Rechtssatz für Bsw35865/03; 13Os150/07v; ...

Gericht

AUSL EGMR, OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0123200

Geschäftszahl

Bsw35865/03; 13Os150/07v; 11Os46/08m; 15Os117/07f; 15Os12/10v; 12Os160/10m; Bsw69917/01; Bsw2947/06; 13Os138/11k; 13Os156/11g (13Ns2/12s); Bsw37075/09; 14Os128/12y; 12Os158/12w (12Os161/12m); 14Os77/13z; 13Os139/12h; 14Os145/13z; 14Os149/13p (14Os179/13z; 14Os180/13x); Bsw8139/09; 14Os103/14z; 14Os37/15w; 14Os60/15b (14Os73/15i); 15Os111/15k (15Os120/15h); 15Os110/15p; 12Os160/15v; 12Os154/15m; 11Os55/16x; 13Os80/16p (13Os92/16b); Bsw28761/11; 13Os56/17k; 14Os53/17a; 12Os126/17x (12Os127/17v); 15Os110/18t; 11Os117/18t; 11Os28/19f (11Os29/19b; 11Os30/19z; 11Os31/19x; 11Os55/19a); 14Os142/18s (14Os33/19p); 14Os58/19i; 12Os138/18p (12Os139/18k; 12Os135/19y; 12Os136/19w); 11Os142/19w; 12Os125/19b (12Os126/19z); 12Os51/20x; 13Os44/21a; Bsw71537/14; 14Os135/21s (14Os136/21p); 12Os59/22a; 15Os63/22m; 15Os95/24w; 15Os79/25v (15Os80/25s); 15Os116/25k; 12Os37/26x

Entscheidungsdatum

28.04.2026

Norm

MRK Art6 Abs1
StPO §363a
  1. StPO § 363a heute
  2. StPO § 363a gültig ab 01.03.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 762/1996

Rechtssatz

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine Auslieferungsentscheidung ausnahmsweise ein Problem unter Artikel 6, EMRK aufwirft, wenn der flüchtige Straftäter im ersuchenden Staat eine offenkundige Verweigerung eines fairen Prozesses erfahren musste oder eine solche droht.

