Rechtssatz für 1Ob30/86 1Ob18/87 1Ob6/...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Zivilrecht

Rechtssatznummer

RS0022911

Geschäftszahl

1Ob30/86; 1Ob18/87; 1Ob6/93; 1Ob5/93; 9ObA2008/96a; 1Ob261/99k; 1Ob247/04m; 1Ob244/09b; 1Ob12/10m; 1Ob180/10t; 1Ob248/14y

Entscheidungsdatum

03.03.2015

Rechtssatz

Dem Beklagten ist die Einwendung rechtmäßigen Alternativverhaltens im Amtshaftungsprozess verwehrt, wenn die übertretene Verhaltensnorm von ihrem Schutzzweck her jedes andere Organverhalten ausschließen will und deshalb Eingriffe in fremdes Rechtsgut an eine bestimmte Form (ein bestimmtes Verhalten) binden will; ein solcher Fall ist gegeben, wenn Bescheide im Verwaltungsverfahren nach den einschlägigen Verfahrensvorschriften zu begründen sind, aber nicht begründet wurden.

Entscheidungstexte

  • 1 Ob 30/86
    Entscheidungstext OGH 03.09.1986 1 Ob 30/86
    Veröff: JBl 1987,244 = SZ 59/141
  • 1 Ob 18/87
    Entscheidungstext OGH 15.07.1987 1 Ob 18/87
  • 1 Ob 6/93
    Entscheidungstext OGH 22.06.1993 1 Ob 6/93
    Auch
  • 1 Ob 5/93
    Entscheidungstext OGH 22.06.1993 1 Ob 5/93
    Auch
  • 9 ObA 2008/96a
    Entscheidungstext OGH 10.04.1996 9 ObA 2008/96a
    Auch; nur: Dem Beklagten ist die Einwendung rechtmäßigen Alternativverhaltens verwehrt, wenn die übertretene Verhaltensnorm Eingriffe in fremdes Rechtsgut an eine bestimmte Form (ein bestimmtes Verhalten) binden will. (T1)
    Beisatz: Hier: Unwirksamkeit einer Versetzung im Arbeitsrecht mangels vorheriger Verständigung der Personalvertretung. (T2)
  • 1 Ob 261/99k
    Entscheidungstext OGH 23.11.1999 1 Ob 261/99k
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Der geklagte Rechtsträger ist von der Amtshaftung soweit befreit, als ihm der Nachweis gelungen ist, daß der Bescheidvollstreckung durch seine eigenen Organe Maßnahmen zugrunde liegen, die auch die zuständige Vollstreckungsbehörde zur Herbeiführung des bescheidgemäßen Zustands hätte ergreifen müssen. (Vollstreckung der im eigenen Wirkungsbereich der Salzburger Gemeinden erlassenen Bescheide gemäß § 81 Sbg GdO 1994.) (T3)
    Veröff: SZ 72/184
  • 1 Ob 247/04m
    Entscheidungstext OGH 15.03.2005 1 Ob 247/04m
    Vgl auch; Beisatz: Hat eine Verhaltensnorm nicht so sehr die Verhütung eines Schadens im Auge, sondern soll durch sie vor allem eine bestimmte Verhaltensweise ausgeschlossen und der Eingriff in das fremde Rechtsgut unbedingt an ein bestimmtes Verfahren gebunden werden, kann die Berufung auf rechtmäßiges Alternativverhalten die Haftungsbefreiung nicht rechtfertigen. (T4)
    Beisatz: Nicht jeder Begründungsmangel führt allerdings dazu, dass der Einwand rechtmäßigen Alternativverhaltens unzulässig wäre. (T5)
  • 1 Ob 244/09b
    Entscheidungstext OGH 29.01.2010 1 Ob 244/09b
    Vgl aber; Beisatz: Liegt jedoch ein aktiver Eingriff in ein fremdes Rechtsgut nicht vor, besteht kein Anlass dafür, der Beklagten den Einwand rechtmäßigen Alternativverhaltens zu versagen. (T6)
    Beisatz: Hier: § 40 Abs 1 BDG. (T7)
  • 1 Ob 12/10m
    Entscheidungstext OGH 09.03.2010 1 Ob 12/10m
    nur T1; Beis ähnlich wie T2; Veröff: SZ 2010/21
  • 1 Ob 180/10t
    Entscheidungstext OGH 23.11.2010 1 Ob 180/10t
    Vgl aber; Beisatz: Hier: Arbeitsplatzverlust des Leiters eines Personalamts für Beamte der Österreichischen Post AG infolge einer Organisationsänderung. (T8)
  • 1 Ob 248/14y
    Entscheidungstext OGH 03.03.2015 1 Ob 248/14y
    Vgl aber; Beisatz: Bei Verletzung allgemeiner Verfahrensvorschriften steht bei bloßen Vermögensschäden der Einwand rechtmäßigen Alternativverhaltens im Allgemeinen offen. (T9)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1986:RS0022911

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

28.10.2022

Dokumentnummer

JJR_19860903_OGH0002_0010OB00030_8600000_001

Rechtssatz für 1Ob12/10m 1Ob248/14y

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Zivilrecht

Rechtssatznummer

RS0125828

Geschäftszahl

1Ob12/10m; 1Ob248/14y

Entscheidungsdatum

03.03.2015

Norm

AHG §1 Cc
ABGB §1295 IIb2
  1. AHG § 1 heute
  2. AHG § 1 gültig ab 01.03.2013 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 33/2013
  3. AHG § 1 gültig von 01.08.1989 bis 28.02.2013 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 343/1989
  4. AHG § 1 gültig von 01.02.1949 bis 31.07.1989
  1. ABGB § 1295 heute
  2. ABGB § 1295 gültig ab 01.01.1917 zuletzt geändert durch RGBl. Nr. 69/1916

Rechtssatz

Der Einwand rechtmäßigen Alternativverhaltens ist bei einer Verletzung „bloßer“ Verfahrensvorschriften zulässig. Es kann aber die Verletzung grundlegender Verfahrensvorschriften, die insbesondere das rechtliche Gehör betreffen, ein anderes Ergebnis rechtfertigen.

