Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 10ObS12/87 10ObS47/87 1...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0085017

Geschäftszahl

10ObS12/87; 10ObS47/87; 10ObS31/88; 10ObS225/88; 10ObS109/89; 10ObS331/89; 10ObS415/89; 10ObS87/90; 10ObS120/90; 10ObS332/99t; 10ObS33/01b; 10ObS202/01f; 10ObS385/01t; 10ObS390/01b; 10ObS153/02a; 10ObS195/02b; 10ObS34/06g; 10ObS29/08z; 10ObS83/08s; 10ObS72/10a; 10ObS168/13y; 10ObS145/14t; 10ObS43/16w; 10ObS54/16p; 10ObS28/18t; 10ObS47/18m; 10ObS42/18a; 10ObS6/20k

Entscheidungsdatum

16.06.1987

Norm

ASVG §255 Abs3 Ca

Rechtssatz

Die Lage des Wohnortes des Versicherten ist, sofern medizinische Gründe einen Wohnortwechsels oder Pendeln nicht ausschließen, auf die Verweisbarkeit ebenso ohne Einfluss wie mangelnde Kenntnisse der deutschen Sprache.

Entscheidungstexte

  • 10 ObS 12/87
    Entscheidungstext OGH 16.06.1987 10 ObS 12/87
    Veröff: SSV-NF 1/4
  • 10 ObS 47/87
    Entscheidungstext OGH 08.09.1987 10 ObS 47/87
    Auch; Beisatz: Niemand darf sich darauf berufen, dass er nur eine andere Sprache als die deutsche Sprache beherrscht (jedenfalls insoweit er keiner sprachlichen Minderheit im Sinne des Art 8 B-VG angehört). (T1)
    Veröff: SZ 60/168 = JBl 1988,130 = SSV-NF 1/22 = ZAS 1989/3 S 16 (Wachter)
  • 10 ObS 31/88
    Entscheidungstext OGH 23.02.1988 10 ObS 31/88
  • 10 ObS 225/88
    Entscheidungstext OGH 20.09.1988 10 ObS 225/88
  • 10 ObS 109/89
    Entscheidungstext OGH 04.04.1989 10 ObS 109/89
    Veröff: SSV-NF 4/78
  • 10 ObS 331/89
    Entscheidungstext OGH 07.11.1989 10 ObS 331/89
    nur: Die Lage des Wohnortes des Versicherten ist, sofern medizinische Gründe einen Wohnortwechsels oder Pendeln nicht ausschließen, auf die Verweisbarkeit ohne Einfluss. (T2)
  • 10 ObS 415/89
    Entscheidungstext OGH 23.01.1990 10 ObS 415/89
    nur T2
  • 10 ObS 87/90
    Entscheidungstext OGH 13.03.1990 10 ObS 87/90
    nur T2
  • 10 ObS 120/90
    Entscheidungstext OGH 29.05.1990 10 ObS 120/90
  • 10 ObS 332/99t
    Entscheidungstext OGH 11.07.2000 10 ObS 332/99t
    Vgl auch; Veröff: SZ 73/110
  • 10 ObS 33/01b
    Entscheidungstext OGH 06.03.2001 10 ObS 33/01b
    Auch; Beisatz: Persönliche Momente wie der Umstand, dass die Versicherte in ihrem Haushalt für zwei Kinder zu sorgen hat, sind bei der Beurteilung der Invalidität nicht zu berücksichtigen. (T3)
  • 10 ObS 202/01f
    Entscheidungstext OGH 30.07.2001 10 ObS 202/01f
    Auch; nur T2
  • 10 ObS 385/01t
    Entscheidungstext OGH 16.04.2002 10 ObS 385/01t
    Auch; nur T2; Beisatz: Auch eine mit sechs Monaten befristete (Weitergewährung) Gewährung der Invaliditätspension zur Vorbereitung eines Wohnsitzwechsels kommt nicht in Betracht. (T4)
  • 10 ObS 390/01b
    Entscheidungstext OGH 16.04.2002 10 ObS 390/01b
    Vgl auch; Beisatz: Ebenso unzureichende Kenntnis der deutschen Sprache und Analphabetismus. (T5)
  • 10 ObS 153/02a
    Entscheidungstext OGH 28.05.2002 10 ObS 153/02a
    Vgl auch; nur T2
  • 10 ObS 195/02b
    Entscheidungstext OGH 14.01.2003 10 ObS 195/02b
    nur T2
  • 10 ObS 34/06g
    Entscheidungstext OGH 25.04.2006 10 ObS 34/06g
    vgl. auch; Beisatz: Gegen die Rechtsprechung, wonach eine nur unzureichende Kenntnis der deutschen Sprache einer Verweisung des Versicherten auf den österreichischen Arbeitsmarkt nicht entgegensteht, bestehen auch im Hinblick auf Art 1 1. ZPEMRK iVm Art 14 EMRK, die Bestimmungen des GlBG sowie über die Verpflichtung Österreichs aus dem ILO-Übereinkommen (Nr 111) über die Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf (BGBl 1973/111) keine Bedenken. (T6)
  • 10 ObS 29/08z
    Entscheidungstext OGH 10.06.2008 10 ObS 29/08z
    Vgl auch
  • 10 ObS 83/08s
    Entscheidungstext OGH 26.06.2008 10 ObS 83/08s
    Vgl auch
  • 10 ObS 72/10a
    Entscheidungstext OGH 01.06.2010 10 ObS 72/10a
    Auch
  • 10 ObS 168/13y
    Entscheidungstext OGH 19.11.2013 10 ObS 168/13y
    Auch; Beisatz: Von einem Versicherten ist grundsätzlich zu verlangen, dass er ‑ sofern nicht medizinische Gründe dem entgegenstehen ‑ durch entsprechende Wahl seines Wohnorts, allenfalls Wochenpendeln, die Bedingungen für die Erreichung des Arbeitsplatzes herstellt, die für Arbeitnehmer im Allgemeinen gegeben sind. (T7)
    Beisatz: Diese Grundsätze gelten in der Regel auch für die Verweisung auf Teilzeitarbeitsplätze. (T8)
  • 10 ObS 145/14t
    Entscheidungstext OGH 16.12.2014 10 ObS 145/14t
    Auch; Beis wie T7; Beis wie T8
  • 10 ObS 43/16w
    Entscheidungstext OGH 10.05.2016 10 ObS 43/16w
    Auch
  • 10 ObS 54/16p
    Entscheidungstext OGH 07.06.2016 10 ObS 54/16p
    Auch
  • 10 ObS 28/18t
    Entscheidungstext OGH 17.04.2018 10 ObS 28/18t
    Beis wie T8
  • 10 ObS 47/18m
    Entscheidungstext OGH 23.05.2018 10 ObS 47/18m
    Beis wie T7
  • 10 ObS 42/18a
    Entscheidungstext OGH 26.06.2018 10 ObS 42/18a
    Auch; Beisatz: Hier: Rehabilitationsgeld. (T8)
  • 10 ObS 6/20k
    Entscheidungstext OGH 16.04.2020 10 ObS 6/20k
    nur T2

