Rechtssatz für 18OCg2/16t 18OCg4/19s 3...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Zivilrecht

Rechtssatznummer

RS0131050

Geschäftszahl

18OCg2/16t; 18OCg4/19s; 3Ob2/21x

Entscheidungsdatum

24.03.2021

Norm

ZPO §584 Abs3
ZPO §611 Abs2 Z5

Rechtssatz

Ein Verstoß gegen die Schiedshängigkeitssperre ist ‑ außer bei Vorliegen der Voraussetzungen des Paragraph 584, Absatz 3, S 2 ZPO ‑ ein Verstoß gegen den verfahrensrechtlichen ordre public.

Entscheidungstexte

  • 18 OCg 2/16t
    Entscheidungstext OGH 28.09.2016 18 OCg 2/16t
  • 18 OCg 4/19s
    Entscheidungstext OGH 15.05.2019 18 OCg 4/19s
    Vgl; Beisatz: Gilt grundsätzlich auch für den Eingriff in die Einmaligkeitswirkung der Rechtskraft. (T1)
  • 3 Ob 2/21x
    Entscheidungstext OGH 24.03.2021 3 Ob 2/21x
    Beis wie T1

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2016:RS0131050

Im RIS seit

09.12.2016

Zuletzt aktualisiert am

20.05.2021

Dokumentnummer

JJR_20160928_OGH0002_018OCG00002_16T0000_002

Rechtssatz für 3Ob2/21x

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Zivilrecht

Rechtssatznummer

RS0133586

Geschäftszahl

3Ob2/21x

Entscheidungsdatum

24.03.2021

Norm

EO §408 Z3
NYÜ Art5 Abs2 litb
  1. EO § 408 heute
  2. EO § 408 gültig ab 02.01.2017 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 100/2016
  3. EO § 408 gültig von 06.07.2005 bis 30.11.2016 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 68/2005

Rechtssatz

Die Ablehnung der Vollstreckbarerklärung eines ausländischen Titels wegen des Verstoßes einer anderen, im Vorfeld ergangenen Entscheidung gegen den ordre public setzt jedenfalls voraus, dass jene Entscheidung, deren Vollstreckbarerklärung abgelehnt wird, unmittelbare Folge der vorhergehenden ordre public widrigen (Aufhebungs-) Entscheidung ist.

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 2/21x
    Entscheidungstext OGH 24.03.2021 3 Ob 2/21x

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2021:RS0133586

Im RIS seit

20.05.2021

Zuletzt aktualisiert am

20.05.2021

Dokumentnummer

JJR_20210324_OGH0002_0030OB00002_21X0000_001

Rechtssatz für 2Ob18/84; ...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Zivilrecht

Rechtssatznummer

RS0035976

Geschäftszahl

2Ob18/84; 8Ob2042/96v; 8Ob8/04s; 8ObA92/06x; 8Ob145/06s; 2Ob194/06b; 2Ob212/06z; 9Ob122/06s; 5Ob110/08z; 2Ob175/08m; 4Ob3/09h; 3Ob105/09a; 7Ob111/09p; 6Ob222/09d; 4Ob209/09b; 3Ob23/10v; 3Ob194/10s; 3Ob207/10b; 7Ob217/10b; 5Ob9/11a; 1Ob9/11x; 10Ob54/11f; 5Ob209/11p; 3Ob222/12m; 4Ob98/13k; 1Ob140/13i; 3Ob241/13g; 1Ob211/14g; 1Ob248/14y; 4Ob117/15g; 7Ob13/15k; 3Ob213/15t; 9ObA94/16p; 1Ob7/17m; 9ObA9/17i; 9ObA3/17g; 4Ob109/17h; 1Ob204/17g; 1Ob185/17p; 7Ob38/17i; 9ObA71/17g; 9ObA11/18k; 4Ob9/18d; 9Ob81/17b; 3Ob89/18m; 3Ob230/19y; 3Ob97/20s; 3Ob2/21x; 3Ob224/21v; 8ObA23/22y; 8ObA56/21z; 1Ob50/23v; 4Ob91/23w; 10Ob2/24b; 10ObS93/23h; 10Ob33/23k

