Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 2Ob297/28 1Ob36/12v 9Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0025726

Geschäftszahl

2Ob297/28; 1Ob36/12v; 9Ob47/15z; 4Ob145/19f

Entscheidungsdatum

09.05.1928

Norm

ABGB §964

Rechtssatz

Die Entstehung des Schadens durch Zufall hat der Verwahrer zu beweisen.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 297/28
    Entscheidungstext OGH 09.05.1928 2 Ob 297/28
    Veröff: SZ 10/87
  • 1 Ob 36/12v
    Entscheidungstext OGH 23.03.2012 1 Ob 36/12v
  • 9 Ob 47/15z
    Entscheidungstext OGH 25.05.2016 9 Ob 47/15z
    Beisatz: Es muss der Verwahrer aufklären, wie es ohne sein Verschulden zum Verlust oder zur Beschädigung der verwahrten Sache gekommen ist. (T1)
  • 4 Ob 145/19f
    Entscheidungstext OGH 26.11.2019 4 Ob 145/19f
    Beisatz: Die Beweislast, dass er die Sache in unbeschädigtem Zustand übergeben hat, trifft den Hinterleger. (T2)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1928:RS0025726

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

16.01.2020

Dokumentnummer

JJR_19280509_OGH0002_0020OB00297_2800000_002

Rechtssatz für 1Ob288/54 3Ob142/56 1Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0018994

Geschäftszahl

1Ob288/54; 3Ob142/56; 1Ob54/60; 5Ob124/74; 6Ob256/74; 5Ob105/75; 1Ob294/75; 7Ob663/82; 3Ob594/83; 2Ob339/01v; 2Ob287/06d; 1Ob72/10k; 1Ob36/12v; 4Ob145/19f

Entscheidungsdatum

28.04.1954

Norm

ABGB §964
ABGB §1298

Rechtssatz

Der Verwahrer muss beweisen, dass er an der Erfüllung seiner Obsorgepflicht ohne sein Verschulden verhindert war.

Entscheidungstexte

  • 1 Ob 288/54
    Entscheidungstext OGH 28.04.1954 1 Ob 288/54
    Veröff: RZ 1954,14
  • 3 Ob 142/56
    Entscheidungstext OGH 28.03.1956 3 Ob 142/56
    Ähnlich
  • 1 Ob 54/60
    Entscheidungstext OGH 09.03.1960 1 Ob 54/60
  • 5 Ob 124/74
    Entscheidungstext OGH 04.09.1974 5 Ob 124/74
    Beisatz: Beweislast, der Verpflichtung zur sorgfältigen Verwahrung im vollen Umfang nachgekommen zu sein. (T1)
  • 6 Ob 256/74
    Entscheidungstext OGH 13.03.1975 6 Ob 256/74
    Veröff: MietSlg 27157
  • 5 Ob 105/75
    Entscheidungstext OGH 01.07.1975 5 Ob 105/75
    Beis wie T1; Veröff: So schon SZ 10/151
  • 1 Ob 294/75
    Entscheidungstext OGH 03.03.1976 1 Ob 294/75
  • 7 Ob 663/82
    Entscheidungstext OGH 14.10.1982 7 Ob 663/82
    Beisatz: Der Verwahrer hat für jedes Verschulden, auch für das seiner Erfüllungsgehilfen einzustehen. (T2)
  • 3 Ob 594/83
    Entscheidungstext OGH 12.10.1983 3 Ob 594/83
    Beis wie T2; Veröff: SZ 56/143 = EvBl 1984/11 S 45 = ZVR 1984/232 S 236
  • 2 Ob 339/01v
    Entscheidungstext OGH 30.01.2003 2 Ob 339/01v
    Vgl auch
  • 2 Ob 287/06d
    Entscheidungstext OGH 18.01.2007 2 Ob 287/06d
  • 1 Ob 72/10k
    Entscheidungstext OGH 10.08.2010 1 Ob 72/10k
  • 1 Ob 36/12v
    Entscheidungstext OGH 23.03.2012 1 Ob 36/12v
  • 4 Ob 145/19f
    Entscheidungstext OGH 26.11.2019 4 Ob 145/19f
    Beisatz: Die Beweislast, dass er die Sache in unbeschädigtem Zustand übergeben hat, trifft den Hinterleger. (T3)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1954:RS0018994