Entscheidungstexte

  • Bsw 35865/03
    Entscheidungstext AUSL EGMR, OGH 20.02.2007 Bsw 35865/03
    Beisatz: Das Recht auf einen fairen Prozess im Strafverfahren nimmt einen herausragenden Platz in jeder demokratischen Gesellschaft ein. Selbst das legitime Ziel des Schutzes der Gesellschaft vor der Bedrohung des internationalen Terrorismus kann Maßnahmen nicht rechtfertigen, die den Wesensgehalt des durch Art 6 EMRK garantierten fairen Verfahrens auslöschen. Eine offenkundige Verweigerung eines fairen Verfahrens - und damit eine Rechtsverweigerung - liegt ohne Zweifel vor, wenn eine Person wegen des Verdachts der Begehung einer strafbaren Handlung angehalten wird, ohne dass ihr Zugang zu einem unabhängigen und unparteiischen Gericht gewährt wird, um die Rechtmäßigkeit der Haft prüfen zu lassen und eine Freilassung zu erlangen, wenn sich der Verdacht als unbegründet erweist. (T1); Veröff: NL 2007,68
  • 13 Os 150/07v
    Entscheidungstext OGH, AUSL EGMR 13.02.2008 13 Os 150/07v
    Vgl; Beisatz: Zwar fällt das Auslieferungsverfahren selbst nicht in den Anwendungsbereich des Art 6 MRK, doch können dessen Verfahrensgarantien für die Entscheidung über die Zulässigkeit der Auslieferung dann (ausnahmsweise) Relevanz erlangen, wenn die betroffene Person nachweist, dass ihr im ersuchenden Staat eine offenkundige Verweigerung eines fairen Prozesses droht. (T2) Beisatz: Die Verfahrensgarantien des Art 6 MRK beziehen sich demnach, soweit es um die Auslieferung geht, nur auf das gerichtliche Strafverfahren, in dem über die Stichhaltigkeit einer strafrechtlichen Anklage entschieden wird. (T3)
  • 11 Os 46/08m
    Entscheidungstext OGH, AUSL EGMR 01.04.2008 11 Os 46/08m
    Vgl; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 15 Os 117/07f
    Entscheidungstext OGH 21.01.2008 15 Os 117/07f
    Vgl; Beisatz: Die Zulässigerklärung einer Auslieferung mit Beziehung auf ein im ersuchenden Staat durchgeführtes Strafverfahren, das den von Art 6 Abs 1 MRK geforderten Verfahrensgarantien offenkundig nicht entsprochen hat, („flagrant denial of justice") verstößt (ihrerseits) gegen Art 6 Abs 1 MRK (EGMR, Einhorn gegen Frankreich, ÖJZ-MRK 2003/1; vgl dazu VfGH 12. Dezember 2002, G151, 152/02 = JBl 2003, 437 [443]). (T4)
    Beisatz: Die auf eine die Bejahung einer Konventionskonformität des in Italien gegen den Auszuliefernden geführten Abwesenheitsverfahrens nicht zulassende Tatsachengrundlage gestützte Zulässigerklärung der Auslieferung durch die Beschlüsse der Vorinstanzen verletzt daher (zum Nachteil des Auszuliefernden) das Grundrecht auf ein faires Verfahren nach Art 6 Abs 1 MRK. (T5)
  • 15 Os 12/10v
    Entscheidungstext OGH 21.04.2010 15 Os 12/10v
    Vgl auch; Beis wie T3
  • 12 Os 160/10m
    Entscheidungstext OGH 11.11.2010 12 Os 160/10m
    Vgl auch; Beis wie T3
  • Bsw 69917/01
    Entscheidungstext AUSL EGMR 05.07.2007 Bsw 69917/01
    Vgl auch; Beisatz: Innerstaatliche Gerichte müssen, bevor sie die Vollstreckung einer Verfallsanordnung gestatten, ausreichend davon überzeugt sein, dass die entsprechende Entscheidung nicht das Ergebnis einer offenkundigen Rechtsverweigerung war. Eine solche Prüfung ist erforderlich, wenn die Entscheidung, deren Vollstreckung beantragt wird, von den Gerichten eines Landes stammt, das die MRK nicht anwendet. In manchen Fällen kann es sogar notwendig sein, dass sich die Gereichte vor Anordnung der Vollstreckung einer solchen Entscheidung davon überzeugen, dass das betroffene Verfahren allen Anforderungen des Art. 6 MRK entsprach. (Stephen Anthony Saccoccia gegen Österreich) (T6)
    Veröff: NL 2007,178
  • Bsw 2947/06
    Entscheidungstext AUSL EGMR 24.04.2008 Bsw 2947/06
    Veröff: NL 2008,101
  • 13 Os 138/11k
    Entscheidungstext OGH 15.12.2011 13 Os 138/11k
    Auch; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 13 Os 156/11g
    Entscheidungstext OGH 19.01.2012 13 Os 156/11g
    Auch; Beis wie T2
  • Bsw 37075/09
    Entscheidungstext AUSL EGMR 27.10.2011 Bsw 37075/09
    Beisatz: Der Begriff „offenkundige Verweigerung eines fairen Verfahrens“ meint ein Verfahren, das offensichtlich den Bestimmungen des Art 6 MRK oder den darin verkörperten Grundsätzen widerspricht. Dieses Kriterium ist streng auszulegen. Es geht über bloße Unregelmäßigkeiten oder fehlende Sicherungen im Verfahren hinaus, die zu einer Verletzung von Art 6 MRK führen könnten, wenn sie im Konventionsstaat selbst auftreten würden. Erforderlich ist ein Verstoß gegen die Grundsätze des fairen Verfahrens, der so grundlegend ist, dass er einer Zerstörung des Wesensgehalts des durch Art 6 MRK garantierten Rechts gleichkommt. Bei der Durchführung dieses Tests sind jene Standards und Beweislastregeln anzuwenden, die auch bei der Prüfung von Auslieferungen oder Ausweisungen unter Art 3 MRK gelten. (Bem: Ahorgueze gg. Schweden) (T7)
    Beisatz: Hier: Keine drohende offenkundige Verweigerung eines fairen Verfahrens im Fall der Auslieferung nach Ruanda zur Aburteilung wegen Völkermordes. (T8)
    Veröff: NL 2011,314
  • 14 Os 128/12y
    Entscheidungstext OGH 29.01.2013 14 Os 128/12y
    Vgl; Beis wie T2; Beisatz: Es sind substanziierte Gründe für eine drohende Verletzung von Art6 MRK im Strafverfahren des ersuchenden Staats vorzubringen; der pauschale Einwand mangelnder Rechtsstaatlichkeit genügt nicht. (T9)
    Beisatz: Hier: Auslieferung an die Republik Moldau. (T10)
  • 12 Os 158/12w
    Entscheidungstext OGH 07.03.2013 12 Os 158/12w
    Auch; Beis wie T2
  • 14 Os 77/13z
    Entscheidungstext OGH 09.07.2013 14 Os 77/13z
    Vgl; Beis ähnlich wie T2
  • 13 Os 139/12h
    Entscheidungstext OGH 14.02.2013 13 Os 139/12h
    Vgl; Vgl auch Beis wie T2
  • 14 Os 145/13z
    Entscheidungstext OGH 05.11.2013 14 Os 145/13z
    Vgl; Beis wie T4; Beisatz: Hier: Keine als ausreichend zu erachtende Zusicherung im Sinn des Art 3 Abs 1 zweiter Satz des Zweiten Zusatzprotokolls zum Europäischen Auslieferungsübereinkommen. (T11)
  • 14 Os 149/13p
    Entscheidungstext OGH 28.01.2014 14 Os 149/13p
    Vgl; Beis wie T4; Beis wie T11
  • Bsw 8139/09
    Entscheidungstext AUSL EGMR, OGH 17.01.2012 Bsw 8139/09
    Ähnlich; Beis wie T7; Beisatz: Die Zulassung von durch Folter erlangten Beweisen widerspricht nicht nur Art 6 MRK, sondern den grundlegendsten internationalen Standards für ein faires Verfahren. Sie würde das gesamte Verfahren nicht nur unmoralisch und rechtswidrig machen, sondern auch völlig unzuverlässig in seinem Ergebnis. Es wäre daher eine offenkundige Verweigerung eines fairen Verfahrens, würden solche Beweise in einem Strafprozess zugelassen. (Bem: Othman [Abu Qatada] gg. das Vereinigte Königreich) (T12)
    Beisatz: Hier: Gefahr der offenkundigen Verweigerung eines fairen Verfahrens gegenüber dem Bf. bei dessen Abschiebung nach Jordanien, da dort im Verfahren durch Folter erlangte, belastende Beweise gegen ihn verwendet würden. (Bem: Othman [Abu Qatada] gg. das Vereinigte Königreich) (T13)
    Veröff: NL 2012,15
  • 14 Os 103/14z
    Entscheidungstext OGH 16.12.2014 14 Os 103/14z
    Auch; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 14 Os 37/15w
    Entscheidungstext OGH 16.06.2015 14 Os 37/15w
    Vgl auch
  • 14 Os 60/15b
    Entscheidungstext OGH 04.08.2015 14 Os 60/15b
    Auch; Beis wie T2
  • 15 Os 111/15k
    Entscheidungstext OGH 07.10.2015 15 Os 111/15k
    Auch; Beis wie T2
  • 15 Os 110/15p
    Entscheidungstext OGH 07.10.2015 15 Os 110/15p
    Auch; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 12 Os 160/15v
    Entscheidungstext OGH 20.01.2016 12 Os 160/15v
    Auch; Beis wie T3
  • 12 Os 154/15m
    Entscheidungstext OGH 28.01.2016 12 Os 154/15m
    Auch; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 11 Os 55/16x
    Entscheidungstext OGH 14.06.2016 11 Os 55/16x
    Auch; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 13 Os 80/16p
    Entscheidungstext OGH 06.09.2016 13 Os 80/16p
    Auch
  • Bsw 28761/11
    Entscheidungstext AUSL EGMR 24.07.2014 Bsw 28761/11
    Ähnlich; Beisatz: Hier: Hohe Wahrscheinlichkeit einer offenkundigen Rechtsverweigerung vor der US-Militärkommission nach Verbringung des während seiner geheimen Anhaltung gefolterten Beschwerdeführers aus dem belangten Staat, weil die Militärkommission nicht den grundlegenden Anforderungen von Art 6 MRK entspricht und mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Folter erlangte Aussagen verwendet würden. (Al Nashiri gg Polen) (T14)
    Veröff: NL 2014,288
  • 13 Os 56/17k
    Entscheidungstext OGH 06.09.2017 13 Os 56/17k
    Auch
  • 14 Os 53/17a
    Entscheidungstext OGH 05.09.2017 14 Os 53/17a
    Vgl
  • 12 Os 126/17x
    Entscheidungstext OGH 18.01.2018 12 Os 126/17x
    Vgl; Beis wie T2
  • 15 Os 110/18t
    Entscheidungstext OGH 23.08.2018 15 Os 110/18t
    Auch; Beis wie T3
  • 11 Os 117/18t
    Entscheidungstext OGH 11.12.2018 11 Os 117/18t
    Auch
  • 11 Os 28/19f
    Entscheidungstext OGH 25.06.2019 11 Os 28/19f
    Vgl; Beis wie T7; Beisatz: Abschiebungen, Auslieferungen und Rechtshilfeverfahren (im ersuchten Staat) betreffen als solche nicht die Prüfung einer strafrechtlichen Anklage und liegen somit außerhalb des Schutzbereichs des Art 6 MRK. Das Rechtshilfeverfahren ist nämlich seinem Wesen nach ein verwaltungsrechtliches Verfahren, in dem Schuld oder Nichtschuld des Betroffenen in der Regel nicht geprüft werden. Daraus folgt, dass in Erneuerungsanträgen eine Berufung auf Art 6 MRK nur in bestimmten Fallkonstellationen ausnahmsweise auch in Rechtshilfesachen möglich ist. (T15)
  • 14 Os 142/18s
    Entscheidungstext OGH 25.06.2019 14 Os 142/18s
    Auch; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 14 Os 58/19i
    Entscheidungstext OGH 03.09.2019 14 Os 58/19i
    Auch; Beis wie T3
  • 12 Os 138/18p
    Entscheidungstext OGH 05.12.2019 12 Os 138/18p
    Beis wie T6
  • 11 Os 142/19w
    Entscheidungstext OGH 14.01.2020 11 Os 142/19w
    Vgl; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 12 Os 125/19b
    Entscheidungstext OGH 20.01.2020 12 Os 125/19b
    Vgl; Beis wie T6
  • 12 Os 51/20x
    Entscheidungstext OGH 11.08.2020 12 Os 51/20x
    Vgl
  • 13 Os 44/21a
    Entscheidungstext OGH 14.07.2021 13 Os 44/21a
    Vgl
  • Bsw 71537/14
    Entscheidungstext AUSL EGMR 15.06.2017 Bsw 71537/14
    Beis wie T7
  • 14 Os 135/21s
    Entscheidungstext OGH 24.01.2022 14 Os 135/21s
    Vgl
  • 12 Os 59/22a
    Entscheidungstext OGH 05.07.2022 12 Os 59/22a
    Vgl
  • 15 Os 63/22m
    Entscheidungstext OGH 27.07.2022 15 Os 63/22m
    Vgl; Beis wie T9
  • 15 Os 95/24w
    Entscheidungstext OGH 09.12.2024 15 Os 95/24w
    vgl; Beisatz wie T2; Beisatz wie T3; Beisatz wie T9; Beisatz wie T15
  • 15 Os 79/25v
    Entscheidungstext OGH 10.09.2025 15 Os 79/25v
    vgl
  • 15 Os 116/25k
    Entscheidungstext OGH 19.11.2025 15 Os 116/25k
    vgl; Beisatz wie T3
  • 12 Os 37/26x
    Entscheidungstext OGH 28.04.2026 12 Os 37/26x
    vgl; Beisatz wie T2

