Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 4Ob320/77 4Ob32/79 4Ob3...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0031666

Geschäftszahl

4Ob320/77; 4Ob32/79; 4Ob391/86 (4Ob392/86); 4Ob11/90; 7Ob575/90; 6Ob164/98f; 6Ob119/99i; 6Ob197/99k; 6Ob291/00p; 4Ob221/03h; 6Ob235/02f; 6Ob106/14b; 1Ob96/15x

Entscheidungsdatum

14.06.1977

Norm

ABGB §1330 Abs2 BI
ABGB §1330 Abs2 BIII
MedienG §6 Abs2

Rechtssatz

Der Verletzter kann nur dann auf Unterlassung in Anspruch genommen werden, wenn er die Unwahrheit der von ihm verbreiteten Tatsachenbehauptungen kannte oder kennen mußte; es ist also Verschulden erforderlich.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 320/77
    Entscheidungstext OGH 14.06.1977 4 Ob 320/77
    Veröff: EvBl 1978/38 S 121 = SZ 50/86 = ÖBl 1978,3 mit Anmerkung von Schönherr
  • 4 Ob 32/79
    Entscheidungstext OGH 08.05.1979 4 Ob 32/79
    Veröff: Arb 9785 = ÖBl 1979,134 = ZAS 1982,212
  • 4 Ob 391/86
    Entscheidungstext OGH 19.05.1987 4 Ob 391/86
    Vgl auch
  • 4 Ob 11/90
    Entscheidungstext OGH 20.02.1990 4 Ob 11/90
    Vgl aber; Beisatz: Nach ganz herrschender Lehre und der neueren Rechtsprechung ist nämlich der - hier allein geltend gemachte - Anspruch auf Unterlassung der weiteren Verbreitung einer herabsetzenden Äußerung verschuldensunabhängig, ist doch allein schon die Rufgefährdung durch objektiv unwahre Behauptungen von der Rechtsordnung verpönt. (T1) Veröff: MR 1990,183 (Korn)
  • 7 Ob 575/90
    Entscheidungstext OGH 28.06.1990 7 Ob 575/90
    Beisatz: Hier: Subjektiv vorwerfbare Sorgfaltsverletzung oder zumindest ausreichende Anhaltspunkte für die Richtigkeit seiner Behauptungen. (T2)
  • 6 Ob 164/98f
    Entscheidungstext OGH 15.07.1999 6 Ob 164/98f
    Vgl; Beisatz: Die Rechtswidrigkeit des Verhaltens besteht im Bereich des "Kennenmüssens" darin, daß die Unrichtigkeit der Tatsachen bei Einhaltung der objektiv gebotenen Sorgfalt erkennbar ist und die Tatsachen dennoch verbreitet werden. (T3)
  • 6 Ob 119/99i
    Entscheidungstext OGH 29.09.1999 6 Ob 119/99i
    Vgl; Beis wie T3; Veröff: SZ 72/144
  • 6 Ob 197/99k
    Entscheidungstext OGH 15.12.1999 6 Ob 197/99k
    Vgl auch
  • 6 Ob 291/00p
    Entscheidungstext OGH 14.12.2000 6 Ob 291/00p
    Vgl; Beis wie T3; Veröff: SZ 73/198
  • 4 Ob 221/03h
    Entscheidungstext OGH 16.12.2003 4 Ob 221/03h
    Beisatz: Einem Buchhändler obliegt grundsätzlich keine Prüfungspflicht in Ansehung der von ihm vertriebenen Bücher. Er ist somit nur bei Kennen oder bei Kennenmüssen der Unwahrheit von kreditschädigenden Tatsachen, die in den von ihm vertriebenen Büchern enthalten sind, zur Unterlassung verpflichtet. (T4); Beis wie T3
  • 6 Ob 235/02f
    Entscheidungstext OGH 29.01.2004 6 Ob 235/02f
    Gegenteilig; Beis wie T1
  • 6 Ob 106/14b
    Entscheidungstext OGH 09.10.2014 6 Ob 106/14b
    Gegenteilig; Beis wie T1
  • 1 Ob 96/15x
    Entscheidungstext OGH 08.07.2015 1 Ob 96/15x
    Vgl aber; Beis wie T1

