Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

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Entscheidungstext 92/13/0036

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

92/13/0036

Entscheidungsdatum

20.04.1995

Index

32/01 Finanzverfahren allgemeines Abgabenrecht;
37/02 Kreditwesen;

Norm

FinStrG §33;
FinStrG §34;
FinStrG §75;
FinStrG §82 Abs1;
FinStrG §82 Abs3;
FinStrG §82;
FinStrG §83 Abs2;
FinStrG §84 Abs2;
FinStrG §99;
KWG 1979 §23 Abs2 Z1 idF 1986/325;
  1. FinStrG Art. 1 § 33 heute
  2. FinStrG Art. 1 § 33 gültig ab 01.01.2026 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 98/2025
  3. FinStrG Art. 1 § 33 gültig von 23.07.2019 bis 31.12.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 62/2019
  4. FinStrG Art. 1 § 33 gültig von 15.08.2018 bis 22.07.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 62/2018
  5. FinStrG Art. 1 § 33 gültig von 12.01.2013 bis 14.08.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2013
  6. FinStrG Art. 1 § 33 gültig von 01.01.2011 bis 11.01.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 104/2010
  7. FinStrG Art. 1 § 33 gültig von 13.01.1999 bis 31.12.2010 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 28/1999
  8. FinStrG Art. 1 § 33 gültig von 21.08.1996 bis 12.01.1999 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 421/1996
  9. FinStrG Art. 1 § 33 gültig von 01.01.1995 bis 20.08.1996 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 681/1994
  10. FinStrG Art. 1 § 33 gültig von 01.10.1989 bis 31.12.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 375/1989
  11. FinStrG Art. 1 § 33 gültig von 01.01.1986 bis 30.09.1989 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 571/1985
  1. FinStrG Art. 1 § 34 heute
  2. FinStrG Art. 1 § 34 gültig ab 01.01.2026 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 98/2025
  3. FinStrG Art. 1 § 34 gültig von 01.01.2016 bis 31.12.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 118/2015
  4. FinStrG Art. 1 § 34 gültig von 01.01.2011 bis 31.12.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 104/2010
  5. FinStrG Art. 1 § 34 gültig von 01.01.1976 bis 31.12.2010 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 335/1975
  1. FinStrG Art. 1 § 75 heute
  2. FinStrG Art. 1 § 75 gültig ab 01.01.1976 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 335/1975
  1. FinStrG Art. 1 § 82 heute
  2. FinStrG Art. 1 § 82 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2013
  3. FinStrG Art. 1 § 82 gültig von 01.01.2008 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 44/2007
  4. FinStrG Art. 1 § 82 gültig von 01.01.1995 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 681/1994
  5. FinStrG Art. 1 § 82 gültig von 01.01.1986 bis 31.12.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 571/1985
  1. FinStrG Art. 1 § 82 heute
  2. FinStrG Art. 1 § 82 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2013
  3. FinStrG Art. 1 § 82 gültig von 01.01.2008 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 44/2007
  4. FinStrG Art. 1 § 82 gültig von 01.01.1995 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 681/1994
  5. FinStrG Art. 1 § 82 gültig von 01.01.1986 bis 31.12.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 571/1985
  1. FinStrG Art. 1 § 82 heute
  2. FinStrG Art. 1 § 82 gültig ab 01.01.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2013
  3. FinStrG Art. 1 § 82 gültig von 01.01.2008 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 44/2007
  4. FinStrG Art. 1 § 82 gültig von 01.01.1995 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 681/1994
  5. FinStrG Art. 1 § 82 gültig von 01.01.1986 bis 31.12.1994 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 571/1985
  1. FinStrG Art. 1 § 83 heute
  2. FinStrG Art. 1 § 83 gültig ab 01.01.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 118/2015
  3. FinStrG Art. 1 § 83 gültig von 01.01.2014 bis 31.12.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2013
  4. FinStrG Art. 1 § 83 gültig von 01.01.2011 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 104/2010
  5. FinStrG Art. 1 § 83 gültig von 01.01.2008 bis 31.12.2010 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 44/2007
  6. FinStrG Art. 1 § 83 gültig von 01.01.1976 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 335/1975
  1. FinStrG Art. 1 § 84 heute
  2. FinStrG Art. 1 § 84 gültig ab 01.01.2026 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 98/2025
  3. FinStrG Art. 1 § 84 gültig von 01.01.2025 bis 31.12.2025 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 157/2024
  4. FinStrG Art. 1 § 84 gültig von 18.04.2024 bis 31.12.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 34/2024
  5. FinStrG Art. 1 § 84 gültig von 20.07.2022 bis 17.04.2024 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 108/2022
  6. FinStrG Art. 1 § 84 gültig von 02.08.2016 bis 19.07.2022 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 77/2016
  7. FinStrG Art. 1 § 84 gültig von 01.08.2013 bis 01.08.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 155/2013
  8. FinStrG Art. 1 § 84 gültig von 01.01.2008 bis 31.07.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 44/2007
  9. FinStrG Art. 1 § 84 gültig von 18.08.1999 bis 31.12.2007 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 164/1999
  10. FinStrG Art. 1 § 84 gültig von 01.01.1976 bis 17.08.1999 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 335/1975
  1. FinStrG Art. 1 § 99 heute
  2. FinStrG Art. 1 § 99 gültig ab 01.07.2026 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 43/2026
  3. FinStrG Art. 1 § 99 gültig von 20.07.2022 bis 30.06.2026 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 108/2022
  4. FinStrG Art. 1 § 99 gültig von 01.01.2021 bis 19.07.2022 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 99/2020
  5. FinStrG Art. 1 § 99 gültig von 01.01.2021 bis 31.12.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 104/2019
  6. FinStrG Art. 1 § 99 gültig von 01.01.2016 bis 31.12.2020 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 118/2015
  7. FinStrG Art. 1 § 99 gültig von 30.12.2014 bis 31.12.2015 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 105/2014
  8. FinStrG Art. 1 § 99 gültig von 01.01.2014 bis 29.12.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 14/2013
  9. FinStrG Art. 1 § 99 gültig von 15.12.2012 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 112/2012
  10. FinStrG Art. 1 § 99 gültig von 01.01.2011 bis 14.12.2012 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 104/2010
  11. FinStrG Art. 1 § 99 gültig von 01.01.2006 bis 31.12.2010 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 161/2005
  12. FinStrG Art. 1 § 99 gültig von 26.06.2002 bis 31.12.2005 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 97/2002
  13. FinStrG Art. 1 § 99 gültig von 01.01.1976 bis 25.06.2002 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 335/1975