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:AUSL000:2007:RS0123200

Im RIS seit

22.03.2007

Zuletzt aktualisiert am

28.05.2026

Dokumentnummer

JJR_20070220_AUSL000_000BSW35865_0300000_001

Rechtssatz für 13Os135/06m; 15Os136/06a; ...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Strafrecht

Rechtssatznummer

RS0122228

Geschäftszahl

13Os135/06m; 15Os136/06a; 11Os132/06f; 11Os131/06h; 14Os140/06d; 12Os135/06d; 15Os134/06d; 14Os138/07m; 15Os156/07s (15Os157/07p); 15Os117/07f; 12Os71/08w; 14Os60/08t; 13Os16/09s; 15Os164/08v; 14Os25/09x; 15Os171/08y; 15Os42/09d; 11Os119/09y; 15Os12/10v; 15Os8/10f; 14Os87/10s; 14Os81/10h; 11Os121/09t; 11Os141/10k; 11Os198/09s; 11Os150/10h; 13Os109/10v; 15Os147/10x; 15Os98/10s; 15Os184/10p; 11Os14/11k; 14Os12/11p; 12Os95/11d; 13Os138/11k; 11Os7/12g; 15Os4/12w; 11Os84/12f; 13Os44/12p; 12Os158/12w (12Os161/12m); 11Os92/13h; 15Os52/12d; 15Os177/13p; 14Os47/14i; 13Os38/14h (13Os17/15x); 13Os51/15x; 11Os60/16g (11Os118/16m); 14Ns32/17t; 15Os78/17k; 13Os49/16d; 13Os155/18w; 12Os158/18d; 14Os122/19a (14Os123/19y); 14Ns26/20i; 11Os47/21b (11Os49/21x; 11Os50/21v); 24Ds3/22h; 15Os78/23v (15Os87/23t); 15Os55/24p (15Os160/24d; 15Os161/24a); 12Os124/24p; 15Os114/24i (15Os158/24k); 15Os55/25i (15Os147/25v); 12Os37/26x

Entscheidungsdatum

28.04.2026

Norm

StPO §363a
MRK Art13 IV3
  1. StPO § 363a heute
  2. StPO § 363a gültig ab 01.03.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 762/1996

Rechtssatz

Da die Feststellung einer Verletzung der MRK oder eines ihrer Zusatzprotokolle durch den EGMR nicht bloß als notwendige, sondern auch als hinreichende Bedingung für die Erneuerung des Strafverfahrens verstanden werden kann und sich seit Einführung der Paragraphen 363 a bis 363 c StPO durch das StRÄG 1996 die Rechtsprechung des EGMR zu den das gerichtliche Verfahren betreffenden Garantien signifikant verändert hat, ist (jedenfalls nachträglich entstandene) Planwidrigkeit des Paragraph 363 a, Absatz eins, StPO nicht von der Hand zu weisen und Lückenschließung dahin gerechtfertigt, dass es eines Erkenntnisses des EGMR als Voraussetzung für eine Erneuerung des Strafverfahrens nicht zwingend bedarf. Vielmehr kann auch eine vom Obersten Gerichtshof selbst - aufgrund eines Antrags auf Erneuerung des Strafverfahrens - festgestellte Verletzung der MRK oder eines ihrer Zusatzprotokolle durch eine Entscheidung oder Verfügung eines untergeordneten Strafgerichtes dazu führen.

Anmerkung

Bem: Der Rechtssatz wird wegen der Häufigkeit seiner Zitierung ("überlanger RS") nicht bei jeder einzelnen Bezugnahme, sondern nur fallweise mit einer Gleichstellungsindizierung versehen.

