Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 4Ob337/84 4Ob157/89 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0076654

Geschäftszahl

4Ob337/84; 4Ob157/89; 4Ob95/91; 4Ob98/06z; 4Ob62/07g; 4Ob170/07i; 4Ob102/08s; 4Ob92/08w; 4Ob89/11h; 4Ob142/15h; 4Ob101/18h

Entscheidungsdatum

10.07.1984

Norm

UrhG §1

Rechtssatz

Einer Kunstrichtung, die bewusst auf alle nicht funktionell bedingten Gestaltungselemente verzichtet, stehen im ästhetischen Bereich zwangsläufig nur geringere Gestaltungsmöglichkeiten als anderen Kunstrichtungen offen. Je weniger Gestaltungsmöglichkeiten aber zur Verfügung stehen, desto weniger geht von der Individualität des Schöpfers in das Werk ein: Desto schwächer ist sein Schutz. Dass es für die technische Idee, einen hinterbeinlosen Stuhl aus einem Rohrzug herzustellen, verschiedene Lösungsmöglichkeiten gibt, genügt für die Anerkennung des Kunstwerkcharakters nicht. - "Mart Stam-Stuhl".

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 337/84
    Entscheidungstext OGH 10.07.1984 4 Ob 337/84
    Veröff: ÖBl 1985,24 = GRURInt 1985,684 = MR 1992,21 (Anmerkung M. Walter S 31)
  • 4 Ob 157/89
    Entscheidungstext OGH 19.12.1989 4 Ob 157/89
    Zweiter Rechtsgang zu 4 Ob 337/84; Beisatz: Mart-Stam-Stuhl II. (T1) Veröff: ecolex 1990,235 = MR 1992,21 (Anmerkung M. Walter S 31) = GRURInt 1992,465
  • 4 Ob 95/91
    Entscheidungstext OGH 05.11.1991 4 Ob 95/91
    nur: Einer Kunstrichtung, die bewusst auf alle nicht funktionell bedingten Gestaltungselemente verzichtet, stehen im ästhetischen Bereich zwangsläufig nur geringere Gestaltungsmöglichkeiten als anderen Kunstrichtungen offen. Je weniger Gestaltungsmöglichkeiten aber zur Verfügung stehen, desto weniger geht von der Individualität des Schöpfers in das Werk ein: Desto schwächer ist sein Schutz. (T2); Beisatz: Le Corbusier-chaise-longue. (T3) Veröff: MR 1992,27 (Walter)
  • 4 Ob 98/06z
    Entscheidungstext OGH 20.06.2006 4 Ob 98/06z
    Auch; Beisatz: Technische Lösungen sind urheberrechtlich nicht schutzfähig, mag es für die technische Idee auch verschiedene Lösungsmöglichkeiten geben. Gegenstand des Urheberrechtsschutzes ist nur eine bestimmte Formung des Stoffes. (T4); Beisatz: Im Souterrain gelegene überdachte Abstellplätze. (T5)
  • 4 Ob 62/07g
    Entscheidungstext OGH 04.09.2007 4 Ob 62/07g
    Auch; Beis wie T4 nur: Technische Lösungen sind urheberrechtlich nicht schutzfähig, mag es für die technische Idee auch verschiedene Lösungsmöglichkeiten geben. (T6); Veröff: SZ 2007/138
  • 4 Ob 170/07i
    Entscheidungstext OGH 11.03.2008 4 Ob 170/07i
    nur T2; Beisatz: Hier: Portraitfoto. (T7); Veröff: SZ 2008/31
  • 4 Ob 102/08s
    Entscheidungstext OGH 08.07.2008 4 Ob 102/08s
    nur T2; Beis wie T7
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
    nur T2; Beis wie T7
  • 4 Ob 89/11h
    Entscheidungstext OGH 09.08.2011 4 Ob 89/11h
    Vgl auch; Beis wie T6; Beisatz: Die individuelle Erarbeitung einer funktionellen und zweckmäßigen technischen Lösung ohne besonderen ästhetischen Gehalt der Planung, in der kein besonderer künstlerisch‑geistiger Formgedanke zum Ausdruck kommt, ist urheberrechtlich nicht geschützt. (T8)
  • 4 Ob 142/15h
    Entscheidungstext OGH 23.02.2016 4 Ob 142/15h
    Ähnlich; nur: Je weniger Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, desto weniger geht von der Individualität des Schöpfers in das Werk ein. (T9)
    Beisatz: Hier: Durch die Form einer Handschrift bedingte Bearbeitung derselben zwecks Herstellung einer flüssigen Verbindung. (T10);
    Veröff: SZ 2016/13
  • 4 Ob 101/18h
    Entscheidungstext OGH 11.06.2018 4 Ob 101/18h
    Auch; Beis wie T4; Beis wie T6

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1984:RS0076654

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

08.08.2018

Dokumentnummer

JJR_19840710_OGH0002_0040OB00337_8400000_009

Rechtssatz für 4Ob341/86 4Ob362/87 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0077040

Geschäftszahl

4Ob341/86; 4Ob362/87; 4Ob117/93; 4Ob113/94; 4Ob92/08w

Entscheidungsdatum

16.09.1986

Norm

UrhG §74

Rechtssatz

Zur Wahrung der Rechte des Lichtbildherstellers insbesondere des Rechts auf Namensnennung genügt es, wenn er etwa den Namen auf die Umhüllung der Negativfilme, auf die für die Diapositive verwendeten Plastiksäckchen und auf die Rückseite von Papierabzügen schrieb. Dass die Anbringung des Namens auf dem Negativ selbst technisch ebenso unmöglich wäre wie auf einem ungerahmten Diapositiv, bedarf keiner weiteren Begründung.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 341/86
    Entscheidungstext OGH 16.09.1986 4 Ob 341/86
    Veröff: SZ 59/152 = ÖBl 1987,53 = MR 1986 H5,18 (M Walter)
  • 4 Ob 362/87
    Entscheidungstext OGH 29.09.1987 4 Ob 362/87
    Vgl; Veröff: SZ 60/187 = MR 1988,18 (M Walter)
  • 4 Ob 117/93
    Entscheidungstext OGH 12.10.1993 4 Ob 117/93
  • 4 Ob 113/94
    Entscheidungstext OGH 18.10.1994 4 Ob 113/94
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
    Auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1986:RS0077040

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

22.02.2017

Dokumentnummer

JJR_19860916_OGH0002_0040OB00341_8600000_001

Rechtssatz für 4Ob23/88 4Ob2363/96w 4O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0076613

Geschäftszahl

4Ob23/88; 4Ob2363/96w; 4Ob203/97z; 4Ob361/97k; 4Ob51/98y; 4Ob134/00k; 4Ob224/00w; 4Ob92/08w

Entscheidungsdatum

31.05.1988

Norm

UrhG §42a
UrhG §42c

Rechtssatz

Unter "Tagesereignis" im Sinne des § 42 a UrhG ist ein Ereignis zu verstehen, das wegen seiner Aktualität Interesse findet. "Gloria Wahlkampfporträt"

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 23/88
    Entscheidungstext OGH 31.05.1988 4 Ob 23/88
    Veröff: SZ 61/135 = MR 1988,161 = ÖBl 1989,118
  • 4 Ob 2363/96w
    Entscheidungstext OGH 17.12.1996 4 Ob 2363/96w
    nur: Unter "Tagesereignis" im Sinne des § 42a UrhG ist ein Ereignis zu verstehen, das wegen seiner Aktualität Interesse findet. (T1); Beisatz: Nunmehr § 42c UrhG (UrhG-Novelle 1996). (T2) Veröff: SZ 69/283
  • 4 Ob 203/97z
    Entscheidungstext OGH 09.09.1997 4 Ob 203/97z
    nur T1; Beisatz: Berichte über die Blattlinie eines Konkurrenzmediums sind kein Tagesereignis. (T3)
  • 4 Ob 361/97k
    Entscheidungstext OGH 09.12.1997 4 Ob 361/97k
    nur T1
  • 4 Ob 51/98y
    Entscheidungstext OGH 24.04.1998 4 Ob 51/98y
    Auch
  • 4 Ob 134/00k
    Entscheidungstext OGH 23.05.2000 4 Ob 134/00k
    Auch; nur T1
  • 4 Ob 224/00w
    Entscheidungstext OGH 03.10.2000 4 Ob 224/00w
    Auch; nur T1; Beis wie T3; Veröff: SZ 73/149
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
    nur T1

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1988:RS0076613

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

06.08.2018

Dokumentnummer

JJR_19880531_OGH0002_0040OB00023_8800000_002

Rechtssatz für 4Ob76/88 4Ob121/93 4Ob9...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0077147

Geschäftszahl

4Ob76/88; 4Ob121/93; 4Ob92/08w

Entscheidungsdatum

15.11.1988

Norm

UrhG §74 Abs3

Rechtssatz

Sinn und Zweck der Bestimmung des § 74 Abs 3 UrhG ist es - ähnlich wie bei der Verpflichtung zur Quellenangabe nach § 57 UrhG -, auf den Hersteller des Lichtbildes aufmerksam zu machen. § 74 Abs 3 UrhG ist allerdings insofern nicht zwingend, als bei Weitergabe der dem Lichtbildhersteller nach § 74 Abs 1 UrhG zustehenden Verwertungsrechte zwischen den Parteien auch von § 74 Abs 3 UrhG abweichende Vereinbarungen getroffen werden können.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 76/88
    Entscheidungstext OGH 15.11.1988 4 Ob 76/88
    Veröff: SZ 61/245 = MR 1989,99 (M Walter) = GRURInt 1990,327
  • 4 Ob 121/93
    Entscheidungstext OGH 12.10.1993 4 Ob 121/93
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
    nur: Sinn und Zweck der Bestimmung des § 74 Abs 3 UrhG ist es, auf den Hersteller des Lichtbildes aufmerksam zu machen. (T1)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1988:RS0077147

