Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 4Ob538/82 6Ob689/83 1Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0043259

Geschäftszahl

4Ob538/82; 6Ob689/83; 1Ob561/92; 7Ob612/93; 4Ob574/94; 1Ob545/95; 1Ob574/95; 1Ob40/95; 9Ob17/97h; 6Ob254/98s; 7Ob179/99w; 8ObA87/99y; 5Ob15/00t; 4Ob71/01x; 3Ob96/01s; 9ObA1/03t; 8ObA111/04p; 7Ob304/04p; 6Ob18/06z; 4Ob151/07w; 7Ob159/07v; 6Ob289/07d; 1Ob245/08y; 17Ob28/09f; 4Ob19/10p; 5Ob264/09y; 5Ob165/10s; 7Ob254/10v; 2Ob167/10p; 6Ob77/11h; 2Ob180/12b; 8ObA26/13a; 3Ob167/13z; 9ObA171/13g; 6Ob22/15a; 5Ob265/15d; 3Ob5/16f; 10Ob33/16z; 9ObA56/16z; 8Ob26/17g; 8ObA76/16h; 9Ob50/17v; 8ObS10/17d; 4Ob42/18g; 7Ob86/18z; 1Ob177/19i; 3Ob215/19t; 2Ob122/20k; 2Ob220/20x

