Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 2Ob191/70 2Ob101/72 1Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0021602

Geschäftszahl

2Ob191/70; 2Ob101/72; 1Ob533/76; 1Ob730/76; 8Ob198/76 (8Ob199/76, 8Ob200/76); 8Ob69/77 (8Ob70/77, 8Ob71/77); 7Ob577/77; 2Ob228/81; 1Ob687/84; 8Ob30/85; 8Ob13/85 (8Ob14/85); 2Ob70/86; 2Ob60/86; 2Ob133/88; 3Ob68/98s; 6Ob30/01g; 10Ob38/00m; 6Ob242/03m; 8Ob144/06v; 4Ob139/07f; 2Ob79/08v; 3Ob88/09a; 3Ob267/09z; 8Ob40/10f; 2Ob240/12a; 2Ob240/12a; 2Ob129/15g; 1Ob174/16v; 7Ob207/17t; 1Ob157/20z

Entscheidungsdatum

03.09.1970

Norm

ABGB §1157
ABGB §1164 Abs1
ABGB §1169

Rechtssatz

Den Besteller eines Werkes trifft einen ähnliche Fürsorgepflicht wie den Dienstgeber, die ebenfalls unabdingbar ist und auch Sachschaden umfasst.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 191/70
    Entscheidungstext OGH 03.09.1970 2 Ob 191/70
    Veröff: EvBl 1971/118 S 209
    Vgl aber BGH vom 15.6.1971, VI ZR 262/69
    Beisatz: Soweit den Besteller im Rahmen eines Werkvertrages in entsprechender Anwendung des § 618 BGB eine Fürsorgepflicht trifft, kann diese abbedungen werden, wenn sie den Unternehmer oder dessen Subunternehmer schützen soll. (T1)
    Veröff: VersR 1971,910
  • 2 Ob 101/72
    Entscheidungstext OGH 15.06.1972 2 Ob 101/72
  • 1 Ob 533/76
    Entscheidungstext OGH 14.04.1976 1 Ob 533/76
    nur: Den Besteller eines Werkes trifft einen ähnliche Fürsorgepflicht wie den Dienstgeber. (T2)
    Beisatz: Bezieht sich auch auf Sicherheit der Arbeitsstätte. (T3)
  • 1 Ob 730/76
    Entscheidungstext OGH 27.10.1976 1 Ob 730/76
    Zweiter Rechtsgang zu 1 Ob 533/76
  • 8 Ob 198/76
    Entscheidungstext OGH 19.01.1977 8 Ob 198/76
    Veröff: EvBl 1977/205 S 459 = JBl 1978,479
  • 8 Ob 69/77
    Entscheidungstext OGH 25.05.1977 8 Ob 69/77
    nur T2; Beis wie T3
  • 7 Ob 577/77
    Entscheidungstext OGH 30.06.1977 7 Ob 577/77
    nur T2; Beisatz: Modellvertrag (T4)
    Veröff: JBl 1979,254
  • 2 Ob 228/81
    Entscheidungstext OGH 09.03.1982 2 Ob 228/81
    Auch; nur T2; Beisatz: Stromunfall beim Hausbau. (T5)
  • 1 Ob 687/84
    Entscheidungstext OGH 12.12.1984 1 Ob 687/84
    Beis wie T3
  • 8 Ob 30/85
    Entscheidungstext OGH 24.10.1985 8 Ob 30/85
    Auch; nur T2; Veröff: JBl 1986,113
  • 8 Ob 13/85
    Entscheidungstext OGH 24.10.1985 8 Ob 13/85
    nur T2; Beis wie T3
  • 2 Ob 70/86
    Entscheidungstext OGH 07.04.1987 2 Ob 70/86
    Beis wie T3
  • 2 Ob 60/86
    Entscheidungstext OGH 26.05.1987 2 Ob 60/86
    Auch; nur T2; Beisatz: Bezieht sich auch auf die Sicherheit beigestellter Gerätschaften, hier: Baugerüst. (T6)
  • 2 Ob 133/88
    Entscheidungstext OGH 25.04.1989 2 Ob 133/88
    nur T2; Veröff: SZ 62/70 = ZVR 1990/92 S 244
  • 3 Ob 68/98s
    Entscheidungstext OGH 16.09.1998 3 Ob 68/98s
  • 6 Ob 30/01g
    Entscheidungstext OGH 15.03.2001 6 Ob 30/01g
    Auch; nur T2; Beis ähnlich wie T3
  • 10 Ob 38/00m
    Entscheidungstext OGH 10.07.2001 10 Ob 38/00m
    Vgl auch; nur T2; Beis ähnlich wie T3
  • 6 Ob 242/03m
    Entscheidungstext OGH 26.08.2004 6 Ob 242/03m
    Auch; Beis wie T3; Beisatz: Die Schutz- und Sorgfaltspflichten umfassen auch die Warnpflicht und Informationspflicht des Bestellers über gefährliche Umstände. (T7)
  • 8 Ob 144/06v
    Entscheidungstext OGH 30.08.2007 8 Ob 144/06v
    Auch; Beisatz: Nach § 1169 iVm § 1157 ABGB ist der Besteller ua verpflichtet dafür zu sorgen, dass der Unternehmer und seine Leute nicht durch vom Besteller beigestellte Gerätschaften verletzt wird. (T8)
  • 4 Ob 139/07f
    Entscheidungstext OGH 04.09.2007 4 Ob 139/07f
    Beis wie T6; Beisatz: Hier: Leiter. (T9)
  • 2 Ob 79/08v
    Entscheidungstext OGH 29.05.2008 2 Ob 79/08v
    Auch; Beis wie T7; Beisatz: Soferne mögliche Gefahrenquellen nicht überhaupt beseitigt werden können. (T10)
  • 3 Ob 88/09a
    Entscheidungstext OGH 22.07.2009 3 Ob 88/09a
    Beis wie T3; Beisatz: Arbeitsstätte kann auch eine Baustelle sein. (T11)
    Beis wie T7; Beisatz: Der Umfang dieser nebenvertraglichen Warn- und Sicherungspflichten richtet sich danach, wie weit sich der Unternehmer in einen der Sphäre des Bestellers zuzuordnenden Bereich begibt, in dem er gefährdet ist. Eine Fürsorgepflicht des Bestellers fällt dann vollständig weg, wenn das Werk allein in der Sphäre des Unternehmers herzustellen ist und von Seiten des Bestellers keine Gefahr ausgeht. (T12)
  • 3 Ob 267/09z
    Entscheidungstext OGH 24.03.2010 3 Ob 267/09z
    Auch; Beis wie T7
  • 8 Ob 40/10f
    Entscheidungstext OGH 26.04.2011 8 Ob 40/10f
    Auch
  • 2 Ob 240/12a
    Entscheidungstext OGH 17.06.2013 2 Ob 240/12a
    Auch; Beis wie T3; Beis wie T8; Beis wie T11
  • 2 Ob 129/15g
    Entscheidungstext OGH 28.06.2016 2 Ob 129/15g
    Auch; Beis wie T12 nur: Der Umfang dieser nebenvertraglichen Warn- und Sicherungspflichten richtet sich danach, wie weit sich der Unternehmer in einen der Sphäre des Bestellers zuzuordnenden Bereich begibt, in dem er gefährdet ist. (T13)
  • 1 Ob 174/16v
    Entscheidungstext OGH 10.02.2017 1 Ob 174/16v
    Beis wie T11
  • 7 Ob 207/17t
    Entscheidungstext OGH 24.01.2018 7 Ob 207/17t
  • 1 Ob 157/20z
    Entscheidungstext OGH 23.09.2020 1 Ob 157/20z
    Beis wie T1; Beis wie T7; Beis wie T10

