Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 5Ob907/76 1Ob528/84 1Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0034795

Geschäftszahl

5Ob907/76; 1Ob528/84; 1Ob629/90; 7Ob548/92; 8Ob552/92; 7Ob526/93; 3Ob524/95; 3Ob540/95; 10Ob517/95 (10Ob520/95); 6Ob2286/96m; 3Ob72/97b; 3Ob290/98p; 6Ob38/01h (6Ob255/01w); 5Ob117/04y; 2Ob174/08i; 5Ob122/09s; 2Ob253/08g; 1Ob75/12d; 1Ob24/14g; 3Ob112/14p; 8Ob39/16t

Entscheidungsdatum

22.02.1977

Norm

ABGB §140 Aa
ABGB §141 IG
ABGB §271

Rechtssatz

Stellt die Mutter den Antrag, den Vater des Kindes zur Leistung von Unterhaltsbeträgen zu ihren Handen zu verpflichten, ist darin auch der Antrag enthalten, sie zur besonderen Sachwalterin für die Geltendmachung und Durchsetzung der Unterhaltsansprüche des Kindes zu bestellen.

Entscheidungstexte

  • 5 Ob 907/76
    Entscheidungstext OGH 22.02.1977 5 Ob 907/76
    Veröff: EFSlg 29295
  • 1 Ob 528/84
    Entscheidungstext OGH 02.05.1984 1 Ob 528/84
    Vgl; Beisatz: Der Antrag auf Festsetzung der Unterhaltsverpflichtung in Geld ist auch als solcher auf entsprechende Entziehung der elterlichen Rechte und Pflichten des Antragsgegner zu verstehen. (T1)
    Veröff: SZ 57/84 = ÖA 1984,100 = JBl 1985,162
  • 1 Ob 629/90
    Entscheidungstext OGH 24.10.1990 1 Ob 629/90
    Vgl; Beis wie T1
  • 7 Ob 548/92
    Entscheidungstext OGH 21.05.1992 7 Ob 548/92
    Beisatz: Der fehlende Ausspruch über die Vertretungsbefugnis schadet nicht, wenn nachträglich die Obsorge zur Gänze übertragen wird. (T2)
  • 8 Ob 552/92
    Entscheidungstext OGH 26.03.1992 8 Ob 552/92
    Vgl; Beis wie T1
  • 7 Ob 526/93
    Entscheidungstext OGH 26.05.1993 7 Ob 526/93
    Veröff: ZfRV 1993,255
  • 3 Ob 524/95
    Entscheidungstext OGH 12.07.1995 3 Ob 524/95
  • 3 Ob 540/95
    Entscheidungstext OGH 11.10.1995 3 Ob 540/95
  • 10 Ob 517/95
    Entscheidungstext OGH 17.10.1995 10 Ob 517/95
    Auch; Beisatz: Im Unterhaltsantrag kann ein Antrag um Bestellung zum besonderen Sachwalter enthalten sein, dem das Gericht konkludent in seiner Unterhaltsentscheidung stattgeben kann. (T3)
  • 6 Ob 2286/96m
    Entscheidungstext OGH 21.11.1996 6 Ob 2286/96m
    Beis wie T3
  • 3 Ob 72/97b
    Entscheidungstext OGH 26.03.1997 3 Ob 72/97b
    Beis wie T3
  • 3 Ob 290/98p
    Entscheidungstext OGH 16.12.1998 3 Ob 290/98p
    Beis wie T3; Beisatz: Dem Antrag des nicht obsorgeberechtigten Elternteils, in dessen Haushalt das Kind betreut wird, eine durch den anderen Elternteil zu erbringende Geldunterhaltsleistung für das Kind festzusetzen, schließt das Begehren auf Bestellung zum besonderen Sachwalter im Antragsumfang ein. (T4)
  • 6 Ob 38/01h
    Entscheidungstext OGH 18.10.2001 6 Ob 38/01h
    Auch; Beis wie T4
  • 5 Ob 117/04y
    Entscheidungstext OGH 03.08.2004 5 Ob 117/04y
    Vgl; Beis wie T3; Beis ähnlich wie T4
  • 2 Ob 174/08i
    Entscheidungstext OGH 30.10.2008 2 Ob 174/08i
    Auch; Beis wie T3; Beis wie T4; Veröff: SZ 2008/159
  • 5 Ob 122/09s
    Entscheidungstext OGH 07.07.2009 5 Ob 122/09s
    Vgl; Beis wie T3; Beis ähnlich wie T4; Beisatz: Hier: Antrag des nicht allein obsorgeberechtigten, das Kind in seinem Haushalt betreuenden Elternteils. (T5)
  • 2 Ob 253/08g
    Entscheidungstext OGH 16.07.2009 2 Ob 253/08g
  • 1 Ob 75/12d
    Entscheidungstext OGH 24.05.2012 1 Ob 75/12d
    Beis wie T3; Beis wie T5
  • 1 Ob 24/14g
    Entscheidungstext OGH 27.02.2014 1 Ob 24/14g
    Vgl auch; Beis wie T3; Beis wie T5
  • 3 Ob 112/14p
    Entscheidungstext OGH 23.07.2014 3 Ob 112/14p
    Auch; Beis wie T4; Beis wie T5
  • 8 Ob 39/16t
    Entscheidungstext OGH 30.08.2016 8 Ob 39/16t
    Auch; Beis wie T3; Beis wie T4; Beis wie T5; Beisatz: Obwohl die Maßnahme der Übertragung der mit der vollen Betreuung der Kinder zusammenhängenden Rechte und Pflichten als rechtsgestaltende Verfügung erst für die Zeit nach Eintritt ihrer Rechtskraft wirksam wäre, bleibt den Kindern der volle Unterhalt auch während des Zeitraums von der Antragstellung bis zum Wirksamwerden einer solchen Verfügung gesichert. (T6)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1977:RS0034795