Entscheidungstexte

  • 1 Ob 12/10m
    Entscheidungstext OGH 09.03.2010 1 Ob 12/10m
    Beisatz: Hier: Verletzung des in § 125 Abs 2 GewO 1994 ausdrücklich vorgeschriebenen Anhörungsrechts und Unterlassung der Durchführung eines Verfahrens zur Ermittlung von Höchsttarifen im Verfahren zur Erlassung der burgenländischen Höchsttarifverordnung für das Rauchfangkehrergewerbe. (T1)
    Veröff: SZ 2010/21
  • 1 Ob 248/14y
    Entscheidungstext OGH 03.03.2015 1 Ob 248/14y
    Auch; Beisatz: Bei Verletzung allgemeiner Verfahrensvorschriften steht bei bloßen Vermögensschäden der Einwand rechtmäßigen Alternativverhaltens im Allgemeinen offen. (T2)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2010:RS0125828

Im RIS seit

14.06.2010

Zuletzt aktualisiert am

03.06.2015

Dokumentnummer

JJR_20100309_OGH0002_0010OB00012_10M0000_001

Rechtssatz für 1Ob35/80 1Ob5/93 1Ob4/9...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Zivilrecht

Rechtssatznummer

RS0027498

Geschäftszahl

1Ob35/80; 1Ob5/93; 1Ob4/94; 3Ob510/95; 1Ob26/95; 1Ob17/99b; 7Ob272/99x; 1Ob88/00y; 1Ob256/07i; 1Ob26/08t; 1Ob12/10m; 1Ob248/14y; 5Ob229/20t

Entscheidungsdatum

18.03.2021

Rechtssatz

Es ist im Einzelfall zu prüfen, ob einer Schutznorm die Anordnung entnommen werden kann, dass pflichtgemäßes Alternativverhalten außer Betracht zu bleiben hat. Letzteres hat bei Geltendmachung eines Schadenersatzanspruches gemäß Artikel 5, Absatz 5, MRK auf Grund einer vom Verfassungsgerichtshof bindend festgestellten Verletzung des verfassungsmäßig gewährleisteten Rechtes auf persönliche Freiheit zu geschehen. Die Einwendung, die Haft wäre auch vom zuständigen Richter verhängt worden und dabei wäre der gleiche Schaden eingetreten, ist daher zumindest dann, wenn nicht ein Fall des Paragraph 180, Absatz 7, StPO vorliegt, unbeachtlich.

Entscheidungstexte

  • 1 Ob 35/80
    Entscheidungstext OGH 15.07.1981 1 Ob 35/80
    Veröff: SZ 54/108 = EvBl 1981/208 S 599 = EuGRZ 1981,573 = JBl 1982,259
  • 1 Ob 5/93
    Entscheidungstext OGH 22.06.1993 1 Ob 5/93
    Auch; nur: Es ist im Einzelfall zu prüfen, ob einer Schutznorm die Anordnung entnommen werden kann, dass pflichtgemäßes Alternativverhalten außer Betracht zu bleiben hat. (T1)
    Beisatz: Ob der Einwand der Möglichkeit eines rechtmäßigen Alternativverhaltens beachtlich ist und zu einer Haftungsbefreiung des Täters führt, kann nur durch eine Auslegung des Zwecks der jeweils verletzten Norm ermittelt werden. (T2)
  • 1 Ob 4/94
    Entscheidungstext OGH 22.06.1994 1 Ob 4/94
    Auch; Beisatz: Der Einwand des beklagten Rechtsträgers, auch bei rechtmäßigem Verhalten der Organe wäre derselbe Schaden eingetreten (rechtmäßiges Alternativverhalten), ist im Falle konventionswidrigen Freiheitsentzuges nicht zulässig. (T3)
  • 3 Ob 510/95
    Entscheidungstext OGH 10.05.1995 3 Ob 510/95
    Vgl auch
  • 1 Ob 26/95
    Entscheidungstext OGH 23.06.1995 1 Ob 26/95
    Auch; Beis wie T3
  • 1 Ob 17/99b
    Entscheidungstext OGH 27.08.1999 1 Ob 17/99b
    Auch; nur T1; Beisatz: Die Einrede rechtmäßigen Alternativverhaltens ist dem beklagten Rechtsträger immer dann verwehrt, wenn die übertretene Verhaltensnorm nach ihrem Schutzzweck Eingriffe in fremdes Rechtsgut an eine bestimmte Form oder ein bestimmtes Verhalten binden will. (T4)
    Veröff: SZ 72/129
  • 7 Ob 272/99x
    Entscheidungstext OGH 10.11.1999 7 Ob 272/99x
    nur T1; Beis wie T2; Beisatz: Hier: Kärntner AuftragsvergabeG. (T5)
  • 1 Ob 88/00y
    Entscheidungstext OGH 21.06.2000 1 Ob 88/00y
    Auch; Beis wie T3; Veröff: SZ 73/103
  • 1 Ob 256/07i
    Entscheidungstext OGH 18.12.2007 1 Ob 256/07i
    Auch; nur T1
  • 1 Ob 26/08t
    Entscheidungstext OGH 06.05.2008 1 Ob 26/08t
    Vgl auch; nur T1
  • 1 Ob 12/10m
    Entscheidungstext OGH 09.03.2010 1 Ob 12/10m
    nur T1; Beis ähnlich wie T3; Beis wie T4; Veröff: SZ 2010/21
  • 1 Ob 248/14y
    Entscheidungstext OGH 03.03.2015 1 Ob 248/14y
    Auch; nur T1; Beisatz: Bei Verletzung allgemeiner Verfahrensvorschriften steht bei bloßen Vermögensschäden der Einwand rechtmäßigen Alternativverhaltens im Allgemeinen offen. (T6)
  • 5 Ob 229/20t
    Entscheidungstext OGH 18.03.2021 5 Ob 229/20t
    nur T1; Beis wie T2; Beisatz: Nicht bei Nichteinhaltung der Wartefrist nach § 6 ÄsthOpG. (T7)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1981:RS0027498

