Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 2Ob1/63 2Ob319/62 (2Ob32...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0021827

Geschäftszahl

2Ob1/63; 2Ob319/62 (2Ob320/62); 2Ob70/63; 2Ob221/63; 8Ob18/66; 2Ob58/67; 8Ob307/68; 2Ob184/69; 8Ob286/71 (8Ob287/71, 8Ob288/71); 2Ob222/71 (2Ob223/71); 5Ob269/71 (5Ob270/71 -5Ob274/71); 8Ob171/72; 8Ob224/72; 8Ob28/73 (8Ob29/73); 1Ob43/73 (1Ob44/73); 2Ob119/73 (2Ob120/73); 8Ob262/75; 8Ob8/76 (8Ob9/76, 8Ob10/76); 8Ob198/76 (8Ob199/76, 8Ob200/76); 8Ob19/77; 8Ob69/77 (8Ob70/77, 8Ob71/77); 8Ob543/78; 2Ob204/78; 1Ob522/79; 8Ob92/80; 2Ob215/80; 3Ob531/84; 2Ob60/86; 1Ob680/89; 9ObA117/90; 1Ob664/90; 6Ob30/01g; 10Ob38/00m; 4Ob139/07f; 2Ob262/07d; 2Ob162/08z; 3Ob88/09a; 3Ob267/09z; 3Ob158/12z; 2Ob240/12a; 2Ob36/14d; 2Ob24/15s; 2Ob129/15g; 1Ob174/16v; 2Ob209/17z

Entscheidungsdatum

28.02.1963

Norm

ABGB §1169
ABGB §1313a IIIf
ASVG §333 Abs4

Rechtssatz

Bei Werkverträgen ist im Verhältnis zwischen dem Besteller und den Arbeitern des Unternehmers eine Eingliederung dieser Arbeiter in den Betrieb des Bestellers nach Art eines Leiharbeitsverhältnisses grundsätzlich nicht anzunehmen; die Fürsorgepflicht des Bestellers besteht als Nebenverpflichtung aus dem Werkvertrag nicht nur gegenüber dem Unternehmer, sofern dieser selbst an der Arbeit mitwirkt, sondern auch zugunsten aller Personen, welche die Arbeit ausführen (ebenso: zum Beispiel 2 Ob 37/61; 2 Ob 209/62) (Anstreicherarbeiten in einem Elektrizitätswerk).

