Rechtssatz für 9Os101/83 11Os125/86 12...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Strafrecht

Rechtssatznummer

RS0096144

Geschäftszahl

9Os101/83; 11Os125/86; 12Os37/07v; 14Os32/17p

Entscheidungsdatum

05.09.2017

Rechtssatz

Die Voraussetzungen für die Anwendung dieses Strafausschließungsgrundes liegen ausschließlich auf der subjekten Tatseite; der Täter wird auch straflos, wenn er an der strafbaren Handlung des Begünstigten gar nicht beteiligt gewesen ist, aber dennoch - etwa wegen seines Nahverhältnisses zu diesen oder sonst auf Grund der näheren Tatumstände - in Verfolgung gezogen zu werden befürchtet.

Entscheidungstexte

  • 9 Os 101/83
    Entscheidungstext OGH 30.08.1983 9 Os 101/83
    Veröff: SSt 54/63
  • 11 Os 125/86
    Entscheidungstext OGH 23.09.1986 11 Os 125/86
    Vgl; Beisatz: Im Fall einer "verdeckten Selbstbegünstigung" im Sinn des zweiten Fall des § 299 Abs 3 StPO muß die Fremdbegünstigung zumindest teilweise zum Zweck (§ 5 Abs 2 StGB) geschehen, auch sich selbst in bezug auf dieselbe Vortat zu begünstigen (wobei dahingestellt blieb, ob dem Begriff "Beteiligung" nur eine solche gemäß § 12 StGB oder auch die des Hehlers an der Tat des Vormanns entspricht). (T1)
  • 12 Os 37/07v
    Entscheidungstext OGH 03.05.2007 12 Os 37/07v
    Auch; Beis wie T1 nur: Im Fall einer "verdeckten Selbstbegünstigung" im Sinn des zweiten Fall des § 299 Abs 3 StPO muß die Fremdbegünstigung zumindest teilweise zum Zweck (§ 5 Abs 2 StGB) geschehen, auch sich selbst in bezug auf dieselbe Vortat zu begünstigen. (T2)
  • 14 Os 32/17p
    Entscheidungstext OGH 05.09.2017 14 Os 32/17p
    Vgl

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1983:RS0096144

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

19.10.2017

Dokumentnummer

JJR_19830830_OGH0002_0090OS00101_8300000_002

Rechtssatz für 15Os124/96; 11Os75/96; ...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Strafrecht

Rechtssatznummer

RS0103984

Geschäftszahl

15Os124/96; 11Os75/96; 12Os159/96; 14Os128/00; 14Os148/00; 14Os117/01; 11Os69/04 (11Os70/04); 11Os104/04; 12Os37/07v; 13Os29/08a; 13Os10/09h; 14Os16/09y; 14Os5/10g; 15Os25/11g; 13Os103/11p; 11Os101/13g (11Os139/13wq); 12Os117/12s (12Os118/12p); 13Os143/14z; 11Os53/15a (11Os141/15t); 13Os12/16p; 13Os105/15p (13Os106/15k); 11Os11/17b; 14Os65/17s; 13Os133/17h; 12Os12/18h; 14Os35/19g (14Os46/19z); 11Os32/19v; 12Os32/19a; 12Os39/18d; 14Os36/21g; 11Os156/23k; 14Os121/24m; 14Os4/25g; 11Os29/25m; 14Os61/23m; 14Os90/25d; 14Os106/25g

Entscheidungsdatum

17.03.2026

Norm

StGB §12 Bb
StGB §12 Bc
StGB §14 B
StGB §153
StGB §302
  1. StGB § 153 heute
  2. StGB § 153 gültig von 01.01.2016 bis 31.12.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 112/2015
  3. StGB § 153 gültig ab 01.01.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 154/2015
  4. StGB § 153 gültig von 01.01.2005 bis 31.12.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 136/2004
  5. StGB § 153 gültig von 01.01.2002 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 130/2001
  6. StGB § 153 gültig von 01.03.1988 bis 31.12.2001 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 605/1987
  1. StGB § 302 heute
  2. StGB § 302 gültig ab 01.01.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 61/2012
  3. StGB § 302 gültig von 01.01.2005 bis 31.12.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 136/2004
  4. StGB § 302 gültig von 01.01.2002 bis 31.12.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 130/2001
  5. StGB § 302 gültig von 01.03.1988 bis 31.12.2001 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 605/1987

