Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ra 2016/22/0012

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ra 2016/22/0012

Entscheidungsdatum

11.02.2016

Index

10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG)
10/07 Verwaltungsgerichtshof

Norm

B-VG Art133 Abs4;
VwGG §34 Abs1;
  1. B-VG Art. 133 heute
  2. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2019 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  3. B-VG Art. 133 gültig ab 01.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  4. B-VG Art. 133 gültig von 25.05.2018 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  5. B-VG Art. 133 gültig von 01.08.2014 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 164/2013
  6. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  7. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.1975 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  9. B-VG Art. 133 gültig von 25.12.1946 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  10. B-VG Art. 133 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 133 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VwGG § 34 heute
  2. VwGG § 34 gültig ab 01.07.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2021
  3. VwGG § 34 gültig von 01.01.2014 bis 30.06.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  4. VwGG § 34 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  5. VwGG § 34 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  6. VwGG § 34 gültig von 01.08.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 89/2004
  7. VwGG § 34 gültig von 01.09.1997 bis 31.07.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 88/1997
  8. VwGG § 34 gültig von 05.01.1985 bis 31.08.1997

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2015/22/0042 B 26. März 2015 RS 1

Stammrechtssatz

Eine uneinheitliche Rsp eines oder mehrerer VwG erfüllt für sich genommen nicht den Tatbestand des Artikel 133, Absatz 4, B-VG, wenn es zu der betreffenden Frage eine (einheitliche) Rsp des VwGH gibt.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2016:RA2016220012.L01

Im RIS seit

28.04.2016

Zuletzt aktualisiert am

29.04.2016

Dokumentnummer

JWR_2016220012_20160211L01

Rechtssatz für Ra 2016/22/0012

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

Ra 2016/22/0012

Entscheidungsdatum

11.02.2016

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein
41/02 Passrecht Fremdenrecht

Norm

NAG 2005 §11 Abs1 Z2 idF 2010/I/111;
VwRallg;

Rechtssatz

Ein absoluter Versagungsgrund gemäß Paragraph 11, Absatz eins, Ziffer 2, NAG 2005 in der Fassung 2010/I/111 lag im maßgeblichen Zeitpunkt vor, wenn gegen einen Fremden ein Aufenthaltsverbot eines anderen EWR-Staates bestand. Nach dem Wortlaut des Gesetzes ist dieser Tatbestand auch erfüllt, wenn das Aufenthaltsverbot "nur aufgrund nationaler Vorschriften" erlassen wurde und unabhängig davon, ob es im Schengener Informationssystem (SIS) eingetragen ist (Hinweis E 29. April 2010, 2007/21/0314).

Schlagworte

Auslegung Anwendung der Auslegungsmethoden Bindung an den Wortlaut des Gesetzes VwRallg3/2/1

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2016:RA2016220012.L02

Im RIS seit

28.04.2016

Zuletzt aktualisiert am

29.04.2016

Dokumentnummer

JWR_2016220012_20160211L02

Rechtssatz für Ra 2016/22/0012

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

3

Geschäftszahl

Ra 2016/22/0012

Entscheidungsdatum

11.02.2016

Index

19/05 Menschenrechte
41/02 Passrecht Fremdenrecht

Norm

MRK Art8;
NAG 2005 §11 Abs1 Z2 idF 2010/I/111;
NAG 2005 §11 Abs3;

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2015/22/0097 E 16. September 2015 RS 2

Stammrechtssatz

Bei Vorliegen des absoluten Versagungsgrundes des Paragraph 11, Absatz eins, Ziffer 2, NAG 2005 ist eine Interessenabwägung nach Paragraph 11, Absatz 3, NAG 2005 unzulässig vergleiche E 13. Oktober 2011, 2011/22/0145).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2016:RA2016220012.L03

