Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 3Ob283/50 1Ob978/53 2Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0022943

Geschäftszahl

3Ob283/50; 1Ob978/53; 2Ob229/55; 3Ob90/56; 5Ob286/59; 6Ob398/60; 3Ob510/60; 2Ob118/61; 2Ob261/61 (2Ob281/61); 6Ob280/61; 1Ob42/62; 8Ob371/62; 6Ob119/64; 1Ob114/67; 8Ob204/67; 8Ob121/68; 6Ob320/69; 6Ob56/70; 1Ob145/71; 4Ob614/71; 1Ob561/76; 7Ob614/77; 2Ob207/78; 4Ob20/79; 5Ob652/80; 4Ob67/80 (4Ob68/80); 2Ob523/81; 5Ob743/81; 1Ob505/83; 5Ob541/83; 6Ob580/83; 11Os111/85; 5Ob1538/92; 3Ob575/92; 1Ob101/97b; 7Ob382/98x; 7Ob74/99d; 5Ob45/01f; 6Ob315/00t; 1Ob224/01z; 4Ob166/02v; 7Ob195/02f; 6Ob124/02g; 2Ob102/03v; 5Ob183/04d; 4Ob52/06k; 10Ob55/07x; 1Ob114/09k; 2Ob111/10b; 3Ob232/11f; 6Ob216/12a; 8Ob115/13i; 8Ob42/14f; 4Ob100/15g; 6Ob64/16d; 5Ob105/18d; 4Ob82/18i; 5Ob187/18p

Entscheidungsdatum

22.11.1950

Norm

ABGB §1295 Ic
JN §1 DVId
StPO §381
ZPO §41 B1

Rechtssatz

Auslagen, die dem betrogenen Ehegatten durch Überwachung des der Verletzung der ehelichen Treue verdächtigen Ehegatten entstanden sind, können aus dem Titel des Schadenersatzes geltend gemacht werden. (früher gegenteilig 1 Ob 521/49; SZ 22/171).