Rechtssatz

Bestimmungstäter und Beitragstäter (Paragraph 12, zweiter und dritter Fall StGB) müssen grundsätzlich mit dem für das angesonnene Delikt geforderten Tatvorsatz handeln, das heißt in ihrer Person dessen subjektiven Tatbestand zur Gänze erfüllen. Bei unrechtsbezogenen Sonderdelikten (Missbrauch der Amtsgewalt nach Paragraph 302, Absatz eins, StGB und Untreue nach Paragraph 153, Absatz eins, StGB) hat sich der Vorsatz des Extraneus zudem auf eine (zumindest bedingt) vorsätzliche (nicht aber wissentliche) Mitwirkung des Intraneus (Beamten; Machthabers) zu erstrecken. Verlangt der Tatbestand eines Sonderdeliktes aber einen spezifizierten Vorsatz (zum Beispiel Wissentlichkeit nach Paragraph 5, Absatz 2, StGB), so muss dieser besondere Vorsatz auch bei den (extranen) Beteiligten gegeben sein. Wenngleich "doppelte Wissentlichkeit" (also auch Wissentlichkeit auf Seiten des extranen Bestimmungstäters, dass der Beamte seine Befugnis wissentlich missbraucht) nicht mehr gefordert wird, genügt es andererseits nicht, dass der Extraneus einen Befugnismissbrauch des Beamten (Intraneus) bloß ernstlich für möglich hält und sich damit abfindet.