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

16.09.2016

Dokumentnummer

JJR_19770222_OGH0002_0050OB00907_7600000_002

Rechtssatz für 1Ob528/84 2Ob548/85 3Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0047422

Geschäftszahl

1Ob528/84; 2Ob548/85; 3Ob560/85; 7Ob589/88; 1Ob629/90; 10Ob517/95 (10Ob520/95); 10Ob1568/95; 6Ob2286/96m; 7Ob317/01w; 5Ob122/09s; 1Ob24/14g; 8Ob39/16t

Entscheidungsdatum

02.05.1984

Norm

ABGB §140 Aa
ABGB §144 B
ABGB §154 G
ABGB §154a
ABGB §176 Abs1 B
ABGB idF KindNamRÄG 2013 §181 Abs1
EO §382 Abs1 Z8 lita IIIF

Rechtssatz

Bei gemeinsamen Haushalt der Eltern und gemeinsamer Pflege der Kinder kann kein Elternteil seine Kinder im Unterhaltsbemessungsverfahren gegen den anderen Elternteil vertreten, sondern es bedarf der Übertragung der mit der vollen Betreuung der Kinder zusammenhängenden Rechte und Pflichten an einen Elternteil gemäß § 176 Abs 1 ABGB. Obwohl eine solche Maßnahme als rechtsgestaltende Verfügung erst für die Zeit nach Eintritt ihrer Rechtskraft wirksam wäre, ist diese Bestimmung ihrem Zweck nach dann so zu verstehen, dass den Kindern der volle Unterhalt auch während des Zeitraums von der Antragstellung bis zum Wirksamwerden einer solchen Verfügung gesichert bleibt.

Entscheidungstexte

  • 1 Ob 528/84
    Entscheidungstext OGH 02.05.1984 1 Ob 528/84
    Veröff: SZ 57/84 = JBl 1985,162 = ÖA 1984,100
  • 2 Ob 548/85
    Entscheidungstext OGH 16.04.1985 2 Ob 548/85
  • 3 Ob 560/85
    Entscheidungstext OGH 26.06.1985 3 Ob 560/85
    Auch
  • 7 Ob 589/88
    Entscheidungstext OGH 16.06.1988 7 Ob 589/88
    nur: Bei gemeinsamen Haushalt der Eltern und gemeinsamer Pflege der Kinder kann kein Elternteil seine Kinder um Unterhaltsbemessungsverfahren gegen den anderen Elternteil vertreten, sondern es bedarf der Übertragung der mit der vollen Betreuung der Kinder zusammenhängenden Rechte und Pflichten an einen Elternteil gemäß § 176 Abs 1 ABGB. (T1)
  • 1 Ob 629/90
    Entscheidungstext OGH 24.10.1990 1 Ob 629/90
    nur T1
  • 10 Ob 517/95
    Entscheidungstext OGH 17.10.1995 10 Ob 517/95
    nur T1
  • 10 Ob 1568/95
    Entscheidungstext OGH 17.10.1995 10 Ob 1568/95
    Auch; nur T1; Beisatz: Ein Elternteil kann die Vertretung der Kinder in Unterhaltsbelangen gegenüber dem anderen Elternteil nur aufgrund des § 154a ABGB durch Setzung der ersten Verfahrenshandlung nicht in Anspruch nehmen. (T2)
  • 6 Ob 2286/96m
    Entscheidungstext OGH 21.11.1996 6 Ob 2286/96m
    nur T1
  • 7 Ob 317/01w
    Entscheidungstext OGH 14.01.2002 7 Ob 317/01w
    nur T1; Beisatz: Dies gilt auch in einem Unterhaltsbemessungsverfahren gemäß § 382 Abs 1 Z 8 lit a EO im Rahmen eines streitigen Scheidungsverfahrens. (T3)
    Beisatz: In diesem Fall hat über die Zuerkennung des Alleinvertretungsrechtes nicht das Prozessgericht, sondern das zuständige Pflegschaftsgericht zu entscheiden, einer besonderen pflegschaftsgerichtlichen Genehmigung zur Stellung des Provisorialantrages bedarf es nicht. (T4)
  • 5 Ob 122/09s
    Entscheidungstext OGH 07.07.2009 5 Ob 122/09s
    Ähnlich; Beis wie T2; Bem: Hier: Keine gemeinsame Haushaltsführung und Pflege der Kinder. (T5)
  • 1 Ob 24/14g
    Entscheidungstext OGH 27.02.2014 1 Ob 24/14g
    Vgl auch; Beis wie T2
  • 8 Ob 39/16t
    Entscheidungstext OGH 30.08.2016 8 Ob 39/16t
    Auch; nur T1; Beisatz: Nunmehr § 181 Abs 1 ABGB. (T6)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1984:RS0047422

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

16.09.2016

Dokumentnummer

JJR_19840502_OGH0002_0010OB00528_8400000_001

Rechtssatz für 1Ob528/84 1Ob629/90 7Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0048120

Geschäftszahl

1Ob528/84; 1Ob629/90; 7Ob317/01w; 5Ob122/09s; 1Ob24/14g

Entscheidungsdatum

02.05.1984

Norm

ABGB §154 Abs1 G
ABGB §154a Abs1

Rechtssatz

Die §§ 154, 154a ABGB regeln nur das Recht zur Vertretung der Kinder durch ihre Eltern nach außen, also Behörden und dritten Personen gegenüber, nicht aber im Innenverhältnis zwischen den Eltern.