Entscheidungsdatum

18.05.1982

Norm

ZPO §411 Aa
ZPO §411 Ba
AußStrG 2005 §39
AußStrG 2005 §43 Abs1

Rechtssatz

Das Ausmaß der Bindungswirkung wird zwar nur durch den Urteilsspruch bestimmt, doch sind die Entscheidungsgründe zur Auslegung und Individualisierung des rechtskräftigen Anspruches heranzuziehen. Dies gilt insbesondere, wenn der Umfang der Rechtskraftwirkung des abweisenden Urteiles festgestellt werden soll.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 538/82
    Entscheidungstext OGH 18.05.1982 4 Ob 538/82
    Veröff: SZ 55/74
  • 6 Ob 689/83
    Entscheidungstext OGH 16.06.1983 6 Ob 689/83
    Vgl auch
  • 1 Ob 561/92
    Entscheidungstext OGH 14.07.1992 1 Ob 561/92
  • 7 Ob 612/93
    Entscheidungstext OGH 25.05.1994 7 Ob 612/93
  • 4 Ob 574/94
    Entscheidungstext OGH 07.03.1995 4 Ob 574/94
  • 1 Ob 545/95
    Entscheidungstext OGH 29.05.1995 1 Ob 545/95
    nur: Das Ausmaß der Bindungswirkung wird zwar nur durch den Urteilsspruch bestimmt, doch sind die Entscheidungsgründe zur Auslegung und Individualisierung des rechtskräftigen Anspruches heranzuziehen. (T1)
    Veröff: SZ 68/103
  • 1 Ob 574/95
    Entscheidungstext OGH 17.10.1995 1 Ob 574/95
  • 1 Ob 40/95
    Entscheidungstext OGH 22.11.1995 1 Ob 40/95
  • 9 Ob 17/97h
    Entscheidungstext OGH 14.05.1997 9 Ob 17/97h
  • 6 Ob 254/98s
    Entscheidungstext OGH 26.11.1998 6 Ob 254/98s
  • 7 Ob 179/99w
    Entscheidungstext OGH 14.07.1999 7 Ob 179/99w
  • 8 ObA 87/99y
    Entscheidungstext OGH 26.08.1999 8 ObA 87/99y
    Vgl auch; Beisatz: Trotz Abweisung des gegen die Kündigung gerichteten Anfechtungsbegehrens ist der Beklagte, der diesem Begehren nicht mit dem Einwand entgegengetreten ist, eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses sei nicht erfolgt, wegen der Bindungswirkung für allfällige Folgeprozesse durch die das Vorliegen einer Kündigung verneinende Begründung beschwert. (T2)
  • 5 Ob 15/00t
    Entscheidungstext OGH 25.01.2000 5 Ob 15/00t
    Auch; nur T1
  • 4 Ob 71/01x
    Entscheidungstext OGH 24.04.2001 4 Ob 71/01x
    Auch; nur T1
  • 3 Ob 96/01s
    Entscheidungstext OGH 19.09.2001 3 Ob 96/01s
    Auch
  • 9 ObA 1/03t
    Entscheidungstext OGH 21.05.2003 9 ObA 1/03t
    Auch; nur T1; Beisatz: Da Gegenstand des Vorprozesses die Frage war, ob die Kündigungen aus einem verpönten Motiv erfolgten, kommt daher den Tatsachenfeststellungen über die der Kündigung zugrunde liegenden Beweggründe der Beklagten bindende Wirkung zu, wobei sich diese Bindung wegen des untrennbaren Zusammenhangs nicht nur auf die Feststellungen über das Bestehen eines verpönten Motivs sondern auch auf jene über das Nichtbestehen des von der Beklagten behaupteten Motivs beziehen muss. (T3)
  • 8 ObA 111/04p
    Entscheidungstext OGH 25.11.2004 8 ObA 111/04p
  • 7 Ob 304/04p
    Entscheidungstext OGH 22.12.2004 7 Ob 304/04p
    Vgl auch
  • 6 Ob 18/06z
    Entscheidungstext OGH 06.04.2006 6 Ob 18/06z
    Auch; nur T1; Veröff: SZ 2006/57
  • 4 Ob 151/07w
    Entscheidungstext OGH 02.10.2007 4 Ob 151/07w
  • 7 Ob 159/07v
    Entscheidungstext OGH 28.11.2007 7 Ob 159/07v
    Auch; nur T1; Beisatz: Die materielle Rechtskraft erstreckt sich damit auf die Tatsachenfeststellungen jedenfalls soweit, als diese zur Individualisierung des Spruchs notwendig sind. (T4)
    Beisatz: Hier: Da ein Rückgriffsanspruch einer Partei gegen den Nebenintervenienten nur in Frage kommt, wenn die Partei im Vorprozess verliert, ist die Bindungswirkung nur in diesem Fall relevant und auf die Tatsachenfeststellungen im Urteil des Vorprozesses beschränkt, die die Rechtsposition des Nebenintervenienten belasten. (T5)
    Veröff: SZ 2007/187
  • 6 Ob 289/07d
    Entscheidungstext OGH 17.12.2008 6 Ob 289/07d
    nur T1
  • 1 Ob 245/08y
    Entscheidungstext OGH 30.06.2009 1 Ob 245/08y
    Auch
  • 17 Ob 28/09f
    Entscheidungstext OGH 16.12.2009 17 Ob 28/09f
    Auch; nur T1
  • 4 Ob 19/10p
    Entscheidungstext OGH 11.03.2010 4 Ob 19/10p
    Auch
  • 5 Ob 264/09y
    Entscheidungstext OGH 22.06.2010 5 Ob 264/09y
    Auch
  • 5 Ob 165/10s
    Entscheidungstext OGH 20.12.2010 5 Ob 165/10s
    Auch; Bem: Hier: Wohnrechtliches Außerstreitverfahren. (T6)
  • 7 Ob 254/10v
    Entscheidungstext OGH 16.02.2011 7 Ob 254/10v
  • 2 Ob 167/10p
    Entscheidungstext OGH 17.02.2011 2 Ob 167/10p
    Auch
  • 6 Ob 77/11h
    Entscheidungstext OGH 18.07.2011 6 Ob 77/11h
    nur T1
  • 2 Ob 180/12b
    Entscheidungstext OGH 21.02.2013 2 Ob 180/12b
    Auch
  • 8 ObA 26/13a
    Entscheidungstext OGH 28.05.2013 8 ObA 26/13a
    Auch
  • 3 Ob 167/13z
    Entscheidungstext OGH 29.10.2013 3 Ob 167/13z
  • 9 ObA 171/13g
    Entscheidungstext OGH 26.02.2014 9 ObA 171/13g
    Auch
  • 6 Ob 22/15a
    Entscheidungstext OGH 27.04.2015 6 Ob 22/15a
    Auch
  • 5 Ob 265/15d
    Entscheidungstext OGH 20.04.2016 5 Ob 265/15d
    Auch; Beis wie T6
  • 3 Ob 5/16f
    Entscheidungstext OGH 18.05.2016 3 Ob 5/16f
    Auch; nur T1; Beis wie T4
  • 10 Ob 33/16z
    Entscheidungstext OGH 28.06.2016 10 Ob 33/16z
  • 9 ObA 56/16z
    Entscheidungstext OGH 28.02.2017 9 ObA 56/16z
  • 8 Ob 26/17g
    Entscheidungstext OGH 28.03.2017 8 Ob 26/17g
    Auch; nur T1
  • 8 ObA 76/16h
    Entscheidungstext OGH 28.09.2017 8 ObA 76/16h
    Veröff: SZ 2017/10
  • 9 Ob 50/17v
    Entscheidungstext OGH 30.10.2017 9 Ob 50/17v
  • 8 ObS 10/17d
    Entscheidungstext OGH 29.11.2017 8 ObS 10/17d
  • 4 Ob 42/18g
    Entscheidungstext OGH 22.03.2018 4 Ob 42/18g
    Auch; Beis wie T4
  • 7 Ob 86/18z
    Entscheidungstext OGH 24.05.2018 7 Ob 86/18z
  • 1 Ob 177/19i
    Entscheidungstext OGH 16.12.2019 1 Ob 177/19i
    nur T1; Beisatz: Hier: Feststellung der Ersatzpflicht für künftige Schäden aus einer unrichtigen Aufklärung eines Gerichtskommissärs. (T7)
  • 3 Ob 215/19t
    Entscheidungstext OGH 26.02.2020 3 Ob 215/19t
  • 2 Ob 122/20k
    Entscheidungstext OGH 18.12.2020 2 Ob 122/20k
    Vgl; Beisatz: Hier: Verfahren über das Erbrecht. (T8)
  • 2 Ob 220/20x
    Entscheidungstext OGH 26.05.2021 2 Ob 220/20x