Im RIS seit

28.04.2016

Zuletzt aktualisiert am

29.04.2016

Dokumentnummer

JWR_2016220012_20160211L03

Entscheidungstext Ra 2016/22/0012

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

Ra 2016/22/0012

Entscheidungsdatum

11.02.2016

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein;
10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG);
10/07 Verwaltungsgerichtshof;
19/05 Menschenrechte;
41/02 Passrecht Fremdenrecht;

Norm

B-VG Art133 Abs4;
MRK Art8;
NAG 2005 §11 Abs1 Z2 idF 2010/I/111;
NAG 2005 §11 Abs3;
VwGG §34 Abs1;
VwRallg;
  1. B-VG Art. 133 heute
  2. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2019 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  3. B-VG Art. 133 gültig ab 01.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  4. B-VG Art. 133 gültig von 25.05.2018 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  5. B-VG Art. 133 gültig von 01.08.2014 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 164/2013
  6. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  7. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.1975 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  9. B-VG Art. 133 gültig von 25.12.1946 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  10. B-VG Art. 133 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 133 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VwGG § 34 heute
  2. VwGG § 34 gültig ab 01.07.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2021
  3. VwGG § 34 gültig von 01.01.2014 bis 30.06.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  4. VwGG § 34 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  5. VwGG § 34 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  6. VwGG § 34 gültig von 01.08.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 89/2004
  7. VwGG § 34 gültig von 01.09.1997 bis 31.07.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 88/1997
  8. VwGG § 34 gültig von 05.01.1985 bis 31.08.1997

Betreff

Der Verwaltungsgerichtshof hat durch den Vorsitzenden Senatspräsident Dr. Robl, die Hofrätin Mag.a Merl und den Hofrat Dr. Schwarz als Richter, im Beisein der Schriftführerin Mag.a Lechner, in der Revisionssache des *****, gegen das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes Wien vom 26. November 2015, VGW-151/074/5771/2015-12, (belangte Behörde vor dem Verwaltungsgericht: Landeshauptmann von Wien), betreffend Wiederaufnahme eines Aufenthaltstitelverfahrens, den Beschluss gefasst:

Spruch

Die Revision wird zurückgewiesen.

Begründung

Dem Revisionswerber wurde im Februar 2011 ein Aufenthaltstitel zum Zweck der Familiengemeinschaft mit seiner damaligen Ehefrau erteilt und mehrmals verlängert; nach der Scheidung wurde ihm ein Aufenthaltstitel "Rot-Weiß-Rot - Karte plus" mit Gültigkeitsdauer bis 24. März 2017 erteilt.

Mit Bescheid vom 24. April 2015 nahm der Landeshauptmann von Wien als zuständige Behörde sämtliche oben angeführte Verfahren gemäß Paragraph 69, Absatz eins, Ziffer eins, in Verbindung mit Paragraph 69, Absatz 3, AVG von Amts wegen wieder auf, weil der Revisionswerber unter anderem seinen früheren Familiennamen nicht angegeben habe, um eine Haftstrafe auf Grund einer Verurteilung in Deutschland und das anschließend ausgesprochene Aufenthaltsverbot aus Deutschland zu verschleiern. Die Anträge auf Erteilung von Aufenthaltstiteln wurden abgewiesen.

Das Verwaltungsgericht Wien (VwG) wies die dagegen erhobene Beschwerde des Revisionswerbers als unbegründet ab und erklärte eine ordentliche Revision für unzulässig.

Nach Artikel 133, Absatz 4, B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.

Nach Paragraph 34, Absatz eins, VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Artikel 133, Absatz 4, B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen.

Nach Paragraph 34, Absatz eins a, VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Artikel 133, Absatz 4, B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß Paragraph 25 a, Absatz eins, VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Artikel 133, Absatz 4, B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (Paragraph 28, Absatz 3, VwGG) zu überprüfen.

In der Revision werden keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinn des Artikel 133, Absatz 4, B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. In der Darlegung der Zulässigkeitsgründe wendet sich der Revisionswerber ausschließlich gegen das Vorliegen eines Wiederaufnahmegrundes, nicht jedoch gegen die Abweisung der Anträge auf Erteilung von Aufenthaltstiteln.