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

16.01.2020

Dokumentnummer

JJR_19540428_OGH0002_0010OB00288_5400000_001

Rechtssatz für 3Ob199/59 5Ob333/63 7Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0019378

Geschäftszahl

3Ob199/59; 5Ob333/63; 7Ob215/73; 9Ob2169/96b; 2Ob164/99b; 8Ob35/04m; 2Ob196/06x; 6Ob213/08d; 1Ob36/12v; 8Ob95/12x; 2Ob46/16b

Entscheidungsdatum

08.06.1959

Norm

ABGB §957
ABGB §967
ABGB §1151 IB

Rechtssatz

Der Vertrag zwischen einem Kraftfahrzeug - Eigentümer und einem Kraftfahrzeug - Werkstätteninhaber zwecks Durchführung eines Service ist ein Werkvertrag; soweit damit eine Verwahrungspflicht notwendig verbunden ist, handelt es sich um eine Nebenpflicht aus dem Werkvertrag, bei deren Verletzung die Ausschlussfrist des § 967 ABGB nicht gilt. Anders wäre es, wenn eine Verwahrung vereinbart wird, die nicht notwendig mit dem Hauptvertrag verbunden ist.

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 199/59
    Entscheidungstext OGH 08.06.1959 3 Ob 199/59
    Veröff: ZVR 1959/242 S 216 = JBl 1959,633 = VersSlg 141
  • 5 Ob 333/63
    Entscheidungstext OGH 28.11.1963 5 Ob 333/63
    Veröff: ZVR 1964/155 S 177
  • 7 Ob 215/73
    Entscheidungstext OGH 12.10.1973 7 Ob 215/73
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Übernahme eines Wagens zwecks Vornahme eines Eintauschtestes. (T1)
    Veröff: JBl 1974,624
  • 9 Ob 2169/96b
    Entscheidungstext OGH 30.10.1996 9 Ob 2169/96b
    Auch; nur: Soweit damit eine Verwahrungspflicht notwendig verbunden ist, handelt es sich um eine Nebenpflicht aus dem Werkvertrag, bei deren Verletzung die Ausschlussfrist des § 967 ABGB nicht gilt. Anders wäre es, wenn eine Verwahrung vereinbart wird, die nicht notwendig mit dem Hauptvertrag verbunden ist. (T2)
    Veröff: SZ 69/245
  • 2 Ob 164/99b
    Entscheidungstext OGH 08.09.2000 2 Ob 164/99b
    nur: Der Vertrag zwischen einem Kraftfahrzeug - Eigentümer und einem Kraftfahrzeug - Werkstätteninhaber zwecks Durchführung eines Service ist ein Werkvertrag; soweit damit eine Verwahrungspflicht notwendig verbunden ist, handelt es sich um eine Nebenpflicht aus dem Werkvertrag, bei deren Verletzung die Ausschlussfrist des § 967 ABGB nicht gilt. (T3)
  • 8 Ob 35/04m
    Entscheidungstext OGH 24.06.2004 8 Ob 35/04m
    Auch; nur: Der Vertrag zwischen einem Kraftfahrzeug - Eigentümer und einem Kraftfahrzeug - Werkstätteninhaber zwecks Durchführung eines Service ist ein Werkvertrag; soweit damit eine Verwahrungspflicht notwendig verbunden ist, handelt es sich um eine Nebenpflicht aus dem Werkvertrag. (T4)
    Beisatz: Hier: Reparaturvertrag. (T5)
  • 2 Ob 196/06x
    Entscheidungstext OGH 23.03.2007 2 Ob 196/06x
    Vgl; nur: Soweit damit eine Verwahrungspflicht notwendig verbunden ist, handelt es sich um eine Nebenpflicht aus dem Werkvertrag. (T6)
  • 6 Ob 213/08d
    Entscheidungstext OGH 06.11.2008 6 Ob 213/08d
    Auch; nur T4; Beis wie T5
  • 1 Ob 36/12v
    Entscheidungstext OGH 23.03.2012 1 Ob 36/12v
    Auch; nur T4
  • 8 Ob 95/12x
    Entscheidungstext OGH 13.09.2012 8 Ob 95/12x
    Auch
  • 2 Ob 46/16b
    Entscheidungstext OGH 23.02.2017 2 Ob 46/16b
    Vgl; Veröff: SZ 2017/22