Entscheidungstexte

  • 13 Os 135/06m
    Entscheidungstext OGH 01.08.2007 13 Os 135/06m
  • 15 Os 136/06a
    Entscheidungstext OGH 06.09.2007 15 Os 136/06a
  • 11 Os 132/06f
    Entscheidungstext OGH 23.10.2007 11 Os 132/06f
  • 11 Os 131/06h
    Entscheidungstext OGH 23.10.2007 11 Os 131/06h
  • 14 Os 140/06d
    Entscheidungstext OGH 13.11.2007 14 Os 140/06d
  • 12 Os 135/06d
    Entscheidungstext OGH 27.09.2007 12 Os 135/06d
  • 15 Os 134/06d
    Entscheidungstext OGH 15.11.2007 15 Os 134/06d
    Auch
  • 14 Os 138/07m
    Entscheidungstext OGH 19.02.2008 14 Os 138/07m
    Vgl auch
  • 15 Os 156/07s
    Entscheidungstext OGH 21.01.2008 15 Os 156/07s
    Auch
  • 15 Os 117/07f
    Entscheidungstext OGH 21.01.2008 15 Os 117/07f
  • 12 Os 71/08w
    Entscheidungstext OGH 19.06.2008 12 Os 71/08w
    Auch
  • 14 Os 60/08t
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 14 Os 60/08t
    Auch; nur: Eine Planwidrigkeit des § 363a Abs 1 StPO ist nicht von der Hand zu weisen und Lückenschließung dahin gerechtfertigt, dass es eines Erkenntnisses des EGMR als Voraussetzung für eine Erneuerung des Strafverfahrens nicht zwingend bedarf. Vielmehr kann auch eine vom Obersten Gerichtshof selbst - aufgrund eines Antrags auf Erneuerung des Strafverfahrens - festgestellte Verletzung der MRK oder eines ihrer Zusatzprotokolle durch ein Entscheidung oder Verfügung eines untergeordneten Strafgerichtes dazu führen. (T1)
  • 13 Os 16/09s
    Entscheidungstext OGH 16.04.2009 13 Os 16/09s
    Auch; Beisatz: Schon die weite Umschreibung des möglichen Prüfungsgegenstands bringt zum Ausdruck, dass diese Erneuerungskompetenz nicht auf in rechtskräftig abgeschlossenen Strafverfahren ergangene (End-)Entscheidungen beschränkt ist. Vielmehr sieht sich der Oberste Gerichtshof aufgerufen, als - nicht an völkerrechtliche Beschränkungen als Ausdruck staatlicher Souveränität gebundene - oberste Instanz in Strafrechtssachen (Art 92 Abs 1 B-VG) über die Einhaltung von Grundrechten in Strafverfahren zu wachen und dabei nicht bloß die Rechtsprechung des EGMR nachzuvollziehen, sondern erforderlichenfalls selbst Akzente ihrer Weiterbildung zu setzen. (T2)
  • 15 Os 164/08v
    Entscheidungstext OGH 24.06.2009 15 Os 164/08v
    Vgl
  • 14 Os 25/09x
    Entscheidungstext OGH 12.05.2009 14 Os 25/09x
    Vgl; Beisatz: Hier: Einstellungsbeschluss nach § 191 Abs 1 und 2 StPO (wegen Geringfügigkeit) und nachfolgender Erneuerungsantrag mit der Begründung, dass „durch die Ausführungen im angefochtenen Beschluss, wodurch die Schuld des Beschwerdeführers festgestellt wird" das Gebot der Unschuldsvermutung nach Art 6 Abs 2 MRK (§ 8 StPO) verletzt worden sei. Der Antrag ist zulässig, aber nicht berechtigt. (T3); Beisatz: Zwar kommt eine Verletzung des Art 6 Abs 2 MRK grundsätzlich auch dann in Frage, wenn (bloß) in der Begründung einer (nicht verurteilenden) gerichtlichen Entscheidung Schuldannahmen entsprechend deutlich zum Ausdruck gebracht werden (vgl SSt 51/8, dazu EGMR vom 26. März 1982, Nr 8269/78, Adolf gg Österreich und weiters vom 25. März 1983, Nr 8660/79, Minelli gg Schweiz); bei dieser Beurteilung können aber die Stellung der Entscheidung im Verfahren und ihre tatsächlichen Auswirkungen auf den Betroffenen nicht gänzlich außer Betracht bleiben. (T4); Beisatz: Mit dem hier bekämpften Beschluss sind keinerlei rechtliche Konsequenzen zum Nachteil des Angeklagten verbunden, der solcherart mit Sperrwirkung iSd Art 4 Z 1 7. ZPMRK außer Verfolgung gesetzt wurde. Die Entscheidungsbegründung vermag - ungeachtet der missverständlichen Wortwahl - unter keinen Umständen bindende Wirkung für ein allenfalls folgendes zivilrechtliches (RIS-Justiz RS0106015) oder disziplinarrechtliches (vgl VwGH vom 18. März 1992, 87/12/0085 und vom 18. Dezember 2008, 2007/09/0383 im Zusammenhang mit § 95 Abs 2 BDG 1979) Verfahren zu entfalten. (T5)
  • 15 Os 171/08y
    Entscheidungstext OGH, AUSL EGMR 14.10.2009 15 Os 171/08y
    Auch
  • 15 Os 42/09d
    Entscheidungstext OGH 11.11.2009 15 Os 42/09d
    Vgl
  • 11 Os 119/09y
    Entscheidungstext OGH 02.03.2010 11 Os 119/09y
    Auch
  • 15 Os 12/10v
    Entscheidungstext OGH 21.04.2010 15 Os 12/10v
    Vgl auch
  • 15 Os 8/10f
    Entscheidungstext OGH 26.05.2010 15 Os 8/10f
    Auch
  • 14 Os 87/10s
    Entscheidungstext OGH 24.08.2010 14 Os 87/10s
    Auch
  • 14 Os 81/10h
    Entscheidungstext OGH 24.08.2010 14 Os 81/10h
    Auch
  • 11 Os 121/09t
    Entscheidungstext OGH 17.08.2010 11 Os 121/09t
    Vgl auch
  • 11 Os 141/10k
    Entscheidungstext OGH 16.11.2010 11 Os 141/10k
    Vgl auch
  • 11 Os 198/09s
    Entscheidungstext OGH 16.11.2010 11 Os 198/09s
    Vgl auch
  • 11 Os 150/10h
    Entscheidungstext OGH 23.11.2010 11 Os 150/10h
    Vgl auch
  • 13 Os 109/10v
    Entscheidungstext OGH 16.12.2010 13 Os 109/10v
    Auch
  • 15 Os 147/10x
    Entscheidungstext OGH 15.12.2010 15 Os 147/10x
    Auch
  • 15 Os 98/10s
    Entscheidungstext OGH 16.03.2011 15 Os 98/10s
    Vgl auch
  • 15 Os 184/10p
    Entscheidungstext OGH 16.03.2011 15 Os 184/10p
    Vgl auch
  • 11 Os 14/11k
    Entscheidungstext OGH 14.04.2011 11 Os 14/11k
    Vgl auch
  • 14 Os 12/11p
    Entscheidungstext OGH 30.08.2011 14 Os 12/11p
    Auch
  • 12 Os 95/11d
    Entscheidungstext OGH 18.10.2011 12 Os 95/11d
    Vgl auch
  • 13 Os 138/11k
    Entscheidungstext OGH 15.12.2011 13 Os 138/11k
    Auch
  • 11 Os 7/12g
    Entscheidungstext OGH 16.02.2012 11 Os 7/12g
    Vgl
  • 15 Os 4/12w
    Entscheidungstext OGH 28.03.2012 15 Os 4/12w
    Vgl auch
  • 11 Os 84/12f
    Entscheidungstext OGH 21.08.2012 11 Os 84/12f
    vgl; Beisatz ähnlich wie T3
    Beisatz: Nach gefestigter Rechtsprechung ist ein Erneuerungsantrag, der sich nicht auf eine Entscheidung des EGMR berufen kann, grundsätzlich zulässig. (T5) = nunmehr (T5a)
    Anm: Änderung der versehentlich doppelt vergebenen Beisatznummer T5 auf T5a
  • 13 Os 44/12p
    Entscheidungstext OGH 30.08.2012 13 Os 44/12p
    Auch
  • 12 Os 158/12w
    Entscheidungstext OGH 07.03.2013 12 Os 158/12w
    Vgl auch
  • 11 Os 92/13h
    Entscheidungstext OGH 31.07.2013 11 Os 92/13h
  • 15 Os 52/12d
    Entscheidungstext OGH, AUSL_EGMR 11.12.2013 15 Os 52/12d
    Auch
  • 15 Os 177/13p
    Entscheidungstext OGH 19.02.2014 15 Os 177/13p
    Auch
  • 14 Os 47/14i
    Entscheidungstext OGH 11.09.2014 14 Os 47/14i
    Auch
  • 13 Os 38/14h
    Entscheidungstext OGH 25.02.2015 13 Os 38/14h
    Auch
  • 13 Os 51/15x
    Entscheidungstext OGH 19.08.2015 13 Os 51/15x
    Auch
  • 11 Os 60/16g
    Entscheidungstext OGH 11.10.2016 11 Os 60/16g
    Auch
  • 14 Ns 32/17t
    Entscheidungstext OGH 04.07.2017 14 Ns 32/17t
    Aber; Beisatz: Für den gerichtlichen Rechtsschutz in Strafvollzugssachen, die ursprünglich von der Vollzugsbehörde entschieden wurden (§ 11 Abs 1 StVG), ist das Oberlandesgericht Wien auch in Betreff behaupteter Grundrechtsverletzungen als bundeseinheitliches Höchstgericht (§ 16a StVG) eingerichtet worden. Lückenschließung durch Anwendung des § 363a StPO kommt daher bei derartigen Strafvollzugssachen nicht in Betracht. (T6)
  • 15 Os 78/17k
    Entscheidungstext OGH 19.09.2017 15 Os 78/17k
    Auch; Beisatz: Mit der Behauptung eines Verstoßes gegen den „Gleichheitsgrundsatz“ wird der Sache nach Art 14 MRK angesprochen. (T7)
  • 13 Os 49/16d
    Entscheidungstext OGH Verstärkter Senat 30.11.2018 13 Os 49/16d
    Verstärkter Senat; Auch; Beisatz: Ein Antrag auf Erneuerung des Strafverfahrens kann auch im erweiterten Anwendungsbereich des § 363a StPO ‑ dessen Wortlaut folgend ‑ nur wegen einer Verletzung der MRK oder eines ihrer Zusatzprotokolle gestellt werden. (T8)
  • 13 Os 155/18w
    Entscheidungstext OGH 16.01.2019 13 Os 155/18w
    Auch; Beis wie T8
  • 12 Os 158/18d
    Entscheidungstext OGH 20.01.2020 12 Os 158/18d
    Vgl; Beis wie T8
  • 14 Os 122/19a
    Entscheidungstext OGH 14.01.2020 14 Os 122/19a
    Vgl; Beisatz: Dass eine Grundrechtsbeschwerde und ein ‑ zu dieser subsidiärer ‑ Erneuerungsantrag nach § 363a StPO ohne vorangegangenes Urteil des EGMR (RS0122228) nicht zustehen, wenn sich ein behaupteter Verstoß gegen Art 5 MRK auf die Bedingungen (des Vollzugs) von Freiheitsentzug bezieht, schließt nicht aus, dass die Behauptung der Verletzung anderer Grundrechte (insb Art 3 und 8 MRK) während eines Freiheitsentzugs mittels Erneuerungsantrags geltend gemacht werden kann (in diesem Sinn bereits 14 Os 37/15w, der Sache nach auch 11 Os 148/09p; zu ursprünglich von der Strafvollzugsbehörde entschiedenen Strafvollzugssachen s aber 14 Ns 32/17t). (T9)
  • 14 Ns 26/20i
    Entscheidungstext OGH 21.07.2020 14 Ns 26/20i
    vgl; Beisatz wie T6
  • 11 Os 47/21b
    Entscheidungstext OGH 17.06.2021 11 Os 47/21b
    Vgl
  • 24 Ds 3/22h
    Entscheidungstext OGH 27.03.2023 24 Ds 3/22h
    vgl; Beisatz: Eine analoge Anwendung des § 363a Abs 1 StPO im Sinne der erweiterten Erneuerungsmöglichkeit des Verfahrens ohne vorherige Anrufung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte kommt in Disziplinarverfahren im Wege des § 77 Abs 3 DSt nicht in Betracht. (T10)
  • 15 Os 78/23v
    Entscheidungstext OGH 04.10.2023 15 Os 78/23v
    vgl
  • 15 Os 55/24p
    Entscheidungstext OGH 26.02.2025 15 Os 55/24p
    vgl
  • 12 Os 124/24p
    Entscheidungstext OGH 04.03.2025 12 Os 124/24p
    vgl; Beisatz wie T6
  • 15 Os 114/24i
    Entscheidungstext OGH 26.02.2025 15 Os 114/24i
    vgl; Beisatz: Hier: Betreffend eine Medienrechtssache (iVm § 41 Abs 1 MedienG). (T11)
  • 15 Os 55/25i
    Entscheidungstext OGH 20.01.2026 15 Os 55/25i
    vgl
  • 12 Os 37/26x
    Entscheidungstext OGH 28.04.2026 12 Os 37/26x
    vgl

