Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 5Ob535/77 7Ob535/78 7Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0006607

Geschäftszahl

5Ob535/77; 7Ob535/78; 7Ob766/79; 1Ob595/81; 1Ob782/82; 3Ob556/86; 8Ob509/86; 9Ob710/91; 6Ob279/98t; 2Ob315/02s; 3Ob218/03k; 6Ob22/08s; 6Ob196/09f; 7Ob195/09s; 1Ob108/10d; 8Ob22/13p; 2Ob104/17h

Entscheidungsdatum

19.04.1977

Norm

ABGB §692
AußStrG §2 Abs2 Z7 H2
AußStrG §178
AußStrG 2005 §182 Abs3
WEG 2002 §14 Abs1 Z1

Rechtssatz

Die Erteilung einer Bestätigung nach § 178 AußStrG ist von der Zustimmung der Erben unabhängig, doch müssen diese vorher gehört werden. Sie können allenfalls Sicherstellung verlangen und es besteht auch die Möglichkeit der Verweisung des Legatars auf den Rechtsweg, wenn die Erben die Gefahr der Unzulänglichkeit des Nachlasses ernstlich behaupten, wenn auch nicht gerade bescheinigen.

Entscheidungstexte

  • 5 Ob 535/77
    Entscheidungstext OGH 19.04.1977 5 Ob 535/77
    Veröff: SZ 50/56 = NZ 1979,27 = JBl 1979,200
  • 7 Ob 535/78
    Entscheidungstext OGH 16.03.1978 7 Ob 535/78
  • 7 Ob 766/79
    Entscheidungstext OGH 07.11.1979 7 Ob 766/79
    nur: Die Erteilung einer Bestätigung nach § 178 AußStrG ist von der Zustimmung der Erben unabhängig. (T1)
    Beisatz: Keine Zustimmung der Miterben bei Vorausvermächtnis. (T2)
  • 1 Ob 595/81
    Entscheidungstext OGH 29.04.1981 1 Ob 595/81
    nur T1
  • 1 Ob 782/82
    Entscheidungstext OGH 03.11.1982 1 Ob 782/82
  • 3 Ob 556/86
    Entscheidungstext OGH 28.05.1986 3 Ob 556/86
    Beisatz: Hier: Verlassenschaftskurator (T3)
  • 8 Ob 509/86
    Entscheidungstext OGH 12.03.1987 8 Ob 509/86
    nur T1; Beisatz: Die Amtsbestätigung kann auch gegen den Willen der Erben ausgestellt werden. (T4)
  • 9 Ob 710/91
    Entscheidungstext OGH 28.08.1991 9 Ob 710/91
    Vgl auch; Beisatz: Durch die Vorschrift des § 178 AußStrG wird die Stellung des Legatars im Falle des Vermächtnisses einer unbeweglichen Sache der eines dinglich Berechtigten weitgehend angenähert. (T5)
    Veröff: SZ 64/111 = NZ 1992,294
  • 6 Ob 279/98t
    Entscheidungstext OGH 29.10.1998 6 Ob 279/98t
  • 2 Ob 315/02s
    Entscheidungstext OGH 16.01.2003 2 Ob 315/02s
    Vgl auch
  • 3 Ob 218/03k
    Entscheidungstext OGH 25.03.2004 3 Ob 218/03k
    Auch
  • 6 Ob 22/08s
    Entscheidungstext OGH 21.02.2008 6 Ob 22/08s
    Vgl aber; Beisatz: Vgl nunmehr die Regelung des § 182 Abs 3 AußStrG, der die ausdrückliche Zustimmung der Erben verlangt. (T6)
    Bem: Siehe auch RS0008377. (T7)
  • 6 Ob 196/09f
    Entscheidungstext OGH 16.10.2009 6 Ob 196/09f
    Vgl aber; Beis wie T6; Beisatz: Ihr Zweck besteht offensichtlich darin, dass nur unstrittige Vermächtnisse ins Grundbuch bzw ins Firmenbuch eingetragen werden sollen. (T8)
  • 7 Ob 195/09s
    Entscheidungstext OGH 18.11.2009 7 Ob 195/09s
    Auch; Beisatz: noch zu aF - vgl dagegen T6. (T9)
  • 1 Ob 108/10d
    Entscheidungstext OGH 15.12.2010 1 Ob 108/10d
    Vgl aber; Beis wie T6; Beis wie T8
  • 8 Ob 22/13p
    Entscheidungstext OGH 05.04.2013 8 Ob 22/13p
    Vgl; nur T1; Beisatz: Weder für den Zuwachs nach § 14 Abs 1 Z 1 WEG 2002 noch für die Ausstellung einer Amtsbestätigung darüber (§182 Abs 3 AußStrG 2005) ist die Zustimmung der Erben erforderlich. (T10)
    Bem: Siehe auch RS0128692. (T11)
  • 2 Ob 104/17h
    Entscheidungstext OGH 20.06.2017 2 Ob 104/17h
    Vgl aber; Beis wie T6; Beisatz: Streitigkeiten über das Vorliegen eines Vermächtnisses oder einer Vereinbarung sind im Rechtsweg auszutragen. (T12); Veröff: SZ 2017/72