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 283/50
    Entscheidungstext OGH 22.11.1950 3 Ob 283/50
    Veröff: SZ 23/345
  • 1 Ob 978/53
    Entscheidungstext OGH 23.12.1953 1 Ob 978/53
  • 2 Ob 229/55
    Entscheidungstext OGH 27.04.1955 2 Ob 229/55
  • 3 Ob 90/56
    Entscheidungstext OGH 29.02.1956 3 Ob 90/56
  • 5 Ob 286/59
    Entscheidungstext OGH 08.07.1959 5 Ob 286/59
  • 6 Ob 398/60
    Entscheidungstext OGH 30.11.1960 6 Ob 398/60
    Beisatz: Ein Ehegatte, dessen Ehe durch ehewidrige Beziehungen seines Ehepartners zu einer dritten Person gestört wird, hat ganz allgemein und unabhängig davon, ob er diese Beziehungen zum Anlass gerichtlicher Schritte nehmen will, ein besonderes Interesse daran, sich Klarheit über den Sachverhalt zu verschaffen. Die Kosten dieser Sachverhaltsermittlung verursacht schuldhaft und rechtswidrig auch der Ehestörer (§§ 5, 525 StG). (T1)
  • 3 Ob 510/60
    Entscheidungstext OGH 11.01.1961 3 Ob 510/60
  • 2 Ob 118/61
    Entscheidungstext OGH 20.03.1961 2 Ob 118/61
  • 2 Ob 261/61
    Entscheidungstext OGH 30.06.1961 2 Ob 261/61
  • 6 Ob 280/61
    Entscheidungstext OGH 13.09.1961 6 Ob 280/61
    Veröff: EvBl 1961/501 S 633
  • 1 Ob 42/62
    Entscheidungstext OGH 21.02.1962 1 Ob 42/62
    Veröff: SZ 35/26 = EvBl 1962/247 S 296
  • 8 Ob 371/62
    Entscheidungstext OGH 21.12.1962 8 Ob 371/62
  • 6 Ob 119/64
    Entscheidungstext OGH 22.04.1964 6 Ob 119/64
  • 1 Ob 114/67
    Entscheidungstext OGH 15.06.1967 1 Ob 114/67
    Beisatz: Auch der mit dem Detektivinstitut vereinbarte Ersatz für den Zeitaufwand der Organe bei den Behörden (Zeugeneinvernahme) gehört zu dem zu ersetzenden Schaden. (T2)
  • 8 Ob 204/67
    Entscheidungstext OGH 19.09.1967 8 Ob 204/67
    Vgl; Beisatz: Kein Anspruch, wenn die Ehe bereits rechtskräftig geschieden ist und nur noch das Mitverschulden des Klägers offen ist. (T3)
  • 8 Ob 121/68
    Entscheidungstext OGH 21.05.1968 8 Ob 121/68
    Beisatz: Kosten einer Überwachung durch Detektive, um Zeugen einer zu erwartenden Ehrenbeleidigung zu haben. (T4)
  • 6 Ob 320/69
    Entscheidungstext OGH 14.01.1970 6 Ob 320/69
    Beisatz: Hier: Detektivkosten (T5) Veröff: RZ 1970,82
  • 6 Ob 56/70
    Entscheidungstext OGH 18.03.1970 6 Ob 56/70
    Veröff: EvBl 1970/309 S 545
  • 1 Ob 145/71
    Entscheidungstext OGH 14.06.1971 1 Ob 145/71
    Veröff: JBl 1972,210
  • 4 Ob 614/71
    Entscheidungstext OGH 11.01.1972 4 Ob 614/71
    Beis wie T1; Veröff: EFSlg 17962
  • 1 Ob 561/76
    Entscheidungstext OGH 10.03.1976 1 Ob 561/76
    Veröff: EFSlg 27168
  • 7 Ob 614/77
    Entscheidungstext OGH 01.09.1977 7 Ob 614/77
    Auch; Beisatz: Adäquater typischer Kausalzusammenhang und Rechtswidrigkeitszusammenhang liegen vor. (T6) Veröff: EvBl 1978/26 S 97 = JBl 1978,594
  • 2 Ob 207/78
    Entscheidungstext OGH 16.01.1979 2 Ob 207/78
    Vgl; Beisatz: Vorprozessuale Privatgutachtenskosten aber können Gegenstand eines eigenen Schadenersatzanspruches sein, wenn ein besonderes Interesse an der Sachverhaltsermittlung unabhängig von der Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung in einem Prozess besteht. (T7)
  • 4 Ob 20/79
    Entscheidungstext OGH 25.09.1979 4 Ob 20/79
    Veröff: SZ 52/138 = DRdA 1981,35 (hiezu mit Anmerkung von Mayer - Maly)
  • 5 Ob 652/80
    Entscheidungstext OGH 02.09.1980 5 Ob 652/80
    Beis wie T1; Beisatz: Der Rechtsweg ist auch dann zulässig, wenn vom Ehegatten die Detektivkosten allenfalls auch als vorprozessuale beziehungsweise außerprozessuale Kosten im Ehescheidungsverfahren geltend gemacht werden könnten. (T8)
  • 4 Ob 67/80
    Entscheidungstext OGH 17.02.1981 4 Ob 67/80
    Vgl; Beisatz: Hier: Überwachung des der Untreue verdächtigten Arbeitnehmers. (T9) Veröff: Arb 9936 = EvBl 1981/121 S 385 = ZAS 1981,220 (hiezu mit Anmerkung von Bernat)
  • 2 Ob 523/81
    Entscheidungstext OGH 27.10.1981 2 Ob 523/81
    Beis wie T1; Beisatz: Sofern Beobachtung positive Ergebnisse brachte. (T10)
  • 5 Ob 743/81
    Entscheidungstext OGH 15.12.1981 5 Ob 743/81
    Vgl auch
  • 1 Ob 505/83
    Entscheidungstext OGH 24.01.1983 1 Ob 505/83
    Beis wie T1; Beis wie T5; Beis wie T9
  • 5 Ob 541/83
    Entscheidungstext OGH 22.03.1983 5 Ob 541/83
    Beis wie T1; Beisatz: Die aufrecht bestehende Ehe ist grundsätzlich bis zu deren rechtskräftigen Auflösung zu respektieren, mag die eheliche Gemeinschaft zwischen den Gatten auch schon früher aufgehoben worden und die Ehe bereits zerrüttet gewesen sein. (T11)
  • 6 Ob 580/83
    Entscheidungstext OGH 30.10.1985 6 Ob 580/83
    Vgl aber; Beisatz: Einem Ehegatten, der seinerseits aus seiner zutage getretenen partnerschaftswidrigen Grundeinstellung den anderen Ehegatten über seine abgesonderte Lebensgestaltung bewusst im unklaren lässt oder durch schwerste und fortgesetzte Verfehlungen den Mangel jeder ehelichen Gesinnung bekundet, steht kein Anspruch darauf zu, über das Verhalten des anderen Ehepartners aufgeklärt zu werden und die für eine solche Aufklärung aufgewendeten Kosten ersetzt zu erhalten. In einem solchen Fall trifft den anderen Ehegatten (den die Ehe störenden Dritten) die Behauptungslast und Beweislast. (T12) Veröff: SZ 58/164 = JBl 1986,524
  • 11 Os 111/85
    Entscheidungstext OGH 18.02.1986 11 Os 111/85
    Vgl
  • 5 Ob 1538/92
    Entscheidungstext OGH 28.04.1992 5 Ob 1538/92
    Vgl aber; Beis wie T11
  • 3 Ob 575/92
    Entscheidungstext OGH 16.12.1992 3 Ob 575/92
    Beis wie T12 nur: Einem Ehegatten, der seinerseits aus seiner zutage getretenen partnerschaftswidrigen Grundeinstellung den anderen Ehegatten über seine abgesonderte Lebensgestaltung bewusst im unklaren lässt oder durch schwerste und fortgesetzte Verfehlungen den Mangel jeder ehelichen Gesinnung bekundet, steht kein Anspruch darauf zu, über das Verhalten des anderen Ehepartners aufgeklärt zu werden und die für eine solche Aufklärung aufgewendeten Kosten ersetzt zu erhalten. (T13) Beisatz: Sofern die Aufklärung geboten ist. (T14)
  • 1 Ob 101/97b
    Entscheidungstext OGH 15.07.1997 1 Ob 101/97b
    Auch; Beis wie T10; Beisatz: Unabhängig davon, ob das Verhalten des Ehestörers für die Zerrüttung der Ehe kausal war. (T15)
  • 7 Ob 382/98x
    Entscheidungstext OGH 12.05.1999 7 Ob 382/98x
    Beis wie T14; Beis wie T11; Beisatz: Das Recht, sich durch Betrauung eines Detektives Gewissheit zu verschaffen, findet seine Grenze dort, wo die Überwachung offenkundig überflüssig, von vorneherein aussichtslos und erkennbar unzweckmäßig ist oder aber Rechtsmissbrauch vorliegt, weil die Ehegatten durch einvernehmliche Gestaltung oder Aufhebung ihrer ehelichen Gemeinschaft bekundet haben, jedes Interesse daran verloren zu haben, wie der andere sein Leben gestaltet. (T16) Beisatz: Nur wenn ein Ehegatte zu erkennen gibt, dass er jedes Interesse am anderen verloren hat oder sich selbst schlechtweg über alle Bindungen aus der ehelichen Partnerschaft zu seinem persönlichen Eigennutz hinwegsetzt, dennoch aber vom Ehepartner die Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Eheverhältnis begehrt, muss sein Verlangen auf Offenlegung des Privatlebens des anderen als rechtsmissbräuchlich angesehen werden. (T17)
  • 7 Ob 74/99d
    Entscheidungstext OGH 12.05.1999 7 Ob 74/99d
    Vgl auch; Beis wie T1 nur: Ein Ehegatte, dessen Ehe durch ehewidrige Beziehungen seines Ehepartners zu einer dritten Person gestört wird, hat ganz allgemein und unabhängig davon, ob er diese Beziehungen zum Anlass gerichtlicher Schritte nehmen will, ein besonderes Interesse daran, sich Klarheit über den Sachverhalt zu verschaffen. (T18) Beis wie T5
  • 5 Ob 45/01f
    Entscheidungstext OGH 27.02.2001 5 Ob 45/01f
    Auch
  • 6 Ob 315/00t
    Entscheidungstext OGH 05.07.2001 6 Ob 315/00t
    Beis wie T1; Beis wie T8; Beis wie T16; Beisatz: Detektivkosten zur Aufdeckung von Eheverfehlungen zählen in der Regel wegen des von einem Scheidungsprozess unabhängigen Interesses des Ehegatten an der Klarheit über seine ehelichen Verhältnisse nicht zu den vorprozessualen oder außerprozessualen Kosten. (T19) Beisatz: Hier: Haftung des Ehestörers verneint. (T20)
  • 1 Ob 224/01z
    Entscheidungstext OGH 27.11.2001 1 Ob 224/01z
    Beis wie T1; Beis wie T8; Beis wie T13; Beis wie T19
  • 4 Ob 166/02v
    Entscheidungstext OGH 20.08.2002 4 Ob 166/02v
    Auch; Beisatz: Nach ständiger und einhelliger Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs können Detektivkosten gesondert, also unabhängig von einem allenfalls auch gleichzeitig geführten Ehescheidungsprozess eingeklagt werden, weil ein Ehegatte, dessen Ehe durch ehewidrige Beziehungen seines Partners zu einer dritten Person gestört wird, ganz allgemein ein besonderes Interesse daran hat, sich Klarheit über den Sachverhalt unabhängig davon, zu verschaffen, ob er gerichtliche Schritte unternehmen will oder ob das Verhalten des Ehestörers für die Zerrüttung der Ehe kausal war. Dem Ehegatten steht daher unabhängig von der Möglichkeit, die Detektivkosten in einem Ehescheidungsverfahren als vorprozessuale beziehungsweise außerprozessuale Kosten geltend zu machen, ein Schadenersatzanspruch zu, für den der Rechtsweg nicht ausgeschlossen ist. (T21)
    Beisatz: Der verletzte Ehegatte hat Anspruch auf Ersatz angemessener, also nach der Interessenlage gerechtfertigter Überwachungskosten bei tatsächlich ehewidrigen Beziehungen sowohl gegen den Drittstörer wie auch gegen den treulosen Ehepartner. Dieser Schadenersatzanspruch wird aus einer Verletzung ehelicher Verhaltenspflichten oder Rechtsgüter abgeleitet. (T22)
  • 7 Ob 195/02f
    Entscheidungstext OGH 30.10.2002 7 Ob 195/02f
    Auch; Beis wie T21 nur: Nach ständiger und einhelliger Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs können Detektivkosten gesondert, also unabhängig von einem allenfalls auch gleichzeitig geführten Ehescheidungsprozess eingeklagt werden, weil ein Ehegatte, dessen Ehe durch ehewidrige Beziehungen seines Partners zu einer dritten Person gestört wird, ganz allgemein ein besonderes Interesse daran hat, sich Klarheit über den Sachverhalt unabhängig davon, zu verschaffen, ob er gerichtliche Schritte unternehmen will. Dem Ehegatten steht daher unabhängig von der Möglichkeit, die Detektivkosten in einem Ehescheidungsverfahren als vorprozessuale beziehungsweise außerprozessuale Kosten geltend zu machen, ein Schadenersatzanspruch zu, für den der Rechtsweg nicht ausgeschlossen ist. (T23)
    Beisatz: Die Kosten eines Ehegatten durch Überwachung des der Verletzung der ehelichen Treue verdächtigten anderen Ehegatten können aus dem Titel des Schadenersatzes sowohl von diesem als auch vom beteiligten Dritten ersetzt verlangt werden, sofern die Aufklärung geboten ist (vgl 3 Ob 575/92, 7 Ob 382/98x, 7 Ob 74/99d, 4 Ob 166/02v ua). (T24)
    Beis wie T16; Beisatz: Hier: Haftung des Ehestörers außer Zweifel, weil er durch seine Äußerung, er werde das Verhältnis abstreiten, da der Kläger keine Beweise dafür habe, die Beiziehung des Detektivbüros und das Entstehen der Überwachungskosten selbst (schuldhaft) mitveranlasst hat. (T25)
  • 6 Ob 124/02g
    Entscheidungstext OGH 20.02.2003 6 Ob 124/02g
    Auch; Veröff: SZ 2003/16
  • 2 Ob 102/03v
    Entscheidungstext OGH 21.05.2003 2 Ob 102/03v
    Auch; Beis wie T8; Beis wie T1; Beis wie T16; Beis wie T19; Beis wie T21; Beis wie T22
  • 5 Ob 183/04d
    Entscheidungstext OGH 23.11.2004 5 Ob 183/04d
    Beis wie T1; Beis wie T8; Beis wie T12; Beis wie T16; Beis wie T22; Beis wie T24
  • 4 Ob 52/06k
    Entscheidungstext OGH 19.12.2006 4 Ob 52/06k
    Beis wie T16; Beis wie T24
  • 10 Ob 55/07x
    Entscheidungstext OGH 05.06.2007 10 Ob 55/07x
    Auch; Beis wie T14
  • 1 Ob 114/09k
    Entscheidungstext OGH 06.07.2009 1 Ob 114/09k
    Auch; Beis wie T16 nur: Das Recht, sich durch Betrauung eines Detektives Gewissheit zu verschaffen, findet seine Grenze dort, wo die Überwachung offenkundig überflüssig, von vorneherein aussichtslos und erkennbar unzweckmäßig ist oder aber Rechtsmissbrauch vorliegt. (T26)
    Beisatz: Der Kläger hat im Hinblick auf ein bevorstehendes Scheidungsverfahren und die noch ungeklärte Verschuldensfrage ein berechtigtes Interesse daran, zur Abwehr unterhalts- und vermögensrechtlicher Nachteile seinen Prozessstandpunkt durch Beobachtung durch einen Detektiv zur Erlangung von Beweisen für ein ehebrecherisches/ehewidriges Verhältnis seines Ehegatten zu untermauern. (T27)
    Beisatz: Aufgrund dieses berechtigten Interesses steht auch eine bei Beauftragung der Detektei bereits eingetretene unheilbare Zerrüttung der Ehe seinem Anspruch nicht entgegen. (T28)
  • 2 Ob 111/10b
    Entscheidungstext OGH 08.07.2010 2 Ob 111/10b
    Vgl; Beisatz: Ein derartiger Schadenersatz gegen den Dritten ist nur bei seiner Kenntnis von der Ehe seines Sexualpartners zu bejahen. (T29)
    Beisatz: Eine Nachforschungspflicht des Dritten (über besondere Vereinbarungen zwischen den Ehegatten, wie sie ihre Beziehungen zu dritten Personen gestalten) ist im Interesse der allgemeinen Handlungsfreiheit zu verneinen. (T30)
    Beisatz: Hinsichtlich des Wissens des Dritten von der Ehe seines Geschlechtspartners liegt regelmäßig kein Beiweisnotstand vor, der die Anwendung des Anscheinsbeweises rechtfertigt. (T31)
  • 3 Ob 232/11f
    Entscheidungstext OGH 18.01.2012 3 Ob 232/11f
    Vgl; Vgl Beis wie T1; Beis wie T20; Ähnlich Beis wie T22; Beis wie T29
  • 6 Ob 216/12a
    Entscheidungstext OGH 20.03.2013 6 Ob 216/12a
    Vgl; Beis wie T30; Beisatz: Ob bei deutlichen Indizien dafür, dass der andere verheiratet ist, den Dritten eine solche Erkundigungs- oder gar Nachforschungspflicht trifft, kann auch im vorliegenden Fall dahingestellt bleiben. Ob deutliche Indizien vorliegen, hängt nämlich ganz von den Umständen des Einzelfalls ab. (T32)
  • 8 Ob 115/13i
    Entscheidungstext OGH 29.11.2013 8 Ob 115/13i
    Vgl; Beisatz: Ein Ehegatte, dessen Ehe durch ehewidrige Beziehungen seines Partners zu einer dritten Person gestört wird, hat ein von der ständigen Rechtsprechung grundsätzlich gebilligtes Interesse daran, sich Klarheit über den Sachverhalt zu verschaffen. (T33)
  • 8 Ob 42/14f
    Entscheidungstext OGH 26.05.2014 8 Ob 42/14f
    Beisatz: Erforderlich ist aber, dass der Gegner ausreichende Anhaltspunkte für ein ehewidriges Verhalten geliefert hat. Die Ersatzfähigkeit von Detektivkosten findet unter anderem dort ihre Grenze, wo die Überwachung offenkundig überflüssig und erkennbar unzweckmäßig ist. (T34)
  • 4 Ob 100/15g
    Entscheidungstext OGH 11.08.2015 4 Ob 100/15g
    Auch
  • 6 Ob 64/16d
    Entscheidungstext OGH 26.04.2016 6 Ob 64/16d
    Beis wie T21; Beisatz wie T22 nur: Dieser Schadenersatzanspruch wird aus einer Verletzung ehelicher Verhaltenspflichten oder Rechtsgüter abgeleitet. (T35)
    Beisatz: Voraussetzung für die Berechtigung eines solchen Schadenersatzanspruchs ist, dass die Klägerin ein über das Scheidungsverfahren hinausgehendes zuzubilligendes Interesse an der Sammlung sicheren Beweismaterials geltend macht. (T36)
  • 5 Ob 105/18d
    Entscheidungstext OGH 28.08.2018 5 Ob 105/18d
    Vgl; Beis wie T22; Beisatz: Hier: Haftung des Ehestörers verneint. (T37)
  • 4 Ob 82/18i
    Entscheidungstext OGH 27.11.2018 4 Ob 82/18i
    Vgl
  • 5 Ob 187/18p
    Entscheidungstext OGH 20.03.2019 5 Ob 187/18p
    Auch; Beis wie T16; Beis wie T21; Beis wie T26; Beisatz: Im Regelfall besteht keine Obliegenheit zur Nachfrage bei dem der Ehestörung verdächtigen Ehegatten. (T38)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1950:RS0022943

