Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ra 2015/08/0068

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ra 2015/08/0068

Entscheidungsdatum

15.11.2017

Index

10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG)
10/07 Verwaltungsgerichtshof
40/01 Verwaltungsverfahren

Norm

AVG §71 Abs1 Z1;
B-VG Art133 Abs4;
VwGG §34 Abs1;
  1. AVG § 71 heute
  2. AVG § 71 gültig ab 21.07.2023 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 88/2023
  3. AVG § 71 gültig von 01.01.2014 bis 20.07.2023 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  4. AVG § 71 gültig von 01.01.1999 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 158/1998
  5. AVG § 71 gültig von 01.07.1995 bis 31.12.1998 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 471/1995
  6. AVG § 71 gültig von 01.02.1991 bis 30.06.1995
  1. B-VG Art. 133 heute
  2. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2019 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  3. B-VG Art. 133 gültig ab 01.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  4. B-VG Art. 133 gültig von 25.05.2018 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  5. B-VG Art. 133 gültig von 01.08.2014 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 164/2013
  6. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  7. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.1975 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  9. B-VG Art. 133 gültig von 25.12.1946 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  10. B-VG Art. 133 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 133 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VwGG § 34 heute
  2. VwGG § 34 gültig ab 01.07.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2021
  3. VwGG § 34 gültig von 01.01.2014 bis 30.06.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  4. VwGG § 34 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  5. VwGG § 34 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  6. VwGG § 34 gültig von 01.08.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 89/2004
  7. VwGG § 34 gültig von 01.09.1997 bis 31.07.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 88/1997
  8. VwGG § 34 gültig von 05.01.1985 bis 31.08.1997

Hinweis auf Stammrechtssatz

GRS wie Ra 2016/03/0026 B 26. Februar 2016 RS 1 (hier keine Bezugnahme auf § 33 Abs 1 VwGVG 2014)

Stammrechtssatz

Die Beurteilung, ob ein im Sinn des Paragraph 71, Absatz eins, Ziffer eins, AVG bzw des Paragraph 33, Absatz eins, VwGVG 2014 unvorhergesehenes oder unabwendbares Ereignis ohne grobes Verschulden zur Versäumnis geführt hat, also die Qualifikation des Verschuldensgrades, unterliegt - als Ergebnis einer alle maßgeblichen Umstände des Einzelfalls berücksichtigenden Abwägung - grundsätzlich der einzelfallbezogenen Beurteilung des Verwaltungsgerichts. Eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung läge nur dann vor, wenn diese Beurteilung in einer die Rechtssicherheit beeinträchtigenden unvertretbaren Weise vorgenommen worden wäre vergleiche VwGH vom 8. Juni 2015, Ra 2015/08/0005).

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2017:RA2015080068.L01

Im RIS seit

20.12.2017

Zuletzt aktualisiert am

01.02.2018

Dokumentnummer

JWR_2015080068_20171115L01

Entscheidungstext Ra 2015/08/0068

Entscheidungsart

Beschluss

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

Ra 2015/08/0068

Entscheidungsdatum

15.11.2017

Index

10/01 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG);
10/07 Verwaltungsgerichtshof;
40/01 Verwaltungsverfahren;

Norm

AVG §71 Abs1 Z1;
B-VG Art133 Abs4;
VwGG §34 Abs1;
  1. AVG § 71 heute
  2. AVG § 71 gültig ab 21.07.2023 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 88/2023
  3. AVG § 71 gültig von 01.01.2014 bis 20.07.2023 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  4. AVG § 71 gültig von 01.01.1999 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 158/1998
  5. AVG § 71 gültig von 01.07.1995 bis 31.12.1998 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 471/1995
  6. AVG § 71 gültig von 01.02.1991 bis 30.06.1995
  1. B-VG Art. 133 heute
  2. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2019 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 138/2017
  3. B-VG Art. 133 gültig ab 01.01.2019 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  4. B-VG Art. 133 gültig von 25.05.2018 bis 31.12.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 22/2018
  5. B-VG Art. 133 gültig von 01.08.2014 bis 24.05.2018 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 164/2013
  6. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2014 bis 31.07.2014 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 51/2012
  7. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.2004 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2003
  8. B-VG Art. 133 gültig von 01.01.1975 bis 31.12.2003 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 444/1974
  9. B-VG Art. 133 gültig von 25.12.1946 bis 31.12.1974 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 211/1946
  10. B-VG Art. 133 gültig von 19.12.1945 bis 24.12.1946 zuletzt geändert durch StGBl. Nr. 4/1945
  11. B-VG Art. 133 gültig von 03.01.1930 bis 30.06.1934
  1. VwGG § 34 heute
  2. VwGG § 34 gültig ab 01.07.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 2/2021
  3. VwGG § 34 gültig von 01.01.2014 bis 30.06.2021 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  4. VwGG § 34 gültig von 01.03.2013 bis 31.12.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  5. VwGG § 34 gültig von 01.07.2008 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 4/2008
  6. VwGG § 34 gültig von 01.08.2004 bis 30.06.2008 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 89/2004
  7. VwGG § 34 gültig von 01.09.1997 bis 31.07.2004 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 88/1997
  8. VwGG § 34 gültig von 05.01.1985 bis 31.08.1997