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

18.05.2021

Dokumentnummer

JJR_19810715_OGH0002_0010OB00035_8000000_002

Rechtssatz für 2Ob18/84; ...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtsgebiet

Zivilrecht

Rechtssatznummer

RS0035976

Geschäftszahl

2Ob18/84; 8Ob2042/96v; 8Ob8/04s; 8ObA92/06x; 8Ob145/06s; 2Ob194/06b; 2Ob212/06z; 9Ob122/06s; 5Ob110/08z; 2Ob175/08m; 4Ob3/09h; 3Ob105/09a; 7Ob111/09p; 6Ob222/09d; 4Ob209/09b; 3Ob23/10v; 3Ob194/10s; 3Ob207/10b; 7Ob217/10b; 5Ob9/11a; 1Ob9/11x; 10Ob54/11f; 5Ob209/11p; 3Ob222/12m; 4Ob98/13k; 1Ob140/13i; 3Ob241/13g; 1Ob211/14g; 1Ob248/14y; 4Ob117/15g; 7Ob13/15k; 3Ob213/15t; 9ObA94/16p; 1Ob7/17m; 9ObA9/17i; 9ObA3/17g; 4Ob109/17h; 1Ob204/17g; 1Ob185/17p; 7Ob38/17i; 9ObA71/17g; 9ObA11/18k; 4Ob9/18d; 9Ob81/17b; 3Ob89/18m; 3Ob230/19y; 3Ob97/20s; 3Ob2/21x; 3Ob224/21v; 8ObA23/22y; 8ObA56/21z; 1Ob50/23v; 4Ob91/23w; 10Ob2/24b; 10ObS93/23h; 10Ob33/23k; 9ObA62/23t

Entscheidungsdatum

12.03.2024

Norm

ZPO §52
ZPO §519 Abs1 Z2
ZPO §521a
  1. ZPO § 519 heute
  2. ZPO § 519 gültig ab 01.08.1989 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 343/1989
  1. ZPO § 521a heute
  2. ZPO § 521a gültig ab 01.05.2011 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 111/2010
  3. ZPO § 521a gültig von 01.04.2009 bis 30.04.2011 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 30/2009
  4. ZPO § 521a gültig von 08.08.2001 bis 31.03.2009 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 98/2001
  5. ZPO § 521a gültig von 01.01.1998 bis 07.08.2001 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 140/1997
  6. ZPO § 521a gültig von 01.08.1989 bis 31.12.1997 zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 343/1989

