Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 4Ob335/73 4Ob385/76 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0078774

Geschäftszahl

4Ob335/73; 4Ob385/76; 4Ob323/80; 4Ob316/82; 4Ob135/94; 4Ob28/97i; 4Ob126/01k; 4Ob61/12t

Entscheidungsdatum

20.11.1973

Norm

UWG §9 B6
UWG §9 C2

Rechtssatz

Die Farbe einer Ware, ihre Verpackung oder ihres sonstigen Zubehörs (insbesondere auch die Verwendung mehrerer Farben (Farbkombination), kann in ihrer konkreten Erscheinungsform als Ausstattung im Sinne des § 9 Abs 3 UWG geschützt sein, wenn sie sich innerhalb beteiligter Verkehrskreise als Kennzeichen für die Herkunft einer Ware aus einem bestimmten Betrieb durchgesetzt hat (Aral-Blau-Weiß).

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 335/73
    Entscheidungstext OGH 20.11.1973 4 Ob 335/73
    Veröff: ÖBl 1974,35 = GRURInt 1975,60
  • 4 Ob 385/76
    Entscheidungstext OGH 11.01.1977 4 Ob 385/76
    Beisatz: Kelly Gelb-Orange-Rot (T1) Veröff: ÖBl 1977,103
  • 4 Ob 323/80
    Entscheidungstext OGH 15.04.1980 4 Ob 323/80
    Beisatz: Verpackung als Kennzeichnung für Jacobs-Kaffee. (T2)
  • 4 Ob 316/82
    Entscheidungstext OGH 30.03.1982 4 Ob 316/82
    Beis wie T2; Beisatz: Dazu ist erforderlich, daß sich die Verpackung als solche als Unternehmenskennzeichen durchgesetzt hat. Der Bekanntheitsgrad der Verpackung ist aber mit dem Bekanntheitsgrad der in der Werbung im Zusammenhang mit dem Firmenschlagwort "Jacobs" verwendeten Kaffeesortenbezeichnung "Monarch" nicht gleichzusetzen. (T3)
  • 4 Ob 135/94
    Entscheidungstext OGH 06.12.1994 4 Ob 135/94
    Auch
  • 4 Ob 28/97i
    Entscheidungstext OGH 25.02.1997 4 Ob 28/97i
    Auch; Beisatz: Hier: roter Einband für juristische Fachwerke. (T4)
  • 4 Ob 126/01k
    Entscheidungstext OGH 12.06.2001 4 Ob 126/01k
    Auch
  • 4 Ob 61/12t
    Entscheidungstext OGH 11.05.2012 4 Ob 61/12t
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Schwedenbomben‑Verpackung. (T5)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1973:RS0078774

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

09.07.2012

Dokumentnummer

JJR_19731120_OGH0002_0040OB00335_7300000_003

Rechtssatz für 4Ob302/74 4Ob314/76 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0066831

Geschäftszahl

4Ob302/74; 4Ob314/76; 4Ob400/79; 4Ob315/87; 4Ob330/98b; 4Ob61/12t

Entscheidungsdatum

19.02.1974

Norm

MSchG §1
MSchG §4

Rechtssatz

Körperliche Gebilde können "Zeichen" im Sinne des § 1 MSchG und damit dem Markenschutz zugänglich sein (hier "besondere Abdeckung des Flaschenverschlusses im Form eines kopftuchartig angeordneten und durch eine Schnur mit Plombe gesicherten Tüchleins").