Entscheidungstexte

  • 1 Ob 528/84
    Entscheidungstext OGH 02.05.1984 1 Ob 528/84
    Veröff: SZ 57/84 = JBl 1985,162 = ÖA 1984,100
  • 1 Ob 629/90
    Entscheidungstext OGH 24.10.1990 1 Ob 629/90
  • 7 Ob 317/01w
    Entscheidungstext OGH 14.01.2002 7 Ob 317/01w
  • 5 Ob 122/09s
    Entscheidungstext OGH 07.07.2009 5 Ob 122/09s
  • 1 Ob 24/14g
    Entscheidungstext OGH 27.02.2014 1 Ob 24/14g
    Vgl auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1984:RS0048120

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

22.07.2014

Dokumentnummer

JJR_19840502_OGH0002_0010OB00528_8400000_002

Rechtssatz für 10ObS5/95 10Ob502/96 2O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0058177

Geschäftszahl

10ObS5/95; 10Ob502/96; 2Ob102/97g (2Ob103/97d); 1Ob56/99p; 4Ob71/08g; 10Ob23/08t; 2Ob10/08x; 3Ob39/09w; 5Ob122/09s; 2Ob253/08g; 7Ob134/10x; 2Ob128/10b; 10Ob76/11s; 2Ob153/11f; 8Ob99/12k; 8Ob100/13h; 1Ob24/14g; 6Ob46/15f; 10Ob90/15f; 2Ob139/17f; 7Ob134/17g; 4Ob72/18v; 7Ob110/18d; 1Ob208/18x

Entscheidungsdatum

31.01.1995

Norm

ABGB §271
ABGB idF KindRÄG 2001 §271

Rechtssatz

Voraussetzung für die Kuratorbestellung ist Kollision im formellen und materiellen Sinn. Kollision im formellen Sinn liegt vor, wenn ein zufolge Gesetz oder behördlicher Verfügung Vertretungsbefugter in bestimmten Angelegenheiten nicht nur zu vertreten, sondern auch im eigenen oder im Namen Dritter zu handeln hätte. Kollision im materiellen Sinn liegt vor, wenn bei Kollision im formellen Sinn zusätzlich noch ein Interessenwiderspruch besteht. Dieser kann sich auch aus den Interessen anderer Personen als des Vertretungsbefugten ergeben, wenn letzter geneigt sein könnte, diese Interessen denen des von ihm Vertretern vorzuziehen.

