Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 2Ob108/74 8Ob16/86 7Ob6...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0035474

Geschäftszahl

2Ob108/74; 8Ob16/86; 7Ob622/88; 9ObA361/93; 1Ob296/04t; 3Ob259/05t; 2Ob189/09x; 1Ob103/12x; 8Ob71/14w; 9Ob12/15b; 1Ob148/16w; 5Ob8/19s; 5Ob105/19f

Entscheidungsdatum

13.06.1975

Norm

ZPO §19 IA

Rechtssatz

Der Nebenintervenient kann nur Einwendungen oder Sacheinreden erheben, die das Rechtsverhältnis der Hauptpartei zum Prozessgegner betreffen, nicht aber auch solche kraft eigenen Rechtes.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 108/74
    Entscheidungstext OGH 13.06.1975 2 Ob 108/74
    Veröff: SZ 48/67
  • 8 Ob 16/86
    Entscheidungstext OGH 19.06.1986 8 Ob 16/86
    Beisatz: Hier: Aufrechnungseinrede (T1)
  • 7 Ob 622/88
    Entscheidungstext OGH 22.09.1988 7 Ob 622/88
  • 9 ObA 361/93
    Entscheidungstext OGH 26.01.1994 9 ObA 361/93
    Veröff: ÖBA 1994,807
  • 1 Ob 296/04t
    Entscheidungstext OGH 15.03.2005 1 Ob 296/04t
    Auch
  • 3 Ob 259/05t
    Entscheidungstext OGH 25.01.2006 3 Ob 259/05t
    Auch; Beisatz: Aus der Stellung des Nebenintervenienten ergibt sich, dass alle seine Handlungen nur für die unterstützte Partei erfolgen und für diese prozessual wirksam werden. Daraus folgt aber auch, dass für die Beurteilung der Beschwer als Zulässigkeitsvoraussetzung auch bei einem vom Nebenintervenienten erhobenen Rechtsmittel lediglich das Interesse der Hauptpartei an einer Änderung oder Beseitigung der angefochtenen Entscheidung maßgeblich ist (7 Ob 622/88). (T2)
  • 2 Ob 189/09x
    Entscheidungstext OGH 18.12.2009 2 Ob 189/09x
    Vgl; auch Beis wie T2
  • 1 Ob 103/12x
    Entscheidungstext OGH 22.06.2012 1 Ob 103/12x
    Auch; Beis wie T2
  • 8 Ob 71/14w
    Entscheidungstext OGH 30.10.2014 8 Ob 71/14w
  • 9 Ob 12/15b
    Entscheidungstext OGH 28.05.2015 9 Ob 12/15b
  • 1 Ob 148/16w
    Entscheidungstext OGH 30.08.2016 1 Ob 148/16w
    Auch
  • 5 Ob 8/19s
    Entscheidungstext OGH 25.04.2019 5 Ob 8/19s
  • 5 Ob 105/19f
    Entscheidungstext OGH 27.11.2019 5 Ob 105/19f
    Beis wie T2

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1975:RS0035474

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

21.01.2020

Dokumentnummer

JJR_19750613_OGH0002_0020OB00108_7400000_002

Rechtssatz für 7Ob533/76 1Ob712/79 7Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0033869

Geschäftszahl

7Ob533/76; 1Ob712/79; 7Ob622/88; 2Ob189/09x; 1Ob103/12x; 2Ob177/13p; 6Ob41/21d

Entscheidungsdatum

18.03.1976

Norm

ABGB §1438
ZPO §17
ZPO §18
ZPO §19

Rechtssatz

Die bloß von dem rechtlichen Interesse an der Entscheidung über eine im Prozess eingewendete Gegenforderung abgeleitete Nebenintervention ist sowohl auf Seite des Beklagten wie auch des Klägers unzulässig.

