Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 6Ob572/90 3Ob1091/91 6O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0045092

Geschäftszahl

6Ob572/90; 3Ob1091/91; 6Ob186/97i; 3Ob2372/96m; 9Ob120/99h; 7Ob265/02z; 7Ob314/04h; 3Ob35/05a; 7Ob236/05i; 3Ob281/06d; 5Ob272/07x; 9Ob53/08x; 3Ob122/10b; 4Ob185/12b; 9Ob27/12d; 18OCg2/14i; 18OCg2/15s; 18OCg3/15p

Entscheidungsdatum

06.09.1990

Norm

ZPO §595 Abs1 Z2

Rechtssatz

Der Schiedsspruch ist nur dann anfechtbar und unwirksam, wenn der klagenden Partei das rechtliche Gehör überhaupt nicht gewährt wurde. Eine bloß lückenhafte Sachverhaltsfeststellung oder mangelhafte Erörterung rechtserheblicher Tatsachen bildet noch keine Grundlage zur Aufhebungsklage. Der Schiedsspruch ist daher nicht unwirksam, weil das Schiedsgericht Beweisanträge ignoriert oder zurückweist oder weil es sonst den Sachverhalt unvollständig ermittelt hat. Ein solcher Mangel ist dem Nichtgewähren des rechtlichen Gehörs nicht gleichzuhalten.

Entscheidungstexte

  • 6 Ob 572/90
    Entscheidungstext OGH 06.09.1990 6 Ob 572/90
    Veröff: RdW 1991,327
  • 3 Ob 1091/91
    Entscheidungstext OGH 27.11.1991 3 Ob 1091/91
    Auch; Beisatz: Dadurch, dass die vorgetragenen Angriffsmittel oder Verteidigungsmittel ungenügend beachtet wurden, wird das rechtliche Gehör schon begrifflich nicht verletzt. Eine solche Verletzung liegt nur dann vor, wenn die Partei an der Geltendmachung ihrer Angriffsmittel oder Verteidigungsmittel gehindert war. (T1) Veröff: IPRax 1992,331 = RZ 1993/65 S 176
  • 6 Ob 186/97i
    Entscheidungstext OGH 24.07.1997 6 Ob 186/97i
    Beis wie T1; Veröff SZ 70/156
  • 3 Ob 2372/96m
    Entscheidungstext OGH 05.05.1998 3 Ob 2372/96m
  • 9 Ob 120/99h
    Entscheidungstext OGH 01.09.1999 9 Ob 120/99h
    nur: Der Schiedsspruch ist nur dann anfechtbar und unwirksam, wenn der klagenden Partei das rechtliche Gehör überhaupt nicht gewährt wurde. Eine bloß lückenhafte Sachverhaltsfeststellung oder mangelhafte Erörterung rechtserheblicher Tatsachen bildet noch keine Grundlage zur Aufhebungsklage. (T2); Beisatz: Daher ist nur bei ganz groben Verstößen gegen die tragenden Grundsätze eines geordneten Verfahrens eine Anfechtung möglich. (T3)
  • 7 Ob 265/02z
    Entscheidungstext OGH 18.12.2002 7 Ob 265/02z
  • 7 Ob 314/04h
    Entscheidungstext OGH 26.01.2005 7 Ob 314/04h
    nur: Der Schiedsspruch ist nur dann anfechtbar und unwirksam, wenn der klagenden Partei das rechtliche Gehör überhaupt nicht gewährt wurde. (T4)
  • 3 Ob 35/05a
    Entscheidungstext OGH 31.03.2005 3 Ob 35/05a
    nur: Der Schiedsspruch ist nur dann anfechtbar und unwirksam, wenn der klagenden Partei das rechtliche Gehör nicht gewährt wurde. Der Schiedsspruch ist daher nicht unwirksam, weil das Schiedsgericht Beweisanträge ignoriert oder zurückweist oder weil es sonst den Sachverhalt unvollständig ermittelt hat. (T5)
  • 7 Ob 236/05i
    Entscheidungstext OGH 26.04.2006 7 Ob 236/05i
  • 3 Ob 281/06d
    Entscheidungstext OGH 22.02.2007 3 Ob 281/06d
    Auch
  • 5 Ob 272/07x
    Entscheidungstext OGH 01.04.2008 5 Ob 272/07x
    Vgl auch; Beisatz: Immer dort, wo in der Schiedsvereinbarung oder im Verhalten während des Schiedsverfahrens, etwa durch Unterlassung einer Rüge, eine Partei zu erkennen gegeben hat, dass sie der Einhaltung einer Bestimmung kein ausschlaggebendes Gewicht beigemessen hat, wird eine maßgebliche Verletzung rechtlichen Gehörs verneint. (T6); Beisatz: Maßgeblich ist stets, ob die Waffengleichheit mit dem Gegner eingehalten wird. (T7)
  • 9 Ob 53/08x
    Entscheidungstext OGH 20.08.2008 9 Ob 53/08x
  • 3 Ob 122/10b
    Entscheidungstext OGH 01.09.2010 3 Ob 122/10b
    Vgl
  • 4 Ob 185/12b
    Entscheidungstext OGH 28.11.2012 4 Ob 185/12b
    Beis ähnlich wie T6; Bem: Mit Verweisen auf abweichende Lehre und Rsp. (T8)
  • 9 Ob 27/12d
    Entscheidungstext OGH 24.04.2013 9 Ob 27/12d
  • 18 OCg 2/14i
    Entscheidungstext OGH 10.10.2014 18 OCg 2/14i
    Auch
  • 18 OCg 2/15s
    Entscheidungstext OGH 19.08.2015 18 OCg 2/15s
    Auch
  • 18 OCg 3/15p
    Entscheidungstext OGH 23.02.2016 18 OCg 3/15p
    Auch; Beisatz: Aufhebungsgrund des § 611 Abs 2 Z 2 ZPO nur verwirklicht, wenn Gehörverletzung im staatlichen Verfahren mit Nichtigkeit zu ahnden wäre oder wenn der Gehörentzug einem Nichtigkeitsgrund wertungsmäßig zumindest nahekommt. (T9)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1990:RS0045092

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

01.04.2016

Dokumentnummer

JJR_19900906_OGH0002_0060OB00572_9000000_001

Rechtssatz für 3Ob2372/96m 3Ob221/04b...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0110125

Geschäftszahl

3Ob2372/96m; 3Ob221/04b; 3Ob281/06d; 5Ob272/07x; 3Ob65/11x; 9Ob27/12d; 2Ob22/14w; 18OCg2/15s

Entscheidungsdatum

05.05.1998

Norm

ZPO §595 Abs1 Z6

Rechtssatz

Unter den "Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung" im Sinne des § 595 Abs 1 Z 6 ZPO werden vor allem die tragenden Grundsätze der Bundesverfassung, des Strafrechts, Privatrechts und Prozessrechts, aber auch des öffentlichen Rechts verstanden. Maßgebend für die durch die ordentlichen Gerichte in diesem Rahmen mögliche Überprüfung ist nicht die Begründung, sondern das Ergebnis des Schiedsspruchs. Der Kreis der durch die Rechtsordnung geschützten Grundwertungen ist auch enger als der Bereich zwingenden Rechtes (so schon SZ 68/154).

