Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 5Ob582/78 1Ob547/81 2Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0072888

Geschäftszahl

5Ob582/78; 1Ob547/81; 2Ob183/82; 7Ob645/86; 8Ob623/87; 2Ob538/88; 8Ob550/89; 2Ob526/90; 8Ob503/94; 1Ob2397/96y; 7Ob115/98g; 6Ob328/02g; 2Ob218/05f; 2Ob210/06f; 4Ob26/10t; 3Ob45/11f; 10Ob18/12p; 1Ob116/19v

Entscheidungsdatum

14.11.1978

Norm

stmk SHG §28
Wr SHG §25
Wr SHG §27
StPGG §13 Abs1

Rechtssatz

Mit der Erstattung der schriftlichen Anzeige der Stadt Wien an den Unterhaltspflichtigen gemäß § 27 Wr SHG geht der Unterhaltsanspruch der Empfängerin der Sozialhilfe gegen den Unterhaltspflichtigen auf sie als Sozialhilfeträgerin über. Die Folge dieses gesetzlichen Forderungsüberganges liegt ausschließlich im Wechsel der Rechtszuständigkeit, an der rechtlichen Natur der übertragenen Forderung ändert sich nichts. Diese Forderung ist demnach auf Grund der angeführten landesgesetzlichen Vorschrift ins Vermögen der nun klagenden Stadt Wien übergegangen, sie unterliegt aber unverändert dem für sie maßgeblichen Bundesrecht.

Entscheidungstexte

  • 5 Ob 582/78
    Entscheidungstext OGH 14.11.1978 5 Ob 582/78
    Veröff: JBl 1979,543
  • 1 Ob 547/81
    Entscheidungstext OGH 29.04.1981 1 Ob 547/81
    Vgl auch; Beisatz: Kein Verzicht der Empfängerin der Sozialhilfe auf die zedierten bereits bestehenden oder erst zukünftig entstehenden Unterhaltsansprüche mit Wirkung für die Sozialhilfeträgerin. (T1)
  • 2 Ob 183/82
    Entscheidungstext OGH 17.01.1984 2 Ob 183/82
    Auch; Beisatz: Legalzession hinsichtlich der Ansprüche auf Deckung, des "Lebensbedarfes" umfasst nicht nur Kosten des Unterhaltes, sondern auch Kosten einer Pflege. (T2)
  • 7 Ob 645/86
    Entscheidungstext OGH 02.10.1986 7 Ob 645/86
    Auch; Beisatz: Eine Enthebung des Unterhaltspflichtigen kann nur unter der Voraussetzung erfolgen, dass der Sozialhilfeträger die in § 27 Wr SHG normierte Legalzession nicht in Anspruch nimmt. (T3)
  • 8 Ob 623/87
    Entscheidungstext OGH 21.10.1987 8 Ob 623/87
    Beis wie T3; Beisatz: Der sonst nach dem Gesetz zustehende Anspruch auf Unterhalt wird als ruhend betrachtet, solange der Lebensbedarf vom Sozialhilfeträger ohne Ersatzanspruch endgültig zur Gänze gedeckt wird. (hier: sbg SHG). (T4)
    Veröff: ÖA 1988,78 (Anmerkung Gamerith)
  • 2 Ob 538/88
    Entscheidungstext OGH 12.07.1988 2 Ob 538/88
    nur: Mit der Erstattung der schriftlichen Anzeige der Stadt Wien an den Unterhaltspflichtigen gemäß § 27 Wr SHG geht der Unterhaltsanspruch der Empfängerin der Sozialhilfe gegen den Unterhaltspflichtigen auf sie als Sozialhilfeträgerin über. (T5)
  • 8 Ob 550/89
    Entscheidungstext OGH 16.03.1989 8 Ob 550/89
    Auch; nur T5; Beis wie T3; Veröff: EvBl 1989/142 S 564 = EFSlg XXVI/2
  • 2 Ob 526/90
    Entscheidungstext OGH 23.05.1990 2 Ob 526/90
  • 8 Ob 503/94
    Entscheidungstext OGH 24.02.1994 8 Ob 503/94
    nur: Die Folge dieses gesetzlichen Forderungsüberganges liegt ausschließlich im Wechsel der Rechtszuständigkeit, an der rechtlichen Natur der übertragenen Forderung ändert sich nichts. (T6)
  • 1 Ob 2397/96y
    Entscheidungstext OGH 18.04.1997 1 Ob 2397/96y
    Vgl; nur T5; Beisatz: Hier: Sbg SHG. (T7)
  • 7 Ob 115/98g
    Entscheidungstext OGH 19.05.1998 7 Ob 115/98g
    nur T6; Beisatz: Hier: Legalzession gemäß § 43 nö SHG. (T8)
  • 6 Ob 328/02g
    Entscheidungstext OGH 23.01.2003 6 Ob 328/02g
    Auch; Beisatz: Hier: Legalzession nach § 28 stmk SHG; Ausgedingeansprüche. (T9)
  • 2 Ob 218/05f
    Entscheidungstext OGH 19.12.2005 2 Ob 218/05f
    Auch; Beis wie T7; Beisatz: Der bloße Wechsel in der Rechtszuständigkeit ändert nichts an der rechtlichen Natur der übergegangenen Forderungen. (T10)
  • 2 Ob 210/06f
    Entscheidungstext OGH 12.04.2007 2 Ob 210/06f
    Vgl; Beisatz: Hier: § 13 Abs 1 StPGG; § 13 Abs 2 StPGG steht dem nicht entgegen. (T11)
  • 4 Ob 26/10t
    Entscheidungstext OGH 20.04.2010 4 Ob 26/10t
    Auch
  • 3 Ob 45/11f
    Entscheidungstext OGH 12.10.2011 3 Ob 45/11f
    Auch; Veröff: SZ 2011/123
  • 10 Ob 18/12p
    Entscheidungstext OGH 05.06.2012 10 Ob 18/12p
    Auch
  • 1 Ob 116/19v
    Entscheidungstext OGH 23.10.2019 1 Ob 116/19v