Entscheidungstexte

  • 10 ObS 5/95
    Entscheidungstext OGH 31.01.1995 10 ObS 5/95
    Veröff: SZ 68/111
  • 10 Ob 502/96
    Entscheidungstext OGH 09.01.1996 10 Ob 502/96
  • 2 Ob 102/97g
    Entscheidungstext OGH 26.05.1997 2 Ob 102/97g
  • 1 Ob 56/99p
    Entscheidungstext OGH 29.06.1999 1 Ob 56/99p
  • 4 Ob 71/08g
    Entscheidungstext OGH 10.06.2008 4 Ob 71/08g
    Auch; Beisatz: Die Möglichkeit einer materiellen Interessenkollision besteht, wenn ein betreuender Elternteil, der aufgrund einer Vereinbarung mit dem anderen Elternteil zum Tragen des gesamten Unterhalts verpflichtet ist, als gesetzlicher Vertreter des Kindes Ansprüche gegen den anderen Elternteil geltend macht. (T1)
  • 10 Ob 23/08t
    Entscheidungstext OGH 26.06.2008 10 Ob 23/08t
    Vgl auch; Beisatz: Ein Kollisionsfall im Sinne des § 271 ABGB setzt voraus, dass eine materielle Kollision, nämlich eine konkrete Gefährdung der Interessen des minderjährigen Kindes vorliegt. Maßgeblich für das Erfordernis der Bestellung eines Kollisionskurators ist daher, dass aufgrund des objektiven Sachverhalts eine gesetzmäßige Vertretung des Minderjährigen wegen eines zu befürchtenden Widerstreits an Interessen nicht zu erwarten ist; der Interessenwiderspruch muss sich auf die konkrete Angelegenheit auswirken. (T2)
    Beisatz: Eine unterschiedliche Ansicht zwischen dem Minderjährigen und dem gesetzlichen Vertreter begründet noch keine Kollision im Sinn des § 271 ABGB. (T3)
  • 2 Ob 10/08x
    Entscheidungstext OGH 26.06.2008 2 Ob 10/08x
    Vgl auch; Beisatz: Kollisionsfall bei Widerstreit mit einem unmittelbaren Eigeninteresse des gesetzlichen Vertreters. (T4)
    Beis wie T3
  • 3 Ob 39/09w
    Entscheidungstext OGH 25.03.2009 3 Ob 39/09w
    Vgl
  • 5 Ob 122/09s
    Entscheidungstext OGH 07.07.2009 5 Ob 122/09s
    Vgl aber; Beisatz: § 271 Abs 2 ABGB idF KindRÄG 2001 vermutet für die Verfahren zur Durchsetzung des Unterhalts nach § 140 ABGB eine ausreichende Interessenwahrnehmung durch das Gericht. (T5)
  • 2 Ob 253/08g
    Entscheidungstext OGH 16.07.2009 2 Ob 253/08g
    Vgl; auch Beis wie T2; vgl Beis wie T1
  • 7 Ob 134/10x
    Entscheidungstext OGH 14.07.2010 7 Ob 134/10x
    Auch
  • 2 Ob 128/10b
    Entscheidungstext OGH 11.11.2010 2 Ob 128/10b
    Vgl auch; Auch Beis wie T2
    Veröff: SZ 2010/143
  • 10 Ob 76/11s
    Entscheidungstext OGH 04.10.2011 10 Ob 76/11s
    Vgl auch; Beis wie T3
  • 2 Ob 153/11f
    Entscheidungstext OGH 22.12.2011 2 Ob 153/11f
    Vgl; Auch Beis wie T2
  • 8 Ob 99/12k
    Entscheidungstext OGH 24.10.2012 8 Ob 99/12k
    nur: Voraussetzung für die Kuratorbestellung ist Kollision im formellen und materiellen Sinn. Kollision im formellen Sinn liegt vor, wenn ein zufolge Gesetz oder behördlicher Verfügung Vertretungsbefugter in bestimmten Angelegenheiten nicht nur zu vertreten, sondern auch im eigenen oder im Namen Dritter zu handeln hätte. Kollision im materiellen Sinn liegt vor, wenn bei Kollision im formellen Sinn zusätzlich noch ein Interessenwiderspruch besteht. (T6); Veröff: SZ 2012/111
  • 8 Ob 100/13h
    Entscheidungstext OGH 28.10.2013 8 Ob 100/13h
    Auch; Beisatz: Die Bestellung eines Kollisionskurators nach § 271 ABGB setzt eine Interessenkollision des „gesetzlichen“ Vertreters voraus, sodass die Rechtsansicht, dass die Voraussetzungen des § 271 ABGB im Fall der Bevollmächtigung des Rechtsvertreters einer anderen am Verfahren beteiligten Partei durch den gesetzlichen Vertreter nicht erfüllt sind, nicht unvertretbar ist. (T7)
  • 1 Ob 24/14g
    Entscheidungstext OGH 27.02.2014 1 Ob 24/14g
    Auch
  • 6 Ob 46/15f
    Entscheidungstext OGH 01.09.2015 6 Ob 46/15f
    Vgl auch; Beis wie T4; Beisatz: Auch außerhalb von Doppelvertretung und Insichgeschäft kann bei Widerstreit mit einem unmittelbaren Eigeninteresse des gesetzlichen Vertreters das Vorliegen eines Kollisionsfalls zu prüfen sein. (T8); Veröff: SZ 2015/89
  • 10 Ob 90/15f
    Entscheidungstext OGH 15.12.2015 10 Ob 90/15f
  • 2 Ob 139/17f
    Entscheidungstext OGH 27.07.2017 2 Ob 139/17f
    Auch
  • 7 Ob 134/17g
    Entscheidungstext OGH 21.09.2017 7 Ob 134/17g
    Auch; Beis wie T4; Beis ähnlich wie T8
  • 4 Ob 72/18v
    Entscheidungstext OGH 23.10.2018 4 Ob 72/18v
    Vgl auch; Beisatz: Ob eine materielle Interessenkollision vorliegt, ist abstrahierend ex-ante zu beurteilen. Es darf nicht abgewartet werden, bis tatsächliche konkrete Interessenkollision vorliegt. (T9); Beisatz: Hier: Vaterschaftsfeststellungsverfahren. (T10)
  • 7 Ob 110/18d
    Entscheidungstext OGH 04.07.2018 7 Ob 110/18d
    Auch
  • 1 Ob 208/18x
    Entscheidungstext OGH 03.04.2019 1 Ob 208/18x
    Beis wie T4; Beis wie T8

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1995:RS0058177

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

08.05.2019

Dokumentnummer

JJR_19950131_OGH0002_010OBS00005_9500000_001

Rechtssatz für 3Ob524/95 3Ob540/95 10O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0079249

Geschäftszahl

3Ob524/95; 3Ob540/95; 10Ob517/95 (10Ob520/95); 6Ob38/01h (6Ob255/01w); 6Ob97/05s; 2Ob174/08i; 2Ob135/09f; 10Ob26/12i; 8Ob99/12k; 1Ob24/14g; 3Ob112/14p; 10Ob90/15f

Entscheidungsdatum

12.07.1995

Norm

ABGB §140 Ag
ABGB §271
AußStrG §5 Abs2 Z1 lita

Rechtssatz

Richtet sich der Antrag des Kindes auf Unterhaltsfestsetzung gegen den als Vertreter berufenen Elternteil, so liegt ein Fall des § 271 ABGB vor und es muss daher für das Kind ein besonderer Kurator bestellt werden.

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 524/95
    Entscheidungstext OGH 12.07.1995 3 Ob 524/95
  • 3 Ob 540/95
    Entscheidungstext OGH 11.10.1995 3 Ob 540/95
  • 10 Ob 517/95
    Entscheidungstext OGH 17.10.1995 10 Ob 517/95
    Vgl auch; Beisatz: Das gleiche gilt, wenn beide Elternteile gegeneinander namens ihres Kindes einschreiten und begehren, jeweils den anderen Teil zum Unterhalt zu verpflichten. (T1)
  • 6 Ob 38/01h
    Entscheidungstext OGH 18.10.2001 6 Ob 38/01h
  • 6 Ob 97/05s
    Entscheidungstext OGH 23.06.2005 6 Ob 97/05s
  • 2 Ob 174/08i
    Entscheidungstext OGH 30.10.2008 2 Ob 174/08i
    Beisatz: Im Einklang mit dieser Rechtsprechung sieht § 5 Abs 2 Z 1 lit a AußStrG diese Vorgangsweise nunmehr ausdrücklich vor. (T2); Veröff: SZ 2008/159
  • 2 Ob 135/09f
    Entscheidungstext OGH 03.09.2009 2 Ob 135/09f
  • 10 Ob 26/12i
    Entscheidungstext OGH 24.07.2012 10 Ob 26/12i
    Auch; Beis wie T2; Veröff: SZ 2012/72
  • 8 Ob 99/12k
    Entscheidungstext OGH 24.10.2012 8 Ob 99/12k
    Beisatz: Für die Beurteilung kommt es nur auf die konkreten Anträge an, die im Unterhaltsverfahren gestellt wurden. (T3); Veröff: SZ 2012/111
  • 1 Ob 24/14g
    Entscheidungstext OGH 27.02.2014 1 Ob 24/14g
    Auch
  • 3 Ob 112/14p
    Entscheidungstext OGH 23.07.2014 3 Ob 112/14p
    Auch; Beis wie T1
  • 10 Ob 90/15f
    Entscheidungstext OGH 15.12.2015 10 Ob 90/15f