Entscheidungstexte

  • 7 Ob 533/76
    Entscheidungstext OGH 18.03.1976 7 Ob 533/76
    Veröff: SZ 49/42 = EvBl 1986/225 S 468 = JBl 1977,273
  • 1 Ob 712/79
    Entscheidungstext OGH 29.10.1979 1 Ob 712/79
  • 7 Ob 622/88
    Entscheidungstext OGH 22.09.1988 7 Ob 622/88
    Ähnlich; Beisatz: Hier: Für die Beurteilung der Beschwer als Zulässigkeitsvoraussetzung auch bei einem vom Nebenintervenienten erhobenen Rechtsmittel ist lediglich das Interesse der Hauptpartei an einer Änderung oder Beseitigung der angefochtenen Entscheidung maßgeblich. (T1)
  • 2 Ob 189/09x
    Entscheidungstext OGH 18.12.2009 2 Ob 189/09x
    Vgl auch; auch Beis wie T1
  • 1 Ob 103/12x
    Entscheidungstext OGH 22.06.2012 1 Ob 103/12x
    Ähnlich; Beis wie T1
  • 2 Ob 177/13p
    Entscheidungstext OGH 13.02.2014 2 Ob 177/13p
    Beisatz: Hier: Haftpflichtversicherer des klagenden, aus Verkehrsunfall Geschädigten. (T2)
    Beisatz: Die aufrechnungsweise Geltendmachung einer Gegenforderung begründet keine Streitanhängigkeit gegenüber einer allfälligen selbstständigen Einklagung des Anspruchs und soll die selbstständige Verfolgung der Gegenforderung nicht behindern. (T3)
  • 6 Ob 41/21d
    Entscheidungstext OGH 23.06.2021 6 Ob 41/21d

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1976:RS0033869

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

25.08.2021

Dokumentnummer

JJR_19760318_OGH0002_0070OB00533_7600000_001

Rechtssatz für 1Ob53/95 2Ob344/99y 2Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0106856

Geschäftszahl

1Ob53/95; 2Ob344/99y; 2Ob119/09b; 2Ob189/09x

Entscheidungsdatum

03.10.1996

Norm

ABGB §1315 I
EKHG §19 Abs2
LuftVG §19
LuftVG §27

Rechtssatz

Im Bereich des Luftverkehrsrechts hat der Halter - abgesehen von der Besorgungsgehilfenhaftung - für das Verschulden des Piloten nicht unmittelbar einzustehen. Wohl aber hat er für die besondere, durch schuldhaftes Verhalten einer beim Betrieb des Luftfahrzeugs tätigen Dritten (Piloten) erhöhte Betriebsgefahr des Luftfahrzeugs einzustehen. Eine analoge Anwendung des § 19 Abs 2 EKHG im Luftverkehrsrecht kommt nicht in Betracht.

Entscheidungstexte

  • 1 Ob 53/95
    Entscheidungstext OGH 03.10.1996 1 Ob 53/95
    Veröff: SZ 69/219
  • 2 Ob 344/99y
    Entscheidungstext OGH 23.11.2000 2 Ob 344/99y
    Vgl aber; Beisatz: Für die Auslegung des LuftVG sind die Auslegungsgrundlagen des EKHG heranzuziehen sind. Danach geht eine nicht aufklärbare Ungewissheit über wesentliche Einzelheiten des Unfallherganges zu Lasten des Halters. (T1)
  • 2 Ob 119/09b
    Entscheidungstext OGH 26.11.2009 2 Ob 119/09b
    Auch; nur: Im Bereich des Luftverkehrsrechts hat der Halter - abgesehen von der Besorgungsgehilfenhaftung - für das Verschulden des Piloten nicht unmittelbar einzustehen. (T2); nur: Eine analoge Anwendung des § 19 Abs 2 EKHG im Luftverkehrsrecht kommt nicht in Betracht. (T3)
  • 2 Ob 189/09x
    Entscheidungstext OGH 18.12.2009 2 Ob 189/09x
    Vgl auch; nur wie T3

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1996:RS0106856

Zuletzt aktualisiert am

01.04.2010

Dokumentnummer

JJR_19961003_OGH0002_0010OB00053_9500000_001

Rechtssatz für 2Ob119/09b 2Ob189/09x

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0125649

Geschäftszahl

2Ob119/09b; 2Ob189/09x

Entscheidungsdatum

26.11.2009

Norm

ZPO §43 Abs1
ZPO §228 B1aa
EKHG §15

Rechtssatz

Wird ein zunächst auf unbeschränkte Haftung lautendes Feststellungsbegehren in der Folge seitens des Klägers mit den Haftungshöchstbeträgen des EKHG betraglich begrenzt, so ist mangels gesonderter Bewertung des eingeschränkten Begehrens davon auszugehen, dass der Kläger mit der Hälfte dieses Feststellungsbegehrens durchgedrungen ist.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 119/09b
    Entscheidungstext OGH 26.11.2009 2 Ob 119/09b
    Bem: Vgl 2 Ob 77/01i; 2 Ob 70/01k. (T1)
  • 2 Ob 189/09x
    Entscheidungstext OGH 18.12.2009 2 Ob 189/09x
    Vgl; Beisatz: Ist im Revisionsverfahren nur mehr die Differenz zwischen Eventual-(Gefährdungshaftung) und Hauptbegehren (Haftung bis zur Versicherungssumme) gegenständlich, so ist diese Differenz mit der Hälfte des gesamten Streitwerts (des Feststellungsbegehrens) zu bewerten. (T2)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2009:RS0125649