Betreff

Der Verwaltungsgerichtshof hat durch den Vorsitzenden Senatspräsident Dr. Weiss und die Hofräte Dr. Pokorny und Dr. Hargassner als Richter, im Beisein des Schriftführers Dr. Cerne, über die Beschwerde der E in W, vertreten durch Dr. H, Rechtsanwalt in W, gegen den Bescheid (Berufungsentscheidung) der Finanzlandesdirektion für Wien, Niederösterreich und Burgenland als Finanzstrafbehörde zweiter Instanz vom 27. Dezember 1991, Zl. GA 10-487/91, betreffend Zurückweisung einer Beschwerde gegen die Einleitung eines Finanzstrafverfahrens, zu Recht erkannt:

Spruch

Die Beschwerde wird als unbegründet abgewiesen.

Die Beschwerdeführerin hat dem Bund Aufwendungen in der Höhe von S 4.565,-- binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen.

Begründung

Mit Schreiben vom 5. Juni 1991 wurde die Beschwerdeführerin gemäß Paragraph 83, Absatz 2, FinStrG davon verständigt, daß gegen sie ein Finanzstrafverfahren eingeleitet worden sei, weil der Verdacht bestehe, daß sie fahrlässig unter Verletzung der abgabenrechtlichen Offenlegungs- und Wahrheitspflicht durch die Abgabe einer inhaltlich unrichtigen Umsatzsteuererklärung, nämlich durch die zu Unrecht erfolgte Geltendmachung von Vorsteuer, Umsatzsteuer 1987 (S 113.861,--) verkürzt und hiemit ein Finanzvergehen nach Paragraph 34, Absatz eins, FinStrG begangen habe.

Die Beschwerdeführerin erblickte in diesem Schreiben einen Bescheid, den sie mit Administrativbeschwerde gemäß Paragraph 152, FinStrG bekämpfte.

Die Finanzstrafbehörde erster Instanz vertrat demgegenüber die Auffassung, daß dem Schreiben kein Bescheidcharakter zukomme und wies daher die Beschwerde gemäß Paragraph 156, Absatz eins, FinStrG als unzulässig zurück.

Gegen den Zurückweisungsbescheid erhob die Beschwerdeführerin abermals Administrativbeschwerde. Diese wurde von der belangten Behörde mit dem angefochtenen Bescheid als unbegründet abgewiesen. Da der Verständigung von der Einleitung eines Finanzstrafverfahrens wegen des Verdachtes der FAHRLÄSSIGEN Abgabenverkürzung kein Bescheidcharakter zukomme, sei auch ein Rechtsmittel dagegen nicht zulässig.

Gegen diese Entscheidung wendet sich die Beschwerde, in der Rechtswidrigkeit des Inhaltes sowie Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften geltend gemacht werden.

Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen:

Die Frage, ob die im Paragraph 83, Absatz 2, FinStrG angeordnete Verständigung des Verdächtigen von der Einleitung des Finanzstrafverfahrens wegen des Verdachtes einer fahrlässigen Abgabenverkürzung einen Bescheid darstellt, hat der Gerichtshof bereits mit Erkenntnis vom 16. Februar 1994, 91/13/0203, verneint, weil einer solchen Maßnahme keine normative Wirkung zukomme. Insofern unterscheide sie sich von der Einleitung eines Finanzstrafverfahrens wegen des Verdachtes der VORSÄTZLICHEN Abgabenverkürzung, die zur Folge habe, daß das im (seinerzeitigen) Kreditwesengesetz vorgesehene Bankgeheimnis gemäß Paragraph 23, Absatz 2, Ziffer eins, KWG durchbrochen werde. Bezüglich der näheren Ausführungen wird gemäß Paragraph 43, Absatz 2, VwGG auf das oben zitierte Erkenntnis verwiesen.