Betreff

Der Verwaltungsgerichtshof hat durch den Vorsitzenden Senatspräsident Dr. Bachler, den Hofrat Dr. Strohmayer, die Hofrätin Dr. Julcher sowie die Hofräte Mag. Berger und Mag. Stickler als Richter, unter Mitwirkung des Schriftführers Mag. Honeder, über die Revision der M KG in W, vertreten durch die Korn Rechtsanwälte OG in 1040 Wien, Argentinierstraße 20/1/3, gegen das Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts vom 17. März 2015, I402 2004709-1/8E, betreffend Abweisung eines Antrags auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand in einer Angelegenheit wegen Pflichtversicherung nach dem ASVG und dem AlVG (belangte Behörde vor dem Verwaltungsgericht: Landeshauptmann von Tirol; mitbeteiligte Parteien: 1. R L in römisch eins; 2. Tiroler Gebietskrankenkasse; 3. Allgemeine Unfallversicherungsanstalt;

4. Pensionsversicherungsanstalt; weitere Partei: Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz), den Beschluss gefasst:

Spruch

Die Revision wird zurückgewiesen.

Begründung

1. Nach Artikel 133, Absatz 4, B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichts die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung nicht einheitlich beantwortet wird.

Gemäß Paragraph 34, Absatz eins, VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Artikel 133, Absatz 4, B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen.

Gemäß Paragraph 34, Absatz eins a, VwGG ist die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision nach Artikel 133, Absatz 4, B-VG im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (Paragraph 28, Absatz 3, VwGG) zu überprüfen.

2.1. Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Verwaltungsgericht die Beschwerde der Revisionswerberin gegen den Bescheid der belangten Behörde, mit dem der Bescheid der Zweitmitbeteiligten betreffend die Abweisung des Antrags der Revisionswerberin auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (gegen die Versäumung der Frist zur Erhebung eines Einspruchs gegen den Bescheid vom 23. Juli 2012 betreffend die Feststellung der Pflichtversicherung des Erstmitbeteiligten nach dem ASVG und dem AlVG) bestätigt wurde, als unbegründet ab. Ferner sprach das Verwaltungsgericht aus, dass die Revision gemäß Paragraph 25 a, Absatz eins, VwGG nicht zulässig ist.

2.2. Dagegen wendet sich die Revision, in der - unter dem Gesichtspunkt eines Abweichens von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs - im Wesentlichen geltend gemacht wird, das Verwaltungsgericht sei zu Unrecht von einem die Wiedereinsetzung ausschließenden groben Verschulden der Revisionswerberin bzw. ihrer Mitarbeiter ausgegangen.

Eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung im Sinn des Artikel 133, Absatz 4, B-VG wird damit jedoch nicht aufgezeigt.

3.1. Wie der Verwaltungsgerichtshof in ständiger Rechtsprechung erkennt, unterliegt die Beurteilung, ob ein im Sinn des Paragraph 71, Absatz eins, Ziffer eins, AVG unvorhergesehenes oder unabwendbares Ereignis ohne grobes Verschulden zur Versäumnis geführt hat, also die Qualifikation des Verschuldensgrads, als Ergebnis einer alle maßgeblichen Umstände des Einzelfalls berücksichtigenden Abwägung grundsätzlich der einzelfallbezogenen Beurteilung des Verwaltungsgerichts. Eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung läge nur dann vor, wenn diese Beurteilung in einer die Rechtssicherheit beeinträchtigenden unvertretbaren Weise vorgenommen worden wäre vergleiche , etwa die hg. Beschlüsse vom 31. Mai 2017, Ra 2017/22/0064, und vom 19. Mai 2015, Ra 2015/16/0031).