Entscheidungsdatum

12.03.2024

Norm

ZPO §52
ZPO §519 Abs1 Z2
ZPO §521a
  1. ZPO § 519 heute
  2. ZPO § 519 gültig ab 01.08.1989 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 343/1989
  1. ZPO § 521a heute
  2. ZPO § 521a gültig ab 01.05.2011 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 111/2010
  3. ZPO § 521a gültig von 01.04.2009 bis 30.04.2011 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 30/2009
  4. ZPO § 521a gültig von 08.08.2001 bis 31.03.2009 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 98/2001
  5. ZPO § 521a gültig von 01.01.1998 bis 07.08.2001 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 140/1997
  6. ZPO § 521a gültig von 01.08.1989 bis 31.12.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 343/1989

Rechtssatz

Kostenvorbehalt (nicht: Zuspruch von Kosten der Rekursbeantwortung) bei Erfolglosigkeit eines Rekurses nach Paragraph 519, Absatz eins, Ziffer 2,, Absatz 2, ZPO.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 18/84
    Entscheidungstext OGH 25.09.1984 2 Ob 18/84
  • 8 Ob 2042/96v
    Entscheidungstext OGH 24.07.1996 8 Ob 2042/96v
    Auch
  • 8 Ob 8/04s
    Entscheidungstext OGH 26.08.2004 8 Ob 8/04s
    Auch; Beisatz: Auch das Rekursverfahren gegen den Aufhebungsbeschluss im Sinn des § 519 Abs 1 Z 2 ZPO stellt keinen von der Entscheidung in der Hauptsache unabhängigen Zwischenstreit dar. (T1)
  • 8 ObA 92/06x
    Entscheidungstext OGH 23.11.2006 8 ObA 92/06x
  • 8 Ob 145/06s
    Entscheidungstext OGH 18.04.2007 8 Ob 145/06s
    Beis wie T1
  • 2 Ob 194/06b
    Entscheidungstext OGH 23.03.2007 2 Ob 194/06b
    Vgl; Vgl Beis wie T1
  • 2 Ob 212/06z
    Entscheidungstext OGH 14.06.2007 2 Ob 212/06z
    Auch
  • 9 Ob 122/06s
    Entscheidungstext OGH 28.11.2007 9 Ob 122/06s
    Auch; Beis wie T1
  • 5 Ob 110/08z
    Entscheidungstext OGH 03.06.2008 5 Ob 110/08z
    Vgl aber; Beisatz: Im Verfahren über den Rekurs findet ein Kostenvorbehalt nach § 52 ZPO nicht statt. (Hier: Zurückweisung des Rekurses). (T2)
  • 2 Ob 175/08m
    Entscheidungstext OGH 04.09.2008 2 Ob 175/08m
    Vgl aber Beis wie T2; Bem: Siehe nunmehr RS0123222. (T3)
  • 4 Ob 3/09h
    Entscheidungstext OGH 24.03.2009 4 Ob 3/09h
  • 3 Ob 105/09a
    Entscheidungstext OGH 26.08.2009 3 Ob 105/09a
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 7 Ob 111/09p
    Entscheidungstext OGH 30.09.2009 7 Ob 111/09p
    Beisatz: Hier: Keine Berechtigung des Rekurses. (T4)
  • 6 Ob 222/09d
    Entscheidungstext OGH 14.01.2010 6 Ob 222/09d
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 4 Ob 209/09b
    Entscheidungstext OGH 23.02.2010 4 Ob 209/09b
    Auch; Beis wie T4
  • 3 Ob 23/10v
    Entscheidungstext OGH 24.03.2010 3 Ob 23/10v
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 3 Ob 194/10s
    Entscheidungstext OGH 11.11.2010 3 Ob 194/10s
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 3 Ob 207/10b
    Entscheidungstext OGH 14.12.2010 3 Ob 207/10b
    Vgl aber; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 7 Ob 217/10b
    Entscheidungstext OGH 19.01.2011 7 Ob 217/10b
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 5 Ob 9/11a
    Entscheidungstext OGH 09.02.2011 5 Ob 9/11a
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 1 Ob 9/11x
    Entscheidungstext OGH 31.03.2011 1 Ob 9/11x
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 10 Ob 54/11f