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1977:RS0006607

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

06.06.2019

Dokumentnummer

JJR_19770419_OGH0002_0050OB00535_7700000_001

Rechtssatz für 5Ob86/91 6Ob54/03i 2Ob1...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0076656

Geschäftszahl

5Ob86/91; 6Ob54/03i; 2Ob104/17h

Entscheidungsdatum

08.10.1991

Norm

IPRG §28
IPRG §35
WEG §10
WEG 2002 §14

Rechtssatz

Für die Vererbung von Ehegattenwohnungseigentum an inländischen Objekten gelten im Wege der "Sonderanknüpfung" für Eingriffsnormen die Vorschriften des österreichischen Wohnungseigentumsrechts unabhängig vom Erbstatut.

Entscheidungstexte

  • 5 Ob 86/91
    Entscheidungstext OGH 08.10.1991 5 Ob 86/91
    Veröff: WoBl 1993,36 (Call)
  • 6 Ob 54/03i
    Entscheidungstext OGH 24.04.2003 6 Ob 54/03i
    Auch; Veröff: SZ 2003/44
  • 2 Ob 104/17h
    Entscheidungstext OGH 20.06.2017 2 Ob 104/17h
    Vgl auch; Beisatz: § 14 WEG war jedenfalls nach der Rechtslage vor Inkrafttreten der EuErbVO eine unabhängig vom Erbstatut anzuwendende Eingriffsnorm. (T1); Veröff: SZ 2017/72

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1991:RS0076656

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

06.06.2019

Dokumentnummer

JJR_19911008_OGH0002_0050OB00086_9100000_004

Rechtssatz für 5Ob158/92 5Ob247/97b 5O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0082946

Geschäftszahl

5Ob158/92; 5Ob247/97b; 5Ob65/06d; 5Ob45/06p; 5Ob97/11t; 8Ob87/11v; 2Ob104/17h; 5Ob115/18z; 2Ob225/18d

Entscheidungsdatum

15.12.1992

Norm

AußStrG §183 Abs3
GBG §53 Abs1
WEG 1975 §10
WEG 1975 §10 Abs1 Z2
WEG 1975 §10 Abs1 Z4
WEG 1975 §10 Abs1 Z5
WEG 2002 §14 Abs1
WEG 2002 §14 Abs1 Z2

