 01.01.1991 bis 05.06.1992 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 685/1988
  8. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1988 bis 31.12.1990 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 341/1988
  9. B-VG Art. 140 gültig von 01.07.1976 bis 30.06.1988 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 302/1975
  10. B-VG Art. 140 gültig von 19.12.1945 bis 30.06.1976 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 140 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. EStG 1988 § 46 heute
  2. EStG 1988 § 46 gültig ab 20.07.2022 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 108/2022
  3. EStG 1988 § 46 gültig von 01.04.2012 bis 19.07.2022 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2012
  4. EStG 1988 § 46 gültig von 31.12.2010 bis 31.03.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 111/2010
  5. EStG 1988 § 46 gültig von 25.05.2002 bis 30.12.2010 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 84/2002
  6. EStG 1988 § 46 gültig von 01.07.1996 bis 24.05.2002 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 600/1996
  7. EStG 1988 § 46 gültig von 01.12.1993 bis 30.06.1996 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 818/1993
  8. EStG 1988 § 46 gültig von 30.12.1989 bis 30.11.1993 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 660/1989
  9. EStG 1988 § 46 gültig von 30.07.1988 bis 29.12.1989
  1. VwGG § 34 heute
  2. VwGG § 34 gültig ab 01.07.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2021
  3. VwGG § 34 gültig von 01.01.2014 bis 30.06.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  4. VwGG § 34 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  5. VwGG § 34 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  6. VwGG § 34 gültig von 01.08.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 89/2004
  7. VwGG § 34 gültig von 01.09.1997 bis 31.07.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 88/1997
  8. VwGG § 34 gültig von 05.01.1985 bis 31.08.1997

Betreff

Der Verwaltungsgerichtshof hat durch den Vorsitzenden Senatspräsident Dr. Zorn und die Hofräte MMag. Maislinger und Mag. Novak als Richter, unter Mitwirkung der Schriftführerin Mag. Baumann, über die Revision des H-J H in St. M, vertreten durch Dr. Klaus Oberndorfer, Rechtsanwalt in 4020 Linz, Landstraße 9, gegen das Erkenntnis des Bundesfinanzgerichts vom 22. April 2015, Zl. RV/5101210/2011, betreffend Einkommensteuer 2010, den Beschluss gefasst:

Spruch

Die Revision wird zurückgewiesen.

Begründung

1 Nach Artikel 133, Absatz 4, B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.

2 Nach Paragraph 34, Absatz eins, VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Artikel 133, Absatz 4, B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen.

3 Nach Paragraph 34, Absatz eins a, VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Artikel 133, Absatz 4, B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß Paragraph 25 a, Absatz eins, VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Artikel 133, Absatz 4, B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (Paragraph 28, Absatz 3, VwGG) zu überprüfen.

4 Der Revisionswerber führt zur Zulässigkeit aus, das Bundesfinanzgericht habe bei der Anrechnung der Mindestkörperschaftsteuer Paragraph 9, Absatz 8, UmgrStG in der Fassung des Budgetbegleitgesetzes 2012, Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 112 aus 2011,, angewendet, obwohl eine Anrechnung der Mindestkörperschaftsteuer betreffend das Jahr 2010 begehrt worden sei und somit richtigerweise die Bestimmung des Paragraph 9, Absatz 8, UmgrStG in der Fassung vor dem Budgetbegleitgesetz 2012 anzuwenden gewesen wäre.

5 Paragraph 9, Absatz 8, UmgrStG in der Fassung des Strukturanpassungsgesetzes 1996, Bundesgesetzblatt Nr. 201 aus 1996, lautete:

  1. Absatz 8,Mindeststeuern der übertragenden Körperschaft im Sinne des Paragraph 24, Absatz 4, des Körperschaftsteuergesetzes 1988, die bis zum Umwandlungsstichtag entstanden und noch nicht verrechnet sind, sind den Rechtsnachfolgern ab dem dem Umwandlungsstichtag folgenden Wirtschaftsjahr in jenem Ausmaß zuzurechnen, das sich aus der Höhe der Beteiligung an der umgewandelten Körperschaft im Zeitpunkt der Eintragung des Umwandlungsbeschlusses in das Firmenbuch ergibt. Dabei sind die Anteile abfindungsberechtigter Anteilsinhaber den Rechtsnachfolgern quotenmäßig zuzurechnen. Paragraph 24, Absatz 4, des Körperschaftsteuergesetzes 1988 gilt für natürliche Personen als Rechtsnachfolger mit der Maßgabe, daß die Mindeststeuern im Ausmaß entstehender Einkommensteuerschulden nach Berücksichtigung der in Paragraph 46, Absatz eins, des Einkommensteuergesetzes 1988 genannten Beträge anzurechnen sind.

Paragraph 46, Absatz 2, des Einkommensteuergesetzes 1988 ist nicht anzuwenden."

6 Gemäß Paragraph 46, Absatz eins, EStG 1988 werden auf die Einkommensteuerschuld einerseits die für den Veranlagungszeitraum festgesetzten Vorauszahlungen, andererseits die durch Steuerabzug einbehaltenen Beträge, soweit sie auf veranlagte Einkünfte entfallen (somit insbesondere Lohnsteuer), angerechnet.

