Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ra 2025/04/0089

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ra 2025/04/0089

Entscheidungsdatum

29.09.2025

Index

40/01 Verwaltungsverfahren

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2022/07/0186 E 1. Juni 2023 RS 5 (hier ohne den letzten Satz)

Stammrechtssatz

Aus der Anführung eines Tatzeitraumes im Spruch des erstinstanzlichen Straferkenntnisses ergibt sich unabhängig von der mit der Bestrafung verbundenen weiteren (Erfassungs-)Wirkung, dass Abspruchsgegenstand, und somit auch "Sache" iSd. (nunmehr) Paragraph 50, VwGVG 2014, ausschließlich die Tatbegehung in diesem Zeitraum ist vergleiche VwGH 29.1.1991, 90/04/0211, und 3.9.1996, 96/04/0080; VwGH 5.11.2014, Ra 2014/09/0018). Die Ausdehnung des Tatzeitraums durch das VwG ist keine (grundsätzlich zulässige) Präzisierung der rechtlichen Grundlage der Bestrafung, sondern eine unzulässige Erweiterung des Tatvorwurfs und der Sache des Verfahrens iSd. Paragraph 50, VwGVG 2014, wozu das VwG nicht berechtigt ist vergleiche VwGH 5.11.2014, Ra 2014/09/0018; 21.4.2021, Ra 2020/02/0252). Dem VwG ist es somit verwehrt, den Tatvorwurf und damit die Bestrafung über den von der Behörde ausdrücklich festgelegten Tatzeitraum hinaus auszudehnen, dies unabhängig davon, ob diese - gemessen an ihren Sachverhaltsfeststellungen - allenfalls ein zu frühes Tatzeitende angenommen hat.

Schlagworte

"Die als erwiesen angenommene Tat" Begriff Tatzeit

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2025:RA2025040089.L01

Im RIS seit

28.10.2025

Zuletzt aktualisiert am

25.03.2026

Dokumentnummer

JWR_2025040089_20250929L01

Rechtssatz für Ra 2025/04/0089

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

Ra 2025/04/0089

Entscheidungsdatum

29.09.2025

Index

E000 EU- Recht allgemein
E3R E15202000
E3R E19400000
40/01 Verwaltungsverfahren

Norm

EURallg
VStG §22
32016R0679 DSGVO Art83 Abs3

Rechtssatz

Gemäß Artikel 83, Absatz 3, DSGVO ist bei mehreren Verstößen eines Verantwortlichen gegen die DSGVO eine Gesamtstrafe zu verhängen vergleiche etwa zum Anwendungsvorrang des Unionsrechts gegenüber dem in Paragraph 22, VStG normierten Kumulationsprinzip VwGH 30.4.2025, Ro 2021/04/0024, Rn. 35, mwN), deren Gesamtbetrag nicht den Betrag für den schwersten Verstoß übersteigen darf.

Schlagworte

Gemeinschaftsrecht Anwendungsvorrang, partielle Nichtanwendung von innerstaatlichem Recht EURallg1 Gemeinschaftsrecht Verordnung EURallg5

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2025:RA2025040089.L06

Im RIS seit

28.10.2025

Zuletzt aktualisiert am

25.03.2026

Dokumentnummer

JWR_2025040089_20250929L02

Rechtssatz für Ra 2025/04/0089

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

3

Geschäftszahl

Ra 2025/04/0089

Entscheidungsdatum

29.09.2025

Index

E000 EU- Recht allgemein
E3R E15202000
E3R E19400000

Norm

EURallg
32016R0679 DSGVO Art83 Abs4
32016R0679 DSGVO Art83 Abs5
32016R0679 DSGVO Art83 Abs6

Rechtssatz

Für die Berechnung der Geldstrafe legt Artikel 83, Absatz 5, DSGVO - wie auch die Bestimmungen des Artikel 83, Absatz 4 und 6 DSGVO für die in diesen Absätzen aufgeführten Verstöße - das Höchstmaß der zu verhängenden Geldstrafe fest. Dieses Höchstmaß darf von der DSB nicht überschritten werden.

