Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 4Ob146/07k 4Ob168/07w 7...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0122426

Geschäftszahl

4Ob146/07k; 4Ob168/07w; 7Ob52/08k; 6Ob174/07t; 6Ob179/08d; 6Ob189/08z; 6Ob280/08g; 8Ob138/08i; 6Ob117/09p; 4Ob73/09b; 4Ob77/09s; 6Ob194/09m; 5Ob130/09t; 7Ob89/11f; 3Ob108/11w; 7Ob172/11m; 7Ob119/11t; 4Ob99/11d; 2Ob105/11x; 9ObA107/14x; 3Ob157/14f; 2Ob226/14w; 5Ob251/15w; 10Ob67/16z; 4Ob240/18z; 8Ob56/19x; 1Ob42/20p; 3Ob64/20p

Entscheidungsdatum

04.09.2007

Norm

JN §42 Abs1 Aa
JN §42 Abs1 Ab
JN §42 Abs1 Af
VerG 2002 §8 Abs1

Rechtssatz

Wird eine Klage in einer Streitigkeit aus dem Vereinsverhältnis nach § 8 Abs 1 VerG 2002 vor dem Verstreichen von sechs Monaten seit Anrufung der vereinsinternen Schlichtungseinrichtung eingebracht, so steht ihr - außer das Schlichtungsverfahren endete bereits vor der Klagseinbringung - das gemäß § 42 Abs 1 JN in jeder Lage des Verfahrens von Amts wegen wahrzunehmende Prozesshindernis der Unzulässigkeit des Rechtswegs entgegen.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 146/07k
    Entscheidungstext OGH 04.09.2007 4 Ob 146/07k
    Bem: Mit ausführlicher Begründung. Vgl aber RS0119982 T2 und RS0114603 T1, wo nur mangelnde Klagbarkeit angenommen wird. (T1)
    Veröff: SZ 2007/140
  • 4 Ob 168/07w
    Entscheidungstext OGH 22.01.2008 4 Ob 168/07w
  • 7 Ob 52/08k
    Entscheidungstext OGH 09.04.2008 7 Ob 52/08k
  • 6 Ob 174/07t
    Entscheidungstext OGH 13.09.2007 6 Ob 174/07t
    Gegenteilig; Bem: Siehe auch RS0120837. (T2)
  • 6 Ob 179/08d
    Entscheidungstext OGH 01.10.2008 6 Ob 179/08d
    Vgl; Beisatz: Hier: Die Anfechtung der Satzungsänderungen durch die Generalversammlung ist § 8 Abs 1 VerG zu unterstellen. Die Kläger haben es nach der Generalversammlung entgegen § 8 VerG unterlassen, rechtzeitig den Ehrenrat des beklagten Vereins anzurufen, um im Falle ihres Unterliegens noch fristgerecht den ordentlichen Rechtsweg beschreiten zu können. (T3)
    Beisatz: Unzulässigkeit des Rechtswegs. (T4)
  • 6 Ob 189/08z
    Entscheidungstext OGH 01.10.2008 6 Ob 189/08z
    Vgl; Beisatz: Hier: Grundsätzlich Unzulässigkeit des Rechtswegs. Da jedoch beide Vorinstanzen die Zulässigkeit des Rechtswegs bejahten (Konformatsentscheidung im Sinn des § 528 Abs 2 Z 2 ZPO) war der Mangel in dritter Instanz nicht mehr wahrnehmbar. (T5)
  • 6 Ob 280/08g
    Entscheidungstext OGH 27.02.2009 6 Ob 280/08g
    Beisatz: Unzulässigkeit des Rechtswegs. (T6)
  • 8 Ob 138/08i
    Entscheidungstext OGH 18.06.2009 8 Ob 138/08i
    Beis wie T6; Beisatz: Die Nichteinhaltung des vereinsinternen Instanzenzugs bei Streitigkeiten aus dem Vereinsverhältnis begründet nach nunmehr hRsp (vorläufig/befristet/temporär) Unzulässigkeit des Rechtswegs und kann daher vom Gericht auch ohne entsprechenden Einwand der Parteien von Amts wegen geprüft und aufgegriffen werden. Die Prüfung der Rechtswegzulässigkeit durch das Gericht erfolgt dabei - wie bei § 41 Abs 2 JN - vorweg aufgrund