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1987:RS0085017

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

10.07.2020

Dokumentnummer

JJR_19870616_OGH0002_010OBS00012_8700000_003

Rechtssatz für 10ObS47/87 10ObS326/88...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0085034

Geschäftszahl

10ObS47/87; 10ObS326/88; 10ObS397/89; 10ObS46/92; 10ObS112/92; 10ObS244/92; 10ObS47/94; 10ObS2144/96h; 10ObS20/98h; 10ObS48/99b; 10ObS65/99b; 10ObS157/99g; 10ObS120/00w; 10ObS332/99t; 10ObS34/06g; 10ObS25/15x

Entscheidungsdatum

08.09.1987

Norm

ASVG §255 E

Rechtssatz

Beherrscht ein Versicherter zwar eine andere Sprache und Schrift, nicht aber die deutsche Sprache und die Lateinschrift, so ist für die Beurteilung seiner Invalidität nicht entscheidend, ob er fähig ist, die deutsche Sprache und die Lateinschrift zu erlernen.

Entscheidungstexte

  • 10 ObS 47/87
    Entscheidungstext OGH 08.09.1987 10 ObS 47/87
    Veröff: SZ 60/168 = JBl 1988,130 = ZAS 1989/3 S 16 (Wachter) = SSV-NF 1/22
  • 10 ObS 326/88
    Entscheidungstext OGH 06.12.1988 10 ObS 326/88
    Auch; Beisatz: Am österreichischen Arbeitsmarkt sind Kenntnisse der deutschen Sprache und Lateinschrift schon wegen der allgemeinen Schulpflicht selbstverständlich. Auch österreichische Staatsbürger, welche nicht lesen und schreiben können, können sich auf diesen Mangel nur berufen, wenn er auf ein geistiges Gebrechen (und nicht auf mangelnden Schulbesuch) zurückzuführen ist (hier: Analphabet). (T1)
  • 10 ObS 397/89
    Entscheidungstext OGH 19.12.1989 10 ObS 397/89
    Auch
  • 10 ObS 46/92
    Entscheidungstext OGH 10.03.1992 10 ObS 46/92
    Auch; Beis wie T1
  • 10 ObS 112/92
    Entscheidungstext OGH 26.05.1992 10 ObS 112/92
    Auch; Beisatz: Gilt auch für Unfallversicherung. (T2)
  • 10 ObS 244/92
    Entscheidungstext OGH 24.11.1992 10 ObS 244/92
    Auch; Beis wie T1
  • 10 ObS 47/94
    Entscheidungstext OGH 15.02.1994 10 ObS 47/94
  • 10 ObS 2144/96h
    Entscheidungstext OGH 11.06.1996 10 ObS 2144/96h
    Vgl auch; Beisatz: So wie sich niemand zur Begründung seiner Invalidität darauf berufen kann, daß er nur eine andere als die Lateinschrift (in welcher die gemäß Art 8 B-VG in Österreich geltende Staatssprache Deutsch geschrieben und gedruckt wird) schreiben oder lesen kann, muß dies auch grundsätzlich für einen des Lesens und Schreibens gänzlich (auch in seiner Muttersprache) nicht mächtigen Ausländer gelten. (T3)
  • 10 ObS 20/98h
    Entscheidungstext OGH 09.02.1998 10 ObS 20/98h
    Vgl auch
  • 10 ObS 48/99b
    Entscheidungstext OGH 16.03.1999 10 ObS 48/99b
    Vgl auch
  • 10 ObS 65/99b
    Entscheidungstext OGH 30.03.1999 10 ObS 65/99b
    Vgl auch
  • 10 ObS 157/99g
    Entscheidungstext OGH 14.12.1999 10 ObS 157/99g
    Vgl auch
  • 10 ObS 120/00w
    Entscheidungstext OGH 27.06.2000 10 ObS 120/00w
    Vgl auch; Beisatz: Allfällige, mit dem Gesundheitszustand des Versicherten (§§ 255 Abs 1 und 3, 273 Abs 1 ASVG) nicht im Zusammenhang stehende Ursachen einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sind bei Prüfung der Invalidität nicht zu berücksichtigen und engen das Verweisungsfeld nicht ein. (T4)
  • 10 ObS 332/99t
    Entscheidungstext OGH 11.07.2000 10 ObS 332/99t
    Vgl auch; Veröff: SZ 73/110
  • 10 ObS 34/06g
    Entscheidungstext OGH 25.04.2006 10 ObS 34/06g
    Vgl auch; Beisatz: Gegen die Rechtsprechung, wonach eine nur unzureichende Kenntnis der deutschen Sprache einer Verweisung des Versicherten auf den österreichischen Arbeitsmarkt nicht entgegensteht, bestehen auch im Hinblick auf Art 1 1. ZPEMRK iVm Art 14 EMRK, die Bestimmungen des GlBG sowie über die Verpflichtung Österreichs aus dem ILO-Übereinkommen (Nr 111) über die Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf (BGBl 1973/111) keine Bedenken. (T5)
  • 10 ObS 25/15x
    Entscheidungstext OGH 24.03.2015 10 ObS 25/15x
    Vgl auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1987:RS0085034