Schlagworte

Gemeinschaftsrecht Verordnung EURallg5

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2025:RA2025040089.L02

Im RIS seit

28.10.2025

Zuletzt aktualisiert am

25.03.2026

Dokumentnummer

JWR_2025040089_20250929L03

Rechtssatz für Ra 2025/04/0089

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

4

Geschäftszahl

Ra 2025/04/0089

Entscheidungsdatum

29.09.2025

Index

E000 EU- Recht allgemein
E1E
E3R E15202000
E3R E19400000
E6J
59/04 EU - EWR

Norm

EURallg
12010E101 AEUV Art101
12010E102 AEUV Art102
32016R0679 DSGVO Art83 Abs4
32016R0679 DSGVO Art83 Abs5
32016R0679 DSGVO Art83 Abs6
62021CJ0807 Deutsches Wohnen VORAB
62023CJ0383 Strafverfahren gegen ILVA A/S VORAB

Rechtssatz

Artikel 83, Absatz 5, DSGVO - wie auch Artikel 83, Absatz 4 und 6 DSGVO - sieht grundsätzlich ein statisches Höchstmaß vor, und zwar konkret € 20.000.000,--. Wenn jedoch der Adressat der Geldbuße ein Unternehmen iSd Artikel 101 und 102 AEUV ist vergleiche zur Zugrundelegung des Begriffs "Unternehmer" im Sinne der Artikel 101 und 102 AEUV bei der Berechnung der Geldbußen für die in Artikel 83, Absatz 4 bis 6 DSGVO genannten Verstöße EuGH 5.12.2023, C-807/21, Deutsche Wohnen, Rn. 59) oder einem solchen angehört, ergibt sich aus Artikel 83, Absatz 5, DSGVO - wie auch aus Artikel 83, Absatz 4 und 6 DSGVO - der Höchstbetrag für die Geldbuße auf der Grundlage eines Prozentsatzes des gesamten weltweit erzielten Jahresumsatzes des vorangegangenen Geschäftsjahrs des Unternehmens (EuGH 13.2.2025, C-383/23, ILVA [Geldbuße wegen Verstoßes gegen die DSGVO], Rn. 23, mwN). Dieser für Unternehmen iSd Artikel 101 und 102 AEUV umsatzbasierte Höchstbetrag kommt jedoch gemäß Artikel 83, Absatz 5, DSGVO nur zum Tragen, wenn er den statischen Höchstbetrag von € 20.000.000,-- übersteigt.

Gerichtsentscheidung

EuGH 62021CJ0807 Deutsches Wohnen VORAB
EuGH 62023CJ0383 Strafverfahren gegen ILVA A/S VORAB

Schlagworte

Gemeinschaftsrecht Verordnung EURallg5

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2025:RA2025040089.L03

Im RIS seit

28.10.2025

Zuletzt aktualisiert am

25.03.2026

Dokumentnummer

JWR_2025040089_20250929L04

Rechtssatz für Ra 2025/04/0089

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

5

Geschäftszahl

Ra 2025/04/0089

Entscheidungsdatum

29.09.2025

Index

E000 EU- Recht allgemein
E1E
E3R E15202000
E3R E19400000
E6J
59/04 EU - EWR

Norm

EURallg
12010E101 AEUV Art101
12010E102 AEUV Art102
32016R0679 DSGVO Art83 Abs1
32016R0679 DSGVO Art83 Abs2
32016R0679 DSGVO Art83 Abs4
32016R0679 DSGVO Art83 Abs5
32016R0679 DSGVO Art83 Abs6
62021CJ0807 Deutsches Wohnen VORAB
62023CJ0383 Strafverfahren gegen ILVA A/S VORAB

Rechtssatz

Nach Artikel 83, Absatz eins, DSGVO stellt jede Aufsichtsbehörde sicher, dass die Verhängung von Geldbußen gemäß diesem Artikel 83, für Verstöße gegen die DSGVO gemäß seinen Absatz 4 bis 6 in jedem Einzelfall wirksam, verhältnismäßig und abschreckend ist vergleiche EuGH 13.2.2025, C-383/23, ILVA [Geldbuße wegen Verstoßes gegen die DSGVO], Rn. 24 und 25). Nur eine Geldbuße, die nicht nur sämtliche festgestellten Verstöße gegen die DSGVO an Hand der in Artikel 83, Absatz 2, DSGVO aufgezählten Kriterien, sondern gegebenenfalls auch die tatsächliche oder materielle Leistungsfähigkeit eines Unternehmens im Sinne des Artikel 101 und 102 AEUV als Adressaten berücksichtigt, kann die drei in Artikel 83, Absatz eins, DSGVO genannten Voraussetzungen erfüllen, sowohl wirksam und verhältnismäßig als auch abschreckend zu sein vergleiche EuGH 13.2.2025, C-383/23, ILVA [Geldbuße wegen Verstoßes gegen die DSGVO], Rn. 29 mit Hinweis auf EuGH 5.12.2023, C-807/21, Deutsche Wohnen, Rn. 58).