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1978:RS0072888

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

06.12.2019

Dokumentnummer

JJR_19781114_OGH0002_0050OB00582_7800000_001

Rechtssatz für 2Ob236/78 2Ob167/80 2Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0034606

Geschäftszahl

2Ob236/78; 2Ob167/80; 2Ob61/81; 8Ob78/84; 2Ob212/99m; 2Ob159/00x; 8Ob63/00y; 6Ob142/01b; 2Ob84/05z; 2Ob218/05f; 10Ob18/12p; 2Ob191/14y

Entscheidungsdatum

27.02.1979

Norm

ABGB §1489 I
ASVG §332 E

Rechtssatz

Ein vom Geschädigten erwirktes Feststellungsurteil unterbricht die Verjährung auch zugunsten eines auf Grund einer Legalzession erst nachträglich leistungspflichtig werdenden Sozialversicherungsträgers.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 236/78
    Entscheidungstext OGH 27.02.1979 2 Ob 236/78
  • 2 Ob 167/80
    Entscheidungstext OGH 09.12.1980 2 Ob 167/80
  • 2 Ob 61/81
    Entscheidungstext OGH 17.11.1981 2 Ob 61/81
    Vgl
  • 8 Ob 78/84
    Entscheidungstext OGH 14.02.1985 8 Ob 78/84
  • 2 Ob 212/99m
    Entscheidungstext OGH 26.08.1999 2 Ob 212/99m
  • 2 Ob 159/00x
    Entscheidungstext OGH 20.06.2000 2 Ob 159/00x
    Beisatz: Hier: Legalzession gemäß § 16 BPGG. (T1)
  • 8 Ob 63/00y
    Entscheidungstext OGH 26.04.2001 8 Ob 63/00y
    Beisatz: Hier: Legalzession gemäß § 13 WPGG idF LGBl 42/1993. (T2)
  • 6 Ob 142/01b
    Entscheidungstext OGH 13.09.2001 6 Ob 142/01b
    Beisatz: Verständlicher formuliert: Das vom Geschädigten erwirkte Feststellungsurteil unterbricht die Verjährung zugunsten eines erst nachträglich leistungspflichtig werdenden Sozialversicherungsträgers, auf den der Anspruch des Geschädigten auf Grund einer Legalzession übergegangen ist. (T3)
  • 2 Ob 84/05z
    Entscheidungstext OGH 22.09.2005 2 Ob 84/05z
  • 2 Ob 218/05f
    Entscheidungstext OGH 19.12.2005 2 Ob 218/05f
    Beisatz: Hier: Sozialhilfeträger. (T4)
  • 10 Ob 18/12p
    Entscheidungstext OGH 05.06.2012 10 Ob 18/12p
    Auch; Beis wie T1; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 2 Ob 191/14y
    Entscheidungstext OGH 22.01.2015 2 Ob 191/14y
    Vgl auch; Beis wie T1