Zuletzt aktualisiert am

09.01.2009

Dokumentnummer

JJR_19881115_OGH0002_0040OB00076_8800000_004

Rechtssatz für 4Ob13/92 4Ob221/03h 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0076496

Geschäftszahl

4Ob13/92; 4Ob221/03h; 4Ob170/07i; 4Ob102/08s; 4Ob92/08w; 4Ob190/12p; 4Ob5/19t

Entscheidungsdatum

07.04.1992

Norm

UrhG §5 Abs2

Rechtssatz

Angesichts des schier unerschöpflichen Fundus an frei benützbarem Material ist es gerechtfertigt, die freie Benützung der Werke auf jenes Mindestmaß zu beschränken, das erhalten bleiben muss, will man die Freiheit künstlerischen Schaffens nicht über Gebühr einengen und damit ersticken; an das Vorliegen einer freien Benützung sind daher strenge Anforderungen zu stellen.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 13/92
    Entscheidungstext OGH 07.04.1992 4 Ob 13/92
    Veröff: SZ 65/49 = MR 1992,238 (Walter) = ÖBl 1992,75 = GRURInt 1993,176
  • 4 Ob 221/03h
    Entscheidungstext OGH 16.01.2003 4 Ob 221/03h
    Auch
  • 4 Ob 170/07i
    Entscheidungstext OGH 11.03.2008 4 Ob 170/07i
    Veröff: SZ 2008/31
  • 4 Ob 102/08s
    Entscheidungstext OGH 08.07.2008 4 Ob 102/08s
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
    nur: An das Vorliegen einer freien Benützung sind strenge Anforderungen zu stellen. (T1)
  • 4 Ob 190/12p
    Entscheidungstext OGH 12.02.2013 4 Ob 190/12p
    Auch
  • 4 Ob 5/19t
    Entscheidungstext OGH 26.03.2019 4 Ob 5/19t

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1992:RS0076496

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

10.05.2019

Dokumentnummer

JJR_19920407_OGH0002_0040OB00013_9200000_009

Rechtssatz für 4Ob13/92 4Ob16/94 4Ob9/...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0076521

Geschäftszahl

4Ob13/92; 4Ob16/94; 4Ob9/96; 4Ob273/00a; 4Ob221/03h; 4Ob181/04b; 4Ob221/07i; 4Ob170/07i; 4Ob102/08s; 4Ob92/08w; 4Ob190/12p; 4Ob21/18v; 4Ob5/19t

Entscheidungsdatum

07.04.1992

Norm

UrhG §5 Abs2

Rechtssatz

Für die "freie Benützung" ist kennzeichnend, dass trotz des Zusammenhanges mit einem anderen Werk ein von diesem verschiedenes, selbständiges Werk vorliegt, dem gegenüber das Werk, an das es sich anlehnt, vollständig in den Hintergrund tritt. An einer solchen Freischöpfung besteht daher kein abhängiges, sondern ein selbständiges Urheberrecht, zu dessen Verwertung es keiner Einwilligung des Urhebers des benützten Werkes bedarf. Angesichts der Eigenart des neuen Werkes müssen die Züge des benützten Werkes verblassen.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 13/92
    Entscheidungstext OGH 07.04.1992 4 Ob 13/92
    Veröff: SZ 65/49 = MR 1992,238 (Walter) = ÖBl 1992,75 = GRURInt 1993,176
  • 4 Ob 16/94
    Entscheidungstext OGH 08.03.1994 4 Ob 16/94
    Auch; Beisatz: Pizzaflitzer (T1)
  • 4 Ob 9/96
    Entscheidungstext OGH 12.03.1996 4 Ob 9/96
  • 4 Ob 273/00a
    Entscheidungstext OGH 28.11.2000 4 Ob 273/00a
    Auch; nur: Für die "freie Benützung" ist kennzeichnend, dass trotz des Zusammenhanges mit einem anderen Werk ein von diesem verschiedenes, selbständiges Werk vorliegt, dem gegenüber das Werk, an das es sich anlehnt, vollständig in den Hintergrund tritt. An einer solchen Freischöpfung besteht daher kein abhängiges, sondern ein selbständiges Urheberrecht, zu dessen Verwertung es keiner Einwilligung des Urhebers des benützten Werkes bedarf. (T2)
  • 4 Ob 221/03h
    Entscheidungstext OGH 16.12.2003 4 Ob 221/03h
    Beisatz: Die Benützung eines Werks bei der Schaffung eines anderen macht dieses dann nicht zur Bearbeitung, wenn es im Vergleich zu dem benützten Werk ein selbständiges neues Werk ist. (T3); Beisatz: Freie Benützung setzt also voraus, dass das fremde Werk nicht in identischer oder umgestalteter Form übernommen wird, auch nicht als Vorbild oder Werkunterlage, sondern lediglich als Anregung für das eigene Werkschaffen dient. (T4)
  • 4 Ob 181/04b
    Entscheidungstext OGH 19.10.2004 4 Ob 181/04b
    Beis wie T3; Beis wie T4
  • 4 Ob 221/07i
    Entscheidungstext OGH 22.01.2008 4 Ob 221/07i
    nur: Für die "freie Benützung" ist kennzeichnend, dass trotz des Zusammenhanges mit einem anderen Werk ein von diesem verschiedenes, selbständiges Werk vorliegt, dem gegenüber das Werk, an das es sich anlehnt, vollständig in den Hintergrund tritt. Angesichts der Eigenart des neuen Werkes müssen die Züge des benützten Werkes verblassen. (T5)
  • 4 Ob 170/07i
    Entscheidungstext OGH 11.03.2008 4 Ob 170/07i
    Beisatz: Durch Computeranimation gealtertes Portraitfoto als freie Benützung. (T6); Veröff: SZ 2008/31
  • 4 Ob 102/08s
    Entscheidungstext OGH 08.07.2008 4 Ob 102/08s
    Beis wie T6
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
    Auch; Beis wie T6
  • 4 Ob 190/12p
    Entscheidungstext OGH 12.02.2013 4 Ob 190/12p
    Auch; nur T5
  • 4 Ob 21/18v
    Entscheidungstext OGH 20.02.2018 4 Ob 21/18v
  • 4 Ob 5/19t
    Entscheidungstext OGH 26.03.2019 4 Ob 5/19t
    Vgl

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1992:RS0076521

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

10.05.2019

Dokumentnummer

JJR_19920407_OGH0002_0040OB00013_9200000_012

Rechtssatz für 4Ob117/93 4Ob113/94 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0077153

Geschäftszahl

4Ob117/93; 4Ob113/94; 4Ob92/08w

Entscheidungsdatum

12.10.1993

Norm

UrhG §74 Abs3

Rechtssatz

Vereinbart ein Lichtbildhersteller mit dem Erwerber seines Lichtbildes, dass dieser bei der Vervielfältigung oder Verbreitung des Lichtbildes die Herstellerbezeichnung anzubringen habe, dann liegt eine vertragliche Regelung vor; ob der Lichtbildhersteller an dem Lichtbild selbst oder in Verbindung damit seine Herstellerbezeichnung anbringt, ist in diesem Fall unerheblich.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 117/93
    Entscheidungstext OGH 12.10.1993 4 Ob 117/93
  • 4 Ob 113/94
    Entscheidungstext OGH 18.10.1994 4 Ob 113/94
    Beisatz: Hier: Vollmachtslos geschlossenes Geschäft schlüssig genehmigt. -" Landschaft mit Radfahrern II". (T1)
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
    nur: Ob der Lichtbildhersteller an dem Lichtbild selbst oder in Verbindung damit seine Herstellerbezeichnung anbringt, ist unerheblich. (T2)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1993:RS0077153

Zuletzt aktualisiert am

09.01.2009

Dokumentnummer

JJR_19931012_OGH0002_0040OB00117_9300000_003

Rechtssatz für 4Ob121/93 4Ob113/94 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0077155

Geschäftszahl

4Ob121/93; 4Ob113/94; 4Ob92/08w; 4Ob105/11m; 4Ob43/17b

Entscheidungsdatum

12.10.1993

Norm

UrhG §74 Abs3

Rechtssatz

Dass das Namensnennungsrecht von der Bezeichnung des Lichtbildes mit dem Namen des Herstellers abhängig gemacht wird, zeigt, dass der Gesetzgeber die Pflicht zur Namensnennung demjenigen auferlegen wollte, dem es bei normalem Lauf der Dinge möglich ist, bei einer Vervielfältigung vom Namen des Herstellers Kenntnis zu nehmen. Das ist weder bei einem Hinweis in einem Begleitschreiben noch bei der Angabe des Herstellers nur auf dem Paket gewährleistet, das Lichtbilder (Diapositive) enthält.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 121/93
    Entscheidungstext OGH 12.10.1993 4 Ob 121/93
  • 4 Ob 113/94
    Entscheidungstext OGH 18.10.1994 4 Ob 113/94
    Beisatz: Landschaft mit Radfahrern II. (T1)
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
    Auch
  • 4 Ob 105/11m
    Entscheidungstext OGH 20.09.2011 4 Ob 105/11m
    Auch; Veröff: SZ 2011/118
  • 4 Ob 43/17b
    Entscheidungstext OGH 28.03.2017 4 Ob 43/17b
    Auch; Beisatz: Dass Angaben in den Metadaten einer digitalen Bilddatei als ausreichend erachtet wurden, deckt sich mit der bisherigen Rechtsprechung. (T2); Veröff: SZ 2017/40