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

29.05.2015

Dokumentnummer

JJR_19870908_OGH0002_010OBS00047_8700000_001

Rechtssatz für 10ObS47/87 10ObS133/88...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0085050

Geschäftszahl

10ObS47/87; 10ObS133/88; 10ObS326/88; 10ObS327/89; 10ObS397/89; 10ObS299/90; 10ObS32/91; 10ObS46/92; 10ObS148/92; 10ObS50/93; 10ObS218/94; 10ObS68/95; 10ObS201/95; 10ObS2144/96h; 10ObS2079/96z; 10ObS20/98h; 10ObS25/99w; 10ObS48/99b; 10ObS65/99b; 10ObS216/99h; 10ObS157/99g; 10ObS3/00i; 10ObS120/00w; 10ObS332/99t; 10ObS320/00g; 10ObS12/01i; 10ObS390/01b; 10ObS34/06g; 10ObS25/15x; 10ObS29/17p

Entscheidungsdatum

08.09.1987

Norm

ASVG §255 E
ASVG §273
ASVG idF SRÄG 2012 BGBl I 2013/3 §303 Abs2

Rechtssatz

Niemand darf sich darauf berufen, daß er nur eine andere Sprache als die deutsche Sprache beherrscht (jedenfalls insoweit er keiner sprachlichen Minderheit im Sinne des Art 8 B-VG angehört).