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1979:RS0034606

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

13.03.2015

Dokumentnummer

JJR_19790227_OGH0002_0020OB00236_7800000_001

Rechtssatz für 4Ob560/87 10Ob18/12p 8O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0063113

Geschäftszahl

4Ob560/87; 10Ob18/12p; 8Ob126/11d; 7Ob77/17z

Entscheidungsdatum

29.09.1987

Norm

JWG §4 Abs3
oöJWG §8 Abs2

Rechtssatz

Die Besonderheit der Legalzession nach § 4 Abs 3 JWG, § 8 Abs 2 oöJWG (und zahlreicher ähnlicher landesgesetzlicher Legalzessionsnormen im Bereich des Sozialhilferechts und des Jugendwohlfahrtsrechts) liegt darin, daß der Rechtsübergang nicht selbsttätig mit der Erbringung der Leistungen durch den Rechtsträger eintritt (wie etwa nach § 1358 ABGB), sondern aufgeschoben bleibt, bis der Rechtsträger dem Dritten die Unterhaltsgewährung schriftlich anzeigt. Diese Regelung hat aber zur Folge, daß der Unterhaltsanspruch des Minderjährigen gegen den Unterhaltspflichtigen im Umfang der vom Rechtsträger gewährten Unterstützung weder erlischt noch sofort selbsttätig auf den Rechtsträger übergeht, sondern bis zu Anzeige des Rechtsträgers an den Dritten aufrecht bleibt.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 560/87
    Entscheidungstext OGH 29.09.1987 4 Ob 560/87
    Veröff: SZ 60/191 = EvBl 1988/16 S 113 = RZ 1988/2 S 15 = ÖA 1988,49 = EFSlg XXIV/5
  • 10 Ob 18/12p
    Entscheidungstext OGH 05.06.2012 10 Ob 18/12p
    Vgl auch
  • 8 Ob 126/11d
    Entscheidungstext OGH 24.10.2012 8 Ob 126/11d
    Vgl; Beisatz: Hier: § 13 StPGG. (T1)
  • 7 Ob 77/17z
    Entscheidungstext OGH 27.09.2017 7 Ob 77/17z
    Vgl; Beisatz: Hier: Ein nach § 332 ASVG auf den Sozialversicherungsträger übergegangener Schadenersatzanspruch wegen eines ärztlichen Kunstfehlers. (T2)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1987:RS0063113

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

14.06.2018

Dokumentnummer

JJR_19870929_OGH0002_0040OB00560_8700000_002

Rechtssatz für 2Ob238/02t 8ObA73/03y 2...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0116986

Geschäftszahl

2Ob238/02t; 8ObA73/03y; 2Ob105/05p; 2Ob84/05z; 6Ob313/05f; 2Ob132/08p; 2Ob237/08d; 2Ob118/09f; 10Ob18/12p; 2Ob6/13s; 2Ob179/13g; 7Ob77/17z; 3Ob65/17f