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1993:RS0077155

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

10.04.2019

Dokumentnummer

JJR_19931012_OGH0002_0040OB00121_9300000_001

Rechtssatz für 4Ob203/97z 4Ob224/00w 4...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0108465

Geschäftszahl

4Ob203/97z; 4Ob224/00w; 4Ob92/08w; 4Ob104/11i; 4Ob7/19m; 4Ob53/19a

Entscheidungsdatum

09.09.1997

Norm

UrhG §42c

Rechtssatz

Ausgehend von der Überlegung, dass der Berichterstatter - will er über ein Tagesereignis aktuell berichten - die Wiedergabe von im Zuge des Tagesereignisses wahrnehmbarer Werke in aller Regel nicht vermeiden kann und dem Zweck der Ausnahmebestimmung, nämlich den Urheberrechtsschutz (nur) dort zu lockern, wo dies im Interesse einer tagesaktuellen Berichterstattung notwendig ist, muss § 42c UrhG eng ausgelegt werden.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 203/97z
    Entscheidungstext OGH 09.09.1997 4 Ob 203/97z
  • 4 Ob 224/00w
    Entscheidungstext OGH 03.10.2000 4 Ob 224/00w
    Vgl auch; Veröff: SZ 73/149
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
  • 4 Ob 104/11i
    Entscheidungstext OGH 17.01.2012 4 Ob 104/11i
    Vgl auch
  • 4 Ob 7/19m
    Entscheidungstext OGH 29.01.2019 4 Ob 7/19m
    Beisatz: Eine allgemeine Rechtfertigung der Vervielfältigung von Lichtbildern, die Tagesereignisse zeigen oder damit in Zusammenhang stehen, kann weder aus dem Wortlaut noch aus dem Zweck von § 42c UrhG abgeleitet werden. (T1)
    Beisatz: Das Werk als solches darf nicht allein Gegenstand des Tagesereignisses sein, es darf lediglich bei einem anderen Ereignis in Erscheinung treten. (T2)
  • 4 Ob 53/19a
    Entscheidungstext OGH 22.08.2019 4 Ob 53/19a
    Beis wie T1; Beis wie T2

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1997:RS0108465

Im RIS seit

09.10.1997

Zuletzt aktualisiert am

17.09.2019

Dokumentnummer

JJR_19970909_OGH0002_0040OB00203_97Z0000_001

Rechtssatz für 4Ob361/97k 4Ob92/08w

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0109244

Geschäftszahl

4Ob361/97k; 4Ob92/08w

Entscheidungsdatum

09.12.1997

Norm

UrhG §42c
dUrhG §50
ZPO §502 Abs1 HIII3

Rechtssatz

Die österreichische Rechtslage gleicht der deutschen. Nach § 50 dUrhG erfasst die freie Werknutzung "Werke, die im Verlauf der Vorgänge, über die berichtet wird, wahrnehmbar werden". Nach der Rechtsprechung des BGH muss das Werk bei dem Ereignis, das Gegenstand der Berichterstattung ist, auch in Erscheinung treten. Es bedürfe jedoch jeweils einer Entscheidung im Einzelfall, ob sich die Wiedergabe noch im Rahmen des Berichterstattungszwecks halte; dabei sei stets zu beachten, dass das Werk als solches nicht allein Gegenstand des Tagesereignisses sein, sondern lediglich bei einem anderen Ereignis in Erscheinung treten dürfe (BGHZ 85, 1 - Presseberichterstattung und Kunstwerkwiedergabe; siehe auch OLG Frankfurt GRUR 1985, 380).

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 361/97k
    Entscheidungstext OGH 09.12.1997 4 Ob 361/97k
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
    Auch; Beisatz: Das Werk als solches darf nicht allein Gegenstand des Tagesereignisses sein, es darf lediglich bei einem anderen Ereignis in Erscheinung treten. Seine Vervielfältigung ist nur in dem durch den Informationszweck gerechtfertigten Umfang zulässig. (T1)

Schlagworte

*D*

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1997:RS0109244

Zuletzt aktualisiert am

09.01.2009

Dokumentnummer

JJR_19971209_OGH0002_0040OB00361_97K0000_002

Rechtssatz für 4Ob224/00w 4Ob120/02d 4...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0114102

Geschäftszahl

4Ob224/00w; 4Ob120/02d; 4Ob100/03i; 4Ob92/08w; 4Ob42/12y

Entscheidungsdatum

03.10.2000

Norm

UrhG §54 Abs1 Z3a

Rechtssatz

§ 54 Abs 1 Z 3a UrhG ist auf das Bildzitat in Zeitungen und Zeitschriften analog anzuwenden. Die Zitierung ganzer Bilder ist im Interesse der geistigen Auseinandersetzung demnach zulässig, wenn sie durch den Zitatzweck geboten ist und der wirtschaftliche Wert des zitierten Werks (Lichtbilds) nicht in einer ins Gewicht fallenden Weise ausgehöhlt wird.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 224/00w
    Entscheidungstext OGH 03.10.2000 4 Ob 224/00w
    Veröff: SZ 73/149
  • 4 Ob 120/02d
    Entscheidungstext OGH 28.05.2002 4 Ob 120/02d
    Vgl auch
  • 4 Ob 100/03i
    Entscheidungstext OGH 20.05.2003 4 Ob 100/03i
    Auch; Beisatz: Zur ersten Voraussetzung: Hier: Wiedergabe einer Karikatur, die ebenso wie die Wiedergabe der Fotos, Belegfunktion hat. (T1); Beisatz: Zur zweiten Voraussetzung: Diese ist hier unabhängig davon erfüllt, ob auf die Rechte an den für die Gestaltung der Titelblätter verwendeten Lichtbildern oder die Rechte an der hiefür verwendeten Karikatur abgestellt wird. (T2)
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
  • 4 Ob 42/12y
    Entscheidungstext OGH 17.04.2012 4 Ob 42/12y
    Beisatz: Hier besaß das Bild keinen zusätzlichen Informationsgehalt und trug zum Verständnis der Kritik beim Publikum nichts bei. (T3)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2000:RS0114102

Im RIS seit

02.11.2000

Zuletzt aktualisiert am

21.06.2012

Dokumentnummer

JJR_20001003_OGH0002_0040OB00224_00W0000_001

Rechtssatz für 4Ob179/01d 4Ob221/03h 4...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0115740

Geschäftszahl

4Ob179/01d; 4Ob221/03h; 4Ob170/07i; 4Ob102/08s; 4Ob92/08w

Entscheidungsdatum

12.09.2001

Norm

UrhG §3 Abs2
EWG-RL 93/98/EWG - Schutzdauerrichtlinie 393L0098 Art6

Rechtssatz

Nach Auffassung des erkennenden Senats ist seit Wirksamwerden der Schutzdauer-RL eine Fotografie dann als Lichtbildwerk im Sinn des § 3 Abs 2 UrhG zu beurteilen, wenn sie das Ergebnis der eigenen geistigen Schöpfung ihres Urhebers ist, ohne dass es eines besonderen Maßes an Originalität bedürfte. Entscheidend ist, dass eine individuelle Zuordnung zwischen Lichtbild und Fotograf insofern möglich ist, als dessen Persönlichkeit auf Grund der von ihm gewählten Gestaltungsmittel (Motiv, Blickwinkel, Beleuchtung und vieles mehr) zum Ausdruck kommt. Eine solche Gestaltungsfreiheit besteht jedenfalls nicht nur für professionelle Fotografen bei Arbeiten mit dem Anspruch auf hohes künstlerisches Niveau, sondern auch für die Masse der Amateurfotografen, die alltägliche Szenen in Form von Landschaftsfotos, Personenfotos oder Urlaubsfotos festhalten.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 179/01d
    Entscheidungstext OGH 12.09.2001 4 Ob 179/01d
  • 4 Ob 221/03h
    Entscheidungstext OGH 16.12.2003 4 Ob 221/03h
    Beisatz: Der zweidimensionalen Wiedergabe eines in der Natur vorgefundenen Objekts ist dann urheberrechtlicher Werkcharakter zuzubilligen, wenn die selbst gestellte Aufgabe, eine möglichst naturgetreue Abbildung zu erreichen, dennoch ausreichend Spielraum für eine individuelle Gestaltung zulässt. (T1)
  • 4 Ob 170/07i
    Entscheidungstext OGH 11.03.2008 4 Ob 170/07i
    nur: Nach Auffassung des erkennenden Senats ist seit Wirksamwerden der Schutzdauer-RL eine Fotografie dann als Lichtbildwerk im Sinn des § 3 Abs 2 UrhG zu beurteilen, wenn sie das Ergebnis der eigenen geistigen Schöpfung ihres Urhebers ist, ohne dass es eines besonderen Maßes an Originalität bedürfte. Entscheidend ist, dass eine individuelle Zuordnung zwischen Lichtbild und Fotograf insofern möglich ist, als dessen Persönlichkeit auf Grund der von ihm gewählten Gestaltungsmittel (Motiv, Blickwinkel, Beleuchtung und vieles mehr) zum Ausdruck kommt. (T2); Veröff: SZ 2008/31
  • 4 Ob 102/08s
    Entscheidungstext OGH 08.07.2008 4 Ob 102/08s
    nur T2
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
    nur T2

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2001:RS0115740

Im RIS seit

12.10.2001

Zuletzt aktualisiert am

11.11.2011

Dokumentnummer

JJR_20010912_OGH0002_0040OB00179_01D0000_001

Rechtssatz für 4Ob179/01d 4Ob221/03h 4...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0115748

