Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 6Ob594/78 4Ob523/78 7Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0017758

Geschäftszahl

6Ob594/78; 4Ob523/78; 7Ob700/80; 4Ob569/81; 8Ob565/83; 6Ob643/85; 1Ob537/86; 14Ob105/86; 8Ob609/86; 4Ob362/85; 3Ob502/87; 1Ob572/88; 6Ob736/88; 1Ob573/90; 1Ob682/89 (1Ob683/89); 6Ob6/90; 8Ob627/89; 7Ob613/90; 7Ob1657/92; 1Ob573/93; 3Ob502/94; 3Ob513/94; 1Ob533/95; 8ObA269/94; 10Ob515/95; 4Ob2094/96m; 4Ob595/95; 7Ob2253/96s; 4Ob2195/96i; 3Ob534/95; 7Ob2044/96f; 2Ob2133/96g; 8ObA380/97h; 4Ob303/00p; 4Ob73/03v; 9ObA65/04f; 3Ob234/04i; 10Ob23/04m; 9Ob62/04i; 7Ob222/04h; 3Ob249/04w; 2Ob98/03f; 6Ob157/05i; 6Ob172/05w; 1Ob143/06w; 8Ob163/06p; 4Ob151/07w; 9ObA40/07h; 4Ob248/07k; 2Ob12/08s; 6Ob279/07h; 2Ob48/08k; 4Ob28/09k; 9ObA121/08x; 1Ob233/09k; 6Ob220/09k; 4Ob199/10h; 7Ob141/11b; 4Ob137/11t; 4Ob105/12p; 6Ob191/12z; 2Ob92/11k; 4Ob197/13v; 3Ob122/14h; 3Ob94/15t; 8Ob121/15z; 5Ob166/15w; 8ObA95/15a; 9ObA28/16g; 6Ob58/16x; 4Ob142/17m; 2Ob102/18s; 8ObA44/19g

Entscheidungsdatum

18.05.1978

Norm

ABGB §914 I

Rechtssatz

Treten nach Abschluss des Geschäftes Konfliktsfälle auf, die von den Parteien nicht bedacht und daher auch nicht ausdrücklich geregelt wurden, dann ist unter Berücksichtigung der übrigen Vertragsbestimmungen und des von den Parteien verfolgten Zwecks zu fragen, welche Lösung redliche und vernünftige Parteien vereinbart hätten.