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 1/63
    Entscheidungstext OGH 28.02.1963 2 Ob 1/63
    Veröff: EvBl 1963/250 S 353
  • 2 Ob 319/62
    Entscheidungstext OGH 14.03.1963 2 Ob 319/62
    Beisatz: Explosion in Hirtenberger Patronenfabrik (T1)
  • 2 Ob 70/63
    Entscheidungstext OGH 02.05.1963 2 Ob 70/63
  • 2 Ob 221/63
    Entscheidungstext OGH 28.11.1963 2 Ob 221/63
    Beisatz: Baumeister entlehnt Magirusleiter samt Bedienungsmann. (T2) Veröff: EvBl 1964/148 S 212
  • 8 Ob 18/66
    Entscheidungstext OGH 08.02.1966 8 Ob 18/66
    Veröff: MietSlg 18239
  • 2 Ob 58/67
    Entscheidungstext OGH 09.03.1967 2 Ob 58/67
    Beisatz: Sicherungsmaßnahmen zwecks Verhütung eines Brandes als Vertragsnebenpflichten. (T3) Veröff: JBl 1968,88
  • 8 Ob 307/68
    Entscheidungstext OGH 17.12.1968 8 Ob 307/68
  • 2 Ob 184/69
    Entscheidungstext OGH 02.10.1969 2 Ob 184/69
    Zweiter Rechtsgang zu 2 Ob 58/67
  • 8 Ob 286/71
    Entscheidungstext OGH 09.11.1971 8 Ob 286/71
    Vgl; Beisatz: Haftung des Unternehmers gemäß § 1313a ABGB nicht nur gegenüber dem Besteller selbst, sondern auf Grund vertraglicher Nebenpflicht (Fürsorgepflicht §§ 1157, 1169 ABGB) auch gegenüber den Dienstnehmern des Bestellers und jenen Personen, denen dieser zur Fürsorge verpflichtet ist. (T4)
  • 2 Ob 222/71
    Entscheidungstext OGH 13.01.1972 2 Ob 222/71
    Veröff: Arb 8972
  • 5 Ob 269/71
    Entscheidungstext OGH 01.02.1972 5 Ob 269/71
    Ähnlich; Beisatz: Kühlhaus - Brand in Wien (T5) Veröff: Arb 8954 = DRdA 1972,246 (kritisch Fenyves und Holzer)
  • 8 Ob 171/72
    Entscheidungstext OGH 12.09.1972 8 Ob 171/72
    nur: Die Fürsorgepflicht des Bestellers besteht als Nebenverpflichtung aus dem Werkvertrag nicht nur gegenüber dem Unternehmer, sofern dieser selbst an der Arbeit mitwirkt, sondern auch zugunsten aller Personen, welche die Arbeit ausführen. (T6); Beisatz: Überlassung eines Baugerüstes mit unsachgemäß befestigter Brustwehr. (T7)
  • 8 Ob 224/72
    Entscheidungstext OGH 05.12.1972 8 Ob 224/72
    Vgl auch; nur T6; Beis wie T4
  • 8 Ob 28/73
    Entscheidungstext OGH 27.02.1973 8 Ob 28/73
    nur: Bei Werkverträgen ist im Verhältnis zwischen dem Besteller und den Arbeitern des Unternehmers eine Eingliederung dieser Arbeiter in den Betrieb des Bestellers nach Art eines Leiharbeitsverhältnisses grundsätzlich nicht anzunehmen. (T8) Veröff: SZ 46/26 = Arb 9131
  • 1 Ob 43/73
    Entscheidungstext OGH 18.04.1973 1 Ob 43/73
    nur T6
  • 2 Ob 119/73
    Entscheidungstext OGH 25.10.1973 2 Ob 119/73
    Vgl auch; nur T8; Beisatz: Aufstellen eines Gerüstes auf einer Baustelle. (T9)
  • 8 Ob 262/75
    Entscheidungstext OGH 14.01.1976 8 Ob 262/75
    nur T6
  • 8 Ob 8/76
    Entscheidungstext OGH 18.02.1976 8 Ob 8/76
    nur T8
  • 8 Ob 198/76
    Entscheidungstext OGH 19.01.1977 8 Ob 198/76
    nur T6; Beisatz: Diese Fürsorgepflicht bezieht sich vor allem auf die Sicherung der Arbeitsstätte, wozu auch die Absicherung des Fahrwegs für Lastenbeförderungen auf einer Baustelle gehört. (T10) Veröff: EvBl 1977/205 S 459 = JBl 1978,479
  • 8 Ob 19/77
    Entscheidungstext OGH 09.03.1977 8 Ob 19/77
    nur T8
  • 8 Ob 69/77
    Entscheidungstext OGH 25.05.1977 8 Ob 69/77
    nur T6; Beis wie T10 nur: Diese Fürsorgepflicht bezieht sich vor allem auf die Sicherung der Arbeitsstätte. (T11)
  • 8 Ob 543/78
    Entscheidungstext OGH 27.09.1978 8 Ob 543/78
    nur T6
  • 2 Ob 204/78
    Entscheidungstext OGH 07.12.1978 2 Ob 204/78
    Beis wie T10
  • 1 Ob 522/79
    Entscheidungstext OGH 31.01.1979 1 Ob 522/79
    nur T6
  • 8 Ob 92/80
    Entscheidungstext OGH 02.10.1980 8 Ob 92/80
    nur T6; Beisatz: Subunternehmer (T12)
  • 2 Ob 215/80
    Entscheidungstext OGH 10.02.1981 2 Ob 215/80
    Vgl auch; Beisatz: Unfall bei Hausschlachtung (T13) Veröff: Arb 9935
  • 3 Ob 531/84
    Entscheidungstext OGH 27.06.1984 3 Ob 531/84
    nur T6
  • 2 Ob 60/86
    Entscheidungstext OGH 26.05.1987 2 Ob 60/86
    Beisatz: Eine Stellung des Bestellers als Aufseher im Betrieb und damit ein Haftungsausschluss nach § 333 Abs 4 ASVG kommt nicht in Frage. (T14) Beis wie T7
  • 1 Ob 680/89
    Entscheidungstext OGH 29.11.1989 1 Ob 680/89
    nur T6
  • 9 ObA 117/90
    Entscheidungstext OGH 23.05.1990 9 ObA 117/90
    Vgl auch; Beisatz: § 48 ASGG (T15)
  • 1 Ob 664/90
    Entscheidungstext OGH 16.01.1991 1 Ob 664/90
    nur T6; Veröff: JBl 1991,453
  • 6 Ob 30/01g
    Entscheidungstext OGH 15.03.2001 6 Ob 30/01g
    Vgl auch; nur T6; Beis ähnlich wie T11; Beisatz: Die Fürsorgepflicht betrifft primär den Schutz des Lebens und die Gesundheit des Unternehmers und auch seiner Dienstnehmer, deren er sich bei der Werkherstellung bedient. (T16)
  • 10 Ob 38/00m
    Entscheidungstext OGH 10.07.2001 10 Ob 38/00m
    Auch; nur T6; Beis wie T16
  • 4 Ob 139/07f
    Entscheidungstext OGH 04.09.2007 4 Ob 139/07f
    Auch; Beis wie T16
  • 2 Ob 262/07d
    Entscheidungstext OGH 24.01.2008 2 Ob 262/07d
    Auch
  • 2 Ob 162/08z
    Entscheidungstext OGH 14.08.2008 2 Ob 162/08z
    nur T6
  • 3 Ob 88/09a
    Entscheidungstext OGH 22.07.2009 3 Ob 88/09a
    Auch; Beis wie T16; Beisatz: Sie umfasst aber auch Sachschäden. (T17)
  • 3 Ob 267/09z
    Entscheidungstext OGH 24.03.2010 3 Ob 267/09z
    Auch
  • 3 Ob 158/12z
    Entscheidungstext OGH 17.10.2012 3 Ob 158/12z
    Auch; Beis wie T16
  • 2 Ob 240/12a
    Entscheidungstext OGH 17.06.2013 2 Ob 240/12a
    Auch; nur T6; Beis wie T11; Beis wie T16
  • 2 Ob 36/14d
    Entscheidungstext OGH 27.08.2014 2 Ob 36/14d
    Auch; Beis wie T16
  • 2 Ob 24/15s
    Entscheidungstext OGH 09.04.2015 2 Ob 24/15s
    Auch; nur T8
  • 2 Ob 129/15g
    Entscheidungstext OGH 28.06.2016 2 Ob 129/15g
    Auch; nur T6; Beis wie T12
  • 1 Ob 174/16v
    Entscheidungstext OGH 10.02.2017 1 Ob 174/16v
    Auch; Beis wie T11
  • 2 Ob 209/17z
    Entscheidungstext OGH 29.11.2018 2 Ob 209/17z
    Vgl auch; Veröff: SZ 2018/102