Zunächst bringt er vor, das Verwaltungsgericht Wien (VwG) habe zur Frage des Vorliegens eines Wiederaufnahmegrundes unterschiedliche Erkenntnisse erlassen. Die rechtlichen Erwägungen betreffend die Wiederaufnahme im Fall einer Aufenthaltsehe und (wie im vorliegenden Fall) einer behaupteten Täuschung seien als gleichwertig einzustufen; in einem näher angeführten Erkenntnis habe das VwG hinsichtlich einer Aufenthaltsehe das Vorliegen eines Wiederaufnahmegrundes verneint.

Damit zeigt die Revision schon deshalb keine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung auf, weil eine uneinheitliche Rechtsprechung eines oder mehrerer VwG für sich nicht den Tatbestand des Artikel 133, Absatz 4, B-VG erfüllt, wenn es zu der betreffenden Frage eine (einheitliche) Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes gibt vergleiche , den hg. Beschluss vom 26. März 2015, Ra 2015/22/0042 und 0044). Dass keine (einheitliche) Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zur Frage der Wiederaufnahme gemäß Paragraph 69, Absatz eins, Ziffer eins, AVG vorliege, behauptet der Revisionswerber nicht; dies ist auch nicht zu erkennen vergleiche , die bei Hengstschläger/Leeb, AVG Paragraph 69, Rz 13 f zitierte hg. Judikatur zum Verschweigen wesentlicher Umstände und zum unrichtigen oder unvollständigen Ausfüllen amtlicher Fragebögen, sowie etwa das hg. Erkenntnis vom 18. Oktober 2012, 2009/22/0084, mwN).

Ein absoluter Versagungsgrund gemäß Paragraph 11, Absatz eins, Ziffer 2, NAG in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 111 aus 2010,, auf den das VwG seine Entscheidung stützt, lag im maßgeblichen Zeitpunkt vor, wenn gegen einen Fremden ein Aufenthaltsverbot eines anderen EWR-Staates bestand. Nach dem Wortlaut des Gesetzes ist dieser Tatbestand - entgegen der Ansicht des Revisionswerbers - auch erfüllt, wenn das Aufenthaltsverbot "nur aufgrund nationaler Vorschriften" erlassen wurde und unabhängig davon, ob es im Schengener Informationssystem (SIS) eingetragen ist vergleiche , das hg. Erkenntnis vom 29. April 2010, 2007/21/0314).

Bei Vorliegen eines absoluten Versagungsgrundes ist eine Interessenabwägung nicht vorgesehen vergleiche , das hg. Erkenntnis vom 16. September 2015, Ra 2015/22/0097, mwN); das darauf gerichtete Vorbringen in der Revision ist schon aus diesem Grund nicht zielführend.

Gemäß Paragraph 69, Absatz eins, Ziffer eins, AVG liegt ein Wiederaufnahmegrund vor, wenn der Bescheid durch Fälschung einer Urkunde, falsches Zeugnis oder eine andere gerichtliche strafbare Handlung herbeigeführt oder sonstwie erschlichen wurde. Weshalb eine Wiederaufnahme vom Amts wegen gemäß Paragraph 69, Absatz 3, leg. cit. - entgegen dem klaren Gesetzeswortlaut des Absatz eins,, auf welchen Absatz 3, verweist - nicht erfolgen dürfe, wenn der Bescheid sonstwie erschlichen wurde, lässt die Revision offen. Eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung wird dadurch jedenfalls nicht aufgezeigt.

Die Revision war daher zurückzuweisen.

Wien, am 11. Februar 2016

Schlagworte

Auslegung Anwendung der Auslegungsmethoden Bindung an den Wortlaut des Gesetzes VwRallg3/2/1

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2016:RA2016220012.L00

Im RIS seit

28.04.2016

Zuletzt aktualisiert am

29.04.2016

Dokumentnummer

JWT_2016220012_20160211L00