Entscheidungstexte

  • 6 Ob 594/78
    Entscheidungstext OGH 18.05.1978 6 Ob 594/78
  • 4 Ob 523/78
    Entscheidungstext OGH 13.06.1978 4 Ob 523/78
  • 7 Ob 700/80
    Entscheidungstext OGH 29.01.1981 7 Ob 700/80
    Auch
  • 4 Ob 569/81
    Entscheidungstext OGH 15.12.1981 4 Ob 569/81
    Auch
  • 8 Ob 565/83
    Entscheidungstext OGH 08.11.1984 8 Ob 565/83
  • 6 Ob 643/85
    Entscheidungstext OGH 17.10.1985 6 Ob 643/85
    Auch
  • 1 Ob 537/86
    Entscheidungstext OGH 28.05.1986 1 Ob 537/86
    Veröff: JBl 1986,721
  • 14 Ob 105/86
    Entscheidungstext OGH 01.07.1986 14 Ob 105/86
    Auch; Beisatz: Hier: Arbeitsvertrag - Entgelt (T1)
  • 8 Ob 609/86
    Entscheidungstext OGH 23.10.1986 8 Ob 609/86
    Auch
  • 4 Ob 362/85
    Entscheidungstext OGH 16.06.1987 4 Ob 362/85
    Beisatz: Hier: Ergänzung des Architektenhonorars. (T2)
    Veröff: WBl 1987,240 (Scolik)
  • 3 Ob 502/87
    Entscheidungstext OGH 07.10.1987 3 Ob 502/87
    Auch
  • 1 Ob 572/88
    Entscheidungstext OGH 15.06.1988 1 Ob 572/88
  • 6 Ob 736/88
    Entscheidungstext OGH 23.02.1989 6 Ob 736/88
    Veröff: MietSlg XLI/10
  • 1 Ob 682/89
    Entscheidungstext OGH 13.12.1989 1 Ob 682/89
    Auch; Veröff: WBl 1990,149
  • 1 Ob 573/90
    Entscheidungstext OGH 21.05.1990 1 Ob 573/90
  • 6 Ob 6/90
    Entscheidungstext OGH 26.04.1990 6 Ob 6/90
  • 8 Ob 627/89
    Entscheidungstext OGH 30.10.1990 8 Ob 627/89
    Auch
  • 7 Ob 613/90
    Entscheidungstext OGH 11.10.1990 7 Ob 613/90
  • 7 Ob 1657/92
    Entscheidungstext OGH 26.11.1992 7 Ob 1657/92
    Auch
  • 1 Ob 573/93
    Entscheidungstext OGH 22.06.1993 1 Ob 573/93
    Auch
  • 3 Ob 502/94
    Entscheidungstext OGH 15.12.1993 3 Ob 502/94
    Auch
  • 3 Ob 513/94
    Entscheidungstext OGH 25.05.1994 3 Ob 513/94
    Auch; Veröff: ImmZ 1994,487
  • 1 Ob 533/95
    Entscheidungstext OGH 27.02.1995 1 Ob 533/95
  • 8 ObA 269/94
    Entscheidungstext OGH 27.04.1995 8 ObA 269/94
    Auch
  • 10 Ob 515/95
    Entscheidungstext OGH 20.06.1995 10 Ob 515/95
    Auch
  • 4 Ob 2094/96m
    Entscheidungstext OGH 14.05.1996 4 Ob 2094/96m
    Auch; Beisatz: Haben die Vertragschließenden den eingetretenen Problemfall nicht geregelt, so ist der Vertrag ergänzend auszulegen. Dafür kommen vor allem der hypothetische Parteiwille, die Übung des redlichen Verkehrs sowie Treu und Glauben in Frage. (T3)
  • 4 Ob 595/95
    Entscheidungstext OGH 25.06.1996 4 Ob 595/95
    Auch; Beis wie T3
  • 7 Ob 2253/96s
    Entscheidungstext OGH 04.12.1996 7 Ob 2253/96s
    Auch; Beis wie T3; Beisatz: Die Frage, was die Parteien gewollt hätten, hätten sie für sie unvorhersehbare Entwicklungen bedacht, kann sich aus der Natur und dem Zweck des Vertrages, aus Vorverhandlungen oder anderen "Umständen des Geschäftes" beantworten. (T4)
  • 4 Ob 2195/96i
    Entscheidungstext OGH 12.08.1996 4 Ob 2195/96i
    Auch; Veröff: SZ 69/178
  • 3 Ob 534/95
    Entscheidungstext OGH 10.05.1995 3 Ob 534/95
  • 7 Ob 2044/96f
    Entscheidungstext OGH 12.02.1997 7 Ob 2044/96f
    Beis wie T3
  • 2 Ob 2133/96g
    Entscheidungstext OGH 10.07.1997 2 Ob 2133/96g
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Erbteilungsübereinkommen. (T5)
  • 8 ObA 380/97h
    Entscheidungstext OGH 22.12.1997 8 ObA 380/97h
    Auch; Beisatz: Unbefristete unentgeltliche Überlassung eines vom nunmehr entlassenen Arbeitnehmer entwickelten und ausschließlich von ihm bedienbaren wichtigen Computerprogramms ohne entsprechende Regelung der Auflösung des Vertragsverhältnisses. (T6)
  • 4 Ob 303/00p
    Entscheidungstext OGH 28.11.2000 4 Ob 303/00p
    Vgl auch; Beis wie T3 nur: Haben die Vertragschließenden den eingetretenen Problemfall nicht geregelt, so ist der Vertrag ergänzend auszulegen. (T7)
  • 4 Ob 73/03v
    Entscheidungstext OGH 24.06.2003 4 Ob 73/03v
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Die Suche nach einer angemessenen Regelung hat sich daran zu orientieren, was redliche und vernünftige Parteien bei angemessener Berücksichtigung der Interessen beider Teile vereinbart hätten, wenn sie sich bei Vertragsschluss der Ungültigkeit der von ihnen gewollten Zinsanpassungsklausel bewusst gewesen wären. (T8)
    Veröff: SZ 2003/73
  • 9 ObA 65/04f
    Entscheidungstext OGH 26.05.2004 9 ObA 65/04f
  • 3 Ob 234/04i
    Entscheidungstext OGH 26.01.2005 3 Ob 234/04i
    Vgl auch; Beis wie T7; Beis wie T8; Beisatz: Als Behelf ergänzender Auslegung kommt zunächst die Frage nach dem hypothetischen Parteiwillen in Betracht. (T9)
    Veröff: SZ 2005/10
  • 10 Ob 23/04m
    Entscheidungstext OGH 22.03.2005 10 Ob 23/04m
    Vgl auch; Beis wie T8; Veröff: SZ 2005/46
  • 9 Ob 62/04i
    Entscheidungstext OGH 06.04.2005 9 Ob 62/04i
    Vgl auch; Beis wie T8; Beis wie T9; Beisatz: Es muss die subjektive Äquivalenz zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses gewahrt bleiben. (T10)