der Angaben des Klägers in der Klage. Der Kläger hat daher konkrete Tatsachen zu behaupten, aus denen sich ergibt, dass der „Rechtsweg" in dieser Streitsache bereits offen ist. Fehlen in einer unter § 8 VerG fallenden Streitigkeiten diese Angaben, so ist unklar, ob überhaupt der „Rechtsweg" zulässig ist. Dann ist dem Kläger die Möglichkeit zur Verbesserung zu bieten. Für das Vorliegen dieser Prozessvoraussetzung ist auf den Zeitpunkt des Schlusses der mündlichen Streitverhandlung abzustellen. (T7)
  • 6 Ob 117/09p
    Entscheidungstext OGH 02.07.2009 6 Ob 117/09p
    Beis wie T6
  • 4 Ob 73/09b
    Entscheidungstext OGH 14.07.2009 4 Ob 73/09b
  • 4 Ob 77/09s
    Entscheidungstext OGH 29.09.2009 4 Ob 77/09s
  • 6 Ob 194/09m
    Entscheidungstext OGH 16.10.2009 6 Ob 194/09m
    Beis wie T6
  • 5 Ob 130/09t
    Entscheidungstext OGH 24.11.2009 5 Ob 130/09t
    Beisatz: ... überhaupt ohne Anrufung der vereinsinternen Schlichtungseinrichtung oder vor dem Verstreichen von 6 Monaten seit Anrufung ... (T8)
  • 7 Ob 89/11f
    Entscheidungstext OGH 28.09.2011 7 Ob 89/11f
    Veröff: SZ 2011/120
  • 3 Ob 108/11w
    Entscheidungstext OGH 24.08.2011 3 Ob 108/11w
    Ähnlich; Beisatz: Hier: Unterlassene Antragstellung auf Entschädigung bei der Gemeinde nach dem Vlbg Raumplanungsgesetz. (T9)
  • 7 Ob 172/11m
    Entscheidungstext OGH 09.11.2011 7 Ob 172/11m
    Veröff: SZ 2011/134
  • 7 Ob 119/11t
    Entscheidungstext OGH 28.09.2011 7 Ob 119/11t
    Veröff: SZ 2011/121
  • 4 Ob 99/11d
    Entscheidungstext OGH 22.11.2011 4 Ob 99/11d
  • 2 Ob 105/11x
    Entscheidungstext OGH 10.11.2011 2 Ob 105/11x
  • 9 ObA 107/14x
    Entscheidungstext OGH 27.11.2014 9 ObA 107/14x
  • 3 Ob 157/14f
    Entscheidungstext OGH 18.02.2015 3 Ob 157/14f
    Auch; Veröff: SZ 2015/7
  • 2 Ob 226/14w
    Entscheidungstext OGH 13.05.2015 2 Ob 226/14w
    Auch; Beisatz: Hier aber: Die Leistung eines weder gesetzlich noch satzungsmäßig gedeckten Pauschalhonorars für die Mitglieder einer Schlichtungseinrichtung gem § 8 VerG oder eines Kostenbeitrags für weder offengelegte noch näher konkretisierte sonstige Kosten ist nicht zumutbar. Aufgrund der wegen einer solchen „Kostenhürde“ gegebenen Unzumutbarkeit der Anrufung der vereinsinternen Schlichtungseinrichtung ist daher die sofortige Beschreitung des Rechtswegs zulässig. (T10)
    Veröff: SZ 2015/45
  • 5 Ob 251/15w
    Entscheidungstext OGH 18.05.2016 5 Ob 251/15w
  • 10 Ob 67/16z
    Entscheidungstext OGH 11.10.2016 10 Ob 67/16z
    Auch
  • 4 Ob 240/18z
    Entscheidungstext OGH 20.12.2018 4 Ob 240/18z
    Auch
  • 8 Ob 56/19x
    Entscheidungstext OGH 27.06.2019 8 Ob 56/19x
  • 1 Ob 42/20p
    Entscheidungstext OGH 26.03.2020 1 Ob 42/20p
  • 3 Ob 64/20p
    Entscheidungstext OGH 29.05.2020 3 Ob 64/20p
    Beisatz: Hier: Klage auf (Wieder‑)Aufnahme eines ehemaligen Mitglieds, die auf eine Zusage des Vereins gestützt wurde, als das Mitglied austrat. (T11)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2007:RS0122426