Entscheidungsdatum

24.10.2002

Norm

ABGB §1489 IIA
ASVG §332 E

Rechtssatz

Für den Sozialversicherungsträger, der gemäß § 332 ASVG eine Schadenersatzforderung des Verletzten (Sozialversicherten) schon im Zeitpunkt des Entstehens der Schadenersatzforderung erwirbt, beginnt die Verjährungsfrist des § 1489 ABGB erst dann zu laufen, wenn er selbst die Kenntnis von Schaden und Schädiger erlangt hat oder erlangen hätte können.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 238/02t
    Entscheidungstext OGH 24.10.2002 2 Ob 238/02t
    Veröff: SZ 2002/143
  • 8 ObA 73/03y
    Entscheidungstext OGH 24.09.2004 8 ObA 73/03y
    Veröff: SZ 2004/141
  • 2 Ob 105/05p
    Entscheidungstext OGH 07.07.2005 2 Ob 105/05p
  • 2 Ob 84/05z
    Entscheidungstext OGH 22.09.2005 2 Ob 84/05z
  • 6 Ob 313/05f
    Entscheidungstext OGH 16.02.2006 6 Ob 313/05f
    Beisatz: Für den Beginn der Verjährungsfrist gegenüber einem Sozialversicherungsträger als Legalzessionar ist entscheidend, zu welchem Zeitpunkt er von jenem Schaden Kenntnis erlangt hat, für den er mit seiner Leistung einzutreten hat. Die Kenntnis des ersten in Anspruch genommenen Sozialversicherungsträgers von Schaden und Schädiger ist (nur) für den Beginn der Verjährung in Ansehung des eigenen Anspruchs von Bedeutung und löst den Beginn der Verjährungsfrist in Ansehung der auf einen weiteren Sozialversicherungsträger als Legalzessionar übergegangenen Forderung nicht aus. (T1)
  • 2 Ob 132/08p
    Entscheidungstext OGH 04.09.2008 2 Ob 132/08p
  • 2 Ob 237/08d
    Entscheidungstext OGH 13.11.2008 2 Ob 237/08d
    Auch
  • 2 Ob 118/09f
    Entscheidungstext OGH 04.03.2010 2 Ob 118/09f
    Beisatz: Vertretbarkeit der Auffassung, dass dem Sozialversicherungsträger als Legalzessionar eine neuerliche Einsichtnahme in den Strafakt in einem fortgeschritteneren Verfahrensstadium als der bloßen Polizeianzeige zumutbar sei, zumal es im Bereich der Lebenserfahrung liegt, dass sich im Laufe von Gerichtsverfahren die Frage des (Mit-)Verschuldens am Zustandekommen eines Verkehrsunfalls mit mehreren Beteiligten abweichend von den ursprünglichen Annahmen darstellen kann. (T2)
  • 10 Ob 18/12p
    Entscheidungstext OGH 05.06.2012 10 Ob 18/12p
    Auch
  • 2 Ob 6/13s
    Entscheidungstext OGH 24.01.2013 2 Ob 6/13s
    Auch; Beisatz: Hier analoge Anwendung auf die Kostenersatzpflicht des Bundes gegenüber Feuerwehren und Waldeigentümer gemäß § 16 Stmk Waldschutzgesetz. (T3)
  • 2 Ob 179/13g
    Entscheidungstext OGH 13.02.2014 2 Ob 179/13g
    Beis wie T1
  • 7 Ob 77/17z
    Entscheidungstext OGH 27.09.2017 7 Ob 77/17z
    Auch; Beisatz: Hier: Ein nach § 332 ASVG auf den Sozialversicherungsträger übergegangener Schadenersatzanspruch wegen eines ärztlichen Kunstfehlers. (T4)
  • 3 Ob 65/17f
    Entscheidungstext OGH 25.10.2017 3 Ob 65/17f

