Rechtssatz für 10Os10/82; 10Os81/82; ...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Strafrecht

Rechtssatznummer

RS0088967

Geschäftszahl

10Os10/82; 10Os81/82; 13Os129/82; 12Os52/84; 12Os56/84; 14Os117/87; 11Os132/87; 15Os71/88 (15Os77/88); 12Os153/88; 16Os9/89; 13Os53/90; 14Os182/93; 13Os177/93; 15Os149/04; 15Os96/09w; 17Os19/12s; 14Os32/15k; 13Os89/16m; 14Os16/17k; 14Os21/17w; 12Os58/17x; 14Os19/19d; 14Os17/24t; 15Os87/25w; 11Os36/26t; 14Os36/26i

Entscheidungsdatum

30.06.2026

Rechtssatz

Zurechnungsunfähigkeit schließt wohl (das "biologische" Schuldelement und damit) die Schuldfähigkeit, keineswegs jedoch ein vorsätzliches Handeln im Sinn des Paragraph 5, StGB aus.

Entscheidungstexte

  • 10 Os 10/82
    Entscheidungstext OGH 16.03.1982 10 Os 10/82
  • 10 Os 81/82
    Entscheidungstext OGH 29.06.1982 10 Os 81/82
    Ähnlich; Beisatz: Hier zur Rauschtat. (T1)
    Veröff: RZ 1983/29 S 102 (mit Anmerkung von Wegscheider)
  • 13 Os 129/82
    Entscheidungstext OGH 16.09.1982 13 Os 129/82
    Vgl auch; Beis wie T1; Veröff: EvBl 1983/51 S 187
  • 12 Os 52/84
    Entscheidungstext OGH 14.06.1984 12 Os 52/84
    Vgl auch; Beisatz: Diskretionsfähigkeit und Dispositionsfähigkeit sind nicht Vorsatzerfordernisse. (T2)
  • 12 Os 56/84
    Entscheidungstext OGH 12.04.1984 12 Os 56/84
    Vgl auch; Beisatz: Hier zur Rauschtat; vorsätzlich handeln kann grundsätzlich jeder strafrechtlich Handlungsfähige. (T3)
    Veröff: SSt 55/15
  • 14 Os 117/87
    Entscheidungstext OGH 23.09.1987 14 Os 117/87
    Vgl auch; Beisatz: Auch ein Schuldunfähiger kann durchaus vorsätzlich handeln. (T4)
  • 11 Os 132/87
    Entscheidungstext OGH 20.10.1987 11 Os 132/87
    Vgl auch; Beis wie T1
  • 15 Os 71/88
    Entscheidungstext OGH 28.06.1988 15 Os 71/88
  • 12 Os 153/88
    Entscheidungstext OGH 18.05.1989 12 Os 153/88
    Vgl auch; Beisatz: Das Erfordernis vorsätzlichen Handelns (für eine Anlasstat im Sinne des § 21 Abs 1 StGB) ist von der Frage der Schuldfähigkeit zu unterscheiden. (T5)
    Veröff: EvBl 1989/178 S 693 = JBl 1990,261
  • 16 Os 9/89
    Entscheidungstext OGH 23.06.1989 16 Os 9/89
    Vgl auch; Bei wie T3; Beis wie T4
  • 13 Os 53/90
    Entscheidungstext OGH 03.07.1990 13 Os 53/90
    Vgl auch
  • 14 Os 182/93
    Entscheidungstext OGH 15.02.1994 14 Os 182/93
    Vgl auch
  • 13 Os 177/93
    Entscheidungstext OGH 02.03.1994 13 Os 177/93
    Beisatz: Auch ein Geisteskranker kann vorsätzlich - und damit auch absichtlich - handeln. (T6)
  • 15 Os 149/04
    Entscheidungstext OGH 13.01.2005 15 Os 149/04
    Auch; Beisatz: Vorsatz wird durch Zurechnungsunfähigkeit keineswegs ausgeschlossen. (T7)
  • 15 Os 96/09w
    Entscheidungstext OGH 19.08.2009 15 Os 96/09w
    Vgl; Beisatz: Schuldfähigkeit ist keine Voraussetzung für die Bildung des Vorsatzes (Reindl in WK - 2 § 5 Rz 4). (T8)
  • 17 Os 19/12s
    Entscheidungstext OGH 25.02.2013 17 Os 19/12s
    Vgl auch; Beisatz: Der Sache nach bejahter Tatvorsatz trotz „Feststellung“, der Angeklagte habe ohne Vorsatz gehandelt. (T9)
  • 14 Os 32/15k
    Entscheidungstext OGH 28.04.2015 14 Os 32/15k
  • 13 Os 89/16m
    Entscheidungstext OGH 12.10.2016 13 Os 89/16m
    Auch
  • 14 Os 16/17k
    Entscheidungstext OGH 04.04.2017 14 Os 16/17k
    Vgl
  • 14 Os 21/17w
    Entscheidungstext OGH 23.05.2017 14 Os 21/17w
  • 12 Os 58/17x
    Entscheidungstext OGH 22.06.2017 12 Os 58/17x
  • 14 Os 19/19d
    Entscheidungstext OGH 09.04.2019 14 Os 19/19d
    Beis wie T5
  • 14 Os 17/24t
    Entscheidungstext OGH 16.04.2024 14 Os 17/24t
    vgl
  • 15 Os 87/25w
    Entscheidungstext OGH 10.09.2025 15 Os 87/25w
    vgl
  • 11 Os 36/26t
    Entscheidungstext OGH 21.04.2026 11 Os 36/26t
    vgl
  • 14 Os 36/26i
    Entscheidungstext OGH 30.06.2026 14 Os 36/26i
    vgl