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 2372/96m
    Entscheidungstext OGH 05.05.1998 3 Ob 2372/96m
  • 3 Ob 221/04b
    Entscheidungstext OGH 26.01.2005 3 Ob 221/04b
    nur: Unter den "Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung" im Sinne des § 595 Abs 1 Z 6 ZPO werden vor allem die tragenden Grundsätze der Bundesverfassung, des Strafrechts, Privatrechts und Prozessrechts, aber auch des öffentlichen Rechts verstanden. Maßgebend ist nicht die Begründung, sondern das Ergebnis des Schiedsspruchs. (T1)
    Veröff: SZ 2005/9
  • 3 Ob 281/06d
    Entscheidungstext OGH 22.02.2007 3 Ob 281/06d
    Beisatz: Hier: Die Zuerkennung von Schadenersatz auf Basis privatrechtlich begründeter Vertragspflichten (Schad- und Klagloshaltung) vermag keinen Verstoß gegen Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung zu bilden. (T2)
  • 5 Ob 272/07x
    Entscheidungstext OGH 01.04.2008 5 Ob 272/07x
    Vgl auch; Beisatz: Nur dann, wenn es mit dem Ergebnis des Schiedsspruchs zu einer unerträglichen Verletzung tragender Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung kommt, berechtigt dies zur Anfechtung des Schiedsspruchs nach § 595 Abs 1 Z 6 ZPO in der hier noch anzuwendenden Fassung der ZVN 1983. (T3)
  • 3 Ob 65/11x
    Entscheidungstext OGH 24.08.2011 3 Ob 65/11x
    nur T1; Veröff: SZ 2011/106
  • 9 Ob 27/12d
    Entscheidungstext OGH 24.04.2013 9 Ob 27/12d
    Beisatz: Hier: Überschreitung der Prüfkompetenz durch das Berufungsgericht. (T4)
  • 2 Ob 22/14w
    Entscheidungstext OGH 18.02.2015 2 Ob 22/14w
    Auch; nur: Maßgebend für die durch die ordentlichen Gerichte in diesem Rahmen mögliche Überprüfung ist nicht die Begründung, sondern das Ergebnis des Schiedsspruchs. (T5)
    Beis ähnlich wie T3
  • 18 OCg 2/15s
    Entscheidungstext OGH 19.08.2015 18 OCg 2/15s
    Auch

Schlagworte

ordere public

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1998:RS0110125

Im RIS seit

04.06.1998

Zuletzt aktualisiert am

16.09.2015

Dokumentnummer

JJR_19980505_OGH0002_0030OB02372_96M0000_002

Rechtssatz für 3Ob2372/96m 5Ob272/07x...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0110126

Geschäftszahl

3Ob2372/96m; 5Ob272/07x; 9Ob53/08x; 2Ob206/12a; 9Ob27/12d; 18OCg2/15s; 18OCg3/15p

Entscheidungsdatum

05.05.1998

Norm

ZPO §595 Abs1 Z6
ZPO §611 Abs2 Z5

Rechtssatz

Inländische Schiedssprüche können, wie sich aus dem Gesetzeswortlaut ergibt ("zwingende Rechtsvorschriften ..., deren Anwendung ..."), nicht wegen jeden Verstoßes gegen zwingendes Recht angefochten werden.

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 2372/96m
    Entscheidungstext OGH 05.05.1998 3 Ob 2372/96m
  • 5 Ob 272/07x
    Entscheidungstext OGH 01.04.2008 5 Ob 272/07x
  • 9 Ob 53/08x
    Entscheidungstext OGH 20.08.2008 9 Ob 53/08x
  • 2 Ob 206/12a
    Entscheidungstext OGH 24.01.2013 2 Ob 206/12a
    Vgl auch
  • 9 Ob 27/12d
    Entscheidungstext OGH 24.04.2013 9 Ob 27/12d
    Auch; Beisatz: Hier: Überschreitung der Prüfkompetenz durch das Berufungsgericht. (T1)
  • 18 OCg 2/15s
    Entscheidungstext OGH 19.08.2015 18 OCg 2/15s
    Auch
  • 18 OCg 3/15p
    Entscheidungstext OGH 23.02.2016 18 OCg 3/15p
    Auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1998:RS0110126

Im RIS seit

04.06.1998

Zuletzt aktualisiert am

01.04.2016

Dokumentnummer

JJR_19980505_OGH0002_0030OB02372_96M0000_003

Rechtssatz für 6Ob242/98a 1Ob33/00k 4O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0110743

Geschäftszahl

6Ob242/98a; 1Ob33/00k; 4Ob199/00v; 5Ob131/02d; 3Ob221/04b; 8Ob60/05i; 3Ob242/05t; 7Ob236/05i; 3Ob211/05h; 3Ob49/06m; 1Ob13/07d; 2Ob50/08d; 9Ob53/08x; 9Ob70/10z; 7Ob200/10b; 3Ob38/11a; 9Ob34/10f; 3Ob65/11x; 3Ob186/11s; 2Ob9/12f; 1Ob180/12w; 2Ob206/12a; 9Ob27/12d; 6Ob138/13g; 2Ob238/13h; 2Ob22/14w; 8Ob28/15y; 8Ob53/15z; 18OCg2/15s; 7Ob142/15f; 3Ob208/15g; 18OCg3/15p; 18OCg2/16t; 18OCg6/16f; 3Ob10/17t; 1Ob24/18p

Entscheidungsdatum

24.09.1998

Norm

Verordnung (EG) Nr 44/2001 des Rates 32001R0044 Brüssel I-Verordnung (EuGVVO) Art34 Nr1
IPRG §6
Vollstreckungsvertrag Österreich - Jugoslawien betr Schiedssprüche und Schiedsvergleiche Art2 lite
UN-Übk über die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche ArtV Abs2 litb
ZPO §595 Abs1 Z6
ZPO §611 Abs2 Z5

Rechtssatz

Weil die ordre-public-Klausel eine systemwidrige Ausnahme darstellt, wird allgemein sparsamster Gebrauch gefordert, eine schlichte Unbilligkeit des Ergebnisses genügt ebensowenig wie der bloße Widerspruch zu zwingenden österreichischen Vorschriften. Gegenstand der Verletzung müssen vielmehr Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung sein. Zweite wesentliche Voraussetzung für das Eingreifen der Vorbehaltsklausel ist, dass das Ergebnis der Anwendung fremden Sachrechtes und nicht bloß dieses selbst anstößig ist und überdies eine ausreichende Inlandsbeziehung besteht.