In der Beschwerde wird nichts vorgebracht, was den Gerichtshof zu einem Abgehen von dieser Rechtsprechung veranlassen könnte. Insbesondere wird nicht aufgezeigt, welche rechtsgestaltenden oder rechtsfeststellenden Wirkungen der Einleitung des Finanzstrafverfahrens wegen des Verdachtes einer fahrlässigen Abgabenverkürzung zukommen sollten. Derartige Wirkungen kennzeichnen aber einen Bescheid. Behördlichen Mitteilungen oder Erledigungen, die keine derartigen Wirkungen entfalten, mangelt es an einem normativen Inhalt. Sie greifen nicht in Rechte ein und können daher auch nicht mit Rechtsschutzeinrichtungen, wie sie in Rechtsmitteln vorgesehen sind, bekämpft werden.

Die Beschwerdeführerin meint, daß erst die Verständigung von der Einleitung eines Finanzstrafverfahrens der Behörde die Möglichkeit biete, "bestimmte Zwangsmaßnahmen zu setzen". Als solche werden beispielsweise die Paragraphen 75 und 84 Absatz 2, FinStrG angeführt. Der Gerichtshof kann nicht finden, daß in diesen Bestimmungen Zwangsmaßnahmen vorgesehen sind. Paragraph 75, FinStrG normiert lediglich, ab wann und wie lange eine Person als Beschuldigter anzusehen ist, und daß die für Beschuldigte geltenden Bestimmungen auch auf den Verdächtigen anzuwenden sind, wenn gegen ihn schon vor der Einleitung des Strafverfahrens eine Verfolgungshandlung gerichtet wurde.

Paragraph 84, Absatz 2, FinStrG regelt die Vernehmung von Beschuldigten und Nebenbeteiligten und sieht nicht nur keine Zwangsmaßnahmen vor, sondern verbietet solche sogar ausdrücklich. So darf die Beantwortung von Fragen und die Herausgabe von Tatgegenständen und Beweismitteln nach der zitierten Bestimmung nicht erzwungen werden.

Die Beschwerdeführerin vertritt weiters die Auffassung, daß die in Paragraph 99, FinStrG vorgesehene Auskunftspflicht sowie die Berechtigung der Finanzstrafbehörde zur Vornahme von Nachschauen und Prüfungen die Einleitung eines Finanzstrafverfahrens voraussetzt. Sie schließt dies aus der im Paragraph 99, Absatz eins, FinStrG vom Gesetzgeber gewählten Textierung, wonach die Finanzstrafbehörde berechtigt ist, von jedermann Auskunft "für Zwecke des Finanzstrafverfahrens" zu verlangen. Aus diesem Gesetzeswortlaut kann jedoch kein derartiger Schluß gezogen werden. Wie die Beschwerdeführerin richtig erkennt, hat die Finanzstrafbehörde gemäß Paragraph 82, Absatz eins, FinStG VOR Einleitung des Finanzstrafverfahrens zu prüfen, ob genügend Verdachtsgründe für die Einleitung eines Finanzstrafverfahrens gegeben sind. Eine solche Prüfung setzt die Zulässigkeit einer entsprechenden Ermittlungstätigkeit voraus. Ohne Tatsachenfeststellungen läßt sich der Verdacht eines strafbaren Verhaltens nicht begründen vergleiche auch das hg. Erkenntnis vom 26. April 1994, 93/14/0052). Paragraph 99, FinStrG regelt die Befugnisse, die die Finanzstrafbehörde bei ihrer Ermittlungstätigkeit hat. Die Worte "für Zwecke des Finanzstrafverfahrens" sind unschwer auch im Sinn eines (noch nicht) eingeleiteten Finanzstrafverfahrens zu verstehen, da die Ermittlungstätigkeit der Finanzstrafbehörde sowohl auf die allfällige Einleitung eines Finanzstrafverfahrens als auch darauf hinzielt, den Verdacht eines strafbaren Verhaltens dergestalt zu erhärten, daß es letztlich als erwiesen angenommen werden kann. Dementsprechend hat der Gerichtshof in seinem Erkenntnis vom 20. Jänner 1993, 92/13/0275, ausgesprochen, daß Maßnahmen im Sinne des Paragraph 99, FinStrG schon vor Einleitung eines Finanzstrafverfahrens möglich sind.

Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet und war daher gemäß Paragraph 42, Absatz eins, VwGG abzuweisen, wobei von der Durchführung der beantragten mündlichen Verhandlung gemäß Paragraph 39, Absatz 2, Ziffer 6, VwGG abgesehen werden konnte, weil die mündliche Erörterung eine weitere Klärung der Rechtssache nicht erwarten ließ.

Die Kostenentscheidung gründet sich auf die Paragraphen 47, ff VwGG in Verbindung mit der Verordnung des Bundeskanzlers, Bundesgesetzblatt Nr. 416 aus 1994,.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:1995:1992130036.X00

Im RIS seit

19.09.2001

Dokumentnummer

JWT_1992130036_19950420X00

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