    Entscheidungstext OGH 04.10.2011 10 Ob 54/11f
    Vgl aber; Beis wie T2; Bem wie T3
  • 5 Ob 209/11p
    Entscheidungstext OGH 14.02.2012 5 Ob 209/11p
    Vgl aber; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 3 Ob 222/12m
    Entscheidungstext OGH 23.01.2013 3 Ob 222/12m
    Auch
  • 4 Ob 98/13k
    Entscheidungstext OGH 18.06.2013 4 Ob 98/13k
    Auch; Beis wie T2
  • 1 Ob 140/13i
    Entscheidungstext OGH 19.09.2013 1 Ob 140/13i
    Vgl aber; Beis wie T2; Bem wie T3
  • 3 Ob 241/13g
    Entscheidungstext OGH 19.03.2014 3 Ob 241/13g
  • 1 Ob 211/14g
    Entscheidungstext OGH 22.01.2015 1 Ob 211/14g
  • 1 Ob 248/14y
    Entscheidungstext OGH 03.03.2015 1 Ob 248/14y
    Vgl
  • 4 Ob 117/15g
    Entscheidungstext OGH 11.08.2015 4 Ob 117/15g
    Veröff: SZ 2015/80
  • 7 Ob 13/15k
    Entscheidungstext OGH 02.09.2015 7 Ob 13/15k
    Veröff: SZ 2015/90
  • 3 Ob 213/15t
    Entscheidungstext OGH 20.01.2016 3 Ob 213/15t
    Auch
  • 9 ObA 94/16p
    Entscheidungstext OGH 18.08.2016 9 ObA 94/16p
  • 1 Ob 7/17m
    Entscheidungstext OGH 31.01.2017 1 Ob 7/17m
    Vgl; Beis wie T2
  • 9 ObA 9/17i
    Entscheidungstext OGH 28.02.2017 9 ObA 9/17i
  • 9 ObA 3/17g
    Entscheidungstext OGH 28.02.2017 9 ObA 3/17g
    Veröff: SZ 2017/29
  • 4 Ob 109/17h
    Entscheidungstext OGH 24.08.2017 4 Ob 109/17h
    Aber; Beis wie T2
  • 1 Ob 204/17g
    Entscheidungstext OGH 15.11.2017 1 Ob 204/17g
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 1 Ob 185/17p
    Entscheidungstext OGH 29.11.2017 1 Ob 185/17p
  • 7 Ob 38/17i
    Entscheidungstext OGH 20.12.2017 7 Ob 38/17i
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 9 ObA 71/17g
    Entscheidungstext OGH 18.12.2017 9 ObA 71/17g
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 9 ObA 11/18k
    Entscheidungstext OGH 27.02.2018 9 ObA 11/18k
  • 4 Ob 9/18d
    Entscheidungstext OGH 19.04.2018 4 Ob 9/18d
    Beis wei T2
  • 9 Ob 81/17b
    Entscheidungstext OGH 25.04.2018 9 Ob 81/17b
  • 3 Ob 89/18m
    Entscheidungstext OGH 23.05.2018 3 Ob 89/18m
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 3 Ob 230/19y
    Entscheidungstext OGH 09.04.2020 3 Ob 230/19y
    Vgl aber; Beis wie T2; Beisatz: Hier: Kostenaufhebung. (T5)
  • 3 Ob 97/20s
    Entscheidungstext OGH 02.09.2020 3 Ob 97/20s
  • 3 Ob 2/21x
    Entscheidungstext OGH 24.03.2021 3 Ob 2/21x
  • 3 Ob 224/21v
    Entscheidungstext OGH 23.02.2022 3 Ob 224/21v
    Vgl
  • 8 ObA 23/22y
    Entscheidungstext OGH 25.05.2022 8 ObA 23/22y
    Vgl; Beis nur wie T2
  • 8 ObA 56/21z
    Entscheidungstext OGH 30.08.2022 8 ObA 56/21z
    Vgl
  • 1 Ob 50/23v
    Entscheidungstext OGH Ordentliche Erledigung (Sachentscheidung) 25.04.2023 1 Ob 50/23v
  • 4 Ob 91/23w
    Entscheidungstext OGH Ordentliche Erledigung (Sachentscheidung) 31.05.2023 4 Ob 91/23w
    vgl; Beisatz: Das Rechtsmittel der Beklagten hat zur Klarstellung der Rechtslage beigetragen. (T6)
  • 10 Ob 2/24b
    Entscheidungstext OGH Zurückweisung mangels erheblicher Rechtsfrage 13.02.2024 10 Ob 2/24b
    vgl; Beisatz wie T2
  • 10 ObS 93/23h
    Entscheidungstext OGH Zurückweisung mangels erheblicher Rechtsfrage 13.02.2024 10 ObS 93/23h
    vgl; Beisatz nur wie T2
  • 10 Ob 33/23k
    Entscheidungstext OGH Zurückweisung mangels erheblicher Rechtsfrage 12.03.2024 10 Ob 33/23k
    Beisatz wie T2

