Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ra 2016/11/0142

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ra 2016/11/0142

Entscheidungsdatum

04.04.2019

Index

E6J
82/03 Ärzte Sonstiges Sanitätspersonal
82/04 Apotheken Arzneimittel

Norm

ApG 1907 §10 idF 2006/I/41
ZahnärzteG 2006 §26b
62012CJ0367 Sokoll-Seebacher VORAB
62015CO0634 Sokoll-Seebacher VORAB

Rechtssatz

In seinem Urteil EuGH 13.2.2013, C-367/12, Sokoll-Seebacher, und in dem dieses Urteil auslegenden Beschluss vom 30.6.2016, C- 634/15, Sokoll-Seebacher römisch zwei, äußerte sich der EuGH lediglich deskriptiv zur Bestimmung des Paragraph 10, ApG 1907 in der Fassung 2006/I/41, in der insbesondere festgelegt wird, wann kein Bedarf an einer neu zu errichtenden öffentlichen Apotheke besteht. Da es sich bei diesen Aussagen des EuGH somit keineswegs um allgemeine unionsrechtliche Leitlinien für Bedarfsprüfungen schlechthin handelt, kann daraus nicht abgeleitet werden, das Vorliegen eines entsprechenden Bedarfs sei aus unionsrechtlicher Sicht generell nicht vom Genehmigungswerber nachzuweisen, sondern als gegeben zu vermuten, sodass das Gesetz (und daher auch Paragraph 26 b, ZahnärzteG 2006) lediglich Kriterien für den Ausschluss eines Bedarfs festlegen dürfe.

Gerichtsentscheidung

EuGH 62012CJ0367 Sokoll-Seebacher VORAB
EuGH62015CO0634 Sokoll-Seebacher VORAB

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2019:RA2016110142.L01

Im RIS seit

03.07.2019

Zuletzt aktualisiert am

03.07.2019

Dokumentnummer

JWR_2016110142_20190404L01

Rechtssatz für Ra 2016/11/0142

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

Ra 2016/11/0142

Entscheidungsdatum

04.04.2019

Index

E6J
82/03 Ärzte Sonstiges Sanitätspersonal

Norm

ZahnärzteG 2006 §26b
62007CJ0169 Hartlauer VORAB

Rechtssatz

Wie der EuGH im Urteil Hartlauer (EuGH 10.3.2009, Rs C-169/07) erkannte, widersprechen Bedarfsprüfungsregelungen - wie die im Ausgangsverfahren für Ambulatorien geltenden - der Niederlassungsfreiheit, wenn sie "nicht auch Gruppenpraxen einem solchen System unterwerfen und sofern sie nicht auf einer Bedingung beruhen, die geeignet ist, der Ausübung des Ermessens durch die nationalen Behörden hinreichende Grenzen zu setzen".

Gerichtsentscheidung

EuGH 62007CJ0169 Hartlauer VORAB

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2019:RA2016110142.L02

Im RIS seit

03.07.2019

Zuletzt aktualisiert am

03.07.2019

Dokumentnummer

JWR_2016110142_20190404L02

Rechtssatz für Ra 2016/11/0142

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

3

Geschäftszahl

Ra 2016/11/0142

Entscheidungsdatum

04.04.2019

Index

E6J
L94409 Krankenanstalt Spital Wien
66/01 Allgemeines Sozialversicherungsgesetz
66/02 Andere Sozialversicherungsgesetze
82/03 Ärzte Sonstiges Sanitätspersonal
82/06 Krankenanstalten

Norm

ÄrzteG 1998
Gesundheitsversorgung Stärkung ambulante öffentliche 2010
KAG Wr 1987 §4
KAKuG 2001
ZahnärzteG 2006
62007CJ0169 Hartlauer VORAB

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ro 2017/11/0006 E 15. Juni 2018 RS 3

Stammrechtssatz

In seinem Erkenntnis VfSlg 19529 aus 2011, hat der VfGH die Rechtsauffassung vertreten, dass mit den - neben einer Neuregelung der Bedarfsprüfung für selbständige Ambulatorien im KAKuG - durch das am 18. August 2010 ausgegebene Bundesgesetz zur Stärkung der ambulanten öffentlichen Gesundheitsversorgung, Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 61 aus 2010,, getroffenen speziellen Regelungen für das Zulassungsverfahren von Gruppenpraxen (Einführung einer Bedarfsprüfung) nach dem ÄrzteG 1998 und dem ZahnärzteG 2006 der im "Hartlauer"-Urteil des EuGH genannte Grund für die Unanwendbarkeit der Bestimmungen über die Bedarfsprüfung von Ambulatorien bei Sachverhalten mit Unionsrechtsbezug weggefallen sei. Dass mit dem erwähnten Bundesgesetz durch Einführung einer Bedarfsprüfung für Gruppenpraxen im ÄrzteG 1998 und im ZahnärzteG 2006 eine vor dem Hintergrund des "Hartlauer"-Urteils des EuGH gemeinschaftsrechtskonforme Rechtslage herbeigeführt wurde, hat der VfGH auch im Erkenntnis VfSlg 19608 aus 2011, bekräftigt.