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1995:RS0079249

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

26.01.2016

Dokumentnummer

JJR_19950712_OGH0002_0030OB00524_9500000_002

Rechtssatz für 10Ob517/95 (10Ob520/95)...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0087661

Geschäftszahl

10Ob517/95 (10Ob520/95); 5Ob122/09s; 1Ob24/14g

Entscheidungsdatum

17.10.1995

Norm

ABGB §140 Aa
ABGB §140 Ag
ABGB §154 G
ABGB §154a Abs1
ABGB §176 Abs1 B
ABGB §177 B

Rechtssatz

Ungeachtet ausstehender Sorgerechtsentscheidung ist jener Elternteil, bei dem das minderjährige eheliche Kind mit Zustimmung des andern Elternteils lebt, zur Antragstellung im Unterhaltsverfahren zumindest vorläufig legitimiert. Im Unterhaltsantrag kann ein Antrag um Bestellung zum besonderen Sachwalter enthalten sein, dem das Gericht konkludent in seiner Unterhaltsentscheidung stattgeben kann.

Entscheidungstexte

  • 10 Ob 517/95
    Entscheidungstext OGH 17.10.1995 10 Ob 517/95
  • 5 Ob 122/09s
    Entscheidungstext OGH 07.07.2009 5 Ob 122/09s
    Vgl auch
  • 1 Ob 24/14g
    Entscheidungstext OGH 27.02.2014 1 Ob 24/14g
    Auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1995:RS0087661

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

22.07.2014

Dokumentnummer

JJR_19951017_OGH0002_0100OB00517_9500000_002

Rechtssatz für 2Ob102/97g (2Ob103/97d)...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0107600

Geschäftszahl

2Ob102/97g (2Ob103/97d); 4Ob71/08g; 5Ob122/09s; 2Ob153/11f; 8Ob99/12k; 2Nc11/13k; 1Ob24/14g; 10Ob90/15f; 2Ob94/19s

Entscheidungsdatum

26.05.1997

Norm

ABGB §271
ABGB idF KindRÄG 2001 §271
ABGB idF 2.ErwSchG §277 Abs2

Rechtssatz

Die Bestellung eines Kurators setzt nicht voraus, dass der Interessenwiderspruch schon zu einer Schädigung des Minderjährigen geführt hat, vielmehr soll durch die Bestellung des Kurators eine derartige Schädigung hintangehalten werden. Ein Kurator ist also schon dann zu bestellen, wenn aufgrund eines objektiv gegebenen Interessenwiderspruches eine Gefährdung der Interessen des Minderjährigen möglich ist.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 102/97g
    Entscheidungstext OGH 26.05.1997 2 Ob 102/97g
  • 4 Ob 71/08g
    Entscheidungstext OGH 10.06.2008 4 Ob 71/08g
    Auch; nur: Ein Kurator ist schon dann zu bestellen, wenn aufgrund eines objektiv gegebenen Interessenwiderspruches eine Gefährdung der Interessen des Minderjährigen möglich ist. (T1)
    Beisatz: Denn schon aus Gründen der Rechtssicherheit kann die Wirksamkeit der Vertretung durch die Mutter und damit die mögliche Nichtigkeit des Verfahrens nicht davon abhängen, ob die Mutter - ex post betrachtet - die Interessen des Kindes gewahrt hat oder nicht. (T2)
  • 5 Ob 122/09s
    Entscheidungstext OGH 07.07.2009 5 Ob 122/09s
    Vgl aber; Beisatz: § 271 Abs 2 ABGB idF KindRÄG 2001 vermutet für die Verfahren zur Durchsetzung des Unterhalts nach § 140 ABGB eine ausreichende Interessenwahrnehmung durch das Gericht. (T3)
  • 2 Ob 153/11f
    Entscheidungstext OGH 22.12.2011 2 Ob 153/11f
    nur T1
  • 8 Ob 99/12k
    Entscheidungstext OGH 24.10.2012 8 Ob 99/12k
    nur T1; Veröff: SZ 2012/111
  • 2 Nc 11/13k
    Entscheidungstext OGH 14.11.2013 2 Nc 11/13k
    Vgl; Beis wie T1; Beisatz: Hier: Interessenkollision zwischen Betroffenen und Sachwalter; schon die Gefahr einer solchen genügt. Bestellung eines Kollisionskurators auf Ersuchen des Prozessgerichtes nach § 6 Abs 2 ZPO durch das Sachwalterschaftsgericht gemäß §§ 109 Abs 1, 112 Abs 1 JN. (T4)
  • 1 Ob 24/14g
    Entscheidungstext OGH 27.02.2014 1 Ob 24/14g
    Auch
  • 10 Ob 90/15f
    Entscheidungstext OGH 15.12.2015 10 Ob 90/15f
    Auch
  • 2 Ob 94/19s
    Entscheidungstext OGH 24.06.2019 2 Ob 94/19s
    Auch; nur T1; Beisatz: Hier: Interessenkollision zwischen Vorsorgevollmachtgeberin und Vorsorgebevollmächtigtem nach Eintritt des Vorsorgefalls. (T5)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1997:RS0107600