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 302/74
    Entscheidungstext OGH 19.02.1974 4 Ob 302/74
    Veröff: ÖBl 1974,115
  • 4 Ob 314/76
    Entscheidungstext OGH 11.05.1976 4 Ob 314/76
    Beisatz: Schwedenbombe (T1) Veröff: ÖBl 1976,154
  • 4 Ob 400/79
    Entscheidungstext OGH 18.12.1979 4 Ob 400/79
    Vgl; Beisatz: Plastersteine (T2) Veröff: SZ 52/192 = ÖBl 1980,400
  • 4 Ob 315/87
    Entscheidungstext OGH 10.03.1987 4 Ob 315/87
    Veröff: GRURInt 1988,520 = WBl 1987,162 = ÖBl 1987,63
  • 4 Ob 330/98b
    Entscheidungstext OGH 04.02.1999 4 Ob 330/98b
    Auch; nur: Körperliche Gebilde können "Zeichen" im Sinne des § 1 MSchG und damit dem Markenschutz zugänglich sein. (T3)
  • 4 Ob 61/12t
    Entscheidungstext OGH 11.05.2012 4 Ob 61/12t
    Vgl auch; Beisatz: Nach § 4 Abs 1 Z 6 MSchG sind ua Zeichen von der Registrierung ausgeschlossen, die ausschließlich aus der Form der Ware bestehen, die zur Herstellung einer technischen Wirkung erforderlich ist. Der EuGH hat dazu ausgesprochen, dass die Verpackung nur dann als Form der Ware angesehen werden kann, wenn die Ware selbst keine ihr „innewohnende Form“ hat, sodass ihr erst die Verpackung die Form gibt; das trifft etwa bei Waren in körniger, pudriger oder flüssiger Konsistenz zu (EuGH C‑218/01, Henkel, Slg 2004, I-1725). (T4); Beisatz: Der Tatbestand des Eintragungshindernisses ist jedenfalls nur dann erfüllt, wenn die wesentlichen Merkmale der Form eine technische Funktion erfüllen (Rs C‑299/99, Philips). (T5)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1974:RS0066831

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

09.07.2012

Dokumentnummer

JJR_19740219_OGH0002_0040OB00302_7400000_003

Rechtssatz für 4Ob314/76 4Ob302/86 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0066827

Geschäftszahl

4Ob314/76; 4Ob302/86; 4Ob61/12t

Entscheidungsdatum

11.05.1976

Norm

MSchG 1970 §1

Rechtssatz

Ist die Form der Ware funktionsbedingt, kann sie nicht als besonderes Zeichen angesehen werden (Schwedenbombe).

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 314/76
    Entscheidungstext OGH 11.05.1976 4 Ob 314/76
    Veröff: SZ 49/65 = ÖBl 1976,154
  • 4 Ob 302/86
    Entscheidungstext OGH 04.02.1986 4 Ob 302/86
    Auch; Beisatz: Tiere mit Herz. (T1) Veröff: ÖBl 1986,77
  • 4 Ob 61/12t
    Entscheidungstext OGH 11.05.2012 4 Ob 61/12t
    Auch; Beisatz: Hier war die Verpackung der Schwedenbomben zu beurteilen. (T1)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1976:RS0066827

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

09.07.2012

Dokumentnummer

JJR_19760511_OGH0002_0040OB00314_7600000_003

Rechtssatz für 4Ob400/79 4Ob315/87 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0066596

Geschäftszahl

4Ob400/79; 4Ob315/87; 4Ob343/86; 4Ob59/94; 4Ob61/12t

Entscheidungsdatum

18.12.1979

Norm

MSchG 1970 §4
UWG §9 B6

Rechtssatz

Ein "Zeichen" kann schon begrifflich nur etwas sein, was an der Ware (oder an ihrer Umhüllung, Verpackung udgl) sinnlich wahrgenommen werden kann und an sich keine funktionelle Bedeutung hat, also nichts, was die Ware in irgendeiner Hinsicht erst gebrauchsfähig macht oder sonst geeignet ist, ihren Gebrauchswert oder Verkehrswert zu erhöhen. Die bestimmte Form einer Ware kann daher die Funktion eines unterscheidenden "Zeichens" im Sinne des § 1 MSchG jedenfalls dann nicht erfüllen, wenn ihr - ausschließlich oder doch überwiegend - rein technisch-funktionelle Bedeutung zukommt (Pflasterstein-Form).