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1970:RS0021602

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

23.11.2020

Dokumentnummer

JJR_19700903_OGH0002_0020OB00191_7000000_001

Rechtssatz für 4Ob331/73 2Ob108/74 7Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0045327

Geschäftszahl

4Ob331/73; 2Ob108/74; 7Ob791/81; 1Ob519/91; 9ObA242/00d; 9Ob32/02z; 9Ob14/10i; 8Ob40/10f; 5Ob246/15k

Entscheidungsdatum

29.01.1974

Norm

RATG §15
ZPO §17 A
ZPO §50

Rechtssatz

Für die Revisionsbeantwortung einer Partei, auf deren Seite ein durch einen anderen Rechtsanwalt vertretener Nebenintervenient beigetreten ist, gebührt kein Streitgenossenzuschlag.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 331/73
    Entscheidungstext OGH 29.01.1974 4 Ob 331/73
  • 2 Ob 108/74
    Entscheidungstext OGH 13.06.1975 2 Ob 108/74
    Auch; Beisatz: Nebenintervenient verzeichnet Streitgenossenzuschlag. (T1)
  • 7 Ob 791/81
    Entscheidungstext OGH 17.02.1982 7 Ob 791/81
    Beis wie T1
  • 1 Ob 519/91
    Entscheidungstext OGH 20.03.1991 1 Ob 519/91
    Auch
  • 9 ObA 242/00d
    Entscheidungstext OGH 25.04.2001 9 ObA 242/00d
    Vgl auch; Beis wie T1; Beisatz: Dem Vertreter der Nebenintervenientin gebührt kein Streitgenossenzuschlag, weil er weder mehrere Personen vertritt noch mehreren Personen gegenübersteht. (T2)
  • 9 Ob 32/02z
    Entscheidungstext OGH 18.09.2002 9 Ob 32/02z
    Vgl auch; Beis wie T2
  • 9 Ob 14/10i
    Entscheidungstext OGH 24.11.2010 9 Ob 14/10i
  • 8 Ob 40/10f
    Entscheidungstext OGH 26.04.2011 8 Ob 40/10f
    Vgl auch; Beis wie T2
  • 5 Ob 246/15k
    Entscheidungstext OGH 25.08.2016 5 Ob 246/15k
    Auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1974:RS0045327

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

07.09.2016

Dokumentnummer

JJR_19740129_OGH0002_0040OB00331_7300000_001

Rechtssatz für 2Ob189/75 2Ob134/82 8Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0021808

Geschäftszahl

2Ob189/75; 2Ob134/82; 8Ob13/85 (8Ob14/85); 2Ob2363/96f; 8Ob144/06v; 4Ob139/07f; 8Ob40/10f; 3Ob158/12z; 2Ob240/12a; 9Ob54/14b; 2Ob129/15g; 1Ob174/16v

Entscheidungsdatum

09.10.1975

Norm

ABGB §1169
ABGB §1313a I

Rechtssatz

Die Fürsorgepflicht des Werkbestellers und seiner Erfüllungsgehilfen kann sich nicht darauf erstrecken, dass der fachkundige Unternehmer (sogar noch trotz Warnung) sich in eine offensichtliche Gefahr begibt, anstatt dieselbe zu beheben oder ihre Beseitigung zu veranlassen (vgl JBl 1966,206).