Rechtssatz

Der als Vindikationslegat konstruierte Erwerb kraft Gesetzes durch Anwachsung bewirkt, dass dieser Anteil eben wegen dieses unmittelbaren Eigentumsüberganges nicht in die Verlassenschaftsmasse fällt. Allerdings tritt gemäß § 10 Abs 1 Z 2 WEG dieser Zuwachs nicht ein, wenn der überlebende Ehegatte vor dem Ablauf einer vom Verlassenschaftsgericht festzusetzenden angemessenen Frist entweder auf den Zuwachs verzichtet oder gemeinsam mit den Erben des Verstorbenen (unter Zustimmung allfälliger Pflichtteilsberechtigter) eine Vereinbarung betreffend den Übergang des Mindestanteiles schließt. Während der offenen Frist ist der überlebende Ehegatte gemäß § 10 Abs 1 Z 4 WEG hinsichtlich des gesamten Anteils einem Erben gleichgestellt, dem die Besorgung und Benützung des Nachlasses überlassen worden ist. Durch die Bestimmung des § 10 Abs 1 Z 2 WEG ist daher der Übergang des halben Mindestanteils des verstorbenen Ehegatten ins Eigentum des überlebenden Ehegatten ein auflösend bedingter. Dieser Schwebezustand dauert an, solange die Frist nicht gesetzt wurde. Solange aber der Schwebezustand andauert, kann die Ausstellung einer Amtsbestätigung nach § 10 Abs 1 Z 5 WEG nicht erfolgen.

Entscheidungstexte

  • 5 Ob 158/92
    Entscheidungstext OGH 15.12.1992 5 Ob 158/92
    Veröff: SZ 65/158 = NZ 1993,81
  • 5 Ob 247/97b
    Entscheidungstext OGH 24.06.1997 5 Ob 247/97b
    nur: Der als Vindikationslegat konstruierte Erwerb kraft Gesetzes durch Anwachsung bewirkt, dass dieser Anteil eben wegen dieses unmittelbaren Eigentumsüberganges nicht in die Verlassenschaftsmasse fällt. (T1)
  • 5 Ob 65/06d
    Entscheidungstext OGH 27.06.2006 5 Ob 65/06d
    Auch; nur T1; Beisatz: Eines besonderen Erwerbungsaktes bedarf es nicht. Der Verbücherung kommt nur deklarative Bedeutung zu. (T2)
  • 5 Ob 45/06p
    Entscheidungstext OGH 29.08.2006 5 Ob 45/06p
    nur T1; Beisatz: Eine Vereinbarung des überlebenden Ehegatten mit den Erben geht den Anwachsungsbestimmungen aber vor. (T3)
  • 5 Ob 97/11t
    Entscheidungstext OGH 07.07.2011 5 Ob 97/11t
    Vgl; Beisatz: Es ist daher grundsätzlich sachlich gerechtfertigt, dem überlebenden Eigentumspartner, dem der halbe Mindestanteil zuwächst, als außerbücherlichem Eigentümer gleich einem rechtskräftig eingeantworteten Erben die Legitimation zur Erwirkung einer Anmerkung nach § 53 Abs 1 GBG zuzubilligen. (T4)
    Beisatz: Hier: Fehlende Amtsbestätigung nach § 183 Abs 3 AußStrG hinsichtlich § 14 Abs 1 Z 5 WEG. (T5)
    Veröff: SZ 2011/89
  • 8 Ob 87/11v
    Entscheidungstext OGH 29.09.2011 8 Ob 87/11v
    Auch
  • 2 Ob 104/17h
    Entscheidungstext OGH 20.06.2017 2 Ob 104/17h
    Vgl; Beisatz: Der Erwerb nach § 14 Abs 1 Z 1 WEG tritt ex lege ein, er steht aber unter der auflösenden Bedingung eines innerhalb der vom Gericht gesetzten Frist erklärten Verzichts oder einer innerhalb dieser Frist geschlossenen Vereinbarung. (T6); Veröff: SZ 2017/72
  • 5 Ob 115/18z
    Entscheidungstext OGH 18.07.2018 5 Ob 115/18z
    Vgl auch; nur T1
  • 2 Ob 225/18d
    Entscheidungstext OGH 25.07.2019 2 Ob 225/18d
    Vgl; Beis wie T6; Beisatz: Hier: Schwebezustand infolge fehlender Fristsetzung nach § 14 Abs 2 Z 2 WEG 2002. (T7)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1992:RS0082946

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

09.09.2019

Dokumentnummer

JJR_19921215_OGH0002_0050OB00158_9200000_002

Rechtssatz für 3Ob205/02x 3Ob290/04z 5...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0117089