Entscheidungstexte

  • 10 ObS 47/87
    Entscheidungstext OGH 08.09.1987 10 ObS 47/87
    Veröff: SZ 60/168 = JBl 1988,130 = SSV-NF 1/22 = ZAS 1989/3 S 16 (Wachter)
  • 10 ObS 133/88
    Entscheidungstext OGH 14.06.1988 10 ObS 133/88
  • 10 ObS 326/88
    Entscheidungstext OGH 06.12.1988 10 ObS 326/88
    Beisatz: Am österreichischen Arbeitsmarkt sind Kenntnisse der deutschen Sprache und Lateinschrift schon wegen der allgemeinen Schulpflicht selbstverständlich. Auch österreichische Staatsbürger, welche nicht lesen und schreiben können, können sich auf diesen Mangel nur berufen, wenn er auf ein geistiges Gebrechen (und nicht auf mangelnden Schulbesuch) zurückzuführen ist (hier: Analphabet). (T1)
  • 10 ObS 327/89
    Entscheidungstext OGH 10.10.1989 10 ObS 327/89
    Auch
  • 10 ObS 397/89
    Entscheidungstext OGH 19.12.1989 10 ObS 397/89
    Auch
  • 10 ObS 299/90
    Entscheidungstext OGH 25.09.1990 10 ObS 299/90
    Vgl; Beis wie T1
  • 10 ObS 32/91
    Entscheidungstext OGH 29.01.1991 10 ObS 32/91
    Beis wie T1
  • 10 ObS 46/92
    Entscheidungstext OGH 10.03.1992 10 ObS 46/92
    nur: Niemand darf sich darauf berufen, daß er nur eine andere Sprache als die deutsche Sprache beherrscht. (T2) Beis wie T1; Beisatz: Mit grundsätzlichen Ausführungen auch unter Berücksichtigungen der deutschen Rechtsprechung und Lehre. (T3)
  • 10 ObS 148/92
    Entscheidungstext OGH 16.06.1992 10 ObS 148/92
    Auch; nur T2
  • 10 ObS 50/93
    Entscheidungstext OGH 18.03.1993 10 ObS 50/93
    nur T2
  • 10 ObS 218/94
    Entscheidungstext OGH 18.10.1994 10 ObS 218/94
    Vgl auch; Veröff: SZ 67/176
  • 10 ObS 68/95
    Entscheidungstext OGH 11.04.1995 10 ObS 68/95
  • 10 ObS 201/95
    Entscheidungstext OGH 31.10.1995 10 ObS 201/95
    Auch; nur T2
  • 10 ObS 2144/96h
    Entscheidungstext OGH 11.06.1996 10 ObS 2144/96h
    Auch; nur T2; Beisatz: So wie sich niemand zur Begründung seiner Invalidität darauf berufen kann, daß er nur eine andere als die Lateinschrift (in welcher die gemäß Art 8 B-VG in Österreich geltende Staatssprache Deutsch geschrieben und gedruckt wird) schreiben oder lesen kann, muß dies auch grundsätzlich für einen des Lesens und Schreibens gänzlich (auch in seiner Muttersprache) nicht mächtigen Ausländer gelten. (T4)
  • 10 ObS 2079/96z
    Entscheidungstext OGH 07.05.1996 10 ObS 2079/96z
    Auch; Beisatz: Hiegegen kann auch nicht die nicht ausreichende Kenntnis der deutschen Sprache gegen die Verweisbarkeit auf einen bestimmten Arbeitsplatz im Inland ins Treffen geführt werden. (T5)
  • 10 ObS 20/98h
    Entscheidungstext OGH 09.02.1998 10 ObS 20/98h
    Vgl auch; Beis wie T5
  • 10 ObS 25/99w
    Entscheidungstext OGH 09.02.1999 10 ObS 25/99w
    Vgl auch; Beis wie T5; Beisatz: Weil allfällige mit dem Gesundheitszustand des Versicherten nicht im Zusammenhang stehende Ursachen einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bei Prüfung der Invalidität nicht berücksichtigt werden können. (T6)
  • 10 ObS 48/99b
    Entscheidungstext OGH 16.03.1999 10 ObS 48/99b
    Auch; Beisatz: Die Unkenntnis der deutschen Sprache kann nicht gegen die Verweisbarkeit auf einen Arbeitsplatz ins Treffen geführt werden. (T7) Beis wie T6
  • 10 ObS 65/99b
    Entscheidungstext OGH 30.03.1999 10 ObS 65/99b
    Auch; Beis wie T7
  • 10 ObS 216/99h
    Entscheidungstext OGH 14.09.1999 10 ObS 216/99h
    Vgl auch
  • 10 ObS 157/99g
    Entscheidungstext OGH 14.12.1999 10 ObS 157/99g
    Auch; Beis wie T6; Beis wie T7
  • 10 ObS 3/00i
    Entscheidungstext OGH 21.03.2000 10 ObS 3/00i
    Auch; Beis wie T6
  • 10 ObS 120/00w
    Entscheidungstext OGH 27.06.2000 10 ObS 120/00w
    Vgl auch; Beis wie T6; Beis wie T7
  • 10 ObS 332/99t
    Entscheidungstext OGH 11.07.2000 10 ObS 332/99t
    Vgl auch; Veröff: SZ 73/110
  • 10 ObS 320/00g
    Entscheidungstext OGH 14.11.2000 10 ObS 320/00g
    Auch; nur T2; Beis wie T7
  • 10 ObS 12/01i
    Entscheidungstext OGH 08.05.2001 10 ObS 12/01i
    Vgl auch; nur T2; Beisatz: Umstände, die mit dem Gesundheitszustand, aber auch mit den berufsspezifischen Kenntnissen und Fähigkeiten nicht im Zusammenhang stehen, können Berufsunfähigkeit nicht begründen. (T8)
  • 10 ObS 390/01b
    Entscheidungstext OGH 16.04.2002 10 ObS 390/01b
    Vgl auch; nur T2; Beis ähnlich wie T8
  • 10 ObS 34/06g
    Entscheidungstext OGH 25.04.2006 10 ObS 34/06g
    Auch; Beisatz: Gegen die Rechtsprechung, wonach eine nur unzureichende Kenntnis der deutschen Sprache einer Verweisung des Versicherten auf den österreichischen Arbeitsmarkt nicht entgegensteht, bestehen auch im Hinblick auf Art 1 1. ZPEMRK iVm Art 14 EMRK, die Bestimmungen des GlBG sowie über die Verpflichtung Österreichs aus dem ILO-Übereinkommen (Nr 111) über die Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf (BGBl 1973/111) keine Bedenken. (T9)
  • 10 ObS 25/15x
    Entscheidungstext OGH 24.03.2015 10 ObS 25/15x
    Vgl auch; Beis ähnlich wie T7
  • 10 ObS 29/17p
    Entscheidungstext OGH 21.03.2017 10 ObS 29/17p
    Auch; Beisatz: Für die Frage der Arbeitsmarktchancen kann eine mangelnde Beherrschung der deutschen Sprache ebenso wenig Berücksichtigung finden, wie ein ebenfalls dem persönlichen Verantwortungsbereich zuzurechnendes Fehlen durchschnittlicher fachlicher Kenntnisse (T10)
    Beisatz: Hier: Zu § 303 Abs 2 ASVG idF SRÄG 2012. (T11)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1987:RS0085050

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

10.05.2017

Dokumentnummer

JJR_19870908_OGH0002_010OBS00047_8700000_002

Entscheidungstext 10ObS34/06g

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

10ObS34/06g

Entscheidungsdatum

25.04.2006

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Schinko als Vorsitzenden, die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Fellinger und Dr. Hoch sowie die fachkundigen Laienrichter Dr. Lukas Stärker (aus dem Kreis der Arbeitgeber) und Peter Scherz (aus dem Kreis der Arbeitnehmer) als weitere Richter in der Sozialrechtssache der klagenden Partei Dusanka G*****, ohne Beschäftigung, ***** vertreten durch Dr. Guido Kollmann, Rechtsanwalt in Wien, gegen die beklagte Partei Pensionsversicherungsanstalt, 1021 Wien, Friedrich Hillegeist-Straße 1, im Revisionsverfahren nicht vertreten, wegen Invaliditätspension, infolge Revision der klagenden Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichtes Wien als Berufungsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 22. Dezember 2005, GZ 10 Rs 102/05a-67, womit infolge Berufung der klagenden Partei das Urteil des Arbeits- und Sozialgerichtes Wien vom 15. März 2005, GZ 7 Cgs 38/95v-62, bestätigt wurde, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

Der Revision wird nicht Folge gegeben.

Die klagende Partei hat die Kosten ihres Rechtsmittels selbst zu tragen.