  • 7 Ob 222/04h
    Entscheidungstext OGH 20.04.2005 7 Ob 222/04h
    Auch; Beis wie T10
  • 3 Ob 249/04w
    Entscheidungstext OGH 27.07.2005 3 Ob 249/04w
    Auch; Beis wie T3
  • 2 Ob 98/03f
    Entscheidungstext OGH 11.08.2005 2 Ob 98/03f
    Vgl auch; Beis wie T10
  • 6 Ob 157/05i
    Entscheidungstext OGH 25.08.2005 6 Ob 157/05i
    Vgl auch; Beisatz: Ungeachtet der Unredlichkeit aller Beteiligten bei der Steuerhinterziehung kommt es auf die fiktive Absicht redlicher Parteien an, was sie für den nicht vorbedachten Fall vereinbart hätten. (T11)
  • 6 Ob 172/05w
    Entscheidungstext OGH 16.02.2006 6 Ob 172/05w
    Beis ähnlich wie T8
  • 1 Ob 143/06w
    Entscheidungstext OGH 19.12.2006 1 Ob 143/06w
    Beisatz: Hier haben sich die Parteien - offensichtlich in der irrigen Annahme deren Weitergeltung - den AAB („Allgemeinen Auftragsbedingungen für Wirtschaftstreuhänder") unterworfen. Es ist daher davon auszugehen, dass die Parteien auch in Kenntnis des „Außerkrafttretens" der AAB deren (jeweiligen) Inhalt zum Inhalt des Auftragsverhältnisses machen wollten. Die AAB sind daher „kraft Vereinbarung" auf das Vertragsverhältnis anwendbar. (T12)
  • 8 Ob 163/06p
    Entscheidungstext OGH 18.04.2007 8 Ob 163/06p
    Auch
  • 4 Ob 151/07w
    Entscheidungstext OGH 02.10.2007 4 Ob 151/07w
    Auch
  • 9 ObA 40/07h
    Entscheidungstext OGH 07.02.2008 9 ObA 40/07h
    Auch; Beis ähnlich wie T8; Beis wie T9
  • 4 Ob 248/07k
    Entscheidungstext OGH 11.03.2008 4 Ob 248/07k
    Auch
  • 2 Ob 12/08s
    Entscheidungstext OGH 26.06.2008 2 Ob 12/08s
  • 6 Ob 279/07h
    Entscheidungstext OGH 06.11.2008 6 Ob 279/07h
    Vgl
  • 2 Ob 48/08k
    Entscheidungstext OGH 19.02.2009 2 Ob 48/08k
  • 4 Ob 28/09k
    Entscheidungstext OGH 21.04.2009 4 Ob 28/09k
    Veröff: SZ 2009/48
  • 9 ObA 121/08x
    Entscheidungstext OGH 30.09.2009 9 ObA 121/08x
  • 1 Ob 233/09k
    Entscheidungstext OGH 29.01.2010 1 Ob 233/09k
    Auch
  • 6 Ob 220/09k
    Entscheidungstext OGH 19.05.2010 6 Ob 220/09k
    Auch; Beisatz: Hier: Der VIBOR (Vorgänger des Euribor) wird in ständiger Rechtsprechung zur Vertragsauslegung qua hypothetischem Parteiwillen herangezogen. (T13)
  • 4 Ob 199/10h
    Entscheidungstext OGH 15.12.2010 4 Ob 199/10h
    Auch; Beisatz: Zweck einer vertraglichen Dokumentationspflicht. (T14)
    Veröff: SZ 2010/157
  • 7 Ob 141/11b
    Entscheidungstext OGH 30.11.2011 7 Ob 141/11b
  • 4 Ob 137/11t
    Entscheidungstext OGH 20.12.2011 4 Ob 137/11t
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Schadenersatzforderung des Werkbestellers gegen den Werkunternehmer wegen einer Mietzinsminderung durch den Mieter aufgrund einer behaupteten Mangelhaftigkeit des Werks/Mietgegenstands. (T15)
  • 4 Ob 105/12p
    Entscheidungstext OGH 10.07.2012 4 Ob 105/12p
  • 6 Ob 191/12z
    Entscheidungstext OGH 15.10.2012 6 Ob 191/12z
    Vgl; Beis ähnlich wie T12
  • 2 Ob 92/11k
    Entscheidungstext OGH 30.08.2012 2 Ob 92/11k
    Veröff: SZ 2012/81
  • 4 Ob 197/13v
    Entscheidungstext OGH 17.02.2014 4 Ob 197/13v
    Beisatz: Hier: Ergänzende Auslegung eines Schiedsrichtervertrags hinsichtlich des Vergütungsanspruchs bei vorzeitiger Vertragsbeendigung. (T16)
  • 3 Ob 122/14h
    Entscheidungstext OGH 18.02.2015 3 Ob 122/14h
    Auch; Beisatz: Darauf, ob den Parteien das Eintreten des Konflikts vorhersehbar war, kommt es für die Bejahung der ergänzenden Vertragsauslegung nicht an. (T17)
    Beis wie T10
  • 3 Ob 94/15t
    Entscheidungstext OGH 19.08.2015 3 Ob 94/15t
    Auch
  • 8 Ob 121/15z
    Entscheidungstext OGH 25.11.2015 8 Ob 121/15z
  • 5 Ob 166/15w
    Entscheidungstext OGH 23.02.2016 5 Ob 166/15w
    Beisatz: Hier: Auslegung der in einem Spaltungsvertrag übernommenen Verpflichtung zum Ersatz der Aktivbezüge der bei der übernehmenden Gesellschaft verwendeten Bundesbeamten. (T18)
  • 8 ObA 95/15a
    Entscheidungstext OGH 29.03.2016 8 ObA 95/15a
    Auch
  • 9 ObA 28/16g
    Entscheidungstext OGH 24.06.2016 9 ObA 28/16g
  • 6 Ob 58/16x
    Entscheidungstext OGH 29.03.2017 6 Ob 58/16x
    Auch; Beis ähnlich wie T8; Beisatz: Hier: Zur zeitlichen Befristung der Möglichkeit, Schilling‑Briefmarken bei der Österreichischen Post AG in Euro‑Briefmarken umzutauschen. (T19)
  • 4 Ob 142/17m
    Entscheidungstext OGH 21.11.2017 4 Ob 142/17m
    Beisatz: Ergänzende Vertragsauslegung kann in zwei Fällen Platz greifen: Einerseits ist der Vertrag zu ergänzen, wenn feststeht, dass der schriftliche Vertragsinhalt die Absicht der Parteien nicht richtig wiedergibt. Andererseits im Fall einer nachträglich hervorgekommenen, planwidrigen Unvollständigkeit des Vertrags (Vertragslücke, vgl RS0017758). (T20)
  • 2 Ob 102/18s
    Entscheidungstext OGH 29.11.2018 2 Ob 102/18s
  • 8 ObA 44/19g
    Entscheidungstext OGH 29.08.2019 8 ObA 44/19g