Schlagworte

E - Werk

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1963:RS0021827

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

12.06.2020

Dokumentnummer

JJR_19630228_OGH0002_0020OB00001_6300000_001

Rechtssatz für 2Ob191/70 2Ob101/72 1Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0021602

Geschäftszahl

2Ob191/70; 2Ob101/72; 1Ob533/76; 1Ob730/76; 8Ob198/76 (8Ob199/76, 8Ob200/76); 8Ob69/77 (8Ob70/77, 8Ob71/77); 7Ob577/77; 2Ob228/81; 1Ob687/84; 8Ob30/85; 8Ob13/85 (8Ob14/85); 2Ob70/86; 2Ob60/86; 2Ob133/88; 3Ob68/98s; 6Ob30/01g; 10Ob38/00m; 6Ob242/03m; 8Ob144/06v; 4Ob139/07f; 2Ob79/08v; 3Ob88/09a; 3Ob267/09z; 8Ob40/10f; 2Ob240/12a; 2Ob240/12a; 2Ob129/15g; 1Ob174/16v; 7Ob207/17t; 1Ob157/20z

Entscheidungsdatum

03.09.1970

Norm

ABGB §1157
ABGB §1164 Abs1
ABGB §1169

Rechtssatz

Den Besteller eines Werkes trifft einen ähnliche Fürsorgepflicht wie den Dienstgeber, die ebenfalls unabdingbar ist und auch Sachschaden umfasst.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 191/70
    Entscheidungstext OGH 03.09.1970 2 Ob 191/70
    Veröff: EvBl 1971/118 S 209
    Vgl aber BGH vom 15.6.1971, VI ZR 262/69
    Beisatz: Soweit den Besteller im Rahmen eines Werkvertrages in entsprechender Anwendung des § 618 BGB eine Fürsorgepflicht trifft, kann diese abbedungen werden, wenn sie den Unternehmer oder dessen Subunternehmer schützen soll. (T1)
    Veröff: VersR 1971,910
  • 2 Ob 101/72
    Entscheidungstext OGH 15.06.1972 2 Ob 101/72
  • 1 Ob 533/76
    Entscheidungstext OGH 14.04.1976 1 Ob 533/76
    nur: Den Besteller eines Werkes trifft einen ähnliche Fürsorgepflicht wie den Dienstgeber. (T2)
    Beisatz: Bezieht sich auch auf Sicherheit der Arbeitsstätte. (T3)
  • 1 Ob 730/76
    Entscheidungstext OGH 27.10.1976 1 Ob 730/76
    Zweiter Rechtsgang zu 1 Ob 533/76
  • 8 Ob 198/76
    Entscheidungstext OGH 19.01.1977 8 Ob 198/76
    Veröff: EvBl 1977/205 S 459 = JBl 1978,479
  • 8 Ob 69/77
    Entscheidungstext OGH 25.05.1977 8 Ob 69/77
    nur T2; Beis wie T3
  • 7 Ob 577/77
    Entscheidungstext OGH 30.06.1977 7 Ob 577/77
    nur T2; Beisatz: Modellvertrag (T4)
    Veröff: JBl 1979,254
  • 2 Ob 228/81
    Entscheidungstext OGH 09.03.1982 2 Ob 228/81
    Auch; nur T2; Beisatz: Stromunfall beim Hausbau. (T5)
  • 1 Ob 687/84
    Entscheidungstext OGH 12.12.1984 1 Ob 687/84
    Beis wie T3
  • 8 Ob 30/85
    Entscheidungstext OGH 24.10.1985 8 Ob 30/85
    Auch; nur T2; Veröff: JBl 1986,113
  • 8 Ob 13/85
    Entscheidungstext OGH 24.10.1985 8 Ob 13/85
    nur T2; Beis wie T3
  • 2 Ob 70/86
    Entscheidungstext OGH 07.04.1987 2 Ob 70/86
    Beis wie T3
  • 2 Ob 60/86
    Entscheidungstext OGH 26.05.1987 2 Ob 60/86
    Auch; nur T2; Beisatz: Bezieht sich auch auf die Sicherheit beigestellter Gerätschaften, hier: Baugerüst. (T6)
  • 2 Ob 133/88
    Entscheidungstext OGH 25.04.1989 2 Ob 133/88
    nur T2; Veröff: SZ 62/70 = ZVR 1990/92 S 244
  • 3 Ob 68/98s
    Entscheidungstext OGH 16.09.1998 3 Ob 68/98s
  • 6 Ob 30/01g
    Entscheidungstext OGH 15.03.2001 6 Ob 30/01g
    Auch; nur T2; Beis ähnlich wie T3
  • 10 Ob 38/00m