Geschäftszahl

4Ob179/01d; 4Ob221/03h; 4Ob47/06z; 4Ob170/07i; 4Ob102/08s; 4Ob92/08w; 4Ob175/08a; 4Ob184/13g; 4Ob140/14p

Entscheidungsdatum

12.09.2001

Norm

UrhG §3 Abs2

Rechtssatz

Lichtbilder sind als Lichtbildwerke zu beurteilen, sofern nur die eingesetzten Gestaltungsmittel eine Unterscheidbarkeit bewirken. Dieses Kriterium der Unterscheidbarkeit ist immer schon dann erfüllt, wenn man sagen kann, ein anderer Fotograf hätte das Lichtbild möglicherweise anders gestaltet.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 179/01d
    Entscheidungstext OGH 12.09.2001 4 Ob 179/01d
  • 4 Ob 221/03h
    Entscheidungstext OGH 16.12.2003 4 Ob 221/03h
  • 4 Ob 47/06z
    Entscheidungstext OGH 20.06.2006 4 Ob 47/06z
    Beisatz: Ein urheberrechtlich geschütztes Lichtbildwerk liegt schon dann vor, wenn das Lichtbild Ergebnis einer eigenen geistigen Schöpfung des Urhebers ist. Ein besonderes Maß an Originalität ist nicht erforderlich; es genügt, dass die Persönlichkeit des Urhebers aufgrund der von ihm gewählten Gestaltungsmittel (Motiv, Blickwinkel, Beleuchtung etc) zum Ausdruck kommt. (T1)
  • 4 Ob 170/07i
    Entscheidungstext OGH 11.03.2008 4 Ob 170/07i
    Beisatz: Auch alltägliche Portraitfotos sind schon dann Lichtbildwerke, wenn sie eine visuelle Gestaltung durch den Fotografen aufweisen. (T2)
    Veröff: SZ 2008/31
  • 4 Ob 102/08s
    Entscheidungstext OGH 08.07.2008 4 Ob 102/08s
    Beis wie T2
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
    Auch; Beis wie T2
  • 4 Ob 175/08a
    Entscheidungstext OGH 18.11.2008 4 Ob 175/08a
    Vgl; Beisatz: Dass andere Fotografen möglicherweise zu einem sehr ähnlichen Ergebnis gelangt wären, steht dem Werkcharakter der Fotostrecke des Klägers noch nicht entgegen, weil ein bestimmtes Mindestmaß an Individualität hiefür nicht erforderlich ist. (T3)
  • 4 Ob 184/13g
    Entscheidungstext OGH 17.12.2013 4 Ob 184/13g
    Auch; nur: Dieses Kriterium der Unterscheidbarkeit ist immer schon dann erfüllt, wenn man sagen kann, ein anderer Fotograf hätte das Lichtbild möglicherweise anders gestaltet. (T4)
    Beisatz: Hier: Liveübertragung einer Sportveranstaltung. (T5); Veröff: SZ 2013/124
  • 4 Ob 140/14p
    Entscheidungstext OGH 21.10.2014 4 Ob 140/14p
    Auch; Veröff: SZ 2014/93

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2001:RS0115748

Im RIS seit

12.10.2001

Zuletzt aktualisiert am

13.04.2016

Dokumentnummer

JJR_20010912_OGH0002_0040OB00179_01D0000_002

Rechtssatz für 4Ob105/03z 4Ob195/06i 4...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0117771

Geschäftszahl

4Ob105/03z; 4Ob195/06i; 4Ob92/08w

Entscheidungsdatum

24.06.2003

Norm

MRK Art10 Abs2 IV4g
UrhG §15
UrhG §16
UrhG §74

Rechtssatz

Hat die Verwendung eines Werks keine Belegfunktion, sondern dient sie nur der Information, so vermag das Grundrecht der freien Meinungsäußerung den Eingriff auch dann nicht zu rechtfertigen, wenn der Berechtigte die Nutzung seines Werks auch gegen (angemessenes) Entgelt nicht gestattet, oder wenn er dem Nutzer nicht bekannt ist und seine Identität in der kurzen Zeit, die für eine Veröffentlichung bei Wahrung der Aktualität zur Verfügung steht, nicht festgestellt werden kann. Das Interesse, über einen Kriminalfall nicht nur durch einen Wortbericht zu informieren, sondern die Aufmerksamkeit der Leser durch ein Bild des Mordopfers auf den Bericht zu lenken, wiegt nicht schwer genug, um einen Eingriff in die Rechte des Fotografen zu rechtfertigen.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 105/03z
    Entscheidungstext OGH 24.06.2003 4 Ob 105/03z
  • 4 Ob 195/06i
    Entscheidungstext OGH 21.11.2006 4 Ob 195/06i
    Auch; Beisatz: Auch wenn der Berechtigte nicht bereit ist, die Nutzung gegen Entgelt zu gestatten, ist eine Rechtfertigung des Eingriffs in die Rechte des Fotografen durch das Grundrecht der freien Meinungsäußerung jedenfalls dann ausgeschlossen, wenn das Foto nach dem Inhalt des Berichts nur dazu dient, diesen zu illustrieren und keine Zitat- oder Belegfunktion hat. (T1)
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
    Ähnlich; Beisatz: Hier: Belegfunktion für Bildzitat nach § 54 Abs 1 Z 3a UrhG gefordert. (T2)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2003:RS0117771

Im RIS seit

24.07.2003

Zuletzt aktualisiert am

28.02.2012

Dokumentnummer

JJR_20030624_OGH0002_0040OB00105_03Z0000_002

Rechtssatz für 4Ob170/07i 4Ob92/08w 4O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0123236

Geschäftszahl

4Ob170/07i; 4Ob92/08w; 4Ob104/11i

Entscheidungsdatum

11.03.2008

Norm

UrhG §41

Rechtssatz

Die Veröffentlichung eines Personenbildes als freie Werknutzung gemäß § 41 UrhG im Interesse der im Rahmen der öffentlichen Sicherheit wahrzunehmenden Strafrechtspflege setzt einen bestimmten ausdrücklichen Aufruf der Sicherheitsbehörden zur Bildnisveröffentlichung nicht voraus. Für die Veröffentlichung in freier Werknutzung genügt vielmehr, wenn bei den Sicherheitsbehörden Bildnisse zur Veröffentlichung aufliegen und im Kontext mit deren Publikation auf tatsächlich noch anhängige strafbehördliche Ermittlungen zur Aufklärung einer strafbaren Handlung hingewiesen wird.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 170/07i
    Entscheidungstext OGH 11.03.2008 4 Ob 170/07i
    Veröff: SZ 2008/31
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
  • 4 Ob 104/11i
    Entscheidungstext OGH 17.12.2012 4 Ob 104/11i
    Beisatz: Für den geforderten Kontext reicht es nicht aus, dass auf anhängige Ermittlungen verwiesen wird; vielmehr muss sich ergeben, in welchem inhaltlichem Zusammenhang die Veröffentlichung mit diesen Ermittlungen steht. (T1)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2008:RS0123236

Im RIS seit

10.04.2008

Zuletzt aktualisiert am

15.02.2012

Dokumentnummer

JJR_20080311_OGH0002_0040OB00170_07I0000_001

Rechtssatz für 4Ob170/07i 4Ob102/08s 4...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0123238

Geschäftszahl

4Ob170/07i; 4Ob102/08s; 4Ob92/08w; 4Ob109/10y; 4Ob175/12g; 4Ob190/12p

Entscheidungsdatum

11.03.2008

Norm

UrhG §5 Abs2

Rechtssatz

Eine freie Benützung kommt um so weniger in Betracht, je ausgeprägter die Individualität der Vorlage ist, desto weniger wird sie gegenüber dem neugeschaffenen Werk verblassen. Umgekehrt wird sie um so eher verblassen, je stärker die Individualität des neuen Werks ist.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 170/07i
    Entscheidungstext OGH 11.03.2008 4 Ob 170/07i
    Veröff: SZ 2008/31
  • 4 Ob 102/08s
    Entscheidungstext OGH 08.07.2008 4 Ob 102/08s
    Beisatz: Der Bearbeitungsschutz setzt keine „besondere" Individualität des Originalwerks voraus. Wohl aber ist der jeweilige Grad der Individualität ein Element bei der Beantwortung der Frage, ob noch eine geschützte Bearbeitung im Sinn von § 5 Abs 1 UrhG oder schon eine freie Nachschöpfung im Sinn von § 5 Abs 2 UrhG vorliegt. (T1)
  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
    nur: Eine freie Benützung kommt um so weniger in Betracht, je ausgeprägter die Individualität der Vorlage ist. (T2)
  • 4 Ob 109/10y
    Entscheidungstext OGH 13.07.2010 4 Ob 109/10y
    Vgl
  • 4 Ob 175/12g
    Entscheidungstext OGH 18.10.2012 4 Ob 175/12g
    Vgl auch; Beisatz: Hier: AGB‑Klauseln. (T3)
  • 4 Ob 190/12p
    Entscheidungstext OGH 12.02.2013 4 Ob 190/12p
    Auch; Beisatz: Hier: Hundertwasser-Haus. (T4)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2008:RS0123238

Im RIS seit

10.04.2008

Zuletzt aktualisiert am

25.06.2013

Dokumentnummer

JJR_20080311_OGH0002_0040OB00170_07I0000_003

Rechtssatz für 4Ob92/08w 4Ob42/12y 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0124069