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1982:RS0088967

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

19.08.2026

Dokumentnummer

JJR_19820316_OGH0002_0100OS00010_8200000_001

Entscheidungstext 14Os17/24t

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Rechtsgebiet

Strafrecht

Geschäftszahl

14Os17/24t

Entscheidungsdatum

16.04.2024

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 16. April 2024 durch die Senatspräsidentin des Obersten Gerichtshofs Mag. Hetlinger als Vorsitzende, den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof. Dr. Nordmeyer, die Hofrätinnen des Obersten Gerichtshofs Dr. Mann und Dr. Setz-Hummel LL.M. sowie den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr. Haslwanter LL.M. in Gegenwart der Schriftführerin Mag. Weißmann im Verfahren zur strafrechtlichen Unterbringung des * D* in einem forensisch-therapeutischen Zentrum nach Paragraph 21, Absatz eins, StGB über die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Betroffenen gegen das Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Wien als Schöffengericht vom 14. Dezember 2023, GZ 36 Hv 10/23m-67.1, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurückgewiesen.

Die Entscheidung über die Berufung kommt dem Oberlandesgericht Wien zu.

Text

Gründe:

[1] Mit dem angefochtenen Urteil wurde im zweiten Rechtsgang (zum ersten vergleiche 14 Os 97/23f) die Unterbringung des * D* in einem forensisch-therapeutischen Zentrum nach Paragraph 21, Absatz eins, StGB angeordnet, weil er am 7. Jänner 2023 in W* unter dem maßgeblichen Einfluss einer schwerwiegenden und nachhaltigen psychischen Störung, nämlich einer katatonen Schizophrenie, aufgrund derer er im Zeitpunkt der Tat zurechnungsunfähig (Paragraph 11, StGB) war, * H* am Körper schwer zu verletzten versucht hat, indem er ihm mehrere Schläge gegen den Kopf versetzte und in dessen linken kleinen Finger biss, wodurch H* eine Blutunterlaufung der Augenlider am linken Auge, eine Einblutung unter die Bindehaut am rechten Auge, eine Blutunterlaufung an der linken Schläfe sowie einen unverschobenen Bruch des mittleren Fingergliedes mit einer ausgeprägten Schwellung und Blutunterlaufung am Kleinfinger links samt oberflächlicher Bisswunde mit anschließender Infektion erlitt, sohin eine Tat begangen hat, die als das Verbrechen der schweren Körperverletzung nach Paragraphen 15, 84, Absatz 4, StGB mit ein Jahr übersteigender Freiheitsstrafe bedroht ist.

Rechtliche Beurteilung

[2] Dagegen richtet sich die auf Paragraph 281, Absatz eins, Ziffer 5 und 9 Litera a, StPO gestützte Nichtigkeitsbeschwerde des Betroffenen, die ihr Ziel verfehlt.

[3] Indem die Beschwerde die Konstatierungen zur subjektiven Tatseite als „widersprüchlich“ erachtet, weil das Erstgericht im Rahmen der Annahmen zur Zurechnungsunfähigkeit des Betroffenen ausgeführt hat, dass Letzterer seine Handlungen nicht als Aggression wahrnahm (US 5), zeigt sie einen inneren Widerspruch iSd Ziffer 5, dritter Fall nicht auf, weil die Feststellungen einerseits zum Vorsatz des Betroffenen (US 4) und andererseits zu dessen Wahrnehmung seines Handelns nach den Kriterien der Logik und Empirie nebeneinander bestehen können (RIS-Justiz RS0117402 [T14]; vergleiche auch RIS-Justiz RS0088967).

[4] Wie von der Rechtsrüge (Ziffer 9, Litera a,) ohnehin erkannt, befinden sich die Feststellungen zur subjektiven Tatseite, insbesondere zu einem (bedingten) Vorsatz des Betroffenen auf Zufügung einer schweren Verletzung (Paragraph 84, Absatz eins, StGB), auf US 4.

[5] Soweit die Beschwerde unter erneutem Hinweis auf den in der Mängelrüge angesprochenen vermeintlichen Widerspruch behauptet, die Feststellungen würden selbst unter Bezugnahme auf die Urteilspassage, wonach das Vorgehen des Betroffenen grundsätzlich geeignet war, eine an sich schwere Körperverletzung, beispielhaft einen verschobenen Bruch des linken Kleinfingers, herbeizuführen (US 4), insgesamt für die Verwirklichung des Verbrechens nach Paragraph 84, Absatz 4, StGB in der Entwicklungsstufe des Versuchs nicht ausreichen, legt sie nicht dar, welche Annahmen das Erstgericht – über die Gesamtheit der Konstatierungen zur inneren Tatseite hinaus (US 4; vergleiche RIS-Justiz RS0099810) – zu treffen gehabt hätte vergleiche aber RIS-Justiz RS0095939).

[6]            Mit dem Vorbringen, ein festes Zubeißen wäre „auch aus einem Reflex heraus zu erklären, der jedenfalls nicht auf einen Vorsatz schließen lässt“, wird in unzulässiger Form Beweiswürdigungskritik geübt (RIS-Justiz RS0099455 [T12, T16]).

[7] Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher bereits bei der nichtöffentlichen Beratung sofort zurückzuweisen (Paragraph 285 d, Absatz eins, StPO), woraus die Zuständigkeit des Oberlandesgerichts zur Entscheidung über die Berufung folgt (Paragraph 285 i, StPO).

Textnummer

E141134

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2024:0140OS00017.24T.0416.000

Im RIS seit

29.04.2024

Zuletzt aktualisiert am

29.04.2024

Dokumentnummer

JJT_20240416_OGH0002_0140OS00017_24T0000_000