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

21.05.2019

Dokumentnummer

JJR_19501122_OGH0002_0030OB00283_5000000_001

Rechtssatz für 7Ob315/57 1Ob101/63 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0048325

Geschäftszahl

7Ob315/57; 1Ob101/63; 4Ob605/69; 8Ob24/60; 5Ob169/74; 5Ob692/81; 5Ob560/81; 7Ob532/82; 6Ob529/84; 7Ob60/15x; 8Ob125/14m; 4Ob82/18i

Entscheidungsdatum

03.07.1957

Norm

ABGB §163 G
ABGB §1295 Ia7
ABGB §1331

Rechtssatz

Schadenersatzpflicht der Kindesmutter, die einen Beiwohner durch die bewußt wahrheitswidrige Angabe, sie habe außer mit ihm mit keinem anderen Mann in der kritischen Zeit verkehrt, zum Vaterschaftsanerkenntnis veranlaßt. Er kann von ihr die geleisteten Unterhaltszahlungen und die Kosten des erfolgreichen Bestreitungsprozesses und Oppositionsprozesses verlangen.

Entscheidungstexte

  • 7 Ob 315/57
    Entscheidungstext OGH 03.07.1957 7 Ob 315/57
    Veröff: SZ 30/40 = EvBl 1957/314 S 489
  • 1 Ob 101/63
    Entscheidungstext OGH 26.06.1963 1 Ob 101/63
    Beisatz: Es muß behauptet und bewiesen werden, daß die Kosten nicht vom beklagten Kind hereingebracht werden konnten; der Hinweis auf die Bewilligung des Armenrechtes an das beklagte Kind reicht nicht aus. (T1)
  • 4 Ob 605/69
    Entscheidungstext OGH 02.12.1969 4 Ob 605/69
    Ähnlich; Beisatz: Klage des Ehemannes gegen den richtigen Vater des Kindes auf Ersatz der Kosten des Bestreitungsprozesses; Hereinbringung dieser Kosten vom Kind in absehbarer Zeit ist fraglich. (T2) Veröff: JBl 1970,573
  • 8 Ob 24/60
    Entscheidungstext OGH 10.02.1970 8 Ob 24/60
    Auch; Beisatz: Der gemäß § 163 ABGB Belangte begehrt Kostenersatz von der außerehelichen Mutter wegen unrichtiger Zeugenaussage. (T3)
  • 5 Ob 169/74
    Entscheidungstext OGH 25.09.1974 5 Ob 169/74
    nur: Schadenersatzpflicht der Kindesmutter, die einen Beiwohner durch die bewußt wahrheitswidrige Angabe, sie habe außer mit ihm mit keinem anderen Mann in der kritischen Zeit verkehrt, zum Vaterschaftsanerkenntnis veranlaßt. (T4) Veröff: ÖA 1977,44
  • 5 Ob 692/81
    Entscheidungstext OGH 27.10.1981 5 Ob 692/81
    Vgl; nur T4; Beisatz: Hier: Abgelehnt, da der siebzehnjährigen Kindesmutter mangels Einsicht in die Bedeutung des Begriffs der kritischen Zeit nicht einmal Fahrlässigkeit vorgeworfen werden konnte. (T5)
  • 5 Ob 560/81
    Entscheidungstext OGH 27.10.1981 5 Ob 560/81
    nur: Schadenersatzpflicht der Kindesmutter, die einen Beiwohner durch die bewußt wahrheitswidrige Angabe, sie habe außer mit ihm mit keinem anderen Mann in der kritischen Zeit verkehrt, zum Vaterschaftsanerkenntnis veranlaßt. Er kann von ihr die geleisteten Unterhaltszahlungen verlangen. (T6)
  • 7 Ob 532/82
    Entscheidungstext OGH 18.02.1982 7 Ob 532/82
    Vgl; nur T6; Beisatz: Klage des früheren Ehemannes, dessen Nichtvaterschaft festgestellt wurde, gegen Kindesmutter. (T7)
  • 6 Ob 529/84
    Entscheidungstext OGH 15.03.1984 6 Ob 529/84
    Ähnlich; Beis wie T2; Beisatz: Der frühere Ehemann kann nach aufgelöster Ehe gegenüber seiner früheren Ehegattin einen Ersatz von Schäden verlangen, die ihm durch die Führung des Bestreitungsprozesses und durch die Unterhaltsleistungen an das im Ehebruch gezeugte Kind entstanden sind. (T8) Veröff: SZ 57/53 = EvBl 1984/123 S 491
  • 7 Ob 60/15x
    Entscheidungstext OGH 02.07.2015 7 Ob 60/15x
    Vgl; Veröff: SZ 2015/68
  • 8 Ob 125/14m
    Entscheidungstext OGH 30.07.2015 8 Ob 125/14m
    Auch; Beisatz: Die Rechtsprechung gewährt demjenigen, der die Vaterschaft zu einem unehelichen Kind anerkannt, dann aber dieses Anerkenntnis erfolgreich angefochten hat, nur dann einen auf § 1295 Abs 2 ABGB gestützten Schadenersatzanspruch gegen die Mutter des Kindes, wenn sie die Abgabe des Anerkenntnisses durch bewusst wahrheitswidrige Angaben veranlasst hatte. Bloß fahrlässiges Handeln genügt nicht. (T9)
    Beisatz: Hier war die Mutter des Kindes aber stets von der Vaterschaft des Klägers überzeugt. Dass sie die mögliche Vaterschaft eines anderen Mannes erkennen hätte müssen, begründet (allenfalls grobe) Fahrlässigkeit, aber nicht Vorsatz. (T10)
  • 4 Ob 82/18i
    Entscheidungstext OGH 27.11.2018 4 Ob 82/18i
    Vgl; Beisatz: Vermögensschäden eines Ehemanns und Scheinvaters in Form von Unterhaltszahlungen an ein in aufrechter Ehe geborenes Kind der Ehegattin, das nicht vom Ehemann abstammt, das der Ehemann aber für sein eigenes Kind hält, fallen unter den Schutzzweck des § 90 ABGB und begründen einen Schadenersatzanspruch gegen die frühere Ehegattin. (T11)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1957:RS0048325

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

24.01.2019

Dokumentnummer

JJR_19570703_OGH0002_0070OB00315_5700000_001

Rechtssatz für 7Ob614/77 4Ob67/80 (4Ob6...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0022959

Geschäftszahl

7Ob614/77; 4Ob67/80 (4Ob68/80); 2Ob523/81; 1Ob516/82; 6Ob580/83; 6Ob593/90; 5Ob1538/92; 3Ob575/92; 7Ob382/98x; 5Ob45/01f; 6Ob315/00t; 7Ob195/02f; 6Ob277/02g; 2Ob102/03v; 5Ob183/04d; 4Ob52/06k; 10Ob55/07x; 7Ob133/08x; 1Ob114/09k; 2Ob111/10b; 3Ob232/11f; 6Ob216/12a; 8Ob115/13i; 4Ob100/15g; 5Ob105/18d; 4Ob82/18i; 5Ob187/18p

Entscheidungsdatum

01.09.1977

Norm

ABGB §1295 Ic
ABGB §1304 A1

Rechtssatz

Der Ehestörer hat unabhängig vom Erfolg einzelner Beobachtungen alle jene Detektivkosten zu ersetzen, die der in seinen Rechten verletzte Ehegatte nach objektiven Maßstäben für notwendig ansehen konnte, um sich über das Verhalten seines Ehepartners Gewissheit zu verschaffen. Ein frühzeitiger Beginn der Beobachtungen fällt demnach dem Auftraggeber aus dem Gesichtspunkt verletzter Schadensminderungspflicht dann nicht zur Last, wenn seine Veranlassung nicht von vornherein aussichtslos oder erkennbar unzweckmäßig war und im betreffenden Beobachtungszeitraum ein positives Ergebnis erzielt werden konnte. Die Höhe einzelner Rechnungsbeträge kann nur aus dem Gesichtspunkt überprüft werden, ob der Auftraggeber seine Zahlungspflicht gegenüber dem Detektiv mit Erfolg hätte bestreiten können.