Geschäftszahl

4Ob92/08w; 4Ob42/12y; 4Ob236/12b; 4Ob81/17s; 4Ob7/19m; 4Ob53/19a

Entscheidungsdatum

26.08.2008

Norm

MRK Art10 Abs2 IV4g
UrhG §42f
UrhG §54 Abs1 Z3a

Rechtssatz

Für die Zulässigkeit der Veröffentlichung der Lichtbilder als Bildzitat ist Voraussetzung, dass das in den Berichten jeweils wiedergegebene Bild Zitat- und Belegfunktion hatte und nicht nur dazu diente, die Berichterstattung zu illustrieren, um so die Aufmerksamkeit der Leser auf den Bericht zu lenken.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
  • 4 Ob 42/12y
    Entscheidungstext OGH 17.04.2012 4 Ob 42/12y
    Beisatz: Hier besaß das Bild keinen zusätzlichen Informationsgehalt und trug zum Verständnis der Kritik beim Publikum nichts bei. (T1)
  • 4 Ob 236/12b
    Entscheidungstext OGH 12.02.2013 4 Ob 236/12b
    Auch
  • 4 Ob 81/17s
    Entscheidungstext OGH 26.09.2017 4 Ob 81/17s
    Vgl; Beisatz: An dieser Rechtsprechung ist auch nach Einführung des § 42f UrhG, der diese Rechtsprechung noch untermauert, festzuhalten. (T2)
    Beisatz: Ein nach § 42f UrhG zulässiges Bildzitat muss erkennbar der Auseinandersetzung mit dem übernommenen Werk dienen, etwa als Beleg oder Hilfsmittel der eigenen Darstellung. Es muss eine innere Verbindung zwischen dem eigenen und dem fremden Werk hergestellt werden. Zu fragen ist immer, ob der Zitatzweck nicht auch anders gleichermaßen erreicht werden hätte können, zB durch Einholung einer Zustimmung des Rechteinhabers zur Übernahme des Schutzgegenstands oder durch dessen Darstellung mit eigenen Worten. (T3)
  • 4 Ob 7/19m
    Entscheidungstext OGH 29.01.2019 4 Ob 7/19m
    Beis wie T3
  • 4 Ob 53/19a
    Entscheidungstext OGH 22.08.2019 4 Ob 53/19a
    Beis wie T3; Beisatz: Bei der Frage nach zumutbaren Alternativen handelt es sich um ein ergänzendes Kriterium, das im Rahmen einer Gesamtbetrachtung mitabzuwägen ist. (T4)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2008:RS0124069

Im RIS seit

25.09.2008

Zuletzt aktualisiert am

17.09.2019

Dokumentnummer

JJR_20080826_OGH0002_0040OB00092_08W0000_001

Rechtssatz für 4Ob92/08w

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0124070

Geschäftszahl

4Ob92/08w

Entscheidungsdatum

26.08.2008

Norm

UrhG §1 Abs1
UrhG §3
UrhG §74 Abs1

Rechtssatz

Leistungsschutzrechte nach § 74 Abs 1 UrhG stehen unabhängig davon zu, ob das Lichtbild auch ein Werk der bildenden Künste im Sinn des § 1 Abs 1 und § 3 UrhG ist.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 92/08w
    Entscheidungstext OGH 26.08.2008 4 Ob 92/08w
    Bem: So bereits 4 Ob 90/90. (T1)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2008:RS0124070

Zuletzt aktualisiert am

09.01.2009

Dokumentnummer

JJR_20080826_OGH0002_0040OB00092_08W0000_002

Entscheidungstext 4Ob92/08w

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

4Ob92/08w

Entscheidungsdatum

26.08.2008

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten Dr. Zechner als Vorsitzenden und durch die Hofrätin Dr. Schenk und die Hofräte Dr. Vogel, Dr. Jensik und Dr. Musger als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei Eva-Maria P*****, vertreten durch Dr. Georg Zanger, Rechtsanwalt in Wien, gegen die beklagten Parteien

1. S*****, 2. A***** AG, D-*****, 3. S***** GmbH, D-*****, 4. S***** GmbH & Co KG, D-*****, 5. Verlag M. ***** GmbH & Co KG, D-*****, alle vertreten durch Dr. Maria Windhager, Rechtsanwältin in Wien, wegen Unterlassung, Rechnungslegung, Geldleistung und Urteilsveröffentlichung (Streitwert im Sicherungsverfahren 70.000 EUR), über den außerordentlichen Revisionsrekurs der beklagten Parteien gegen den Beschluss des Oberlandesgerichts Wien vom 7. März 2008, GZ 5 R 229/07v-28, mit dem die einstweilige Verfügung des Handelsgerichts Wien vom 25. Oktober 2007, GZ 10 Cg 59/07t-24, bestätigt wurde, den Beschluss

gefasst:

Spruch

Dem Revisionsrekurs wird Folge gegeben.

Der angefochtene Beschluss wird teilweise dahin abgeändert, dass der erstgerichtliche Beschluss - unter Einschluss seiner bereits rechtskräftigen Teile - in Punkt 2. unter Bezugnahme auf dessen Spruchpunkte 1. a) und 1. b) insgesamt wie folgt zu lauten hat:

„2. Die darüber hinausgehenden Begehren

-

die fünftbeklagte Partei zur Unterlassung gemäß Punkt 1. a) und b) zu verpflichten,

-

die zweitbeklagte Partei zur Unterlassung gemäß Punkt 1. a) und b) hinsichtlich der Bundesausgabe der Zeitung „Bild" zu verpflichten,

-

die erstbeklagte Partei zur Unterlassung gemäß Punkt 1. b) zu verpflichten,

-

die erst- bis viertbeklagten Parteien zur Unterlassung der Vervielfältigung und/oder Verbreitung des Lichtbildwerks mit der Nr. 2 in veränderter oder bearbeiteter Form, wie z.B. in Form des in Beilage ./G mit der Nr. 5 abgebildeten Phantombilds gemäß Punkt 1. a) (ohne Zustimmung der Klägerin) und/oder 1. b) (ohne Herstellerbezeichnung) zu verpflichten,

werden abgewiesen."

Im Übrigen werden die Entscheidungen der Vorinstanzen aufgehoben. Die Rechtssache wird in diesem Umfang an das Erstgericht zurückverwiesen. Die Entscheidung über die Kosten des Rechtsmittelverfahrens und über die auf die abgewiesenen Teile des Unterlassungsbegehrens entfallenden Kosten bleibt der Endentscheidung im Sicherungsverfahren vorbehalten.

Text

Begründung:

Die Klägerin ist selbständige Fotografin und fotografiert unter anderem Kinder in Kindergärten und Horteinrichtungen. Sie hat die aus Beilage ./G ersichtlichen und mit Bild Nr. 1 bis 4 und 6 bezeichnete Portraitfotos von Natascha K***** hergestellt. Das computerunterstützt hergestellte Phantombild Nr. 5 der Beilage ./G stammt nicht von der Klägerin.

Die erst- bis viertbeklagten Parteien sind Zeitungsverlage mit Sitz teils in Österreich (Erstbeklagte), teils in Deutschland (Zweit- bis Viertbeklagte). Erst-, Zweit- und Drittbeklagte geben auch in Österreich vertriebene Tageszeitungen heraus, die Viertbeklagte ist Herausgeberin einer auch in Österreich erscheinenden Wochenzeitschrift. Der zunächst fünftbeklagte Zeitungsverlag ist am Verfahren nicht mehr beteiligt. Das gegen ihn angestrebte Unterlassungsgebot wurde schon vom Erstgericht rechtskräftig abgewiesen, auf ihn wird im Folgenden nicht mehr Bezug genommen. Die Erst- bis Viertbeklagten veröffentlichten im Zusammenhang mit dem Wiederauftauchen von Natascha K***** von der Klägerin hergestellte Lichtbilder ohne Herstellerbezeichnung oder mit einer vom Namen der Klägerin abweichenden Bezeichnung. Nach Inanspruchnahme verpflichtete sich die Erstbeklagte in einem gerichtlichen Vergleich vom 29. 1. 2007 gegenüber der Klägerin, deren Lichtbilder ausschließlich mit einer den Namen der Klägerin tragenden Herstellerbezeichnung zu veröffentlichen.

Zur Sicherung ihres Unterlassungsanspruchs begehrt die Klägerin, den Beklagten mit einstweiliger Verfügung nachstehende Unterlassungsgebote aufzuerlegen:

1. Den Beklagten zu untersagen, Werke der Klägerin, insbesondere das in Beilage ./G abgebildete Lichtbildwerk mit der Nr. 2, den Erst- bis Drittbeklagten ferner auch zu untersagen, Werke der Klägerin in veränderter oder bearbeiteter Form, wie zum Beispiel in Gestalt des ebenfalls in Beilage ./G mit der Nr. 5 abgebildeten Phantombilds, ohne Zustimmung der Klägerin zu vervielfältigen und/oder zu verbreiten;

2. den Erst- bis Drittbeklagten zu untersagen, Werke der Klägerin, insbesondere das in Beilage ./G abgebildete Lichtbildwerk mit der Nr. 2 in unveränderter, der Zweit- und der Drittbeklagten ferner auch zu untersagen, Werke der Klägerin in veränderter oder bearbeiteter Form, wie zum Beispiel in Gestalt des ebenfalls in Beilage ./G mit der Nr. 5 abgebildeten Phantombilds, ohne die Herstellerbezeichnung der Klägerin als Originalurheberin zu vervielfältigen und/oder zu verbreiten.