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 189/75
    Entscheidungstext OGH 09.10.1975 2 Ob 189/75
  • 2 Ob 134/82
    Entscheidungstext OGH 21.09.1982 2 Ob 134/82
    Beisatz: Gefährliche Malerarbeiten in Fabrik. (T1)
  • 8 Ob 13/84
    Entscheidungstext OGH 24.10.1985 8 Ob 13/84
    Auch
  • 2 Ob 2363/96f
    Entscheidungstext OGH 14.11.1996 2 Ob 2363/96f
    Beisatz: Die Fürsorgepflicht erstreckt sich auch nicht auf mit dem auszuführenden Werk unmittelbar verbundene und für den Unternehmer und seine Hilfskräfte nach ihren Fachkenntnissen erkennbare Gefahren. (T2)
  • 8 Ob 144/06v
    Entscheidungstext OGH 30.08.2007 8 Ob 144/06v
    Vgl; Beisatz: Die Fürsorgepflicht nach den §§ 1157, 1169 ABGB umfasst allerdings nicht mit dem auszuführenden Werk unmittelbar verbundene, aber für den Unternehmer erkennbare Gefahren. (T3)
  • 4 Ob 139/07f
    Entscheidungstext OGH 04.09.2007 4 Ob 139/07f
  • 8 Ob 40/10f
    Entscheidungstext OGH 26.04.2011 8 Ob 40/10f
  • 3 Ob 158/12z
    Entscheidungstext OGH 17.10.2012 3 Ob 158/12z
    Auch; Beis wie T2
  • 2 Ob 240/12a
    Entscheidungstext OGH 17.06.2013 2 Ob 240/12a
    Vgl auch; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 9 Ob 54/14b
    Entscheidungstext OGH 26.08.2014 9 Ob 54/14b
    Vgl; Beisatz: Der Umfang der Fürsorgepflicht richtet sich danach, wie weit sich der Unternehmer in eine der Sphäre des Bestellers zugeordneten Bereich begibt, in dem er gefährdet ist. (T4)
    Beisatz: Der Auftraggeber muss Fachunternehmen nicht über die in ihren Tätigkeitsbereich typisch auftretenden Gefahren warnen. (T5)
  • 2 Ob 129/15g
    Entscheidungstext OGH 28.06.2016 2 Ob 129/15g
    Auch; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 1 Ob 174/16v
    Entscheidungstext OGH 10.02.2017 1 Ob 174/16v
    Auch; Beisatz: Hier keine derart offensichtliche Gefahr, da dem Kläger nicht klar sein musste, die von ihm als „Laufbrücke“ benützten Schalungsbretter könnten verrutschen und zum Absturz führen. (T6)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1975:RS0021808

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

15.03.2017

Dokumentnummer

JJR_19751009_OGH0002_0020OB00189_7500000_001

Rechtssatz für 8Ob274/75 2Ob137/78 2Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0021812

Geschäftszahl

8Ob274/75; 2Ob137/78; 2Ob134/82; 8Ob13/85 (8Ob14/85); 2Ob70/86; 2Ob133/88; 6Ob30/01g; 6Ob242/03m; 4Ob139/07f; 8Ob40/10f; 8Ob26/13a; 9Ob54/14b

Entscheidungsdatum

04.02.1976

Norm

ABGB §1169

Rechtssatz

Beim Werkvertrag darf der Unternehmer, der auf Grund seiner Sachkenntnis wissen muss, dass seine Arbeitsstätte gefährlich ist, um deren Sicherheit nicht vollkommen sorglos sein. Auch er muss sich in einem solchen Falle vor Beginn der Arbeiten von den Sicherungsvorkehrungen überzeugen und nötigenfalls den Besteller zu den nötigen Maßnahmen veranlassen.

Entscheidungstexte

  • 8 Ob 274/75
    Entscheidungstext OGH 04.02.1976 8 Ob 274/75
    Veröff: SZ 49/15
  • 2 Ob 137/78
    Entscheidungstext OGH 19.10.1978 2 Ob 137/78
  • 2 Ob 134/82
    Entscheidungstext OGH 21.09.1982 2 Ob 134/82
    Beisatz: Gefährliche Malerarbeiten in Fabrik (T1)
  • 8 Ob 13/85
    Entscheidungstext OGH 24.10.1985 8 Ob 13/85
  • 2 Ob 70/86
    Entscheidungstext OGH 07.04.1987 2 Ob 70/86
    Auch
  • 2 Ob 133/88
    Entscheidungstext OGH 25.04.1989 2 Ob 133/88
    Veröff: SZ 62/70 = ZVR 1990/92 S 244
  • 6 Ob 30/01g
    Entscheidungstext OGH 15.03.2001 6 Ob 30/01g
    Auch
  • 6 Ob 242/03m
    Entscheidungstext OGH 26.08.2004 6 Ob 242/03m
  • 4 Ob 139/07f
    Entscheidungstext OGH 04.09.2007 4 Ob 139/07f
    Auch
  • 8 Ob 40/10f
    Entscheidungstext OGH 26.04.2011 8 Ob 40/10f
  • 8 Ob 26/13a
    Entscheidungstext OGH 29.11.2013 8 Ob 26/13a
  • 9 Ob 54/14b
    Entscheidungstext OGH 26.08.2014 9 Ob 54/14b
    Auch; nur: Der Werkunternehmer, der aufgrund seiner Sachkenntnis wissen muss, dass Arbeitsstätten gefährlich sind, muss sich vor Beginn der Arbeiten selbst von den Sicherheitsvorkehrungen überzeugen. (T2)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1976:RS0021812

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

16.10.2014

Dokumentnummer

JJR_19760204_OGH0002_0080OB00274_7500000_001

Rechtssatz für 1Ob8/06t 4Ob171/06k 2Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0087844

Geschäftszahl

1Ob8/06t; 4Ob171/06k; 2Ob85/06y; 2Ob162/06x; 2Ob135/07b; 9ObA14/08m; 2Ob221/08a; 8Ob45/09i; 2Ob105/09v; 8ObA30/09h; 9ObA61/09z; 2Ob141/10i; 2Ob162/10b; 8Ob40/10f; 2Ob211/12m

Entscheidungsdatum

07.03.2006

Norm

ZPO §41 Abs1 D2
ZPO §43 Abs1
ZPO §50
ZPO 350 Abs1
ZPO §55

Rechtssatz

Eine von der Berufung gesonderte Honorierung der im Berufungsschriftsatz unter dem Titel „Kostenrekurs" ausgeführten Anfechtung im Kostenpunkt kommt an sich nicht in Betracht. Obsiegte jedoch ein solcher Berufungswerber in der Hauptsache in zweiter Instanz, verlor er dann aber in der Hauptsache als Revisionsgegner in dritter Instanz, folgte allerdings der Oberste Gerichtshof bei seiner Entscheidung (auch) über die Kosten des Verfahrens erster Instanz nunmehr jenem Argument, das er in der Berufung im Kostenpunkt ins Treffen geführt hatte, so hat er Anspruch auf Ersatz jener Kosten, die ihm in zweiter Instanz zuzusprechen gewesen wären, wenn sich der Berufungserfolg auf den Kostenpunkt beschränkt hätte.