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1982:RS0043259

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

29.07.2021

Dokumentnummer

JJR_19820518_OGH0002_0040OB00538_8200000_002

Rechtssatz für 5Ob167/03z 5Ob165/10s

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0119056

Geschäftszahl

5Ob167/03z; 5Ob165/10s

Entscheidungsdatum

23.03.2004

Norm

WEG 1975 idF WRN 1999 §17 Abs1 Z1
WEG 2002 §20 Abs3
WEG 2002 §52 Abs1 Z6

Rechtssatz

Die materielle Anordnung in § 17 Abs 1 Z 1 WEG 1975 idF der WRN 1999 (nunmehr § 20 Abs 3 WEG 2002) stellt in Verbindung mit § 52 Abs 1 Z 6 WEG 2002 die Grundlage dafür her, die bestehende materiellrechtliche Verpflichtung zur richtigen Rechnungslegung im außerstreitigen Verfahren durchzusetzen. Dadurch unterscheidet sich die neue Rechtslage erheblich von der früheren, durch § 17 Abs 1 Z 1 WEG 1975 idF vor der WRN 1999 iVm § 26 Abs 1 Z 5 WEG 1975 definierten. Die Rechnungslegungspflicht nach § 20 Abs 3 WEG 2002 mit ihrer Durchsetzung im außerstreitigen Verfahren ist nicht mehr bloß ausführendes Recht zu den Bestimmungen des ABGB (§§ 1012, 830, 837), sondern Spezialrecht im Verhältnis zwischen Wohnungseigentümern und ihrem Verwalter.