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2007:RS0122228

Im RIS seit

31.08.2007

Zuletzt aktualisiert am

28.05.2026

Dokumentnummer

JJR_20070801_OGH0002_0130OS00135_06M0000_001

Rechtssatz für 13Os150/07v; 11Os46/08m; ...

Gericht

OGH, AUSL EGMR

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Strafrecht

Rechtssatznummer

RS0123229

Geschäftszahl

13Os150/07v; 11Os46/08m; 14Os67/08x; Bsw46827/99 (Bsw46951/99); Bsw46827/99 (Bsw46951/99); Bsw13284/04; Bsw50278/99; 15Os12/10v; Bsw32621/06; 13Os138/11k; Bsw19576/08; 14Os41/12d; Bsw21896/08; Bsw21055/09; Bsw17185/05; 14Os128/12y; 12Os158/12w (12Os161/12m); 13Os139/12h; 14Os145/13z; Bsw9146/07 (Bsw32650/07); Bsw24027/07; Bsw7788/11; Bsw52077/10; Bsw54131/10; Bsw14743/11; Bsw67286/10; 13Os27/15t (13Os30/15h); 14Os60/15b (14Os73/15i); 15Os111/15k (15Os120/15h); 15Os110/15p; 12Os160/15v; 12Os154/15m; 14Os10/16a (14Os11/16y); 15Os3/16d; 13Os80/16p (13Os92/16b); Bsw140/10; 15Os77/17p; 13Os56/17k; 14Os53/17a; 15Os110/18t; 11Os117/18t; 14Os58/19i; 15Os45/19g; 15Os75/19x (15Os76/19v); 11Os142/19w; Bsw59166/12; 13Os44/21a; 13Os57/21p (13Os58/21k); Bsw34999/16; 12Os59/22a; 15Os63/22m; Bsw17675/18; 15Os95/24w; 15Os79/25v (15Os80/25s); 12Os37/26x

Entscheidungsdatum

28.04.2026

Norm

StPO §363a
MRK Art2
MRK Art3
  1. StPO § 363a heute
  2. StPO § 363a gültig ab 01.03.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 762/1996

Rechtssatz

Eine Auslieferung kann für den Aufenthaltsstaat eine Konventionsverletzung bedeuten, wenn die betroffene Person im Zielstaat einer Strafe oder Behandlung ausgesetzt wird, welche die Schwelle zur unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung erreicht und daher mit Artikel 3, MRK unvereinbar ist. Der Beschwerdeführer hat die erhebliche Wahrscheinlichkeit einer aktuellen, ernsthaften (gewichtigen) Gefahr schlüssig nachzuweisen, wobei der Nachweis hinreichend konkret sein muss. Die bloße Möglichkeit drohender Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung reicht nicht aus. Demnach muss ein konkretes Risiko bestehen, die betreffende Person würde im Empfangsstaat der tatsächlichen Gefahr einer Artikel 3, MRK widersprechenden Behandlung ausgesetzt sein, und dies muss anhand stichhaltiger Gründe belegbar sein. Dabei spielen auch die Schwere der drohenden Verletzung und das sonstige Verhalten des Mitgliedsstaats der MRK eine Rolle, wobei auch der Umstand relevant sein kann, dass im Zielland fundamentale Menschenrechte verletzt werden.