Schlagworte

Auto Kfz PKW

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1959:RS0019378

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

13.03.2019

Dokumentnummer

JJR_19590608_OGH0002_0030OB00199_5900000_001

Rechtssatz für 3Ob594/83 2Ob540/84 3Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0018949

Geschäftszahl

3Ob594/83; 2Ob540/84; 3Ob537/91; 2Ob101/99p; 4Ob218/99h; 3Ob234/02m; 8Ob35/04m; 3Ob222/04z; 1Ob36/12v

Entscheidungsdatum

12.10.1983

Norm

ABGB §961
ABGB §964
ABGB §1012
ABGB §1297
ABGB §1298
ABGB §1299 G

Rechtssatz

Von einer Kraftfahrzeugswerkstätte ist durchaus zu verlangen den Betrieb so zu organisieren, dass ein zum Service übergebener Personenkraftwagen während der Zeit, da er vom Kunden dem Unternehmer überlassen wird, so verwahrt wird, dass unbefugte Dritte zum Fahrzeugschlüssel ebenso wie zu den Kraftfahrzeugspapieren keinen Zutritt haben. Eine allenfalls bestehende Übung vieler Werkstätten, in diesem Punkte eher nachlässig zu sein, kann die Verletzung der Sorgfaltspflicht nicht aufheben.

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 594/83
    Entscheidungstext OGH 12.10.1983 3 Ob 594/83
    Veröff: SZ 56/143 = EvBl 1984/11 S 45 = ZVR 1984/232 S 236
  • 2 Ob 540/84
    Entscheidungstext OGH 26.02.1985 2 Ob 540/84
  • 3 Ob 537/91
    Entscheidungstext OGH 22.05.1991 3 Ob 537/91
    Vgl auch; Beisatz: Die Haftung für die Art der Verwahrung eines abgestellten Kraftfahrzeuges ist jedenfalls dann zu verneinen, wenn dem Auftraggeber die Abstellungsart bekannt ist und er dagegen nicht Einspruch erhebt. (T1) Veröff: SZ 64/62 = EvBl 1991/135 S 596
  • 2 Ob 101/99p
    Entscheidungstext OGH 15.04.1999 2 Ob 101/99p
    Ähnlich
  • 4 Ob 218/99h
    Entscheidungstext OGH 14.09.1999 4 Ob 218/99h
    Vgl auch; Beis wie T1
  • 3 Ob 234/02m
    Entscheidungstext OGH 24.04.2003 3 Ob 234/02m
    Vgl auch; Beis wie T1
  • 8 Ob 35/04m
    Entscheidungstext OGH 24.06.2004 8 Ob 35/04m
    nur: Von einer Kraftfahrzeugswerkstätte ist durchaus zu verlangen den Betrieb so zu organisieren, dass ein zum Service übergebener Personenkraftwagen während der Zeit, da er vom Kunden dem Unternehmer überlassen wird, so verwahrt wird, dass unbefugte Dritte zum Fahrzeugschlüssel ebenso wie zu den Kraftfahrzeugspapieren keinen Zutritt haben. (T2); Beisatz: Hier: Unzulängliche Verwahrung eines PKW mit steckendem Schlüssel in einer Halle, die durch ein unversperrtes Kippfenster zugänglich ist und deren Tor von innen zu öffnen ist. (T3)
  • 3 Ob 222/04z
    Entscheidungstext OGH 31.03.2005 3 Ob 222/04z
    Ähnlich; nur: Eine allenfalls bestehende Übung vieler Werkstätten, in diesem Punkte eher nachlässig zu sein, kann die Verletzung der Sorgfaltspflicht nicht aufheben. (T4); Beisatz: Hier: Nicht ordnungsgemäße Durchführung einer KFZ-Reparatur. (T5)
  • 1 Ob 36/12v
    Entscheidungstext OGH 23.03.2012 1 Ob 36/12v
    Auch; nur T2; Beisatz: Für sie gilt hinsichtlich der Verwahrung der Sorgfaltsmaßstab der §§ 1297, 1299 ABGB. (T6)