Gerichtsentscheidung

EuGH 62021CJ0807 Deutsches Wohnen VORAB
EuGH 62023CJ0383 Strafverfahren gegen ILVA A/S VORAB

Schlagworte

Gemeinschaftsrecht Verordnung EURallg5

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2025:RA2025040089.L04

Im RIS seit

28.10.2025

Zuletzt aktualisiert am

25.03.2026

Dokumentnummer

JWR_2025040089_20250929L05

Rechtssatz für Ra 2025/04/0089

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

6

Geschäftszahl

Ra 2025/04/0089

Entscheidungsdatum

29.09.2025

Index

E000 EU- Recht allgemein
E1E
E3R E15202000
E3R E19400000
59/04 EU - EWR

Norm

EURallg
12010E101 AEUV Art101
12010E102 AEUV Art102
32016R0679 DSGVO Art83 Abs1
32016R0679 DSGVO Art83 Abs2
32016R0679 DSGVO Art83 Abs4
32016R0679 DSGVO Art83 Abs5
32016R0679 DSGVO Art83 Abs6

Rechtssatz

Insbesondere im Hinblick auf den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ist bei der Bemessung der zu verhängenden Geldstrafe sowohl die Schwere der zu ahndenden Verstöße als auch die Größe in Form der tatsächlichen oder materiellen Leistungsfähigkeit des die Verstöße zu verantwortenden Unternehmens zu beachten.

Schlagworte

Gemeinschaftsrecht Verordnung EURallg5

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2025:RA2025040089.L05

Im RIS seit

28.10.2025

Zuletzt aktualisiert am

25.03.2026

Dokumentnummer

JWR_2025040089_20250929L06

Rechtssatz für Ra 2025/04/0089

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

7

Geschäftszahl

Ra 2025/04/0089

Entscheidungsdatum

29.09.2025

Index

E000 EU- Recht allgemein
E1E
E3R E15202000
E3R E19400000
001 Verwaltungsrecht allgemein
40/01 Verwaltungsverfahren
59/04 EU - EWR

Norm

EURallg
VStG §19
VwRallg
12010E101 AEUV Art101
12010E102 AEUV Art102
32016R0679 DSGVO Art83 Abs1
32016R0679 DSGVO Art83 Abs2
32016R0679 DSGVO Art83 Abs4
32016R0679 DSGVO Art83 Abs5
32016R0679 DSGVO Art83 Abs6

Rechtssatz

Bei der Strafbemessung handelt es sich um eine Ermessensentscheidung, die unter Bedachtnahme auf die drei in Artikel 83, Absatz eins, DSGVO genannten Voraussetzungen, die in Artikel 83, Absatz 2, DSGVO aufgezählten Kriterien sowie die in Paragraph 19, VStG festgelegten Kriterien und im Fall von zu bestrafenden Unternehmen im Sinne der Artikel 101 und 102 AEUV unter Berücksichtigung deren Größe vorzunehmen ist. Vom VwGH ist daher (bloß) zu prüfen, ob das VwG einzelfallbezogen von dem ihm eingeräumten Ermessen im Sinn der DSGVO und des VStG Gebrauch gemacht hat, das heißt, ob die verhängte Strafe unter Bedachtnahme auf die Strafbemessungsgründe vertretbar erscheint vergleiche zur Strafbemessung nach Paragraph 19, VStG etwa VwGH 29.4.2025, Ro 2024/11/0002, Rn. 46, mwN).

Schlagworte

Ermessen VwRallg8 Gemeinschaftsrecht Verordnung EURallg5

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2025:RA2025040089.L07

Im RIS seit

28.10.2025

Zuletzt aktualisiert am

25.03.2026

Dokumentnummer

JWR_2025040089_20250929L07

Rechtssatz für Ra 2025/04/0089

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

8

Geschäftszahl

Ra 2025/04/0089

Entscheidungsdatum

29.09.2025

Index

E000 EU- Recht allgemein
E1E
E3R E15202000
E3R E19400000
40/01 Verwaltungsverfahren
59/04 EU - EWR

Norm

EURallg
VStG §19
12010E101 AEUV Art101
12010E102 AEUV Art102
32016R0679 DSGVO Art83 Abs4
32016R0679 DSGVO Art83 Abs5
32016R0679 DSGVO Art83 Abs6

Rechtssatz

Da sich die Wortfolge "seines gesamten weltweit erzielten Jahresumsatzes des vorangegangenen Geschäftsjahres" eines Unternehmens im Sinne des Artikel 101 und 102 AEUV in Artikel 83, Absatz 4, 5 und 6 DSGVO nur auf die Bestimmung des dynamischen Strafrahmens bezieht, ist bei der Beurteilung der Unternehmensgröße in Form der tatsächlichen oder materiellen Leistungsfähigkeit des Unternehmens im Rahmen der Strafbemessung nicht ausschließlich der Jahresumsatz eines (des vorangegangenen) Geschäftsjahres zu berücksichtigen.

Schlagworte

Gemeinschaftsrecht Verordnung EURallg5

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2025:RA2025040089.L08

Im RIS seit

28.10.2025

Zuletzt aktualisiert am

25.03.2026

Dokumentnummer

JWR_2025040089_20250929L08