Gerichtsentscheidung

EuGH 62007CJ0169 Hartlauer VORAB

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2019:RA2016110142.L03

Im RIS seit

03.07.2019

Zuletzt aktualisiert am

03.07.2019

Dokumentnummer

JWR_2016110142_20190404L03

Rechtssatz für Ra 2016/11/0142

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

4

Geschäftszahl

Ra 2016/11/0142

Entscheidungsdatum

04.04.2019

Index

L94405 Krankenanstalt Spital Salzburg
82/03 Ärzte Sonstiges Sanitätspersonal

Norm

KAG Slbg 2000
ZahnärzteG 2006 §26b

Rechtssatz

Der VwGH hat sich in seinem zum Slbg KAG 2000 in der Fassung Landesgesetzblatt Nr. 91 aus 2010, ergangenen Erkenntnis vom 24. Juli 2013, 2011/11/0198, ausdrücklich der Rechtsauffassung des VfGH angeschlossen, dass durch die Einführung einer Bedarfsprüfung für Gruppenpraxen in Paragraph 26 b, ZahnärzteG 2006 insgesamt eine unionsrechtskonforme Rechtslage geschaffen worden ist. Ein Vergleich der Bedarfsregelungen des Slbg KAG 2000 in der Fassung der Novelle Landesgesetzblatt Nr. 91 aus 2010, mit Paragraph 26 b, ZahnärzteG 2006 in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 61 aus 2010, ergab, dass letztgenannte Bestimmung ein Zulassungssystem für neue Gruppenpraxen normiert, "das einer Bedarfsregelung nach Art derjenigen für die Erteilung von Errichtungsbewilligungen für selbständige Ambulatorien im Wesentlichen gleichkommt" vergleiche VwGH 15.6.2018, Ro 2017/11/0006).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2019:RA2016110142.L04

Im RIS seit

03.07.2019

Zuletzt aktualisiert am

03.07.2019

Dokumentnummer

JWR_2016110142_20190404L04

Rechtssatz für Ra 2016/11/0142

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

5

Geschäftszahl

Ra 2016/11/0142

Entscheidungsdatum

04.04.2019

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein
82/03 Ärzte Sonstiges Sanitätspersonal
82/06 Krankenanstalten

Norm

KAKuG 2001 §3a Abs2 Z1
KAKuG 2001 §3a Abs3
VwRallg
ZahnärzteG 2006 §26b
ZahnärzteG 2006 §26b Abs2

Rechtssatz

Eine Gegenüberstellung der Bestimmungen des Paragraph 26 b, Absatz 2, ZahnärzteG 2006 und des Paragraph 3 a, Absatz 3, KaKuG 2001, die beide ihre Textierung (abgesehen von vorliegend nicht relevanten späteren Änderungen) durch die Novelle Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 61 aus 2010, erhielten, zeigt, dass die Kriterien der Bedarfsprüfung für zahnärztliche Gruppenpraxen und (Zahn-)Ambulatorien nahezu wortgleich formuliert sind. Auch sind nach beiden Regelungen bestehende Leistungsanbieter, die sozialversicherungsrechtlich erstattungsfähige Leistungen erbringen, bei der Bedarfsprüfung zu berücksichtigen. Die - in Paragraph 26 b, ZahnärzteG 2006 so nicht vorhandene - Aufzählung dieser Leistungsanbieter in Paragraph 3 a, Absatz 2, Ziffer eins, KaKuG 2001 resultiert aus einer Ausweitung des Kreises der nach der alten Rechtslage zu berücksichtigenden Leistungsanbieter mit der Novelle Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 61 aus 2010, auf alle Anbieter, soweit sie sozialversicherungsrechtlich erstattungsfähige Leistungen erbringen. Damit sollten auch wahlärztliche Einrichtungen bei der Bedarfsprüfung Berücksichtigung finden, allerdings nur mit jenem Teil ihres Angebots, der sozialversicherungsrechtlich erstattungsfähig ist vergleiche dazu die Erläuterungen zur Regierungsvorlage 779 BlgNR 24. GP, 28, sowie VwGH 23.11.2017, Ra 2016/11/0145, Rz 49).