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 400/79
    Entscheidungstext OGH 18.12.1979 4 Ob 400/79
    Veröff: SZ 52/192 = ÖBl 1980,400
  • 4 Ob 315/87
    Entscheidungstext OGH 10.03.1987 4 Ob 315/87
    Veröff: GRURInt 1988,520 = WBl 1987,162 = ÖBl 1987,63
  • 4 Ob 343/86
    Entscheidungstext OGH 15.12.1987 4 Ob 343/86
    Beisatz: "Easy-Rider" - "Easy-Walker"-Schuhe (T1) Veröff: MR 1988,23 = ÖBl 1988,41
  • 4 Ob 59/94
    Entscheidungstext OGH 12.07.1994 4 Ob 59/94
    Beisatz: Andante-Lampe (T2) Veröff: SZ 67/122
  • 4 Ob 61/12t
    Entscheidungstext OGH 11.05.2012 4 Ob 61/12t
    Vgl; Beisatz:Nach § 4 Abs 1 Z 6 MSchG sind ua Zeichen von der Registrierung ausgeschlossen, die ausschließlich aus der Form der Ware bestehen, die zur Herstellung einer technischen Wirkung erforderlich ist. Der EuGH hat dazu ausgesprochen, dass die Verpackung nur dann als Form der Ware angesehen werden kann, wenn die Ware selbst keine ihr „innewohnende Form“ hat, sodass ihr erst die Verpackung die Form gibt; das trifft etwa bei Waren in körniger, pudriger oder flüssiger Konsistenz zu (EuGH C‑218/01, Henkel, Slg 2004, I-1725). (T3); Beisatz: Der Tatbestand des Eintragungshindernisses ist jedenfalls nur dann erfüllt, wenn die wesentlichen Merkmale der Form eine technische Funktion erfüllen (Rs C‑299/99, Philips). (T4)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1979:RS0066596

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

09.07.2012

Dokumentnummer

JJR_19791218_OGH0002_0040OB00400_7900000_001

Rechtssatz für 4Ob13/00s 1Ob207/01z (1O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0113134

Geschäftszahl

4Ob13/00s; 1Ob207/01z (1Ob208/01x, 1Ob209/01v); 4Ob207/03z; 9Ob22/06k; 1Ob192/08d; 4Ob61/12t; 4Ob238/14z; 4Ob25/15b; 4Ob60/15z; 4Ob178/15b; 9ObA121/15g

Entscheidungsdatum

01.02.2000

Norm

EO §390 Abs2 IVD
EO §390 Abs2 VI
ZPO §528 Abs1 L

Rechtssatz

Ob und in welcher Höhe eine nach § 390 Abs 2 EO auferlegte Sicherheitsleistung gerechtfertigt ist, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab, so dass regelmäßig keine erhebliche Rechtsfrage im Sinne des § 528 Abs 1 ZPO vorliegt.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 13/00s
    Entscheidungstext OGH 01.02.2000 4 Ob 13/00s
  • 1 Ob 207/01z
    Entscheidungstext OGH 25.09.2001 1 Ob 207/01z
  • 4 Ob 207/03z
    Entscheidungstext OGH 18.11.2003 4 Ob 207/03z
    Auch; Beisatz: Ebenso ob die Voraussetzungen für eine Sicherheitsleistung nach Abs 2 im Einzelfall vorliegen. (T1)
  • 9 Ob 22/06k
    Entscheidungstext OGH 29.03.2006 9 Ob 22/06k
  • 1 Ob 192/08d
    Entscheidungstext OGH 26.02.2009 1 Ob 192/08d
    Auch
  • 4 Ob 61/12t
    Entscheidungstext OGH 11.05.2012 4 Ob 61/12t
    Auch
  • 4 Ob 238/14z
    Entscheidungstext OGH 20.01.2015 4 Ob 238/14z
  • 4 Ob 25/15b
    Entscheidungstext OGH 17.02.2015 4 Ob 25/15b
  • 4 Ob 60/15z
    Entscheidungstext OGH 19.05.2015 4 Ob 60/15z
    Veröff: SZ 2015/47
  • 4 Ob 178/15b
    Entscheidungstext OGH 20.10.2015 4 Ob 178/15b
  • 9 ObA 121/15g
    Entscheidungstext OGH 28.10.2015 9 ObA 121/15g

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2000:RS0113134

Im RIS seit

02.03.2000

Zuletzt aktualisiert am

20.03.2017

Dokumentnummer

JJR_20000201_OGH0002_0040OB00013_00S0000_004

Rechtssatz für 4Ob124/06y 17Ob20/08b 1...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0121482