Im RIS seit

04.10.2007

Zuletzt aktualisiert am

10.08.2020

Dokumentnummer

JJR_20070904_OGH0002_0040OB00146_07K0000_002

Rechtssatz für 2Ob226/14w

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0130171

Geschäftszahl

2Ob226/14w

Entscheidungsdatum

13.05.2015

Norm

VerG §8

Rechtssatz

Die Leistung eines weder gesetzlich noch satzungsmäßig gedeckten Pauschalhonorars für die Mitglieder einer Schlichtungseinrichtung gem § 8 VerG oder eines Kostenbeitrags für weder offengelegte noch näher konkretisierte sonstige Kosten ist nicht zumutbar. Aufgrund der wegen einer solchen „Kostenhürde“ gegebenen Unzumutbarkeit der Anrufung der vereinsinternen Schlichtungseinrichtung ist daher die sofortige Beschreitung des Rechtswegs zulässig.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 226/14w
    Entscheidungstext OGH 13.05.2015 2 Ob 226/14w
    Veröff: SZ 2015/45

Schlagworte

Schiedsrichter, Honorar, Kosten, Zulässigkeit des ordentlichen Rechtsweges

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2015:RS0130171

Im RIS seit

26.08.2015

Zuletzt aktualisiert am

16.03.2017

Dokumentnummer

JJR_20150513_OGH0002_0020OB00226_14W0000_001

Entscheidungstext 2Ob226/14w

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Fundstelle

Cach/Nicolussi, GesRZ 2015,220 = RdW 2015/491 S 561 - RdW 2015,561 = EvBl‑LS 2015/152 = Jus-Extra OGH-Z 5859 = RZ 2015,243 EÜ184 - RZ 2015 EÜ184 = SpuRt 2016,69/2 Heft 2 (Mayr) - SpuRt 2016/2 Heft 2 (Mayr) = SZ 2015/45

Geschäftszahl

2Ob226/14w

Entscheidungsdatum

13.05.2015

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten Hon.-Prof. Dr. Danzl als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte Dr. Veith, Dr. Musger, Dr. E. Solé und Dr. Schwarzenbacher als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Parteien 1. Ö***** D*****-Klub, Ortsgruppe J*****, vertreten durch R***** M*****, 2. Ö***** D*****-Klub, Ortsgruppe S*****, vertreten durch M***** M*****, und 3. Ö***** D*****-Klub, Ortsgruppe W*****, vertreten durch M***** G*****, alle vertreten durch Rechtsanwälte Estermann & Partner OG in Mattighofen, gegen die beklagte Partei Ö***** D*****-Klub, vertreten durch I***** E*****, vertreten durch Dr. Alfred Hawel und andere Rechtsanwälte in Linz, wegen Beschlussanfechtung (Streitwert 7.000 EUR sA), über den Revisionsrekurs der klagenden Parteien gegen den Beschluss des Landesgerichts Linz als Rekursgericht vom 25. September 2014, GZ 15 R 260/14g-46, womit infolge Rekurses der klagenden Parteien der Beschluss des Bezirksgerichts Urfahr vom 24. April 2014, GZ 6 C 288/12g-42, bestätigt wurde, in nichtöffentlicher Sitzung den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Dem Revisionsrekurs wird Folge gegeben.

Die Beschlüsse der Vorinstanzen werden aufgehoben; dem Erstgericht wird die neuerliche Entscheidung unter Abstandnahme vom Zurückweisungsgrund der Unzulässigkeit des Rechtswegs aufgetragen.

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens sind weitere Verfahrenskosten.

Text

Begründung:

Die Kläger sind Zweigvereine („Ortsgruppen“) des beklagten Vereins.