Schlagworte

Auslegung Anwendung der Auslegungsmethoden Verhältnis der wörtlichen Auslegung zur teleologischen und historischen Auslegung Bedeutung der Gesetzesmaterialien VwRallg3/2/2

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2019:RA2016110142.L00

Im RIS seit

03.07.2019

Zuletzt aktualisiert am

03.07.2019

Dokumentnummer

JWR_2016110142_20190404L05

Rechtssatz für Ra 2016/11/0142

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

6

Geschäftszahl

Ra 2016/11/0142

Entscheidungsdatum

04.04.2019

Index

E6J
001 Verwaltungsrecht allgemein
82/03 Ärzte Sonstiges Sanitätspersonal
82/06 Krankenanstalten

Norm

KAKuG 2001 §3a
VwRallg
ZahnärzteG 2006 §26b
62007CJ0169 Hartlauer VORAB

Rechtssatz

Da Paragraph 26 b, ZahnärzteG 2006 erst mit der Novelle Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 61 aus 2010, geschaffen wurde, konnten von vornherein alle bestehenden Leistungsanbieter, die sozialversicherungsrechtlich erstattungsfähige Leistungen erbringen, in die Regelung einbezogen werden. Zwar wird in Paragraph 26 b, ZahnärzteG 2006 nicht explizit nur auf den sozialversicherungsrechtlich erstattungsfähigen Teil des Leistungsangebots abgestellt, doch ergibt sich aus den Materialien nicht, dass für Gruppenpraxen Anderes gelten sollte als für selbständige Ambulatorien. Vielmehr wird darin mehrfach betont, dass mit der Novelle Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 61 aus 2010,, die vor allem der Umsetzung des Urteils Hartlauer diente, "für Gruppenpraxen ein - mit den Regelungen des KaKuG für selbständige Ambulatorien harmonisiertes - Zulassungsverfahren etabliert" (s. die Erläuterungen zur Regierungsvorlage 779 BlgNR 24. GP, 1) und "eine Gleichbehandlung zwischen Gruppenpraxen und selbständigen Ambulatorien hinsichtlich des Marktzugangs erreicht werden" (aaO, 21) sollte. Auch seien die Bestimmungen über die Bedarfsprüfung für selbständige Ambulatorien "in Symmetrie zu den entsprechenden

Bestimmungen ... betreffend Gruppenpraxen gestaltet" (aaO, 28). Es

besteht daher kein Grund, die ständige hg. Judikatur zur Bedarfsfeststellung für Ambulatorien (die auch nach der Novelle Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 61 aus 2010, weiterhin maßgebend ist; vergleiche dazu etwa VwGH 13.12.2018, Ro 2017/11/0009, und die darin zitierte Judikatur) nicht auch auf die Bedarfsprüfung für zahnärztliche Gruppenpraxen anzuwenden.

Gerichtsentscheidung

EuGH 62007CJ0169 Hartlauer VORAB

Schlagworte

Auslegung Anwendung der Auslegungsmethoden Verhältnis der wörtlichen Auslegung zur teleologischen und historischen Auslegung Bedeutung der Gesetzesmaterialien VwRallg3/2/2

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2019:RA2016110142.L05

Im RIS seit

03.07.2019

Zuletzt aktualisiert am

03.07.2019

Dokumentnummer

JWR_2016110142_20190404L06

Rechtssatz für Ra 2016/11/0142

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

7

Geschäftszahl

Ra 2016/11/0142

Entscheidungsdatum

04.04.2019

Index

E6J
82/03 Ärzte Sonstiges Sanitätspersonal
82/06 Krankenanstalten

Norm

KAKuG 2001 §3
ZahnärzteG 2006 §26b
62007CJ0169 Hartlauer VORAB

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie 2012/11/0055 E 27. April 2015 RS 1

Stammrechtssatz

Eine vom Amtssachverständigen durchgeführte Wartezeitenerhebung lediglich mittels Befragung bestehender, mit der zu bewilligenden Krankenanstalt in wirtschaftlicher Konkurrenz stehender Einrichtungen, die die Behörde ihrer Entscheidung uneingeschränkt zu Grunde legt, ist nicht geeignet, eine objektive und unparteiliche Ermittlung der Wartezeiten zu gewährleisten vergleiche das Urteil des EuGH vom 10. März 2009, C-169/07 ("Hartlauer"), und darauf aufbauend das E vom 26. März 2015, 2013/11/0048).

Gerichtsentscheidung

EuGH 62007CJ0169 Hartlauer VORAB

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2019:RA2016110142.L08

Im RIS seit

03.07.2019

Zuletzt aktualisiert am

03.07.2019

Dokumentnummer

JWR_2016110142_20190404L07