Entscheidungstexte

  • 13 Os 150/07v
    Entscheidungstext OGH, AUSL EGMR 13.02.2008 13 Os 150/07v
    Beisatz: Geht die Gefahr für Leib und Leben nicht von staatlicher Seite aus, muss der Beschwerdeführer nicht nur nachweisen, dass die Gefahr eine unmittelbar drohende ist, sondern auch, dass die staatlichen Autoritäten nicht in der Lage sind, ihn ausreichend vor dieser Gefahr zu schützen. (T1)
    Bemerkung: Unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR. (T2)
  • 11 Os 46/08m
    Entscheidungstext OGH, AUSL EGMR 01.04.2008 11 Os 46/08m
    Beisatz: Grundsätzlich ergibt sich kein Hinderungsgrund für die Auslieferung, wenn den Betroffenen im Verfolgerstaat ein Strafverfahren mit oder ohne Untersuchungshaft erwartet oder wenn er wegen einer strafrechtlichen Verurteilung in Haft genommen werden soll, solange die Umstände der Haft selbst nicht gegen Art 3 MRK verstoßen. (T3)
    Beisatz: Haftbedingungen können eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung sein, auch wenn sie nicht darauf abzielen, den Gefangenen zu demütigen oder zu erniedrigen. Sie verletzen Art 3 MRK, wenn sie erhebliches psychisches oder physisches Leid verursachen, die Menschenwürde beeinträchtigen oder Gefühle von Demütigung und Erniedrigung erwecken. Zu berücksichtigen sind dabei alle Umstände, so zum Beispiel Überbelegung, mangelhafte Heizung oder Lüftung, übergroße Hitze, sanitäre Verhältnisse, Schlafmöglichkeit, Ernährung, Erholung und Außenkontakte sowie gegebenenfalls ihr kumulativer Effekt. (T4)
  • 14 Os 67/08x
    Entscheidungstext OGH 08.07.2008 14 Os 67/08x
    Auch; nur: Eine Auslieferung kann für den Aufenthaltsstaat eine Konventionsverletzung bedeuten, wenn die betroffene Person im Zielstaat einer Strafe oder Behandlung ausgesetzt wird, welche die Schwelle zur unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung erreicht und daher mit Art 3 MRK unvereinbar ist. (T5)
    Beisatz: Bei der Türkei handelt es sich um einen Konventionsstaat der MRK, sodass die Verantwortlichkeit des ausliefernden Staats eingeschränkt ist, weil der Betroffene im Zielstaat Rechtsschutz gegen Konventionsverletzungen erlangen kann. Eine Mitverantwortung des ersuchenden Staats besteht nur dann, wenn dem Betroffenen nach seiner Auslieferung Folter oder sonstige schwere oder irreparable Misshandlungen drohen und effektiver Rechtsschutz - auch durch den EGMR - nicht oder nicht rechtzeitig zu erreichen ist. (T6)
  • Bsw 46827/99
    Entscheidungstext AUSL EGMR 06.02.2003 Bsw 46827/99
    Vgl; Veröff: NL 2003,133
  • Bsw 46827/99
    Entscheidungstext AUSL EGMR 04.02.2005 Bsw 46827/99
    Veröff: NL 2005,23
  • Bsw 13284/04
    Entscheidungstext AUSL EGMR 08.11.2005 Bsw 13284/04
    Veröff: NL 2005,273
  • Bsw 50278/99
    Entscheidungstext AUSL EGMR 17.01.2006 Bsw 50278/99
    Veröff: NL 2006,15
  • 15 Os 12/10v
    Entscheidungstext OGH 21.04.2010 15 Os 12/10v
    Vgl auch; Beis wie T1
  • Bsw 32621/06
    Entscheidungstext AUSL EGMR 20.01.2009 Bsw 32621/06
    nur: Demnach muss ein konkretes Risiko bestehen, die betreffende Person würde im Empfangsstaat der tatsächlichen Gefahr einer Art 3 MRK widersprechenden Behandlung ausgesetzt sein, und dies muss anhand stichhaltiger Gründe belegbar sein. (T7)
    Veröff: NL 2009,22
  • 13 Os 138/11k
    Entscheidungstext OGH 15.12.2011 13 Os 138/11k
    Beis wie T1; Bem wie T2; Beis ähnlich wie T6; Beisatz: Hier: Auslieferung nach Serbien. (T8)
  • Bsw 19576/08
    Entscheidungstext AUSL EGMR 03.12.2009 Bsw 19576/08
    Vgl auch; Veröff: NL 2009,351
  • 14 Os 41/12d
    Entscheidungstext OGH 16.05.2012 14 Os 41/12d
    Vgl; nur: Der Antragsteller hat nicht bloß die Möglichkeit einer Art 3 MRK widersprechenden Behandlung, sondern die erhebliche Wahrscheinlichkeit einer aktuellen, ernsthaften (gewichtigen) Gefahr schlüssig nachzuweisen, wobei der Nachweis hinreichend konkret sein muss. (T9)
    Beisatz: Hier: Diesen Anforderungen entspricht das Antragsvorbringen nicht, denn es beschränkt sich auf einen ‑ unter dem Blickwinkel des Art 3 MRK (anders als nach § 16 Abs 3 ARHG) nicht entscheidenden ‑ Vergleich der abstrakten Höchststrafdrohungen nach österreichischem und amerikanischem Recht. (T10)
  • Bsw 21896/08
    Entscheidungstext AUSL EGMR 19.01.2010 Bsw 21896/08
    Vgl auch; nur T5; Veröff: NL 2010,38
  • Bsw 21055/09
    Entscheidungstext AUSL EGMR 20.05.2010 Bsw 21055/09
    Vgl auch; Veröff: NL 2010,163
  • Bsw 17185/05
    Entscheidungstext AUSL EGMR 23.09.2010 Bsw 17185/05
    Auch; nur T5; Veröff: NL 2010,297
  • 14 Os 128/12y
    Entscheidungstext OGH 29.01.2013 14 Os 128/12y
    Beis wie T3; Beis wie T4; Beisatz: Bei Abschiebung in einen Staat, der Vertragspartei der MRK ist, ist die Verantwortlichkeit des ausliefernden Staats eingeschränkt, wenn der Betroffene im Zielland rechtzeitig Rechtsschutz erlangen kann. (T11)
    Beisatz: Der Nachweis konkreter Anhaltspunkte und stichhaltiger Gründe für die Annahme einer individuellen Gefahr erscheint nur dann verzichtbar, wenn der ersuchende Staat eine ständige Praxis umfassender und systematischer Menschenrechtsverletzungen aufweist. (T12)
    Beisatz: Hier: Auslieferung an die Republik Moldau. (T13)
  • 12 Os 158/12w
    Entscheidungstext OGH 07.03.2013 12 Os 158/12w
    nur T9
  • 13 Os 139/12h
    Entscheidungstext OGH 14.02.2013 13 Os 139/12h
    Vgl
  • 14 Os 145/13z
    Entscheidungstext OGH 05.11.2013 14 Os 145/13z
    Beis wie T3; Beis wie T11
  • Bsw 9146/07
    Entscheidungstext AUSL EGMR 17.01.2012 Bsw 9146/07
    Auch; nur T5; Beisatz: Eine Konventionsverletzung kann auch dann vorliegen, wenn der betroffenen Person im Fall ihrer Rückführung in den ersuchenden Staat ein völlig außer Verhältnis stehendes Strafurteil droht. (Bem: Harkins und Edwards gg. das Vereinigte Königreich) (T14)
    Veröff: NL 2012,11
  • Bsw 24027/07
    Entscheidungstext AUSL EGMR 10.04.2012 Bsw 24027/07
    nur T5; Beis wie T14; Beisatz: Die absolute Natur von Art 3 MRK bedeutet nicht, dass jede Form von Misshandlung als Hindernis für die Verbringung aus einem Vertragsstaat wirkt. (Babar Ahmad u.a. gg. das Vereinigte Königreich) (T15)
    Veröff: NL 2012,114
  • Bsw 7788/11
    Entscheidungstext AUSL EGMR 10.05.2012 Bsw 7788/11
    Vgl; Veröff: NL 2012,156
  • Bsw 52077/10
    Entscheidungstext AUSL EGMR 15.05.2012 Bsw 52077/10