    Entscheidungstext OGH 10.07.2001 10 Ob 38/00m
    Vgl auch; nur T2; Beis ähnlich wie T3
  • 6 Ob 242/03m
    Entscheidungstext OGH 26.08.2004 6 Ob 242/03m
    Auch; Beis wie T3; Beisatz: Die Schutz- und Sorgfaltspflichten umfassen auch die Warnpflicht und Informationspflicht des Bestellers über gefährliche Umstände. (T7)
  • 8 Ob 144/06v
    Entscheidungstext OGH 30.08.2007 8 Ob 144/06v
    Auch; Beisatz: Nach § 1169 iVm § 1157 ABGB ist der Besteller ua verpflichtet dafür zu sorgen, dass der Unternehmer und seine Leute nicht durch vom Besteller beigestellte Gerätschaften verletzt wird. (T8)
  • 4 Ob 139/07f
    Entscheidungstext OGH 04.09.2007 4 Ob 139/07f
    Beis wie T6; Beisatz: Hier: Leiter. (T9)
  • 2 Ob 79/08v
    Entscheidungstext OGH 29.05.2008 2 Ob 79/08v
    Auch; Beis wie T7; Beisatz: Soferne mögliche Gefahrenquellen nicht überhaupt beseitigt werden können. (T10)
  • 3 Ob 88/09a
    Entscheidungstext OGH 22.07.2009 3 Ob 88/09a
    Beis wie T3; Beisatz: Arbeitsstätte kann auch eine Baustelle sein. (T11)
    Beis wie T7; Beisatz: Der Umfang dieser nebenvertraglichen Warn- und Sicherungspflichten richtet sich danach, wie weit sich der Unternehmer in einen der Sphäre des Bestellers zuzuordnenden Bereich begibt, in dem er gefährdet ist. Eine Fürsorgepflicht des Bestellers fällt dann vollständig weg, wenn das Werk allein in der Sphäre des Unternehmers herzustellen ist und von Seiten des Bestellers keine Gefahr ausgeht. (T12)
  • 3 Ob 267/09z
    Entscheidungstext OGH 24.03.2010 3 Ob 267/09z
    Auch; Beis wie T7
  • 8 Ob 40/10f
    Entscheidungstext OGH 26.04.2011 8 Ob 40/10f
    Auch
  • 2 Ob 240/12a
    Entscheidungstext OGH 17.06.2013 2 Ob 240/12a
    Auch; Beis wie T3; Beis wie T8; Beis wie T11
  • 2 Ob 129/15g
    Entscheidungstext OGH 28.06.2016 2 Ob 129/15g
    Auch; Beis wie T12 nur: Der Umfang dieser nebenvertraglichen Warn- und Sicherungspflichten richtet sich danach, wie weit sich der Unternehmer in einen der Sphäre des Bestellers zuzuordnenden Bereich begibt, in dem er gefährdet ist. (T13)
  • 1 Ob 174/16v
    Entscheidungstext OGH 10.02.2017 1 Ob 174/16v
    Beis wie T11
  • 7 Ob 207/17t
    Entscheidungstext OGH 24.01.2018 7 Ob 207/17t
  • 1 Ob 157/20z
    Entscheidungstext OGH 23.09.2020 1 Ob 157/20z
    Beis wie T1; Beis wie T7; Beis wie T10

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1970:RS0021602

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

23.11.2020

Dokumentnummer

JJR_19700903_OGH0002_0020OB00191_7000000_001

Rechtssatz für 2Ob189/75 2Ob134/82 8Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0021808

Geschäftszahl

2Ob189/75; 2Ob134/82; 8Ob13/85 (8Ob14/85); 2Ob2363/96f; 8Ob144/06v; 4Ob139/07f; 8Ob40/10f; 3Ob158/12z; 2Ob240/12a; 9Ob54/14b; 2Ob129/15g; 1Ob174/16v

Entscheidungsdatum

09.10.1975

Norm

ABGB §1169
ABGB §1313a I

Rechtssatz

Die Fürsorgepflicht des Werkbestellers und seiner Erfüllungsgehilfen kann sich nicht darauf erstrecken, dass der fachkundige Unternehmer (sogar noch trotz Warnung) sich in eine offensichtliche Gefahr begibt, anstatt dieselbe zu beheben oder ihre Beseitigung zu veranlassen (vgl JBl 1966,206).