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

08.08.2019

Dokumentnummer

JJR_19970526_OGH0002_0020OB00102_97G0000_002

Entscheidungstext 1Ob24/14g

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Fundstelle

Zak 2014/313 S 170 - Zak 2014,170 = EFSlg 141.165 = EFSlg 142.186 = EFSlg 142.187 = EFSlg 142.189 = EFSlg 142.190 = EFSlg 142.195 = EFSlg 142.197 = EFSlg 144.433

Geschäftszahl

1Ob24/14g

Entscheidungsdatum

27.02.2014

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten Hon.-Prof. Dr. Sailer als Vorsitzenden sowie die Hofräte Univ.-Prof. Dr. Bydlinski, Dr. Grohmann, Mag. Wurzer und Mag. Dr. Wurdinger als weitere Richter in der Pflegschaftssache der Minderjährigen 1. S***** K*****, geboren am ***** 2002, und 2. C***** K*****, geboren am ***** 2004, wegen Unterhalts, im Verfahren über den ordentlichen Revisionsrekurs der beiden Kinder, vertreten durch die Mutter J***** K*****, vertreten durch Mag. Anna-Maria Freiberger, Rechtsanwältin in Wien, gegen den Beschluss des Landesgerichts Korneuburg als Rekursgericht vom 26. September 2013, GZ 20 R 90/13w-65, mit dem der Beschluss des Bezirksgerichts Gänserndorf vom 3. Juni 2013, GZ 6 Pu 134/13b-51, teils aufgehoben und teils der Unterhaltsantrag der Kinder zurückgewiesen wurde, den

Beschluss

gefasst:

Spruch

1. Die Akten werden dem Erstgericht mit dem Auftrag zurückgestellt, einen Kollisionskurator für die beiden Kinder zu bestellen. Der Kurator ist unter Setzung einer angemessenen Frist zu befragen, ob er die bisherige Verfahrensführung durch die Mutter der Kinder genehmigt.

2. Die Akten sind dem Obersten Gerichtshof nach Rechtskraft der Kuratorbestellung und Vorliegen der Erklärung oder ungenutztem Ablauf der dafür gesetzten Frist wieder vorzulegen.

Text

Begründung:

Die beiden Kinder befanden sich nach Scheidung der Ehe in gemeinsamer Obsorge der Eltern. Der Vater verließ am 7. 1. 2012 den gemeinsamen Haushalt. Die Kinder lebten zunächst bei der Mutter und sind seit 19. 2. 2013 in einem Krisenzentrum untergebracht.

Das Erstgericht entzog am 29. 8. 2013 der Mutter die Obsorge über die beiden Kinder, übertrug sie zur Gänze auf den Vater und sprach aus, dass diesem Beschluss gemäß § 44 (Abs 1) AußStrG vorläufige Verbindlichkeit zukommt. Dem dagegen von der Mutter erhobenen Rekurs wurde nicht Folge gegeben. Ihren außerordentlichen Revisionsrekurs wies der Oberste Gerichtshof mit Beschluss vom heutigen Tag zurück (1 Ob 16/14f).

Nachdem der Vater zunächst selbst einen „Antrag auf Unterhaltsfestsetzung“ gegenüber den beiden Kindern eingebracht hatte, der primär darauf gerichtet ist, dass er durch die Zurverfügungstellung des Wohnhauses ausreichend Naturalunterhalt erbringe, begehrten die Kinder, vertreten durch ihre Mutter, zuletzt vom Vater Unterhalt, und zwar für S***** den in der Zeit vom 7. 1. 2012 bis 28. 2. 2013 entstandenen Unterhaltsrückstand von 8.404 EUR samt 4 % „gestaffelter Verzugszinsen“, den in diesem Zeitraum entstandenen Unterhaltsrückstand für C***** von 8.216 EUR und beginnend mit 1. 3. 2013 einen monatlichen Unterhalt für S***** von 596 EUR und für C***** von 502 EUR.

Der Vater bestritt, insbesondere wegen des von ihm geleisteten Naturalunterhalts und im Hinblick auf das anhängige Obsorgeverfahren, in dem ihm sehr wahrscheinlich die Obsorge der beiden Kinder übertragen werde, seine Zahlungsverpflichtung.

Das Erstgericht verpflichtete den Vater ab 1. 3. 2013 zu einem monatlichen Unterhalt für S***** von 596 EUR und für C***** von 502 EUR und sprach weiters aus, dass der Vater schuldig sei, den in der Zeit vom 7. 1. 2012 bis 28. 2. 2013 entstandenen Rückstand für S***** von 8.404 EUR samt 4 % „gestaffelter Verzugszinsen“ sowie für C***** von 8.141 EUR samt 4 % „gestaffelter Verzugszinsen“ zu bezahlen. Das Mehrbegehren C*****s wies es ab. Dies wurde im Wesentlichen damit begründet, dass diese Beträge der Leistungsfähigkeit des Vaters entsprächen.