§ 26 der Satzung des Beklagten lautet (auszugsweise):

Das Schiedsgericht entscheidet bei Streitigkeiten aus dem Vereinsverhältnis zur Ahndung von Vergehen von allen Mitgliedern des Ö***** und gegen Mitglieder, welche ihre Mitgliedspflichten oder Amtspflichten verletzt haben, kann unbeschadet ihrer straf- oder zivilrechtlichen Verantwortlichkeit ein Schiedsgerichtsverfahren eingeleitet werden…. Gegen die Entscheidung des Schiedsgerichtes ist ein weiteres vereinsinternes Rechtsmittel nicht zulässig. (Siehe § 8 Abs. 1 u. 2 u. Erläut RV zu § 8 VerG. 2002) … Das Schiedsgericht setzt sich aus drei Mitgliedern und einem Ersatzmitglied zusammen, welche über Vorschlag des Vorstandes oder von den Delegierten in der GV nominiert und anschließend von der GV gewählt werden ... Die Mitglieder des Schiedsgerichtes wählen einen Obmann und einen Stellvertreter. Die Funktionsperiode des Schiedsgerichtes beträgt 3 Jahre. Wiederwahl ist möglich. Die Mitglieder des Schiedsgerichtes dürfen nicht dem Vorstand angehören...

Nähere Bestimmungen über die Voraussetzungen der Anrufung des Schiedsgerichts sind in der Satzung der beklagten Partei nicht enthalten. Das Schiedsgericht hat in seiner konstituierenden Sitzung vom 18. 4. 2011 (in einer anderen Streitigkeit zwischen Präsidentin und Vizepräsidenten) beschlossen, dass ein Antrag vom Schiedsgericht nur dann behandelt wird, wenn ein Kostenvorschuss in Höhe von 1.000 EUR bezahlt wird. Diese Voraussetzung für die Anrufung des Schiedsgerichts bezieht sich auf alle Streitigkeiten, für die das Schiedsgericht zuständig ist, unabhängig vom Streitgegenstand bzw -wert. Eine „offizielle Verlautbarung“ derselben erfolgte nicht. Für den Fall, dass jemand das Schiedsgericht anrufen will, wird ihm diese Bedingung jedoch mitgeteilt, so auch mit Schreiben des Schiedsgerichts des beklagten Vereins vom 14. 2. 2012 an den Klagevertreter.

Vor Einleitung des gegenständlichen Verfahrens erfolgte von den Klägern keine Anrufung des Schiedsgerichts des Beklagten und es wurde auch kein Kostenvorschuss von ihnen erlegt.

Der Erstkläger verfügt über ein Vermögen von rund 2.000 EUR und der Zweitkläger über ein solches von rund 4.000 EUR.

Die Kläger begehrten mit ihrer am 16. 4. 2012 eingebrachten und später ausgedehnten (ON 13a) Klage die Nichtigerklärung der in der Generalversammlung vom 17. 6. 2011 und der in der außerordentlichen Generalversammlung vom 28. 11. 2011 gefassten Beschlüsse wegen statuten- und gesetzwidriger Abhaltung derselben. Das Vereinsschiedsgericht habe trotz Zusage seines Obmanns die klagsgegenständlichen Probleme nicht behandelt bzw innerhalb von sechs Monaten ab Anrufung keine Entscheidung getroffen. Im Übrigen sei die Anrufung des Schiedsgerichts mangels Tätigkeit, mangels Objektivität und wegen der Höhe des verlangten Kostenvorschusses unzumutbar.

Der Beklagte wendete mangels „Einhaltung des Schiedsgerichtsverfahrens“ durch die Kläger die Unzulässigkeit des Rechtswegs ein.

Das Erstgericht legte die eingangs wiedergebene Satzungsbestimmung so aus, dass das Vereinsschiedsgericht für alle Streitigkeiten aus dem Vereinsverhältnis zuständig sei und nicht nur für die Ahndung der Vergehen von Mitgliedern. Es wies die Klage (nach Aufhebung seiner Entscheidungen im ersten und zweiten Rechtsgang nunmehr auch im dritten Rechtsgang) wegen Unzulässigkeit des Rechtswegs zurück, weil die Kläger vor Klagseinbringung keinen den Form- bzw Verfahrensvoraussetzungen des Schiedsgerichts entsprechenden Antrag beim Schiedsgericht eingebracht hätten.