Im RIS seit

26.12.2009

Zuletzt aktualisiert am

16.08.2012

Dokumentnummer

JJR_20091126_OGH0002_0020OB00119_09B0000_001

Rechtssatz für 2Ob119/09b 2Ob189/09x 2...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0125652

Geschäftszahl

2Ob119/09b; 2Ob189/09x; 2Ob112/10z

Entscheidungsdatum

26.11.2009

Norm

LFG idF BGBl I 1997/102

Rechtssatz

Die Haftpflichtversicherung hat auch Ansprüche von außenstehenden Dritten nach anderen Rechtsgrundlagen und gegen andere Personen als den Halter, vor allem gegen den Piloten, zu decken. In solchen Fällen handelt es sich um eine Versicherung auf fremde Rechnung.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 119/09b
    Entscheidungstext OGH 26.11.2009 2 Ob 119/09b
    Bem: Seilbahnunglück Sölden. (T1)
  • 2 Ob 189/09x
    Entscheidungstext OGH 18.12.2009 2 Ob 189/09x
    Vgl auch
  • 2 Ob 112/10z
    Entscheidungstext OGH 22.06.2011 2 Ob 112/10z
    Auch; Bem wie T1

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2009:RS0125652

Im RIS seit

26.12.2009

Zuletzt aktualisiert am

18.10.2011

Dokumentnummer

JJR_20091126_OGH0002_0020OB00119_09B0000_004

Rechtssatz für 2Ob119/09b 2Ob60/09a 2O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0125655

Geschäftszahl

2Ob119/09b; 2Ob60/09a; 2Ob61/09y; 2Ob189/09x; 2Ob112/10z

Entscheidungsdatum

26.11.2009

Norm

AOCV 2004 §16
LFG idF BGBl I 1997/102 §131
LFG idF BGBl I 1997/102 §134

Rechtssatz

Die Bestimmung des § 16 AOCV 2004 enthält keineswegs ein „generelles Verbot" von Transportflügen mit Außenlasten, sondern es hat der Pilot den Flug so zu wählen, dass die Gefahr eines Drittschadens soweit als möglich vermieden werden soll. Sie ist dahin auszulegen, dass der Pilot nicht nur die sicherste Flugroute, sondern auch den sichersten Zeitpunkt für die Absolvierung des Flugs zu wählen hat. Dabei muss eine Abwägung der gefährdeten Rechtsgüter zum Vorrang des Schutzes von Leben und Gesundheit vor dem Schutz des Eigentums führen.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 119/09b
    Entscheidungstext OGH 26.11.2009 2 Ob 119/09b
    Beisatz: Gegen die Verfassungsgemäßheit des § 16 Abs 2 letzter Satz AOCV 2004 bestehen keine Bedenken. (T1); Bem: Seilbahnunglück Sölden. (T2)
  • 2 Ob 60/09a
    Entscheidungstext OGH 18.12.2009 2 Ob 60/09a
    Vgl auch; Bem wie T2
  • 2 Ob 61/09y
    Entscheidungstext OGH 18.12.2009 2 Ob 61/09y
    vgl auch; Bem wie T2
  • 2 Ob 189/09x
    Entscheidungstext OGH 18.12.2009 2 Ob 189/09x
    Vgl; Bem wie T2
  • 2 Ob 112/10z
    Entscheidungstext OGH 22.06.2011 2 Ob 112/10z
    Vgl; Beis wie T2