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1984:RS0035976

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

29.04.2024

Dokumentnummer

JJR_19840925_OGH0002_0020OB00018_8400000_001

Entscheidungstext 3Ob2/21x

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Rechtsgebiet

Zivilrecht

Fundstelle

ecolex 2022/95 S 139 (Haas) - ecolex 2022,139 (Haas) = Fallmann/Stefan, ecolex 2023/337 S 555 - Fallmann/Stefan, ecolex 2023,555

Geschäftszahl

3Ob2/21x

Entscheidungsdatum

24.03.2021

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch die Präsidentin Hon.-Prof. Dr. Lovrek als Vorsitzende sowie den Hofrat Hon.-Prof. PD Dr. Rassi, die Hofrätinnen Dr. Weixelbraun-Mohr und Dr. Kodek und den Hofrat Dr. Stefula als weitere Richter in der Exekutionssache der betreibenden Partei RUP „G*“, *, vertreten durch Mag. Stefan Danzinger, Rechtsanwalt in Wiener Neustadt, gegen die verpflichtete Partei P* GmbH, *, vertreten durch Kosch & Partner Rechtsanwälte GmbH in Wiener Neustadt, wegen 1.422.784 EUR sA, über den „Revisionsrekurs“ (richtig: Rekurs) der betreibenden Partei gegen den Beschluss des Landesgerichts Wiener Neustadt als Rekursgericht vom 23. Oktober 2020, GZ 17 R 62/20v-21, womit der Beschluss des Bezirksgerichts Baden vom 13. März 2020, GZ 17 E 1015/19t-8, aufgehoben wurde, den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Dem Rekurs wird nicht Folge gegeben.

Die Kosten des Rekursverfahrens sind weitere Verfahrenskosten.

Text

Begründung:

[1]            Das Erstgericht erklärte auf Antrag der Betreibenden ein Schiedsurteil des Internationalen Schiedsgerichts bei der Belarussischen Industrie- und Handelskammer vom 2. Dezember 2019 (im Folgenden: zweiter Schiedsspruch) für Österreich für vollstreckbar und bewilligte der Betreibenden gegen die Verpflichtete aufgrund dieses Schiedsurteils zur Hereinbringung der vollstreckbaren Forderung von 1.422.784 EUR sA und 324 (neuer) weißrussischer Rubel die Fahrnisexekution und (nur zur Hereinbringung von 1.422.784 EUR sA) die Exekution durch zwangsweise Pfandrechtsbegründung ob zweier im Eigentum der Verpflichteten stehender Liegenschaften; ein Mehrbegehren wies es unbekämpft ab.