Text

Entscheidungsgründe:

Die am 18. 7. 1949 im ehemaligen Jugoslawien geborene Klägerin, die keinen Beruf erlernt hat, war nach der unstrittigen Aktenlage ab 1970 in Österreich, von 1982 bis 1991 im ehemaligen Jugoslawien und ab Juni 1991 bis zu ihrem Arbeitsunfall am 5. 12. 1991 wiederum in Österreich als Hilfsarbeiterin beschäftigt. Sie kann seit der Antragstellung noch leichte und mittelschwere Arbeiten in jeder Körperhaltung außer im Dauergehen oder -stehen und in längerem oder häufigem Knien oder Hocken in der normalen Arbeitszeit und mit den üblichen Pausen verrichten. Ausgeschlossen sind Arbeiten im Fabriksmilieu; Arbeiten, bei denen die Arme über die Horizontale gehoben werden müssen sowie Arbeiten mit mehr als halbzeitig überdurchschnittlichem Zeitdruck. Die Klägerin ist nur für Arbeiten mit einfachem psychischen Anforderungsprofil unterweisbar. Mit der rechten Hand können nur einfache Greiffunktionen ausgeführt werden. Mengenleistungstätigkeiten sind nur mit der linken Hand möglich. Die Team- und Kommunikationsfähigkeit ist nur in kleinen Gruppen ausreichend. Aufsichtstätigkeiten sind möglich. Bei Arbeiten im Gehen und Stehen ist nach zwei Stunden eine sitzende Haltung für ca 10 Minuten nötig, in der jedoch weitergearbeitet werden kann. Die Anmarschwege können zurückgelegt werden. Leidensbedingte Krankenstände sind nicht zu erwarten.

Die Klägerin kann aufgrund des beschriebenen Leistungskalküls noch als Portierin tätig sein. Für diese Tätigkeit ist auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt noch eine ausreichende Anzahl von Arbeitsplätzen vorhanden.

Mit Bescheid vom 21. 12. 1994 lehnte die beklagte Pensionsversicherungsanstalt den Antrag der Klägerin vom 2. 5. 1994 auf Gewährung der Invaliditätspension mit der Begründung ab, dass die Wartezeit nicht erfüllt sei und Invalidität nicht vorliege. Das Erstgericht wies das dagegen von der Klägerin rechtzeitig erhobene Klagebegehren auf Gewährung der Invaliditätspension ab 1. 6. 1994 ab. Es stellte über den bereits eingangs wiedergegebenen Sachverhalt hinaus noch fest, dass die Klägerin in Österreich und in ihrem Heimatstaat Jugoslawien insgesamt mehr als 180 Beitragsmonate der Pflichtversicherung erworben hat, sodass die Wartezeit für die von der Klägerin begehrte Leistung erfüllt sei. Die Klägerin sei jedoch nicht invalide im Sinn des § 255 Abs 3 ASVG, weil sie noch die Verweisungstätigkeit einer Portierin auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt verrichten könne.

Das Berufungsgericht gab der Berufung der Klägerin keine Folge. Die Klägerin machte in ihrer Berufung unter anderem geltend, das erstinstanzliche Verfahren sei durch ihre unterlassene Einvernahme als Partei mangelhaft geblieben. Dadurch hätte nämlich festgestellt werden können, dass sie die deutsche Sprache nicht beherrsche und daher die Verweisungstätigkeit einer Portierin nicht ausüben könne. Das Berufungsgericht hielt dem entgegen, dass nach ständiger Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes die mangelhafte Kenntnis der deutschen Sprache nicht gegen die Verweisbarkeit auf einen Arbeitsplatz ins Treffen geführt werden könne und daher eine Invalidität der Klägerin nicht zu begründen vermöge. Es sei somit in der Unterlassung der Parteienvernehmung der Klägerin zu ihren Deutschkenntnissen keine Mangelhaftigkeit des Verfahrens zu erblicken. Die von der Klägerin begehrte Feststellung ihrer mangelnden Deutschkenntnisse sei für die rechtliche Beurteilung des Falles ebenfalls nicht erforderlich. Da die Klägerin noch den Verweisungsberuf einer Portierin verrichten könnte, sei sie nicht invalide im Sinn des § 255 Abs 3 ASVG.

Das Berufungsgericht erklärte die ordentliche Revision für nicht zulässig, weil eine Rechtsfrage von erheblicher Bedeutung im Sinn des § 502 Abs 1 ZPO nicht vorliege.

Gegen dieses Urteil richtet sich die außerordentliche Revision der Klägerin wegen unrichtiger rechtlicher Beurteilung mit dem Antrag, die angefochtene Entscheidung im Sinne einer Stattgebung des Klagebegehrens abzuändern. Hilfsweise wird ein Aufhebungsantrag gestellt.

Die beklagte Partei hat sich trotz der ihr eingeräumten Möglichkeit, eine Revisionsbeantwortung zu erstatten, am Revisionsverfahren nicht beteiligt.

Rechtliche Beurteilung

Die Klägerin macht in ihren Revisionsausführungen geltend, die Ausübung des Verweisungsberufes einer Portierin sei ihr aufgrund der mangelnden Kenntnis der deutschen Sprache nicht möglich. Durch die auf die ständige Rechtsprechung gegründete Auffassung des Berufungsgerichtes, die Unkenntnis der deutschen Sprache könne nicht gegen die Verweisbarkeit auf einen bestimmten Arbeitsplatz ins Treffen geführt werden, werde die Klägerin in ihren verfassungsrechtlich gewährleisteten Rechten auf Achtung des Eigentums (Art 1 1. ZPEMRK) in Verbindung mit dem Diskriminierungsverbot des Art 14 EMRK verletzt. Die Verweisung der Klägerin auf den Beruf einer Portierin, den sie aufgrund ihrer mangelnden Sprachkenntnisse in der Praxis nicht ausüben könne, stelle darüber hinaus eine unzulässige mittelbare Diskriminierung im Sinn des § 13a Abs 2 des Bundes-Gleichbehandlungsgesetzes dar. Schließlich verletze die Republik Österreich durch diese Entscheidungspraxis ihre Verpflichtung aus dem ILO-Übereinkommen 111 über die Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf. Das Berufungsgericht hätte daher zu dem Ergebnis gelangen müssen, dass die Klägerin sowohl aufgrund ihrer nationalen Abstammung und der damit verbundenen mangelnden Kenntnis der deutschen Sprache als auch aufgrund ihrer körperlichen Beeinträchtigung an der Teilnahme am Arbeitsmarkt ausgeschlossen und damit invalide sei.