    nur: Eine Auslieferung kann für den Aufenthaltsstaat eine Konventionsverletzung bedeuten, wenn die betroffene Person im Zielstaat einer Strafe oder Behandlung ausgesetzt wird, welche die Schwelle zur unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung erreicht und daher mit Art 3 MRK unvereinbar ist. (T16)
    Beisatz: Hier: Besorgnis erregende Menschenrechtssituation im Iran steht als solche nicht generell Abschiebungen entgegen. (S.F. u.a. gg. Schweden) (T17)
    Veröff: NL 2012,163
  • Bsw 54131/10
    Entscheidungstext AUSL EGMR 12.06.2012 Bsw 54131/10
    Auch; Veröff: NL 2012,180
  • Bsw 14743/11
    Entscheidungstext AUSL EGMR 02.10.2012 Bsw 14743/11
    Auch; Veröff: NL 2012,322
  • Bsw 67286/10
    Entscheidungstext AUSL EGMR 05.02.2013 Bsw 67286/10
    Vgl auch; nur T5; Beisatz: Hier: In Usbekistan besteht eine systematische und willkürliche Praxis der Folterung von Häftlingen in Polizeigewahrsam. (Zokhidov gg. Russland) (T18)
    Veröff: NL 2013,33
  • 13 Os 27/15t
    Entscheidungstext OGH 15.04.2015 13 Os 27/15t
    Auch; Beis wie T4; Beis wie T11; Beis wie T12; Beisatz: Wenn objektive Quellen von der Anwendung oder Tolerierung von Praktiken berichten, die den Prinzipien der Konvention entgegenstehen, sind diplomatische Zusicherungen generell nicht ausreichend, um adäquaten Schutz vor Folter oder Misshandlung der ausgelieferten Person zu gewährleisten. (T19)
    Beisatz: Den Ausspruch über die Zulässigkeit der Auslieferung an die Bedingung zu knüpfen, dass sich der ersuchende Staat in Bezug auf die betroffene Person in Zukunft konventionskonform verhält, widerspricht § 33 Abs 1 und 3 ARHG iVm Art 3 und 6 MRK. (T20)
  • 14 Os 60/15b
    Entscheidungstext OGH 04.08.2015 14 Os 60/15b
    Auch; Beis wie T4; Beis wie T11; Beis wie T19; Beis wie T20; Beisatz: Die Vermutung konventionskonformer Behandlung bei Auslieferung in einen Vertragsstaat ist aber widerlegt, wenn das Gegenteil vom Betroffenen schlüssig nachgewiesen wurde oder dessen konkrete Gefährdung vom Gericht schon auf Basis objektiver Quellen wegen im Zielstaat ‑ ungeachtet dessen rechtlicher Verpflichtungen (insbesondere nach der MRK) ‑ bestehender systemischer Defizite im Grundrechtsschutz angenommen werden muss. (T21)
  • 15 Os 111/15k
    Entscheidungstext OGH 07.10.2015 15 Os 111/15k
    Auch
  • 15 Os 110/15p
    Entscheidungstext OGH 07.10.2015 15 Os 110/15p
    Auch; Beis wie T12
  • 12 Os 160/15v
    Entscheidungstext OGH 20.01.2016 12 Os 160/15v
  • 12 Os 154/15m
    Entscheidungstext OGH 28.01.2016 12 Os 154/15m
    Auch; Beis wie T12
  • 14 Os 10/16a
    Entscheidungstext OGH 08.03.2016 14 Os 10/16a
    Auch; Beis wie T12
  • 15 Os 3/16d
    Entscheidungstext OGH 25.05.2016 15 Os 3/16d
    Auch; Beis wie T12
  • 13 Os 80/16p
    Entscheidungstext OGH 06.09.2016 13 Os 80/16p
    Auch; Beis wie T1; Beis wie T12
  • Bsw 140/10
    Entscheidungstext AUSL EGMR 04.09.2014 Bsw 140/10
    Auch; Veröff: NL 2014,383
  • 15 Os 77/17p
    Entscheidungstext OGH 19.07.2017 15 Os 77/17p
    Auch; Beis wie T20; Beisatz: Hier: Unzulässigkeit der Bedingung, den Auszuliefernden nicht in einer bestimmten Haftanstalt unterzubringen. (T22)
  • 13 Os 56/17k
    Entscheidungstext OGH 06.09.2017 13 Os 56/17k
    Auch; Beis wie T4; Beisatz: Der EGMR hat die von Italien gegen die Überbelegung von Gefängnissen ergriffenen gesetzlichen Maßnahmen bereits als effektiv anerkannt und weitere derartige Beschwerden wegen Nichterschöpfung des innerstaatlichen Instanzenzugs für unzulässig erklärt. (T23)
  • 14 Os 53/17a
    Entscheidungstext OGH 05.09.2017 14 Os 53/17a
    Auch; Beis wie T12
  • 15 Os 110/18t
    Entscheidungstext OGH 23.08.2018 15 Os 110/18t
    Auch; Beis wie T10
  • 11 Os 117/18t
    Entscheidungstext OGH 11.12.2018 11 Os 117/18t
    Auch; Beis wie T1; Beis wie T10; Beis wie T12; Beisatz: Bei der Prüfung des die auszuliefernde Person konkret treffenden Risikos einer Art 3 MRK widersprechenden Behandlung ist auch darauf abzustellen, ob es sich um einen reinen Kriminalfall ohne jeglichen politischen oder religiösen Kontext handelt oder ob der Betroffene einer besonders vulnerablen Gruppe angehört. (T24)
    Beisatz: Neben der persönlichen Situation der betroffenen Person ist weiters die allgemeine Lage im Zielland zu berücksichtigen, ferner die Schwere der drohenden Verletzung sowie das sonstige Verhalten des ersuchenden Staats im Hinblick auf die Verletzung fundamentaler Menschenrechte und seine Bereitschaft, einen konkret erhobenen Vorwurf einer Verletzung von Art 3 MRK lückenlos aufzuklären. (T25)
    Beisatz: Bei einer Auslieferung in einen Staat, der Vertragspartei der MRK ist, ist die Verantwortlichkeit des ausliefernden Staates zudem eingeschränkt, wenn der Betroffene im Zielstaat (rechtzeitig) Rechtsschutz gegen Konventionsverletzungen erlangen kann. (T26)
  • 14 Os 58/19i
    Entscheidungstext OGH 03.09.2019 14 Os 58/19i
    Auch; Beis wie T12
  • 15 Os 45/19g
    Entscheidungstext OGH 06.05.2019 15 Os 45/19g
    nur T5
  • 15 Os 75/19x
    Entscheidungstext OGH 11.09.2019 15 Os 75/19x
    Vgl; Beis wie T1; nur T9
  • 11 Os 142/19w
    Entscheidungstext OGH 14.01.2020 11 Os 142/19w
    Beis wie T1; Beis wie T12
  • Bsw 59166/12
    Entscheidungstext AUSL EGMR 23.08.2016 Bsw 59166/12
    Auch; nur: Eine Auslieferung kann für den Aufenthaltsstaat eine Konventionsverletzung bedeuten, wenn die betroffene Person im Zielstaat einer Strafe oder Behandlung ausgesetzt wird, welche die Schwelle zur unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung erreicht und daher mit Art 3 MRK unvereinbar ist. Der Beschwerdeführer hat die erhebliche Wahrscheinlichkeit einer aktuellen, ernsthaften (gewichtigen) Gefahr schlüssig nachzuweisen, wobei der Nachweis hinreichend konkret sein muss. (T27)
    Veröff: 2016,338
  • 13 Os 44/21a
    Entscheidungstext OGH 14.07.2021 13 Os 44/21a
    Vgl
  • 13 Os 57/21p
    Entscheidungstext OGH 14.07.2021 13 Os 57/21p
    Vgl
  • Bsw 34999/16
    Entscheidungstext AUSL EGMR 07.12.2017 Bsw 34999/16
    Auch; nur T16; Beis wie T1; Veröff: NL 2017,522
  • 12 Os 59/22a
    Entscheidungstext OGH 05.07.2022 12 Os 59/22a
    Vgl
  • 15 Os 63/22m
    Entscheidungstext OGH 27.07.2022 15 Os 63/22m
    Vgl; Beis wie T2
  • Bsw 17675/18
    Entscheidungstext AUSL EGMR 04.09.2018 Bsw 17675/18
    Auch; nur T5; Veröff: NL 2018,407
  • 15 Os 95/24w
    Entscheidungstext OGH 09.12.2024 15 Os 95/24w
    vgl; Beisatz wie T4; Beisatz wie T12
  • 15 Os 79/25v
    Entscheidungstext OGH 10.09.2025 15 Os 79/25v
    vgl
  • 12 Os 37/26x
    Entscheidungstext OGH 28.04.2026 12 Os 37/26x
    vgl; Beisatz wie T12