Entscheidungstexte

  • 7 Ob 614/77
    Entscheidungstext OGH 01.09.1977 7 Ob 614/77
    Veröff: EvBl 1978/26 S 97 = JBl 1978,594
  • 4 Ob 67/80
    Entscheidungstext OGH 17.02.1981 4 Ob 67/80
    Vgl; nur: Der Ehestörer hat unabhängig vom Erfolg einzelner Beobachtungen alle jene Detektivkosten zu ersetzen, die der in seinen Rechten verletzte Ehegatte nach objektiven Maßstäben für notwendig ansehen konnte, um sich über das Verhalten seines Ehepartners Gewissheit zu verschaffen. (T1)
    Beisatz: Hier: Untreuer Arbeitnehmer (T2)
    Veröff: EvBl 1981/121 S 385 = Arb 9936 = ZAS 1981,220 (hiezu mit Anmerkung von Bernat)
  • 2 Ob 523/81
    Entscheidungstext OGH 27.10.1981 2 Ob 523/81
    Vgl; nur T1; Beisatz: Sofern die Beobachtung positive Ergebnisse brachte. (T3)
    Veröff: RZ 1982/15 S 57
  • 1 Ob 516/82
    Entscheidungstext OGH 17.03.1982 1 Ob 516/82
    Auch; nur: Der Ehestörer hat unabhängig vom Erfolg einzelner Beobachtungen alle jene Detektivkosten zu ersetzen, die der in seinen Rechten verletzte Ehegatte nach objektiven Maßstäben für notwendig ansehen konnte, um sich über das Verhalten seines Ehepartners Gewissheit zu verschaffen. Ein frühzeitiger Beginn der Beobachtungen fällt demnach dem Auftraggeber aus dem Gesichtspunkt verletzter Schadensminderungspflicht dann nicht zur Last, wenn seine Veranlassung nicht von vornherein aussichtslos oder erkennbar unzweckmäßig war und im betreffenden Beobachtungszeitraum ein positives Ergebnis erzielt werden konnte. (T4) Beisatz: Es darf sich nur nicht um überflüssige Nachforschungen oder schikanöse Rechtsausübung handeln. Dass zu einem früheren Zeitpunkt ehewidrige Beziehungen festgestellt wurden, bewirkt noch nicht die Verpflichtung zum Ersatz der Kosten einen Monat später in Auftrag gegebenen, aber erfolglos gebliebenen Überwachung, weil insoferne ein rechtswidriges, zum Schadenersatz verpflichtendes Verhalten nicht vorliegt. (T5)
  • 6 Ob 580/83
    Entscheidungstext OGH 30.10.1985 6 Ob 580/83
    Vgl aber; nur T1: Beisatz: Die Haftung des ehestörenden Dritten für Kosten der vom hintergangenen Ehegatten zur Klärung ehestörenden Verhaltens des anderen Ehegatten veranlassten Erhebungen ist zu verneinen, soweit infolge eines entsprechenden Einvernehmens über die Gestaltung (oder praktische Aufhebung) der ehelichen Lebensgemeinschaft die Ehegatten einander - sei es auch nur schlüssig - zu verstehen gegeben hätten, jedes Interesse daran verloren zu haben, wie der andere sein privates Leben gestalte, und daher im Verlangen auf entsprechende Offenlegung ein Rechtsmissbrauch gelegen wäre. (T6)
    Veröff: SZ 58/164 = JBl 1986,524
  • 6 Ob 593/90
    Entscheidungstext OGH 28.06.1990 6 Ob 593/90
    nur T1; Beis wie T6
  • 5 Ob 1538/92
    Entscheidungstext OGH 28.04.1992 5 Ob 1538/92
    Vgl aber; Beis wie T6
  • 3 Ob 575/92
    Entscheidungstext OGH 16.12.1992 3 Ob 575/92
    Vgl; nur T1; Beisatz: Kein Ersatz, wenn die Überwachung offenkundig überflüssig, von vornherein aussichtslos, erkennbar unzweckmäßig ist oder Rechtsmissbrauch vorliegt. (T7)
  • 7 Ob 382/98x
    Entscheidungstext OGH 12.05.1999 7 Ob 382/98x
    Vgl; nur T1; Beis wie T7
  • 5 Ob 45/01f
    Entscheidungstext OGH 27.02.2001 5 Ob 45/01f
    Vgl auch; nur T1
  • 6 Ob 315/00t
    Entscheidungstext OGH 05.07.2001 6 Ob 315/00t
    Vgl auch; nur T1; Beis ähnlich T7; Beisatz: Hier: Haftung des Ehestörers verneint. (T8)
  • 7 Ob 195/02f
    Entscheidungstext OGH 30.10.2002 7 Ob 195/02f
    Vgl auch; nur T1; Beis wie T7; Beisatz: Der geschädigte Ehegatte ist zur Abwehr unterhalts- und vermögensrechtlicher Nachteile berechtigt, seinen Prozessstandpunkt durch Beobachtung durch einen Detektiv zum Erlangen von Beweisen für ein ehebrecherisches Verhältnis des Ehegatten zu untermauern. Der Ehestörer ist zum Ersatz der Detektivkosten, die zum Erlangen von Beweisen aufgelaufen sind, verhalten (so schon 7 Ob 382/98x; 3 Ob 575/92 ua). (T9)
    Beisatz: Hier: Haftung des Ehestörers außer Zweifel, weil er durch seine Äußerung, er werde das Verhältnis abstreiten, da der Kläger keine Beweise dafür habe, die Beiziehung des Detektivbüros und das Entstehen der Überwachungskosten selbst (schuldhaft) mitveranlasst hat. (T10)
  • 6 Ob 277/02g
    Entscheidungstext OGH 12.12.2002 6 Ob 277/02g
    nur T1; Beisatz: Hier: Ersatzanspruch bejaht. (T11)
  • 2 Ob 102/03v
    Entscheidungstext OGH 21.05.2003 2 Ob 102/03v
    Auch; Beis wie T7; Beisatz: Das Recht, sich durch Betrauung eines Detektivs Gewissheit zu verschaffen, findet seine Grenze dort, wo die Überwachung offenkundig überflüssig, von vornherein aussichtslos und erkennbar unzweckmäßig ist, oder aber Rechtsmissbrauch vorliegt, weil die Ehegatten durch einvernehmliche Gestaltung oder Aufhebung ihrer ehelichen Gemeinschaft bekundet haben, jedes Interesse daran verloren zu haben, wie der andere sein Leben gestaltet. (T12)
  • 5 Ob 183/04d
    Entscheidungstext OGH 23.11.2004 5 Ob 183/04d
    Auch; Beis wie T6; Beis wie T9; Beis wie T12
  • 4 Ob 52/06k
    Entscheidungstext OGH 19.12.2006 4 Ob 52/06k
    nur T1; Beis wie T3; Beis wie T12; Beisatz: Mit ausführlicher Begründung zur Kausalitätsfrage und Distanzierung von Entscheidung 6 Ob 315/00t. (T13)
  • 10 Ob 55/07x
    Entscheidungstext OGH 05.06.2007 10 Ob 55/07x
    Auch
  • 7 Ob 133/08x
    Entscheidungstext OGH 02.07.2008 7 Ob 133/08x
    Auch; Beisatz: Das Recht, sich durch Überwachungsmaßnahmen Gewissheit über ein vermutetes ehewidriges Verhalten des Ehepartners zu verschaffen -auch unter dem Gesichtspunkt der Schadenminderungspflicht- findet (erst) dort seine Grenze, wo die Überwachung offenkundig überflüssig, von vornherein aussichtslos und erkennbar unzweckmäßig ist oder aber rechtsmissbräuchlich erfolgt. (T14)
  • 1 Ob 114/09k
    Entscheidungstext OGH 06.07.2009 1 Ob 114/09k
    Auch; nur T4; Beis wie T7; Beis wie T14; Beisatz: Der Kläger hat im Hinblick auf ein bevorstehendes Scheidungsverfahren und die noch ungeklärte Verschuldensfrage ein berechtigtes Interesse daran, zur Abwehr unterhalts- und vermögensrechtlicher Nachteile seinen Prozessstandpunkt durch Beobachtung durch einen Detektiv zur Erlangung von Beweisen für ein ehebrecherisches/ehewidriges Verhältnis seines Ehegatten zu untermauern. (T15)
    Beisatz: Aufgrund dieses berechtigten Interesses steht auch eine bei Beauftragung der Detektei bereits eingetretene unheilbare Zerrüttung der Ehe seinem Anspruch nicht entgegen. (T16)
  • 2 Ob 111/10b
    Entscheidungstext OGH 08.07.2010 2 Ob 111/10b
    Auch; Beisatz: Ein derartiger Schadenersatz gegen den Dritten ist nur bei seiner Kenntnis von der Ehe seines Sexualpartners zu bejahen. (T17)
    Beisatz: Eine Nachforschungspflicht des Dritten (über besondere Vereinbarungen zwischen den Ehegatten, wie sie ihre Beziehungen zu dritten Personen gestalten) ist im Interesse der allemeinen Handlungsfreiheit zu verneinen. (T18)
    Beisatz: Hinsichtlich des Wissens des Dritten von der Ehe seines Geschlechtspartners liegt regelmäßig kein Beiweisnotstand vor, der die Anwendung des Anscheinsbeweises rechtfertigt. (T19)
  • 3 Ob 232/11f
    Entscheidungstext OGH 18.01.2012 3 Ob 232/11f
    Vgl; auch nur: Der Ehestörer hat unabhängig vom Erfolg einzelner Beobachtungen alle jene Detektivkosten zu ersetzen, die der in seinen Rechten verletzte Ehegatte nach objektiven Maßstäben für notwendig ansehen konnte, um sich über das Verhalten seines Ehepartners Gewissheit zu verschaffen. (T20)
    Beis wie T6
  • 6 Ob 216/12a
    Entscheidungstext OGH 20.03.2013 6 Ob 216/12a
    Vgl; Beis wie T18; Beisatz: Ob bei deutlichen Indizien dafür, dass der andere verheiratet ist, den Dritten eine solche Erkundigungs- oder gar Nachforschungspflicht trifft, kann auch im vorliegenden Fall dahingestellt bleiben. Ob deutliche Indizien vorliegen, hängt nämlich ganz von den Umständen des Einzelfalls ab. (T21)
  • 8 Ob 115/13i
    Entscheidungstext OGH 29.11.2013 8 Ob 115/13i
    Auch; Beisatz: Ein Ehegatte, dessen Ehe durch ehewidrige Beziehungen seines Partners zu einer dritten Person gestört wird, hat ein von der ständigen Rechtsprechung grundsätzlich gebilligtes Interesse daran, sich Klarheit über den Sachverhalt zu verschaffen. (T22)
  • 4 Ob 100/15g
    Entscheidungstext OGH 11.08.2015 4 Ob 100/15g
    Auch; Beisatz: Dem subjektiven Glauben des Ehestörers an die Zerrüttung der Ehe kommt keine Bedeutung zu. (T23)
  • 5 Ob 105/18d
    Entscheidungstext OGH 28.08.2018 5 Ob 105/18d
    Vgl; Beisatz: Hier: Haftung des Ehestörers verneint. (T24)
  • 4 Ob 82/18i
    Entscheidungstext OGH 27.11.2018 4 Ob 82/18i
    Vgl
  • 5 Ob 187/18p
    Entscheidungstext OGH 20.03.2019 5 Ob 187/18p
    Vgl; Beis wie T12; Beis wie T14; Beisatz: Im Regelfall besteht keine Obliegenheit zur Nachfrage bei dem der Ehestörung verdächtigen Ehegatten. (T25)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1977:RS0022959

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

21.05.2019

Dokumentnummer

JJR_19770901_OGH0002_0070OB00614_7700000_001

Rechtssatz für 6Ob529/84 3Ob505/96 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0009425

Geschäftszahl

6Ob529/84; 3Ob505/96; 4Ob82/18i

Entscheidungsdatum

15.03.1984

Norm

ABGB §90

Rechtssatz

Wenn auch die ideellen Interessen der Ehe im Vordergrund stehen, so hindert das nicht, daß auch die Vermögensinteressen der Ehegatten, die für die materielle Grundlage der Ehe von Bedeutung sein können, mit geschützt sind. Für diese Auffassung spricht, daß die Beruffung auf die sittliche Werte der Ehe nicht dazu dienen darf, dem am Ehebruch unbeteiligten Ehegatten einen Schaden aufzulasten, den der andere Ehegatte unter Verstoß gegen die Verpflichtung zur ehelichen Treue verschuldet hat.