Die Revision ist zulässig, weil der Oberste Gerichtshof zu diesen von der Revisionswerberin vorgetragenen Argumenten bisher noch nicht Stellung genommen hat. Sie ist aber nicht berechtigt. Es entspricht der seit SSV-NF 1/4 ständigen Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes, dass die Unkenntnis der deutschen Sprache nicht gegen die Verweisbarkeit auf einen bestimmten Arbeitsplatz ins Treffen geführt werden könne, weil es andernfalls zu einer sachlich nicht gerechtfertigten Differenzierung zwischen Ausländern und Inländern käme, da diese auf alle Arbeiten verwiesen werden könnten, während bei Ausländern, bedingt durch mangelnde Sprachkenntnis, das Verweisungsfeld enger gezogen wäre. In der Entscheidung SSV-NF 1/22 (= ZAS 1989/3, 16 [Wachter]) wurde darauf hingewiesen, dass diese Auffassung auch im Art 8 B-VG eine Stütze finde, wonach die deutsche Sprache, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten bundesgesetzlich eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik ist. Daraus sei für die Auslegung vom Gesetz abzuleiten, dass sich, wenn nicht in dem Gesetz etwas anderes bestimmt werde oder sich aus dem Zweck der Regelung etwas anderes ergebe, niemand darauf berufen dürfe, dass er nur eine andere Sprache als die deutsche Sprache beherrsche. Ein Versicherter, der Versicherungszeiten in der österreichischen Pensionsversicherung erwerbe, müsse damit rechnen, dass er bei der Beurteilung der Frage seiner Invalidität auf den Arbeitsmarkt in Österreich verwiesen werde, auf dem aber Kenntnisse der deutschen Sprache und der Lateinschrift überwiegend selbstverständlich seien. Der Hinweis darauf, dass es auch österreichische Staatsbürger gebe, welche nicht lesen und schreiben können, wurde als unerheblich abgetan, weil auch sie sich nicht darauf berufen könnten, wenn dieser Mangel nicht auf ein geistiges Gebrechen, sondern nur auf mangelnden Schulbesuch zurückzuführen sei (10 ObS 326/88 ua).

In der Entscheidung 10 ObS 46/92 (= SSV-NF 6/26) wurde im Anschluss an die Ausführungen von Wachter in seiner Entscheidungsbesprechung (ZAS 1989, 17 ff) als weiteres Argument für die Richtigkeit der dargestellten ständigen Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes darauf hingewiesen, dass beim Versicherungsfall der geminderten Arbeitsfähigkeit das Risiko einer körperlich oder geistig bedingten Leistungsminderung ausgeglichen werde. Allfällige mit dem Gesundheitszustand nicht im Zusammenhang stehende Ursachen einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit, wie beispielsweise die Unkenntnis der deutschen Sprache und der Lateinschrift, seien demnach bei Prüfung der Invalidität nicht zu berücksichtigen. In diesem Sinne sprach der Senat beispielsweise ebenfalls aus, dass etwa der allfällige Ausschluss eines Versicherten vom Arbeitsmarkt durch einen Führerscheinentzug oder eine fehlende Beschäftigungsbewilligung (SSV-NF 6/28) oder durch eine Vorstrafe (SSV-NF 8/102) kein Risiko darstelle, für das die Pensionsversicherung aufzukommen hätte. In der Entscheidung SSV-NF 6/26 wurde weiters darauf hingewiesen, dass bei damals vergleichbarer Rechtslage auch nach der Rechtsprechung des deutschen Bundessozialgerichtes Ausländer, die die bisher ausgeübte Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr verrichten können, auf Tätigkeiten verwiesen werden dürfen, für die sie die erforderlichen Kenntnisse der deutschen Sprache nicht besitzen. An dem Grundsatz, dass die Unkenntnis der deutschen Sprache nicht gegen die Verweisbarkeit auf einen bestimmten Arbeitsplatz im Sinne des § 255 ASVG ins Treffen geführt werden kann, wurde auch in der Folge in ständiger Rechtsprechung festgehalten (vgl dazu die Judikaturnachweise in RIS-Justiz RS0085050, RS0085034, RS0085017). An dieser Auffassung ist auch unter Berücksichtigung der von der Klägerin in ihrer Revision dagegen vorgetragenen Argumente weiterhin festzuhalten.