Das Rekursgericht bestätigte diese Entscheidung, sprach aus, dass der Wert des Entscheidungsgegenstands 5.000 EUR, nicht hingegen 30.000 EUR übersteigt und der ordentliche Revisionsrekurs zulässig sei, weil zur Frage, ob die Voraussetzung der Einzahlung eines Kostenvorschusses für die Anrufung des Schiedsgerichts in einer Höhe, welche der Hälfte bzw einem Viertel des Vereinsvermögens einer der anrufenden Parteien entspreche, einen eklatanten Verstoß gegen die Grundsätze des fair trail des Art 6 MRK darstelle, keine oberstgerichtliche Rechtsprechung bestehe. Das Rekursgericht selbst sah im Verlangen eines Kostenvorschusses von 1.000 EUR im gegebenen Fall keinen derartigen Verstoß begründet.

Dagegen richtet sich der Revisionsrekurs der Kläger mit dem Antrag, der Klage stattzugeben; in eventu wurde ein Aufhebungsantrag gestellt. Es sei unzulässig, wenn das Schiedsgericht selbst Voraussetzungen für seine Anrufung festlege. Das Rekursgericht habe überdies die Vereinsstatuten fehlerhaft ausgelegt und die Beweis- sowie Mangelrüge im Rekurs der Kläger nicht vollinhaltlich erledigt. Die Schiedsrichter seien befangen gewesen, und die Anrufung einer vereinsinternen Schlichtungseinrichtung vor der Beschreitung des Rechtswegs sei hier schon deshalb unzumutbar, weil mit den angefochtenen Beschlüssen der Verein umstrukturiert werden sollte.

Der Beklagte beantragt in seiner Revisionsrekursbeantwortung, das Rechtsmittel der Kläger zurückzuweisen bzw ihm nicht Folge zu geben.

Der Revisionsrekurs ist aus dem vom Rekursgericht genannten Grund zulässig und im Sinn des Aufhebungsantrags auch berechtigt.

Rechtliche Beurteilung

1.1. Gemäß § 7 Vereinsgesetz 2002 (VerG) sind „Beschlüsse von Vereinsorganen nichtig, wenn dies Inhalt und Zweck eines verletzten Gesetzes oder die guten Sitten gebieten. Andere gesetz- oder statutenwidrige Beschlüsse bleiben gültig, sofern sie nicht binnen eines Jahres ab Beschlussfassung gerichtlich angefochten werden. Jedes von einem Vereinsbeschluss betroffene Vereinsmitglied ist zur Anfechtung berechtigt.“

1.2. Gemäß § 8 Abs 1 VerG haben die Statuten „vorzusehen, dass Streitigkeiten aus dem Vereinsverhältnis vor einer Schlichtungseinrichtung auszutragen sind. Sofern das Verfahren vor der Schlichtungseinrichtung nicht früher beendet ist, steht für Rechtsstreitigkeiten nach Ablauf von sechs Monaten ab Anrufung der Schlichtungseinrichtung der ordentliche Rechtsweg offen. Die Anrufung des ordentlichen Gerichts kann nur insofern ausgeschlossen werden, als ein Schiedsgericht nach den §§ 577 ff ZPO eingerichtet wird.“ Nach § 8 Abs 2 VerG haben die Statuten „die Zusammensetzung und die Art der Bestellung der Mitglieder der Schlichtungseinrichtung unter Bedachtnahme auf deren Unbefangenheit zu regeln. Den Streitparteien ist beiderseitiges Gehör zu gewähren.“

1.3. Einer Klage steht das gemäß § 42 Abs 1 JN in jeder Lage des Verfahrens von Amts wegen wahrzunehmende Prozesshindernis der Unzulässigkeit des Rechtswegs entgegen, wenn sie in einer Streitigkeit aus dem Vereinsverhältnis nach § 8 Abs 1 VerG vor dem Verstreichen von sechs Monaten seit Anrufung der vereinsinternen Schlichtungseinrichtung eingebracht worden ist, außer das Schlichtungsverfahren endete bereits vor der Klagseinbringung (RIS-Justiz RS0122426).

1.4. Von der temporären Unzulässigkeit des Rechtswegs wird nach der Rechtsprechung lediglich dann eine Ausnahme gemacht, wenn die vorherige Anrufung der vereinsinternen Schlichtungsstelle für die betroffene Partei nicht zumutbar ist. Eine solche Unzumutbarkeit wird insbesondere bei einem eklatanten Verstoß gegen die in § 8 Abs 2 VerG angesprochenen Grundsätze des fair trial nach Art 6 MRK gesehen (8 Ob 78/06p = SZ 2006/136 mwN). Ein weiterer Fall der Unzumutbarkeit der Anrufung der Schlichtungsstelle wurde auch angenommen, wenn ein Beschluss im Anfechtungszeitpunkt unrevidierbar wäre, und die Anrufung der Schlichtungsstelle daher ein bloßer Formalakt ohne jede Möglichkeit einer Streitschlichtung bleiben müsste (7 Ob 139/07b).