Entscheidungstexte

  • 5 Ob 167/03z
    Entscheidungstext OGH 23.03.2004 5 Ob 167/03z
    Veröff: SZ 2004/42
  • 5 Ob 165/10s
    Entscheidungstext OGH 20.12.2010 5 Ob 165/10s
    Vgl

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2004:RS0119056

Im RIS seit

22.04.2004

Zuletzt aktualisiert am

02.02.2011

Dokumentnummer

JJR_20040323_OGH0002_0050OB00167_03Z0000_002

Rechtssatz für 5Ob165/10s 5Ob139/14y 5...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0126486

Geschäftszahl

5Ob165/10s; 5Ob139/14y; 5Ob83/18v

Entscheidungsdatum

20.12.2010

Norm

AußStrG 2005 §43 Abs1
WEG 2002 idF WRN 2006 §34 Abs3

Rechtssatz

Seit der  Neufassung des § 34 Abs 3 WEG durch die WRN 2006 hat das Gericht  bei Überprüfung der Richtigkeit einer Abrechnung nicht mehr einen Auftrag an den Verwalter zur Richtigstellung der Abrechnung zu erlassen, sondern selbst die Unrichtigkeit der einzelnen Positionen der Abrechnung festzustellen. Ein derartiger „Feststellungssachbeschluss“, der mit seiner Rechtskraft die konkrete Unrichtigkeit der Abrechnung verbindlich iSd § 43 Abs 1 AußStrG feststellt, unterliegt daher keiner exekutiven Durchsetzung nach § 34 Abs 3 zweiter Satz WEG. Durch den „Feststellungssachbeschluss“ erfolgt lediglich die bindende Lösung einer Vorfrage.

Entscheidungstexte

  • 5 Ob 165/10s
    Entscheidungstext OGH 20.12.2010 5 Ob 165/10s
  • 5 Ob 139/14y
    Entscheidungstext OGH 04.09.2014 5 Ob 139/14y
    nur: Seit der Neufassung des § 34 Abs 3 WEG durch die WRN 2006 hat das Gericht bei Überprüfung der Richtigkeit einer Abrechnung nicht mehr einen Auftrag an den Verwalter zur Richtigstellung der Abrechnung zu erlassen, sondern selbst die Unrichtigkeit der einzelnen Positionen der Abrechnung festzustellen. (T1)
  • 5 Ob 83/18v
    Entscheidungstext OGH 12.06.2018 5 Ob 83/18v
    nur T1

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2010:RS0126486

Im RIS seit

14.02.2011

Zuletzt aktualisiert am

02.08.2018

Dokumentnummer

JJR_20101220_OGH0002_0050OB00165_10S0000_001

Entscheidungstext 5Ob165/10s

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Fundstelle

Zak 2011/137 S 76 - Zak 2011,76 = immolex-LS 2011/26 = wobl 2011,283/114 - wobl 2011/114 = MietSlg 62.472

Geschäftszahl

5Ob165/10s

Entscheidungsdatum

20.12.2010

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten Hon.-Prof. Dr. Danzl als Vorsitzenden sowie die Hofrätinnen Dr. Hurch und Dr. Lovrek und die Hofräte Dr. Höllwerth und Mag. Wurzer als weitere Richter in der wohnrechtlichen Außerstreitsache der Antragstellerin L***** Gesellschaft m.b.H., *****, vertreten durch Dr. Christian Perner, Rechtsanwalt in Wien, gegen die Antragsgegnerin O***** GmbH, *****, vertreten durch Dr. Josef Lachmann, Rechtsanwalt in Wien, unter Beiziehung der Mit- und Wohnungseigentümer der Liegenschaft *****, 1. Otto F*****, 2. Martin Matthias K*****, 3. Friedel Raimund E*****, 4. Milica P*****, 5. Mag. Birgit L*****, 6. Edith M*****, 7. Kevin M*****, und 8. Gervaise S*****, beide *****, 9. Mag. Verena Elisabeth F*****, und 11. Mag. Birgit F*****, wegen § 52 Abs 1 Z 6 WEG iVm § 34 Abs 3 WEG, über den Revisionsrekurs der Antragstellerin gegen den Sachbeschluss des Landesgerichts für Zivilrechtssachen Wien als Rekursgericht vom 27. April 2010, GZ 40 R 69/10h-11, womit infolge Rekurses der Antragstellerin der Sachbeschluss des Bezirksgerichts Josefstadt vom 22. Jänner 2010, GZ 17 Msch 1/10x-4, bestätigt wurde, den

Sachbeschluss

gefasst:

Spruch

Dem Revisionsrekurs wird nicht Folge gegeben.