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2008:RS0123229

Im RIS seit

14.03.2008

Zuletzt aktualisiert am

28.05.2026

Dokumentnummer

JJR_20080213_OGH0002_0130OS00150_07V0000_001

Entscheidungstext 13Os138/11k

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Rechtsgebiet

Strafrecht

Geschäftszahl

13Os138/11k

Entscheidungsdatum

15.12.2011

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 15. Dezember 2011 durch den Vizepräsidenten des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof. Dr. Ratz als Vorsitzenden sowie die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof. Dr. Kirchbacher und Dr. Lässig, die Hofrätin des Obersten Gerichtshofs Mag. Marek und den Hofrat des Obersten Gerichtshofs Dr. Nordmeyer in Gegenwart des Richteramtsanwärters Mag. Ludwig als Schriftführer in der Auslieferungssache des Milan M*****, AZ 311 HR 190/11s des Landesgerichts für Strafsachen Wien, über den Antrag der betroffenen Person auf Erneuerung des Strafverfahrens gemäß Paragraph 363 a, Absatz eins, StPO nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Der Antrag wird zurückgewiesen.

Text

Gründe:

Mit Note vom 8. Juni 2011 (ON 2 S 7 bis 13) ersuchte das Justizministerium der Republik Serbien um Auslieferung des Milan M***** zur Strafverfolgung wegen des Verdachts, am 24. März 2006 das (mit Freiheitsstrafe von zwei bis zu zehn Jahren bedrohte) Verbrechen der Vergewaltigung nach Artikel 178, Absatz eins, des Strafgesetzbuchs der Republik Serbien begangen zu haben (ON 2 S 21 bis 27).

Mit Beschluss vom 5. August 2011 erklärte der Haft- und Rechtsschutzrichter des Landesgerichts für Strafsachen Wien die begehrte Auslieferung für zulässig (ON 16).

Der dagegen erhobenen Beschwerde der betroffenen Person (ON 15 S 7) gab das Oberlandesgericht Wien mit Beschluss vom 25. Oktober 2011, AZ 22 Bs 263/11d, nicht Folge.

Rechtliche Beurteilung

Der mit Bezug auf diese Entscheidung erhobene Antrag auf Erneuerung des Strafverfahrens (Paragraph 363 a, Absatz eins, StPO) der betroffenen Person ist zulässig (RIS-Justiz RS0122228), geht aber fehl.

Zu Artikel 3, MRK:

Eine Auslieferung kann für den Aufenthaltsstaat eine Konventionsverletzung bedeuten, wenn die betroffene Person im Zielstaat einer Strafe oder Behandlung ausgesetzt wird, welche die Schwelle zur unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung erreicht und daher mit Artikel 3, MRK unvereinbar ist vergleiche insbesonders EGMR 7. 7. 1989, Soering gegen Vereinigtes Königreich, Nr 14.038/88, EuGRZ 1989, 314 = NJW 1990, 2183; Grabenwarter, EMRK4 Paragraph 20, Rz 26 mwN).

Nach ständiger Rechtsprechung des EGMR hat der Beschwerdeführer die erhebliche Wahrscheinlichkeit einer aktuellen, ernsthaften (gewichtigen) Gefahr schlüssig nachzuweisen, wobei der Nachweis hinreichend konkret sein muss (EGMR 15. 11. 1996, Chahal gegen Vereinigtes Königreich, Nr 22.414/93, ÖJZ 1997, 632). Die bloße Möglichkeit drohender Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung reicht nicht aus (EGMR 30. 10. 1991, Vilvarajah ua gegen Vereinigtes Königreich, Nr 13.163/87, ÖJZ 1992, 309).

Demnach muss ein konkretes Risiko bestehen, die betroffene Person würde im Zielstaat der tatsächlichen Gefahr einer Artikel 3, MRK widersprechenden Behandlung ausgesetzt sein, und muss dies anhand stichhaltiger Gründe belegbar sein vergleiche die Nachweise der Rechtsprechung des EGMR bei Zimmermann in Grote/Marauhn, EMRK/GG Kap 27 Rz 52). Dabei spielen auch die Schwere der drohenden Verletzung und das sonstige Verhalten des Mitgliedstaats der MRK eine Rolle, wobei gegebenenfalls der Umstand relevant sein kann, dass im Zielstaat fundamentale Menschenrechte verletzt werden.

Geht die Gefahr für Leib und Leben nicht von staatlicher Seite aus, muss der Beschwerdeführer nicht nur nachweisen, dass die Gefahr eine unmittelbar drohende ist, sondern auch, dass die staatlichen Autoritäten nicht in der Lage sind, ihn ausreichend vor dieser Gefahr zu schützen (Grabenwarter, EMRK4 Paragraph 20, Rz 26).

Bei Auslieferungen an - wie hier -, Konventionsstaaten ist zudem die Verantwortlichkeit des ausliefernden Staates eingeschränkt, weil der Betroffene im Zielstaat Rechtsschutz gegen Konventionsverletzungen erlangen kann. Eine Mitverantwortung des ausliefernden Staates besteht demnach nur dann, wenn dem Betroffenen nach seiner Auslieferung Folter oder sonstige schwere und irreparable Misshandlungen drohen und effektiver Rechtsschutz - auch durch den EGMR - nicht oder nicht rechtzeitig zu erreichen ist (13 Os 150/07v, EvBl 2008/83, 416).

Aus dem Blickwinkel dieser Grundsätze zeigte der Antragsteller weder auf, dass im Verfahren über die Zulässigkeit seiner Auslieferung ein ihn betreffendes konkretes Gefährdungspotenzial übergangen worden sei, noch wies er nach, dass die österreichischen Gerichte einer in seine Grundrechtssphäre reichenden Fehlauffassung darüber unterlegen seien, dass die serbischen Behörden im Fall einer tatsächlichen und akuten Bedrohung willens sind, den in einem demokratischen Staat allgemein üblichen Schutz zu gewähren, und zur Ergreifung entsprechender Maßnahmen auch im Stande sind.

Die unsubstantiierten Behauptungen, eine kriminelle „Gruppe“, gegen deren Mitglieder der Antragsteller Anzeige erstattet habe, trachte nach Vergeltung, auf den Vater des Antragstellers sei „durch einen unbekannten Täter geschossen“ worden und es sei „die Sicherheit und die menschenwürdige Behandlung des EB aufgrund der geschilderten Gefährdungssituation in den serbischen Gefängnissen nicht gegeben“, werden diesen Kriterien nämlich nicht gerecht.

Zu Artikel 6, MRK:

Wenngleich das Auslieferungsverfahren per se nicht in den Anwendungsbereich des Artikel 6, MRK fällt, können dessen Verfahrensgarantien für die Entscheidung über die Zulässigkeit der Auslieferung dann (ausnahmsweise) Relevanz erlangen, wenn die betroffene Person nachweist, dass ihr im ersuchenden Staat eine offenkundige Verweigerung eines fairen Prozesses droht. Die Garantien des Artikel 6, MRK beziehen sich demnach, (auch) soweit es um die Auslieferung geht, nur auf das gerichtliche Strafverfahren, in dem über die Stichhaltigkeit einer strafrechtlichen Anklage entschieden wird (13 Os 150/07v, EvBl 2008/83, 416 mwN).

Da sich der Antrag auf Erneuerung insoweit in dem Vorbringen erschöpft, dass dem Antragsteller in Serbien „kein faires Verfahren i.S. des Artikel 6, EMRK gewährt“ werde, entzieht er sich einer sachbezogenen Erörterung.

Der Erneuerungsantrag war daher in Übereinstimmung mit der Stellungnahme der Generalprokuratur gemäß Paragraph 363 b, Absatz eins und Absatz 2, Ziffer 3, StPO bereits in nichtöffentlicher Sitzung als offenbar unbegründet zurückzuweisen.

Schlagworte

Strafrecht

Textnummer

E99445

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2011:0130OS00138.11K.1215.000

Im RIS seit

10.01.2012

Zuletzt aktualisiert am

10.01.2012

Dokumentnummer

JJT_20111215_OGH0002_0130OS00138_11K0000_000