Entscheidungstexte

  • 1 Ob 8/06t
    Entscheidungstext OGH 07.03.2006 1 Ob 8/06t
    Beisatz: Ausdrücklich gegenteilig zu RS0119892. (T1)
  • 4 Ob 171/06k
    Entscheidungstext OGH 19.12.2006 4 Ob 171/06k
    Abweichend; Beisatz: Die in 8 ObA 117/04w vertretene Auffassung, dass eine nur im Kostenpunkt erfolgreiche Berufung nicht (also auch nicht im Ausmaß des Obsiegens im Kostenpunkt) zu honorieren sei, kann nicht auf den vorliegenden Fall übertragen werden. Der Beklagte hat die Kosten für einen Kostenrekurs des Klägers nach Unterliegen im Provisorialverfahren und Obsiegen in der Hauptsache zu ersetzen, weil der Kläger die Kostenentscheidung im Provisorialverfahren gar nicht anders bekämpfen konnte. (T2); Veröff: SZ 2006/188
  • 2 Ob 85/06y
    Entscheidungstext OGH 27.02.2007 2 Ob 85/06y
    Vgl; Beisatz: Eine mit einer Berufung verbundene Kostenrüge und eine mit der Berufungsbeantwortung verbundene Beantwortung der Kostenrüge sind von vornherein nicht gesondert zu entlohnen, weil diese Teil der Berufung beziehungsweise Berufungsbeantwortung ist und mit den Kosten für diese Schriftsätze abgegolten wird. (T3)
  • 2 Ob 162/06x
    Entscheidungstext OGH 23.03.2007 2 Ob 162/06x
    Vgl; nur: Eine von der Berufung gesonderte Honorierung der im Berufungsschriftsatz unter dem Titel „Kostenrekurs" ausgeführten Anfechtung im Kostenpunkt kommt an sich nicht in Betracht. (T4)
  • 2 Ob 135/07b
    Entscheidungstext OGH 27.09.2007 2 Ob 135/07b
    Abweichend; Beisatz: Eine Honorierung von Kostenrekurs der Klägerin beziehungsweise Kostenrekursbeantwortung der Beklagten hat neben den Kosten des Berufungsverfahrens aus folgenden Gründen nicht zu erfolgen: Sobald ein Rechtsmittelwerber auch die Entscheidung des Erstgerichts in der Hauptsache bekämpft, bleibt bei der Kostenentscheidung des Rechtsmittelverfahrens ein allfälliger - hier teilweiser - Erfolg im Kostenpunkt nach der (nicht auf das Recht der sachlichen Zuständigkeit beschränkten) Wertung des § 54 Abs 2 JN unberücksichtigt; es kommt nur auf den Erfolg in der Hauptsache an. Bei Erfolglosigkeit der Berufung in der Hauptsache hat daher der Ansatz von Kosten eines hypothetischen („angenommenen") Kostenrekurses zu unterbleiben. (T5); Bem: Siehe RS0119892. (T6)
  • 9 ObA 14/08m
    Entscheidungstext OGH 03.03.2008 9 ObA 14/08m
    Abweichend; Beis wie T5; Beisatz: Es gebührt weder für die Berufung im Kostenpunkt noch für deren Beantwortung eine Entlohnung, weil diese Teil der Berufung bzw Berufungsbeantwortung sind und mit den Kosten für diese Schriftsätze abgegolten werden. (T7)
  • 2 Ob 221/08a
    Entscheidungstext OGH 16.04.2009 2 Ob 221/08a
    Vgl; nur T4; Vgl Beis wie T3; Vgl Beis wie T5
  • 8 Ob 45/09i
    Entscheidungstext OGH 19.11.2009 8 Ob 45/09i
    Auch; Beis wie T1; Bem: Ausdrückliches Abgehen von der zu 8 ObA 117/04w vertretenen gegenteiligen Rechtsansicht. (T8);
    Veröff: SZ 2009/153
  • 2 Ob 105/09v
    Entscheidungstext OGH 18.12.2009 2 Ob 105/09v
    Vgl aber; Auch Beis wie T3; Beisatz: Der (teilweise) Erfolg der Berufung im Kostenpunkt hat auf die Kostenentscheidung für das Berufungsverfahren keinen Einfluss. (T9)
  • 8 ObA 30/09h
    Entscheidungstext OGH 23.03.2010 8 ObA 30/09h
    Auch; Beisatz: Bleibt die Berufung einer Partei in der Hauptsache erfolglos, erlangen aber ihre Ausführungen in einer Berufung zum Kostenpunkt Bedeutung, weil es - wie hier - in der Folge abgesondert und tatsächlich ausschließlich nur (mehr) um die Frage der Kosten geht, so darf sie nicht schlechter gestellt werden als eine Partei, die von der ihr zustehenden Möglichkeit der Erhebung eines Kostenrekurses Gebrauch machen hätte können. (T10)
  • 9 ObA 61/09z
    Entscheidungstext OGH 30.06.2010 9 ObA 61/09z
    Auch; Beis wie T10; Bem: Parallelverfahren zu 8 ObA 30/09h. (T11)
  • 2 Ob 141/10i
    Entscheidungstext OGH 24.08.2010 2 Ob 141/10i
    Vgl aber
  • 2 Ob 162/10b
    Entscheidungstext OGH 02.12.2010 2 Ob 162/10b
    Vgl aber; Vgl Beis wie T3; Vgl Beis wie T5; Vgl Beis wie T9; Abweichend zu Beis wie T10; Abweichend zu Bem wie T11
  • 8 Ob 40/10f
    Entscheidungstext OGH 26.04.2011 8 Ob 40/10f
    Auch; Beis wie T10
  • 2 Ob 211/12m
    Entscheidungstext OGH 19.09.2013 2 Ob 211/12m
    Auch; Beis wie T5; Veröff: SZ 2013/86