Geschäftszahl

3Ob205/02x; 3Ob290/04z; 5Ob200/05f; 5Ob21/08m; 5Ob22/08s; 6Ob182/09i; 2Ob226/09p (2Ob227/09k, 2Ob228/09g); 1Ob108/10d; 2Ob104/17h

Entscheidungsdatum

23.10.2002

Norm

AußStrG §178
AußStrG 2005 §181 Abs3
AußStrG 2005 §182 Abs3

Rechtssatz

Die Amtsbestätigung nach § 178 AußStrG ist nicht nur Legataren, sondern auch denjenigen auszustellen, die Liegenschaften im Zusammenhang mit einer Abfindung von Erben oder Noterben im Rahmen eines Erbenübereinkommens oder Pflichtteilsübereinkommens erwerben.

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 205/02x
    Entscheidungstext OGH 23.10.2002 3 Ob 205/02x
  • 3 Ob 290/04z
    Entscheidungstext OGH 16.02.2005 3 Ob 290/04z
    Vgl auch; Beisatz: Die Amtsbestätigung soll demjenigen, der nicht wie der Erbe das Eigentumsrecht an der vermachten Sache schon mit dem Eintritt der Rechtskraft der Einantwortungsurkunde erwirbt, den Erwerb seines Eigentums durch Eintragung im Grundbuch ermöglichen. (T1)
  • 5 Ob 200/05f
    Entscheidungstext OGH 10.01.2006 5 Ob 200/05f
    Vgl; Beis ähnlich wie T1; Beisatz: Grundverkehrsbehördliche Erwägungen sind bei Ausstellen einer Amtsbestätigung nach § 178 AußStrG nicht anzustellen. (T2)
  • 5 Ob 21/08m
    Entscheidungstext OGH 01.04.2008 5 Ob 21/08m
    Vgl; Beisatz: Die Ausstellung einer Bestätigung nach § 182 Abs 3 AußStrG nur auf Antrag der Erben kommt daher nicht in Betracht. (T3)
    Beis wie T1; Beisatz: Dieses Ziel kann im vorliegenden Fall nicht erreicht werden, weshalb die Ausstellung einer Amtsbestätigung verfehlt ist. (T4)
    Bem: Hier: § 182 Abs 3 AußStrG 2005. (T5)
  • 5 Ob 22/08s
    Entscheidungstext OGH 21.02.2008 5 Ob 22/08s
    Vgl; Beis wie T1
  • 6 Ob 182/09i
    Entscheidungstext OGH 15.12.2009 6 Ob 182/09i
    Vgl; Bem: Hier: Erbteilungsvereinbarung nach § 181 Abs 3 AußStrG, Amtsbestätigung nach § 182 Abs 3 AußStrG. (T6)
  • 2 Ob 226/09p
    Entscheidungstext OGH 07.10.2010 2 Ob 226/09p
    Auch; Beis wie T1
  • 1 Ob 108/10d
    Entscheidungstext OGH 15.12.2010 1 Ob 108/10d
    Vgl auch; Beis wie T1; Bem wie T5
  • 2 Ob 104/17h
    Entscheidungstext OGH 20.06.2017 2 Ob 104/17h
    Auch; Bem wie T5; Veröff: SZ 2017/72

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2002:RS0117089

Im RIS seit

22.11.2002

Zuletzt aktualisiert am

06.06.2019

Dokumentnummer

JJR_20021023_OGH0002_0030OB00205_02X0000_001

Rechtssatz für 2Ob104/17h

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0131521

Geschäftszahl

2Ob104/17h

Entscheidungsdatum

20.06.2017

Norm

AußStrG 2005 §182 Abs3
WEG §14 Abs1

Rechtssatz

Die Ausstellung einer Amtsbestätigung nach § 14 Abs 1 Z 5 WEG setzt im Fall des Erwerbs durch Vereinbarung iSv § 14 Abs 1 Z 2 WEG in sinngemäßer Anwendung von § 182 Abs 3 AußStrG die Zustimmung des überlebenden Partners voraus. Wird die Gültigkeit derselben