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 189/75
    Entscheidungstext OGH 09.10.1975 2 Ob 189/75
  • 2 Ob 134/82
    Entscheidungstext OGH 21.09.1982 2 Ob 134/82
    Beisatz: Gefährliche Malerarbeiten in Fabrik. (T1)
  • 8 Ob 13/84
    Entscheidungstext OGH 24.10.1985 8 Ob 13/84
    Auch
  • 2 Ob 2363/96f
    Entscheidungstext OGH 14.11.1996 2 Ob 2363/96f
    Beisatz: Die Fürsorgepflicht erstreckt sich auch nicht auf mit dem auszuführenden Werk unmittelbar verbundene und für den Unternehmer und seine Hilfskräfte nach ihren Fachkenntnissen erkennbare Gefahren. (T2)
  • 8 Ob 144/06v
    Entscheidungstext OGH 30.08.2007 8 Ob 144/06v
    Vgl; Beisatz: Die Fürsorgepflicht nach den §§ 1157, 1169 ABGB umfasst allerdings nicht mit dem auszuführenden Werk unmittelbar verbundene, aber für den Unternehmer erkennbare Gefahren. (T3)
  • 4 Ob 139/07f
    Entscheidungstext OGH 04.09.2007 4 Ob 139/07f
  • 8 Ob 40/10f
    Entscheidungstext OGH 26.04.2011 8 Ob 40/10f
  • 3 Ob 158/12z
    Entscheidungstext OGH 17.10.2012 3 Ob 158/12z
    Auch; Beis wie T2
  • 2 Ob 240/12a
    Entscheidungstext OGH 17.06.2013 2 Ob 240/12a
    Vgl auch; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 9 Ob 54/14b
    Entscheidungstext OGH 26.08.2014 9 Ob 54/14b
    Vgl; Beisatz: Der Umfang der Fürsorgepflicht richtet sich danach, wie weit sich der Unternehmer in eine der Sphäre des Bestellers zugeordneten Bereich begibt, in dem er gefährdet ist. (T4)
    Beisatz: Der Auftraggeber muss Fachunternehmen nicht über die in ihren Tätigkeitsbereich typisch auftretenden Gefahren warnen. (T5)
  • 2 Ob 129/15g
    Entscheidungstext OGH 28.06.2016 2 Ob 129/15g
    Auch; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 1 Ob 174/16v
    Entscheidungstext OGH 10.02.2017 1 Ob 174/16v
    Auch; Beisatz: Hier keine derart offensichtliche Gefahr, da dem Kläger nicht klar sein musste, die von ihm als „Laufbrücke“ benützten Schalungsbretter könnten verrutschen und zum Absturz führen. (T6)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1975:RS0021808

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

15.03.2017

Dokumentnummer

JJR_19751009_OGH0002_0020OB00189_7500000_001

Rechtssatz für 8Ob274/75 2Ob137/78 2Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0021812

Geschäftszahl

8Ob274/75; 2Ob137/78; 2Ob134/82; 8Ob13/85 (8Ob14/85); 2Ob70/86; 2Ob133/88; 6Ob30/01g; 6Ob242/03m; 4Ob139/07f; 8Ob40/10f; 8Ob26/13a; 9Ob54/14b

Entscheidungsdatum

04.02.1976

Norm

ABGB §1169

Rechtssatz

Beim Werkvertrag darf der Unternehmer, der auf Grund seiner Sachkenntnis wissen muss, dass seine Arbeitsstätte gefährlich ist, um deren Sicherheit nicht vollkommen sorglos sein. Auch er muss sich in einem solchen Falle vor Beginn der Arbeiten von den Sicherungsvorkehrungen überzeugen und nötigenfalls den Besteller zu den nötigen Maßnahmen veranlassen.

Entscheidungstexte

  • 8 Ob 274/75
    Entscheidungstext OGH 04.02.1976 8 Ob 274/75
    Veröff: SZ 49/15
  • 2 Ob 137/78
    Entscheidungstext OGH 19.10.1978 2 Ob 137/78
  • 2 Ob 134/82
    Entscheidungstext OGH 21.09.1982 2 Ob 134/82
    Beisatz: Gefährliche Malerarbeiten in Fabrik (T1)
  • 8 Ob 13/85
    Entscheidungstext OGH 24.10.1985 8 Ob 13/85
  • 2 Ob 70/86
    Entscheidungstext OGH 07.04.1987 2 Ob 70/86
    Auch
  • 2 Ob 133/88
    Entscheidungstext OGH 25.04.1989 2 Ob 133/88
    Veröff: SZ 62/70 = ZVR 1990/92 S 244
  • 6 Ob 30/01g
    Entscheidungstext OGH 15.03.2001 6 Ob 30/01g
    Auch
  • 6 Ob 242/03m
    Entscheidungstext OGH 26.08.2004 6 Ob 242/03m
  • 4 Ob 139/07f
    Entscheidungstext OGH 04.09.2007 4 Ob 139/07f
    Auch
  • 8 Ob 40/10f
    Entscheidungstext OGH 26.04.2011 8 Ob 40/10f
  • 8 Ob 26/13a
    Entscheidungstext OGH 29.11.2013 8 Ob 26/13a
  • 9 Ob 54/14b
    Entscheidungstext OGH 26.08.2014 9 Ob 54/14b
    Auch; nur: Der Werkunternehmer, der aufgrund seiner Sachkenntnis wissen muss, dass Arbeitsstätten gefährlich sind, muss sich vor Beginn der Arbeiten selbst von den Sicherheitsvorkehrungen überzeugen. (T2)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1976:RS0021812