Schlagworte

hypothetischer Kostenrekurs

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2006:RS0087844

Im RIS seit

06.04.2006

Zuletzt aktualisiert am

28.01.2016

Dokumentnummer

JJR_20060307_OGH0002_0010OB00008_06T0000_001

Entscheidungstext 8Ob40/10f

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Fundstelle

EvBl-LS 2011/118 = ZVB 2011/100 S 346 (Sonntag) - ZVB 2011,346 (Sonntag) = bbl 2011,242/165 - bbl 2011,165 = ZRB 2012,95 = ZVR 2012/42 S 75 (Danzl, tabellarische Übersicht) - ZVR 2012,75 (Danzl, tabellarische Übersicht)

Geschäftszahl

8Ob40/10f

Entscheidungsdatum

26.04.2011

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Rekursgericht durch den Senatspräsidenten Dr. Spenling als Vorsitzenden und durch den Hofrat Hon.-Prof. Dr. Kuras, die Hofrätin Dr. Tarmann-Prentner sowie die Hofräte Mag. Ziegelbauer und Dr. Brenn als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei J***** E*****, vertreten durch Divitschek Sieder Sauer Rechtsanwälte GmbH in Deutschlandsberg, gegen die beklagte Partei K***** P*****, vertreten durch Reinisch & Wisiak Rechtsanwälte GmbH in Leibnitz, und den auf ihrer Seite beigetretenen Nebenintervenienten DI J***** R*****, vertreten durch Scherbaum/Seebacher Rechtsanwälte GmbH in Graz, wegen 18.421,44 EUR sA und Feststellung (Streitwert: 2.000 EUR), über die Rekurse der beklagten Partei und des Nebenintervenienten gegen den Beschluss des Oberlandesgerichts Graz als Berufungsgericht vom 4. Februar 2010, GZ 3 R 186/09m-45, womit über Berufung des Klägers das Urteil des Landesgerichts für Zivilrechtssachen Graz vom 19. Oktober 2009, GZ 20 Cg 81/09k-40, aufgehoben wurde, in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen und zu Recht erkannt:

Spruch

Den Rekursen wird Folge gegeben.

Der angefochtene Beschluss wird aufgehoben und in der Sache selbst zu Recht erkannt, dass das Ersturteil in der Hauptsache wiederhergestellt und im Kostenpunkt dahin abgeändert wird, dass die Entscheidung über die Kosten erster Instanz wie folgt zu lauten hat:

„Die klagende Partei ist schuldig, der beklagten Partei 5.091,02 EUR (darin 848,50 EUR Umsatzsteuer) und dem Nebenintervenienten 3.363,26 EUR (darin enthalten 560,54 EUR Umsatzsteuer und 7,92 EUR Barauslagen) an Verfahrenskosten erster Instanz binnen 14 Tagen zu ersetzen.“

Die klagende Partei ist schuldig, der beklagten Partei die mit 1.749,06 EUR (darin 291,51 EUR USt) bestimmten Kosten des Berufungsverfahrens und die mit 1.259,64 EUR (darin 209,94 EUR USt) bestimmten Kosten des Rekursverfahrens binnen 14 Tagen bei Exekution zu ersetzen.

Die klagende Partei ist schuldig, dem Nebenintervenienten die mit 1.749,06 EUR (darin 291,51 EUR USt) bestimmten Kosten des Berufungsverfahrens und die mit 2.493,64 EUR (darin 209,94 EUR USt und 1.234 EUR Barauslagen) bestimmten Kosten des Rekursverfahrens binnen 14 Tagen bei Exekution zu ersetzen.

Text

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :

Der Beklagte beauftragte mit Architektenvertrag vom 31. 10. 2006 als Bauherr eines Einfamilienwohnhauses den Nebenintervenienten mit der Erbringung von Architektenleistungen. Er bestellte den Nebenintervenienten zum Planungs- und Baustellenkoordinator und übertrug ihm die örtliche Bauaufsicht. Punkt 5.3 des Architektenvertrags lautet: „Dem Architekten ist auch die örtliche Bauaufsicht übertragen. Der Auftraggeber wird sich zur Vermeidung widersprüchlicher Anordnungen jeder direkten Weisung an die auf der Baustelle Tätigen enthalten. Der Auftraggeber wird auf Einladung des Architekten an der Schlussabnahme mitwirken.“ Der Beklagte vereinbarte mit dem Nebenintervenienten für die örtliche Bauaufsicht und Koordination ein Pauschalhonorar von 2.080,80 EUR.

Der Beklagte beauftragte mit einem vom Nebenintervenienten erstellten Auftragsschreiben die G***** GmbH mit der Ausführung der Innenverputzarbeiten und des Vollwärmeschutzes. Mit einem weiteren, ebenfalls vom Nebenintervenienten erstellten Auftragsschreiben beauftragte er den Kläger, einen selbständigen Unternehmer, mit der Herstellung, Lieferung und Montage der Fenster. Der Kläger bestieg am 2. 11. 2007 ein von R***** M***** im Auftrag der G***** GmbH errichtetes Gerüst am Haus des Beklagten, um die Außenfensterbänke zu montieren. Als er sich mit der rechten Hand an einem Absperrelement anhalten wollte, schwenkte dieses nach außen. Der Kläger stürzte ca 4 Meter in die Tiefe und erlitt schwere Verletzungen.

Mit seiner Klage begehrt der Kläger vom Beklagten aus dem Titel des Schadenersatzes die Zahlung von Schmerzengeld, Verdienstentgang, pauschaler Unkosten sowie den Ersatz der Kosten eines Akku-Schraubers. Weiters begehrt er die Feststellung, dass der Beklagte für alle zukünftigen, derzeit noch nicht bekannten Schäden aus dem Unfall vom 2. 11. 2007 hafte. Das Gerüst sei vorschriftswidrig aufgestellt und nicht entsprechend gesichert gewesen. Der Beklagte hätte dieses Gerüst auf Sicherheit und Gefahrlosigkeit prüfen müssen. Er hafte dem Kläger, den er als Einzelunternehmer mit dem Einbau und der Montage der Fenster beauftragt habe, wegen Verletzung von aus dem Werkvertrag abzuleitenden Schutzpflichten. Darüber hinaus müsse sich der Beklagte als Werkbesteller das Verschulden seiner Erfüllungsgehilfen gemäß § 1313a ABGB zurechnen lassen. Die Verletzungsfolgen seien noch nicht abgeklungen, Spät- und Dauerfolgen nicht auszuschließen.