– aus welchem Grund auch immer – bestritten, so ist darüber gegebenenfalls im streitigen Rechtsweg zu entscheiden.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 104/17h
    Entscheidungstext OGH 20.06.2017 2 Ob 104/17h
    Veröff: SZ 2017/72

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2017:RS0131521

Im RIS seit

09.08.2017

Zuletzt aktualisiert am

06.06.2019

Dokumentnummer

JJR_20170620_OGH0002_0020OB00104_17H0000_001

Entscheidungstext 2Ob104/17h

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Fundstelle

Zak 2017/568 S 334 - Zak 2017,334 = ZfRV‑LS 2017/47 (Ofner) = JBl 2017,751 = iFamZ 2017/189 S 349 - iFamZ 2017,349 = EF‑Z 2017/147 S 279 (Tschugguel) - EF‑Z 2017,279 (Tschugguel) = Jus-Extra OGH-Z 6262 = EvBl 2017/156 S 1081 (Verweijen) - EvBl 2017,1081 (Verweijen) = wobl 2018,22/4 - wobl 2018/4 = SZ 2017/72

Geschäftszahl

2Ob104/17h

Entscheidungsdatum

20.06.2017

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten Hon.-Prof. Dr. Danzl als Vorsitzenden und die Hofräte Dr. Veith und Dr. Musger, die Hofrätin Dr. E. Solé und den Hofrat Dr. Nowotny als weitere Richter in der Verlassenschaftssache nach dem am 22. Februar 2015 verstorbenen Dr. K***** H*****, zuletzt *****, über den Revisionsrekurs der Erbin J***** H*****, geboren ***** 2007, *****, vertreten durch ihre Mutter S***** W*****, diese vertreten durch Proksch & Partner Rechtsanwälte OG in Wien, gegen den Beschluss des Landesgerichts für Zivilrechtssachen Wien vom 14. März 2017, GZ 43 R 126/17y-52, mit dem infolge Rekurses der Erbin der Beschluss des Bezirksgerichts Döbling vom 5. Jänner 2017, GZ 35 A 64/15x-43 bestätigt wurde, in nichtöffentlicher Sitzung den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Dem Revisionsrekurs wird nicht Folge gegeben.

Der Antrag des Rechtsmittelgegners auf Zuspruch der Kosten der Rechtsmittelbeantwortung wird abgewiesen.

Text

Begründung:

Der am 22. 2. 2015 verstorbene Erblasser war deutscher Staatsbürger. Die in München wohnhafte, noch minderjährige Rechtsmittelwerberin ist sein einziges Kind. Ihr nach deutschem Recht zu beurteilendes Erbrecht (§ 28 IPRG idF vor dem ErbRÄG 2015) ist durch Erbschein ausgewiesen. Im österreichischen Verlassverfahren hat sie eine bedingte Erbantrittserklärung aufgrund des Gesetzes abgegeben.

Der Erblasser war unter anderem Miteigentümer mehrerer Wohnungseigentumsobjekte in Wien, hinsichtlich derer eine Eigentümerpartnerschaft (§ 2 Abs 10 WEG) mit seinem Bruder Dkfm. W***** H***** bestand. Da dieser mit den Vertretern der minderjährigen Erbin Gespräche über das weitere Schicksal dieser Objekte führte, setzte ihm das Erstgericht eine Frist nach § 14 Abs 1 Z 2 WEG, die es zuletzt bis zum 30. September 2016 erstreckte. Am letzten Tag dieser Frist langte per Fax beim Erstgericht eine (nur) vom Bruder am selben Tag notariell unterfertigte „Vereinbarung“ ein, wonach er auf den Erwerb der Hälftanteile des Erblassers verzichtete und diese auf die Erbin übergehen sollten. Nach dem Vorbringen der Erbin war ihre gesetzliche Vertreterin bei der Unterfertigung zugegen gewesen und hatte die Erklärung dort zustimmend zur Kenntnis genommen.