Entscheidungstexte

  • 15 Os 124/96
    Entscheidungstext OGH 05.09.1996 15 Os 124/96
  • 11 Os 75/96
    Entscheidungstext OGH 15.10.1996 11 Os 75/96
  • 12 Os 159/96
    Entscheidungstext OGH 14.03.1997 12 Os 159/96
  • 14 Os 128/00
    Entscheidungstext OGH 14.11.2000 14 Os 128/00
    Auch; Beisatz: Als Beteiligter am Sonderdelikt des § 302 StGB, dessen Unrecht im Sinne des § 14 Abs 1 zweiter Satz StGB davon abhängt, dass der Beamte in bestimmter Weise an der Tat des Beteiligten mitwirkt, also seine Befugnis missbraucht, mit anderen Worten, ihr zumindest bedingt vorsätzlich zuwiderhandelt, ist nur derjenige strafbar, der bezüglich dieses Befugnismissbrauchs wissentlich handelt. (T1)
  • 14 Os 148/00
    Entscheidungstext OGH 25.09.2001 14 Os 148/00
    Vgl auch; Beisatz: Für den am Sonderdelikt der Untreue mitwirkenden extranen Beteiligten genügt laienhaftes Wissen um den Befugnismissbrauch des Intraneus; ein Detailwissen über den Umfang von dessen Befugnis ist nicht erforderlich. (T2)
  • 14 Os 117/01
    Entscheidungstext OGH 06.11.2001 14 Os 117/01
    Auch; Beis wie T1
  • 11 Os 69/04
    Entscheidungstext OGH 27.07.2004 11 Os 69/04
    Auch; Beisatz: Ein Beteiligter an einem sogenannten Missbrauchsdelikt muss die Pflichtwidrigkeit der Vertretungshandlung des unmittelbaren Täters für gewiss halten, wobei zwar eine laienhafte Form des Wissens genügt, bedingter Vorsatz allerdings nicht hinreicht. (T3)
    Beisatz: Hier: Untreue. (T4)
  • 11 Os 104/04
    Entscheidungstext OGH 23.01.2007 11 Os 104/04
    Vgl auch
  • 12 Os 37/07v
    Entscheidungstext OGH 03.05.2007 12 Os 37/07v
    Auch; nur: Bestimmungstäter und Beitragstäter (§ 12 zweiter und dritter Fall StGB) müssen grundsätzlich mit dem für das angesonnene Delikt geforderten Tatvorsatz handeln, das heißt in ihrer Person dessen subjektiven Tatbestand zur Gänze erfüllen. (T5) Beisatz: Es sind Feststellungen zu einem eigenständig zu prüfenden Vorsatz des Bestimmungstäters zu treffen. (T6)
  • 13 Os 29/08a
    Entscheidungstext OGH 27.08.2008 13 Os 29/08a
    Auch; Beisatz: Das Wissen des Beitragstäters muss sich auf den vorsätzlichen Fehlgebrauch (= Missbrauch) des Intraneus erstrecken, um Strafbarkeit des Beitragstäters zu bewirken. Nicht nach § 302 Abs 1 StGB ist als Bestimmungstäter strafbar, wer auf gutgläubige Befugnisausübung durch einen (über die wahre Sachlage getäuschten) Beamten hinwirkt. (T7)
  • 13 Os 10/09h
    Entscheidungstext OGH 19.02.2009 13 Os 10/09h
    Vgl auch
  • 14 Os 16/09y
    Entscheidungstext OGH 21.04.2009 14 Os 16/09y
    Vgl; nur T5; Beis wie T6; Beis wie T7
  • 14 Os 5/10g
    Entscheidungstext OGH 13.04.2010 14 Os 5/10g
    Vgl auch
  • 15 Os 25/11g
    Entscheidungstext OGH 04.05.2011 15 Os 25/11g
    Vgl auch; Beisatz: Der extrane Beitragstäter zum unrechtsbezogenen Sonderdelikt der Untreue muss es nicht nur für gewiss halten, dass der unmittelbare Täter objektiv die durch Rechtsgeschäft eingeräumte Befugnis missbraucht, sondern auch, dass dieser dabei zumindest bedingt vorsätzlich handelt. (T8)
  • 13 Os 103/11p
    Entscheidungstext OGH 15.12.2011 13 Os 103/11p
    Auch
  • 11 Os 101/13g
    Entscheidungstext OGH 29.10.2013 11 Os 101/13g
    Auch; Beisatz: Hier: Verbrechen der Untreue nach § 153 StGB. (T9)
  • 12 Os 117/12s
    Entscheidungstext OGH 30.01.2014 12 Os 117/12s
    Auch; Beis wie T8
  • 13 Os 143/14z
    Entscheidungstext OGH 25.11.2015 13 Os 143/14z
    Auch
  • 11 Os 53/15a
    Entscheidungstext OGH 12.04.2016 11 Os 53/15a
    Auch; Beis wie T8
  • 13 Os 12/16p
    Entscheidungstext OGH 13.04.2016 13 Os 12/16p
    Auch
  • 13 Os 105/15p
    Entscheidungstext OGH 06.09.2016 13 Os 105/15p
    Auch; Beis wie T8
  • 11 Os 11/17b
    Entscheidungstext OGH 25.04.2017 11 Os 11/17b
    Auch
  • 14 Os 65/17s
    Entscheidungstext OGH 05.09.2017 14 Os 65/17s
    Auch; nur T5
  • 13 Os 133/17h
    Entscheidungstext OGH 09.05.2018 13 Os 133/17h
    Auch
  • 12 Os 12/18h
    Entscheidungstext OGH 19.04.2018 12 Os 12/18h
    Auch; Beis wie T8
  • 14 Os 35/19g
    Entscheidungstext OGH 09.04.2019 14 Os 35/19g
    Vgl
  • 11 Os 32/19v
    Entscheidungstext OGH 28.05.2019 11 Os 32/19v
    Vgl; Beis wie T8
  • 12 Os 32/19a
    Entscheidungstext OGH 15.10.2019 12 Os 32/19a
    Vgl
  • 12 Os 39/18d
    Entscheidungstext OGH 09.03.2020 12 Os 39/18d
    Vgl
  • 14 Os 36/21g
    Entscheidungstext OGH 01.06.2021 14 Os 36/21g
    Vgl; nur T5; Beisatz: Hier: Absicht iSd § 87 Abs 1 StGB beim Bestimmungstäter. (T10)
  • 11 Os 156/23k
    Entscheidungstext OGH 18.06.2024 11 Os 156/23k
    vgl; Beisatz wie T8
  • 14 Os 121/24m
    Entscheidungstext OGH 25.02.2025 14 Os 121/24m
    vgl
  • 14 Os 4/25g
    Entscheidungstext OGH 01.04.2025 14 Os 4/25g
    vgl
  • 11 Os 29/25m
    Entscheidungstext OGH 06.05.2025 11 Os 29/25m
    vgl
  • 14 Os 61/23m
    Entscheidungstext OGH 25.03.2025 14 Os 61/23m
    vgl; Beisatz wie T8
  • 14 Os 90/25d
    Entscheidungstext OGH 07.10.2025 14 Os 90/25d
    vgl
  • 14 Os 106/25g
    Entscheidungstext OGH 17.03.2026 14 Os 106/25g
    vgl