Der Beklagte wandte dagegen hauptsächlich ein, dass er den Nebenintervenienten mit der Planung und Bauaufsicht sowie der Baustellenkoordination beauftragt habe. Damit habe er alle ihn selbst treffenden Sorgfaltspflichten im Zusammenhang mit der Baustelle rechtsgeschäftlich mit schuldbefreiender Wirkung gegenüber den auf der Baustelle tätigen Professionisten und Arbeitnehmern an den Nebenintervenienten übertragen, sodass er dem Kläger nicht hafte.

Der Nebenintervenient brachte überdies vor, dass vertraglich gar nicht vorgesehen gewesen sei, dass der Kläger eine bestehende Gerüstung verwende, oder dass gar eine solche zum Einbau der Fenster aufgestellt werden müsse. Der Kläger hätte als erfahrener Fachmann erkennen müssen, dass das Gerüst nicht über die notwendigen Sicherungsmaßnahmen verfüge, er hätte den Beklagten und den Nebenintervenienten darauf hinweisen müssen.

Das Erstgericht wies das Klagebegehren ab. Ausgehend von den bereits wiedergegebenen Feststellungen führte es aus, dass den Beklagten als Bauherrn und Werkbesteller gemäß § 1169 ABGB eine Fürsorgepflicht als werkvertragliche Nebenpflicht treffe. Der Pflichtenkreis des Bauherrn sei durch das Bauarbeitenkoordinationsgesetz 1999 (BauKG) wesentlich erweitert worden, er sei nun direkt von Beginn der Planungsphase an für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz auf der Baustelle verantwortlich. Vom Schutzzweck des BauKG seien nicht nur die auf der Baustelle tätigen Arbeitnehmer, sondern auch jeder andere umfasst, der - wie hier der Kläger - befugt in den Gefahrenbereich der Baustelle gelange. Nach dem BauKG könne sich der Bauherr allerdings durch Pflichtenübertragung auf einen Koordinator oder Projektleiter weitgehend von der Haftung befreien, was hier durch die Bestellung des Nebenintervenienten zum Baustellenkoordinator geschehen sei. Der Baustellenkoordinator erfülle eigenverantwortlich gesetzliche Verpflichtungen, sodass der Beklagte nur mehr für Auswahlverschulden hafte. Ein solches sei hier vom Kläger gar nicht vorgebracht worden und liege auch nicht vor. Für die vom Kläger geltend gemachten Ansprüche fehle es daher an einer Haftungsgrundlage gegenüber dem Beklagten.

Das Berufungsgericht hob dieses Urteil über Berufung des Klägers mit dem nunmehr angefochtenen Beschluss auf und verwies die Rechtssache an das Erstgericht zurück. Die grundsätzliche Anwendbarkeit des BauKG sei hier zwischen den Parteien nicht strittig. Die Bestimmungen des BauKG seien jedoch nach der Rechtsprechung und vor ihrem vom Berufungsgericht ausführlich dargestellten europarechtlichen Hintergrund als Schutzgesetze zugunsten der Sicherheit und der Gesundheit von auf der Baustelle tätigen Arbeitnehmern anzusehen. Sie dienten jedoch nicht dem Schutz von auf der Baustelle tätigen selbständigen Unternehmern wie dem Kläger. Das BauKG sei zwar im Verhältnis zu § 1169 ABGB ein Spezialgesetz. Soweit der Nebenintervenient als Baustellenkoordinator bestellt sei und in diesem Umfang eigenverantwortliche Pflichten erfülle, sei er nicht als Erfüllungsgehilfe des Beklagten iSd § 1313a ABGB anzusehen. Dies betreffe jedoch nur den Pflichtenkreis des Baustellenkoordinators, der aber auf den Arbeitnehmerschutz beschränkt und hier nicht berührt sei. Der Beklagte, der mit dem Kläger einen Werkvertrag geschlossen habe, schulde die aus § 1169 ABGB resultierenden Pflichten als vertragliche Nebenpflichten. Solche könnten - anders als deliktische Sicherungspflichten - nicht einfach mit haftungsbefreiender Wirkung durch Vertrag einem Dritten übertragen werden. Im fortzusetzenden Verfahren werde das Erstgericht daher zu prüfen haben, ob dem Beklagten der Vorwurf der Verletzung der in § 1169 ABGB umschriebenen nebenvertraglichen Pflichten treffe.

Den Rekurs an den Obersten Gerichtshof ließ das Berufungsgericht mit der Begründung zu, dass Rechtsprechung zur Frage fehle, ob der Besteller seine gegenüber dem Unternehmer bestehenden, aus § 1169 ABGB ableitbaren Pflichten an den Baustellenkoordinator übertragen könne und dadurch von seiner Haftung zur Gänze befreit werde.

Gegen diesen Beschluss richten sich die Rekurse des Beklagten und des Nebenintervenienten.

Der Kläger beantragt, diesen Rekursen nicht Folge zu geben.

Rechtliche Beurteilung

Die Rekurse sind zulässig, weil der Oberste Gerichtshof die dem angefochtenen Beschluss zugrunde liegende Rechtsauffassung des Berufungsgerichts über Umfang und Inhalt der aus § 1169 ABGB abzuleitenden Schutzpflichten des Werkbestellers nicht teilt; sie sind aus folgenden Überlegungen auch berechtigt:

1. Der Kläger stützt sein Begehren auf eine Verletzung der den Beklagten ihm gegenüber treffenden Schutzpflichten aus dem zwischen ihnen bestehenden Werkvertrag.