Rechtssatz

Kostenvorbehalt (nicht: Zuspruch von Kosten der Rekursbeantwortung) bei Erfolglosigkeit eines Rekurses nach Paragraph 519, Absatz eins, Ziffer 2,, Absatz 2, ZPO.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 18/84
    Entscheidungstext OGH 25.09.1984 2 Ob 18/84
  • 8 Ob 2042/96v
    Entscheidungstext OGH 24.07.1996 8 Ob 2042/96v
    Auch
  • 8 Ob 8/04s
    Entscheidungstext OGH 26.08.2004 8 Ob 8/04s
    Auch; Beisatz: Auch das Rekursverfahren gegen den Aufhebungsbeschluss im Sinn des § 519 Abs 1 Z 2 ZPO stellt keinen von der Entscheidung in der Hauptsache unabhängigen Zwischenstreit dar. (T1)
  • 8 ObA 92/06x
    Entscheidungstext OGH 23.11.2006 8 ObA 92/06x
  • 8 Ob 145/06s
    Entscheidungstext OGH 18.04.2007 8 Ob 145/06s
    Beis wie T1
  • 2 Ob 194/06b
    Entscheidungstext OGH 23.03.2007 2 Ob 194/06b
    Vgl; Vgl Beis wie T1
  • 2 Ob 212/06z
    Entscheidungstext OGH 14.06.2007 2 Ob 212/06z
    Auch
  • 9 Ob 122/06s
    Entscheidungstext OGH 28.11.2007 9 Ob 122/06s
    Auch; Beis wie T1
  • 5 Ob 110/08z
    Entscheidungstext OGH 03.06.2008 5 Ob 110/08z
    Vgl aber; Beisatz: Im Verfahren über den Rekurs findet ein Kostenvorbehalt nach § 52 ZPO nicht statt. (Hier: Zurückweisung des Rekurses). (T2)
  • 2 Ob 175/08m
    Entscheidungstext OGH 04.09.2008 2 Ob 175/08m
    Vgl aber Beis wie T2; Bem: Siehe nunmehr RS0123222. (T3)
  • 4 Ob 3/09h
    Entscheidungstext OGH 24.03.2009 4 Ob 3/09h
  • 3 Ob 105/09a
    Entscheidungstext OGH 26.08.2009 3 Ob 105/09a
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 7 Ob 111/09p
    Entscheidungstext OGH 30.09.2009 7 Ob 111/09p
    Beisatz: Hier: Keine Berechtigung des Rekurses. (T4)
  • 6 Ob 222/09d
    Entscheidungstext OGH 14.01.2010 6 Ob 222/09d
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 4 Ob 209/09b
    Entscheidungstext OGH 23.02.2010 4 Ob 209/09b
    Auch; Beis wie T4
  • 3 Ob 23/10v
    Entscheidungstext OGH 24.03.2010 3 Ob 23/10v
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 3 Ob 194/10s
    Entscheidungstext OGH 11.11.2010 3 Ob 194/10s
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 3 Ob 207/10b
    Entscheidungstext OGH 14.12.2010 3 Ob 207/10b
    Vgl aber; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 7 Ob 217/10b
    Entscheidungstext OGH 19.01.2011 7 Ob 217/10b
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 5 Ob 9/11a
    Entscheidungstext OGH 09.02.2011 5 Ob 9/11a
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 1 Ob 9/11x
    Entscheidungstext OGH 31.03.2011 1 Ob 9/11x
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 10 Ob 54/11f
    Entscheidungstext OGH 04.10.2011 10 Ob 54/11f
    Vgl aber; Beis wie T2; Bem wie T3
  • 5 Ob 209/11p
    Entscheidungstext OGH 14.02.2012 5 Ob 209/11p
    Vgl aber; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 3 Ob 222/12m
    Entscheidungstext OGH 23.01.2013 3 Ob 222/12m
    Auch
  • 4 Ob 98/13k
    Entscheidungstext OGH 18.06.2013 4 Ob 98/13k
    Auch; Beis wie T2
  • 1 Ob 140/13i
    Entscheidungstext OGH 19.09.2013 1 Ob 140/13i
    Vgl aber; Beis wie T2; Bem wie T3
  • 3 Ob 241/13g
    Entscheidungstext OGH 19.03.2014 3 Ob 241/13g
  • 1 Ob 211/14g
    Entscheidungstext OGH 22.01.2015 1 Ob 211/14g
  • 1 Ob 248/14y
    Entscheidungstext OGH 03.03.2015 1 Ob 248/14y
    Vgl
  • 4 Ob 117/15g
    Entscheidungstext OGH 11.08.2015 4 Ob 117/15g
    Veröff: SZ 2015/80
  • 7 Ob 13/15k
    Entscheidungstext OGH 02.09.2015 7 Ob 13/15k
    Veröff: SZ 2015/90
  • 3 Ob 213/15t
    Entscheidungstext OGH 20.01.2016 3 Ob 213/15t
    Auch
  • 9 ObA 94/16p
    Entscheidungstext OGH 18.08.2016 9 ObA 94/16p
  • 1 Ob 7/17m
    Entscheidungstext OGH 31.01.2017 1 Ob 7/17m
    Vgl; Beis wie T2
  • 9 ObA 9/17i
    Entscheidungstext OGH 28.02.2017 9 ObA 9/17i
  • 9 ObA 3/17g
    Entscheidungstext OGH 28.02.2017 9 ObA 3/17g
    Veröff: SZ 2017/29
  • 4 Ob 109/17h
    Entscheidungstext OGH 24.08.2017 4 Ob 109/17h
    Aber; Beis wie T2
  • 1 Ob 204/17g
    Entscheidungstext OGH 15.11.2017 1 Ob 204/17g
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 1 Ob 185/17p
    Entscheidungstext OGH 29.11.2017 1 Ob 185/17p
  • 7 Ob 38/17i
    Entscheidungstext OGH 20.12.2017 7 Ob 38/17i
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 9 ObA 71/17g
    Entscheidungstext OGH 18.12.2017 9 ObA 71/17g
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 9 ObA 11/18k
    Entscheidungstext OGH 27.02.2018 9 ObA 11/18k
  • 4 Ob 9/18d
    Entscheidungstext OGH 19.04.2018 4 Ob 9/18d
    Beis wei T2
  • 9 Ob 81/17b
    Entscheidungstext OGH 25.04.2018 9 Ob 81/17b
  • 3 Ob 89/18m
    Entscheidungstext OGH 23.05.2018 3 Ob 89/18m
    Vgl aber; Beis wie T2
  • 3 Ob 230/19y
    Entscheidungstext OGH 09.04.2020 3 Ob 230/19y
    Vgl aber; Beis wie T2; Beisatz: Hier: Kostenaufhebung. (T5)
  • 3 Ob 97/20s
    Entscheidungstext OGH 02.09.2020 3 Ob 97/20s
  • 3 Ob 2/21x
    Entscheidungstext OGH 24.03.2021 3 Ob 2/21x
  • 3 Ob 224/21v
    Entscheidungstext OGH 23.02.2022 3 Ob 224/21v
    Vgl
  • 8 ObA 23/22y
    Entscheidungstext OGH 25.05.2022 8 ObA 23/22y
    Vgl; Beis nur wie T2
  • 8 ObA 56/21z
    Entscheidungstext OGH 30.08.2022 8 ObA 56/21z
    Vgl
  • 1 Ob 50/23v
    Entscheidungstext OGH Ordentliche Erledigung (Sachentscheidung) 25.04.2023 1 Ob 50/23v
  • 4 Ob 91/23w
    Entscheidungstext OGH Ordentliche Erledigung (Sachentscheidung) 31.05.2023 4 Ob 91/23w
    vgl; Beisatz: Das Rechtsmittel der Beklagten hat zur Klarstellung der Rechtslage beigetragen. (T6)
  • 10 Ob 2/24b
    Entscheidungstext OGH Zurückweisung mangels erheblicher Rechtsfrage 13.02.2024 10 Ob 2/24b
    vgl; Beisatz wie T2
  • 10 ObS 93/23h
    Entscheidungstext OGH Zurückweisung mangels erheblicher Rechtsfrage 13.02.2024 10 ObS 93/23h
    vgl; Beisatz nur wie T2
  • 10 Ob 33/23k
    Entscheidungstext OGH Zurückweisung mangels erheblicher Rechtsfrage 12.03.2024 10 Ob 33/23k
    Beisatz wie T2
  • 9 ObA 62/23t
    Entscheidungstext OGH Ordentliche Erledigung (Sachentscheidung) 14.02.2024 9 ObA 62/23t