Geschäftszahl

4Ob124/06y; 17Ob20/08b; 17Ob36/08f; 17Ob19/10h; 17Ob21/10b; 17Ob10/11m; 17Ob18/11p; 17Ob26/11i; 4Ob7/12a; 4Ob61/12t; 4Ob138/12s; 4Ob102/12x; 4Ob158/13h; 4Ob139/13i; 4Ob57/14g; 4Ob208/14p; 4Ob189/14v; 4Ob16/15d; 4Ob87/15w; 4Ob244/17m; 4Ob66/18m

Entscheidungsdatum

28.09.2006

Norm

MSchG §10 Abs1 Z2
Verordnung (EG) Nr 40/94 des Rates 394R0040 Gemeinschaftsmarkenverordnung (GMV) Art9 Abs1 litb

Rechtssatz

Ob Verwechslungsgefahr vorliegt, ist nach einem gemeinschaftsweit einheitlichem Maßstab unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls umfassend zu beurteilen. Dabei ist auf die Wechselbeziehung zwischen den in Betracht kommenden Faktoren, insbesondere dem Bekanntheitsgrad der Marke auf dem Markt und den Grad der Ähnlichkeit zwischen der Marke und dem Zeichen und den Grad der Gleichartigkeit zwischen den damit gekennzeichneten Waren oder Dienstleistungen Bedacht zu nehmen. So kann ein geringer Grad der Gleichartigkeit der erfassten Waren oder Dienstleistungen durch einen höheren Grad der Ähnlichkeit der Marken ausgeglichen werden und umgekehrt.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 124/06y
    Entscheidungstext OGH 28.09.2006 4 Ob 124/06y
  • 17 Ob 20/08b
    Entscheidungstext OGH 23.09.2008 17 Ob 20/08b
    Veröff: SZ 2008/136
  • 17 Ob 36/08f
    Entscheidungstext OGH 24.02.2009 17 Ob 36/08f
    Auch
  • 17 Ob 19/10h
    Entscheidungstext OGH 16.02.2011 17 Ob 19/10h
    Auch; Veröff: SZ 2011/18
  • 17 Ob 21/10b
    Entscheidungstext OGH 12.04.2011 17 Ob 21/10b
    Auch; Veröff: SZ 2011/49
  • 17 Ob 10/11m
    Entscheidungstext OGH 10.05.2011 17 Ob 10/11m
    Auch; Beisatz: Hier: § 2 Abs 3 Z 1 UWG. (T1)
  • 17 Ob 18/11p
    Entscheidungstext OGH 09.08.2011 17 Ob 18/11p
  • 17 Ob 26/11i
    Entscheidungstext OGH 18.10.2011 17 Ob 26/11i
    Auch; Veröff: SZ 2011/126
  • 4 Ob 7/12a
    Entscheidungstext OGH 27.03.2012 4 Ob 7/12a
    Auch
  • 4 Ob 61/12t
    Entscheidungstext OGH 11.05.2012 4 Ob 61/12t
    Auch
  • 4 Ob 138/12s
    Entscheidungstext OGH 18.09.2012 4 Ob 138/12s
    Vgl auch
  • 4 Ob 102/12x
    Entscheidungstext OGH 18.09.2012 4 Ob 102/12x
  • 4 Ob 158/13h
    Entscheidungstext OGH 23.09.2013 4 Ob 158/13h
    Auch
  • 4 Ob 139/13i
    Entscheidungstext OGH 20.01.2014 4 Ob 139/13i
    Vgl auch
  • 4 Ob 57/14g
    Entscheidungstext OGH 20.05.2014 4 Ob 57/14g
    Auch; nur: So kann ein geringer Grad der Gleichartigkeit der erfassten Waren oder Dienstleistungen durch einen höheren Grad der Ähnlichkeit der Marken ausgeglichen werden und umgekehrt. (T2)
  • 4 Ob 208/14p
    Entscheidungstext OGH 18.11.2014 4 Ob 208/14p
    Auch; Beisatz: Hier: Verwechslungsgefahr der Wortbildmarke "fast effect" mit der älteren Gemeinschaftswortmarke "EFFECT" verneint. (T3)
  • 4 Ob 189/14v
    Entscheidungstext OGH 16.12.2014 4 Ob 189/14v
    Auch; Beisatz: Eine durch Benutzung erhöhte Bekanntheit der Widerspruchsmarke kann nach diesen Grundsätzen auch dann zu Verwechslungsgefahr führen, wenn diese allein aufgrund der originären Kennzeichnungskraft dieser Marke nicht anzunehmen wäre. (T4)
  • 4 Ob 16/15d
    Entscheidungstext OGH 17.02.2015 4 Ob 16/15d
    Auch; Beisatz: Hier: Verwechslungsgefahr der österreichischen Wortbildmarke ORF SPORT + mit der älteren Gemeinschaftsmarke SPORT + bejaht. (T5)
  • 4 Ob 87/15w
    Entscheidungstext OGH 22.09.2015 4 Ob 87/15w
    Beisatz: Hier: Verwechslungsgefahr der Wortmarke SHOPPING‑LOTTO mit den Wort‑ bzw Wortbildmarken LOTTO LEGENDA, lotto WORKS und lotto bei nicht ähnlichen Dienstleistungen der Klasse 35 verneint. (T6)
  • 4 Ob 244/17m
    Entscheidungstext OGH 22.03.2018 4 Ob 244/17m
  • 4 Ob 66/18m
    Entscheidungstext OGH 25.09.2018 4 Ob 66/18m
    Auch; Beisatz: Wortbildmarke „M“ für Bekleidung. (T7)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2006:RS0121482