Die Antragstellerin ist schuldig, der Antragsgegnerin die mit 652,32 EUR bestimmten Kosten der Revisionsrekursbeantwortung (darin 108,72 EUR USt) binnen 14 Tagen zu ersetzen.

Text

Begründung:

Die Antragstellerin ist Wohnungseigentümerin, die Antragsgegnerin Verwalterin der Liegenschaft ***** in *****.

Zum Gegenstand des (Vor-)Verfahrens 17 Msch 5/09h des Bezirksgerichts Josefstadt:

Mit der Behauptung, der Bewirtschaftungskostenabrechnung des Jahres 2007 sei von der Antragsgegnerin eine von tatsächlichen Gegebenheiten und insbesondere einem Nutzwertgutachten vom 2. 8. 2007 abweichende Aufteilung der Bewirtschaftungskosten zugrundegelegt worden, begehrte die Antragstellerin die Feststellung der Unrichtigkeit der Abrechnung für das Jahr 2007 sowie die Feststellung des sich aus der Richtigstellung zu ihren Gunsten ergebenden Saldos von 1.327,09 EUR, nach späterem Vorbringen in eventu 5.985,81 EUR.

Das Erstgericht stellte die Unrichtigkeit der von der Antragsgegnerin erstellten Betriebskosten- und Instandhaltungsabrechnung für das Jahr 2007 fest und wies den Antrag auf Feststellung eines sich aus der Unrichtigkeit zu Gunsten der Antragstellerin ergebenden Saldos ab.

Einem nur gegen die Abweisung des Begehrens auf Feststellung eines Saldos gerichteten Rekurs der Antragstellerin gab das Gericht zweiter Instanz nicht Folge. Es vertrat dabei die Ansicht, dass die Feststellung eines Überschuss- oder Fehlbetrags iSd § 34 Abs 3 letzter Satz WEG dann nicht erfolgen könne, wenn die Unrichtigkeit einer Abrechnung nur auf einem unrichtigen Verteilungsschlüssel beruhe. Diesfalls ergebe sich gar kein Überschuss, weil die tatsächlich entstandenen Kosten zwischen den Wohnungseigentümern nur anders zu verteilen wären. Das Rekursgericht erklärte den ordentlichen Revisionsrekurs bei einem 10.000 EUR nicht übersteigenden Streitwert für nicht zulässig.

Die Rekursentscheidung wurde dem Vertreter der Antragstellerin am 15. 12. 2009 zugestellt.

Zum nunmehrigen Verfahren 17 Msch 1/10x, ebenfalls des Bezirksgerichts Josefstadt:

Am 30. 12. 2009 langte beim Erstgericht - zu 17 Msch 1/10x - ein Antrag der Antragstellerin ein, die Antragsgegnerin unter Androhung einer Geldstrafe zur Legung einer richtigen Abrechnung der Bewirtschaftungskosten für das Jahr 2007 zu verpflichten. Im Verfahren 17 Msch 5/09h sei die Unrichtigkeit der Abrechnung der Antragsgegnerin festgestellt worden. Dennoch sei bis heute keine neuerliche richtige Abrechnung gelegt worden.

Die Antragsgegnerin beantragte, den Antrag zurück- in eventu abzuweisen. Die der Antragsgegnerin zustehende angemessene Leistungsfrist habe frühestens am 11. 1. 2010 mit der Rechtskraft der zweitinstanzlichen Entscheidung zu laufen begonnen. Darüber hinaus hätte die Antragstellerin die Mängel der Abrechnung rügen müssen. Auch stehe ihr bei tatsächlich richtiger Abrechnung keinerlei Guthaben zu.

Das Erstgericht wies den als Exekutionsantrag gewerteten Antrag ab. Die Frist zur Erhebung eines außerordentlichen Revisionsrekurses gegen den zweitinstanzlichen Sachbeschluss im Vorverfahren sei erst am 12. 1. 2010 abgelaufen. Damit erweise sich der gegenständliche Antrag als verfrüht, weil der Antragsgegnerin eine angemessene Frist zur Legung einer (richtigen) Abrechnung ab Rechtskraft der Entscheidung im Vorverfahren einzuräumen sei.