Entscheidungstexte

  • 6 Ob 242/98a
    Entscheidungstext OGH 24.09.1998 6 Ob 242/98a
  • 1 Ob 33/00k
    Entscheidungstext OGH 28.03.2000 1 Ob 33/00k
    Auch; Beisatz: Eine Bestimmung des fremden Rechts ist nur dann nicht anzuwenden, wenn ihre Anwendung zu einem Ergebnis führte, das mit den Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung unvereinbar wäre (§ 6 IPRG). Schutzobjekt sind primär die Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung und nicht subjektive Rechtspositionen von Inländern. (T1)
    Beisatz: Hier: Heilung der (Formunwirksamkeit) Unwirksamkeit der Anerkenntniserklärung durch Zeitablauf nach deutschen BGB. (T2)
  • 4 Ob 199/00v
    Entscheidungstext OGH 13.09.2000 4 Ob 199/00v
    Auch; nur: Zweite wesentliche Voraussetzung für das Eingreifen der Vorbehaltsklausel ist, dass das Ergebnis der Anwendung fremden Sachrechtes und nicht bloß dieses selbst anstößig ist und überdies eine ausreichende Inlandsbeziehung besteht. (T3) Veröff: SZ 73/142
  • 5 Ob 131/02d
    Entscheidungstext OGH 25.06.2002 5 Ob 131/02d
    Auch; nur: Gegenstand der Verletzung müssen vielmehr Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung sein. Zweite wesentliche Voraussetzung für das Eingreifen der Vorbehaltsklausel ist, dass das Ergebnis der Anwendung fremden Sachrechtes und nicht bloß dieses selbst anstößig ist. (T4)
    Veröff: SZ 2002/89
  • 3 Ob 221/04b
    Entscheidungstext OGH 26.01.2005 3 Ob 221/04b
    Auch; nur: Weil die ordre-public-Klausel eine systemwidrige Ausnahme darstellt, wird allgemein sparsamster Gebrauch gefordert, eine schlichte Unbilligkeit des Ergebnisses genügt ebensowenig wie der bloße Widerspruch zu zwingenden österreichischen Vorschriften. Gegenstand der Verletzung müssen vielmehr Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung sein. (T5)
    Beisatz: Als vom ordre public erfasste Grundwertungen werden vor allem die tragenden Grundsätze der Bundesverfassung, aber auch des Strafrechts, des Privatrechts und des Prozessrechts verstanden werden müssen, wobei für die Vereinbarkeit nicht der Weg oder die Begründung, sondern das Ergebnis des Schiedsspruchs maßgeblich ist. (T6)
    Beisatz: Nicht ausreichend ist es, dass das Recht oder Rechtsverhältnis selbst dem ordre public widerspricht, es muss auch die Durchsetzung für die inländische Rechtsordnung untragbar sein. (T7)
    Veröff: SZ 2005/9
  • 8 Ob 60/05i
    Entscheidungstext OGH 30.05.2005 8 Ob 60/05i
  • 3 Ob 242/05t
    Entscheidungstext OGH 15.02.2006 3 Ob 242/05t
    nur: Zweite wesentliche Voraussetzung für das Eingreifen der Vorbehaltsklausel ist, dass das Ergebnis der Anwendung fremden Sachrechtes und nicht bloß dieses selbst anstößig ist. (T8)
  • 7 Ob 236/05i
    Entscheidungstext OGH 26.04.2006 7 Ob 236/05i
    nur T5
  • 3 Ob 211/05h
    Entscheidungstext OGH 26.04.2006 3 Ob 211/05h
    nur T5; Veröff: SZ 2006/65
  • 3 Ob 49/06m
    Entscheidungstext OGH 30.05.2006 3 Ob 49/06m
    Auch; nur T5; Beis wie T1 nur: Eine Bestimmung des fremden Rechts ist nur dann nicht anzuwenden wäre, wenn ihre Anwendung zu einem Ergebnis führte, das mit den Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung unvereinbar wäre. (T9)
  • 1 Ob 13/07d
    Entscheidungstext OGH 27.02.2007 1 Ob 13/07d
    Auch; Beis ähnlich wie T6
  • 2 Ob 50/08d
    Entscheidungstext OGH 10.04.2008 2 Ob 50/08d
    Auch; nur: Weil die ordre-public-Klausel eine systemwidrige Ausnahme darstellt, wird allgemein sparsamster Gebrauch gefordert. (T10)
  • 9 Ob 53/08x
    Entscheidungstext OGH 20.08.2008 9 Ob 53/08x
    Auch; Beisatz: Die „Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung" (ordre public) sind als Aufhebungsgrund äußerst sparsam einzusetzen: (T11)
    Beisatz: Hier: Aufhebung eines Schiedsspruchs nach § 595 Abs 1 Z 6 ZPO. (T12)
  • 9 Ob 70/10z
    Entscheidungstext OGH 22.10.2010 9 Ob 70/10z
    Auch; nur: Weil die ordre-public-Klausel eine systemwidrige Ausnahme darstellt, wird allgemein sparsamster Gebrauch gefordert, eine schlichte Unbilligkeit des Ergebnisses genügt ebensowenig wie der bloße Widerspruch zu zwingenden österreichischen Vorschriften. Gegenstand der Verletzung müssen vielmehr Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung sein. Zweite wesentliche Voraussetzung für das Eingreifen der Vorbehaltsklausel ist, dass das Ergebnis der Anwendung fremden Sachrechtes und nicht bloß dieses selbst anstößig ist. (T13)
    Beisatz: Die Unmöglichkeit der Adoption eines ausländischen Erwachsenen verstößt nicht schon per se gegen den ordre public. (T14)
  • 7 Ob 200/10b
    Entscheidungstext OGH 19.01.2011 7 Ob 200/10b
    Auch; Beisatz: Nach ständiger Rechtsprechung ist von der Anwendung der ordre‑public‑Klausel sparsamster Gebrauch zu machen, weil sie eine systemwidrige Ausnahme darstellt. Eine schlichte Unbilligkeit des Ergebnisses genügt ebenso wenig wie der bloße Widerspruch zu zwingenden österreichischen Vorschriften. Gegenstand der Verletzung müssen vielmehr Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung sein. (T15)
  • 3 Ob 38/11a
    Entscheidungstext OGH 22.03.2011 3 Ob 38/11a
  • 9 Ob 34/10f
    Entscheidungstext OGH 28.02.2011 9 Ob 34/10f
  • 3 Ob 65/11x
    Entscheidungstext OGH 24.08.2011 3 Ob 65/11x
    Auch; Veröff: SZ 2011/106
  • 3 Ob 186/11s
    Entscheidungstext OGH 12.10.2011 3 Ob 186/11s
    Auch; Beisatz: Worin diese ausreichende Inlandsbeziehung liegt, kann nur im Einzelfall bestimmt werden. Anhaltspunkte sind etwa gewöhnlicher Aufenthalt, Geburt oder Eheschließung im Inland, oder die österreichische Staatsangehörigkeit. Je stärker die Inlandsbeziehung, desto weniger werden befremdliche Ergebnisse der Anwendung ausländischen Rechts hingenommen, und umgekehrt. (T16)
    Veröff: SZ 2011/124
  • 2 Ob 9/12f
    Entscheidungstext OGH 28.03.2012 2 Ob 9/12f
    Auch; nur T8
  • 1 Ob 180/12w
    Entscheidungstext OGH 11.10.2012 1 Ob 180/12w
    Auch
  • 2 Ob 206/12a
    Entscheidungstext OGH 24.01.2013 2 Ob 206/12a
    Vgl auch; nur T5
  • 9 Ob 27/12d
    Entscheidungstext OGH 24.04.2013 9 Ob 27/12d
    nur T5; Beis wie T6; Beisatz: Hier: Überschreitung der Prüfkompetenz durch das Berufungsgericht. (T17)
  • 6 Ob 138/13g
    Entscheidungstext OGH 28.08.2013 6 Ob 138/13g
  • 2 Ob 238/13h
    Entscheidungstext OGH 27.11.2014 2 Ob 238/13h
    Auch; Beisatz: Hier: Anerkennung eines kenianischen Gerichtsbeschlusses betreffend Vaterschaftsanerkenntnis; kein Widerspruch zu ordre public (§ 6 IPRG). (T18)
    Veröff: SZ 2014/122
  • 2 Ob 22/14w
    Entscheidungstext OGH 18.02.2015 2 Ob 22/14w
    Vgl; Beisatz: Maßgebend ist das Ergebnis des Schiedsspruchs und nicht seine Begründung. (T19)
  • 8 Ob 28/15y
    Entscheidungstext OGH 24.03.2015 8 Ob 28/15y
    Auch; Beisatz: Die Verletzung des rechtlichen Gehörs ist eine besondere Ausprägung des verfahrensrechtlichen ordre public. (T20)
  • 8 Ob 53/15z
    Entscheidungstext OGH 27.05.2015 8 Ob 53/15z
    Auch; Beis wie T14
  • 18 OCg 2/15s
    Entscheidungstext OGH 19.08.2015 18 OCg 2/15s
    Auch
  • 7 Ob 142/15f
    Entscheidungstext OGH 16.10.2015 7 Ob 142/15f
  • 3 Ob 208/15g
    Entscheidungstext OGH 17.02.2016 3 Ob 208/15g
    Auch
  • 18 OCg 3/15p
    Entscheidungstext OGH 23.02.2016 18 OCg 3/15p
    Auch; Beisatz: Aufhebungsgrund des § 611 Abs 2 Z 2 ZPO nur verwirklicht, wenn Gehörverletzung im staatlichen Verfahren mit Nichtigkeit zu ahnden wäre oder wenn der Gehörentzug einem Nichtigkeitsgrund wertungsmäßig zumindest nahekommt. (T21)
  • 18 OCg 2/16t
    Entscheidungstext OGH 28.09.2016 18 OCg 2/16t
    Auch
  • 18 OCg 6/16f
    Entscheidungstext OGH 02.03.2017 18 OCg 6/16f
    Auch
  • 3 Ob 10/17t
    Entscheidungstext OGH 07.06.2017 3 Ob 10/17t
  • 1 Ob 24/18p
    Entscheidungstext OGH 21.03.2018 1 Ob 24/18p

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1998:RS0110743

Im RIS seit

24.10.1998

Zuletzt aktualisiert am

03.07.2018

Dokumentnummer

JJR_19980924_OGH0002_0060OB00242_98A0000_001

Rechtssatz für 1Ob214/00b 7Ob225/02t 1...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0114182

Geschäftszahl

1Ob214/00b; 7Ob225/02t; 1Ob149/06b; 6Ob279/07h; 10Ob3/12g; 1Ob9/12y; 18OCg2/15s; 5Ob95/18h

Entscheidungsdatum

06.10.2000

Norm

JN §56 Abs2

Rechtssatz

Geldgleiche Ansprüche sind nicht nach § 56 Abs 2 JN zu bewerten. Deren Streitwert entspricht vielmehr dem jeweiligen Geldbetrag, der ihnen zugrunde liegt (hier: Klage auf Widerruf des Abrufs einer Bankgarantie).