Das Original der Erklärung langte – vom Bruder übersendet – am 6. Oktober 2016 beim Erstgericht ein. Am 10. Oktober 2016 erklärte der Vertreter des Bruders dem Vertreter der Erbin, dass der Bruder die „bis dato noch einseitig gefertigte“ Erklärung widerrufe, und teilte das dem Erstgericht mit. Mit Schriftsatz vom 14. Oktober 2016 bezeichnete der Vertreter der Erbin den Widerruf als „verfristet“ und erklärte namens der Erbin, dass sie der Fortsetzung der Eigentümerpartnerschaft mit dem Bruder „hiermit“ zustimme. In weiterer Folge wurde die „Vereinbarung“ vom Amtsgericht München familiengerichtlich genehmigt.

Auf dieser Grundlage beantragte die Erbin die Ausstellung einer Amtsbestätigung nach § 14 Abs 1 Z 5 WEG iVm § 182 Abs 3 AußStrG. Es liege eine wirksame Vereinbarung vor, sodass die Hälfteanteile an den Mindestanteilen auf sie übergangen seien. Sie setze die Eigentümerpartnerschaften mit dem Bruder des Erblassers fort.

Der Bruder des Erblassers sprach sich gegen die Ausstellung der Amtsbestätigung aus. Er habe seine Unterschrift aufgrund einer „Panikattacke“ geleistet und seine Erklärung zudem vor deren Annahme widerrufen.

Das Erstgericht wies den Antrag auf Ausstellung der Amtsbestätigung ab. Die Vereinbarung hätte innerhalb der vom Gericht gesetzten Frist zustande kommen müssen. Diese Bedingung sei nicht erfüllt, weil der Vertreter der Erbin erst nach Ablauf der Frist seine Zustimmung erteilt habe.

Das von der Antragstellerin angerufene Rekursgericht bestätigte diese Entscheidung und ließ den ordentlichen Revisionsrekurs zu. § 14 Abs 1 Z 5 WEG verweise auf § 182 Abs 3 AußStrG. Nach der dazu ergangenen Rechtsprechung könne eine Amtsbestätigung bei unklarer Sach- und Rechtslage nicht ausgestellt werden. Ein solcher Fall liege hier vor, weil im Rahmen des Verlassenschaftsverfahrens nicht geprüft werden könne, „ob die Vereinbarung vom 30. 9. 2016 wegen mangelnder Geschäftsfähigkeit des Bruders des Verstorbenen rechtswirksam zustande gekommen“ sei. Diese Frage sei im streitigen Rechtsweg zu klären. Der Revisionsrekurs sei zulässig, weil höchstgerichtliche Rechtsprechung zur Ausstellung einer Amtsbestätigung iSv § 14 Abs 1 Z 5 WEG fehle, wenn der überlebende Eigentümerpartner den Einwand der Geschäftsunfähigkeit erhebe.

Gegen diese Entscheidung richtet sich ein Revisionsrekurs der Antragstellerin, mit dem sie die Ausstellung der Amtsbestätigung anstrebt; hilfsweise stellt sie einen Aufhebungsantrag. Der Antragsgegner beantragt, dem Revisionsrekurs nicht Folge zu geben.

Rechtliche Beurteilung

Der Revisionsrekurs ist zulässig, weil die Voraussetzungen für die Erteilung einer Amtsbestätigung nach § 14 Abs 1 Z 5 WEG im Fall des § 14 Abs 1 Z 2 WEG einer Klarstellung bedürfen. Er ist aber nicht berechtigt.

1. Es liegt ein Sachverhalt mit Auslandsberührung vor. Da der Erblasser am 22. 2. 2015 gestorben ist, sind die Regelungen der EuErbVO nach deren Art 83 Abs 1 noch nicht anzuwenden. Damit ist die Erbfolge nach dem deutschen Erblasser zwar nach § 28 IPRG idF vor dem ErbRÄG 2015 (BGBl I 2015/87) nach deutschem Recht zu beurteilen. Die Rechtsnachfolge in den Anteil am Mindestanteil ist jedoch gesondert anzuknüpfen; § 14 WEG war jedenfalls nach altem Recht eine unabhängig vom Erbstatut anzuwendende Eingriffsnorm (5 Ob 86/91 [zu § 10 WEG 1975]; Neumayr in KBB4 § 28 IPRG Rz 3; Schwimann in Rummel3 § 28 IPRG Rz 10; vgl nunmehr die Ausnahme für Anwachsungsrechte von Miteigentümern Art 1 Abs 2 lit g EuErbVO).