Schlagworte

Auto Kfz PKW

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1983:RS0018949

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

05.07.2012

Dokumentnummer

JJR_19831012_OGH0002_0030OB00594_8300000_001

Rechtssatz für 1Ob664/90 1Ob1689/92 2O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0026060

Geschäftszahl

1Ob664/90; 1Ob1689/92; 2Ob2363/96f; 9Ob139/00g; 3Ob72/04s; 2Ob76/09d; 1Ob36/12v; 3Ob160/14x; 9Ob47/15z

Entscheidungsdatum

16.01.1991

Norm

ABGB §1295 IIf7g
ABGB §1298

Rechtssatz

Auch wenn einen Schuldner nur Schutzpflichten und Sorgfaltspflichten treffen, hat er, wenn ein Schaden kausal aus seinem Gefahrenbereich und Verantwortungsbereich stammt, nachzuweisen, dass er oder seine Leute die gebotene Sorgfalt einhielten (ausdrückliche Ablehnung von Reischauer in Rummel, ABGB, Rz 33 zu § 1295 und Rz 4, 14 zu § 1298 sowie von JBl 1990,723).

Entscheidungstexte

  • 1 Ob 664/90
    Entscheidungstext OGH 16.01.1991 1 Ob 664/90
    Veröff: JBl 1991,453 = RdW 1991,174
  • 1 Ob 1689/92
    Entscheidungstext OGH 13.01.1993 1 Ob 1689/92
    Auch
  • 2 Ob 2363/96f
    Entscheidungstext OGH 14.11.1996 2 Ob 2363/96f
  • 9 Ob 139/00g
    Entscheidungstext OGH 06.09.2000 9 Ob 139/00g
    Auch; Beisatz: § 1298 ABGB gilt keineswegs nur für Erfolgs-, sondern auch für Sorgfaltsobliegenheiten. (T1); Beisatz: Hier: Einschaltung einer ausländischen Zwischenbank zwecks Durchführung einer zwischenbetrieblichen Überweisung - die Bank hat das Fehlen der notwendigen Sorgfalt bei der Auswahl der Zwischenbank zu beweisen. (T2)
  • 3 Ob 72/04s
    Entscheidungstext OGH 26.05.2004 3 Ob 72/04s
    Vgl auch
  • 2 Ob 76/09d
    Entscheidungstext OGH 03.09.2009 2 Ob 76/09d
  • 1 Ob 36/12v
    Entscheidungstext OGH 23.03.2012 1 Ob 36/12v
    Auch
  • 3 Ob 160/14x
    Entscheidungstext OGH 19.11.2014 3 Ob 160/14x
    Auch
  • 9 Ob 47/15z
    Entscheidungstext OGH 25.05.2016 9 Ob 47/15z
    Auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1991:RS0026060

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

06.07.2016

Dokumentnummer

JJR_19910116_OGH0002_0010OB00664_9000000_001

Rechtssatz für 8Ob517/94 6Ob7/06g 2Ob2...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0015104

Geschäftszahl

8Ob517/94; 6Ob7/06g; 2Ob287/06d; 1Ob36/12v

Entscheidungsdatum

13.04.1994

Norm

ABGB §285a
ABGB §957
ABGB §961

Rechtssatz

Der Vertrag über die Verwahrung von Tieren enthält zwei Aufgaben: einerseits Verpflegung und Versorgung der Tiere und andererseits Verwahrung und Rückgabe nach Vertragsablauf.

Hat der Verwahrer schuldhaft (Beweislast nunmehr nach § 1298 ABGB) seine Verwahrungspflicht verletzt, sodaß er die Tiere nach Vertragsablauf nicht mehr zurückgeben kann (- im vorliegenden Fall konnten die verwahrten Katzen infolge seines fahrlässigen Verhaltens entlaufen - )verliert er seinen Entgeltanspruch für die Verwahrung wegen der letztlich vereitelten Rückgabepflicht, nicht aber den Anspruch auf Erstattung der bis zum Zeitpunkt des Entlaufens tatsächlich aufgewendeten Verpflegs- und Versorgungskosten.