Dass den Werkbesteller gegenüber dem Werkunternehmer gemäß § 1169 ABGB als werkvertragliche Nebenpflicht eine Schutzpflicht trifft, die den Schutz des Lebens, der Gesundheit und der Persönlichkeit des Unternehmers und seiner Leute betrifft, entspricht der völlig herrschenden Auffassung (für alle: Krejci in Rummel³ § 1169 Rz 6 mwN). Der Werkbesteller, der seine eigene Sphäre dem Unternehmer öffnet und diesen daher (zumindest potentiell) gewissen Gefahren aussetzt, hat ihm im Rahmen des Zumutbaren vor Schäden zu bewahren. Dabei ist auf mögliche Gefahrenquellen hinzuweisen, sofern diese nicht überhaupt beseitigt werden können (M. Bydlinski in KBB³ § 1169 Rz 1). Die Rechtsprechung bezieht diese Fürsorgepflicht des Werkbestellers im Allgemeinen nur auf seiner Sphäre zuzurechnende Umstände, nicht aber auf mit dem auszuführenden Werk unmittelbar verbundene und für den Unternehmer und seine Hilfskräfte nach ihren Fachkenntnissen erkennbare Gefahren (1 Ob 233/03a; Krejci aaO mwN). Der Umfang der Fürsorgepflicht richtet sich danach, wie weit sich der Unternehmer in einen der Sphäre des Bestellers zuzuordnenden Bereich begibt, in dem er gefährdet ist (3 Ob 267/09z; M. Bydlinski aaO). Der Werkunternehmer, der aufgrund seiner Sachkenntnis und Erfahrung wissen muss, dass seine Arbeitsstätte gefährlich ist, darf um deren Sicherheit nicht vollkommen sorglos sein. Er muss sich vor Beginn der Arbeiten von den Sicherungsvorkehrungen überzeugen und nötigenfalls den Besteller zu den nötigen Maßnahmen veranlassen (RIS-Justiz RS0021812; SZ 49/15; 8 Ob 144/06v; 4 Ob 139/07f). Die Fürsorgepflicht des Bestellers findet daher jedenfalls dort ihre Grenze, wo sich der fachkundige Unternehmer und seine Erfüllungsgehilfen in eine offensichtliche oder nach ihren Fachkenntnissen erkennbare Gefahr begeben, statt deren Beseitigung zu veranlassen oder ihr sonst aus dem Weg zu gehen (Krejci aaO; 8 Ob 209/65 = JBl 1966, 206).

2. Im hier zu beurteilenden Fall ist davon auszugehen, dass es nicht zu den vereinbarten Aufgaben des Beklagten gehörte, dem Kläger ein Gerüst zur Verfügung zu stellen. Dies ergibt sich aus dem Vorbringen des Nebenintervenienten, das insoweit unbestritten geblieben und daher der Entscheidung zugrunde zu legen ist. Es wurde auch weder behauptet noch festgestellt, dass der Beklagte überhaupt wusste, dass der Kläger, der seine Arbeit zunächst ohne Benützung des Gerüsts aus dem Inneren des Hauses durchgeführt hatte, das Gerüst überhaupt benützen wird. Der Beklagte hat daher das von einem anderen Unternehmen errichtete Gerüst nicht dem Kläger „zur Verfügung gestellt“; vielmehr hat es der Kläger aus eigenem und ohne vorherige Vereinbarung oder Ankündigung benützt. Da der Beklagte nicht vertraglich verpflichtet war, dem Kläger ein Gerüst zur Verfügung zu stellen, ist der das Gerüst für eigene Zwecke errichtende Unternehmer bei der Gerüsterrichtung auch nicht als Erfüllungsgehilfe des Beklagten tätig geworden. Im Hinblick auf die oben dargestellte Rechtslage zur Fürsorgepflicht des Werkbestellers kann daher das Gerüst - wenn überhaupt - nur sehr beschränkt der Sphäre des Beklagten zugerechnet werden.

3. Vor allem aber musste für den sachkundigen Kläger ein allfälliger (vom Kläger im Übrigen ohne jegliche Konkretisierung behaupteter) Mangel des Gerüsts und die damit verbundene Gefährlichkeit weit eher erkennbar sein, als für den nicht sachkundigen Werkbesteller. Dies muss umso mehr gelten, als der fachkundige Kläger ja das Gerüst vor seiner Benützung aus nächster Nähe gesehen hat und dabei einen unmittelbaren Eindruck von seiner Beschaffenheit gewinnen konnte. Wie oben ausgeführt, hat sich der Werkunternehmer, der aufgrund seiner Erfahrung die Gefährlichkeit der ihm zur Verfügung stehenden Arbeitsstätte kennen muss, von Sicherheitsvorkehrungen zu überzeugen und seinerseits den Besteller zu den nötigen Maßnahmen zu veranlassen (SZ 49/15). War ein allfälliger Mangel des Gerüsts für den unmittelbar vor Ort befindlichen Werkunternehmer, der sich entschloss, das Gerüst zu benützen, nicht erkennbar, wäre der Vorwurf an den nicht sachkundigen Werkbesteller, er habe den Mangel des von einem Unternehmer errichteten Gerüsts nicht erkannt, eine unzumutbare Überspannung der Sorgfaltspflicht des Werkbestellers. War aber der vom Kläger behauptete Mangel für den Kläger erkennbar, wäre es an ihm gelegen, das Gerüst nicht zu benützen und den Besteller zu den nötigen Maßnahmen zu veranlassen. Eine Verletzung der Fürsorgepflicht des Werkbestellers ist auch in diesem Fall zu verneinen, zumal diese Fürsorgepflicht - wie schon oben ausgeführt - jedenfalls dort ihre Grenze findet, wo sich der fachkundige Unternehmer in eine ihm erkennbare Gefahr begibt.

Dass dem Beklagten ein allfälliger Mangel des Gerüsts bekannt war - unter dieser Voraussetzung wäre er in jedem Fall verpflichtet gewesen, Abhilfe zu schaffen und bis dahin den Kläger vor einer Benützung zu warnen - wurde vom Kläger nicht einmal behauptet.