[2]            In ihrem Rekurs gegen den stattgebenden Teil dieses Beschlusses machte die Verpflichtete das Vorliegen des Versagungsgrundes des Art römisch fünf Absatz 2, Litera b, des New Yorker UN-Übereinkommens über die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche vom 10. Juni 1958, BGBl 1961/200 (im Folgenden: NYÜ) geltend. Sie habe nämlich bereits am 15. Dezember 2014 vor dem Internationalen Schiedsgericht bei der Belarussischen Industrie- und Handelskammer einen (ersten) Schiedsspruch gegenüber der Betreibenden – einem Republikanischen Einheitsunternehmen, dessen Vermögen im Eigentum der Republik Belarus stehe – erwirkt, mit dem ihr der Betrag von 1.399.000 EUR zugesprochen worden sei. Der Oberste Gerichtshof der Republik Belarus habe diesen Schiedsspruch allerdings mit Beschluss vom 30. September 2015 wegen der falschen Schreibweise des Namens eines der drei Schiedsrichter und der Tatsache aufgehoben, dass nach der Aktenlage die Betreibende vom Beschluss, mit dem die Schiedsrichter diesen Schreibfehler berichtigt hätten, nicht benachrichtigt worden sei. In ihrer Not habe sich die Verpflichtete daraufhin gezwungen gesehen, den bereits erstrittenen Betrag nochmals beim Schiedsgericht einzuklagen. Daraufhin habe jedoch die Betreibende, die den mit dem ersten Schiedsspruch zugesprochenen Betrag samt Kosten bereits am 31. März 2015 gezahlt habe, eine Widerklage auf Rückzahlung dieser Summe eingebracht. Mit dem zweiten Schiedsspruch sei die Klage der Verpflichteten abgewiesen und der Widerklage der Betreibenden stattgegeben worden. Die Aufhebung des ersten Schiedsspruchs sei in einer Weise erfolgt, die mit den Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung völlig unvereinbar sei. Hier habe sich staatliche Willkür in krasser Form geoffenbart. In Wirklichkeit liege ein Fall von res iudicata vor, weshalb die Vollstreckung des zweiten Schiedsspruchs der Anerkennung der willkürlichen Aufhebung des ersten Schiedsspruchs über denselben Verfahrensgegenstand gleichkäme, was zu einem für die österreichische Rechtsordnung untragbaren Ergebnis führen würde. Der Rechtsgedanke, der dem Vorgehen des weißrussischen Obersten Gerichtshofs zugrunde liege, bestehe darin, dass die Interessen des Staates immer Vorrang hätten. Der zweite Schiedsspruch sei unmittelbare Folge der staatlich geleiteten Willkür des Obersten Gerichtshofs der Republik Belarus; die Aufhebung des ersten Schiedsspruchs sei ein Akt der Willkür und des blanken Zynismus gewesen.