2. Nach § 14 Abs 1 Z 1 WEG geht der Anteil des verstorbenen Eigentümerpartners von Gesetzes wegen auf den überlebenden Partner über. Die Verbücherung hat nach § 14 Abs 1 Z 5 WEG in sinngemäßer Anwendung von § 182 Abs 3 AußStrG, also aufgrund einer vom Verlassenschaftsgericht auszustellenden Amtsbestätigung, zu erfolgen. Der Oberste Gerichtshof hat bereits entschieden, dass diese Amtsbestätigung auch ohne Zustimmung der Erben auszustellen sei, weil der Zuwachs ex lege eintrete und daher nicht von deren Zustimmung abhänge (8 Ob 22/13p; RIS-Justiz RS0128692). Insofern habe sich die Rechtslage nicht gegenüber jener nach § 178 AußStrG 1854 geändert (5 Ob 99/93, SZ 66/165; RIS-Justiz RS0013472).

3. Der vorliegende Fall ist allerdings anders zu beurteilen.

3.1. Die Rechtsmittelwerberin beruft sich auf eine Vereinbarung nach § 14 Abs 1 Z 2 WEG, wonach sie das Eigentum des Erblassers an den Mindestanteilen erwerben und die Partnerschaft mit dem überlebenden Partner fortsetzen sollte. Auch für diesen Fall sieht § 14 Abs 1 Z 5 WEG die sinngemäße Anwendung von § 182 Abs 3 AußStrG vor. Grundsätzlich hat daher auch hier das Verlassenschaftsgericht eine Amtsbestätigung über den Erwerb auszustellen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Erwerb nach § 14 Abs 1 Z 2 WEG anders als jener nach § 14 Abs 1 Z 1 WEG das Vorliegen einer Vereinbarung voraussetzt. Er ist daher eine vom Vorliegen eines Rechtsgeschäfts abhängige Ausnahme zum Erwerb nach § 14 Abs 1 Z 1 WEG. Der letztgenannte Erwerb tritt ex lege ein, er steht aber unter der auflösenden Bedingung eines innerhalb der vom Gericht gesetzten Frist erklärten Verzichts oder einer innerhalb dieser Frist geschlossenen Vereinbarung (5 Ob 158/92, SZ 65/158; RIS-Justiz RS0082946; zuletzt etwa 5 Ob 97/11t, SZ 2011/89 = EF-Z 2012, 40 [Perscha] = NZ 2012, 125 [Hoyer]).

3.2. Auf dieser Grundlage ähnelt die Stellung des Erwerbers nach § 14 Abs 1 Z 2 WEG jener eines Erwerbers im unmittelbaren Anwendungsbereich von § 182 Abs 3 AußStrG. Diese Bestimmung erfasst Vermächtnisnehmer oder Personen, die aufgrund eines Erbteilungs- oder Pflichtteilsübereinkommens erwerben (RIS-Justiz RS0117089). Die danach Berechtigten berufen sich daher gegenüber den Erben, die sonst durch Einantwortung Eigentümer würden, auf den Erwerb durch Rechtsgeschäft von Todes wegen (Vermächtnis) oder unter Lebenden (Übereinkommen). Nicht anders ist bei wertender Betrachtung das Verhältnis zwischen dem Erwerber nach § 14 Abs 1 Z 2 WEG und dem überlebenden Partner zu beurteilen. Denn wie die Erben im unmittelbaren Anwendungsbereich des § 182 Abs 3 AußStrG durch die Einantwortung Eigentum erwerben würden, fiele auch dem überlebenden Partner der Anteil am Mindestanteil aufgrund der allgemeinen Regel des § 14 Abs 1 Z 1 WEG (endgültig) zu, wenn kein rechtsgeschäftlicher Erwerb durch den sich auf eine Vereinbarung berufenden Antragsteller einträte.