Entscheidungstexte

  • 8 Ob 517/94
    Entscheidungstext OGH 13.04.1994 8 Ob 517/94
  • 6 Ob 7/06g
    Entscheidungstext OGH 16.02.2006 6 Ob 7/06g
    Vgl auch; Beisatz: Jedenfalls im Werkvertragsrecht kann grundsätzlich neben einem Mangelfolgeschaden auch jener Mangelschaden begehrt werden, der darin besteht, dass Entgeltsleistungen erbracht worden sind, obwohl die Gegenleistung unbrauchbar und damit wertlos geworden ist. Die Entgeltsleistungen sind sinnlos bezahlt und damit frustriert. (T1); Beisatz: Hier: Das Ausmaß der Beschädigung des Lagerguts stand noch nicht fest. (T2); Veröff: SZ 2006/22
  • 2 Ob 287/06d
    Entscheidungstext OGH 18.01.2007 2 Ob 287/06d
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Anteiliges Entgelt für die Verwahrung von Lagergut, das teilweise verloren ging, kann als frustriert zurückgefordert werden. (T3)
  • 1 Ob 36/12v
    Entscheidungstext OGH 23.03.2012 1 Ob 36/12v
    Vgl auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1994:RS0015104

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

05.07.2012

Dokumentnummer

JJR_19940413_OGH0002_0080OB00517_9400000_001

Entscheidungstext 1Ob36/12v

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Fundstelle

Zak 2012/349 S 176 - Zak 2012,176 = EvBl 2012/112 S 769 - EvBl 2012,769 = JBl 2012,592 = ZVR 2013/8 S 26 - ZVR 2013,26 = ZVR 2013/42 S 76 (Danzl, tabellarische Übersicht) - ZVR 2013,76 (Danzl, tabellarische Übersicht)

Geschäftszahl

1Ob36/12v

Entscheidungsdatum

23.03.2012

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht durch den Senatspräsidenten Hon.-Prof. Dr. Sailer als Vorsitzenden sowie die Hofräte Univ.-Prof. Dr. Bydlinski, Dr. Grohmann, Mag. Wurzer und Mag. Dr. Wurdinger als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei R***** K*****, vertreten durch die Anwälte Pochendorfer Mitterbauer OG in Ried im Innkreis, gegen die beklagte Partei G***** GmbH & Co KG, *****, vertreten durch Dr. Klaus-Dieter Strobach und Dr. Wolfgang Schmidauer, Rechtsanwälte in Grieskirchen, wegen 10.500 EUR sA, über die Revision der beklagten Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Linz als Berufungsgericht vom 29. November 2011, GZ 2 R 95/11w-36, mit dem das Urteil des Landesgerichts Ried im Innkreis vom 30. März 2011, GZ 40 Cg 29/09p-32, bestätigt wurde, zu Recht erkannt:

Spruch

Der Revision wird nicht Folge gegeben.

Die beklagte Partei ist schuldig, der klagenden Partei binnen 14 Tagen die mit 768,24 EUR (darin enthalten 128,04 EUR USt) bestimmten Kosten des Revisionsverfahrens zu ersetzen.

Text

Entscheidungsgründe:

Der Kläger kaufte im Frühjahr 2007 bei der beklagten Partei ein fabriksneues Motorrad, das er in den Jahren 2007 und 2008 jeweils vom Frühjahr bis zum Herbst nutzte, in den Wintermonaten abmeldete und mit ausgebauter und separat gelagerter Batterie einstellte. Er ließ sowohl 2007 als auch 2008 ein Fahrzeugservice von der beklagten Partei durchführen und nahm selbst - abgesehen vom Aus- und Einbau der Batterie am Beginn und Ende der Winterzeit - keine Wartungsarbeiten oder sonstigen Manipulationen an diesem Motorrad vor. Nachdem er die im Winter 2008/2009 gelagerte Batterie wieder eingebaut und angeschlossen hatte, fuhr er am 17. 3. 2009 mit dem Motorrad zur Werkstätte der Beklagten und erteilte den Auftrag, einen „Routinecheck“ durchzuführen und ein (nicht bei der beklagten Partei gekauftes, noch original verpacktes) Gangschaltungsanzeigegerät einzubauen. Ein bei der beklagten Partei beschäftigter Mechaniker übernahm das Motorrad und teilte dem Kläger mit, dass es voraussichtlich in zwei Tagen wieder abgeholt werden könnte. Der Kläger verließ das Gelände der beklagten Partei, ohne zu wissen, wie und wo die beklagte Partei das Motorrad verwahren würde. Der Mechaniker schob dieses in einen Werkstattraum, in dem sich mehrere Mopeds, ein PKW, ein Schweißgerät, ein Elektroschleifbock, eine Box mit zu entsorgenden Altbatterien, verschiedene Öle, Reinigungs- und Unterlagspapier sowie diverse elektrische Leitungen befanden. Von Problemen mit den erwähnten „Geräten“ war ihm nichts bekannt. Es waren jedoch in diesem Raum bereits mehrfach Schutzschalter „gefallen”, die nach ihrer Betätigung wieder „hielten”. In der Nacht vom 18. auf den 19. 3. 2009 brach in diesem Werkstattraum ein Brand aus, der die Räumlichkeit schwer beschädigte und auch das Motorrad des Klägers im Wert von 10.300 EUR zerstörte. Die Ursache des Brandes konnte nicht festgestellt werden, insbesondere nicht, dass sich das Motorrad oder dessen Teile entzündet und dadurch den Brand ausgelöst hatten.