Entscheidungstexte

  • 1 Ob 214/00b
    Entscheidungstext OGH 06.10.2000 1 Ob 214/00b
  • 7 Ob 225/02t
    Entscheidungstext OGH 13.11.2002 7 Ob 225/02t
    Auch; nur: Geldgleiche Ansprüche sind nicht nach § 56 Abs 2 JN zu bewerten. Deren Streitwert entspricht vielmehr dem jeweiligen Geldbetrag, der ihnen zugrunde liegt. (T1)
  • 1 Ob 149/06b
    Entscheidungstext OGH 12.09.2006 1 Ob 149/06b
    Vgl aber; Beisatz: Liegt dem Feststellungsbegehren aber insofern keine ziffernmäßig bestimmte Forderung zu Grunde, als das Ausmaß des Ausfalls der Konkursforderung noch nicht feststeht, ist eine Bewertung durch das Berufungsgericht unumgänglich. (T2); Beisatz: Hier: Begehren auf Feststellung des Bestehens oder Nichtbestehens einer bestimmten Geldforderung. (T3)
  • 6 Ob 279/07h
    Entscheidungstext OGH 06.11.2008 6 Ob 279/07h
    Beisatz: Hier: Der Anspruch auf Beibringung einer Bankgarantie über einen bestimmten Geldbetrag ist ein geldgleicher Anspruch. (T4)
  • 10 Ob 3/12g
    Entscheidungstext OGH 14.02.2012 10 Ob 3/12g
    Vgl auch
  • 1 Ob 9/12y
    Entscheidungstext OGH 01.03.2012 1 Ob 9/12y
    Auch; nur T1
  • 18 OCg 2/15s
    Entscheidungstext OGH 19.08.2015 18 OCg 2/15s
    Auch; Beisatz: Hier: Klage auf Aufhebung eines Schiedsspruchs. (T5)
  • 5 Ob 95/18h
    Entscheidungstext OGH 12.06.2018 5 Ob 95/18h
    Vgl auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2000:RS0114182

Im RIS seit

05.11.2000

Zuletzt aktualisiert am

08.08.2018

Dokumentnummer

JJR_20001006_OGH0002_0010OB00214_00B0000_001

Entscheidungstext 18OCg2/15s

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

18OCg2/15s

Entscheidungsdatum

19.08.2015

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch die Vizepräsidentin Dr. Lovrek als Vorsitzende, die Hofräte Univ.-Prof. Dr. Neumayr, Dr. Veith und Dr. Musger sowie die Hofrätin Dr. Dehn als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei A***** GmbH, *****, vertreten durch Liebenwein Rechtsanwälte GmbH in Wien, gegen die beklagte Partei M***** Ltd., *****, vertreten durch Diwok Hermann Petsche Rechtsanwälte GmbH in Wien, wegen Aufhebung eines Schiedsspruchs (Streitwert: 16.035.620,68 EUR sA), nach öffentlicher mündlicher Verhandlung zu Recht erkannt:

Spruch

 

Das Begehren der klagenden Partei, den Schiedsspruch des Internationalen Schiedsgerichts der Wirtschaftskammer Wien zur Geschäftszahl ***** vom 3. 12. 2014, mit dem das Klagebegehren der klagenden Partei abgewiesen sowie die klagende Partei verpflichtet worden sei, der beklagten Partei einen Kostenbeitrag in Höhe von 131.607,35 EUR sowie 1.106.506,75 EUR zu ersetzen, zur Gänze aufzuheben, wird abgewiesen.

Die klagende Partei ist schuldig, der beklagten Partei binnen 14 Tagen die mit 45.760,98 EUR (darin 4 EUR Barauslagen; 7.626,83 EUR USt) bestimmten Verfahrens-kosten zu ersetzen.

Text

Entscheidungsgründe:

I. Die Klägerin ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit Sitz in der politischen Gemeinde *****, die bis 15. 11. 2014 unter der Firma G***** Beteiligungs GmbH mit Sitz in Wien firmierte. Die Beklagte ist eine in Malaysien börsennotierte Gesellschaft.

Am 22. 6. 2012 brachte die Klägerin gegen die Beklagte beim Internationalen Schiedsgericht der Wirtschaftskammer Österreich (VIAC) zur Geschäftszahl ***** eine Schiedsklage zur Durchsetzung von Ansprüchen in Höhe von zuletzt 16.035.620,68 EUR sA aus dem Erwerb einer international tätigen Unternehmensgruppe ein.

Unstrittig ist, dass von 12. bis 14. 2. 2014 eine dreitägige Schiedsverhandlung stattfand und das Schiedsgericht in der Folge die Erlassung des Schiedsspruchs ankündigte. Im Anschluss an die Verhandlung führten die Streitteile Vergleichsgespräche. Am 27. 5. 2014 ersuchten sie deshalb das Schiedsgericht, keinen Schiedsspruch auszufertigen. Das Schiedsgericht nahm dies zur Kenntnis und teilte mit, dass der Schiedsspruch zwischenzeitig beim VIAC hinterlegt werde.

Am 4. 9. 2014 übermittelte die Beklagte der Klägerin einen gegenüber dem ursprünglichen Entwurf abgeänderten Vergleichsentwurf mit einer Vergleichssumme von 4,5 Mio EUR und einer Annahmefrist bis 15. 9. 2014, 17.00h.

Am 12. 9. 2014 schlug die Klägerin der Beklagten einen Vergleichsbetrag von 5 Mio EUR samt Zinsen und eine Annahmefrist bis 15. 9. 2014, 13.00h, vor.

Am 15. 9. 2014 war der Rechtsvertreter mit dem Abschluss eines Vergleichs mit dieser Summe einverstanden. Strittig blieb, ob die Wirksamkeit des Vergleichs noch von der Unterfertigung durch die Beklagte abhängig sein sollte. Angesichts des nahenden Fristablaufs teilte die Klägerin der Beklagten um 17.00h mit, über die Akzeptanz der Beklagten hinsichtlich eines Vergleichsbetrags von 5 Mio EUR plus Zinsen informiert worden zu sein, das Angebot anzunehmen und eine unterfertigte Version des Entwurfs mit dem abgeänderten Vergleichsbetrag zu übermitteln. Für den Fall, dass das kommunizierte Angebot ein Missverständnis gewesen sei, werde das Angebot über 4,5 Mio EUR, wie es am 4. 9. 2014 übermittelt worden sei, in allen Punkten angenommen und eine unterfertigte Version dieses Entwurfs übermittelt.

Am 26. 9. 2014 übersandte die Beklagte den gegengefertigten Vergleichsentwurf über 4,5 Mio EUR an die Klägerin.

Am 1. 10. 2014 fragte das Schiedsgericht nach dem Stand der Verhandlungen.

Aufgrund der unterschiedlichen Erklärungen der Parteien trug das Schiedsgericht den Streitteilen mit der 10. Verfahrensverfügung vom 24. 10. 2014 auf, ihre Standpunkte betreffend den Vergleichsabschluss über 4,5 Mio EUR final darzulegen, sodass die weitere Vorgehensweise betreffend den Schiedsspruch festgelegt werden könne.