3.3. Im unmittelbaren Anwendungsbereich von § 182 Abs 3 AußStrG setzt die Ausstellung der Amtsbestätigung die Zustimmung der Erben voraus, Streitigkeiten über das Vorliegen eines Vermächtnisses oder einer Vereinbarung sind im Rechtsweg auszutragen (1 Ob 108/10d, EvBl 2011/78 [Reisenhofer]; RIS-Justiz RS0006607 [T6]; Höllwerth in Gitschthaler/Höllwerth, AußStrG § 182 Rz 31 f mwN). Bei Fehlen der Zustimmung müssten daher die rechtsgeschäftlich Berechtigten aufgrund des Vermächtnisses oder der Vereinbarung auf Zustimmung zur Ausstellung einer Amtsbestätigung oder auf Zustimmung zur Einverleibung klagen (8 Ob 69/14a, iFamZ 2015, 80 [Mondel] mwN; Höllwerth in Gitschthaler/Höllwerth, AußStrG § 182 Rz 32). Das gilt aufgrund der ausdrücklichen Anordnung des Gesetzes auch dann, wenn die Ausstellung der Amtsbestätigung aufgrund eines Legats- oder Pflichtteilsübereinkommens begehrt wird, das der Antragsteller mit den Erben geschlossen hatte. Im Verlassverfahren ist im Streitfall nicht über die Gültigkeit dieses Übereinkommens zu entscheiden.

3.4. Im Fall des § 14 Abs 1 Z 2 WEG ist der überlebende Partner den Erben iSv § 182 Abs 3 AußStrG gleichzuhalten (oben 3.2.). Daraus folgt, dass sinngemäße Anwendung von § 182 Abs 3 AußStrG in dieser Fallgestaltung nur bedeuten kann, dass die Amtsbestätigung nur mit seiner Zustimmung erteilt werden darf. Das gilt auch dann, wenn er eine Vereinbarung geschlossen hat, deren Gültigkeit er nun
– aus welchem Grund auch immer – bestreitet. Darüber ist, ebenso wie über die Gültigkeit eines Vermächtnisses oder einer Vereinbarung im unmittelbaren Anwendungsbereich von § 182 Abs 3 AußStrG, gegebenenfalls im streitigen Verfahren zu entscheiden. Das Außerstreitverfahren ist nach der Wertung des Gesetzes (§ 182 Abs 3 AußStrG) zur Klärung dieser Frage nicht geeignet.

4. Da keine Zustimmung des überlebenden Partners vorliegt, haben die Vorinstanzen die Ausstellung der Amtsbestätigung im Ergebnis zurecht verweigert. Aus diesen Gründen muss der Revisionsrekurs scheitern. Auf die vom Erstgericht verneinte Frage, ob innerhalb der vom Gericht gesetzten Frist eine Vereinbarung zustande gekommen ist, kommt es daher nicht an. Ebensowenig ist zu klären, welche Wirkungen der in der am letzten Tag der Frist eingelangten Erklärung enthaltene „Verzicht“ des überlebenden Partners hat.

5. Die diese Entscheidung tragenden Erwägungen können wie folgt zusammengefasst werden:

Die Ausstellung einer Amtsbestätigung nach § 14 Abs 1 Z 5 WEG setzt im Fall des Erwerbs durch Vereinbarung iSv § 14 Abs 1 Z 2 WEG in sinngemäßer Anwendung von § 182 Abs 3 AußStrG die Zustimmung des überlebenden Partners voraus. Wird die Gültigkeit derselben
– aus welchem Grund auch immer – bestritten, so ist darüber gegebenenfalls im streitigen Rechtsweg zu entscheiden.

6. Ein Anspruch auf Kostenersatz besteht im Verlassenschaftsverfahren nach § 185 AußStrG nur im Verfahren über das Erbrecht. Der Antrag des überlebenden Partners auf Kostenzuspruch ist daher abzuweisen.

Textnummer

E119028

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2017:0020OB00104.17H.0620.000

Im RIS seit

01.09.2017

Zuletzt aktualisiert am

02.04.2019

Dokumentnummer

JJT_20170620_OGH0002_0020OB00104_17H0000_000