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1984:RS0035976

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

23.05.2024

Dokumentnummer

JJR_19840925_OGH0002_0020OB00018_8400000_001

Entscheidungstext 1Ob248/14y

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Rechtsgebiet

Zivilrecht

Fundstelle

Zak 2015/324 S 178 - Zak 2015,178 = Harrer, Zak 2015/415 S 224 - Harrer, Zak 2015,224 = ecolex 2015/268 S 652 - ecolex 2015,652 = ZVR 2016/44 S 75 (Danzl, tabellarische Übersicht) - ZVR 2016,75 (Danzl, tabellarische Übersicht)

Geschäftszahl

1Ob248/14y

Entscheidungsdatum

03.03.2015

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten Hon.-Prof. Dr. Sailer als Vorsitzenden sowie die Hofräte Univ.-Prof. Dr. Bydlinski, Mag. Wurzer, Mag. Dr. Wurdinger und die Hofrätin Dr. Hofer-Zeni-Rennhofer als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei „W*****, vertreten durch Sauerzopf & Partner Rechtsanwälte, Eisenstadt, gegen die beklagte Partei Land Burgenland, Eisenstadt, Europaplatz 1, vertreten durch Hajek & Boss & Wagner Rechtsanwälte OG, Eisenstadt, wegen 164.267,03 EUR sA über den Rekurs der klagenden Partei gegen den Beschluss des Oberlandesgerichts Wien als Berufungsgericht vom 17. Oktober 2014, GZ 14 R 78/14i-30, mit dem das Zwischenurteil des Landesgerichts Eisenstadt vom 9. April 2014, GZ 27 Cg 127/12b-26, aufgehoben wurde, in nichtöffentlicher Sitzung den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Dem Rekurs wird nicht Folge gegeben.

Die Kosten des Rekursverfahrens sind weitere Verfahrenskosten.

Text

Begründung:

Nachdem es in dem von der Klägerin betriebenen Heim nach Ansicht der Behörde schon wiederholt zu Missständen gekommen und zuletzt am 19. 11. 2009 nach einer Kontrolle ein Bescheid mit acht Auflagen erlassen worden war, wandten sich drei bei der Klägerin beschäftigte Betreuer an die psychologische Amtssachverständige der Behörde und erklärten unter anderem unter konkreter Darlegung verschiedener Problembereiche, sie müssten seit Monaten unter Bedingungen arbeiten, die keine qualitative Betreuung für die (behinderten) Bewohner mehr zuließen; sie selbst überlegten bereits, ebenfalls zu kündigen, fühlten sich aber den Bewohnern gegenüber verantwortlich. Nach Einholung einer Stellungnahme der psychologischen Amtssachverständigen entzog die Burgenländische Landesregierung der Klägerin mit Bescheid vom 1. 12. 2009 die Betriebsbewilligung mit sofortiger Wirkung und sprach aus, dass die BewohnerInnen vorläufig in zwei näher genannten Behindertenheimen untergebracht würden. In der Bescheidbegründung wird unter anderem ausgeführt, es sei insbesondere aufgrund der unzureichenden Personalsituation davon auszugehen, dass nicht nur die gedeihliche und menschenwürdige Lebensqualität der Bewohner, sondern auch deren Gesundheit und Sicherheit gefährdet seien. Der Verwaltungsgerichtshof hob diesen Bescheid wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften auf. Die Behörde sei ihrer Verpflichtung, (der Klägerin) Parteiengehör zu gewähren nicht nachgekommen. Sie habe ihr entgegen den Paragraphen 37 und 45 Absatz 3, AVG keine Möglichkeit eingeräumt, vom Ergebnis der Beweisaufnahme Kenntnis und dazu Stellung zu nehmen sowie ihre Rechte und rechtlichen Interessen geltend zu machen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Behörde bei einem mangelfreien Verfahren zu einem anderslautenden Bescheid gelangt wäre.

Die Klägerin begehrte zuletzt aus dem Titel der Amtshaftung die Zahlung von 164.267,03 EUR und Zinsen und brachte dazu im Wesentlichen vor, der Bescheid sei nicht nur mangelhaft, sondern auch inhaltlich unrichtig gewesen. Die angenommenen Betreuungsmängel seien in Wahrheit nicht vorgelegen. Es habe auch keine Gefahr in Verzug bestanden, insbesondere nicht für die körperliche Unversehrtheit der Bewohner. Durch die überraschende Schließung des Heims seien der Klägerin näher dargelegte Schäden entstanden.

Die Beklagte wandte dagegen im Wesentlichen ein, der Bescheid sei inhaltlich richtig gewesen und es sei auch Gefahr in Verzug vorgelegen, weshalb das rasche Handeln der Behörde geboten gewesen sei. Der Behörde könne allenfalls vorgeworfen werden, die Bestimmung des Paragraph 57, AVG über das Mandatsverfahren im Spruch der Entscheidung nicht erwähnt zu haben. Da es um die körperliche Unversehrtheit der Heimbewohner gegangen sei, sei es gerechtfertigt gewesen, die Rechte dieser Personen den Parteirechten der Klägerin gegenüberzustellen, was zugunsten der Heimbewohner ausgegangen sei. Die Klägerin habe durch Unterlassung eines Antrags auf Zuerkennung aufschiebender Wirkung auch ihre Rettungspflicht nach Paragraph 2, Absatz 2, AHG verletzt.