Das Rekursgericht wies den Rekurs der beiden Kinder zurück (Punkt 1.) und gab dem Rekurs des Vaters Folge, hob den erstgerichtlichen Beschluss hinsichtlich des Unterhaltszuspruchs für den Zeitraum 7. 1. 2012 bis 18. 2. 2013 zur Verfahrensergänzung durch das Erstgericht auf (Punkt 2.a) und wies den Unterhaltsantrag der Kinder, den Vater ab 19. 2. 2013 zu einer Unterhaltsleistung zu verpflichten, zurück (Punkt 2.b). Es sprach zunächst aus, dass der ordentliche Revisionsrekurs gegen die Punkte 1. und 2.b nicht zulässig sei. Zwar sei die Vertretungsbefugnis der Mutter für den Zeitraum 7. 1. 2012 bis 18.2. 2013 ebenso wie ein Unterhaltsanspruch der beiden Kinder gegen den Vater dem Grunde nach zu bejahen. Anders verhalte es sich allerdings ab dem Zeitpunkt 19. 2. 2013, ab dem sich die Kinder in Drittpflege befänden. Ab diesem Zeitpunkt seien beide Elternteile nach Maßgabe ihrer Lebensverhältnisse zur Zahlung einer Geldrente verpflichtet und ab diesem Zeitpunkt sei die Mutter daher „naturgemäß nicht mehr in Unterhaltsfragen für die Kinder vertretungsbefugt“. Der Unterhaltsantrag der Kinder, vertreten durch die Mutter, sei daher ab 19. 2. 2013 als unzulässig zurückzuweisen.

Aufgrund einer Zulassungsvorstellung der beiden Kinder, vertreten durch die Mutter, die sich nur gegen die Zurückweisung ihres Unterhaltsantrags ab 19. 2. 2013 richtet (Punkt 2.b der Rekursentscheidung) ließ das Rekursgericht den ordentlichen Revisionsrekurs nachträglich zu. Als Begründung verwies es auf § 169 (Abs 1) ABGB und die „Wahrung der Rechtseinheit und der Rechtssicherheit“.

Im Revisionsrekurs begehren die Kinder die Abänderung des zweitinstanzlichen Beschlusses dahin, dass der Vater verpflichtet werde, ab 19. 2. 2013 für S***** monatlich 596 EUR an Unterhalt und für C***** monatlich 502 EUR bis auf weiteres zu Handen des jeweiligen Vertreters in Unterhaltssachen zu bezahlen.

Der Vater begehrt in der Revisionsrekursbeantwortung die Zurückweisung des Rechtsmittels der Kinder, hilfsweise dessen Abweisung. Er argumentiert insbesondere damit, dass nach Übertragung der alleinigen Obsorge auf ihn der Mutter die Legitimation zur Vertretung der Kinder fehle und er bereits sämtliche Unterhaltsanträge der Kinder zurückgezogen habe.

Rechtliche Beurteilung

Über den Revisionsrekurs der Kinder kann derzeit nicht inhaltlich entschieden werden.

1. Widerstreiten einander in einer bestimmten Angelegenheit die Interessen einer minderjährigen oder sonst nicht voll handlungsfähigen Person und jene ihres gesetzlichen Vertreters, so hat das Gericht der Person nach § 271 Abs 1 ABGB zur Besorgung dieser Angelegenheiten einen besonderen Kurator zu bestellen. Der Bestellung eines Kurators bedarf es nicht, wenn eine Gefährdung der Interessen des Vertretenen nicht zu besorgen ist und diese Interessen vom Gericht ausreichend wahrgenommen werden können. Das gilt nach § 271 Abs 2 zweiter Satz ABGB (idF KindNamRÄG 2013, BGBl I 2013/15) im Allgemeinen ua in Verfahren zur Durchsetzung von Unterhaltsansprüchen (§ 231 ABGB), auch wenn das Kind vom betreuenden Elternteil vertreten wird.

2. Gegenstand des Revisionsrekursverfahrens ist die Zurückweisung der Unterhaltsanträge der Kinder gegenüber dem Vater für den Zeitraum ab 19. 2. 2013. Nach den erstgerichtlichen Feststellungen befinden sich die Kinder seit diesem Zeitpunkt in einem Krisenzentrum. Zuvor lebten sie im Haushalt der nicht allein obsorgeberechtigten Mutter. Mit erstinstanzlichem Beschluss vom 29. 8. 2013, dem gemäß § 44 Abs 1 AußStrG ausdrücklich vorläufige Verbindlichkeit zukommt und der den Eltern am 30. 8. 2013 zugestellt wurde, wurde dem Vater die alleinige Obsorge der beiden Kinder übertragen. Auf die Rechtsprechung, wonach der Antrag des nicht allein obsorgeberechtigten und das Kind in seinem Haushalt betreuenden Elternteils, eine durch den anderen Elternteil zu erbringende Geldleistung für das Kind festzusetzen, das Begehren auf Bestellung zum „besonderen Sachwalter“ umfasst, und dass einem solchen Antrag durch eine in der Sache gefällte Unterhaltsentscheidung konkludent stattgegeben werden kann (RIS-Justiz RS0034795 [T3, T5]; RS0087661), kann hier nicht zurückgegriffen werden. Einerseits betreute die Mutter die Kinder ab 19. 2. 2013 nicht mehr in ihrem Haushalt und andererseits richtet sich der Antrag der Kinder auf Unterhaltsfestsetzung nunmehr gegen den mit der alleinigen Obsorge und damit als Vertreter berufenen Vater.