Entscheidungstexte

  • 6 Ob 529/84
    Entscheidungstext OGH 15.03.1984 6 Ob 529/84
    EvBl 1984/123 S 491 = SZ 57/53
  • 3 Ob 505/96
    Entscheidungstext OGH 28.08.1997 3 Ob 505/96
    nur: Wenn auch die ideellen Interessen der Ehe im Vordergrund stehen, so hindert das nicht, daß auch die Vermögensinteressen der Ehegatten, die für die materielle Grundlage der Ehe von Bedeutung sein können, mit geschützt sind. (T1) Veröff: SZ 70/163
  • 4 Ob 82/18i
    Entscheidungstext OGH 27.11.2018 4 Ob 82/18i
    Vgl auch; Beis wie T1; Beisatz: Vermögensschäden eines Ehemanns und Scheinvaters in Form von Unterhaltszahlungen an ein in aufrechter Ehe geborenes Kind der Ehegattin, das nicht vom Ehemann abstammt, das der Ehemann aber für sein eigenes Kind hält, fallen unter den Schutzzweck des § 90 ABGB. (T2)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1984:RS0009425

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

24.01.2019

Dokumentnummer

JJR_19840315_OGH0002_0060OB00529_8400000_001

Rechtssatz für 5Ob1508/96 4Ob221/17d 4...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0096997

Geschäftszahl

5Ob1508/96; 4Ob221/17d; 4Ob82/18i

Entscheidungsdatum

29.01.1996

Norm

ABGB §140 Bc

Rechtssatz

Da eine bloße Lebensgemeinschaft - entgegen dem Eheverhältnis - keine Pflicht zum gemeinsamen Wohnen und zum Beistand begründet, kann der Unterhaltsschuldner das Nichteingehen eines Arbeitsverhältnisses in Österreich nicht damit rechtfertigen, er finde in Spanien, wohin er seiner Lebensgefährtin, die eines südlichen Klimas bedürfe, gefolgt sei, keine Verdienstmöglichkeit. Dies ergibt sich eindeutig aus der von der Judikatur aus § 140 ABGB (arg: nach Kräften) abgeleiteten Anspannungstheorie.

Entscheidungstexte

  • 5 Ob 1508/96
    Entscheidungstext OGH 29.01.1996 5 Ob 1508/96
  • 4 Ob 221/17d
    Entscheidungstext OGH 29.05.2018 4 Ob 221/17d
    Auch
  • 4 Ob 82/18i
    Entscheidungstext OGH 27.11.2018 4 Ob 82/18i
    Vgl; nur: Zwischen den unverheirateten (Schein‑)Elternteilen eines Kindes besteht keine § 90 ABGB entsprechende Pflicht zur ehelichen Treue. (T1)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1996:RS0096997

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

24.01.2019

Dokumentnummer

JJR_19960129_OGH0002_0050OB01508_9600000_001

Rechtssatz für 3Ob505/96 1Ob146/98x 4O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0108842

Geschäftszahl

3Ob505/96; 1Ob146/98x; 4Ob166/02v; 7Ob195/02f; 6Ob124/02g; 5Ob183/04d; 4Ob52/06k; 3Ob232/11f; 4Ob82/18i

Entscheidungsdatum

28.08.1997

Norm

ABGB §44
ABGB §91 F
ABGB §144 B
ABGB §146b
ABGB §1295 Ic
ABGB §1311 IIc

Rechtssatz

Sowohl den sich aus dem Wesen der Ehe als auch aus den Bestimmungen der §§ 144 und 146b ABGB ergebenden Rechten kommt absoluter Schutz zu. Vermögensrechtlich ist aber bei Verletzung eherechtlicher Vorschriften nicht das sogenannte Bestandinteresse (dem Erfüllungsinteresse vergleichbar), sondern nur das Abwicklungsinteresse, das im Ersatz von Abwehrkosten, Beseitigungskosten und Folgekosten besteht (hier: notwendige Kosten, die anlässlich der Rückführung des eigenmächtig nach Neuseeland verbrachten ehelichen Kindes), geschützt.

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 505/96
    Entscheidungstext OGH 28.08.1997 3 Ob 505/96
    Veröff: SZ 70/163
  • 1 Ob 146/98x
    Entscheidungstext OGH 19.05.1998 1 Ob 146/98x
    Auch; nur: Vermögensrechtlich ist bei Verletzung eherechtlicher Vorschriften nicht das sogenannte Bestandinteresse, sondern nur das Abwicklungsinteresse, das im Ersatz von Abwehrkosten, Beseitigungskosten und Folgekosten besteht, geschützt. (T1); Beisatz: Kosten des "Abwicklungsinteresses" nach Ehescheidung sind auch solche Ehefolgekosten, die ein geschiedener Ehegatte aufzuwenden hat, um jene Tatsachen zu ermitteln, die allenfalls zum Ruhen des verglichenen Unterhaltsanspruchs des anderen geschiedenen Ehegatten führen (hier: Detektivkosten zur Ausforschung einer nachehelichen Lebensgemeinschaft). Sie können als Schadenersatzanspruch geltend gemacht werden. (T2)
  • 4 Ob 166/02v
    Entscheidungstext OGH 20.08.2002 4 Ob 166/02v
    Auch; Beisatz: Nach ständiger und einhelliger Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs können Detektivkosten gesondert, also unabhängig von einem allenfalls auch gleichzeitig geführten Ehescheidungsprozess eingeklagt werden, weil ein Ehegatte, dessen Ehe durch ehewidrige Beziehungen seines Partners zu einer dritten Person gestört wird, ganz allgemein ein besonderes Interesse daran hat, sich Klarheit über den Sachverhalt unabhängig davon, zu verschaffen, ob er gerichtliche Schritte unternehmen will oder ob das Verhalten des Ehestörers für die Zerrüttung der Ehe kausal war. Dem Ehegatten steht daher unabhängig von der Möglichkeit, die Detektivkosten in einem Ehescheidungsverfahren als vorprozessuale beziehungsweise außerprozessuale Kosten geltend zu machen, ein Schadenersatzanspruch zu, für den der Rechtsweg nicht ausgeschlossen ist. (T3); Beisatz: Der verletzte Ehegatte hat Anspruch auf Ersatz angemessener, also nach der Interessenlage gerechtfertigter Überwachungskosten bei tatsächlich ehewidrigen Beziehungen sowohl gegen den Drittstörer wie auch gegen den treulosen Ehepartner. Dieser Schadenersatzanspruch wird aus einer Verletzung ehelicher Verhaltenspflichten oder Rechtsgüter abgeleitet. (T4); Beisatz: Das Recht, sich durch Betrauung eines Detektivs Gewissheit zu verschaffen, findet seine Grenze dort, wo die Überwachung offenkundig überflüssig, von vorneherein aussichtslos und erkennbar unzweckmäßig ist oder aber Rechtsmissbrauch vorliegt, weil die Ehegatten durch einvernehmliche Gestaltung oder Aufhebung ihrer ehelichen Gemeinschaft bekundet haben, jedes Interesse daran verloren zu haben, wie der andere sein Leben gestaltet. (T5)
  • 7 Ob 195/02f
    Entscheidungstext OGH 30.10.2002 7 Ob 195/02f
    Vgl auch; Beis wie T3 nur: Nach ständiger und einhelliger Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs können Detektivkosten gesondert, also unabhängig von einem allenfalls auch gleichzeitig geführten Ehescheidungsprozess eingeklagt werden, weil ein Ehegatte, dessen Ehe durch ehewidrige Beziehungen seines Partners zu einer dritten Person gestört wird, ganz allgemein ein besonderes Interesse daran hat, sich Klarheit über den Sachverhalt unabhängig davon, zu verschaffen, ob er gerichtliche Schritte unternehmen will. Dem Ehegatten steht daher unabhängig von der Möglichkeit, die Detektivkosten in einem Ehescheidungsverfahren als vorprozessuale beziehungsweise außerprozessuale Kosten geltend zu machen, ein Schadenersatzanspruch zu, für den der Rechtsweg nicht ausgeschlossen ist. (T6); Beisatz: Die Kosten eines Ehegatten durch Überwachung des der Verletzung der ehelichen Treue verdächtigten anderen Ehegatten können aus dem Titel des Schadenersatzes sowohl von diesem als auch vom beteiligten Dritten ersetzt verlangt werden, sofern die Aufklärung geboten ist (vgl 3 Ob 575/92, 7 Ob 382/98x, 7 Ob 74/99d, 4 Ob 166/02v ua). (T7); Beis wie T5; Beisatz: Hier: Haftung des Ehestörers außer Zweifel, weil er durch seine Äußerung, er werde das Verhältnis abstreiten, da der Kläger keine Beweise dafür habe, die Beiziehung des Detektivbüros und das Entstehen der Überwachungskosten selbst (schuldhaft) mitveranlasst hat. (T8)
  • 6 Ob 124/02g
    Entscheidungstext OGH 20.02.2003 6 Ob 124/02g
    Auch; Veröff: SZ 2003/16
  • 5 Ob 183/04d
    Entscheidungstext OGH 23.11.2004 5 Ob 183/04d
    Auch; Beis wie T6; Beis wie T4; Beis wie T5; Beis wie T7
  • 4 Ob 52/06k
    Entscheidungstext OGH 19.12.2006 4 Ob 52/06k
    Auch; Beis wie T4; Beis wie T5; Beisatz: Die Ehe ist ein grundsätzlich auch gegenüber Dritten (dh absolut) geschütztes Rechtsgut. Die Mitwirkung bei der Verletzung der daraus folgenden Verpflichtungen kann daher auch dann rechtswidrig sein, wenn sie nicht die (subjektive) Intensität erreicht, die sonst für die Begründung einer Haftung wegen des Eingriffs in die Rechtsbeziehung zwischen zwei Vertragspartnern erforderlich ist. (T9)
  • 3 Ob 232/11f
    Entscheidungstext OGH 18.01.2012 3 Ob 232/11f
    Vgl auch
  • 4 Ob 82/18i
    Entscheidungstext OGH 27.11.2018 4 Ob 82/18i
    Vgl; Beisatz: Vermögensschäden eines Ehemanns und Scheinvaters in Form von Unterhaltszahlungen an ein in aufrechter Ehe geborenes Kind der Ehegattin, das nicht vom Ehemann abstammt, das der Ehemann aber für sein eigenes Kind hält, fallen unter den Schutzzweck des § 90 ABGB und begründen einen Schadenersatzanspruch gegen die frühere Ehegattin. (T10)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1997:RS0108842