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2002:RS0116986

Im RIS seit

23.11.2002

Zuletzt aktualisiert am

14.06.2018

Dokumentnummer

JJR_20021024_OGH0002_0020OB00238_02T0000_001

Entscheidungstext 10Ob18/12p

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Fundstelle

RdM‑LS 2012/54

Geschäftszahl

10Ob18/12p

Entscheidungsdatum

05.06.2012

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht durch den Senatspräsidenten Dr. Hradil als Vorsitzenden und die Hofräte Dr. Fellinger, Dr. Hoch und Dr. Schramm sowie die Hofrätin Dr. Fichtenau als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei Land Niederösterreich, 3109 St. Pölten, Landhausplatz 1, vertreten durch Urbanek Lind Schmied Reisch Rechtsanwälte OG in St. Pölten, gegen die beklagte Partei S***** GmbH, *****, vertreten durch Dr. Christian Kuhn Rechtsanwalts GmbH in Wien, wegen 1.) 10.956,92 EUR sA und 2.) Feststellung (Streitwert 1.000 EUR), (Revisionsinteresse 10.956,92 EUR), infolge Revision der beklagten Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Wien als Berufungsgericht vom 28. Februar 2012, GZ 1 R 254/11x-21, mit dem das Urteil des Handelsgerichts Wien vom 1. September 2011, GZ 35 Cg 285/09i-15, teilweise abgeändert wurde, in nichtöffentlicher Sitzung den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Die Revision wird gemäß § 508a Abs 2 ZPO mangels der Voraussetzungen des § 502 Abs 1 ZPO zurückgewiesen.

Die beklagte Partei ist schuldig, der klagenden Partei die mit 768,24 EUR (darin enthalten 128,04 EUR USt) bestimmten Kosten der Revisionsbeantwortung zu ersetzen.

Text

Begründung:

J***** A***** wurde am 18. 8. 2001 im Krankenhaus S*****, dessen Rechtsträger die beklagte Partei ist, geboren.

Am 29. 4. 2004 brachte sie, vertreten durch ihre Mutter, beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien eine Feststellungsklage ein. Mit in Rechtskraft erwachsenem Urteil vom 5. 4. 2006 wurde die Verpflichtung der beklagten Partei festgestellt, für alle aus der medizinischen Fehlbehandlung und der mangelnden Aufklärung im Laufe des Geburtsvorgangs und während der Geburt entstandenen und künftig auftretenden gesundheitlichen Schäden zu haften.

Das Land Niederösterreich zeigte der beklagten Partei mit Schreiben vom 21. 7. 2009 den Übergang der Ersatzansprüche gemäß § 13 Abs 1 NÖ Pflegegeldgesetz 1993 und mit Schreiben vom 17. 8. 2009 den Übergang der Ersatzansprüche nach § 42 Abs 1 und Abs 2 NÖ Sozialhilfegesetz 2000 an.

Mit der vorliegenden, am 28. 12. 2009 erhobenen Klage begehrt das Land Niederösterreich den Rückersatz des für die Zeit vom 1. 1. 2007 bis 30. 11. 2008 ausbezahlten Pflegegeldes in Höhe von 8.321,40 EUR und der vom September 2007 bis Juni 2008 geleisteten Sozialhilfe in Höhe von 2.635,52 EUR (insgesamt somit 10.956,92 EUR) sowie die Feststellung, dass ihm die beklagte Partei sämtliche Leistungen zu ersetzen habe, die sie J***** A***** zukünftig aufgrund der fehlerhaften Behandlung anlässlich deren Geburt- insbesondere im Rahmen des Pflegegeldes und der Sozialhilfe - zu leisten habe.

Die beklagte Partei wendete ua Verjährung ein, weil die Klägerin spätestens Mitte November 2006 Kenntnis vom Feststellungsurteil des Landesgerichts für Zivilrechtssachen Wien erhalten habe und sie spätestens zu diesem Zeitpunkt mit Aussicht auf Erfolg klagen hätte können.