2. Die Vorinstanzen haben ausdrücklich festgestellt (Seite 6 f des Beschlusses des Erstgerichts ON 42, vom Rekursgericht als unbedenklich übernommen in Seite 14 f seiner zweitinstanzlichen Entscheidung ON 46), dass die Kläger in den klagsgegenständlichen Angelegenheiten - entgegen ihrer Behauptung - vor Einleitung des Gerichtsverfahrens nicht das vereinsinterne Schiedsgericht angerufen haben. Es ist daher zu prüfen, ob im konkreten Fall die Anrufung des Schiedsgerichts unzumutbar gewesen wäre, insbesondere, ob das von den Schiedsrichtern aufgestellte Erfordernis des Kostenvorschusses (von 1.000 EUR) eine unzumutbare Hürde für seine Anrufung darstellt.

2.1. Zu diesem Zweck ist zunächst zu klären, welche Art von „Schiedsgericht“ mit der eingangs zitierten Satzungsbestimmung eingerichtet wurde.

2.2. „Vereinsschiedsgerichte“ sind trotz ihrer Bezeichnung per se keine „echten“ Schiedsgerichte iSd §§ 577 ff ZPO, sondern Einrichtungen nach dem VerG zur Schlichtung von Streitigkeiten aus dem Vereinsverhältnis iSd § 577 Abs 4 ZPO, auf welche die Bestimmungen der §§ 577 ff ZPO über das „Schiedsrichterliche Verfahren“ ausdrücklich nicht Anwendung finden (Hausmaninger/Stippl in Fasching/ Konecny3 Art XII EGZPO Rz 15). Durch das VerG wird kein die ordentliche Gerichtsbarkeit ausschließendes, Schiedsgericht im engeren Sinn, sondern eine bloße Schlichtungsinstanz eingesetzt (Hausmaninger/Stippl aaO Rz 16). Eine solche Schlichtungseinrichtung hat den Zweck, Vorklärungen zu ermöglichen und die Gerichte von (praktisch häufigen) Vereinsstreitigkeiten möglichst zu entlasten (Keinert, Nichtigkeit und Anfechtbarkeit von Vereinsbeschlüssen, JBl 2011, 617 [621]). Ihr kommt keine endgültige Entscheidungskompetenz zu. Die „Entscheidung“ eines Vereins“schiedsgerichts“ ist letztlich nur ein Schlichtungsvorschlag, dem, wird er akzeptiert, streitbeendende Wirkung zukommt; geht ein Streitteil weiter zu den staatlichen Gerichten, so wurde der Vorschlag eben nicht akzeptiert (Höhne/Jöchl/Lummerstorfer, Das Recht der Vereine4, 333). Auch die Parteien gehen übereinstimmend davon aus, dass mit der Satzung des beklagten Vereins - worin ausdrücklich auf § 8 Abs 1 und 2 VerG samt „Erläut RV“ Bezug genommen wird - kein Schiedsgericht nach §§ 577 ff ZPO eingerichtet wurde (vgl hiezu auch 2 Ob 117/14i und Hausmaninger/Stippl aaO Rz 25/1).

2.3. Der Beklagte führt in seiner Revisionsrekursbeantwortung aus, dass Kostenvorschüsse, aber auch Kostenbeiträge, für die Anrufung eines Schiedsgerichts üblich seien und für ein vereinsinternes Schiedsgericht nichts anderes gelten könne. Letzteres ist unzutreffend:

2.4. Bei (echten) Schiedsrichtern im Sinn von § 587 ZPO ergibt sich die Entgeltlichkeit ihrer Tätigkeit aus den werkvertraglichen Bestimmungen der § 1151 Abs 1 und § 1152 ABGB (vgl Hausmaninger in Fasching/Konecny2 § 587 ZPO Rz 214). Die Höhe des Honorars bestimmt sich primär nach dem Schiedsrichtervertrag, in Ermangelung dessen nach den bisher bei gleichartigen Schiedsgerichten herrschenden Honorarrichtlinien und Vergütungssätzen und hilfsweise nach der Angemessenheit nach § 1152 ABGB (Hausmaninger aaO Rz 216). Es entspricht der schiedsgerichtlichen Praxis, von den Parteien bei Einleitung des Verfahrens Vorschüsse zu verlangen, um die Honorar- und Barauslagenersatzansprüche der Schiedsrichter abzusichern (Hausmaninger aaO Rz 228).