Im RIS seit

27.09.1997

Zuletzt aktualisiert am

24.01.2019

Dokumentnummer

JJR_19970828_OGH0002_0030OB00505_9600000_002

Rechtssatz für 4Ob82/18i

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0132376

Geschäftszahl

4Ob82/18i

Entscheidungsdatum

27.11.2018

Norm

ABGB §90
ABGB §1295

Rechtssatz

Vermögensschäden eines Ehemanns und Scheinvaters in Form von Unterhaltszahlungen an ein in aufrechter Ehe geborenes Kind der Ehegattin, das nicht vom Ehemann abstammt, das der Ehemann aber für sein eigenes Kind hält, fallen unter den Schutzzweck des § 90 ABGB und begründen einen Schadenersatzanspruch gegen die frühere Ehegattin.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 82/18i
    Entscheidungstext OGH 27.11.2018 4 Ob 82/18i

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2018:RS0132376

Im RIS seit

12.02.2019

Zuletzt aktualisiert am

12.02.2019

Dokumentnummer

JJR_20181127_OGH0002_0040OB00082_18I0000_001

Entscheidungstext 4Ob82/18i

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Fundstelle

Zak 2019/43 S 31 - Zak 2019,31 = Jus‑Extra OGH-Z 6476 = JBl 2019,242 = ZVR 2019/44 S 75 (Danzl, tabellarische Übersicht) - ZVR 2019,75 (Danzl, tabellarische Übersicht) = Reischauer, EF‑Z 2019/59 S 103 - Reischauer, EF‑Z 2019,103

Geschäftszahl

4Ob82/18i

Entscheidungsdatum

27.11.2018

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht durch den Senatspräsidenten Dr.

Vogel als Vorsitzenden und die Hofräte Dr. Schwarzenbacher, Hon.-Prof. Dr. Brenn, Dr. Rassi und MMag. Matzka als weitere Richter in der Rechtssache des Klägers W*****, vertreten durch Dr. Günther Folk, Rechtsanwalt in Graz, gegen die Beklagte R*****, vertreten durch Dr. Heike Berner-Baumgartner, Rechtsanwältin in Feldbach, wegen 26.750 EUR sA, über die Revision des Klägers gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Graz als Berufungsgericht vom 30. Jänner 2018, GZ 3 R 6/18d-13, womit das Urteil des Landesgerichts für Zivilrechtssachen Graz vom 27. November 2017, GZ 11 Cg 85/17v-9, abgeändert wurde, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

 

Der Revision wird Folge gegeben.

Die angefochtene Entscheidung wird dahin abgeändert, dass das klagestattgebende Urteil des Erstgerichts einschließlich der Kostenentscheidung wiederhergestellt wird.

Die Beklagte ist schuldig, dem Kläger die mit 5.552,76 EUR (darin 686,96 EUR USt und 1.431 EUR Barauslagen) bestimmten Kosten des Rechtsmittelverfahrens binnen 14 Tagen zu ersetzen.

Text

Entscheidungsgründe:

Die Streitteile heirateten im Jahr 1985. Im August 1993 wurde die Ehe einvernehmlich geschieden. Im Jahr 1989, also während aufrechter Ehe, brachte die Beklagte ein Kind zur Welt. Der Kläger zahlte in der Annahme seiner Vaterschaft für das Kind im Zeitraum September 1993 bis Juni 2007 (also bereits nach der Scheidung) Geldunterhalt von 26.750 EUR. Erst Ende des Jahres 2016 erlangte er Kenntnis von Umständen, die gegen seine Vaterschaft sprachen. In der Folge wurde mit rechtskräftigem gerichtlichem Beschluss festgestellt, dass das Kind der Beklagten nicht vom Kläger abstammt.

              Die Beklagte hatte während aufrechter Ehe im zeugungsrelevanten Zeitraum im Herbst 1988 außerehelichen Geschlechtsverkehr mit dem nicht näher bekannten Vater des Kindes vollzogen. Die näheren Umstände des Ehebruchs sind nicht bekannt. Die Beklagte verschwieg dem Kläger ihren außerehelichen Beischlaf mit einem anderen Mann im zeugungsrelevanten Zeitraum und damit eine mögliche Vaterschaft eines anderen Mannes. Es kann nicht festgestellt werden, ob sie selbst bis zum Abstammungsverfahren von der Vaterschaft des Klägers zum Kind ausging, zumal sie im zeugungsrelevanten Zeitraum auch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit dem Kläger hatte.

              Der Kläger begehrt von der Beklagten 26.750 EUR samt Zinsen aus dem Titel des Schadenersatzes. Die Beklagte habe Ehebruch begangen und damit gegen die Treuepflicht nach § 90 ABGB verstoßen. In der Folge habe sie dem Kläger die sich daraus ergebende mögliche Vaterschaft eines anderen Mannes zu ihrem Kind bewusst verschwiegen. Die Beklagte sei stets darüber in Kenntnis gewesen, dass sie im empfängnisrelevanten Zeitraum untreu gewesen sei und hätte nach Eintritt der Schwangerschaft in Erwägung ziehen müssen, dass der Kläger nicht der Vater sei. Sie habe durch den Ehebruch ein rechtswidriges und schuldhaftes Verhalten gesetzt, das dem Kläger einen Schaden in Form von Unterhaltszahlungen verursacht habe, die dem tatsächlichen Vater oblägen wären.

              Die Beklagte bestritt die Voraussetzungen für Schadenersatz, weil sie bis zum Abstammungsverfahren von der Vaterschaft des Klägers ausgegangen sei und es auch für sie keinen Grund gegeben habe, daran zu zweifeln. Der Umstand der Vaterschaft eines anderen Mannes sei ihr nicht bekannt gewesen. Sie sei Lehrerin und habe im fraglichen Zeitpunkt an mehreren Fortbildungsveranstaltungen teilgenommen, in deren Rahmen es – allenfalls unter Alkoholeinfluss – zum außerehelichen Beischlaf gekommen sei, wobei sie sich an keine Details erinnern könne.

              Das Erstgericht gab der Klage statt. Durch den Ehebruch habe die Beklagte ein rechtswidriges Verhalten gesetzt, das kausal die den Schaden begründenden Unterhaltszahlungen des Klägers zugunsten der vermeintlichen Tochter verursacht habe. § 90 ABGB schütze nicht nur ideelle Interessen, sondern auch Vermögensinteressen der Ehegatten. Auch der Rechtswidrigkeitszusammenhang zwischen dem ehebrecherischen Verhalten der Beklagten und dem Schaden liege vor. Dass sie kein Verschulden träfe, habe die im Sinne des § 1298 ABGB beweispflichtige Beklagte nicht substanziiert behauptet bzw nicht unter Beweis stellen können. Selbst ein – von der Beklagten als möglich gehaltener, aber nicht feststellbarer – außerehelicher Beischlaf in alkoholisiertem Zustand könnte die Beklagte nicht exkulpieren, weil ihr diesfalls Einlassungsverschulden vorzuwerfen wäre. Damit lägen die Voraussetzungen eines Schadenersatzanspruchs des Klägers gegenüber der Beklagten vor.

              Das Berufungsgericht wies die Klage ab und erklärte die ordentliche Revision für zulässig, weil es von der Entscheidung 6 Ob 529/84 abgewichen sei.

              Der deutsche Bundesgerichtshof (BGH) judiziere bei vergleichbarer Rechtslage, die Ehe stehe außerhalb der Rechtsverhältnisse, deren Verletzung allgemeine Ansprüche auf Ersatz von Vermögensschäden auslösen könnten. Ehestörungen seien nicht in den Schutzzweck der deliktischen Haftungstatbestände einbezogen. Im Einklang mit dieser Judikatur habe der Oberste Gerichtshof Schmerzengeldansprüche eines Ehegatten gegen den anderen wegen Leidenszuständen aufgrund massiver Eheverfehlungen abgelehnt. Überdies habe die Mutter gemäß § 149 Abs 1 ABGB das Recht, den Namen des Vaters ihres Kindes nicht bekanntzugeben. Aus der Ausübung dieses Schweigerechts könne kein Schadenersatz abgeleitet werden. Die Rechtsprechung gewähre demjenigen, der die Vaterschaft zu einem unehelichen Kind anerkannt habe, dann aber dieses Anerkenntnis erfolgreich angefochten habe, nur dann einen Ersatzanspruch gegen die Mutter des Kindes, wenn sie die Abgabe des Anerkenntnisses durch bewusst wahrheitswidrige Angaben veranlasst habe; bloß fahrlässiges Handeln genüge nicht. Das Berufungsgericht halte es für geboten, den Schutzbereich der Bestimmungen über die Eheverfehlungen, insbesondere des Ehebruchs, grundsätzlich dahin einschränkend und auf einen innerehelichen Vorgang beschränkt zu interpretieren, dass der Schutzzweck sich nicht auch auf den Schaden des Scheinvaters für Unterhaltszahlungen an das von seiner Ehefrau beim Ehebruch empfangene Kind beziehe. Von der Ehefrau, die im empfängnisrelevanten Zeitraum die Ehe gebrochen habe, zu verlangen, ihren Ehemann sofort darüber zu informieren, dass möglicherweise ein anderer Mann der biologische Vater ihres Kindes sei, könne bedeuten, von ihr – quasi als Folge ihrer Eheverfehlung – ein den Bestand der Ehe allenfalls gefährdendes Verhalten zu fordern. Gleichzeitig würde eine solche Pflicht ihr in § 149 Abs 1 ABGB verankertes Recht, über den biologischen Vater ihres Kindes zu schweigen, einschränken und sie so gegenüber einer unehelichen Mutter schlechter stellen. Auch bestehe kein absolutes Persönlichkeitsrecht, nicht als Vater eines Kindes zu gelten, das man nicht gezeugt habe.