Es trifft zu, dass nach der Rechtsprechung des EGMR und auch nach der jüngeren Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes jene Ansprüche öffentlich-rechtlichen Charakters, die - wie im vorliegenden Fall die Invaliditätspension - auf eigenen (Beitrags-)Leistungen des Anspruchsberechtigten beruhen, als vermögenswertes Recht im Sinn des Art 1 1. ZPEMRK zu qualifizieren sind und daher in den Schutzbereich der Eigentumsgarantie fallen. Das Diskriminierungsverbot des Art 14 EMRK findet somit auch im vorliegenden Fall Anwendung (EGMR 16. 9. 1996, Gaygusuz/A, ÖJZ 1996, 955; 30. 9. 2003, Koua Poirrez/F ÖIM-Newsletter 2003, 257 ua; VfSlg 15.129 ua). Nach Art 14 EMRK ist der Genuss der in der vorliegenden Konvention festgelegten Rechte und Freiheiten ohne eine insbesondere im Geschlecht, in der Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion, in den politischen oder sonstigen Anschauungen, in nationaler oder sozialer Herkunft, in der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, im Vermögen, in der Geburt oder im sonstigen Status begründete Benachteiligung zu gewährleisten. Nach der ständigen Rechtsprechung des EGMR ist eine unterschiedliche Behandlung dann diskriminierend im Sinn des Art 14 EMRK, wenn sie keine „sachliche und vernünftige Rechtfertigung" hat, das heißt, wenn sie nicht ein legitimes Ziel verfolgt oder wenn kein vernünftiges Verhältnis zwischen den eingesetzten Mitteln und dem verfolgten Ziel besteht. Im Übrigen genießen die Vertragsstaaten einen gewissen Ermessensspielraum bei der Beurteilung, ob und in welchem Ausmaß Unterschiede in ansonsten ähnlichen Situationen eine unterschiedliche Behandlung rechtfertigen (EGMR 16. 9. 1996, Gaygusuz/A, ÖJZ 1996, 955 ua). Auch eine Gleichbehandlung von Ungleichem kann Art 14 EMRK verletzen (EGMR 6. 4. 2000, Thlimmenos, ÖJZ 2001, 518).

Die Klägerin erachtet sich nach Art 14 EMRK iVm Art 1 1. ZPEMRK dadurch beschwert, dass ihr die Ausübung des von den Vorinstanzen genannten Verweisungsberufes aufgrund der Unkenntnis der deutschen Sprache nicht möglich sei. Dieser Ansicht ist zunächst entgegenzuhalten, dass, wie bereits dargelegt, beim Versicherungsfall der geminderten Arbeitsfähigkeit (aus diesem Versicherungsfall ist gemäß § 222 Abs 1 Z 2 lit a ASVG bei Invalidität die Invaliditätspension aus der Pensionsversicherung der Arbeiter zu gewähren) ganz allgemein nur das Risiko einer körperlich oder geistig bedingten Leistungsminderung ausgeglichen wird und allfällige mit dem Gesundheitszustand nicht im Zusammenhang stehende Ursachen einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit, wie beispielsweise die mangelnde Kenntnis der deutschen Sprache, bei Prüfung der Invalidität nicht zu berücksichtigen sind, da sie nicht im Risikobereich der Pensionsversicherung liegen. Es liegt insoweit auch keine unterschiedliche Behandlung der Klägerin im Vergleich mit österreichischen Staatsbürgern vor, weil auch sie sich nicht auf unzureichende Kenntnisse der deutschen Sprache berufen können, wenn dieser Mangel nicht auf ein geistiges Gebrechen zurückzuführen ist. Soweit die Klägerin allenfalls meint, ihre Gleichbehandlung mit österreichischen Anspruchsberechtigten, deren Muttersprache deutsch ist, verletze Art 14 EMRK, ist darauf hinzuweisen, dass es nicht unangemessen oder willkürlich scheint, fehlende Sprachkenntnisse bei der Prüfung der Invalidität nicht zu berücksichtigen. Der Wunsch der Klägerin, bei Beurteilung der Invalidität auch an die mangelhaften Sprachkenntnisse der Versicherten anzuknüpfen, wäre somit eine Überschreitung des bisher durch die Sozialversicherung abgedeckten Risikobereiches. Es ist aber dem Gesetzgeber durch Art 14 EMRK keineswegs verwehrt, Voraussetzungen für den Erwerb oder den Umfang der Leistungsansprüche zu normieren und dabei nach sachlichen Kriterien zu differenzieren (VfSlg 15.129). Die Entscheidung des Gesetzgebers, beim Versicherungsfall der geminderten Arbeitsfähigkeit nur das Risiko einer körperlich oder geistig bedingten Leistungsminderung auszugleichen, erscheint aber jedenfalls sachlich gerechtfertigt. Es liegt daher entgegen der Ansicht der Klägerin eine verbotene Diskriminierung nach Art 14 EMRK nicht vor. Soweit die Klägerin weiters geltend macht, ihre Verweisung auf den Beruf „Portier" stelle auch eine unzulässige mittelbare Diskriminierung im Sinn des § 13a Abs 2 des Bundes-Gleichbehandlungsgesetzes dar, ist zunächst grundsätzlich darauf hinzuweisen, dass mit dem am 1. 7. 2004 in Kraft getretenen (neuen) Gleichbehandlungsgesetz, BGBl I 2004/66, ein umfassendes Antidiskriminierungsrecht geschaffen wurde. Während die Bestimmungen der ersten beiden Teile dieses Gesetzes die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt (§§ 1 bis 15) sowie die Gleichbehandlung in der Arbeitswelt ohne Unterschied der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion oder Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung (§§ 16 bis 29) regeln, regelt der III. Teil die Gleichbehandlung ohne Unterschied der ethnischen Zugehörigkeit in den sonstigen Bereichen (§§ 30 bis 40). Nach § 30 Z 1 GlBG gelten die Bestimmungen dieses Abschnittes für Rechtsverhältnisse einschließlich deren Anbahnung und Begründung und für die Inanspruchnahme oder Geltendmachung von Leistungen außerhalb eines Rechtsverhältnisses unter anderem beim Sozialschutz, einschließlich der sozialen Sicherheit und der Gesundheitsdienste, sofern dies in die unmittelbare Regelungskompetenz des Bundes fällt. Sofern es um Diskriminierung wegen ethnischer Zugehörigkeit geht, reicht der diesbezügliche Diskriminierungsbereich somit weit über die Arbeitswelt hinaus. Er erfasst insbesondere auch die Sozialversicherungs- und Sozialschutzsysteme. Auch wenn die Mitgliedsstaaten für die Ausgestaltung der sozialen Sicherungssysteme und die Gewährung eines angemessenen Schutzes zuständig sind, wird doch verlangt, dafür Sorge zu tragen, dass es dabei zu keiner Diskriminierung aufgrund der Rasse oder der ethnischen Herkunft kommt (vgl EB zur RV 307 BlgNR XXII. GP 21). Es darf daher gemäß § 31 Abs 1 Z 1 GlBG beim Sozialschutz, einschließlich der sozialen Sicherheit und der Gesundheitsdienste niemand aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit unmittelbar oder mittelbar diskriminiert werden. Eine mittelbare Diskriminierung liegt nach § 32 Abs 2 GlBG vor, wenn dem Anschein nach neutrale Vorschriften, Kriterien oder Verfahren Personen, die einer ethnischen Gruppe angehören, in besonderer Weise benachteiligen können, es sei denn, die betreffenden Vorschriften, Kriterien oder Verfahren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sachlich gerechtfertigt, und die Mittel sind zur Erreichung dieses Zieles angemessen und erforderlich.