Das Erstgericht gab sowohl dem Zahlungs- als auch dem Feststellungsbegehren zur Gänze statt. Rechtlich ging es davon aus, gemäß § 13 Abs 1 NÖ Pflegegeldgesetz 1993 (NÖ PGG) und § 42 Abs 1 und Abs 2 NÖ Sozialhilfegesetz 2000 sei der Schadenersatzanspruch erst ab dem Zeitpunkt der schriftlichen Anzeige beim Ersatzpflichtigen - somit im Jahr 2009 - übergegangen („aufgeschobene“ Legalzession). Das von J***** A***** bereits zuvor im Jahr 2006 erwirkte Feststellungsurteil habe die Verjährung auch zu Gunsten der erst nachträglich leistungspflichtig gewordenen Klägerin unterbrochen. Die Klage vom 28. 12. 2009 sei demnach innerhalb der Verjährungsfrist erhoben worden.

Das Berufungsgericht bestätigte das Ersturteil im Umfang der Stattgebung des Leistungsbegehrens, gab der von der beklagten Partei erhobenen Berufung aber insofern Folge, als es das Feststellungsbegehren - insoweit rechtskräftig - abwies. Es billigte die Rechtsansicht des Erstgerichts, dass das Leistungsbegehren nicht verjährt sei. Durch die Legalzession ändere sich nichts an der Rechtsnatur des Anspruchs, sodass sich auch die Verjährungsfrist und deren Lauf nicht ändere. Die Verjährungsfrist laufe gegenüber dem regressberechtigten Legalzessionar weiter, sofern sie im Zeitpunkt der Legalzession bereits zu laufen begonnen habe. Für den Beginn der Verjährungsfrist komme es deshalb nur auf die Kenntnis des Geschädigten von Schaden und Schädiger an, wogegen der Zeitpunkt, zu dem den Vertretern der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten das Feststellungsurteil zur Kenntnis gelangt sei, keine rechtliche Relevanz zukomme. Das Feststellungsbegehren sei abzuweisen, weil es dem Legalzessionar an einem rechtlichen Interesse zur Erwirkung eines Feststellungsurteils über die Haftung des Ersatzpflichtigen für zukünftig dem Geschädigten zu erbringende Leistungen mangle, sofern ihm die Wirkung der Verjährungsunterbrechung durch ein vom Geschädigten selbst erwirktes Feststellungsurteil zukomme.

Das Berufungsgericht bewertete den Entscheidungsgegenstand mit 5.000 EUR, nicht aber 30.000 EUR übersteigend und sprach aus, dass die Revision im Hinblick auf die zur Frage des rechtlichen Interesses an der Erhebung der Feststellungsklage abweichende Entscheidung 8 Ob 63/00y zulässig sei.

Nur die beklagte Partei bekämpft das Berufungsurteil im Umfang der Stattgebung des Leistungsbegehrens, sodass die Abweisung des Feststellungsbegehrens in Rechtskraft erwachsen ist. Die vom Berufungsgericht als erheblich iSd § 502 Abs 1 ZPO erachtete Rechtsfrage des Vorliegens (oder Nichtvorliegens) eines rechtlichen Interesses ist somit nicht mehr Gegenstand des Revisionsverfahrens. Eine andere erhebliche Rechtsfrage zeigt die Revisionswerberin mit ihren Ausführungen nicht auf:

Rechtliche Beurteilung

1. Es entspricht der ständigen Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs, dass der Übergang von Entschädigungsansprüchen durch Legalzession einen Wechsel der Rechtszuständigkeit zur Folge hat, aber grundsätzlich nichts an der Rechtsnatur der übertragenen Forderung ändert (RIS-Justiz RS0072888), so dass sich auch die Verjährungsfrist nicht ändert und insbesondere keine neue Verjährungsfrist zu laufen beginnt (7 Ob 233/99m). Der an den Legalzessionar übergegangene Anspruch verjährt daher ebenfalls - sofern er § 1489 Satz 1 ABGB unterliegt - in drei Jahren ab Kenntnis des Geschädigten von Schaden und Schädiger. Da durch die Legalzession keine Änderung der Verjährungsfrist bewirkt wird, kommt es auf den Zeitpunkt, zu dem der Legalzessionar von der Person des Regresspflichtigen oder von den Umständen, die seine Regresspflicht begründen, Kenntnis erhält - außer im Fall des § 332 ASVG - nicht an (7 Ob 233/99m; 2 Ob 84/05z; Mader/Janisch in Schwimann, ABGB3 § 1489, Rz 32). Demgegenüber beginnt für den Sozialversicherungsträger, der gemäß § 332 ASVG eine Schadenersatzforderung des Verletzten (Sozialversicherten) schon im Zeitpunkt des Entstehens der Schadenersatzforderung erwirbt, die Verjährungsfrist des § 1489 ABGB erst dann zu laufen, wenn er selbst die Kenntnis von Schaden und Schädiger erlangt hat oder erlangen hätte können (RIS-Justiz RS0116986). Gegenstand des vorliegenden Falls ist aber nicht der Rückersatz von Leistungen nach dem ASVG, sondern das Land Niederösterreich macht in seiner Eigenschaft als Pflegegeld- bzw Sozialhilfeträger den Rückersatz der nach dem NÖ PGG 1993 (welches Gesetz mittlerweile durch Art I des LGBl 128/11 seit 1. 1. 2012 aufgehoben ist) bzw nach dem NÖ Sozialhilfegesetz 2000 erbrachten Leistungen geltend.

2. Wie die Revisionswerberin selbst ausführt, liegt die Besonderheit dieser landesgesetzlichen Legalzessionsnormen darin, dass es zum Rechtsübergang nicht bereits mit dem Eintritt des Versicherungsfalls kommt (wie etwa bei § 332 ASVG) und auch nicht selbsttätig mit der Erbringung der Leistungen durch den Rechtsträger (wie etwa nach § 1358 ABGB), sondern der Rechtsübergang aufgeschoben bleibt, bis der Rechtsträger dem Dritten die Leistungsgewährung schriftlich anzeigt (vgl RIS-Justiz RS0063113). Es entspricht ferner der ständigen Rechtsprechung, dass ein vom Geschädigten erwirktes Feststellungsurteil die Verjährung auch zu Gunsten eines auf Grund einer („aufgeschobenen“) Legalzession erst nachträglich leistungspflichtig gewordenen Sozialversicherungsträgers (hier Pflegegeld- bzw Sozialhilfeträgers) unterbricht (RIS-Justiz RS0034606 [T1, T2, T3]). Die weitere Argumentation der Revisionswerberin geht aber unrichtig davon aus, dass die Schadenersatzforderung des Kindes schon bei der Geburt ex lege auf das Land Niederösterreich übergegangen wäre, weshalb die Klage des Kindes die Verjährung nicht hätte unterbrechen können.

Da die Revisionswerberin keine Rechtsfrage von erheblicher Bedeutung aufzeigt, war die Revision - ungeachtet des Zulässigkeitsausspruchs des Berufungsgerichts - als unzulässig zurückzuweisen.

Die Kostenentscheidung beruht auf den §§ 41 Abs 1, 50 Abs 1 ZPO. Die Klägerin hat in ihrer Revisionsbeantwortung auf die Unzulässigkeit der Revision hingewiesen. Da die Abweisung des Feststellungsbegehrens schon in schon Rechtskraft erwachsen war, stehen Kosten für die Revisionsbeantwortung nur auf Basis des Leistungsbegehrens von 10.956,92 EUR zu.

Textnummer

E101039

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2012:0100OB00018.12P.0605.000

Im RIS seit

28.06.2012

Zuletzt aktualisiert am

19.10.2012

Dokumentnummer

JJT_20120605_OGH0002_0100OB00018_12P0000_000