Das Erstgericht sprach mit Zwischenurteil aus, dass das Klagebegehren dem Grunde nach zu Recht bestehe. Der Beklagten sei der Einwand des rechtmäßigen Alternativverhaltens verwehrt, weil die Behörde durch einen Verstoß gegen die Paragraphen 37 und 45 Absatz 3, AVG das rechtliche Gehör der Klägerin verletzt habe. Bei diesen Bestimmungen handle es sich nicht um „bloße“ Verfahrensvorschriften, sondern vielmehr um eindeutige gesetzliche Vorgaben bei Erlassung eines Bescheids zur Sicherung der Rechte des Bescheidadressaten. Auch die Berufung der Beklagten auf die Möglichkeit des Mandatsverfahrens nach Paragraph 57, AVG könne daran nichts ändern, werde in der Begründung des Bescheids doch in keiner Weise von Gefahr in Verzug gesprochen und sei aus dem Bescheid auch ein Vorgehen nach Paragraph 57, AVG in keiner Weise ableitbar. Es sei nicht zulässig, sich für eine Verfahrensart zu entscheiden und im Nachhinein zu behaupten, es hätte auch eine andere Verfahrensart gewählt werden können. Angesichts der Erlassung eines („gewöhnlichen“) Bescheids sei der Klägerin auch der vom Gesetzgeber in Paragraph 57, Absatz eins, AVG gerade zur Wahrung des Parteiengehörs vorgesehene Rechtsbehelf der Vorstellung nicht zur Verfügung gestanden.

Das Berufungsgericht hob über Berufung der Beklagten das erstgerichtliche Urteil auf und verwies die Rechtssache zur neuerlichen Entscheidung nach Verfahrensergänzung an das Erstgericht. Es sprach aus, dass der Rekurs an den Obersten Gerichtshof zulässig sei. Die Rechtswidrigkeit des Verhaltens der Behörde ergebe sich aus dem bindenden Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs. Der von der Beklagten erhobene Einwand des rechtmäßigen Alternativverhaltens werde (nur) dort nicht zugelassen, wo Vorschriften ein mit besonderen Verfahrensgarantien ausgestattetes Verfahren gewährleisten sollten bzw wo ein streng ausgestaltetes Verfahren dem besonderen Schutz hochrangiger Güter diene. Auch im konkreten Fall sei zu prüfen, ob die übertretene Verhaltensnorm von ihrem Schutzzweck her jedes andere Organverhalten ausschließen und deshalb Eingriffe in fremdes Rechtsgut an eine bestimmte Form (ein bestimmtes Verhalten) binden wolle. Bei verfahrensmäßig fehlerhaften Handlungen werde der Einwand, dass auch bei pflichtgemäßem Verhalten derselbe Erfolg herbeigeführt worden wäre, in der Regel zuzulassen sein. Das rechtliche Gehör nehme insoweit eine Sonderstellung ein, als dessen Gewährung zwar eine Verfahrensvorschrift darstelle, die aber auch zu den Grundprinzipien der Rechtsordnung gehöre. Dementsprechend könne in der Regel unabhängig vom geschützten Rechtsgut, der Intensität des Eingriffs und des Umfangs der tatsächlichen Beteiligung der Partei am Verfahren jeder Verstoß gegen das rechtliche Gehör von der Partei auch erfolgreich im Verfahren selbst geltend gemacht werden. In all diesen Fällen von vornherein den Einwand des rechtmäßigen Alternativverhaltens auszuschließen, erschiene nicht gerechtfertigt. Insbesondere habe das Schadenersatzrecht nicht die Aufgabe, die Einhaltung verfahrensrechtlicher Normen sicherzustellen. Der Einwand der Beklagten, dass auch ein Mandatsverfahren durchgeführt werden hätte können, sei zwar irrelevant, habe die Behörde doch gerade nicht dieses Verfahren mit den dort vorgesehenen Rechtsschutzmöglichkeiten gewählt. Da aber der Einwand des rechtmäßigen Alternativverhaltens nicht ausgeschlossen sei, werde im fortgesetzten Verfahren zu prüfen sein, ob auch eine (den Verfahrensvorschriften entsprechende) Konfrontation der Klägerin mit den Ermittlungsergebnissen ebenfalls zu einer Entziehung der Betriebsbewilligung geführt hätte. Ein Zwischenurteil werde allerdings nur dann gefällt werden können, wenn alle Anspruchsvoraussetzungen geklärt sind. Das Erstgericht werde sich daher auch mit dem Einwand der Verletzung der Rettungspflicht auseinanderzusetzen haben. Da die Klägerin auch vorgebracht habe, dass selbst die Zuerkennung der - von ihr nicht beantragten - aufschiebenden Wirkung die durch die Schließung des Heims und die Verlegung der Heimbewohner bereits eingetretenen Schäden nicht mehr hätte vermeiden können, werde (in einem Beweisverfahren) zu klären sein, inwieweit die Ergreifung eines derartigen Rechtsbehelfs zur Schadensabwehr ungeeignet gewesen wäre. Der Rekurs an den Obersten Gerichtshof sei zulässig, weil der Frage, ob bei einer Verletzung des rechtlichen Gehörs als tragendem Grundprinzip der Rechtsordnung der Einwand des rechtmäßigen Alternativverhaltens grundsätzlich zu versagen sei, über den Einzelfall hinausgehend Bedeutung zukomme.

Rechtliche Beurteilung

Der Rekurs der Klägerin ist aus dem vom Berufungsgericht genannten Grund zulässig, aber nicht berechtigt.