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

16.10.2014

Dokumentnummer

JJR_19760204_OGH0002_0080OB00274_7500000_001

Entscheidungstext 4Ob139/07f

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

4Ob139/07f

Entscheidungsdatum

04.09.2007

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Zechner als Vorsitzenden und durch die Hofrätin des Obersten Gerichtshofs Dr. Schenk sowie die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Dr. Vogel, Dr. Jensik und Dr. Musger als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei Friedrich G*****, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Erich Moser GmbH in Murau, gegen die beklagte Partei Wilfried K*****, vertreten durch Dr. Edwin A. Payr, Rechtsanwalt in Graz, wegen 14.991,86 EUR sA und Feststellung (Streitwert 3.000 EUR), infolge Revision der klagenden Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Graz als Berufungsgericht vom 13. April 2007, GZ 5 R 46/07k-43, womit das Urteil des Landesgerichts Leoben vom 19. Dezember 2006, GZ 5 Cg 39/05g-37, bestätigt wurde, in nichtöffentlicher Sitzung folgenden

Beschluss

gefasst:

Spruch

Die Revision wird zurückgewiesen.

Die klagende Partei ist schuldig, der beklagten Partei die mit 1.000,98 EUR (darin 166,83 EUR USt) bestimmten Kosten der Revisionsbeantwortung binnen 14 Tagen zu ersetzen.

Text

Begründung:

Der Kläger übt das Gewerbe des Tischlers gem § 94 Z 21 GewO 1994 aF auf Grund eines Gewerbescheins gem § 340 Abs 4 GewO 1994 aF aus. Er erhielt vom Beklagten den Auftrag, alle südseitig gelegenen Außenfenster und Holzelemente seines Wohnhauses mit Aluverblendungen auszustatten. Zu diesem Zweck führte der Kläger am 5. 12. 2003 Vermessungsarbeiten an diesen Fenstern und Holzelementen durch, wobei er sich einer dreiteiligen Mehrzweckleiter - bestehend aus zwei Standteilen und einem Ausschiebeteil - bediente, die ihm der Beklagte zur Verfügung gestellt hatte. Diese Leiter war eine für gewerbliche Nutzung nicht geeignete Haushaltsleiter in billiger und einfacher Ausführung. Für Haushaltsleitern bestehen keine Vorschriften über die technische Ausgestaltung. Bei der vom Kläger verwendeten Leiter waren die beiden am Boden aufstehenden Stehleiterteile ursprünglich im neuwertigen Zustand mit zwei jeweils an den Leiterholmen außen festgenieteten Sperrbändern miteinander verbunden, die als Spreizsicherung dienten und die Aufgabe hatten, bei Belastung der Leiter das Auseinanderrutschen der unteren Leiterteile zu verhindern sowie das obere Verbindungsgelenk der unteren Leiterholme zu entlasten. Da die beiden Sperrbänder später gerissen waren, ersetzte sie der Beklagte Mitte 2003 durch eine Tennisschlägersaite, die er jeweils um eine Sprosse der beiden unteren Leiterteile schlang und verknotete. Damit bestand ab diesem Zeitpunkt keine zweiseitige Spreizsicherung mehr. Die Tennisschlägersaite hatte der Beklagte etwa in der gleichen Höhe angebracht, in der sich auch das ursprüngliche Sperrband befunden hatte. Tennisschlägersaiten sind elastisch und geben unter Belastung nach; sie sind daher als Spreizsicherung ungeeignet. Die vom Beklagten durchgeführte Reparatur war deshalb nicht sach- und fachgerecht und ist eine technische Fehlleistung. Der Beklagte hatte für die ordnungsgemäße Reparatur nicht das erforderliche Wissen und die Ausbildung, er führte die Reparatur nur für eigene Zwecke durch. Schon bei einer einfachen optischen Kontrolle hätte dem Kläger als befugtem Gewerbetreibenden vor dem Besteigen der Leiter auffallen müssen, dass die Leiter für den benötigten Zweck ungeeignet war. Der Kläger wusste auch vor dem Hinaufsteigen, dass das Sperrband nicht in Form eines Gurtes, sondern „'als eine Art Schnur' ausgebildet war". Als der Kläger die Leiter bestieg, um ein Fenster zu vermessen, dessen Unterkante sich etwa 3,5 m über dem Terrassenboden befand, und auf der höchstzulässigen Sprosse des Ausschiebeteils (mit den Füßen in einer Höhe von ungefähr 2,5 m) stand, wobei er sich mit der rechten Schulter an die Leiter anlehnte, brach die Leiter plötzlich zusammen, weil die Spreizeinrichtung versagte. Durch das Hochsteigen auf die höchstzulässige Sprosse wurde die Spreizsicherung besonders stark belastet, weil die Biegung des Ausschiebeteils über die Holmüberdeckung auf die Spreizsicherung und die Bodenauflage übertragen wird. Da beim Hochsteigen auf die höchstzulässige Sprosse zusätzlich die Kraftverteilung der Bodenauflagepunkte nicht symmetrisch war, verminderte sich die Haftreibung zwischen Leiter und Boden, was die Spreizsicherung weiter belastete. Beim Sturz von der Leiter verletzte sich der Kläger schwer. Das Besteigen der Leiter durch den Kläger ist als wesentlich krassere technische Fehlleistung zu beurteilen als deren unfachmännische Reparatur.