Dem dagegen von der Antragstellerin erhobenen Rekurs gab das Gericht zweiter Instanz nicht Folge. Gemäß § 34 Abs 3 WEG habe sich dann, wenn der Mangel einer Abrechnung nur in einer inhaltlichen Unrichtigkeit bestehe, die gerichtliche Entscheidung auf die Feststellung der Unrichtigkeit sowie des sich aus der Richtigstellung ergebenden Überschuss- oder Fehlbetrags zu beschränken. Der rechtskräftige Sachbeschluss, mit dem die Unrichtigkeit der Abrechnung festgestellt worden sei, sei als reiner Feststellungstitel nicht vollstreckbar. Die Anwendung der Vollstreckungsvorschrift des § 34 Abs 3 WEG setze aber einen vollstreckbaren Leistungstitel voraus. Deshalb habe das Erstgericht den Antrag im Ergebnis zu Recht abgewiesen.

Das Rekursgericht sprach aus, dass der Wert des Entscheidungsgegenstands 10.000 EUR nicht übersteige  und erst über Antrag der Revisionsrekurswerberin in deren Zulassungsvorstellung, dass der ordentliche Revisionsrekurs doch zulässig sei, weil der verfahrenseinleitende Antrag entgegen der Wertung durch das Rekursgericht als Exekutionsantrag auch als Antrag auf Schaffung eines Exekutionstitels zur Erzwingung einer ordnungsgemäßen Abrechnung beurteilt werden könnte.

Gegen den Sachbeschluss des Rekursgerichts richtet sich der Revisionsrekurs der Antragstellerin mit dem Antrag auf Abänderung der Sachbeschlüsse der Vorinstanzen dahin, dass ihrem Antrag stattgegeben und der Antragsgegnerin unter Androhung von Geldstrafen aufgetragen werde, für das Jahr 2007 eine richtige Abrechnung der verrechneten Hausbewirtschaftungskosten zu legen. Hilfsweise wird ein Aufhebungsantrag gestellt.

Die Antragsgegnerin beantragt, den Revisionsrekurs der Antragstellerin zurückzuweisen, in eventu ihm nicht Folge zu geben.

Rechtliche Beurteilung

Der Revisionsrekurs der Antragstellerin ist zur Klarstellung der Rechtslage zulässig. Er ist jedoch nicht berechtigt.

Zur Durchsetzung der Verwalterpflicht auf Legung einer ordentlichen und richtigen Abrechnung nach § 20 Abs 3 WEG steht jedem Wohnungseigentümer nach § 52 Abs 1 Z 6 WEG das gerichtliche Außerstreitverfahren offen.

Vor Inkrafttreten der WRN 1999 war Gegenstand der im außerstreitigen Verfahren durchzusetzenden Rechnungslegungspflicht des Verwalters die Erzwingung einer (nur) formell vollständigen, nachvollziehbaren Abrechnung (§ 17 Abs 1 Z 1 und Abs 6 WEG 1975 iVm § 26 Abs 1 Z 5 WEG 1975). Fragen der Richtigkeit dieser Abrechnung im Sinn materiell-rechtlicher Richtigkeit und Berechtigung von Forderungen waren dem streitigen Verfahren vorbehalten (vgl 5 Ob 167/03z = wobl 2004/67 mwN und Anm Call). § 17 Abs 1 Z 1 WEG 1975 wurde durch die WRN 1999 dahin novelliert, dass künftig (ab 1. 1. 2000) die (immer schon geschuldete) materiell-rechtliche Verpflichtung des Verwalters zur Legung einer richtigen Abrechnung auch im außerstreitigen Verfahren durchsetzbar wurde (5 Ob 167/03z = wobl 2004/67 [Call]). Das WEG 2002 übernahm die Verwalterpflicht in §§ 20 Abs 3, 34 WEG und deren Durchsetzbarkeit im außerstreitigen Verfahren in § 52 Abs 1 Z 6 WEG.