Ein wesentlicher Grundsatz der gesetzlichen Verschuldenshaftungstatbestände - und damit auch des Paragraph eins, Absatz eins, AHG - ist, dass (nur) für durch rechtswidriges Verhalten schuldhaft zugefügte Schäden zu haften ist vergleiche Reischauer in Rummel³ Paragraph 1295, ABGB Rz 1, 1a). Dann soll der Geschädigte so gestellt werden, wie er stünde, wenn das rechtswidrige Verhalten unterblieben wäre. Diese notwendigerweise hypothetische Beurteilung besteht in einem Vergleich zwischen den Folgen des tatsächlich gesetzten rechtswidrigen Verhaltens (Handlung oder Unterlassung) und jenen rechtmäßigen Vorgehens. Wäre der eingetretene Schaden auch bei gebotenem bzw rechtmäßigem Verhalten eingetreten, steht dem Schädiger in der Regel konsequenterweise der sogenannte Einwand rechtmäßigen Alternativverhaltens zu, also der Hinweis darauf, dass dem Geschädigten nach dem erwähnten Haftungsregime Schadenersatz zu versagen ist, wenn bzw soweit der erlittene Nachteil jedenfalls eingetreten wäre, nämlich auch bei rechtmäßigem Vorgehen des (realen) Schädigers vergleiche nur Koziol, Haftpflichtrecht I3 Rz 8/64; Karner in KBB4 Paragraph 1295, ABGB Rz 14, jeweils mwN). Dies erscheint vor allem aus dem Blickwinkel des (zentralen) Ausgleichsgedankens des Schadenersatzrechts vergleiche Koziol aaO Rz 1/13) konsequent. Die gelegentlich geäußerte Befürchtung, die Zulassung dieses Einwands könnte wegen der Notwendigkeit der Beurteilung hypothetischer Sachverhalte die Rechtsposition des Geschädigten aushöhlen vergleiche nur Kleewein, Hypotetische Kausalität und Schadensberechnung [1993] 177 f und dessen Hinweis auf Lehrmeinungen zum deutschen Recht in FN 10), ist schon deshalb grundsätzlich unberechtigt, weil nach herrschender Lehre und Judikatur stets der Schädiger die Behauptungs- und Beweislast dafür trägt, dass auch das gebotene bzw rechtmäßige Verhalten zum selben Ergebnis geführt hätte. Angesichts der dargelegten Grundsätze bedarf der (etwa von Harrer in Schwimann³ Paragraphen 1301,, 1302 ABGB Rz 54 ff überhaupt abgelehnte) Ausschluss der Einwendung rechtmäßigen Alternativverhaltens daher einer besonderen Begründung und ist auf einen sehr engen Bereich zu beschränken.

Gerade auf dem Gebiet der Amtshaftung hat die Rechtsprechung immer wieder versucht, besondere Konstellationen zu umschreiben, in denen dem schuldhaft rechtswidrig handelnden Rechtsträger der Einwand rechtmäßigen Alternativverhaltens nicht zustehen soll. So wird etwa für die Fälle einer ohne richterlichen Befehl vorgenommenen Freiheitsentziehung seit 1 Ob 35/80 (SZ 54/108 = JBl 1982, 259 = EvBl 1981/208) judiziert, dass sich der beklagte Rechtsträger nicht darauf berufen kann, die Haft wäre auch vom zuständigen Richter verhängt worden und dabei derselbe Schaden eingetreten (s auch RIS-Justiz RS0027498). Da der Gesetzgeber hier die Einhaltung bestimmter Verfahrensvorschriften zwingend vorsehe, erfülle der Schadenersatzanspruch auch eine Sanktions- und Präventionsfunktion, sodass bei Nichtbeachtung des vorgesehenen Verfahrens der Einwand rechtmäßigen Alternativverhaltens unbeachtlich sei.

Nach anderen höchstgerichtlichen Entscheidungen kommt es darauf an, ob Vorschriften ein mit besonderen Sicherheitsgarantien ausgestattetes Verfahren gewährleisten sollen bzw ob ein streng ausgestaltetes Verfahren dem besonderen Schutz hochrangiger Güter dient (5 Ob 52/11z mwN). Dem im Amtshaftungsprozess Beklagten soll die Einwendung rechtmäßigen Alternativverhaltens dann verwehrt sein, wenn die übertretene Verhaltensnorm von ihrem Schutzzweck her jedes andere Organverhalten ausschließen und deshalb Eingriffe in fremdes Rechtsgut an eine bestimmte Form (ein bestimmtes Verhalten) binden will (RIS-Justiz RS0022911). Ob einer Schutznorm die Anordnung entnommen werden kann, dass pflichtgemäßes Alternativverhalten außer Betracht zu bleiben hat, ist im Einzelfall zu prüfen (RIS-Justiz RS0027498). Der Einwand rechtmäßigen Alternativverhaltens ist allerdings bei einer Verletzung „bloßer“ Verfahrensvorschriften grundsätzlich zulässig; es kann aber die Verletzung grundlegender Verfahrensvorschriften, die insbesondere das rechtliche Gehör betreffen, ein anderes Ergebnis rechtfertigen (1 Ob 12/10m = RIS-Justiz RS0125828 = SZ 2010/21).