Die Übertragung der Bauaufsicht an den Nebenintervenienten - unter der Bauaufsicht, die ausschließlich im Interesse des Auftraggebers und nicht in jenem der Werkunternehmer erfolgt (RIS-Justiz RS0108535; RS0107245), ist im Wesentlichen die Überprüfung der Leistungen der Bauunternehmer auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit zu verstehen (näher zum Begriff: 7 Ob 211/09v; 6 Ob 136/99i) - führt zu keiner Ausweitung der Fürsorgepflicht des Werkbestellers nach § 1169 ABGB; sie kann nicht dazu führen, dass den Werkbesteller Pflichten treffen, die ihn sonst gar nicht getroffen hätten.

4. Schon aufgrund dieser Überlegungen ist eine Verletzung der Fürsorgepflicht des Beklagten gegenüber dem Kläger jedenfalls zu verneinen. Auf die vom Berufungsgericht als wesentlich erachtete Rechtsfrage, ob der Werkbesteller die ihn treffende Fürsorgepflicht mit haftungsbefreiender Wirkung an den von ihm zur Erfüllung der Arbeitnehmerschutzvorschriften bestellten Baustellenkoordinator nach dem BauKG übertragen kann, kommt es daher gar nicht an. Vielmehr ist die Sache im Sinne der Abweisung des Klagebegehrens spruchreif.

5. Der Oberste Gerichtshof kann gemäß § 519 Abs 2 letzter Satz ZPO über einen Rekurs gegen einen Beschluss des Berufungsgerichts nach § 519 Abs 1 Z 2 ZPO durch Urteil in der Sache selbst erkennen, wenn die Sache zur Entscheidung reif ist. Den Rekursen des Beklagten und des Nebenintervenienten ist daher Folge zu geben, der angefochtene Beschluss aufzuheben und in der Sache selbst im Sinn der Abweisung des Klagebegehrens zu erkennen.

6. Der Kläger erhob gegen die vom Beklagten im Verfahren erster Instanz verzeichneten Kosten Einwendungen (gemäß § 54 Abs 1a ZPO in der hier noch anwendbaren Fassung gemäß BGBl I 2009/52), denen das Erstgericht betreffend die Schriftsätze vom 8. 10. 2008 (ON 16) und vom 15. 4. 2009 (ON 24) nicht folgte. Über die dagegen erhobene Berufung im Kostenpunkt entschied das Berufungsgericht infolge des von ihm im Aufhebungsbeschluss ausgeprochenen Kostenvorbehalts nicht. Die Einwendungen des Klägers sind zumindest teilweise auch berechtigt.

Zutreffend weist der Kläger darauf hin, dass gemäß § 72 Abs 3 ZPO im Verfahren über die Verfahrenshilfe kein Kostenersatz stattfindet. Der Schriftsatz des Beklagten, mit dem er die Bewilligung der Verfahrenshilfe beantragte, ist daher nicht zu honorieren. Gegen die Honorierung des Schriftsatzes ON 24 bestehen hingegen keine Bedenken. Schon das Erstgericht führte zutreffend aus, dass der Beklagte sich mit diesem Schriftsatz zu Recht gegen einen ihm ungeachtet der ihm zuvor bewilligten Verfahrenshilfe erteilten Auftrag zur Zahlung eines weiteren Kostenvorschusses wehrte. Dieser Schriftsatz diente daher der zweckentsprechenden Rechtsverfolgung. Weitere Einwände gegen die erstgerichtliche Kostenentscheidung werden in der Kostenberufung nicht ausgeführt. Insbesondere fehlen Erläuterungen zu einer den Ausführungen zur Kostenberufung folgenden Kostenaufstellung, als deren Ergebnis die Abänderung der Kostenentscheidung in einer Höhe begehrt wird, die die Summe der Ansätze für die beiden im Vorbringen erwähnten Schriftsätze übersteigt. Auf diese Aufstellung ist mangels eines sie rechtfertigenden Vorbringens nicht einzugehen. Der Erfolg des Klägers im Kostenpunkt beschränkt sich daher auf den Entfall des Zuspruchs der nach TP 1 verzeichneten Kosten des Antrags auf Bewilligung der Verfahrenshilfe.

7. Bleibt die Berufung einer Partei in der Hauptsache erfolglos, erweisen sich aber ihre Ausführungen in einer Berufung zum Kostenpunkt als berechtigt, darf sie nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats nicht schlechter gestellt werden als eine Partei, die von der ihr zustehenden Möglichkeit der Erhebung eines Kostenrekurses Gebrauch machen hätte können. Sie hat daher Anspruch auf Ersatz der Kosten eines „fiktiven“ Kostenrekurses (8 ObA 30/09h; 8 ObA 45/09i; 9 ObA 61/09z). Da die vorliegende Kostenberufung nach dem 31. 12. 2007 bei Gericht eingebracht worden ist, findet auf das Rekursverfahren die Bestimmung des § 11 RATG in der novellierten Fassung des Art XII des BRÄG 2008 Anwendung (Art XVII § 16 des BRÄG 2008). Demnach wird sowohl in § 11 Abs 1 als auch in § 11 Abs 2 RATG nicht mehr auf den mit dem Rechtsmittel ersiegten, sondern auf den begehrten Kostenbetrag abgestellt. Daher sind für die Entscheidung über die Kosten des Rechtsmittels die §§ 41, 43 ZPO maßgeblich (1 Ob 158/10g). Hier ist der Kläger nur mit etwa 16 % des von ihm begehrten Kostenbetrags durchgedrungen, sodass ihm für die Berufung im Kostenpunkt keine Kosten zuzusprechen waren.

Gemäß § 23 Abs 9 RATG waren dem Beklagten für die Berufungsbeantwortung nur Kosten auf Basis des dreifachen Einheitssatzes zuzuerkennen.

Im Rekursverfahren vor dem Obersten Gerichtshof gebührt dem Nebenintervenienten kein Streitgenossenzuschlag, weil er weder mehrere Personen vertritt noch mehreren Personen gegenübersteht (§ 15 RATG; 9 ObA 22/09i, RIS-Justiz RS0045327).

Textnummer

E97264

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2011:0080OB00040.10F.0426.000

Im RIS seit

23.05.2011

Zuletzt aktualisiert am

05.08.2013

Dokumentnummer

JJT_20110426_OGH0002_0080OB00040_10F0000_000