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1977:RS0031666

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

27.01.2016

Dokumentnummer

JJR_19770614_OGH0002_0040OB00320_7700000_001

Rechtssatz für 4Ob320/77 6Ob2334/96w 6...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0031859

Geschäftszahl

4Ob320/77; 6Ob2334/96w; 6Ob2393/96x; 6Ob78/99k; 6Ob328/00d; 6Ob291/03t; 6Ob235/02f; 6Ob40/04g; 6Ob295/03f; 6Ob52/09d; 6Ob21/13a; 1Ob96/15x; 6Ob238/15s

Entscheidungsdatum

14.06.1977

Norm

ABGB §1330 Abs2 BIII
ABGB §1330 Abs2 BIV

Rechtssatz

Auch auf Widerruf einer kreditschädigenden Tatsachenbehauptung kann nur derjenige in Anspruch genommen werden, der die Unwahrheit der von ihm verbreiteten Mitteilung zumindest kennen musste; es ist also Verschulden erforderlich.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 320/77
    Entscheidungstext OGH 14.06.1977 4 Ob 320/77
    Veröff: SZ 50/86 = EvBl 1978/38 S 121 = ÖBl 1978,3 (mit Anmerkung von Schönherr)
  • 6 Ob 2334/96w
    Entscheidungstext OGH 27.02.1997 6 Ob 2334/96w
    Veröff: SZ 70/38
  • 6 Ob 2393/96x
    Entscheidungstext OGH 27.02.1997 6 Ob 2393/96x
  • 6 Ob 78/99k
    Entscheidungstext OGH 20.01.2000 6 Ob 78/99k
    Vgl auch; Beisatz: Die fahrlässige Unkenntnis des Beklagten von der Unwahrheit seiner Behauptungen hat der Kläger zu beweisen. Insoweit kommt auch keine Bindungswirkung der strafgerichtlichen Verurteilung nach § 6 MedG in Betracht. (T1)
  • 6 Ob 328/00d
    Entscheidungstext OGH 22.02.2001 6 Ob 328/00d
    Auch; Beisatz: Ein Verschulden des Täters kann nur verneint werden, wenn er gute Gründe hatte, seine Behauptung als wahr anzusehen. (T2)
  • 6 Ob 291/03t
    Entscheidungstext OGH 18.12.2003 6 Ob 291/03t
    Auch
  • 6 Ob 235/02f
    Entscheidungstext OGH 29.01.2004 6 Ob 235/02f
    Auch
  • 6 Ob 40/04g
    Entscheidungstext OGH 26.08.2004 6 Ob 40/04g
    Auch; Beis wie T2
  • 6 Ob 295/03f
    Entscheidungstext OGH 14.07.2005 6 Ob 295/03f
    Vgl auch; Beisatz: Der in § 1330 Abs 2 ABGB normierte Anspruch auf Widerruf und dessen Veröffentlichung steht nur zu, wenn eine unwahre, kreditschädigende Tatsachenbehauptung im Sinn dieser Gesetzesstelle vorliegt und den Täter ein Verschulden trifft. Wiederholungsgefahr ist für diesen Anspruch nicht erforderlich. Der Widerruf von Äußerungen, die auf ihren Wahrheitsgehalt im Beweisweg objektiv nicht überprüft werden können, weil sie nur eine subjektive Meinung, ein wertendes Urteil enthalten, kann nicht verlangt werden. (T3)
  • 6 Ob 52/09d
    Entscheidungstext OGH 18.12.2009 6 Ob 52/09d
    Auch; Beisatz: Wahre Tatsachenbehauptungen und Meinungsäußerungen (Werturteile) fallen nicht unter § 1330 Abs 2 ABGB. Widerruf und Unterlassung können daher nach dieser Gesetzesstelle auch nicht aufgetragen werden. (T4)
  • 6 Ob 21/13a
    Entscheidungstext OGH 08.05.2013 6 Ob 21/13a
    Vgl auch; Beisatz: Die Ansicht, dass zwar grundsätzlich der Wahrheitsbeweis Umstände oder Tatsachen des Privat‑ oder Familienlebens betreffend nicht geführt werden darf, die Frage der (Un‑)Wahrheit aber zu prüfen ist, wenn der Verletzte Widerruf und Veröffentlichung begehrt, ist durchaus schlüssig. (T5)
  • 1 Ob 96/15x
    Entscheidungstext OGH 08.07.2015 1 Ob 96/15x
    Vgl
  • 6 Ob 238/15s
    Entscheidungstext OGH 30.08.2016 6 Ob 238/15s
    Vgl auch; Beis wie T4 nur: Wahre Tatsachenbehauptungen und Meinungsäußerungen (Werturteile) fallen nicht unter § 1330 Abs 2 ABGB. (T6); Beisatz: Die deliktische Haftung wegen Rufschädigung (§ 1330 Abs 2 ABGB) erfordert die Verbreitung unwahrer Tatsachenbehauptungen. (T7); Veröff: SZ 2016/81