Wie die Gesetzesmaterialien (EB zur RV 307 BlgNR XXII. GP 14) zum Diskriminierungsbereich der „ethnischen Zugehörigkeit" ausführen, sind Adressaten der Diskriminierung Personen, die als fremd wahrgenommen werden, weil sie aufgrund bestimmter Unterschiede von der regionalen Mehrheit als nicht zugehörig angesehen werden. Die Diskriminierung nach der ethnischen Zugehörigkeit knüpfe an Unterschiede an, die aufgrund von Abstammungs- oder Zugehörigkeitsmythen als natürlich angesehen werden und die die betroffenen Personen nicht ändern können. Häufige Erscheinungsformen seien Diskriminierung wegen der Hautfarbe und anderer äußerer Merkmale sowie wegen einer als fremd angesehenen Muttersprache. Auch bei Ethnien handle es sich um „imaginierte Gemeinschaften", die durch Bekenntnis oder Fremdzuschreibung entstehen können und sich nicht allein auf biologische oder sonstige tatsächliche Unterscheidungen stützen können. Die ethnische Zugehörigkeit beziehe sich auf Gemeinsamkeiten von Menschen, die sich aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, Religion, Sprache, Kultur oder Sitten ergebe (RV 307 aaO 14).

Selbst wenn man daher im Sinne dieser Ausführungen das Gleichbehandlungsgebot des § 31 Z 1 GlBG auf die Klägerin anwendet, würde eine von ihr angesprochene mittelbare Diskriminierung im Sinn des § 13a Abs 2 des Bundes-Gleichbehandlungsgesetzes bzw der vergleichbaren Bestimmung des § 32 Abs 2 GlBG aus den bereits oben zum Diskriminierungsverbot des Art 14 EMRK dargelegten Gründen sachlich gerechtfertigt sein, weshalb auch eine unzulässige mittelbare Diskriminierung nach ethnischer Zugehörigkeit im Sinne dieser beiden Gesetzesstellen nicht vorliegt.

Zum weiteren Vorwurf der Klägerin, die Republik Österreich verletze durch ihre Entscheidungspraxis ihre Verpflichtung aus dem ILO-Übereinkommen (Nr 111) über die Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf (BGBl 1973/111), ist zu bemerken, dass dieses Übereinkommen wegen des vom Nationalrat gemäß Art 50 Abs 2 B-VG beschlossenen Erfüllungsvorbehaltes keine innerstaatlichen Rechtswirkungen hat, sodass die Klägerin aus diesem Übereinkommen keine unmittelbaren Ansprüche geltend machen kann (Tomandl in Tomandl SV-System 13. ErgLfg 11 f; SSV-NF 6/77 und andere).

Aus den dargelegten Ausführungen ergibt sich, dass im Sinne der bisherigen Judikatur auch weiterhin eine nur unzureichende Kenntnis der deutschen Sprache einer Verweisung der Klägerin auf die Tätigkeit einer Portierin nicht entgegensteht. Es kommt auch nicht darauf an, ob die Klägerin einen konkreten freien Arbeitsplatz auf dem Arbeitsmarkt finden kann, weil dies allenfalls einen Anspruch auf eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung auslösen, aber den Versicherungsfall der geminderten Arbeitsfähigkeit nicht herstellen kann (SSV-NF 1/68 ua). Da die Klägerin nach den Feststellungen der Vorinstanzen auch körperlich in der Lage ist, die an den Verweisungsberuf einer Portierin gestellten Anforderungen zu erfüllen, haben die Vorinstanzen zu Recht das Vorliegen der Voraussetzungen für die von der Klägerin begehrte Invaliditätspension verneint.

Die Kostenentscheidung gründet sich auf § 77 Abs 1 Z 2 lit b ASGG. Berücksichtigungswürdige Einkommens- und Vermögensverhältnisse, welche einen ausnahmsweisen Kostenzuspruch nach Billigkeit rechtfertigen könnten, wurden von der Klägerin nicht geltend gemacht und sind aus der Aktenlage nicht ersichtlich.

Schlagworte

Kennung XPUBL - XBEITR Diese Entscheidung wurde veröffentlicht in ARD 5704/7/06 = ZAS-Judikatur 2006/141 = Potz, RdW 2006/603 S 643 - Potz, RdW 2006,643 = DRdA 2006,400 = SSV-NF 20/21 XPUBLEND

Anmerkung

E80884 10ObS34.06g

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2006:010OBS00034.06G.0425.000

Dokumentnummer

JJT_20060425_OGH0002_010OBS00034_06G0000_000