Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ra 2016/03/0095

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Sammlungsnummer

VwSlg 19487 A/2016

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ra 2016/03/0095

Entscheidungsdatum

22.11.2016

Index

L40018 Anstandsverletzung Ehrenkränkung Lärmerregung
Polizeistrafen Vorarlberg
L40058 Prostitution Sittlichkeitspolizei Vorarlberg
24/01 Strafgesetzbuch

Norm

SittenpolG Vlbg 1976 §1;
SittenpolG Vlbg 1976 §12;
StGB §115;

Rechtssatz

Eine Spezialität des Paragraph 12, Vlbg SittenpolG 1976 im Verhältnis zu Paragraph eins, leg cit ist schon deshalb nicht anzunehmen, weil konstituierendes Merkmal der Ehrenkränkung nach Paragraph 12, Vlbg SittenpolG 1976 ist, dass die Tathandlung nicht öffentlich oder vor mehreren Leuten begangen wird (in diesem Fall läge nämlich eine Beleidigung im Sinne des Paragraph 115, StGB vor), während für das Vorliegen einer Anstandsverletzung das Merkmal der Öffentlichkeit vorliegen muss (was zwar nicht die Begehung der Tat an einem öffentlichen Ort voraussetzt, wohl aber die konkrete Möglichkeit der Kenntnisnahme über den Kreis der Beteiligten hinaus; vergleiche etwa VwGH vom 20. November 2008, 2005/09/0111).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2016:RA2016030095.L01

Im RIS seit

15.12.2016

Zuletzt aktualisiert am

23.03.2018

Dokumentnummer

JWR_2016030095_20161122L01

Rechtssatz für Ra 2016/03/0095

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Sammlungsnummer

VwSlg 19487 A/2016

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

Ra 2016/03/0095

Entscheidungsdatum

22.11.2016

Index

40/01 Verwaltungsverfahren

Rechtssatz

Während bis zum Inkrafttreten des Paragraph 22, Absatz eins, VStG in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr 33 aus 2013, in der Regel nicht von einer Subsidiarität der verwaltungsbehördlichen Strafbarkeit auszugehen war, es sei denn, dies wäre in der Verwaltungsvorschrift ausdrücklich angeordnet gewesen, ist seither eine verwaltungsbehördliche Strafbarkeit - unbeschadet allfälliger, abweichender Regelungen in den Materiengesetzen - dann nicht gegeben, wenn die Tat den Tatbestand einer in die Zuständigkeit der Gerichte fallenden strafbaren Handlung bildet. Paragraph 22, Absatz eins, VStG stellt dabei ausschließlich auf die "Tat" ab. Dass die Verwaltungsstrafnorm gegebenenfalls eine andere Schutzrichtung aufweist als die gerichtliche Strafnorm, ändert an der Subsidiarität nichts.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2016:RA2016030095.L02

Im RIS seit

15.12.2016

Zuletzt aktualisiert am

23.03.2018

Dokumentnummer

JWR_2016030095_20161122L02

Rechtssatz für Ra 2016/03/0095

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Sammlungsnummer

VwSlg 19487 A/2016

Rechtssatznummer

3

Geschäftszahl

Ra 2016/03/0095

Entscheidungsdatum

22.11.2016

Index

40/01 Verwaltungsverfahren

Norm

VStG §22 Abs1 idF 2013/I/033;

Rechtssatz

Paragraph 22, Absatz eins, VStG stellt nur darauf ab, dass die Tat auch den Tatbestand einer in die Zuständigkeit der Gerichte fallenden strafbaren Handlung bildet; auf die tatsächliche Einleitung (oder gar den Abschluss) eines Strafverfahrens kommt es daher ebensowenig an wie auf den Umstand, dass die strafgerichtliche Verfolgung nur auf Verlangen zu erfolgen hat. Auch die Frage, ob der Beschuldigte die Tat verschuldet hat oder ein Entschuldigungsgrund in Betracht zu ziehen ist, ist für die Subsidiarität der Verwaltungsstrafdrohung nicht entscheidend.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2016:RA2016030095.L03

Im RIS seit

15.12.2016

Zuletzt aktualisiert am

23.03.2018

Dokumentnummer

JWR_2016030095_20161122L03

Rechtssatz für Ra 2016/03/0095

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Sammlungsnummer

VwSlg 19487 A/2016

Rechtssatznummer

4

Geschäftszahl

Ra 2016/03/0095

Entscheidungsdatum

22.11.2016

Index

L40018 Anstandsverletzung Ehrenkränkung Lärmerregung
Polizeistrafen Vorarlberg
L40058 Prostitution Sittlichkeitspolizei Vorarlberg
24/01 Strafgesetzbuch
40/01 Verwaltungsverfahren

Norm

SittenpolG Vlbg 1976 §1;
SittenpolG Vlbg 1976 §18;
StGB §115;
VStG §22 Abs1 idF 2013/I/033;

Rechtssatz

Erschöpft sich die Tathandlung, die von der Verwaltungsstrafbehörde unter dem Blickwinkel der Anstandsverletzung in den Blick genommen wird, in einem Verhalten, das den Tatbestand einer in die Zuständigkeit der Gerichte fallenden strafbaren Handlung bildet, so ist die Verwaltungsübertretung gemäß Paragraph 22, Absatz eins, VStG nicht strafbar.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2016:RA2016030095.L04

Im RIS seit

15.12.2016

Zuletzt aktualisiert am

23.03.2018

Dokumentnummer

JWR_2016030095_20161122L04

Rechtssatz für Ra 2016/03/0095

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Sammlungsnummer

VwSlg 19487 A/2016

Rechtssatznummer

5

Geschäftszahl

Ra 2016/03/0095

Entscheidungsdatum

22.11.2016

Index

40/01 Verwaltungsverfahren

Rechtssatz

Ob die dem Beschuldigten vorgeworfene Tat den Tatbestand einer in die Zuständigkeit der Gerichte fallenden strafbaren Handlung bildet, ist von der Verwaltungsstrafbehörde - im Falle einer Beschwerde vom VwG - als Vorfrage zu beurteilen.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2016:RA2016030095.L05

Im RIS seit

15.12.2016

Zuletzt aktualisiert am

23.03.2018

Dokumentnummer

JWR_2016030095_20161122L05