Schon vor Inkrafttreten der WRN 2006 war klar, dass die Bestimmung des § 34 Abs 3 WEG 2002, die auf § 17 Abs 6 WEG 1975 zurückgeht, für die Prüfung der Richtigkeit einer Abrechnung, für die sie ja ursprünglich auch nicht bestimmt war, völlig ungeeignet war. Es erwies sich daher als notwendig, zwischen einer erst zu legenden oder zu ergänzenden und einer unrichtigen Abrechnung verfahrensmäßig zu unterscheiden (vgl dazu Würth, Kleine Änderungen - große Wirkungen, wobl 2004, 243 [247 f]). Infolge dieser Anregung sah sich der Gesetzgeber der WRN 2006 veranlasst, die Bestimmung des § 34 Abs 3 WEG für den Fall der Unrichtigkeit einer Abrechnung anzupassen (1183 BlgNR 22. GP). Dementsprechend wurde dem § 34 Abs 3 WEG folgender letzter Satz angefügt:

Besteht der Mangel der Abrechnung nur in einer inhaltlichen Unrichtigkeit, so hat sich die gerichtliche Entscheidung auf die Feststellung der Unrichtigkeit sowie des sich aus der Richtigstellung ergebenden Überschuss- oder Fehlbetrags zu beschränken.

Im Verfahren über die Richtigkeit der Abrechnung ist demnach kein Leistungstitel zu schaffen. Durch den „Feststellungssachbeschluss“ erfolgt lediglich die bindende Lösung einer Vorfrage (Würth in Wohnrecht 2007 Anm 3 zu § 34 WEG; E. M. Hausmann in Hausmann/Vonkilch Österreichisches Wohnrecht Rz 37a zu § 34 WEG). Das Gericht hat bei Überprüfung der Richtigkeit einer Abrechnung nicht mehr einen Auftrag an den Verwalter zur Richtigstellung der Abrechnung zu erlassen, sondern selbst die Unrichtigkeit der einzelnen Positionen der Abrechnung festzustellen (Würth aaO Anm 2; vgl auch 5 Ob 167/03z = wobl 2004/67 [Call]). Ein derartiger „Feststellungssachbeschluss“, der mit seiner Rechtskraft die konkrete Unrichtigkeit der Abrechnung verbindlich iSd § 43 Abs 1 AußStrG feststellt, unterliegt daher keiner exekutiven Durchsetzung nach § 34 Abs 3 zweiter Satz WEG. Der rein feststellende Charakter eines solchen Sachbeschlusses ergibt sich jedenfalls aus der Neufassung des § 34 Abs 3 WEG durch die WRN 2006.

Im vorliegenden Fall hat die Antragstellerin im Vorverfahren (nur) einen „Feststellungssachbeschluss“ erwirkt, der zwar nicht im Spruch, aber doch in seiner Begründung und insoweit auch mit Rechtskraft- und Bindungswirkung (vgl RIS-Justiz RS0043259) über die konkrete Unrichtigkeit der Verwalterabrechnung absprach. Mit dem Begehren auf Feststellung eines sich aus der Unrichtigkeit der Abrechnung zugunsten der Antragstellerin ergebenden Saldos ist die Antragstellerin im Verfahren 17 Msch 5/09h nicht durchgedrungen.

Den verfahrenseinleitenden Antrag haben die Vorinstanzen seinem Wortlaut nach daher zutreffend als Antrag auf Durchsetzung des rechtskräftigen Sachbeschlusses und somit als Exekutionsantrag gewertet. Eine Exekution dieses „Feststellungssachbeschlusses“ kommt aber aus den oben dargestellten Gründen nicht in Betracht.

Ihrem Revisionsrekurs war daher der Erfolg zu versagen.

Die Kostenentscheidung gründet sich auf § 37 Abs 3 Z 16 MRG iVm § 52 Abs 2 WEG.

Schlagworte

8 außerstreitige Wohnrechtssachen,

Textnummer

E96192

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2010:0050OB00165.10S.1220.000

Im RIS seit

19.02.2011

Zuletzt aktualisiert am

13.11.2012

Dokumentnummer

JJT_20101220_OGH0002_0050OB00165_10S0000_000