[3]            Das Rekursgericht gab dem Rekurs der Verpflichteten Folge, hob den erstgerichtlichen Beschluss auf und trug dem Erstgericht die neuerliche Entscheidung nach Verfahrensergänzung auf. Nach dem wechselseitigen Vorbringen der Parteien sei unstrittig, dass der zweite Schiedsspruch im Umfang des Schiedsantrags der Verpflichteten den identen Gegenstand wie der erste Schiedsspruch gehabt habe und die hier betriebene Gegenklage der Betreibenden wiederum die Rückforderung des mit dem ersten Schiedsspruch zugesprochenen Betrags zum Inhalt gehabt habe. Damit würde aber der zweite Schiedsspruch – den Rechtsbestand des ersten Schiedsspruchs unterstellt – einen ordre-public-widrigen Verstoß gegen die Einmaligkeitswirkung der Rechtskraft des ersten Schiedsspruchs darstellen, der zur Versagung seiner Anerkennung und Vollstreckbarerklärung führen müsste. Dies setze voraus, dass der erste Schiedsspruch weiterhin dem Rechtsbestand angehöre, was nur dann zuträfe, wenn dessen Aufhebung ebenfalls einen Verstoß gegen den verfahrensrechtlichen ordre public dargestellt hätte. Willkürliche Rechtsanwendung könne den Aufhebungstatbestand nach Paragraph 611, Absatz 2, Ziffer 8, ZPO erfüllen. Dem Aufhebungsbeschluss sei zu entnehmen, dass an der Entscheidung ein anderer als der von der Verpflichteten vorgeschlagene Schiedsrichter mitgewirkt habe. Der Rekurs behaupte hingegen, dass es sich dabei um ein und dieselbe Person handle. Sollte diese Behauptung zutreffen, erachte das Rekursgericht die Aufhebung des ersten Schiedsspruchs als willkürlich, zumal eine unrichtige Schreibweise eines Richters nach der österreichischen Rechtslage jederzeit ohne vorhergehende mündliche Verhandlung berichtigt werden könne und daher keinen tauglichen Grund für die Aufhebung eines Schiedsspruchs darstelle. Angesichts der Ausführungen in der Rekursbeantwortung, wonach die Zusammensetzung des (ersten) Schiedsgerichts objektiv nicht der Vereinbarung der Parteien entsprochen habe, werde das Erstgericht im fortgesetzten Verfahren die vereinbarte und die tatsächliche Besetzung des Schiedsgerichts zu ermitteln haben.

[4]            Das Rekursgericht ließ den Rekurs gegen den Aufhebungsbeschluss zu, weil der Frage, ob eine dem österreichischen ordre public widersprechende Aufhebung eines nicht unmittelbar verfahrensgegenständlichen Schiedsspruchs und ein daraus folgender Verstoß gegen die Einmaligkeitswirkung der Rechtskraft einen nach dem NYÜ potenziellen Versagungsgrund darstelle, über den Einzelfall hinausgehende Bedeutung zukomme.

Rechtliche Beurteilung

[5]            Der (richtig:) Rekurs der Betreibenden (Paragraph 527, Absatz 2, ZPO in Verbindung mit Paragraph 78, EO) ist zur Klarstellung der Rechtslage zulässig, aber nicht berechtigt.

[6]            1. Die Anerkennung und Vollstreckbarerklärung ausländischer Schiedssprüche erfolgt gemäß Paragraph 614, Absatz eins, Satz 1 ZPO nach den Bestimmungen der EO, soweit nicht nach Völkerrecht oder in Rechtsakten der Europäischen Union anderes bestimmt ist. Eine entsprechende Subsidiaritätsklausel enthält auch Paragraph 416, Absatz eins, EO, weshalb zwischenstaatlichen Vereinbarungen der Vorrang zukommt. Hier kommt (unstrittig) das NYÜ zur Anwendung, zu dessen Mitgliedstaaten auch Weißrussland und Österreich zählen.

[7]            2. Gemäß Art römisch fünf Absatz eins, Litera e, NYÜ darf die Anerkennung und Vollstreckung eines Schiedsspruchs auf Antrag der Partei, gegen die er geltend gemacht wird, nur versagt werden, wenn der Schiedsspruch (ua) von einer zuständigen Behörde des Landes, in dem oder nach dessen Recht er ergangen ist, aufgehoben worden ist. Gemäß Art römisch fünf Absatz 2, Litera b, NYÜ darf die Anerkennung und Vollstreckung eines Schiedsspruchs (ua) auch dann versagt werden, wenn die zuständige Behörde des Landes, in dem die Anerkennung und Vollstreckung beantragt wird, feststellt, dass die Anerkennung und Vollstreckung des Schiedsspruchs der öffentlichen Ordnung dieses Landes widersprechen würde.