Die von der Klägerin hergestellten Lichtbilder seien als eigentümliche geistige Schöpfungen urheberrechtlich geschützt. Die Klägerin habe alle an Dritte weitergegebenen Fotos mit ihrer Herstellerbezeichnung versehen. Die Beklagten hätten die Werke der Klägerin ohne deren Zustimmung vervielfältigt und - teilweise mit unrichtiger, teilweise ohne Herstellerbezeichnung - veröffentlicht. Auf Basis eines ihrer Lichtbilder sei eine computeranimierte Abbildung hergestellt worden, die als Phantombild das vermutete Aussehen der Abgebildeten in der Gegenwart habe darstellen sollen. Das Phantombild sei eine Bearbeitung des Originals, seine Verwendung bedürfe der Zustimmung der Urheberin des Originalwerks. Die Beklagten beantragten die Abweisung des Sicherungsantrags. Die Automatenfotos vergleichbaren Lichtbilder seien einem urheberrechtlichen Schutz nicht zugänglich. Das Phantombild sei ein eigenständiges, an die Abbildung des Kindes bloß angelehntes Werk und somit eine freie Bearbeitung im Sinn des § 5 Abs 2 UrhG. Die Klägerin habe den Auftraggebern die Nutzungsrechte an ihren Lichtbildern exklusiv eingeräumt. Sie selbst habe die Fotos auch zu Fahndungszwecken zur Verfügung gestellt und sei mit deren Veröffentlichung einverstanden gewesen. Ihre seinerzeitige Zustimmung gelte auch für den Zeitraum nach dem Wiederauftauchen von Natascha K*****. Im Übrigen liege eine freie Werknutzung nach § 41 UrhG vor, weil die Polizei die Lichtbilder den Presseagenturen gezielt zu Fahndungszwecken bzw zur Information der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt habe. Die Veröffentlichungen seien als Berichterstattung über Tagesereignisse im Sinn des § 42c UrhG, jedenfalls aber als freies Bildzitat zulässig. Die Klägerin habe nicht bescheinigt, dass die Fotos mit ihrer Herstellerbezeichnung versehen gewesen seien, eine Herstellerbezeichnung auf Schmuckmappen und Passepartouts reiche nicht aus.

Das Erstgericht gab dem Sicherungsantrag zu Punkt 1 (Vervielfältigung und/oder Verbreitung ohne Zustimmung der Klägerin) teilweise (mit einer in Rechtskraft erwachsenen Teilabweisung hinsichtlich einer der nur in Deutschland vertriebenen Ausgabe eines Mediums der Zweitbeklagten) statt. Das Sicherungsbegehren zu Punkt 2 (Veröffentlichung und/oder Verbreitung ohne Herstellerbezeichnung) wurde in Ansehung der Zweit- und der Drittbeklagten (mit einer in Rechtskraft erwachsenen Teilabweisung hinsichtlich eines der Medien der Zweitbeklagten) stattgegeben und in Ansehung der Erstbeklagten mit Rücksicht auf den vorangegangenen Unterlassungsvergleich abgewiesen.

Das Erstgericht stellte fest, die Klägerin habe die Fotos Nr. 1 bis 4 und 6 der Beilage ./G in den Jahren 1996, 1997 oder schon früher in jenem Hort aufgenommen, in dem Natascha K***** damals betreut worden sei. Sie habe den Hintergrund entworfen, die Position (Körperhaltung) und den Gesichtsausdruck des abgebildeten Kindes bestimmt, die Fotografien hergestellt und entwickelt. Sie habe die Rechte an diesen Fotos weder an die Eltern noch an Dritte verkauft, noch habe sie eine Zustimmungserklärung zur Veröffentlichung dieser Bilder abgegeben. Der seinerzeitige Kaufpreis für die Bilder habe nur die Fotos samt Fotomappe und Passepartouts abgegolten. Die Klägerin bezeichne die von ihr aufgenommenen Lichtbilder schon seit ca siebzehn Jahren mit ihrem Namen und ihrer Etablissementbezeichnung „Studio 13", sie nehme damit eine Herstellerbezeichnung vor. Diese sei im Lauf der Zeit in unterschiedlicher Art und Weise, etwa durch Aufkleber und Eindrucke auf Schmuckmappen oder Passepartouts, angebracht worden. Nach dem Verschwinden von Natascha K***** habe die Klägerin der Polizei zwei Fotos übergeben; welche Fotos dies gewesen seien, könne nicht festgestellt werden; es seien aber nicht die Bilder Nr. 1 bis 4 oder 6 der Beilage ./G gewesen.

Dazu, von wem die Beklagten die Fotos Nr. 1 bis 4 und 6 erhalten und in welchem Textzusammenhang sie diese Bilder veröffentlicht hätten, traf das Erstgericht keine Feststellungen. Es fehlen auch Feststellungen zur Lösung der Frage, ob es den Beklagten möglich gewesen wäre, von der Herstellerbezeichnung der Klägerin (auf Schmuckmappen und Passepartouts) Kenntnis zu erlangen. Zur Verwertung der Fotos durch die Beklagten stellte das Erstgericht im Einzelnen fest, die Erstbeklagte habe die von der Klägerin hergestellten Bilder in ihrer Tageszeitung „Der Standard" am 24. 8. und 25. 8. 2006 veröffentlicht. In drei weiteren Ausgaben im August 2006 habe sie das Phantombild Nr. 5 veröffentlicht. Als Hersteller habe die Erstbeklagte jeweils Dritte, nicht aber die Klägerin genannt.

Die Zweitbeklagte habe im August und September 2006 das Phantombild Nr. 5 in der (in Österreich vertriebenen) Münchener Ausgabe ihres Mediums „Bild" veröffentlicht. Als Herstellerbezeichnung habe sie jeweils Dritte, nicht aber die Klägerin angeführt, oder eine solche Bezeichnung habe überhaupt gefehlt. Das Bild Nr. 2 sei im Zeitraum zwischen 26. 8. und 16. 11. 2006 auf der Homepage der Zweitbeklagten „www.welt.de" ohne Herstellerbezeichnung erschienen. Die Zweitbeklagte habe überdies Artikel mit den Titeln „Acht Jahre eingesperrt: Entführungsopfer befreit sich selbst", „Natascha - So lebte sie in ihrem Verließ" und „Natascha's Martyrium: Entführer hielt sie acht Jahre in diesem Keller gefangen" samt Bild Nr. 2 auf ihrer Homepage „www.abendblatt.de" veröffentlicht. Diese Artikel samt Bild seien vom 24./25. 8. 2006 bis 2. 3. 2007 im Internet abrufbar gewesen. Die Veröffentlichung sei mit einer anderen Herstellerbezeichnung als jener der Klägerin versehen gewesen. Die Drittbeklagte habe im August, November und Dezember 2006 das Bild Nr. 2 mehrfach und das Phantombild Nr. 5 ein Mal in ihrer - in Österreich erhältlichen - Tageszeitung „Süddeutsche Zeitung" mit der Herstellerbezeichnung eines Dritten veröffentlicht. Die Viertbeklagte habe das Bild Nr. 2 in der Ausgabe 35/2006 der auch in Österreich erhältlichen Zeitschrift „Der Spiegel" mit einer anderen Herstellerbezeichnung als jener der Klägerin veröffentlicht. In rechtlicher Hinsicht bejahte das Erstgericht den Werkcharakter der Lichtbilder. Die Klägerin habe neben dem Hintergrund auch die jeweilige Position von Hand und Kopf des Kindes wie auch den Blickwinkel der Aufnahme bestimmt, um die nach ihren Vorstellungen bestmögliche Wirkung sicherzustellen. Dadurch habe sie den Bildern Nr. 1 bis 4 und 6 eine persönliche Note verliehen und - mit einem ausreichenden Maß an Originalität - eine eigene geistige Schöpfung vollbracht. Ein anderer Fotograf hätte die Bilder anders gestaltet. Das der Klägerin als Urheberin zustehende ausschließliche Verwertungsrecht schließe das Recht der Veröffentlichung mit ein. Das Phantombild Nr. 5 sei eine Bearbeitung im Sinn des § 5 Abs 1 UrhG. Trotz Auswechslung des Gesichts als solchem stimme der restliche Teil des Bildes mit dem Originalfoto überein, das keineswegs in den Hintergrund trete. Es sei vielmehr als Vorlage des Phantombilds eindeutig erkennbar. Die Klägerin habe dieser Bearbeitung nicht zugestimmt. § 41 UrhG komme nicht zum Tragen. Die Veröffentlichung der Lichtbildwerke habe ohne die gebotene Herstellerbezeichnung stattgefunden. Das Begehren zu Punkt 2 sei demnach berechtigt, soweit es die Zweit- und die Drittbeklagte betreffe. Hinsichtlich der Erstbeklagten sei der Sicherungsantrag insoweit abzuweisen, weil die Klägerin bereits aufgrund eines gerichtlichen Unterlassungsvergleichs über einen rechtskräftigen Exekutionstitel verfüge. Das zu Punkt 1 beantragte Gebot sei berechtigt, hinsichtlich der Zweitbeklagten jedoch auf Veröffentlichungen in den in Österreich vertriebenen Medien einzuschränken.