In ihrer Stellungnahme vom 7. 11. 2014 teilte die Klägerin mit, dass ein Vergleich erzielt worden sei und sie sich gegen die Erlassung eines Schiedsspruchs ausspreche, während die Beklagte in ihrer Stellungnahme vom selben Tag bekannt gab, dass kein Vergleich erzielt worden sei und sie um Erlassung des Schiedsspruchs ersuche.

Mit Schiedsspruch vom 3. 12. 2014 wies das Schiedsgericht das Schiedsklagebegehren ab und verpflichtete die Klägerin, die Kosten des Schiedsverfahrens in Höhe von 275.118,21 EUR zu tragen und der Beklagten die im Zusammenhang mit dem Schiedsverfahren entstandenen Kosten in Höhe von 1.106.506,75 EUR zu ersetzen.

II. Mit ihrer Aufhebungsklage vom 27. 2. 2015 begehrte die Klägerin die gänzliche Aufhebung des Schiedsspruchs und brachte zusammengefasst vor:

Das Schiedsgericht habe der Klägerin das rechtliche Gehör (§ 611 Abs 2 Z 2 ZPO) entzogen, weil es entgegen der in der 10. Verfahrensanordnung angekündigten Vorgehensweise seine Rechtsansicht nicht mehr mitgeteilt und keine Entscheidung über die weiteren Schritte bekannt gegeben habe, sondern ohne weitere Offenlegung seiner Rechtsansicht und der beabsichtigten Vorgehensweise und ohne Einräumung einer Möglichkeit zur Stellungnahme dazu den Schiedsspruch erlassen habe. Es habe auch außer Acht gelassen, dass bereits eine neue Schiedsklage eingebracht worden sei, worüber es zeitgerecht in Kenntnis gesetzt worden sei. Das Schiedsgericht habe dadurch zudem das Verbot der Überraschungsentscheidung verletzt und der Klägerin die Möglichkeit genommen, ihre Angriffs- bzw Verteidigungsrechte wahrzunehmen.

Das Schiedsgericht habe auch seine Entscheidungskompetenzen überschritten (§ 611 Abs 2 Z 3 ZPO), weil es nach Einholung der Stellungnahmen und trotz Kenntnis des beiderseitigen Vergleichs, insbesondere der darin getroffenen Kostenregelungen, den Schiedsspruch erlassen habe. Das Schiedsgericht habe weder die Kostenentscheidung vorbehalten noch berücksichtigt, dass bei einem Obsiegen der Klägerin im zweiten Schiedsverfahren widersprüchliche Urteile vorliegen würden. Korrekterweise hätte es das Verfahren bis zur rechtskräftigen Entscheidung über die zweite Schiedsklage unterbrechen müssen.

Das Schiedsverfahren sei aus diesen Gründen auch ordre public-widrig (§ 611 Abs 2 Z 5 ZPO). Das Schiedsgericht habe gegen die zwingende Verfahrensvorschrift des Verbots verstoßen, dem Schiedsspruch Tatsachen und Beweisergebnisse zugrunde zu legen, zu denen sich die Parteien nicht äußern konnten.

Der Schiedsspruch verstoße schließlich gegen Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung iSd § 611 Abs 2 Z 8 ZPO, weil der Klägerin keine Möglichkeit der Äußerung zur Rechtsansicht des Schiedsgerichts gegeben worden sei.

Die Beklagte bestritt, beantragte Klagsabweisung und wandte zusammengefasst ein: Die Klage sei unschlüssig, weil die Klägerin die Aufhebung des gesamten Schiedsspruchs begehre, obwohl sie behaupte, dass ein Betrag von 4,5 Mio EUR verglichen worden sei.

Das rechtliche Gehör sei nicht verletzt worden. Das Schiedsgericht habe den Parteien gerade die Möglichkeit eingeräumt, zu den klagerelevanten Themen Stellung zu nehmen, sodass auch keine Überraschungsentscheidung vorliege. Umso weniger liege eine Verletzung des verfahrensrechtlichen ordre public vor. Dass das Schiedsgericht seine Entscheidung den Parteien nochmals kommunizieren hätte wollen, gehe aus der Verfügung Nr 10 nicht hervor. Dass es nicht dem Antrag der Klägerin auf Verfahrensaussetzung gefolgt sei, sei in seinem Ermessen gestanden, habe eine massive Verzögerung des Schiedsverfahrens vermieden und sei auch nicht ordre public-widrig. Das Vorbringen der Parteien in Bezug auf die Vergleichsgespräche sei im Schiedsspruch umfangreich gewürdigt worden. Es liege auch keine Kompetenzüberschreitung des Schiedsgerichts vor. Die Klägerin habe im Schiedsverfahren zu keinem Zeitpunkt eine solche Einrede erhoben, sondern selbst nach dem behaupteten Vergleichsabschluss noch eine - die Zuständigkeit des Schiedsgerichts voraussetzende - Verfahrensunterbrechung beantragt, sodass eine Unzuständigkeit nicht mehr geltend gemacht werden könne. Das Schiedsgericht habe aber ohnehin weder die Reichweite der Schiedsvereinbarung noch die von den Parteien gestellten Sachanträge überschritten, sondern lediglich über die geltend gemachten Ansprüche entschieden. Die Klägerin habe ihre Sachanträge im Hinblick auf den vermeintlichen Vergleich auch nicht geändert. Im Übrigen sei anerkannt, dass ein Schiedsgericht über seine Zuständigkeit selbst zu entscheiden habe. Schließlich liege keine Verletzung des materiell-rechtlichen ordre public vor. Er könne durch ein angeblich mangelhaftes Verfahren auch nicht verletzt werden.

 

III. Feststellungen

Nach Einsichtnahme und Darlegung der vorgelegten Urkunden steht über den eingangs wiedergegebenen unstrittigen Sachverhalt fest:

 

1. Zum Verlauf des Schiedsverfahrens

1.1. Die prozessleitende Verfügung des Schiedsgerichts vom 24. 10. 2014 Nr 10 (Beil ./D) lautet auszugsweise:

„I. VORBEMERKUNGEN

4. Am 1. Oktober 2014 fragte das Schiedsgericht nach dem Stand der Verhandlungen.

5. Am 6. Oktober 2014 gab die Schiedsklägerin gewisse Erklärungen ab und lieferte gewisse Informationen über die Verhandlungen.

6. Am 7. Oktober 2014 schrieb das Schiedsgericht, dass es - nach der Nachricht der Schiedsklägerin vom 6. Oktober 2014 zu schließen - den Anschein hatte, dass die Streitigkeit noch nicht endgültig beigelegt sei. Es forderte die Parteien auf, 'bis Freitag, 28. November 2014, bekanntzugeben, ob ein endgültiger Vergleich erzielt wurde und sie das Schiedsverfahen zu beenden wünschen. Mangels einer dahingehenden Nachricht wird das Schiedsgericht die Verfahrensschritte unternehmen, welche es für geeignet hält.'

7. Am 14. Oktober 2014 legte die Schiedsklägerin eine E-Mail vor, in der sie unter Anderem mitteilte, dass ein Vergleich erzielt wurde und dass sie sich gegen die Erlassung eines Schiedsspruchs ausspreche. Die Schiedsklägerin legte eine Vergleichsvereinbarung und weitere E-Mail-Korrespondenz betreffend eine solche Vereinbarung vor.

8. Am 22. Oktober 2014 erstattete die Schiedsbeklagte ein Vorbringen, in dem es unter Anderem hieß, es sei kein Vergleich erzielt worden, und sie ersuchte um Erlassung des Schiedsspruchs.

9. Am 24. Oktober 2014 erstattete die Schiedsklägerin ein weiteres Vorbringen, in dem es unter Anderem hieß, die Parteien hätten eine gültige Vergleichsvereinbarung abgeschlossen.

II. VERFÜGUNG

10. Das Schiedsverfahren wird hiermit zu dem beschränkten Zweck wiedereröffnet, dass es den Parteien ermöglicht wird, Vorbringen betreffend einen möglichen Vergleich zwischen ihnen zu erstatten.