Lässt sich im Einzelfall ein besonderer Schutzgesetzcharakter einer verletzten Verfahrensvorschrift - anders als im zuletzt zitierten Fall der Erlassung einer Verordnung ohne das (sondergesetzlich) angeordnete Anhörungsverfahren - nicht finden, insbesondere, wenn es sich - wie hier - um eine Norm handelt, die für eine Vielzahl von unterschiedlichsten Verfahrensinhalten gilt, kommt der Ausschluss des Einwands rechtmäßigen Alternativverhaltens regelmäßig nur in Betracht, wenn der Verfahrensverstoß geeignet ist, besonders hochrangige Rechtsgüter zu beeinträchtigen. Dies ergibt sich schon daraus, dass dem Schadenersatzrecht in erster Linie Ausgleichsfunktion zukommt, also im Vordergrund das Bestreben steht, den Geschädigten so zu stellen wie bei rechtmäßigem Verhalten (darauf weist insbesondere Harrer in Schwimann3, Paragraphen 1301, f ABGB Rz 55 hin). Eine Sanktionsfunktion ist dem österreichischen Schadenersatz-recht - und damit auch dem Amtshaftungsrecht - weitgehend fremd. Eigenständige Bedeutung kann hingegen - gerade im hier zu untersuchenden Zusammenhang - der (gelegentlich als bloße Reflexwirkung angesehenen) Präventionsfunktion zukommen, also dem Gedanken, der potentielle Schädiger solle durch ihm drohende Schadenersatzpflichten zusätzlich dazu angehalten werden, sich rechtmäßig zu verhalten vergleiche zu all dem Harrer aaO Vor Paragraphen 1293, ff Rz 4; Koziol aaO Rz 1/16 f, je mwN, letztere mit der sich aus Paragraph 1324, ABGB ergebenden Einschränkung). Gerade im Rahmen der Amtshaftung, wo hoheitlich handelnde Rechtsträger dem Rechtsunterworfenen gegenüberstehen, kann dieser Präventionsfunktion durchaus ein eigenständiger Wert beigemessen werden (s dazu auch Koziol, Rechtmäßiges Alternativverhalten - Auflockerung starrer Lösungsansätze, FS Deutsch [1999] 179 [184]). Bei Verletzung allgemeiner Verfahrensvorschriften, auch wenn in ihnen - wie häufig - das Prinzip des Rechts jeder Partei auf (ausreichendes) rechtliches Gehör zum Ausdruck kommt, ist - mangels eines in eine besondere Richtung gehenden Schutzzwecks - im Regelfall aber auch die Gefährdung bzw Verletzung hochrangiger Rechtsgüter (Leben, Freiheit, körperliche und seelische Unversehrtheit) zu fordern (5 Ob 52/11z unter Hinweis auf Koziol, Grundfragen des Schadenersatzrechts Rz 7/32, und Karollus, Funktion und Dogmatik der Haftung aus Schutzgesetzverletzung 405 f), um den Ausschluss des Einwands rechtmäßigen Alternativverhaltens zu begründen.

Im vorliegenden Fall hat das Berufungsgericht zu Recht die Voraussetzungen für einen solchen Einwendungsausschluss verneint. Entgegen der Auffassung der Rekurswerberin kann der Behörde keineswegs vorgeworfen werden, ein Ermittlungsverfahren überhaupt unterlassen zu haben, hatte es doch einerseits kurze Zeit vor dem rechtswidrigen Bescheid eine Nachschau gegeben, die zu zahlreichen bescheidmäßigen Auflagen an die Klägerin geführt hatte, und lagen der Entscheidung über den Entzug der Betriebsbewilligung andererseits die Aussagen von drei Mitarbeitern der Klägerin sowie die fachkundige Stellungnahme der Amtssachverständigen zugrunde. Dass die Bestimmungen des AVG (Paragraph 37,, Paragraph 45, Absatz 3,), die in allen Verwaltungsverfahren das ausreichende rechtliche Gehör der betroffenen Parteien sicherstellen sollen, gerade im Bereich des burgenländischen Sozialhilferechts als spezielle Verhaltensnormen anzusehen sein sollten, durch die vor allem eine bestimmte (abweichende) Verhaltensweise ausgeschlossen und der Eingriff in das fremde Rechtsgut unbedingt an ein bestimmtes Verfahren gebunden werden solle, weshalb die Berufung auf rechtmäßiges Alternativverhalten ausgeschlossen sei, ist nicht zu erkennen, geht es doch in erster Linie um das Wohl der Sozialhilfebedürftigen und erst sekundär um die (wirtschaftlichen) Interessen von Heimbetreibern.

Hier hat die Behörde vor Erlassung des inkriminierten Bescheids zahlreiche Ermittlungsschritte gesetzt, diese der Klägerin jedoch vor Bescheiderlassung nicht zur Kenntnis gebracht und ihr damit die Möglichkeit genommen, sie zu widerlegen. Dieses Vorgehen beruhte - wie auch aus der Bescheidbegründung zu ersehen ist - unter anderem auf der Erwägung, es sei rasches Handeln geboten, um drohende Nachteile im Hinblick auf die menschenwürdige Lebensqualität, die Gesundheit und Sicherheit der Heimbewohner abzuwenden. Berücksichtigt man weiter, dass im Falle einer wegen der Unvollständigkeit des Verfahrens möglichen inhaltlich unrichtigen Entscheidung der Klägerin lediglich Vermögensnachteile drohten, entspricht es durchaus den bereits dargestellten schadenersatzrechtlichen Grundsätzen, der Beklagten die Beweisführung zu gestatten, dass auch eine Äußerung der Klägerin im Verfahren - und daran allenfalls anknüpfende weitere Beweiserhebungen - zum selben Ergebnis, nämlich zur „Sperre“ der Einrichtung geführt hätte. Ein besonderes Bedürfnis nach Prävention, das es rechtfertigen würde, in einem solchen Fall der Beklagten den Ersatz von Vermögensnachteilen aufzuerlegen, die auch bei einem mangelfreien Verfahren entstanden wären, ist nicht zu erkennen. Auch wenn die Verletzung grundlegender Verfahrensvorschriften, die insbesondere das rechtliche Gehör betreffen, unter bestimmten Voraussetzungen ein anderes Ergebnis rechtfertigen kann (1 Ob 12/10m), steht doch im Allgemeinen bei bloßen Vermögensschäden dem Schädiger auch im Amtshaftungsrecht der Einwand rechtmäßigen Alternativverhaltens offen.

Da der Rekurs zur Klärung der Rechtslage beigetragen hat, ist die Entscheidung über die Kosten des Rekursverfahrens iSd Paragraph 52, ZPO der abschließenden Sachentscheidung vorzubehalten (RIS-Justiz RS0035976).

Schlagworte

Gruppe: Amtshaftungsrecht

Textnummer

E110591

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2015:0010OB00248.14Y.0303.000

Im RIS seit

07.05.2015

Zuletzt aktualisiert am

03.08.2016

Dokumentnummer

JJT_20150303_OGH0002_0010OB00248_14Y0000_000