Der Kläger begehrte zuletzt - unter Anrechnung eines Mitverschuldens im Ausmaß von 50 % - die Hälfte des durch den Unfall erlittenen Schadens (Schmerzengeld, Heilungskosten, Besuchskosten, Pflegeaufwand etc) und verband damit ein Feststellungsbegehren betreffend die Haftung des Beklagten für die Hälfte aller künftigen unfallskausalen Schäden. Der Beklagte habe seine dem Kläger gegenüber bestehenden vertraglichen Schutz- und Sorgfaltspflichten dadurch verletzt, dass er ihm eine mangelhafte Leiter zur Verfügung gestellt habe. Der Beklagte beantragte die Abweisung des Klagebegehrens. Der Kläger besitze als konzessionierter Unternehmer umfassende Fachkenntnisse auch im Hinblick auf die erforderlichen Arbeitsgeräte. Er hätte sich vor Arbeitsbeginn von den Sicherheitsvorkehrungen bzw der Sicherheit seiner Gerätschaften überzeugen und damit auch die Sicherheit der zur Verfügung gestellten Arbeitsgeräte überprüfen müssen; dies habe der Kläger jedoch unterlassen und sich auf den völlig fachunkundigen Beklagten verlassen. Der Beklagte habe keine vertraglichen Fürsorgepflichten gegenüber dem Kläger verletzt; der Unfall sei für ihn nicht vorhersehbar gewesen.

Das Erstgericht wies das Klagebegehren ab. Den Werkbesteller treffe zwar nach § 1169 ABGB eine ähnliche Fürsorgepflicht wie den Dienstgeber, doch komme eine solche hier deshalb nicht in Betracht, weil dem Kläger bei einer einfachen visuellen Kontrolle hätte auffallen müssen, dass es sich um eine typische Haushaltsleiter und nicht um eine Leiter für gewerbliche Zwecke gehandelt habe. Für den Unternehmer unschwer erkennbare Gefahren bildeten die Grenze der Fürsorgepflicht des Bestellers. Der Unternehmer müsse sich vor Beginn seiner Tätigkeit von den Sicherheitsvorkehrungen überzeugen und den Besteller zu Sicherungsmaßnahmen veranlassen. Die mangelnde Eignung einer Tennisschlägersaite als Ersatz für die Sperrbänder hätte dem Kläger auffallen müssen.

Das Berufungsgericht bestätigte dieses Urteil und sprach aus, dass der Wert des Entscheidungsgegenstands zwar 4.000 EUR, nicht jedoch 20.000 EUR übersteige und die ordentliche Revision zulässig sei, weil Rechtsprechung zu einem ähnlich gelagerten Fall über den Umfang der Fürsorgepflicht des Werkbestellers gegenüber dem Werkunternehmer fehle. Die Fürsorgepflicht des Werkbestellers finde dort ihre Grenzen, wo sich fachkundige Unternehmer trotz Warnung in eine offensichtliche Gefahr begäben, statt deren Beseitigung zu verlangen oder ihr sonst aus dem Weg zu gehen. Beim Werkvertrag dürfe der Unternehmer, der aufgrund seiner Sachkenntnis wissen müsse, dass seine Arbeitsstätte gefährlich sei, um deren Sicherheit nicht vollkommen sorglos sein. Er müsse sich vor Beginn der Arbeiten von den Sicherungsvorkehrungen überzeugen und nötigenfalls den Besteller zu den nötigen Maßnahmen veranlassen. Dem Kläger als Fachmann hätte bereits auf den ersten Blick auffallen müssen, dass die - behelfsmäßige - Spreizsicherung der Leiter nur einseitig und nicht zweiseitig gewesen und dass die vom Beklagten vorgenommene Reparatur vollkommen unsachgemäß erfolgt sei. Eine funktionsfähige Spreizsicherung sei ein wesentliches Sicherheitskriterium einer Leiter; würden Vermessungsarbeiten in einer Standhöhe von rund 2,5 m über dem Boden durchgeführt, sei es naheliegend, der Standsicherheit der Leiter eine hohe Bedeutung für die Sicherung der körperlichen Unversehrtheit des Werkunternehmers zuzumessen. Dem Beklagten könne auf Grund der unsachgemäßen Reparatur nur für eigene Zwecke kein objektiv sorgfaltswidriges Verhalten vorgeworfen werden, er habe den Kläger als Fachmann auch nicht warnen müssen. Der Kläger hätte hingegen erkennen müssen, dass wegen der unsachgemäß reparierten Leiter für ihn eine mit dem auszuführenden Werk unmittelbar verbundene Gefahr vorgelegen sei, auf die sich die Fürsorgepflicht des Werkbestellers gerade nicht erstreckt habe. Mangels objektiv sorgfaltswidrigen Verhaltens hafte der Beklagte auch nicht unter dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherungspflicht.