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1996:RS0103984

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

04.05.2026

Dokumentnummer

JJR_19960905_OGH0002_0150OS00124_9600000_001

Entscheidungstext 12Os37/07v

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Rechtsgebiet

Strafrecht

Geschäftszahl

12Os37/07v

Entscheidungsdatum

03.05.2007

Anmerkung

E84132 12Os37.07v

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 3. Mai 2007 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Mayrhofer als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Hon. Prof. Dr. Schroll, Dr. Schwab, Dr. Lässig und Dr. T. Solé als weitere Richter in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Dr. Kurz als Schriftführerin in der Strafsache gegen Moritz V***** und andere Angeklagte wegen des Verbrechens des Raubes nach Paragraph 142, Absatz eins, StGB und weiterer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten V***** gegen das Urteil des Landesgerichtes Wiener Neustadt als Jugendschöffengericht vom 26. Jänner 2007, GZ 36 Hv 130/06a-46, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

In Stattgebung und aus Anlass der Nichtigkeitsbeschwerde werden das angefochtene Urteil, das im Übrigen unberührt bleibt, in dem Moritz V***** und Johannes C***** betreffenden Schuldspruch A, in dem Maria H***** betreffenden Schuldspruch D sowie in der rechtlichen Unterstellung der im Schuldspruch C dargestellten Tat als Vergehen der versuchten Begünstigung nach Paragraphen 15, 299, Absatz eins, StGB, damit auch in den Strafaussprüchen einschließlich der Vorhaftanrechnungen, ferner im Zuspruch an den Privatbeteiligten Claus R***** sowie die Johannes C***** betreffenden Beschlüsse nach Paragraph 494 a, StPO und die Moritz V***** und Natalie H***** betreffenden Beschlüsse nach Paragraph 50, Absatz eins, StGB aufgehoben und es wird die Sache im Umfang der Aufhebung zu neuer Verhandlung und Entscheidung an das Landesgericht Wiener Neustadt verwiesen.

Mit seiner Berufung wird der Angeklagte Moritz V***** auf diese Entscheidung verwiesen.

Text

Gründe:

Mit dem angefochtenen, auch rechtskräftig gewordene Freisprüche beinhaltenden Urteil wurden Moritz V***** des Verbrechens des Raubes nach Paragraph 142, Absatz eins, StGB (A), Johannes C***** des Verbrechens des Raubes nach Paragraph 142, Absatz eins, StGB (A), des Vergehens der Fälschung besonders geschützter Urkunden nach Paragraphen 223, Absatz eins, 224, StGB (B), des Vergehens der Körperverletzung nach Paragraph 83, Absatz eins, StGB (E) sowie des Vergehens der Nötigung nach Paragraph 105, Absatz eins, StGB (F) und Maria H***** des Vergehens der versuchten falschen Beweisaussage vor Gericht nach Paragraphen 15, 288, Absatz eins, StGB als Bestimmungstäterin nach Paragraph 12, zweiter Fall StGB (C 1), des Vergehens der versuchten Begünstigung nach Paragraphen 15, 299, Absatz eins, StGB (C 2) sowie des Vergehens des Diebstahls nach Paragraph 127, StGB als Bestimmungstäterin nach Paragraph 12, zweiter Fall StGB (D) schuldig erkannt. Danach haben

A. am 10. Juni 2006 in Wiener Neustadt Moritz V***** und Johannes C***** im bewussten und gewollten Zusammenwirken als Mittäter dadurch, dass sie Claus R***** Tritte und Schläge versetzten und äußerten „Geh mit, sonst passiert was", den Genannten sodann zur nahen Bankfiliale zerrten, ihn aufforderten, seinen Bankomatcode sowie die maximal mögliche Summe als abzuhebenden Bargeldbetrag einzutippen, und Johannes C***** sodann die ausgeworfenen 120 Euro an sich nahm, mit Gewalt gegen eine Person und durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben (Paragraph 89, StGB) einem anderen eine fremde bewegliche Sache mit dem Vorsatz weggenommen, sich durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern;

B. Johannes C***** allein Ende Mai/Anfang Juni 2006 an einem nicht mehr feststellbaren Ort eine echte Urkunde, nämlich den Mopedausweis des Alexander K***** dadurch, dass er das aufgeklebte Lichtbild gegen ein eigenes Lichtbild austauschte, mit dem Vorsatz verfälscht, das Dokument im Rechtsverkehr zum Beweis eines Rechtes, eines Rechtsverhältnisses oder einer Tatsache zu gebrauchen, wobei er eine der in Paragraph 223, StGB mit Strafe bedrohten Handlungen in Beziehung auf eine inländische öffentliche Urkunde beging;