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1978:RS0017758

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

04.10.2019

Dokumentnummer

JJR_19780518_OGH0002_0060OB00594_7800000_001

Entscheidungstext 9ObA65/04f

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Fundstelle

ARD 5544/6/04 = RdW 2004,750 = ZAS-Judikatur 2005/4 = ZAS 2005/38 S 230 (Wallner) - ZAS 2005,230 (Wallner) = MietSlg 56.105

Geschäftszahl

9ObA65/04f

Entscheidungsdatum

26.05.2004

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Maier als Vorsitzenden, durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Spenling und Univ. Doz. Dr. Bydlinski sowie durch die fachkundigen Laienrichter Mag. Harald Kaszanits und Anton Gabmayer als weitere Richter in der Arbeitsrechtssache der klagenden Partei Leopold S*****, vertreten durch Dr. Ernst Summerer, Rechtsanwalt in Retz, wider die beklagte Partei R***** AG, ***** vertreten durch DDr. Karl Pistotnik, Rechtsanwalt in Wien, wegen EUR 4.998,59 sA, infolge außerordentlicher Revision der beklagten Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichtes Wien als Berufungsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 24. Februar 2004, GZ 8 Ra 17/04k-16, mit dem das Urteil des Landesgerichtes Korneuburg als Arbeits- und Sozialgericht vom 24. November 2003, GZ 34 Cga 15/03t-11, bestätigt wurde, in nichtöffentlicher Sitzung den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Die außerordentliche Revision wird mangels der Voraussetzungen des § 502 Abs 1 ZPO zurückgewiesen.

Begründung:

Rechtliche Beurteilung

1. Fragen der Vertragsauslegung, die sich stets an den konkreten Umständen des Einzelfalls zu orientieren hat, stellen regelmäßig keine erheblichen Rechtsfragen im Sinne des § 502 Abs 1 ZPO dar, sofern dem Berufungsgericht keine grobe Fehlbeurteilung unterlaufen ist, die aus Gründen der Rechtssicherheit korrigiert werden müsste (vgl dazu nur RZ 1994/45, MietSlg 50.547, EFSlg 88.157, RIS-Justiz RS0042936, RS0042776 uva). Dies gilt insbesondere auch für die ergänzende Vertragsauslegung.