              Vor diesem Hintergrund sei es geboten, den Schutzzweck des Ehebruchs für einen daraus resultierenden Vermögensschaden dahingehend einschränkend zu interpretieren, dass sein Vorliegen allein nicht ausreiche, um dem Scheinvater gegenüber seiner Ehefrau einen Schadenersatzanspruch für Unterhaltszahlungen an das von ihr im Ehebruch empfangene Kind zuzuerkennen, es sei denn, bewusst wahrheitswidrige Angaben der Ehefrau hätten dazu geführt, dass es der Ehemann zunächst bei der gesetzlichen Vermutung seiner Vaterschaft habe bewenden lassen und seiner daraus erfließenden Unterhaltspflicht nachgekommen sei. Davon könne beim hier zu beurteilenden Sachverhalt aber keine Rede sein. Die im empfängnisrelevanten Zeitraum untreu gewesene Beklagte habe dem Kläger diesen Umstand schlicht verschwiegen. Ein vorsätzliches Verschleierungsverhalten der Beklagten habe der Kläger gar nicht behauptet. Damit scheitere sein Schadenersatzbegehren gegenüber der beklagten Mutter.

              Gegen dieses Urteil richtet sich die Revision des Klägers mit dem Antrag, die klagestattgebende Entscheidung des Erstgerichts wiederherzustellen. Die deutsche Rechtslage sei mit der österreichischen nicht vergleichbar, weil nach deutschem Recht der Scheinvater die Mutter auf Auskunft in Anspruch nehmen könne. Dadurch sei sichergestellt, dass er sich gegenüber dem leiblichen Vater regressieren könne. Dem österreichischen Recht sei ein derartiger Anspruch fremd; vielmehr habe die Mutter das Recht, den Namen des Vaters ihres Kindes nicht bekanntgeben zu müssen. Dass Schmerzengeldansprüche wegen Leidenszuständen aufgrund von Eheverfehlungen abgelehnt werden, hindere nicht die Rückforderung von Unterhaltsleistungen für ein aus einem Ehebruch hervorgegangenes Kind, die Vermögensschäden und keine ideellen Schäden seien. Auch Detektivkosten aufgrund Verletzung der ehelichen Treuepflicht seien nach der Rechtsprechung ein ersatzfähiger Schaden. Der Kläger verwahre sich dagegen, dass für die Begründung eines Schadenersatzanspruchs infolge Ehebruchs das zusätzliche Erfordernis bewusst wahrheitswidriger Angaben aufgestellt werde. Jene Rechtsprechung, die als Voraussetzung für einen Schadenersatzanspruch bewusst wahrheitswidrige Angaben fordere, beziehe sich nur auf Vaterschaftsanerkenntnisse. Hier sei aber bereits der Ehebruch das rechtswidrige Verhalten. Die Argumentation des Berufungsgerichts, dass man von der Ehefrau ein den Bestand der Ehe möglicherweise gefährdendes Verhalten fordern würde, verlangte man von ihr eine Aufklärung gegenüber ihrem Ehemann darüber, dass möglicherweise ein anderer Mann der Vater ihres Kindes sei, erscheine paradox, habe doch die Ehefrau bereits durch den begangenen Ehebruch den Bestand der Ehe gefährdet.

              Die Beklagte beantragte in ihrer Revisionsbeantwortung, der Revision nicht Folge zu geben.

Rechtliche Beurteilung

              Die Revision ist zulässig und berechtigt.

              1. Gemäß § 90 Abs 1 ABGB sind Ehegatten einander zur umfassenden ehelichen Lebensgemeinschaft, besonders zum gemeinsamen Wohnen, sowie zur Treue, zur anständigen Begegnung und zum Beistand verpflichtet.

              2.1. Der Oberste Gerichtshof hat in der Entscheidung 6 Ob 529/84 = SZ 57/53 – unter ausdrücklicher Ablehnung älterer Rechtsprechung (Ob II 19/26 = SZ 8/32) und nach Auseinandersetzung mit der abweichenden deutschen Rechtslage – ausgesprochen, dass die Ehegattin ihrem Ehegatten für die Unterhaltszahlungen, welche dieser für ein von ihr im Ehebruch empfangenes, von ihm als ehelich angesehenes Kind erbracht hat, haftet. Die Entscheidung verweist auf § 90 ABGB und führt begründend aus, dass dessen Schutzbereich nicht auf die ideellen Interessen der Ehegatten beschränkt sei, sondern sich auch auf vermögensrechtliche Interessen erstrecke. Zu der in § 90 ABGB genannten umfassenden ehelichen Lebensgemeinschaft gehöre auch die wirtschaftliche Komponente. Wenn auch die ideellen Interessen der Ehe im Vordergrund stünden, so hindere das nicht, dass auch die Vermögensinteressen der Ehegatten, die für die materielle Grundlage der Ehe von Bedeutung sein könnten, mit geschützt seien. Für diese Auffassung spreche, dass die Berufung auf die sittlichen Werte der Ehe nicht dazu dienen dürfe, dem am Ehebruch unbeteiligten Ehegatten einen Schaden aufzulasten, den der andere Ehegatte unter Verstoß gegen die Verpflichtung zur ehelichen Treue verschuldet habe. Die zum Schadenersatz verpflichtende rechtswidrige Handlung liege in diesen Fällen bereits im vorsätzlichen Verstoß gegen die Pflicht zur ehelichen Treue, deren Schutzzweck auch Unterhaltsschäden umfasse (vgl auch Reischauer in Rummel³ § 1295 ABGB Rz 60; Smutny in Kletečka/Schauer, ABGB-ON1.05 § 89 Rz 19). Damit knüpfte 6 Ob 529/84 an frühere Entscheidungen (etwa zum Ersatz der Kosten einer Ehelichkeitsbestreitungsklage) an (2 Ob 930/28 = SZ 10/302; 4 Ob 605/69 = JBl 1970, 573).

              2.2. Diese Entscheidung, die in ihrer Aussage nicht vereinzelt geblieben ist, sondern wiederholt fortgeschrieben wurde (6 Ob 124/02g und 7 Ob 138/08g bejahten jeweils den Ersatzanspruch eines Ehegatten für den von ihm für das vermeintlich gemeinsame Kind geleisteten Unterhalt gegen die Ehegattin und den tatsächlichen Kindesvater), ist auch in der Literatur auf keine Ablehnung gestoßen (vgl Ferrari in Schwimann/Neumayr, ABGB-TaKom4 § 90 ABGB Rz 11; Hinteregger in Klang³, § 90 ABGB Rz 13; Koch in KBB5, § 90 ABGB Rz 9; Höllwerth in Gitschthaler/Höllwerth, EuPR § 90 ABGB Rz 13; Koziol, Österreichisches Haftpflichtrecht I³, Rz 8/48 und II³ Rz A/2/73; Reischauer in Rummel³ § 1295 ABGB Rz 60; Smutny in Kletečka/Schauer, ABGB-ON1.05 § 89 Rz 19; Stabentheiner in Rummel³ § 90 ABGB Rz 2; Stefula in Klang³, § 156 ABGB Rz 24; Ch. Huber, Scheinvaterregress gegen den Erzeuger wegen des Unterhalts für das Kuckuckskind – ab wann und wie lang zurück? Zugleich eine Besprechung von 4 Ob 201/07y, iFamZ 2008, 244 [247] [Ersatz auch gegen den wahren Vater]; differenzierend Gitschthaler, Scheinvaterregress – Bereicherung oder Schadenersatz?, EF-Z 2009, 129 [133 ff]; aA Hofmann/Grüblinger, Ehebruch und Schadenersatz [Teil I], EF-Z 2009, 138 und [Teil II] EF-Z 2009, 169 im Wesentlichen mit den Argumenten des BGH [siehe unten]).

              2.3. Ein Widerspruch dieser Entscheidungen zur Rechtsprechung, wonach § 149 Abs 1 ABGB (= § 163a Abs 1 ABGB idF vor KindNamRÄG 2013) der Mutter das höchstpersönliche Recht verleiht, den wahren Vater geheim zu halten und Schadenersatzansprüche wegen Verleitens zur Abgabe eines Vaterschaftsanerkenntnisses nur bei bewusst wahrheitswidrigen Angaben zugestanden werden (RIS-Justiz RS0048325; zuletzt 8 Ob 125/14m), besteht nicht. Zwischen den unverheirateten (Schein-)Elternteilen eines Kindes besteht keine § 90 ABGB entsprechende Pflicht zur ehelichen Treue (vgl Hinteregger/Kissich in Klang³, § 44 ABGB Rz 11; Gitschthaler, Neuerungen im Recht der Lebensgemeinschaften, AnwBl 2012, 598 [603]; 3 Ob 515/91; 7 Ob 189/01x; vgl auch RIS-Justiz RS0096997). Das rechtswidrige Verhalten kann daher in jenen Fällen nicht im Mehrverkehr an sich bestehen, sondern allenfalls – wie in 8 Ob 125/14m dargelegt – in der bewussten Täuschung des Scheinvaters über dessen Vaterschaft. Darin liegt der entscheidungswesentliche Unterschied der beiden Fallgruppen (vgl 2 Ob 557/93; Gitschthaler, EF-Z 2009, 133). Wenn auch zutreffend ist, dass allein aus der Ausübung des Schweigerechts des § 149 ABGB (§ 163a aF ABGB) kein Schadenersatzanspruch abgeleitet werden kann (vgl 8 Ob 125/14m), so ist hier der Ersatzanspruch des Klägers gerade nicht aus dem Schweigen der Beklagten abzuleiten, sondern aus ihrer Verletzung der ehelichen Treuepflicht.

              2.4. Wenn der Oberste Gerichtshof Schmerzengeldansprüche aus Eheverfehlungen ablehnt (6 Ob 124/02g; 1 Ob 134/12f = iFamZ 2012, 307 [Deixler-Hübner]; krit Koziol, Haftpflichtrecht II³ Rz A/2/72), ist dies ebenfalls nicht mit der hier gegebenen Sachlage zu vergleichen, bei der es um einen konkreten Vermögensschaden geht.