C. Natalie H***** allein im Juni 2006 durch die an den Tatzeugen Claus R***** gerichtete telefonische Aufforderung, den Johannes C***** im gerichtlichen Strafverfahren durch die wahrheitswidrige Aussage zu entlasten versucht, dass dieser ihm anlässlich der unter Punkt A beschriebenen strafbaren Handlung keine Tritte versetzt und bei der Bedienung des Bankomaten lediglich auf die Taste „Bargeld" gedrückt habe,

1) Claus R***** zu bestimmen, vor Gericht als Zeuge bei seiner förmlichen Vernehmung zur Sache falsch auszusagen;

2) Johannes C*****, der die zu Punkt A beschriebene mit Strafe bedrohte Handlung begangen hat, der Verfolgung absichtlich zumindest zum Teil zu entziehen;

D. Natalie H***** allein in der Zeit zwischen Oktober 2005 bis 14. Februar 2006 in Wiener Neustadt in wiederholten Angriffen die abgesondert verfolgte Margit E***** durch die Aufforderung, sie solle bei den Unternehmen M***** und T***** Schmuckstücke, Kosmetikartikel, Stofftiere und weitere Utensilien stehlen, dazu bestimmt, fremde bewegliche Sachen Gewahrsamtsträgern der genannten Unternehmen mit dem Vorsatz wegzunehmen, sich durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern;

E. Johannes C***** am 7. April 2006 in Guntramsdorf im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit dem abgesondert verfolgten Dragan M***** und einem weiteren unbekannten Mittäter Andreas G***** durch Schläge und Tritte vorsätzlich am Körper verletzt, wodurch der Genannte Hämatome und Schwellungen im Gesichtsbereich erlitt;

F. Johannes C***** allein durch die zu E beschriebene Tathandlung, also mit Gewalt, Andreas G***** zu einer Handlung, nämlich zum Verlassen der Wohnung, genötigt.

Rechtliche Beurteilung

Dieses Urteil bekämpft der Angeklagte Moritz V***** mit einer auf Paragraph 281, Absatz eins, Ziffer 5, StPO gestützten Nichtigkeitsbeschwerde, der im Ergebnis Berechtigung zukommt.

Inhaltlich zutreffend rügt der Rechtsmittelwerber - allerdings entgegen der Beschwerdeauffassung lediglich die rechtliche Unterstellung unter das anzuwendende Strafgesetz (inhaltlich Ziffer 10,) und nicht die Strafbarkeit insgesamt betreffend - einen Mangel an Feststellungen zum Vorsatz auf unrechtmäßige Bereicherung. Insoweit war aus Anlass der Nichtigkeitsbeschwerde dieser den Schuldspruch A betreffende Nichtigkeitsgrund nach Paragraph 281, Absatz eins, Ziffer 10, StPO auch von Amts wegen zugunsten des Johannes C***** (Paragraph 290, Absatz eins, StPO) wahrzunehmen.

Zum Schuldspruch A ging das Erstgericht davon aus, dass Moritz V***** und Johannes C***** den Vorsatz fassten, Claus R***** auszurauben, diesen gewaltsam zwangen, zur nächsten Bankfiliale zu gehen, und ihn aufforderten, sein gesamtes Geld abzuheben (US 11). Durch die Abhebung von Bargeld ohne Zustimmung des Claus R***** bereicherten sich diese beiden Angeklagten (US 12).