7 Der Verfassungsgerichtshof hat mit Erkenntnis vom 30. Juni 2011, G 15/11, die Wortfolge "nach Berücksichtigung der in Paragraph 46, Absatz eins, des Einkommensteuergesetzes 1988 genannten Beträge" im dritten Satz des Paragraph 9, Absatz 8, UmgrStG, Bundesgesetzblatt Nr. 699 aus 1991, in der Fassung Bundesgesetzblatt Nr. 201 aus 1996,, als verfassungswidrig aufgehoben, weil die Berücksichtigung von Mindeststeuern einer umgewandelten Kapitalgesellschaft bei den vormaligen Gesellschaftern (natürlichen Personen) dadurch von zufälligen Umständen abhängt. Dass der Verfassungsgerichtshof die Wortfolge "nach Berücksichtigung der in Paragraph 46, Absatz eins, des Einkommensteuergesetzes 1988 genannten Beträge" im dritten Satz des Paragraph 9, Absatz 8, UmgrStG in der Fassung Bundesgesetzblatt Nr. 201 aus 1996, aufgehoben hat, wurde mit Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 79 aus 2011, vom 18. August 2011 kundgemacht.

8 Bestimmt der Verfassungsgerichtshof in seinem Erkenntnis für das Außerkrafttreten des aufgehobenen Gesetzes bzw. der aufgehobenen Wortfolge eines Gesetzes keine Frist, so tritt die Aufhebung am Tag der Kundmachung im Bundesgesetzblatt in Kraft. Auf die vor diesem Zeitpunkt verwirklichten Tatbestände ist mit Ausnahme des Anlassfalles das Gesetz in der bis zur Aufhebung geltenden Fassung weiterhin anzuwenden, sofern der Verfassungsgerichtshof nicht in seinem aufhebenden Erkenntnis anderes ausspricht (Artikel 140, Absatz 7, B-VG). Ein derartiger Ausspruch erfolgte im vorliegenden Fall nicht vergleiche , hiezu etwa VwGH vom 18. Dezember 2008, 2006/15/0053, VwSlg 8397/F). Der vorliegende Fall war auch kein Anlassfall vergleiche , hingegen - zur Einkommensteuer 2004 des Revisionswerbers - das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes vom 20. September 2011, B 776/10).

9 Im Bereich des Abgabenrechts ist jene Rechtslage maßgebend, unter deren zeitlichen Geltung der Abgabentatbestand verwirklicht worden ist vergleiche , VwGH vom 24. Juni 1999, 97/15/0123, mwN). Nach Ziffer 19, des 3. Teils des UmgrStG ist Paragraph 9, Absatz 8, in der Fassung des Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 112 aus 2011, erstmals bei der Veranlagung 2011 anzuwenden. Der Abgabenanspruch hinsichtlich der zu veranlagenden Einkommensteuer für das Jahr 2010 entsteht mit Ablauf des Kalenderjahres 2010. Demzufolge ist im Revisionsfall Paragraph 9, Absatz 8, UmgrStG in der Fassung des Strukturanpassungsgesetzes 1996, Bundesgesetzblatt Nr. 201 aus 1996,, anzuwenden.

10 Das Bundesfinanzgericht hat die Mindestkörperschaftsteuer mit der Begründung nicht angerechnet, dass zunächst die einbehaltene Lohnsteuer auf die Einkommensteuerschuld anzurechnen sei und bereits diese Verrechnung zu einer Steuergutschrift geführt habe. Eine Berücksichtigung der übergegangenen Mindestkörperschaftsteuer sei nicht möglich, weil die Anrechenbarkeit der Mindestkörperschaftsteuer mit der Höhe der Einkommensteuerschuld begrenzt sei und zu keiner Gutschrift führen könne.

11 Zwar führt das Bundesfinanzgericht im angefochtenen Erkenntnis an, dass zu prüfen sei, "in welchem Ausmaß gemäß Paragraph 9, Absatz 8, UmgrStG in der Fassung des Budgetbegleitgesetzes 2012 Bundesgesetzblatt Teil eins, 112 aus 2011,) nicht verrechnete Mindeststeuern (...) anrechenbar sind". Im Zusammenhang mit den weiteren Ausführungen des angefochtenen Erkenntnisses (insbesondere aus der vorrangigen Berücksichtigung der in Paragraph 46, Absatz eins, EStG 1988 genannten Beträge) ist jedoch eindeutig und offenkundig ersichtlich, dass die (Nicht-)Anrechnung der Mindestkörperschaftsteuer in Anwendung des Paragraph 9, Absatz 8, UmgrStG in der Fassung des Strukturanpassungsgesetzes 1996, Bundesgesetzblatt Nr. 201 aus 1996,, erfolgte. Die unrichtige Angabe "idF des Budgetbegleitgesetzes 2012 Bundesgesetzblatt Teil eins, 112 aus 2011,)" in der Begründung des angefochtenen Erkenntnisses verletzt den Revisionswerber nicht in subjektiven Rechten oder in dem als Revisionspunkt geltend gemachten Recht.

12 In der Revision werden demnach keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Artikel 133, Absatz 4, B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme, sie war daher zurückzuweisen.

Wien, am 23. Februar 2017

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2017:RA2015150050.L00

Im RIS seit

13.04.2017

Zuletzt aktualisiert am

12.05.2017

Dokumentnummer

JWT_2015150050_20170223L00

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