2.5. Bei der hier vorliegenden vereinsinternen Schlichtungseinrichtung gründet die Tätigkeit der „Schiedsrichter“ auf ihrer Mitgliedschaft im Verein und der Wahl für das Schiedsrichteramt in der Generalversammlung. Es mangelt an jeglichem Schiedsrichter- bzw Werkvertrag. Somit fehlt eine Rechtsgrundlage für ein Honorar.

2.6. Für die Ausgestaltung des Schlichtungsverfahrens nach § 8 VerG gilt die privatautonome Gestaltungsfreiheit der satzungsgebenden Organe (Hausmaninger/Stippl aaO Rz 28). Die von der Generalversammlung gewählten Schiedsrichter haben den allgemeinen Beschluss, wonach das Schiedsgericht nur dann tätig werde, wenn der Antragsteller einen Kostenvorschuss von 1.000 EUR leistet, außerhalb jeglicher Regelung in den Statuten des beklagten Vereins gefasst. Somit fehlt es auch an einer satzungsmäßigen (und damit auch die Vereinsmitglieder bindenden) Grundlage für die von den Schiedsrichtern selbst aufgestellte „Kostenhürde“ für die Anrufung der vereinsinternen Schlichtungseinrichtung.

         3. Der begehrte Kostenvorschuss widerspricht den in Judikatur und Literatur für die grundsätzliche Priorität der vereinsinternen Streitschlichtung unter anderem genannten Gründen einer möglichst schnellen und kostengünstigen, unbürokratischen Bereinigung des Rechtsstreits (vgl Hausmaninger/Stippl in Fasching/Konecny3 II/1 Art XII EGZPO Rz 41; Krejci/S. Bydlinski/Weber-Schallauer, Vereinsgesetz2, § 8 Rz 5 f). Die Leistung eines weder gesetzlich noch satzungsmäßig gedeckten Pauschalhonorars für die Schiedsrichter oder eines Kostenbeitrags für weder offengelegte noch näher konkretisierte sonstige Kosten war den Klägern im konkreten Fall daher nicht zumutbar. Die Schiedsrichter hätten vielmehr - in Ausübung des ihnen von der Generalversammlung übertragenen Amts im Interesse des beklagten Vereins - unentgeltlich tätig werden müssen.

4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aufgrund der - bereits wegen der „Kostenhürde“ gegebenen - Unzumutbarkeit der Anrufung der vereinsinternen Schlichtungseinrichtung die sofortige Beschreitung des Rechtswegs zulässig ist. Auf die weiteren von den Klägern vorgebrachten Umstände zur Begründung der Unzumutbarkeit der Anrufung des Schiedsgerichts, etwa die allfällige Befangenheit der Schiedsrichter, braucht daher nicht mehr eingegangen zu werden; auch auf die relevierten Revisionsrekursgründe der Mangelhaftigkeit und der Aktenwidrigkeit kommt es nicht an (§ 510 Abs 3 iVm § 528a ZPO).

5. Dem Revisionsrekurs der Kläger war somit Folge zu geben; die Entscheidungen der Vorinstanzen waren aufzuheben und dem Erstgericht die neuerliche Entscheidung unter Abstandnahme vom Zurückweisungsgrund der Unzulässigkeit des Rechtswegs aufzutragen.

6. Der Kostenvorbehalt gründet sich auf § 52 Abs 1 ZPO.

Schlagworte

Streitiges Wohnrecht

Textnummer

E111229

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2015:0020OB00226.14W.0513.000

Im RIS seit

06.07.2015

Zuletzt aktualisiert am

03.03.2017

Dokumentnummer

JJT_20150513_OGH0002_0020OB00226_14W0000_000