Das Rekursgericht bestätigte die einstweilige Verfügung. Es sprach ferner aus, dass der Wert des Entscheidungsgegenstands 20.000 EUR übersteige und der ordentliche Revisionsrekurs mangels erheblicher Rechtsfragen nicht zulässig sei. Von den Feststellungen des Erstgerichts ausgehend bejahte auch das Rekursgericht den Schutz der Fotografien als Lichtbildwerke. Die Klägerin habe den Bildern durch die Auswahl bestimmter Gestaltungsmittel (Hintergrund [zB durch Hinzunahme eines Clowns], bestimmte Haltung des Kindes, Kopfneigung, Haarreifen und Handhaltung) ein ausreichendes Maß an Originalität und Persönlichkeit verliehen. Das Phantombild Nr. 5 beruhe angesichts der mit dem Original übereinstimmenden Merkmale nicht auf einer freien Werknutzung nach § 5 Abs 2 UrhG. Es übernehme das Originalwerk in seinen wesentlichen Zügen, wobei letzteres nicht vollständig in den Hintergrund trete. Die Klägerin habe auf ihre Nutzungsrechte weder verzichtet noch diese an Eltern oder an Dritte übertragen. Auch einer Veröffentlichung der Lichtbilder habe sie nicht zugestimmt. Sie habe lediglich (seinerzeit) zwei - nicht aber die verfahrensgegenständlichen - Fotos, zu Fahndungszwecken zur Verfügung gestellt. § 41 UrhG sei nicht anzuwenden, weil die Veröffentlichungen weder amtlich veranlasst worden seien, noch einer amtlichen Veranlassung gleichkommende Situationen vorgelegen hätten. Es liege auch kein Bericht über aktuelle Tagesereignisse im Sinn des § 42c UrhG vor. Die Veröffentlichungen der Lichtbilder seien einer Veröffentlichung von Werken, die vor oder gleichzeitig mit dem Ereignis öffentlich wahrnehmbar würden, nicht gleichzuhalten. Sie hätten nämlich lediglich der Illustrierung eines besonderen tagesaktuellen Geschehens gedient, nämlich des Wiederauftauchens von Natascha K*****, und seien weder zum besseren Verständnis der Berichterstattung noch zu deren Begründung oder Vertiefung erforderlich gewesen. Das Anbringen von Name und/oder Etablissementbezeichnung in Form von Aufklebern und Eindrucken auf - zusammen mit den Lichtbildern übergebenen - Schmuckmappen oder Passepartouts reiche aus, um den gesetzlichen Anforderungen an eine Herstellerbezeichnung zu entsprechen. Eine Berufung auf das Grundrecht der freien Meinungsäußerung müsse scheitern, wenn - wie hier - die Einwilligung des Urhebers gegen Zahlung eines angemessenen Entgelts hätte erreicht werden können. Dass es nicht möglich gewesen sei, die Einwilligung der Klägerin zur Veröffentlichung gegen Entgelt zu erlangen, hätten die Beklagten im Verfahren erster Instanz nicht vorgebracht.

Rechtliche Beurteilung

Der Revisionsrekurs der Beklagten ist zulässig, weil der angefochtene Beschluss von der einige Tage später begründeten jüngsten Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs abweicht, aber auch in anderen Punkten mit der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs nicht im Einklang steht. Das Rechtsmittel ist auch berechtigt.

1. Die Rechtsmittelwerber vertreten die Auffassung, die Lichtbilder der Klägerin seien mit Automatenfotos vergleichbar und deshalb einem urheberrechtlichen Schutz als Lichtbildwerk nicht zugänglich. Das Phantombild Nr. 5 sei ein eigenständiges, an eines der maßgebenden Lichtbilder bloß angelehntes Werk und damit Ergebnis einer freien Benutzung im Sinn des § 5 Abs 2 UrhG.

1.1. Die Vorinstanzen haben festgestellt, dass das Foto Nr. 2 in den Printmedien der Erst-, Dritt- und Viertbeklagten und auf einer Website der Zweitbeklagten veröffentlicht wurde. Die Veröffentlichung des Phantombilds fand in den Printmedien der Erst-, Zweit- und Drittbeklagten statt. Entscheidend ist daher, ob Foto Nr. 2 und das dem Phantombild Nr. 5 zugrundeliegende Foto Nr. 1 Werkcharakter haben.

1.2. Die Fotografien der Klägerin Beilage ./G Nr. 1 bis 4 und 6 wie auch das Phantombild Nr. 5 waren bereits Gegenstand der Entscheidung 4 Ob 170/07i. Darin hat der Senat die Grundsätze für die Beurteilung einer Fotografie als Lichtbildwerk im Sinn des § 3 Abs 2 UrhG zusammengefasst. Entscheidend ist, ob eine individuelle Zuordnung zwischen Lichtbild und Fotograf insofern möglich ist, als dessen Persönlichkeit aufgrund der von ihm gewählten Gestaltungsmittel (Motiv, Blickwinkel, Beleuchtung) zum Ausdruck kommt. Eines besonderen Maßes an Originalität bedarf es nicht. Auch alltägliche Portraitfotos sind Lichtbildwerke, wenn sie eine visuelle Gestaltung durch den Fotografen aufweisen und anzunehmen ist, dass ein anderer Fotograf das Lichtbild möglicherweise anders gestaltet hätte. Nach diesen Grundsätzen hat der Senat die Fotografie Nr. 1 bereits als Lichtbildwerk beurteilt. Gleiches gilt für das Lichtbild Nr. 2. Auch hier wählte die Klägerin individuelle Gestaltungselemente (einen besonderen Hintergrund, die Körperhaltung des abgebildeten Kindes, seine Kopfneigung und Handhaltung), die der Abbildung einen Grad an Individualität verleihen, der es von anderen Portraitfotos unterscheidet.

Das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung dieses Bildes steht somit allein der Klägerin zu (§ 14 UrhG). Eine - wie die Beklagten meinen „exklusive" - Abtretung der Verwertungsrechte an die Auftraggeber der Fotos haben schon die Vorinstanzen zutreffend verneint (§ 510 Abs 3 ZPO).

1.3. Die Entscheidung 4 Ob 170/07i hat sich auch mit den Grundsätzen zur Abgrenzung zwischen Bearbeitung und freier Benutzung eines Werks im Sinn des § 5 Abs 2 UrhG befasst. Danach sind an das Vorliegen einer freien Benutzung strenge Anforderungen zu stellen. Sie kommt um so weniger in Betracht, je ausgeprägter die Individualität der Vorlage ist. Stehen dem Schöpfer der Vorlage - wie dies etwa bei Portraitfotos der Fall ist - jedoch nur wenige individuelle Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung, so kann auch nur wenig von seiner Individualität in das Werk einfließen, weshalb der urheberrechtliche Schutzbereich seines Werks entsprechend eng ist. Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze hat der Senat das computeranimiert hergestellte Phantombild Nr. 5 in der zitierten Entscheidung als freie Benutzung des Lichtbildes Nr. 1 und damit als neues, unabhängiges und selbst urheberrechtlich geschütztes Werk beurteilt, dessen Veröffentlichung einer Zustimmung der Klägerin nicht bedurfte. An dieser Auffassung ist, wie bereits in der Entscheidung 4 Ob 102/08s näher begründet wurde, weiterhin festzuhalten.

Die Veröffentlichung des Phantombilds Nr. 5 in den Medien der Beklagten verstößt somit nicht gegen die Verwertungsrechte der Klägerin an der der freien Benutzung zugrundeliegenden Abbildung. Soweit sich daher die angestrebten Unterlassungsgebote auch auf Veränderungen oder Bearbeitungen der Lichtbildwerke stützen, sind sie nicht berechtigt, weil die Beklagten insoweit nicht gegen das Verwertungsrecht der Klägerin verstoßen haben.

2.1. Die Beklagten machen geltend, die (veröffentlichten) Lichtbilder seien ihnen von der Polizei gezielt zu Fahndungszwecken zur Verfügung gestellt und zu diesem Zweck - im Einklang mit § 41 UrhG - auch benützt worden.

2.2. Zur freien Werknutzung nach § 41 UrhG im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Personenbildnissen hat der Oberste Gerichtshof ebenso bereits in seiner Entscheidung 4 Ob 170/07i Stellung genommen. Danach setzt die Veröffentlichung eines Personenbildnisses als freie Werknutzung im Interesse der im Rahmen der öffentlichen Sicherheit wahrzunehmenden Strafrechtspflege einen bestimmten Aufruf der Sicherheitsbehörde zur Bildnisveröffentlichung nicht voraus. Es genügt vielmehr, wenn bei den Sicherheitsbehörden Bildnisse zur Veröffentlichung aufliegen und im Kontext mit deren Publikation auf tatsächlich noch anhängige strafbehördliche Ermittlungen zur Aufklärung einer strafbaren Handlung hingewiesen wird. Ob diese Voraussetzungen einer freien Werknutzung nach § 41 UrhG vorliegen, kann nach dem bisher feststehenden Sachverhalt noch nicht beurteilt werden. Es steht nämlich nicht fest, von wem die beklagten Verlage die schließlich veröffentlichten Fotos erhalten hatten und in welchem Textzusammenhang sie veröffentlicht wurden. Das Erstgericht hat zwar festgestellt, dass die Klägerin der Polizei zwei Fotos (offenbar seinerzeit zu Fahndungszwecken) übergeben habe, dies seien aber nicht die Fotos Nr. 1 bis 4 und 6 der Beilage ./G gewesen. Diese Feststellung reicht zur abschließenden Beurteilung nicht aus, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Sicherheitsbehörden diese Lichtbilder von anderer Seite erhalten und an die Zeitungen weitergegeben hatten. Sollte dies der Fall gewesen sein, käme es aber nach den Grundsätzen der zitierten Entscheidung 4 Ob 170/07i insbesondere darauf an, in welchem Textzusammenhang die Bilder veröffentlicht wurden. Auch dazu fehlen Feststellungen. Die Entscheidungen der Vorinstanzen leiden insofern aufgrund einer unrichtigen rechtlichen Beurteilung an Feststellungsmängeln.

3.1. Die Beklagten vertreten die Auffassung, die Veröffentlichungen der Lichtbilder seien als Berichterstattung über ein Tagesereignis im Sinn des § 42c UrhG zulässig gewesen; sie seien vom Informationszweck des Berichts umfasst gewesen, hätten Klarheit über den Berichtsgegenstand geschaffen und seien für eine verständliche Berichterstattung erforderlich gewesen.