Der Kläger begehrte 10.500 EUR als Ersatz für das zerstörte Motorrad.

Die beklagte Partei wendete insbesondere ein, das Motorrad sei mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgrund eines elektrischen Kurzschlusses bei der Batterie, jedenfalls aber aus nicht von ihr zu vertretenden Ursachen noch vor Beginn der in Auftrag gegebenen Arbeiten in Brand geraten. Selbst bei einem Ausgang des Brandes vom Gebäude selbst hafte die beklagte Partei nicht, weil der Brand für sich keine schadensverursachende Tätigkeit oder Unterlassung der Kfz-Werkstätte beweise.

Das Erstgericht sprach dem Kläger 10.300 EUR sA zu und wies sein Mehrbegehren von 200 EUR sA unbekämpft ab. Der beklagten Partei sei der Beweis nicht gelungen, dass sie ihre Verpflichtung zur sorgfältigen Verwahrung in vollem Umfang erfüllt habe und der Schaden durch einen von ihr nicht zu vertretenden Zufall eingetreten sei.

Das Berufungsgericht bestätigte diese Entscheidung. Der Werkvertrag zwischen einem Kraftfahrzeugeigentümer und einem Werkstätteninhaber über die Durchführung von Service- oder Reparaturarbeiten beinhalte die vertragliche Nebenpflicht des Werkstätteninhabers, das ihm zur Vornahme der Arbeiten überlassene Fahrzeug bis zur vorgesehenen Rückgabe sorgfältig zu verwahren. Der Verwahrer habe nach § 1298 ABGB seine Schuldlosigkeit am Eintritt des Verlusts oder einer Beschädigung der in Verwahrung genommenen Sache zu beweisen, also auch eine Entstehung des Schadens durch einen von ihm nicht zu vertretenden Zufall. Die mangelnde Feststellbarkeit der Brandursache bedeute, dass das Feuer durch alle theoretisch in Betracht kommenden Möglichkeiten entstanden sein könnte, somit auch durch eine Nachlässigkeit der Organe und Mitarbeiter der beklagten Partei. Der Hinterleger habe typischerweise keinen Einblick in die Sphäre des Verwahrers und deshalb regelmäßig auch keine Kenntnis von den Vorgängen oder Zuständen, die in seiner Abwesenheit und außerhalb seines Wahrnehmungsbereichs einen Schaden an der verwahrten Sache bewirkt hätten. Gerade aus diesem Grund obliege es dem Verwahrer, sich durch Darlegung einer zufälligen oder aus anderen Gründen nicht von ihm zu vertretenden Schadensursache frei zu beweisen.

Das Berufungsgericht ließ nachträglich die Revision zu, weil die Rechtsfragen, ob die Beweislastumkehr des § 1298 ABGB nur für Erfolgs- und nicht auch für Sorgfaltsverbindlichkeiten gelte und in welche dieser beiden Kategorien die einen Verwahrer treffenden Pflichten fielen, kontroversiell diskutiert würden und eine Stellungnahme des Obersten Gerichtshofs zu dieser Problematik speziell für die in der Praxis häufig vorkommende Konstellation einer Verwahrung als Nebenpflicht im Rahmen eines Werkvertragsverhältnisses zweckmäßig erscheine.