11. Die Parteien werden eingeladen, bis Freitag, 7. November 2014, zu den Fragen in Punkt 12 dieser Prozessleitenden Verfügung Nr 10 Stellung zu nehmen - oder nähere Ausführungen zu ihren jeweiligen Stellungnahmen vom 6., 14., 22. und 24. Oktober 2014 zu übermitteln. Als Teil ihrer Vorbringen dürfen die Parteien alle Beweismaterialien und rechtlichen Materialien vorlegen, die sie für notwendig halten, einschließlich schriftlicher Zeugenaussagen, Beweisstücke faktischer Natur und Beweisstücke rechtlicher Natur. Das Schiedsgericht beabsichtigt in jedem Fall, die Stellungnahmen der Parteien in ihrer Korrespondenz vom 6., 14., 22. und 24. Oktober 2014 zu berücksichtigen (es sei denn, eine der Parteien spricht sich jeweils begründet gegen diese Korrespondenz aus, in welchem Fall das Schiedsgericht zunächst eine Entscheidung über den Einspruch treffen wird). Beweisstücke faktischer Natur, welche am 6., 14., 22., und 24. Oktober 2014 vorgelegt wurden, sind der guten Ordnung halber gemäß Prozessleitender Verfügung Nr 1 neuerlich als Beilagen vorzulegen.

12. Zu beantwortende Fragen:

(1) Gibt es eine gültige Vergleichsvereinbarung, in der die Parteien übereingekommen sind, das anhängige Schiedsverfahren zu beenden?

(2) Wenn es eine Vergleichsvereinbarung gibt, was sind die allfälligen Zahlungsverpflichtungen der Parteien gemäß dieser?

(3) Hat dieses Schiedsgericht Zuständigkeit zu Frage (1) und/oder Frage (2) zu befinden und eine Entscheidung oder einen Schiedsspruch hierüber zu erlassen?

(4) Darf und/oder soll das Schiedsgericht den Schiedsspruch in dieser Schiedssache wie beim VIAC hinterlegt erlassen und keine Anpassung auf Grund der bestrittenen Vergleichsvereinbarung vornehmen?

13. Nach Erhalt der Vorbringen der Parteien wird das Schiedsgericht zu gegebener Zeit über weitere Verfahrensschritte entscheiden. Die Parteien werden ersucht, in der Zwischenzeit von unaufgeforderten Vorbringen Abstand zu nehmen.“

1.2. In ihrer Stellungnahme vom 7. 11. 2014 gab die Klägerin bekannt, dass für alle Streitigkeiten aus der Vergleichsvereinbarung einschließlich Streitigkeiten aus ihrer Gültigkeit gemäß der in der Vergleichsvereinbarung unterfertigten Schiedsklausel ein gesondertes Schiedsgericht zu entscheiden habe. Der Oberste Gerichtshof vertrete, dass die Parteien gehindert seien, sich auf die Schiedsklausel des (ersten) ursprünglichen Vertrags zu stützen, wenn sie Forderungen auf der Basis der Vergleichsvereinbarung geltend machten. Das angerufene Schiedsgericht habe daher keine Zuständigkeit, zu Frage (1) und (2) zu befinden und einen Schiedsspruch darüber zu erlassen.

Zum Vergleichsabschluss legte die Klägerin den Ablauf der Ereignisse zu den Vergleichsverhandlungen dar. Daraus gehe hervor, dass der Anwalt der Schiedsbeklagten am 4. 9. 2014 einen Entwurf der Vergleichsvereinbarung mit einem Vergleichsbetrag von 4,5 Mio EUR mit einer Annahmefrist bis zum 15. 9. 2014, 17.00h vorgelegt habe. Bei einer Folgebesprechung sei vereinbart worden, dass jeder Anwalt an seine Mandantschaft zur Klärung herantreten würde, ob alle Angelegenheiten zwischen den Parteien beigelegt werden könnten, wenn die Beklagte zur Akzeptanz eines Vergleichsbetrags von 5 Mio EUR plus die auf dem Treuhandkonto aufgelaufenen Zinsen bis 15. 9. 2014, 13.00h, bereit sei. Die Schiedsbeklagte sei am 15. 9. 2014 um 14.50h erreicht worden und habe die Bereitschaft dafür unter der Voraussetzung zugesagt, dass der Vergleich auch eine bestimmte Steuerforderung umfasse. Der Klagsanwalt habe dies bestätigt. Im Zuge der schriftlichen Bestätigungen habe die Beklagte erstmals erwähnt, dass der Vergleich „vorbehaltlich der Unterfertigung“ sei. Die Klägerin habe daraufhin aus Vorsicht den angebotenen Vergleich über 5 Mio EUR samt Zinsen per E-Mail akzeptiert. Für den Fall, dass das kommunizierte Angebot ein Missverständnis gewesen sei, „verständigt Sie unsere Mandantschaft hiermit binnen offener Frist, dass das Angebot Ihrer Mandantschaft zur endgültigen Bereinigung und zum Vergleich dieser Sache zwischen den Parteien, wie es als Anhang zur E-Mail von Dr. R***** vom 4. 9. 2014 übermittelt wurde, in allen Punkten angenommen wird. Beigeschlossen übermitteln wir eine unterfertigte Version des Entwurfs der Vergleichsvereinbarung, welcher von Dr. R***** am 4. 9. 2014 vorgelegt wurde“. Am 26. 9. 2014 habe der Anwalt der Schiedsbeklagten eine auch von der Schiedsbeklagten unterfertigte Ausfertigung der Vergleichsvereinbarung mit einem Vergleichsbetrag von 4,5 Mio EUR geschickt. Es sei daher die Vereinbarung von über 4,5 Mio EUR plus auf dem Treuhandkonto aufgelaufenen Zinsen geschlossen worden, die gültig und durchsetzbar sei. Das Schiedsgericht sei nicht berechtigt, den endgültigen Schiedsspruch zu erlassen, weil die Parteien einerseits eine gültige Vergleichsvereinbarung zur Beendigung des Schiedsverfahrens abgeschlossen hätten und das Schiedsgericht andererseits keine Zuständigkeit über Streitigkeiten betreffend die Gültigkeit der zwischen den Parteien geschlossenen Vergleichsvereinbarung habe. Es werde die Erlassung der Verfügung beantragt, dass der hinterlegte Schiedsspruch nicht erlassen werde, ehe nicht eine endgültige Entscheidung über den Vergleich zwischen den Parteien ergangen sei; dies in eventu unter der Voraussetzung, dass die Schiedsklägerin innerhalb von vier Wochen ab Erhalt dieser Verfügung ein Verfahren betreffend eine solche Entscheidung anstrenge.

1.3. Die Beklagte gab in ihrer Stellungnahme vom 7. 11. 2014 (Beil ./F) bekannt, dass es keine gültige Schiedsvereinbarung gebe, weil keine Einigung über den Vergleichsbetrag zustande gekommen sei. Selbst die Klägerin habe dem Schiedsgericht am 6. 10. 2014 mitgeteilt, dass zwar ein Vergleich erzielt worden sei, der Vergleichsbetrag jedoch strittig sei und die Parteien unterschiedlicher Auffassung darüber seien, welches Vergleichsangebot gültig angenommen worden sei. Eine Vergleichsvereinbarung über 5 Mio EUR sei von der Beklagten selbst nicht unterfertigt worden. Die von ihr unterfertigte Vergleichsvereinbarung über 4,5 Mio EUR habe die Klägerin als „strittig“ erachtet, sodass die Beklagte daran nicht gebunden sei. Das Schiedsgericht habe keine Zuständigkeit zur Entscheidung über allfällige Zahlungsverpflichtungen, wenn es eine Vergleichsvereinbarung gäbe, was aber bestritten werde. Mangels Einigung der Parteien über den Bestand der Vergleichsvereinbarung und folglich über die Beendigung des Schiedsverfahrens solle das Schiedsgericht mit der Entscheidung in der ihm vorgelegten Streitigkeit fortfahren und den hinterlegten Schiedsspruch erlassen.