Der im Revisionsrekurs der Kinder und vom Rekursgericht angesprochene § 169 ABGB idF KindNamRÄG 2013 (§ 154a ABGB aF) ist im konkreten Zusammenhang nicht anwendbar. § 169 ABGB regelt nämlich nur das Recht zur Vertretung der Kinder durch ihre Eltern nach außen, also Behörden und dritten Personen gegenüber, nicht aber im Innenverhältnis zwischen den Eltern (RIS-Justiz RS0048120 [zu §§ 154, 154a ABGB aF]). Ein Elternteil kann daher die Vertretung der Kinder in Unterhaltsbelangen gegenüber dem anderen Elternteil nur aufgrund des § 169 Abs 1 ABGB durch Setzung der ersten Verfahrenshandlung nicht in Anspruch nehmen (5 Ob 122/09s; Weitzenböck in Schwimann, abgb-takom2.01 § 169 Rz 2; vgl RIS-Justiz RS0047422 [T2]).

3.1. Die Pflicht zur amtswegigen Bestellung eines Kollisionskurators nach § 271 ABGB knüpft an einen Interessenkonflikt zwischen dem Kind und dem gesetzlichen Vertreter an. Voraussetzung für die Kuratorbestellung ist eine Kollision im formellen und im materiellen Sinn. Kollision im formellen Sinn liegt vor, wenn ein zufolge Gesetz oder behördliche Verfügung Vertretungsbefugter in bestimmten Angelegenheiten nicht nur zu vertreten, sondern auch im eigenen oder im Namen Dritter zu handeln hätte. Kollision im materiellen Sinn liegt vor, wenn bei Kollision im formellen Sinn zusätzlich noch ein Interessenwiderspruch besteht (RIS-Justiz RS0058177). Ein Kurator ist dabei schon dann zu bestellen, wenn aufgrund eines objektiv gegebenen Interessenwiderstreits eine Gefährdung der Interessen des Minderjährigen möglich ist (RIS-Justiz RS0107600). Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sich der Antrag des Kindes auf Unterhaltsfestsetzung oder Unterhaltserhöhung gegen den als Vertreter berufenen Elternteil richtet, sich also das Kind als Gläubiger und der gesetzliche Vertreter als Schuldner gegenüberstehen (RIS-Justiz RS0079249; 8 Ob 99/12k mwN = iFamZ 2013/48, 89 [Fucik]; 10 Ob 26/12i = iFamZ 2012/216, 289 [Fucik]).

3.2. Ausgehend von diesen Grundsätzen ist im vorliegenden Fall ein Kollisionskurator zu bestellen. Der Vater ist nunmehr allein obsorgeberechtigt und damit gesetzlicher Vertreter der Kinder in Unterhaltssachen. Als solcher hat er die Befugnis, das Unterhaltsverfahren gegen ihn im Namen der Kinder zu deren Nachteil zu beeinflussen. So zog er nach Erlassung des zweitinstanzlichen Beschlusses sämtliche Unterhaltsfestsetzungsanträge der Kinder zurück. Da der Vater im Verfahren als Unterhaltsschuldner in Anspruch genommen wurde, steht seine Stellung als gesetzlicher Vertreter damit im Widerspruch. Darin liegt ein relevanter Interessenkonflikt und auch eine tatsächliche Gefährdung der Interessen der Kinder.

Für die vorzunehmende Beurteilung des Konfliktfalls kommt es (nur) auf die konkreten Anträge an, die im Unterhaltsverfahren gestellt wurden. Darauf, ob und in welchen Konstellationen einem Antrag auch inhaltliche Berechtigung zukommen könnte, ist nicht abzustellen. Auch eine zeitliche Zweigliederung des konkreten Unterhaltsverfahrens ist nicht sachgerecht. Vielmehr ist das Unterhaltsverfahren als Einheit zu betrachten. Dieses darf nicht durch unterschiedliche Vertretungsbefugnisse in Abhängigkeit von einzelnen Zeitperioden erschwert werden (8 Ob 99/12k).

4. Nach § 5 Abs 1 AußStrG hat das Gericht das Erforderliche zu veranlassen, um den Mangel der gesetzlichen Vertretung zu beseitigen. Diese Sanierung kann im vorliegenden Fall durch die Genehmigung des Verfahrens durch einen Kollisionskurator erfolgen. Dessen Bestellung obliegt - ungeachtet der nicht zwischen Erst- und Rechtsmittelgerichten unterscheidenden Formulierung in § 5 Abs 2 Z 1 lit a AußStrG - hier dem Erstgericht. Der Oberste Gerichtshof ist keine Tatsacheninstanz; daher fehlt ihm - anders als allenfalls einem Gericht zweiter Instanz - die funktionelle Zuständigkeit für die Ermittlung der tatsächlichen Grundlagen zur Auswahl eines Kurators (4 Ob 71/08g mwN; G. Kodek in Gitschthaler/Höllwerth, AußStrG § 5 Rz 23).

Dass in Verfahren, für die der Rechtspfleger funktionell zuständig ist (wie hier das erstinstanzliche Unterhaltsverfahren), dieser auch einen Kollisionskurator für die Minderjährigen bestellen kann, wurde bereits klargestellt (10 Ob 26/12i = iFamZ 2012/216, 289 [zust Fucik]).

Aufgrund dieser Erwägungen sind dem Erstgericht die aus dem Spruch ersichtlichen Aufträge zu erteilen. Über den Revisionsrekurs wird nach Vorliegen der Erklärung des Kollisionskurators oder nach ungenutztem Ablauf der dafür vom Erstgericht gesetzten Frist zu entscheiden sein.

Schlagworte

Zivilverfahrensrecht,Unterhaltsrecht

Textnummer

E107255

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2014:0010OB00024.14G.0227.000

Im RIS seit

05.05.2014

Zuletzt aktualisiert am

20.06.2017

Dokumentnummer

JJT_20140227_OGH0002_0010OB00024_14G0000_000