Rechtliche Beurteilung

Die Revision der beklagten Partei ist zulässig, weil der Oberste Gerichtshof zur Frage der Beweislast bei einer ungeklärten Ursache der Beschädigung einer vom Besteller dem Unternehmer übergebenen Sache noch nicht ausdrücklich Stellung genommen hat. Sie ist aber nicht berechtigt.

Die in der Revision gerügte Mangelhaftigkeit des Berufungsverfahrens liegt nicht vor (§ 510 Abs 3 Satz 3 ZPO).

Wie das Berufungsgericht zutreffend (von der Revisionswerberin auch nicht bezweifelt) darlegte, traf die beklagte Partei aus dem Werkvertrag die Nebenpflicht, das ihr zur Durchführung von Servicearbeiten und zum Einbau eines Gangschaltungsanzeigegeräts übergebene Motorrad des Klägers zu verwahren (8 Ob 35/04m = ZVR 2005/58 ua; RIS-Justiz RS0019378). Für sie galt auch hinsichtlich der Verwahrung der Sorgfaltsmaßstab der §§ 1297, 1299 ABGB (6 Ob 249/03s mwN). Der Oberste Gerichtshof hat sich bereits mehrfach mit der Verletzung von Verwahrungspflichten durch den Unternehmer nach Übernahme von Kraftfahrzeugen zur Durchführung von Reparatur- oder Servicearbeiten befasst. Er nahm diese etwa in jenen Fällen an, in denen einfache und leicht zumutbare Vorkehrungen gegen Diebstahl wie die Entfernung und sichere Verwahrung der Zündschlüssel sowie das Versperren des Fahrzeugs unterlassen (3 Ob 594/83 =
SZ 56/143; 8 Ob 35/04m; weitere Nachweise in 2 Ob 101/99p; vgl RIS-Justiz RS0018949) oder ein im Freien abgestelltes Fahrzeug nicht ausreichend vor Hagelschäden geschützt wurden (6 Ob 249/03s).

Die Frage, ob der Besteller ein rechtswidriges, für den Schadenseintritt ursächliches Handeln oder Unterlassen des Unternehmers beweisen muss (vgl dazu Kodek in Kletečka/Schauer, ABGB-ON 1.00 § 1298 Rz 11 ff), stellte sich in diesen Fällen deshalb nicht, weil ohnehin ein (objektiver) Sorgfaltspflichtverstoß (Unterlassen der objektiv gebotenen Sicherungsmaßnahmen) angenommen wurde, der auch kausal für den eingetretenen Schaden war. Dies gilt aufgrund der ungeklärt gebliebenen Brandursache für den hier zu beurteilenden Fall nicht, weshalb zu überprüfen ist, ob die Zerstörung des Motorrads zu Lasten der beklagten Unternehmerin geht.

§ 961 ABGB definiert als Hauptpflicht eines Verwahrers, die ihm anvertraute Sache sorgfältig aufzubewahren und sie nach Ablauf der vereinbarten Verwahrungszeit oder bei Aufkündigung des Verwahrungsvertrags in dem Zustand, in dem sie übernommen wurde, samt allfälligem Zuwachs zurückzustellen. Der Verwahrer haftet nach § 964 ABGB dem Hinterleger für den aus der Unterlassung der pflichtmäßigen Obsorge verursachten Schaden, aber nicht für Zufall. Er muss nach Rechtsprechung und Lehre beweisen, dass er an der Erfüllung seiner Obsorgepflicht ohne sein Verschulden verhindert war (stRsp RIS-Justiz RS0018994; vgl RS0015104; Karner in Kletečka/Schauer aaO § 964 ABGB Rz 3; Schubert in Rummel³ § 965 ABGB Rz 3; Harrer in Schwimann³ § 1298 ABGB Rz 17; vgl Griss in KBB³ § 964 ABGB Rz 3), womit die Frage des Berufungsgerichts nach der grundsätzlichen Anwendbarkeit des § 1298 ABGB auf diese Pflicht des Verwahrers als beantwortet anzusehen ist.