3.2. Vorliegend ist - entgegen der Auffassung der Revisionswerberin - das Verwaltungsgericht im Einklang mit der Rechtsprechung unter Abwägung aller maßgeblichen Umstände auf jedenfalls nicht unvertretbare Weise zum Ergebnis gelangt, dass die Revisionswerberin bzw. deren Mitarbeiter ein grobes Verschulden im Sinn einer auffallenden (sorgfältigen Menschen nicht unterlaufenden) Sorglosigkeit vergleiche , das hg. Erkenntnis vom 22. Jänner 2003, 2002/04/0136) infolge Außerachtlassung der im Verkehr mit Behörden und bei der Einhaltung von Terminen und Fristen erforderlichen und nach ihren persönlichen Fähigkeiten zumutbaren Sorgfalt vergleiche , das hg. Erkenntnis vom 29. Oktober 2008, 2008/08/0214, uva.) trifft.

3.3. So hat insbesondere die Leiterin der Rechtsabteilung, deren Verschulden auf Grund ihrer Eigenschaft als gemeinsam mit einem Geschäftsführer vertretungsbefugter Prokuristin einem Verschulden der Partei selbst gleichzusetzen ist vergleiche , in diesem Sinn VwGH 24.11.1997, 95/10/0096), eine auffallende Sorglosigkeit zu vertreten, weil sie auf den - unrichtigen (die behördliche Sendung war bereits am 26. Juli 2012 von der Postbevollmächtigten A übernommen worden, in der Folge im Unternehmen weitergeleitet worden und letztlich an die hausinterne Poststelle gelangt) - Eingangsvermerk der Poststelle vom 9. August 2012 vertraut hat, obwohl sie bei ordnungsgemäßer Prüfung der behördlichen Sendung schon auf Grund des Absenderaufdrucks einer Freistempelmaschine mit dem Datum "23.07.12" Zweifel an der Richtigkeit des in der Poststelle angebrachten (auffällig späten) Eingangsdatums hätte haben müssen. Darüber hinaus hätte die Leiterin der Rechtsabteilung auf Grund der Nachfrage der A vom 13. August 2012, ob der Bescheid zur Bearbeitung an die Rechtsabteilung gelangt ist, erkennen müssen, dass die Sendung bereits vor dem 9. August 2012 von A übernommen worden war, hätte diese doch - wenn sie nicht bereits davor mit der Sendung befasst gewesen wäre (eine Befassung erstmals am 9. August 2012 war auszuschließen, weil die Sendung an jenem Tag sogleich nach dem Einlangen von der Leiterin der Rechtsabteilung in Bearbeitung genommen worden war)- von dem Bescheid gar nichts wissen und sich über dessen Einlangen in der Rechtsabteilung nicht erkundigen können. Unter den dargelegten Umständen hätte daher die Leiterin der Rechtsabteilung bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt jedenfalls Nachforschungen über den tatsächlichen Zeitpunkt des (erstmaligen) Eingangs der Sendung bei der Revisionswerberin anstellen müssen, was ihr durch Befragung der A bzw. durch Einsichtnahme in das von dieser geführte Fristenbuch (wo die Zustellung am 26. Juli 2012 ordnungsgemäß vermerkt war) problemlos möglich gewesen wäre.

3.4. Davon ausgehend ist jedoch - wie das Verwaltungsgericht im Einklang mit der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs folgerte - der Leiterin der Rechtsabteilung auf Grund ihres auffallend sorglosen (bei einem sorgfältigen Menschen nicht anzutreffenden) Verhaltens ein grobes Verschulden anzulasten, das der Revisionswerberin direkt zuzurechnen ist und die Bewilligung der Wiedereinsetzung ausschließt. Inwiefern der Revisionswerberin bzw. deren Mitarbeitern darüber hinaus noch andere Pflichtverletzungen anzulasten sind und ob darin ein die Bewilligung der Wiedereinsetzung verhinderndes grobes Verschulden zu erblicken wäre, kann dahingestellt bleiben.

4. In der Revision wird daher keine Rechtsfrage aufgeworfen, der im Sinn des Artikel 133, Absatz 4, B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war deshalb - durch einen gemäß Paragraph 12, Absatz 2, VwGG gebildeten Senat - zurückzuweisen.

Wien, am 15. November 2017

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:VWGH:2017:RA2015080068.L00

Im RIS seit

20.12.2017

Zuletzt aktualisiert am

01.02.2018

Dokumentnummer

JWT_2015080068_20171115L00