Im RIS seit

28.10.2006

Zuletzt aktualisiert am

06.12.2018

Dokumentnummer

JJR_20060928_OGH0002_0040OB00124_06Y0000_001

Entscheidungstext 4Ob61/12t

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Fundstelle

ecolex 2012/411 S 994 (Zemann) - ecolex 2012,994 (Zemann) ‑ „Schwedenbomben“‑Verpackung

Geschäftszahl

4Ob61/12t

Entscheidungsdatum

11.05.2012

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht durch die Senatspräsidentin Dr. Schenk als Vorsitzende und die Hofräte Dr. Vogel, Dr. Jensik, Dr. Musger und Dr. Schwarzenbacher als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei W***** GmbH & Co KG, *****, vertreten durch Mag. Dr. Lothar Wiltschek, Rechtsanwalt in Wien, gegen die beklagte Partei G***** GmbH, *****, vertreten durch Dr. Longin Josef Kempf und Dr. Josef Maier, Rechtsanwälte in Peuerbach, wegen Unterlassung, Rechnungslegung und Urteilsveröffentlichung (Streitwert im Sicherungsverfahren 33.000 EUR), über den Revisionsrekurs der beklagten Partei gegen den Beschluss des Oberlandesgerichts Linz vom 14. Februar 2012, GZ 4 R 27/12m-24, mit welchem der Beschluss des Landesgerichts Ried im Innkreis vom 30. Dezember 2012, GZ 32 Cg 60/11s-19, abgeändert wurde, den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Der Revisionsrekurs wird zurückgewiesen.

Die beklagte Partei hat die Kosten des Revisionsrekurses endgültig, die klagende Partei hat die Kosten der Revisionsrekursbeantwortung vorläufig selbst zu tragen.

Text

Begründung:

Die Klägerin vertreibt ihre „Schwedenbomben“ in durchsichtigen Sechser-Blisterverpackungen, für die sie über zwei seit 1969 registrierte Formmarken verfügt. Davon verkauft sie in Österreich jährlich fast 5 Mio Stück, was einen Marktanteil von etwa 80 % bedeutet. Die Beklagte vertreibt ihre „Schaumbomben“ seit 2011 in Zwölfer-Blisterverpackungen, die abgesehen von der Größe mit jenen der Klägerin übereinstimmen.

Mit dem angefochtenen Beschluss untersagte das Rekursgericht der Beklagten, Schaumbomben in Verpackungen anzubieten und/oder zu vertreiben, die den „in den österreichischen Markennummern [gemeint offenkundig: Marken] Nr 64662 und 64663 der gefährdeten Partei dargestellten Verpackungen verwechselbar ähnlich sind“, dies insbesondere in den von der Beklagten derzeit verwendeten Verpackungen. Es nahm Verkehrsgeltung der Verpackung an und begründete seine Entscheidung mit § 9 Abs 3 UWG. Inhaltlich stützte es sich unter anderem darauf, dass die Beklagte ihre Schaumbomben in den Verpackungen gleich anordne wie die Klägerin. Den Revisionsrekurs ließ es mit der Begründung zu, dass die von der Beklagten „mit Vehemenz und unter Heranziehung unzähliger Argumente vertretene Rechtsansicht, bei einem Vergleich der - durchsichtigen - Blisterverpackungen hätten das darin angebotene Produkt und die konkrete Anordnung dieses Produkts gänzlich außer Betracht zu bleiben, einer Klärung durch das Höchstgericht“ bedürfe.