[8]            3. Gemäß Artikel 43, des Gesetzes der Republik Belarus „Über die Internationale Schiedsgerichtsbarkeit“ (auszugsweise in beglaubigter Übersetzung als Beilage ./11 vorgelegt) kann ein Schiedsspruch (nur) mit dem außerordentlichen Rechtsmittel der Aufhebungsklage bekämpft werden. Die weißrussische Rechtslage entspricht damit insofern der österreichischen, als die Rechtskraft des Schiedsspruchs bereits mit seiner Übermittlung an die Parteien eintritt und erst im Fall einer erfolgreichen Aufhebungsklage rückwirkend wieder beseitigt wird (Hausmaninger in Fasching/Konecny3 IV/2 Paragraph 607, ZPO Rz 32 f).

[9]            4. Nach der Aktenlage ist – abgesehen von der (vom Obersten Gerichtshof der Republik Belarus in seinem Beschluss vom 30. September 2015 [Beilage ./9] aufgegriffenen) Behauptung der Betreibenden, das Schiedsgericht sei unrichtig zusammengesetzt gewesen – kein Versagungsgrund ersichtlich, aufgrund dessen ein Antrag der Verpflichteten auf Vollstreckbarerklärung des ersten Schiedsspruchs in Österreich abzuweisen gewesen wäre.

[10]           5.1. Sollte die Behauptung der Verpflichteten zutreffen, dass der von der Betreibenden geltend gemachte Aufhebungsgrund in Wahrheit nicht vorlag, sondern es sich lediglich um eine (ohnehin bereits vom Schiedsgericht korrigierte) unrichtige Schreibweise des Namens eines der drei Schiedsrichter handelte (worauf der vom Schiedsgericht gefasste Berichtigungsbeschluss hindeutet), wäre die Aufhebung des Schiedsspruchs als offensichtliche Rechtsbeugung zugunsten des belarussischen Staatsunternehmens anzusehen.

[11]           5.2. Ein derartiger Eingriff in die Rechtskraft des ersten Schiedsspruchs wäre aber mit den Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung nicht vereinbar vergleiche 18 OCg 4/19s = RIS-Justiz RS0131050 [T1]), sodass die Aufhebung dieses Schiedsspruchs nichts daran ändern könnte, dass er (nach wie vor) in Österreich anzuerkennen ist:

[12]           5.2.1. Im Schrifttum ist zwar umstritten, ob Art römisch fünf Absatz eins, Litera e, NYÜ so zu verstehen ist, dass dem Anerkennungs- bzw Exequaturgericht unmittelbar ein Ermessensspielraum eingeräumt ist, einen Schiedsspruch trotz seiner Aufhebung anzuerkennen (so Wong in Czernich/Deixler-Hübner/Schauer, Handbuch Schiedsrecht [2018] Rz 19.49; Zeiler, Schiedsverfahren2 [2014] Paragraph 614, ZPO Rz 18; Nienaber, Die Anerkennung und Vollstreckung im Sitzstaat aufgehobener Schiedssprüche [2002] 129; Geimer, IZPR8 [2020] Rz 3944a; ggt Garber/Koller in Angst/Oberhammer3 Vor Paragraph 79, EO Rz 599 und Rz 649; Koller in Liebscher/Oberhammer/Rechberger, Handbuch Schiedsverfahrensrecht römisch II [2016] Rz 12/56 und 12/77; Bajons, Über Grenzen und Freiräume der New Yorker Schiedskonvention im Lichte der EMRK, in FS Machacek und Matcher [2008], 703 [705 f]; Czernich, New Yorker Schiedsübereinkommen [2008] Art römisch fünf Rz 6; Schwab/Walter, Schiedsgerichtsbarkeit7 [2005] Kap. 56 Rz 3; Voit in Museliak/Voit, ZPO17 [2020] Paragraph 1061, Rz 18; Adolphsen in MünchKomm-ZPO5 Anh 1 [2017] Paragraph 1061, Rz 60).