2. Die Streitteile gingen bei ihrer Beendigungsvereinbarung übereinstimmend davon aus, dass der Kläger ab 1. 5. 2001 die gesetzliche Pension beziehen werde; sie rechneten nicht mit der Möglichkeit einer Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters. Nach den getroffenen Vereinbarungen über einen Zuschuss der beklagten Partei zum Arbeitslosengeld bzw zur vom Kläger (kurzfristig) zu beziehenden Notstandshilfe hätte sich für diesen bis zum angenommenen Pensionsantritt gegenüber dem Aktiveinkommen eine Einbuße von rund 15 % ergeben. Hätten die Streitteile mit einem erst ein halbes Jahr später möglichen Pensionsantritt gerechnet, hätte der Kläger auf einer entsprechenden Ausgleichszahlung für weitere sechs Monate, also bis zum tatsächlichen Pensionsantritt, beharrt. Die beklagte Partei wäre ihm mit dem Abschluss einer derartigen Vereinbarung entgegengekommen, da sie in Anbetracht des Prozessrisikos bei etwaiger Kündigung auch mit ihrem Zeitplan für den Personalabbau unter Druck gekommen wäre.

Unter diesen Umständen kann die Rechtsauffassung des Berufungsgerichts, der Kläger sei wegen der Maßgeblichkeit des tatsächlichen Pensionsantritts so zu stellen, wie er stünde, wenn die Parteien auf die Erhöhung des Pensionsantrittsalters um ein halbes Jahr Bedacht genommen hätten, nicht als grobe Fehlbeurteilung angesehen werden.

3. Auch der Hinweis auf die missverständliche Formulierung des Berufungsgerichtes, es sei eine "ausdrückliche Zusicherung" vorgelegen, die Zuschussleistung auch bis zum tatsächlichen Pensionsantritt zu erbringen, vermag die unrichtige Lösung einer erheblichen Rechtsfrage nicht aufzuzeigen. In der Sache hat das Berufungsgericht nämlich ersichtlich die allgemein anerkannten Grundsätze der ergänzenden Vertragsauslegung angewandt. Treten nach Abschluss eines Vertrages Konfliktsfälle auf, die von den Parteien nicht bedacht und daher nicht ausdrücklich geregelt wurden, so ist unter Berücksichtigung der übrigen Vertragsbestimmungen und insbesondere des von den Parteien verfolgten Zwecks zu fragen, welche Lösung redliche und vernünftige Parteien vereinbart hätten (vgl dazu nur die Nachweise bei Koziol/Welser I12, 98). Wenn das Berufungsgericht nun unter den festgestellten Umständen meinte, redliche und vernünftige Parteien hätten für den tatsächlich eingetretenen Fall (um sechs Monate spätere Möglichkeit des Pensionsantritts) eine Verlängerung der monatlichen Ausgleichszahlungen unter Aufrechterhaltung des nach dem Vertragswillen auszugleichenden Einkommensverlusts vereinbart, so kann dies nicht als bedenklich angesehen werden.

Der Einwand der Revisionswerberin, für die Erforschung des hypothetischen Parteiwillens bestehe ohne Vertragslücke kein Anlass, übersieht, dass sich sehr wohl eine (nachträgliche) Vertragslücke ergeben hat. Unzweifelhaft beabsichtigten die Streitteile den Einkommensverlust des Klägers gegenüber seinem bisherigen Aktivbezug bis zu seinem Pensionsantritt - zu etwa 85 % - auszugleichen. Dieser gemeinsame Vertragswille fand in der konkret getroffenen Regelung allerdings deshalb nur unvollkommenen Niederschlag, weil dabei von einem Pensionsantrittstermin ausgegangen wurde, der sich schließlich als unrichtig erwies. Dieser Diskrepanz zwischen dem übereinstimmenden Parteiwillen bzw Vertragszweck und dem tatsächlich Vereinbarten ist zweifellos durch ergänzende Vertragsauslegung, also der Anpassung des Vertrags an den hypothetischen Parteiwillen, Rechnung zu tragen. Die in der Revision aufgeworfene Frage nach den Voraussetzungen für eine Irrtumsanfechtung bzw -anpassung stellt sich somit gar nicht.

Textnummer

E73781

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2004:009OBA00065.04F.0526.000

Im RIS seit

25.06.2004

Zuletzt aktualisiert am

16.05.2012

Dokumentnummer

JJT_20040526_OGH0002_009OBA00065_04F0000_000