Trotz in der Beweiswürdigung angesprochener (allerdings nicht auf ihre Überzeugungskraft hin bewerteter) Verfahrensergebnisse, wonach Moritz V***** und Johannes C***** bloß gegenüber dem Erstangeklagten bestehende Schulden des Claus R***** eintreiben wollten vergleiche US 13), unterließ das Schöffengericht jegliche (zur Abgrenzung von einer Nötigung notwendige) Urteilsannahmen zum Vorsatz beider Angeklagter auf unrechtmäßige Bereicherung, sondern begnügte sich mit der Annahme einer objektiv eingetretenen Bereicherung. Der Schuldspruch A war zur Gänze aufzuheben, weil Paragraph 142, Absatz eins, StGB eine gegenüber Paragraph 105, Absatz eins, StGB selbstständige Qualifikation darstellt und daher Teilrechtskraft insoweit nicht in Betracht kommt. Damit erübrigt sich ein Eingehen auf das weitere Vorbringen in der Nichtigkeitsbeschwerde. Im zweiten Rechtsgang wird zu klären sein, ob die beiden Angeklagten V***** und C***** durch Gewalt und gefährliche Drohung mehr Geld abnötigen wollten, als Claus R***** dem Erstangeklagten schuldete vergleiche dazu S 77/I, 211/I und 125/II einerseits und S 79/I, 11/II, 21/II und 27/II; S 221/I und S 83/II sowie S 145 ff/I und S 35/II). Allenfalls wäre festzustellen, ob einer der Angeklagten den Vorsatz gefasst hatte, von Claus R***** gewaltsam mehr als das dem Moritz V***** geschuldete Geld einzutreiben. Schließlich wird in diesem Zusammenhang noch zu prüfen sein, ob die beiden Angeklagten oder auch nur einer von ihnen erst nach Beendigung von Gewalt und gefährlichen Drohungen das von Claus R***** am Bankomat behobene Geld mit dem Vorsatz wegnahm, sich in einem die von den Angeklagten vorgestellten Schulden des Claus R***** übersteigenden - in diesem Umfang daher unrechtmäßig - Betrag zu bereichern.

Darüber hinaus war betreffend Natalie H***** zu Schuldspruch C der Nichtigkeitsgrund nach Paragraph 281, Absatz eins, Ziffer 10, StPO und zu Schuldspruch D der Nichtigkeitsgrund nach Paragraph 281, Absatz eins, Ziffer 9, Litera a, StPO von Amts wegen (Paragraph 290, Absatz eins, StPO) wahrzunehmen:

Zu Schuldspruch D ging das Schöffengericht davon aus, dass Natalie H***** ihre Freundin Margit E***** dazu bestimmte, zahlreiche Diebstähle zu verüben. Weiters hielt das Erstgericht fest, dass Margit E***** in diversen Geschäften in Bereicherungsabsicht mehrere Gegenstände „entwendete" (US 15). Hiezu mangelt es an nach dem einheitstäterschaftlichen Grundprinzip der autonomen und individuellen Verantwortlichkeit jedes einzelnen Beteiligten notwendigen Feststellungen zu einem eigenständig zu prüfenden und auf unrechtmäßige Bereicherung gerichteten Vorsatz bei der Bestimmungstäterin vergleiche Kienapfel/Höpfel AT12 E 4 Rz 31), zumal derartige Konstatierungen aus der angenommenen „Bestimmung zur Verübung von Diebstählen" nicht abgeleitet werden können. Zu Schuldspruch C 2 ist vorauszuschicken, dass Natalie H***** von der wider sie erhobenen Anklage einer Beitragstäterschaft zu der im Schuldspruch A beschriebenen Straftat von Moritz V***** und Johannes C***** gemäß Paragraph 259, Ziffer 3, StPO freigesprochen wurde. Im Hinblick auf die aktenmäßig gedeckten Angaben dieser Angeklagten, wonach das zu Schuldspruch C inkriminierte Telefonat nach ihrer Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter als Mitbeschuldigte zum verfolgten Raub stattfand (S 83 f/I, 49/II), wären daher Feststellungen zu einer solcherart indizierten verdeckten Selbstbegünstigung iSd Paragraph 299, Absatz 3, StGB vergleiche Pilnacek in WK2 Paragraph 299, Rz 24 f) geboten gewesen. Damit zeigte sich bereits bei nichtöffentlicher Beratung, dass die Anordnung einer neuen Hauptverhandlung nicht zu vermeiden war (Paragraph 285 e, StPO).

Mit seiner Berufung war der Angeklagte Moritz V***** auf diese Entscheidung zu verweisen.

Eine Kostenersatzpflicht nach Paragraph 390 a, StPO bestand nicht, weil der einzige den Angeklagten Moritz V***** betreffende Schuldspruch aufzuheben war und damit schon die darauf gestützte Kostenersatzpflicht nach Paragraph 389, StPO entfiel vergleiche Lendl, WK-StPO Paragraph 390 a, Rz 7).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2007:0120OS00037.07V.0503.000

Dokumentnummer

JJT_20070503_OGH0002_0120OS00037_07V0000_000