[13]           5.2.2. Allerdings setzt die Versagung der Anerkennung bzw Vollstreckbarerklärung eines aufgehobenen Schiedsspruchs jedenfalls voraus, dass die (ausländische) Aufhebungsentscheidung nicht gegen den ordre public verstößt, weil ansonsten die Gefahr bestünde, dass die im Schiedsverfahren obsiegende Partei rechtsschutzlos gestellt wird, wenn das Aufhebungsverfahren mit dem ordre public unvereinbar ist (Garber/Koller in Angst/Oberhammer3 Vor Paragraph 79, EO Rz 652; ebenso Koller in Liebscher/Oberhammer/Rechberger, Handbuch Schiedsverfahrensrecht [2016] römisch II Rz 12/77; Koller/Plavec, 60 Jahre NYÜ und der OGH: Eine Retrospektive, ecolex 2018, 882 [887]; Bajons, Über Grenzen und Freiräume der New Yorker Schiedskonvention im Lichte der EMRK, in FS Machacek und Matcher 706; Schlosser in Stein/Jonas, ZPO23 Anhang zu Paragraph 1061, Rz 311; Schütze in Wieczorek/Schütze, ZPO4 [2018] Paragraph 1061, Rz 131; Solomon, Die Verbindlichkeit von Schiedssprüchen in der internationalen privaten Schiedsgerichtsbarkeit [2007] 167; ggt Voit in Museliak/Voit, ZPO17 Paragraph 1061, Rz 18; Adolphsen in MünchKomm-ZPO5 Anh 1 Paragraph 1061, Rz 60).

[14]           6. Dass die Verpflichtete gar nicht behauptet, der zweite Schiedsspruch sei für sich allein ordre-public-widrig, schadet nicht, weil eine (gegebenenfalls) mit den Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung unvereinbare Aufhebung des ersten Schiedsspruchs unmittelbar auf den zweiten Schiedsspruch durchschlagen müsste. Von Bedeutung ist hier nämlich nur jener Teil des zweiten Schiedsspruchs, dessen Vollstreckbarerklärung begehrt wird, also die stattgebende Entscheidung über die Schiedsgegenklage der Betreibenden. Dafür ist aber die vorherige Aufhebung des ersten Schiedsspruchs eine unabdingbare Voraussetzung, wäre doch eine Verpflichtung der Verpflichteten zur Rückzahlung des aufgrund des ersten Schiedsspruchs Geleisteten aus dem Titel der unrechtmäßigen Bereicherung ohne Beseitigung des ersten Schiedsspruchs im Aufhebungsverfahren undenkbar. Sollte sich die Aufhebungsentscheidung des belarussischen Obersten Gerichtshofs als ordre-public-widrig erweisen, stünde dies also der Vollstreckbarerklärung des zweiten Schiedsspruchs entgegen.

[15]           7. Das Rekursgericht hat daher zu Recht dem Erstgericht aufgetragen, die Richtigkeit des Rekursvorbringens der Verpflichteten zu überprüfen, sodass dem Rekurs der Betreibenden ein Erfolg zu versagen ist.

[16]     8. Der Kostenvorbehalt beruht auf Paragraph 52, ZPO in Verbindung mit Paragraph 78, EO. Das Rechtsmittel der Betreibenden hat zur Klarstellung der Rechtsfrage beigetragen (RS0035976).

Textnummer

E131549

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2021:E131549

Im RIS seit

14.05.2021

Zuletzt aktualisiert am

25.10.2023

Dokumentnummer

JJT_20210324_OGH0002_0030OB00002_21X0000_000