Rechtliche Beurteilung

Die Revision ist unzulässig. Entgegen dem - den OGH nicht bindenden (§ 508a Abs 1 ZPO) - Ausspruch des Berufungsgerichtes hängt die Entscheidung nicht von der Lösung einer erheblichen Rechtsfrage iSd § 502 Abs 1 ZPO ab.

1. Die Regelung des § 1157 ABGB über die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber seinem Arbeitnehmer ist gemäß § 1169 ABGB - mit hier nicht vorliegenden Ausnahmen - auf den Werkvertrag anzuwenden. Dem Arbeitgeber entspricht beim Werkvertrag der Besteller (2 Ob 133/88 = SZ 62/70; 10 Ob 38/00m mwN). Die Fürsorgepflicht betrifft primär den Schutz des Lebens und der Gesundheit des Werkunternehmers und auch seiner Dienstnehmer, deren er sich bei der Werkherstellung bedient (RIS-Justiz RS0021827 [T16]). Ebenso wie den Dienstgeber trifft den Besteller eines Werkes die Pflicht, für die Sicherheit beigestellter Gerätschaften - wozu zweifellos auch eine Leiter gehört - zu sorgen (vgl 2 Ob 60/86). Für den Unternehmer unschwer erkennbare Gefahren bilden allerdings die Grenze der Fürsorgepflicht des Bestellers. Der Unternehmer, der auf Grund seiner Sachkenntnis wissen muss, dass seine Arbeitsstätte gefährlich ist, muss sich vor Beginn seiner Tätigkeit von den Sicherheitsvorkehrungen überzeugen und den Besteller zu gebotenen Sicherungsmaßnahmen veranlassen (6 Ob 30/01g; 6 Ob 242/03m; RIS-Justiz RS0021812). Der Oberste Gerichtshof sprach bereits mehrmals aus, dass die Fürsorgepflicht des Werkbestellers sich nicht darauf erstrecken kann, dass sich der fachkundige Unternehmer in eine offensichtliche Gefahr begibt, anstatt dieselbe zu beheben oder ihre Beseitigung zu veranlassen (vgl RIS-Justiz RS0021808).

2. Das Berufungsgericht ist von den Grundsätzen dieser Rechtsprechung nicht abgewichen. Es steht fest, dass dem Kläger als befugtem Gewerbetreibenden vor dem Besteigen der Haushaltsleiter auffallen hätte müssen, dass sie für den benötigten Zweck ungeeignet war. Er wusste, dass deren „Sperrband" nur „'als eine Art Schnur' ausgebildet war". Die unsachgemäße Reparatur der Leiter (Ersatz der beiden Sperrbänder durch eine Tennisschlägersaite) war daher für den Kläger unschwer erkennbar. Der Beklagte besaß demgegenüber für die ordnungsgemäße Reparatur weder das erforderliche Wissen noch die Ausbildung; er hatte die Reparatur nur für eigene Zwecke durchgeführt. Wenn das Berufungsgericht bei dieser Sachlage die Haftung des Beklagten für die beim Zusammenbruch der Leiter erlittenen Verletzungen des Klägers verneint hat, so hält sich diese Beurteilung im Rahmen des ihm in dieser Frage offenstehenden Ermessensspielraums. Ob der Werkbesteller eine für den Unternehmer unschwer erkennbare Gefahrensituation geschaffen hat, hängt im übrigen genauso von den Umständen des Einzelfalls ab wie die Frage, ob ein sorgfältiger Unternehmer eine vom Besteller geschaffene Gefahrensituation rechtzeitig hätte erkennen können. Soweit der Revisionswerber davon ausgeht, die als Spreizsicherung verwendete Tennisschlägersaite sei leicht zu übersehen gewesen, geht er nicht vom festgestellten Sachverhalt aus.

3. Die Kostenentscheidung beruht auf § 41 Abs 1, § 50 Abs 1 ZPO. Da der Beklagte in seiner Revisionsbeantwortung auf die Unzulässigkeit des Rechtsmittels hingewiesen hat, diente sein Schriftsatz der zweckentsprechenden Rechtsverteidigung.

Schlagworte

Kennung XPUBL Diese Entscheidung wurde veröffentlicht in bbl 2008,46/35 - bbl 2008/35 = ZVR 2008/54 S 128 (Danzl, tabellarische Übersicht) - ZVR 2008,128 (Danzl, tabellarische Übersicht) XPUBLEND

Anmerkung

E85264 4Ob139.07f

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2007:0040OB00139.07F.0904.000

Zuletzt aktualisiert am

26.08.2009

Dokumentnummer

JJT_20070904_OGH0002_0040OB00139_07F0000_000