2. Zur Begründung des Schiedsspruchs

In seinem mit 3. 12. 2014 datierten Schiedsspruch hielt das Schiedsgericht unter Wiedergabe des Verfahrensverlaufs fest, beide Parteien hätten festgestellt, dass der Schiedsrichtersenat zur Beurteilung, ob ein Vergleich abgeschlossen worden sei oder ob eine Forderung gemäß einer solchen Vergleichsvereinbarung gegeben sei, nicht zuständig sei. Der Kläger habe in seiner Stellungnahme klargestellt, dass er etwaige Forderungen daraus in einem eigenen Verfahren und nicht vor diesem Schiedsrichtersenat verfolgen wolle. Nach dem Vorbringen der Parteien vom 7. 11. 2014 habe sich die Verfahrenssituation so dargestellt, dass das gemeinsame Ersuchen der Parteien vom 27. 5. 2014 zur Aussetzung der Schiedsgerichtsbarkeit und Hinausschiebung der Erlassung des Endschiedsspruchs nicht mehr wirksam gewesen sei. Nur noch die Klägerin habe die Fortsetzung der Aussetzung beantragt, die die Beklagte abgelehnt habe. In dieser Situation habe der Schiedsrichtersenat keine andere Wahl als die Zurückweisung der Anträge der Klägerin gehabt. Da keine der Parteien eine Entscheidung des Schiedsrichtersenats über den Vergleich wünsche, müsse er seinem Auftrag nachkommen und einen Endschiedsspruch in der vorliegenden Streitigkeit erlassen. Um jeden Zweifel auszuschließen, sei festzustellen, dass der Endschiedsspruch nicht vorgebe, eine präjudizielle oder ausschließende Wirkung auf Forderungen aus oder im Zusammenhang mit der angeblichen Vergleichsvereinbarung zu haben (Endschiedsspruch Beil ./H, Pkt. 81. bis 85.).

 

IV. Beweiswürdigung

Die Feststellungen beruhen auf den genannten Urkunden, deren Echtheit und Richtigkeit von den Streitteilen nicht bestritten wurden und vom erkennenden Senat nicht in Zweifel zu ziehen waren.

 

Rechtliche Beurteilung

V. Rechtliche Beurteilung

1. Zu einer Verletzung des rechtlichen Gehörs

Die Klägerin beruft sich auf eine Verletzung ihres rechtlichen Gehörs, weil das Schiedsgericht entgegen seiner 10. Verfahrensanordnung seine Rechtsansicht und die beabsichtigte Vorgangsweise nicht offengelegt habe und, ohne der Klägerin Gelegenheit zur Stellungnahme dazu zu geben, den Schiedsspruch erlassen habe.

Gemäß § 611 Abs 2 Z 2 ZPO ist ein Schiedsspruch aufzuheben, wenn eine Partei von der Bestellung eines Schiedsrichters oder vom Schiedsverfahren nicht gehörig in Kenntnis gesetzt wurde oder sie aus einem anderen Grund ihre Angriffs- oder Verteidigungsmittel nicht geltend machen konnte.

Nach ständiger Rechtsprechung ist ein Schiedsspruch aus diesem Grund nur dann anfechtbar, wenn einer Partei das rechtliche Gehör überhaupt nicht gewährt wurde. Eine mangelhafte Erörterung rechtserheblicher Tatsachen erfüllt den Aufhebungsgrund noch nicht (s RIS-Justiz RS0045092; zuletzt etwa 18 OCg 2/14i; Hausmaninger in Fasching/Konecny, ZPG IV/22 § 611 Rz 124 mwN).

Ob der Kritik an dieser Rechtsprechung (grundlegend Reiner, Schiedsverfahren und rechtliches Gehör, ZfRV 2003, 52 [59 ff]; weitere Nachweise bei Schett, Ein Schritt des OGH am langen Weg zum rechtlichen Gehör im Schiedsverfahren, ecolex 2013, 628 [FN 11]) Berechtigung zukommt, kann im vorliegenden Verfahren - wie schon in bisherigen Entscheidungen (s 18 OCg 2/14i mwN) - dahingestellt bleiben. Denn entgegen der Behauptung der Klägerin trifft es nicht zu, dass das Schiedsgericht entgegen seiner 10. Verfahrensanordnung seine Rechtsansicht und die beabsichtigte Vorgangsweise nicht offengelegt und den Schiedsspruch erlassen habe, ohne der Klägerin Gelegenheit zur Stellungnahme dazu zu geben:

Den Streitteilen musste schon aufgrund der infolge ihres Ersuchens vom 27. 5. 2014 erfolgten Mitteilung des Schiedsgerichts bewusst sein, dass das Schiedsgericht das Beweisverfahren grundsätzlich als abgeschlossen betrachtete, weil es seinen Schiedsspruch beim VIAC hinterlegt und nur aufgrund der Vergleichsgespräche der Streitteile nicht an sie ausgefertigt hatte. Die Streitteile wurden am 1. 10. 2014 über den Stand der Vergleichsgespräche befragt und hatten mehrfach Gelegenheit zur Stellungnahme dazu. Mit der prozessleitenden Verfügung vom 24. 10. 2014 legte das Schiedsgericht auch offen, das Schiedsverfahren nur zu dem beschränkten Zweck wiederzueröffnen, dass die Streitteile Vorbringen betreffend einen möglichen Vergleich erstatten konnten. Die Streitteile nahmen die ihnen damit eingeräumte Gelegenheit zur Äußerung auch wahr. Der Klägerin konnte danach aber nicht verborgen sein, dass auch eine Beendigung des Schiedsverfahrens durch Fällung des Schiedsspruchs im Raum stand. Wie dargelegt, war das Beweisverfahren bereits seit längerem abgeschlossen. Die Klägerin zweifelte selbst nach dem aus ihrer Sicht erfolgten Vergleichsabschluss die Zuständigkeit des Schiedsgerichts nicht an, sondern ersuchte das Schiedsgericht lediglich um Verfahrensunterbrechung. Schließlich ersuchte auch die Beklagte aufgrund ihres Standpunkts, dass keine vergleichsweise Bereinigung der Streitsache erfolgt sei, um Erlassung des hinterlegten Schiedsspruchs. Damit ist aber in keiner Weise ersichtlich, inwieweit der Klägerin mit der Vorgangsweise des Schiedsgerichts eine Äußerungsmöglichkeit entzogen worden sein könnte.

Nichts anderes gilt für das Vorbringen der Klägerin, von der Entscheidung des Schiedsgerichts überrascht worden zu sein.

2. Zu einer Kompetenzüberschreitung des Schiedsgerichts

Gemäß § 611 Abs 2 Z 3 ZPO ist ein Schiedsspruch aufzuheben, wenn er eine Streitigkeit betrifft, für welche die Schiedsvereinbarung nicht gilt, oder er Entscheidungen enthält, welche die Grenze der Schiedsvereinbarung oder das Rechtsschutzbegehren der Parteien überschreiten; betrifft der Mangel nur einen trennbaren Teil des Schiedsspruchs, so ist dieser Teil aufzuheben.

Mit ihrem Vorbringen, das Schiedsgericht habe mit der Erlassung des Schiedsspruchs seine Kompetenzen überschritten, verkennt die Klägerin den Regelungsgehalt dieser Bestimmung. Mit ihr wird klargestellt, dass nicht nur das Fehlen einer Schiedsvereinbarung (§ 611 Abs 2 Z 1 ZPO), sondern auch das Überschreiten der Sachanträge der Parteien durch das Schiedsgericht zur Aufhebung des Schiedsspruchs führen kann (s Zeiler, Schiedsverfahren2 § 611 Rz 19 aE; Hausmaninger in Fasching/Konecny, ZPG2 IV/2 § 611 Rz 144; Rechberger in Rechberger, ZPO4 § 611 Rz 6). Ob das Schiedsgericht seine durch die Rechtsschutzanträge abgesteckten Befugnisse überschreitet, ist eine Frage des Streitgegenstands des Schiedsverfahrens (Zeiler aaO, Rz 20). Dieser bestimmt sich aber nach dem Inhalt der Schiedsklage und allfälligen späteren Parteiendispositionen darüber (Klageausdehnung oder -einschränkung; Widerklage).