Rechtliche Beurteilung

Der gegen diese Entscheidung gerichtete Revisionsrekurs der Beklagten ist ungeachtet dieses Ausspruchs nicht zulässig.

1. Das Begehren der Klägerin ist ausschließlich gegen die Nutzung von Verpackungen gerichtet, die den für die Klägerin registrierten Formmarken verwechselbar ähnlich sind. Diese Marken lassen keine bestimmte Anordnung des Inhalts erkennen. Daher ist nicht erkennbar, weshalb die konkrete Anordnung der Schaumbomben für den Ähnlichkeitsvergleich relevant sein könnte. Dass die Warenausstattung der Klägerin auch in ihrer durch die Anordnung geprägten Form schutzfähig sein könnte, mag zutreffen, ist aber - trotz des auch insofern erstatteten Vorbringens - vom Begehren nicht gedeckt.

2. Damit ist für die Beklagte aber nichts gewonnen. Ob Verwechslungsgefahr besteht, ist nach einem unionsweit einheitlichen Maßstab unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls umfassend zu beurteilen. Maßgebende Faktoren sind dabei die Identität oder der Ähnlichkeitsgrad der miteinander in Konflikt stehenden Zeichen, die Identität oder der Ähnlichkeitsgrad der jeweils erfassten Waren oder Dienstleistungen und die Bekanntheit der Marke, in die angeblich eingegriffen wird (EuGH C-39/97, Canon, Slg 1998 I-05507; 4 Ob 124/06y = ÖBl 2007, 210 [Gamerith] - Hotel Harmonie mwN; RIS-Justiz RS0121482; zuletzt etwa 17 Ob 20/08b = ÖBl 2009, 180 [Schnider/Kresbach] - BOTOX, und 17 Ob 21/10b = ÖBl 2012, 31 - Slims Eva). Im konkreten Fall mögen die Marken zwar ursprünglich (originär) schwach gewesen sein, sie haben aber durch die langjährige Verwendung und den hohen Marktanteil zweifellos eine beträchtliche Bekanntheit erlangt. Daran, dass der Verkehr die in den Marken dargestellten Verpackungen als Hinweis auf die Herkunft der Ware aus dem Unternehmen der Klägerin versteht, besteht aufgrund dieser Bekanntheit kein Zweifel. Angesichts der Warenidentität liegt die Verwechslung - dh die Annahme, die Zwölferverpackung sei eine bloße Abwandlung der sonst üblichen Sechserform - überaus nahe.

3. Soweit sich die Beklagte auf § 4 Abs 1 Z 6 MSchG (Art 3 Abs 1 lit e MarkenRL, Art 7 Abs 1 lit e GMV) beruft, ist die Rechtslage durch Rechtsprechung des EuGH geklärt.

3.1. Nach § 4 Abs 1 Z 6 MSchG sind, soweit hier relevant, Zeichen von der Registrierung ausgeschlossen, die ausschließlich aus der Form der Ware bestehen, die zur Herstellung einer technischen Wirkung erforderlich ist. Der EuGH hat dazu ausgesprochen, dass die Verpackung nur dann als Form der Ware angesehen werden kann, wenn die Ware selbst keine ihr „innewohnende Form“ hat, sodass ihr erst die Verpackung die Form gibt; das trifft etwa bei Waren in körniger, pudriger oder flüssiger Konsistenz zu (EuGH C-218/01, Henkel, Slg 2004, I-1725). Bei Verpackungen für Schaumbomben, die zweifellos eine eigene - ihrerseits freilich nicht schutzfähige (4 Ob 314/76 = ÖBl 1976, 154 - Schwedenbomben) - Form haben, ist dieses Erfordernis nicht erfüllt.