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1977:RS0031859

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

04.05.2018

Dokumentnummer

JJR_19770614_OGH0002_0040OB00320_7700000_004

Rechtssatz für 4Ob391/86 (4Ob392/86) 4O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0031675

Geschäftszahl

4Ob391/86 (4Ob392/86); 4Ob338/87; 4Ob598/87; 4Ob48/88; 4Ob2/89; 4Ob61/89; 4Ob162/89; 4Ob169/89; 4Ob11/90; 4Ob89/90; 4Ob112/90; 4Ob135/90; 6Ob671/90; 4Ob5/91; 4Ob10/92; 4Ob84/92; 4Ob104/92; 4Ob19/93; 4Ob139/94; 6Ob1009/95; 6Ob20/95; 6Ob24/95; 4Ob2115/96z; 4Ob2364/96t; 4Ob2205/96k; 4Ob197/97t; 6Ob218/98x; 6Ob7/99v; 6Ob25/99s; 1Ob117/99h; 4Ob336/99m; 6Ob47/02h; 6Ob142/03f; 6Ob235/02f; 6Ob114/05s; 6Ob295/03f; 4Ob105/06d; 4Ob166/06z; 4Ob97/07d; 4Ob43/18d

Entscheidungsdatum

19.05.1987

Norm

ABGB §1330 BII
UWG §7 C

Rechtssatz

Der Begriff der "Tatsachenbehauptung" ist weit auszulegen; als Tatsachenmitteilungen gelten auch Verdächtigungen oder das Weglassen aufklärender Umstände, durch das der Sachverhalt so entstellt wird, dass die Äußerung geeignet ist, den Adressaten in einem wichtigen Punkt irrezuführen (ÖBl 1980,130; ÖBl 1984,130 ua).