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2009:RS0125655

Im RIS seit

26.12.2009

Zuletzt aktualisiert am

18.10.2011

Dokumentnummer

JJR_20091126_OGH0002_0020OB00119_09B0000_007

Entscheidungstext 2Ob189/09x

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Fundstelle

Nowotny, ZVR 2012/191 S 361 - Nowotny, ZVR 2012,361

Geschäftszahl

2Ob189/09x

Entscheidungsdatum

18.12.2009

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten Dr. Baumann als Vorsitzenden und die Hofräte Dr. Veith, Dr. E. Solé, Dr. Schwarzenbacher und Dr. Nowotny als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Parteien 1. mj Franziska S*****, 2. mj Stefan S*****, beide vertreten durch den Vater Klaus K***** als gesetzlichen Vertreter, alle *****, alle vertreten durch Forcher-Mayr, Kantner & Ruetz Rechtsanwälte Partnerschaft in Innsbruck, sowie der auf Seite der klagenden Parteien beigetretenen Nebenintervenientinnen 1. Ö*****-Gesellschaft mbH & Co KG *****, 2. Ö*****-Gesellschaft mbH, *****, beide vertreten durch Dr. Markus Skarics, Rechtsanwalt in Imst, gegen die beklagte Partei D*****-AG, *****, vertreten durch Dr. Andreas A. Lintl, Rechtsanwalt in Wien, wegen Feststellung (Feststellungsinteresse 30.000 EUR, Revisionsinteresse 15.000 EUR), über die Revisionen der klagenden Parteien und der Nebenintervenientinnen gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Innsbruck als Berufungsgericht vom 6. Mai 2009, GZ 2 R 77/09d-18, womit das Urteil des Landesgerichts Innsbruck vom 21. Jänner 2009, GZ 57 Cg 65/08g-13, abgeändert wurde, zu Recht erkannt:

Spruch

Den Revisionen wird Folge gegeben.

Die Entscheidung des Berufungsgerichts wird dahin abgeändert, dass das Urteil des Erstgerichts wieder hergestellt wird.

Die beklagte Partei ist schuldig, den klagenden Parteien die mit 4.928,57 EUR (darin 607,30 EUR USt und 1.284,80 EUR Pauschalgebühr) bestimmten Kosten des Rechtsmittelverfahrens binnen 14 Tagen zu bezahlen.

Die beklagte Partei ist schuldig, den Nebenintervenientinnen die mit 4.924,23 EUR (darin 606,57 EUR USt und 1.284,80 EUR Pauschalgebühr) bestimmten Kosten des Rechtsmittelverfahrens binnen 14 Tagen zu bezahlen.

Text

Entscheidungsgründe:

Am 5. September 2005 wurde die Mutter der beiden Kläger als Fahrgast der im Eigentum der ersten Nebenintervenientin stehenden und in Sölden betriebenen Einseil-Umlaufbahn getötet, als bei einem über die Seilbahntrasse geführten Hubschraubertransportflug der H***** GmbH infolge einer Fehlfunktion der Auslösevorrichtung eine transportierte Außenlast samt Lastgehänge aus großer Höhe auf den Förderstrang der Liftanlage fiel. Das Bahnseil wurde dadurch in starke Schwingungen versetzt. Die Gondel Nr 77 stürzte samt Insassen aus ca 10 Metern Höhe zu Boden. Die Zweitnebenintervenientin ist die Komplementärin der Erstnebenintervenientin.

Die Beklagte ist Haftpflichtversicherer des unfallbeteiligten Hubschraubers, Versicherungsnehmerin war die H***** GmbH, die im Unfallszeitpunkt Arbeitgeber des Piloten des unfallbeteiligten Hubschraubers war. Die Versicherungssumme für diesen Hubschrauber beträgt 12.000.000 EUR. Gemäß § 1.3.1 dieses Luftfahrversicherungsvertrags umfasst der Versicherungsschutz die gesetzliche Haftpflicht unter anderem aus dem Gebrauch von Luftfahrzeugen wegen Schäden von Personen und Sachen, die nicht im Luftfahrzeug befördert werden (Halterhaftpflichtversicherung). Gemäß § 2.1.1 umfasst der Versicherungsschutz auch die persönliche gesetzliche Haftpflicht des Halters sowie aller Personen, die mit Wissen und Willen des Halters an der Führung und Bedienung der Luftfahrzeuge beteiligt sind.

Wegen des Unfalls wurde der Pilot unter anderem wegen des Vergehens der fahrlässigen Tötung rechtskräftig verurteilt.

Die unbeschränkte Haftung des Piloten für alle künftigen Schäden aus dem Seilbahnunfall gegenüber den Klägern steht rechtskräftig fest (2 Ob 19/09x).