3.2. An der Unanwendbarkeit von § 4 Abs 1 Z 6 MSchG änderte sich nichts, wenn diese Bestimmung entgegen der zitierten Entscheidung des EuGH unter bestimmten Umständen auch auf Verpackungen von (wie hier) nicht amorphen Waren anzuwenden wäre (so offenbar die Praxis des HABM, vgl Eisenführ/Schennen, Gemeinschaftsmarkenverordnung3 [2010] Art 7 Rz 209 ff). Denn der Tatbestand des Eintragungshindernisses ist nur dann erfüllt, wenn die wesentlichen Merkmale der Form eine technische Funktion erfüllen (Rs C-299/99, Philips). Das trifft hier schon deswegen nicht zu, weil die Marken die Verpackung als durchsichtig darstellen und daher von vornherein nicht ausschließlich aus der Form als solcher bestehen. Jedenfalls ist aber die Durchsichtigkeit, die das Wahrnehmen der Waren und ihrer Anordnung ermöglicht, ein wesentliches Merkmal der Verpackung, das keine technische Funktion hat. Damit ist der Tatbestand des § 4 Abs 1 Z 6 MSchG keinesfalls erfüllt.

4. Die Schutzfähigkeit könnte daher nur am Fehlen der Unterscheidungskraft scheitern, was bei Verpackungen durchaus zutreffen kann (EuGH C-218/01, Henkel, Slg 2004, I-1725; C-25/05 P, August Storck KG, Slg 2006 I-5719). Dem diesbezüglichen Einwand steht jedoch die nach der unbedenklichen Auffassung der Vorinstanzen jedenfalls vor Aufnahme der Benutzung durch die Beklagte erworbene Verkehrsgeltung der in den Marken dargestellten Verpackungen entgegen. Zwar wirkt sie nicht auf die Eintragung zurück. Das Rekursgericht hat aber richtig erkannt, dass sich die Klägerin in diesem Fall jedenfalls auf § 9 Abs 3 UWG stützen kann. Die auf die Marken Bezug nehmende Formulierung des Begehrens steht dem nicht entgegen, weil sie nicht zwingend auf eine markenrechtliche Begründung schließen lässt, sondern auch als bloßer Hinweis auf die in den Marken dargestellte, tatsächlich aber nach § 9 Abs 3 UWG geschützte Verpackung verstanden werden kann.

5. Soweit der Revisionsrekurs weiterhin die mangelnde Aktivlegitimation der Klägerin behauptet, ist er aufgrund der Feststellungen der Vorinstanzen nicht gesetzmäßig ausgeführt; die Rechtsnachfolge der Klägerin gegenüber der (früheren) Markeninhaberin ist durch einen Firmenbuchauszug nachgewiesen. Dass die Ware der Beklagten ausschließlich auf besonders gekennzeichneten Ständern angeboten wird, hat das Erstgericht gerade nicht als bescheinigt angenommen; es kann daher offen bleiben, ob dieser Umstand für die Beurteilung der Verwechslungsgefahr relevant wäre. Ob eine Sicherheitsleistung aufzuerlegen ist, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab und begründet daher - abgesehen vom hier nicht vorliegenden Fall einer im Interesse der Rechtssicherheit aufzugreifenden Fehlbeurteilung - keine Rechtsfrage erheblicher Bedeutung (RIS-Justiz RS0113134 [T1]).

5. Auf die vom Rekursgericht als erheblich bezeichnete - und von diesem tatsächlich falsch gelöste - Rechtsfrage kommt es daher im konkreten Fall nicht an; andere Rechtsfragen iSv § 528 Abs 1 ZPO zeigt die Beklagte nicht auf. Ihr Revisionsrekurs ist daher zurückzuweisen.

6. Die Kostenentscheidung gründet sich auf § 393 Abs 1 EO.

Schlagworte

„Schwedenbomben“‑Verpackung,Gewerblicher Rechtsschutz

Textnummer

E100881

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2012:0040OB00061.12T.0511.000

Im RIS seit

11.06.2012

Zuletzt aktualisiert am

20.02.2013

Dokumentnummer

JJT_20120511_OGH0002_0040OB00061_12T0000_000