Im vorliegenden Fall behauptet die Klägerin nicht, dass das Schiedsgericht einen über ihr - auch nach dem vorgebrachten Vergleichsabschluss nicht geänderten -
Begehren hinausgehenden Schiedsspruch erlassen hätte. Vielmehr vertrat sie gegenüber dem Schiedsgericht in ihrer Stellungnahme vom 7. 11. 2014 die Ansicht, dass das Schiedsgericht keine Zuständigkeit für Streitigkeiten über die Gültigkeit der Vergleichsvereinbarung habe, sodass das Schiedsgericht über dessen Gültigkeit auch nicht befinden könnte. Ihr Vorbringen scheint aber von der Vorstellung getragen zu sein, dass das Schiedsgericht deshalb keinen Schiedsspruch erlassen hätte dürfen, weil mit der Feststellung einer gültigen Vergleichsvereinbarung durch ein weiteres Schiedsgericht die Klagsansprüche des hier verfahrensgegenständlichen Schiedsverfahrens bereinigt wären. Auch damit läge aber keine Überschreitung des vorliegenden Entscheidungsgegenstands iSd § 611 Abs 2 Z 3 ZPO vor, weil ein materiell-rechtliches Erlöschen eines Anspruchs noch nicht die verfahrensrechtliche Kompetenz, über seine Berechtigung zu entscheiden, beseitigt.

Die Klägerin scheint sich primär auch nur dagegen zu richten, dass das Schiedsgericht entgegen ihrem Antrag das Schiedsverfahren nicht unterbrochen und den Ausgang des zweiten Schiedsverfahrens über die Gültigkeit des Vergleichs nicht abgewartet hat.

Die Ablehnung einer nicht zwingend angeordneten Unterbrechung des Verfahrens begründet selbst in der staatlichen Gerichtsbarkeit keinen anfechtbaren Verfahrensmangel (§ 192 Abs 2 ZPO; s dazu Fucik in Rechberger, ZPO4 § 192 Rz 2 mwN). Damit ist aber von vornherein in dem Fall, dass ein Schiedsgericht eine solche Unterbrechung ablehnt und das Schiedsverfahren fortführt, ein Aufhebungsgrund iSd § 611 ZPO zu verneinen.

3. Zu einer Verletzung des verfahrensrechtlichen ordre public

Gemäß § 611 Abs 2 Z 5 ZPO ist ein Schiedsspruch aufzuheben, wenn das Schiedsverfahren in einer Weise durchgeführt wurde, die Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung (ordre public) widerspricht.

Von der ordre public-Klausel ist allgemein sparsamster Gebrauch zu machen; eine schlichte Unbilligkeit des Ergebnisses genügt ebenso wenig wie der bloße Widerspruch zu zwingenden österreichischen Vorschriften. Gegenstand der Verletzung müssen vielmehr Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung sein (s RIS-Justiz RS0110743; RS0110126). Unter den Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung werden vor allem die tragenden Grundsätze der Bundesverfassung, des Strafrechts, Privatrechts und Prozessrechts, aber auch des öffentlichen Rechts verstanden. Maßgebend für die durch die ordentlichen Gerichte in diesem Rahmen mögliche Überprüfung ist nicht die Begründung, sondern das Ergebnis des Schiedsspruchs. Der Kreis der durch die Rechtsordnung geschützten Grundwertungen ist auch enger als der Bereich zwingenden Rechts (RIS-Justiz RS0110125).

Die Klägerin sieht einen Verstoß des Schiedsgerichts gegen zwingende Verfahrensvorschriften darin, dass das Schiedsgericht dem Schiedsspruch Tatsachen und Beweisergebnisse zugrunde gelegt habe, zu denen sich die Parteien nicht äußern hätten können.

Dass dies nicht der Fall ist, wurde bereits unter Punkt 1. dargelegt. Auch ein Aufhebungsgrund iSd § 611 Abs 2 Z 5 ZPO ist danach nicht verwirklicht.

4. Zu einer Verletzung des materiellrechtlichen ordre public

Die Klägerin beruft sich schließlich auf eine Verletzung der Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung iSd § 611 Abs 2 Z 8 ZPO, weil ihr keine Möglichkeit eingeräumt worden sei, sich zur Rechtsansicht des Schiedsgerichts zu äußern.

Damit bemängelt die Klägerin erneut die Verfahrensführung des Schiedsgerichts im Sinne einer Gehörverletzung, wozu bereits unter Punkt 1. Stellung genommen wurde. Eine Verletzung materieller Grundwertungen der österreichischen Rechtsordnung ist hier nicht ersichtlich.

5. Da die Klägerin zusammenfassend keine Gründe aufzeigt, die eine Aufhebung des angefochtenen Schiedsspruchs rechtfertigen könnten, ist ihre Klage abzuweisen.

 

VI. Die Kostenentscheidung beruht auf § 41 ZPO und erfolgte auf Basis eines Streitwerts von 16.035.620,68 EUR:

Bemessungsgrundlage des honorarrechtlichen Streitwerts im Zivilprozess ist der Wert des Streitgegenstands iSd §§ 54 ff JN (§§ 3, 4 RATG). Besteht der Streitgegenstand in einem Geldbetrag, so bestimmt die begehrte Geldsumme (als Kapitalbetrag) den Streitwert. Eine Bewertung durch den Kläger iSd § 56 Abs 2 JN kommt nicht in Betracht (s nur Mayr in Rechberger, ZPO4 § 56 JN Rz 1). Auch geldgleiche Ansprüche sind nicht nach § 56 Abs 2 JN zu bewerten. Bei diesen hat das Klagebegehren zwar nicht unmittelbar die Leistung einer Geldsumme zum Gegenstand; ihm liegt jedoch eine ziffernmäßige Forderung zugrunde, die bei der Bewertung des Streitgegenstands heranzuziehen ist (s RIS-Justiz RS0114182; Gitschthaler in Fasching/Konecny, ZPG I3 § 56 JN Rz 9; Mayr in Rechberger, ZPO4 aaO Rz 2; Obermaier, Kostenhandbuch2 Rz 569; jeweils mit zahlreichen Beispielen).

Auch ein iSd § 611 Abs 1 ZPO gestelltes Klagebegehren auf Aufhebung eines solchen Schiedsspruchs, mit dem über ein auf Zahlung gerichtetes Begehren abgesprochen wurde, hat nicht unmittelbar eine Geldsumme zum Gegenstand. Da aber dem Begehren des Aufhebungsverfahrens die schiedsverfahrensgegenständliche Geldforderung in ihrer Gesamthöhe zugrunde liegt, ist auch hier im Sinne der genannten Rechtsprechung von einem geldgleichen Anspruch auszugehen, der sich einer eigenständigen Bewertung des Aufhebungsklägers entzieht.

Sowohl nach dem Klagevorbringen als auch nach ausdrücklicher Erörterung des Verfahrensgegenstands in der mündlichen Streitverhandlung (Protokoll ON 8), die erforderlich wurde, weil die Klägerin den Streitwert in der Klage trotz des gestellten Begehrens auf Aufhebung des gesamten Schiedsspruchs mit (bloß) 4.500.000 EUR bezifferte, war Gegenstand der Aufhebungsklage die Aufhebung des gesamten Schiedsspruchs. Da mit diesem das Begehren der Klägerin auf Zuspruch von 16.035.620,68 EUR abgewiesen wurde, stellt somit dieser Betrag zugleich den Wert des Streitgegenstands der Aufhebungsklage dar. Die von der Klägerin vorgenommene Bezifferung des Streitwerts mit 4.500.000 EUR ist danach unbeachtlich.

Schlagworte

Schiedsverfahren

Textnummer

E111978

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2015:018OCG00002.15S.0819.000

Im RIS seit

10.09.2015

Zuletzt aktualisiert am

10.09.2015

Dokumentnummer

JJT_20150819_OGH0002_018OCG00002_15S0000_000