Die Kläger begehren im vorliegenden Verfahren die Feststellung der Haftung der Beklagten für alle künftigen Schäden aus dem Unfall mit der Beschränkung auf die Versicherungssumme von 12.000.000 EUR entsprechend dem den Hubschrauber betreffenden Haftpflichtversicherungsvertrag. Hilfsweise begehren sie die Feststellung der Haftung der Beklagten für alle künftigen Schäden aus dem Unfall bis zu den Haftungshöchstbeträgen gemäß § 149 LFG in der im Unfallszeitpunkt geltenden Fassung. Die Kläger brachten vor, der Pilot hafte den Klägern aus Verschulden unbeschränkt. Da die Beklagte für das Verschulden des Piloten einzustehen habe, hafte sie als Haftpflichtversicherer des Hubschraubers bis zur Versicherungssumme. Jedenfalls aber hafte die Beklagte bis zu den Haftungshöchstbeträgen gemäß § 149 LFG.

Die Beklagte wendete ein, das gegen den Piloten ergangene rechtskräftige Strafurteil entfalte für die Beklagte keine Bindungswirkung. § 166 LFG normiere lediglich das Direktklagerecht des geschädigten Dritten gegenüber dem Haftpflichtversicherer. Da die Beklagte für ein allfälliges Verschulden des Piloten nicht einzustehen habe, bestehe das Hauptbegehren nicht zu Recht.

Die beiden Nebenintervenientinnen (Seilbahnunternehmen) schlossen sich dem Verfahren auf der Seite der Kläger an. Der Antrag der Beklagten auf Zurückweisung der beiden Nebenintervenientinnen wurde rechtskräftig abgewiesen.

Das Erstgericht gab dem Klagebegehren statt. Das direkte Klagerecht der Kläger gegenüber dem Haftpflichtversicherer ergebe sich aus § 166 LFG. Der beklagte Haftpflichtversicherer hafte für ein Verschulden des mitversicherten Piloten im Rahmen des bestehenden Versicherungsvertrags. Das im Strafverfahren gegen den Piloten bereits rechtskräftig festgestellte Verschulden werde von der Beklagten zwar unter Hinweis darauf, dass das Strafurteil gegenüber der Beklagten keinerlei Bindungswirkung entfalte, bestritten. Das im vorliegenden Fall durchgeführte Beweisverfahren habe aber keine neuen, im Strafverfahren noch nicht vorliegenden Erkenntnisse gebracht. Es bestehe daher keine Veranlassung von den im Strafverfahren getroffenen Feststellungen und der entsprechenden rechtlichen Beurteilung abzuweichen.

Das Berufungsgericht gab der Berufung der Beklagten teilweise Folge und wies das Hauptbegehren ab, gab aber dem Eventualbegehren statt. Die §§ 146 bis 153 LFG in der anzuwendenden Fassung enthielten keine Regelung über die Verantwortlichkeit des Halters eines Luftfahrzeugs für beim Betrieb tätige Gehilfen. In der Drittschadenshaftung des LFG hafte der Halter also nicht nach dem Muster des § 19 Abs 2 EKHG für das Verschulden des Betriebsgehilfen der Höhe nach unbegrenzt. Für das Verhalten von „Betriebsgehilfen" sei der Halter lediglich im Rahmen seiner Gefährdungshaftung nach § 146 LFG verantwortlich. Über diese dort genannten Haftungshöchstbeträge hinaus hafte der Halter nur dann, wenn er für sein eigenes Verschulden oder für das Verschulden der Gehilfen nach allgemeinen schadenersatzrechtlichen Gesichtspunkten verantwortlich sei. Gemäß § 159 LFG blieben Bestimmungen des ABGB und anderer Vorschriften, nach denen Schäden in weiterem Umfang und von anderen Personen als nach dem LFG zu ersetzen seien, unberührt. Danach hafte der Halter eines Luftfahrzeugs für sein eigenes Verschulden oder unter den Voraussetzungen der §§ 1313a und 1315 ABGB auch für das Verschulden seiner Gehilfen. Für eine habituelle Untüchtigkeit des Piloten iSd § 1315 ABGB fehlten aber jegliche Anhaltspunkte. Auf § 1313a ABGB könnten die Kläger hingegen nur dann zurückgreifen, wenn die getötete Mutter der Kläger mit dem Halter des Luftfahrzeugs in einer vertraglichen Beziehung gestanden wäre, wofür es keinerlei Anhaltspunkte gebe. Der Halter des Hubschraubers und demnach auch der beklagte Versicherer hafteten somit nicht für ein allfälliges Verschulden des Piloten, weshalb die Haftung der Beklagten mit den Haftungshöchstbeträgen des § 149 LFG beschränkt sei. Eine darüber hinausgehende Haftung lasse sich auch nicht aus § 166 LFG ableiten. Diese Bestimmung normiere nur das direkte Klagerecht des Geschädigten gegenüber dem Haftpflichtversicherer des Luftfahrzeughalters, begründe jedoch ebenso wenig wie der zwischen der Beklagten und der H***** GmbH abgeschlossene Versicherungsvertrag eine über §§ 146 ff LFG hinausgehende Anspruchsgrundlage.