Kann der Verwahrer die ihm anvertraute Sache nicht in dem bei Übernahme bestandenen Zustand zurückgeben, weil sie während der Verwahrung beschädigt oder zerstört wurde oder verloren ging, verletzt er nach Reischauer (in Rummel, ABGB³ § 1298 Rz 21, sowie Neuere Rechtsprechung und Lehre zu § 1298 ABGB [Teil I], JBl 1998, 473 [479 f]) und Kodek (aaO Rz 33 mwN) die Rückstellungsverpflichtung des § 961 ABGB mit der Konsequenz, dass aufgrund der festgestellten Beschädigung (bzw des Verlusts) und des dadurch entstandenen Schadens die Entlastung nach § 1298 ABGB bei ihm liegt.

Diese Beweislastverteilung steht mit der Judikatur in Einklang, die vom Verwahrer den Beweis fordert, dass die Beschädigung oder der Verlust der verwahrten Sache auf einen nicht von ihm zu vertretenden Zufall zurückzuführen ist (2 Ob 297/28 = SZ 10/87; Binder in Schwimann³ § 964 ABGB Rz 7 mwN). Auch in Deutschland gilt bei vergleichbarer Rechtslage (§ 280 Abs 1 S 2 BGB), dass der Verwahrer aufklären muss, wie es ohne sein Verschulden zum Verlust oder zur Beschädigung der verwahrten Sache gekommen ist (Henssler in Münchener Kommentar zum BGB [2009] § 688 Rn 21 mwN; Gehrlein in Beck´scher Online-Kommentar BGB, 01. 11. 2011, Edition 22, § 688 Rn 4 mwN). Den Hinterleger in diesem Fall nicht mit dem Beweis einer objektiven Sorgfaltswidrigkeit zu belasten, beruht auf der Überlegung, dass der Schaden im von ihm nicht überblick- und beherrschbaren Gefahren- und Verantwortungsbereich des Verwahrers eingetreten ist (vgl RIS-Justiz RS0026060).

Unabhängig davon, ob auf eine Verletzung der Rückstellungspflicht oder die Beweislastverteilung nach dem ausschließlichen Gefahrenbereich abgestellt wird, das Ergebnis ist dasselbe: Eine unaufgeklärt gebliebene Schadensursache geht zu Lasten des Verwahrers. Der Hinterleger muss nur nachweisen, dass die Sache in unbeschädigtem Zustand übergeben und während der Verwahrung beschädigt oder zerstört wurde oder verloren ging.

Dieser Grundsatz der Beweislastverteilung gilt auch im vorliegenden Fall einer aus dem Werkvertrag abgeleiteten Nebenpflicht des Unternehmers zur Verwahrung (vgl Kodek aaO Rz 33 sowie Reischauer in Rummel aaO mwN). Diese Lösung ist durchaus sachgerecht: Wurde eine dem Unternehmer übergebene Sache des Bestellers beschädigt oder zerstört oder verloren, nützt es diesem nichts, wenn der Unternehmer zwar seine Hauptpflicht aus dem Werkvertrag (beispielsweise die Reparatur) ordnungsgemäß erfüllt hätte, die Sache aber nur mehr beschädigt oder überhaupt nicht mehr zurückstellen kann. Die Sache des Bestellers befindet sich nach Übergabe an den Unternehmer in dessen Gefahren- und Verantwortungsbereich und es fehlen dem Besteller - wie in diesem Fall - Einblick oder Einflussnahme in oder auf die Art der Verwahrung und die Einhaltung gebotener Sicherungsmaßnahmen. Wie das Berufungsgericht zutreffend erkannte, hätte also die beklagte Partei beweisen müssen, dass der im Werkstattraum aufgetretene Brand eine nicht von ihr zu vertretende Ursache hatte, was ihr nach den getroffenen Feststellungen nicht gelungen ist. Die beklagte Partei ist demnach verpflichtet, dem Kläger den Zeitwert seines Motorrads zu ersetzen.

Die Kostenentscheidung gründet sich auf die §§ 41, 50 Abs 1 ZPO.

Textnummer

E100405

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2012:0010OB00036.12V.0323.000

Im RIS seit

24.04.2012

Zuletzt aktualisiert am

07.08.2013

Dokumentnummer

JJT_20120323_OGH0002_0010OB00036_12V0000_000