              2.5. Die vom Berufungsgericht angeführte abweichende Rechtsprechung des BGH wurde bereits zu 6 Ob 529/84 geprüft und nicht übernommen. Dass der BGH diese Rechtsprechung auch in späteren Entscheidungen (insb IVb ZR 56/88 = NJW 1990, 706; XII ZB 412/11 = NJW 2013, 2108) weiter fortschrieb, führt keine neuen Aspekte in die Beurteilung ein. Die Diskrepanz resultiert nicht aus einer speziell auf Unterhaltsfälle zugeschnittenen Begründung, sondern aus der ganz grundlegenden Auffassung des BGH, die Ehe sei nur als ideelles Rechtsgut geschützt, weshalb ihr sittlicher Gehalt einen Abstand von vermögensrechtlichen Geschäften gebiete; vermögensrechtliche Konsequenzen könnten nur insoweit eintreten, als dies das Eherecht vorsehe (vgl Welser, ÖJZ 1975, 7). Auch ist die Rechtslage zur Definition der ehelichen Lebensgemeinschaft insoweit nicht mit der österreichischen deckungsgleich, weil § 1353 Abs 1 zweiter Satz BGB zwar auf die Verpflichtung zur ehelichen Gemeinschaft und die gegenseitige Verantwortung der Ehegatten verweist, im Gegensatz zu § 90 ABGB die Verpflichtung zur Treue jedoch nicht explizit nennt.

              2.6. Diese Auffassung des BGH widerspricht der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs, wonach aus der Verletzung der ehelichen Treuepflicht durchaus Schadenersatzansprüche abgeleitet werden können (vgl etwa RIS-Justiz RS0022943; RS0022959). Wenn auch die ideellen Interessen der Ehe im Vordergrund stehen, so hindert das nicht, dass auch die Vermögensinteressen der Ehegatten, die für die materielle Grundlage der Ehe von Bedeutung sein können, von § 90 ABGB mit geschützt sind (RIS-Justiz RS0009425 [T1]).

              Soweit an dieser Rechtsprechung in der Literatur Kritik geübt wird, richtet sich diese im Wesentlichen gegen die Einordnung der Ehe als absolut geschütztes Rechtsgut (vgl 4 Ob 100/15g) und die daraus abgeleitete Schadenersatzpflicht des dritten Ehestörers (Ondreasova, Das Verhältnis zwischen Familienrecht und dem übrigen Zivilrecht, insb dem Schadenersatzrecht, Zak 2016, 168; Höllwerth, Schadenersatzansprüche im Familienrecht, EF-Z 2016, 290 [294]; Klicka, Der Ehestörungsschaden als „Punitive Damages“ des österreichischen Rechts, iFamZ 2016, 243 [244]; Wagner, Anm zu 4 Ob 100/15g, EF-Z 2016, 206 [208]; Deixler-Hübner, Anm zu 1 Ob 114/09k, iFamZ 2009, 357; Hoffmann/Grüblinger, EF-Z 2009, 169). Darauf muss aber hier nicht eingegangen werden, weil nicht ein Dritter, sondern die frühere Ehegattin beklagt ist.

              Auch lässt sich gerade im Anlassfall nicht überzeugend einwenden, dass Treueverstöße eines Ehegatten ohnehin die eherechtliche Sanktion der Scheidung nach sich ziehen können, weshalb es insoweit keiner Ergänzung durch schadenersatzrechtliche Ansprüche bedürfe, hat doch der Kläger den geltend gemachten Vermögensschaden erst durch Unterhaltszahlungen nach der Scheidung erlitten.

              3.1. Zu prüfen bleibt jedoch der Rechtswidrigkeitszusammenhang, da nur für jene Schäden zu haften ist, welche die übertretene Verhaltensnorm gerade verhindern sollte. Entscheidend ist der Normzweck, der durch teleologische Auslegung zu ermitteln ist (vgl Karner in KBB5 § 1295 ABGB Rz 9).

              3.2. Dass der Schutzzweck familiärer Beistandspflichten auch vermögensrechtliche Interessen abdecken und ihre Verletzung zu schadenersatzrechtlichen Folgen führen kann, wird im Schrifttum bejaht.

Welser (Der OGH und der Rechtswidrigkeitszusammenhang, ÖJZ 1975, 1 und 37 [8]) sieht den Schadenersatz für das Interesse am Fortbestand der Ehe und an der Erfüllung ehelicher Pflichten („Bestandsinteresse“) ausgeschlossen; hingegen umfasse der Schutzzweck eherechtlicher Vorschriften sehr wohl das „Abwicklungsinteresse“.

V. Steininger (Die persönlichen Ehewirkungen im neueren österreichischen Recht, dFamRZ 1979, 774 [777]) bejaht Schadenersatzansprüche aus persönlichen Rechtswirkungen der Ehe, auch wenn die gerichtliche Durchsetzung des primären „Erfüllungsinteresses“ nicht möglich sei. Er begründet dies mit Grundsätzen des allgemeinen Schadenersatzrechts, § 1266 ABGB („volle Genugtuung“ für den schuldlosen oder minderjährigen Ehegatten), § 46 ABGB (Schaden aus Verlöbnisbruch) und den Materialien zu § 97 ABGB, wonach der Gesetzgeber unter Hinweis auf allgemeine schadenersatzrechtliche Grundsätze eine besondere Regelung der Haftbarkeit des gegen § 97 ABGB verstoßenden Ehegatten für entbehrlich gehalten habe.

Reischauer (in Rummel³ § 1295 ABGB Rz 60) meint, dass der Frau der Ehebruch ua auch deshalb verboten sei, damit nicht Kinder, die nicht vom Ehemann stammen, gezeugt und dem Ehemann zugerechnet werden.

Stefula (Zu den allgemeinen familiären Beistandspflichten, ÖJZ 2005, 609 [622]) bejaht den Rechtswidrigkeitszusammenhang, wenn die Versagung der familiären Pflicht zu einem Schaden führt, der über den bloßen Entgang der Beistandsleistung an sich (das „Bestandsinteresse“) hinausgeht.

              Höllwerth (in Gitschthaler/Höllwerth, EuPR § 90 ABGB Rz 13) führt aus, dass die Verletzung von „nicht rein persönlichen Ehewirkungen“ schadenersatzrechtliche Folgen haben könne.

              3.3. Soweit Gitschthaler (EF-Z 2009, 136) den Rechtswidrigkeitszusammenhang letztlich bezweifelt, stehen seine Erwägungen allerdings im Zusammenhang mit Ansprüchen gegen den wahren Vater; solche Ansprüche sind hier nicht zu beurteilen. Gitschthaler führt aus, vom Schutzzweck des § 90 Abs 1 ABGB seien wohl die Scheidungskosten, Detektivkosten und die Kosten des Ehebestreitungsverfahrens umfasst, nicht aber die Vermeidung der Zeugung eines „außerehelichen“ Kindes und die Vermeidung der Situation, dass der falsche Mann für ein im Ehebruch gezeugtes Kind die Unterhaltskosten trage. Andernfalls gelange man zu einer Ungleichbehandlung von Mann und Frau, da etwa dem untreuen Ehemann, der (im Ehebruch) mit einer anderen Frau ein Kind zeuge, bei der Unterhaltsbemessung ein Abzug für die weitere Sorgepflicht nicht verwehrt werde.

              4.1. Der Oberste Gerichtshof hat sich bereits der Unterscheidung zwischen Abwicklungs- und Bestandsinteresse bedient (6 Ob 124/02g = SZ 2003/16; vgl RIS-Justiz RS0108842). Der Senat sieht vor diesem Hintergrund keinen Anlass, im vorliegenden Fall von der bisherigen – mit der Entscheidung 6 Ob 529/84 begründeten – Rechtsprechung abzugehen.

              4.2. Sowohl die Kosten einer Ehelichkeitsbestreitungsklage (2 Ob 930/28 = SZ 10/302; 4 Ob 605/69 = JBl 1970, 573), als auch die Kosten des Kindesunterhalts für das Scheinkind sind konkrete Vermögensschäden, die aus einer Verletzung des – auch Vermögensinteressen der Ehepartner berührenden – Ehevertrags (Verletzung der ehelichen Treuepflicht) herrühren. Eine Differenzierung hinsichtlich deren Ersatzfähigkeit ist sachlich nicht begründbar. Auch das Argument, der Einschluss der Unterhaltskosten in den Rechtswidrigkeitszusammenhang mit § 90 Abs 1 ABGB benachteilige Frauen, weil Männer für im Ehebruch gezeugte Kinder einen Abzugsposten für Unterhaltsleistungen erhielten, überzeugt nicht: Im Unterhaltsrecht geht es nicht um schadenersatzrechtliche Normzwecküberlegungen; zudem würde dasselbe auch für die Mutter gelten, wenn sie geldunterhaltspflichtig wird.

              4.3. Weder die Aufhebung der gerichtlichen Strafbarkeit des Ehebruchs seit 1997, noch der aktuell im Umbruch befindliche Begriff der Ehe (vgl Leisner-Egensperger, Das neue österreichische Eherecht – ein Regelungsmodell für Europa?, JRP 2018, 66) haben Änderungen im Zusammenhang mit der ehelichen Treuepflicht gemäß § 90 Abs 1 ABGB bewirkt. Diese verbietet (nach wie vor) jede Missachtung des ehelichen Vertrauensverhältnisses und ist nicht auf den sexuellen Bereich beschränkt (4 Ob 52/06k mwN; vgl Schwimann/Ferrari in Schwimann/Kodek, ABGB4 § 90 Rz 10).

              Auch ist für das Zusammenleben von Ehegatten nach wie vor eine Wirtschaftsgemeinschaft typisch (vgl 3 Ob 31/14a), sodass die Ehe nicht nur von ideellen, sondern auch von Vermögensinteressen geprägt ist, die ebenfalls unter den Schutz des § 90 ABGB fallen (vgl RIS-Justiz RS0009425).

              4.4. Fallen demnach auch Vermögensschäden eines Ehemanns und Scheinvaters in Form von Unterhaltszahlungen an ein in aufrechter Ehe geborenes Kind der Ehegattin, das nicht vom Ehemann abstammt, das der Ehemann aber für sein eigenes Kind hält, unter den Schutzzweck des § 90 ABGB, besteht die – der Höhe nach nicht substanziiert bestrittene – Klageforderung aus dem Titel des Schadenersatzes dem Grunde und der Höhe nach zu Recht, zumal die Beklagte keine Umstände geltend gemacht hat, weshalb ihr der Ehebruch nicht vorwerfbar sein sollte.

              4.5. Der Revision des Klägers ist deshalb Folge zu geben und das angefochtene Urteil dahin abzuändern, dass das klagestattgebende Urteil des Erstgerichts wiederhergestellt wird.

5. Die Kostenentscheidung gründet sich auf §§ 41 und 50 ZPO.

Textnummer

E123705

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2018:0040OB00082.18I.1127.000

Im RIS seit

14.01.2019

Zuletzt aktualisiert am

16.05.2019

Dokumentnummer

JJT_20181127_OGH0002_0040OB00082_18I0000_000