Das Berufungsgericht ließ die Revision zu, da zur Frage der Verschuldenshaftung eines Flugzeughalters keine oberstgerichtliche Rechtsprechung vorliege.

Gegen das Urteil des Berufungsgerichts richten sich einerseits die Revision der Kläger und andererseits die Revision der Nebenintervenientinnen mit dem Antrag, das Urteil des Erstgerichts wiederherzustellen.

Die Beklagten beantragen, die Revisionen mangels Vorliegens einer erheblichen Rechtsfrage iSd § 502 Abs 1 ZPO, die Revision der Nebenintervenientinnen überdies mangels Beschwer derselben als unzulässig zurückzuweisen. Hilfsweise wird beantragt, den Revisionen nicht Folge zu geben.

Rechtliche Beurteilung

Die Revisionen sind zulässig und berechtigt.

1. Zur Zulässigkeit der Revision der Nebenintervenientinnen:

Für die Beurteilung der Beschwer als Zulässigkeitsvoraussetzung auch bei einem vom Nebenintervenienten erhobenen Rechtsmittel ist lediglich das Interesse der Hauptpartei an einer Änderung oder Beseitigung der angefochtenen Entscheidung maßgeblich (RIS-Justiz RS0033869 [T1]; RS0035474 [T2]). Da die Kläger durch die Entscheidung des Berufungsgerichts beschwert sind, steht nach der zitierten Rechtsprechung auch den Nebenintervenientinnen die Revision zu.

2. In der Sache:

Gemäß § 166 LFG in der im Unfallszeitpunkt geltenden Fassung kann der Geschädigte den ihm zustehenden Schadenersatzanspruch im Rahmen des betreffenden Versicherungsvertrags auch gegen den Versicherer geltend machen. Der Versicherer und der ersatzpflichtige Versicherte haften als Gesamtschuldner.

Der Pilot ist eine mit Wissen und Willen des Halters an der Führung und Bedienung des Hubschraubers beteiligte Person und so im Rahmen des gegenständlichen Versicherungsvertrags (§ 2.1.1) mitversichert. Bei den Ansprüchen der Kläger gegen den Piloten handelt es sich daher um einen Schadenersatzanspruch im Rahmen des betreffenden Versicherungsvertrags iSd § 166 LFG.

Aufgrund der Entscheidung 2 Ob 19/09x steht - wie ausgeführt - die unbeschränkte Haftung des Piloten gegenüber den Klägern für alle künftigen Schäden aus dem Unfall rechtskräftig fest.

Für eine Beschränkung der Haftung des beklagten Haftpflichtversicherers auf die Haftungshöchstbeträge des § 146 LFG im Rahmen der Gefährdungshaftung besteht daher keine Grundlage.

Die Frage des Verschuldens des Piloten (das im Übrigen gegenüber einem anderen Kläger im Verfahren 2 Ob 119/09b vom erkennenden Senat bejaht wurde) muss daher ebenso wenig geprüft werden wie die (noch zum LuftVG vom Obersten Gerichtshof bereits verneinte) analoge Anwendung des § 19 Abs 2 EKHG im Luftverkehrsrecht (SZ 64/152; SZ 69/219; RIS-Justiz RS0106856).

Die Kostenentscheidung gründet sich auf die §§ 50, 41 ZPO. Die Beklagte ist gemessen am Endergebnis im Berufungsverfahren zur Gänze unterlegen, weshalb die Kläger und Nebenintervenientinnen ihre Berufungsbeantwortungen auf Basis des gesamten Streitwerts honoriert bekommen. Im Revisionsverfahren war nur mehr die Differenz zwischen Eventual-(Gefährdungshaftung) und Hauptbegehren (Haftung bis zur Versicherungssumme) gegenständlich. Nach den Grundsätzen der zum EKHG ergangenen Entscheidung 2 Ob 70/01k ist diese Differenz mit der Hälfte des gesamten Streitwerts zu bewerten, weshalb die Bemessungsgrundlage 15.000 EUR beträgt.

Textnummer

E93155

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2009:0020OB00189.09X.1218.000

Im RIS seit

17.01.2010

Zuletzt aktualisiert am

14.03.2013

Dokumentnummer

JJT_20091218_OGH0002_0020OB00189_09X0000_000