3.2. Ausgehend von der Überlegung, dass der Berichterstatter - will er über ein Tagesereignis aktuell berichten - die Wiedergabe von im Zuge des Tagesereignisses wahrnehmbaren Werken in aller Regel nicht vermeiden kann, und dem Zweck der Ausnahmebestimmung, nämlich den Urheberrechtsschutz nur dort zu lockern, wo dies im Interesse einer tagesaktuellen Berichterstattung notwendig ist, legt die Rechtsprechung § 42c UrhG eng aus (RIS-Justiz RS0108465). Danach ist „Tagesereignis" ein tatsächlicher Vorgang, der wegen seiner Aktualität Interesse findet. Das Werk als solches darf nicht allein Gegenstand des Tagesereignisses sein, es darf lediglich bei einem anderen Ereignis in Erscheinung treten. Seine Vervielfältigung ist nur in dem durch den Informationszweck gerechtfertigten Umfang zulässig (4 Ob 134/00k = MR 2000, 379 - Postwurfsendung). § 42c UrhG soll sicherstellen, dass über aktuelle Tagesereignisse berichtet werden kann, ohne auf geschützte Werke Rücksicht nehmen zu müssen. Diese dürfen aber - wie bereits festgehalten - nicht selbst Gegenstand der Berichterstattung sein.

3.3. Im vorliegenden Fall ist „Tagesereignis" das Wiederauftauchen von Natascha K*****, nicht aber der darüber in den Medien der Beklagten veröffentlichte Bericht, selbst wenn er auch Umstände ihres Verschwindens enthalten hätte. Die Wiedergabe der im Kindesalter aufgenommenen Lichtbilder der Entführten verschaffte dem Leser zwar eine zusätzliche Information über das Aussehen des Kindes vor seinem Verschwinden, war aber - entgegen der Auffassung der Beklagten - für eine klare und verständliche Berichterstattung über das Tagesereignis des Wiederauftauchens keineswegs erforderlich. Die Veröffentlichung der Bilder war daher auch vom Zweck der Information über dieses Tagesereignis nicht umfasst.

4.1. Die Beklagten beurteilen die Veröffentlichung der maßgebenden Lichtbilder als zulässiges Bildzitat. Die Fotos seien vor allem im ersten Jahr nach dem Verschwinden des Kindes nicht nur in den Medien, sondern auch an öffentlichen Orten immer wieder veröffentlicht worden und hätten sich der österreichischen Bevölkerung im Zusammenhang mit diesem Kriminalfall längst eingeprägt. Nach dem Wiederauftauchen der Vermissten sei es zur Aufklärung der Öffentlichkeit erforderlich gewesen, die damaligen Fahndungsfotos wieder zu veröffentlichen, um klarzustellen, dass es sich dabei um jene Person handle, deren Bildnis seinerzeit in Österreich „allgegenwärtig" gewesen sei.

4.2. Der Oberste Gerichtshof wendet § 54 Abs 1 Z 3a UrhG auf das Bildzitat in Zeitungen und Zeitschriften analog an. Die Zitierung ganzer Bilder ist jedoch nur im Interesse einer geistigen Auseinandersetzung zulässig, wenn sie durch den Zitatzweck geboten ist und der wirtschaftliche Wert des zitierten Werks (Lichtbilds) nicht in einer ins Gewicht fallenden Weise ausgehöhlt wird (4 Ob 224/00w = SZ 73/149 = MR 2000, 373 - Schüssels Dornenkrone; 4 Ob 100/03i). Für die Zulässigkeit der Veröffentlichung der Lichtbilder als Bildzitat ist somit Voraussetzung, dass das in den Berichten jeweils wiedergegebene Bild Zitat- und Belegfunktion hatte und nicht nur dazu diente, die Berichterstattung zu illustrieren, um so die Aufmerksamkeit der Leser auf den Bericht zu lenken (vgl 4 Ob 105/03z = MR 2003, 317 - Foto des Mordopfers; 4 Ob 195/06i).

4.3. Ob die Veröffentlichung der Lichtbilder Zitat- und Belegfunktion hatte oder nur der Illustration diente, kann - mangels Feststellungen zum Inhalt der damit verbundenen Berichterstattung in den Medien der Beklagten - noch nicht abschließend beurteilt werden. Den Entscheidungen der Vorinstanzen haften aufgrund einer unrichtigen rechtlichen Beurteilung auch in diesem Punkt Feststellungsmängel an.

5.1. Die Beklagten machen geltend, es sei nicht bescheinigt, dass die Klägerin ihre Lichtbilder mit einer Herstellerbezeichnung versehen habe. Ein Hinweis auf Passepartouts genüge nicht, zumal derartige Passepartouts den ihnen von den Sicherheitsbehörden übergebenen Fotos nicht angeschlossen gewesen seien, und die Beklagten von einer Herstellerbezeichnung somit nicht hätten Kenntnis erlangen können.

5.2. Die Klägerin macht (auch) Leistungsschutzrechte nach § 74 Abs 1 UrhG geltend. Sie stehen unabhängig davon zu, ob das Lichtbild auch ein Werk der bildenden Künste im Sinn des § 1 Abs 1 und § 3 UrhG ist (4 Ob 90/90 = ÖBl 1991, 137 - Udo Proksch). Das Recht auf Namensnennung gemäß § 74 Abs 3 UrhG ist mit dem ausschließlichen Verwertungsrecht des Lichtbildherstellers verbunden. Der auf seine Verletzung gegründete Unterlassungsanspruch setzt voraus, dass der Hersteller das Lichtbild mit seinem Namen bezeichnet hat. Sinn und Zweck dieser Bestimmung ist es, auf den Hersteller des Bildnisses deutlich aufmerksam zu machen. Wie dies zu geschehen hat, und ob der Hinweis mit dem Lichtbild selbst verbunden sein muss, sagt das Gesetz nicht.

Nach den Materialien muss die Bezeichnung nicht auf dem Lichtbild selbst angebracht werden, es genügt eine entsprechende Verbindung mit diesem. In diesem Sinn hat die ältere Rechtsprechung (4 Ob 341/86 = SZ 59/152) es als ausreichend erachtet, wenn der Name auf die Umhüllung der Negativfilme, auf die für die Diapositive verwendeten Plastiksäckchen oder auf die Rückseite von Papierabzügen geschrieben war. Nach jüngerer Rechtsprechung ist aber auch entscheidend, dass es demjenigen, der zur Namensnennung verpflichtet sein soll, bei normalem Lauf der Dinge möglich sein muss, im Fall einer Vervielfältigung vom Namen des Herstellers Kenntnis zu nehmen. Dies ist nach jüngerer Rechtsprechung bei einem Hinweis in einem Begleitschreiben und/oder bei der Angabe des Herstellers bloß auf dem die Lichtbilder enthaltenden Paket nicht der Fall (RIS-Justiz RS0077155).

5.3. Die Beklagten haben vorgebracht, sie hätten die Lichtbilder von den Sicherheitsbehörden ohne Passepartouts oder Schmuckmappen erhalten und die Herstellerbezeichnung weder gekannt noch eine Möglichkeit zur Kenntnisnahme gehabt.

Nach dem bisher bescheinigten Sachverhalt hat die Klägerin seit siebzehn Jahren Name und Etablissementbezeichnung nicht auf den Lichtbildern selbst, sondern auf Schmuckmappen und Passepartouts angebracht, die die Bilder enthielten. Das Erstgericht ging offenbar davon aus, dass die Klägerin diese Vorgangsweise auch bei den hier zu beurteilenden Lichtbildern eingehalten habe. Seine Feststellungen reichen jedoch nicht zur Lösung der Frage aus, ob es den Beklagten möglich gewesen wäre, von dieser Herstellerbezeichnung auch tatsächlich Kenntnis zu erlangen. Es steht nämlich nicht fest, woher die Beklagten die Lichtbilder erhalten hatten und ob diese zu diesem Zeitpunkt mit entsprechend gekennzeichneten Mappen oder Passepartouts versehen waren, aus denen die Beklagten eine Kenntnis der Herstellerbezeichnung hätten erlangen können und müssen. Eine derartige Möglichkeit zur Kenntnisnahme bestünde jedenfalls dann nicht, wenn die nicht selbst gekennzeichneten Lichtbilder ohne Passepartouts oder Schmuckmappen - von wem auch immer - an die Beklagten weitergegeben worden wären.

Das Erstgericht hat - von einer unrichtigen Rechtsansicht ausgehend - die dazu erforderlichen Feststellungen unterlassen. Sein Verfahren ist auch insoweit ergänzungsbedürftig.

6. Das Erstgericht wird im fortzusetzenden Verfahren Feststellungen zu den in den Punkten 2.2., 4.3. und 5.3. dieser Entscheidung erläuterten offenen Fragen zu treffen und danach neuerlich zu entscheiden haben.

7. Die Kostenentscheidung beruht auf § 393 Abs 1 EO iVm § 52 ZPO.

Schlagworte

Kennung XPUBL - XBEITR Diese Entscheidung wurde veröffentlicht in EvBl-LS 2009/12 = MR 2009,27 (Walter) - Natascha K III = RdW 2009/87 S 80 - RdW 2009,80 = ÖBl-LS 2009/63 = ÖBl-LS 2009/68 = ÖBl-LS 2009/69 XPUBLEND

Anmerkung

E88678 4Ob92.08w

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2008:0040OB00092.08W.0826.000

Zuletzt aktualisiert am

25.08.2009

Dokumentnummer

JJT_20080826_OGH0002_0040OB00092_08W0000_000