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 391/86
    Entscheidungstext OGH 19.05.1987 4 Ob 391/86
  • 4 Ob 338/87
    Entscheidungstext OGH 20.10.1987 4 Ob 338/87
    Auch; Veröff: WBl 1988,99 = MR 1988,84
  • 4 Ob 598/87
    Entscheidungstext OGH 30.11.1987 4 Ob 598/87
    nur: Der Begriff der "Tatsachenbehauptung" ist weit auszulegen. (T1) Veröff: MR 1988,11 = ÖBl 1989,80 = JBl 1988,174 = SZ 60/255
  • 4 Ob 48/88
    Entscheidungstext OGH 13.09.1988 4 Ob 48/88
    nur T1; Veröff: GRURInt 1989,326 = MR 1988,194 = SZ 61/193
  • 4 Ob 2/89
    Entscheidungstext OGH 24.01.1989 4 Ob 2/89
    nur T1; Beisatz: Hier: § 7 UWG (T2)
  • 4 Ob 61/89
    Entscheidungstext OGH 10.10.1989 4 Ob 61/89
    Beisatz: Unter einer Tatsachenbehauptung ist jede Äußerung über Vorgänge und Zustände objektiv nachprüfbaren Inhalts zu verstehen. (T3)
  • 4 Ob 162/89
    Entscheidungstext OGH 19.12.1989 4 Ob 162/89
    nur T1; Beisatz: Selbst Urteile, die nur auf entsprechende Tatsachen schließen lassen, gelten als Tatsachenmitteilung ("konkludente Tatsachenbehauptung"). (T4) Veröff: SZ 62/208 = MR 1990,66 = ÖBl 1990,253
  • 4 Ob 169/89
    Entscheidungstext OGH 09.01.1990 4 Ob 169/89
    nur T1; Beis wie T4; Veröff: SZ 63/2 = MR 1990,68 = ÖBl 1990,205
  • 4 Ob 11/90
    Entscheidungstext OGH 20.02.1990 4 Ob 11/90
    nur T1; Beis wie T4
  • 4 Ob 89/90
    Entscheidungstext OGH 12.06.1990 4 Ob 89/90
    nur T1; Beis wie T4
  • 4 Ob 112/90
    Entscheidungstext OGH 11.09.1990 4 Ob 112/90
    Vgl auch
  • 4 Ob 135/90
    Entscheidungstext OGH 06.11.1990 4 Ob 135/90
    nur T1; Beis wie T4; Veröff: MR 1991,115 = ÖBl 1991,58
  • 6 Ob 671/90
    Entscheidungstext OGH 07.11.1990 6 Ob 671/90
    nur T1
  • 4 Ob 5/91
    Entscheidungstext OGH 29.01.1991 4 Ob 5/91
    nur T1; Beis wie T4
  • 4 Ob 10/92
    Entscheidungstext OGH 16.06.1992 4 Ob 10/92
    nur T1; Veröff: WBl 1992,410
  • 4 Ob 84/92
    Entscheidungstext OGH 20.10.1992 4 Ob 84/92
    Auch; Veröff: MR 1992,250 (Korn) = ÖBl 1992,278 = WBl 1993,97
  • 4 Ob 104/92
    Entscheidungstext OGH 24.11.1992 4 Ob 104/92
    nur T1; Beis wie T4; Veröff: MR 1993,14
  • 4 Ob 19/93
    Entscheidungstext OGH 23.03.1993 4 Ob 19/93
    Auch
  • 4 Ob 139/94
    Entscheidungstext OGH 06.12.1994 4 Ob 139/94
    nur T1; Beis wie T4
  • 6 Ob 1009/95
    Entscheidungstext OGH 06.04.1995 6 Ob 1009/95
    Auch; nur T1; Beis wie T4
  • 6 Ob 20/95
    Entscheidungstext OGH 18.05.1995 6 Ob 20/95
    nur T1; Beis wie T4
  • 6 Ob 24/95
    Entscheidungstext OGH 13.10.1995 6 Ob 24/95
    nur T1; Veröff: SZ 68/97
  • 4 Ob 2115/96z
    Entscheidungstext OGH 09.07.1996 4 Ob 2115/96z
    nur T1; Beis wie T4
  • 4 Ob 2364/96t
    Entscheidungstext OGH 17.12.1996 4 Ob 2364/96t
    nur T1; Beis wie T3; Beis wie T4
  • 4 Ob 2205/96k
    Entscheidungstext OGH 17.09.1996 4 Ob 2205/96k
    Auch; nur T1; Beisatz: Auf die Form, in die sich die Behauptung kleidet, kommt es nicht an. So kann sich eine Behauptung bisweilen auch unter der bedingten Form - zum Beispiel jemand solle betrogen haben (RG GRUR 1929, 359) - verstecken. Eine Behauptung kann auch in der Form einer Frage aufgestellt oder verbreitet werden (JBl 1938, 78). (T5)
  • 4 Ob 197/97t
    Entscheidungstext OGH 07.07.1997 4 Ob 197/97t
    Auch; nur T1; Beis wie T4; Beisatz: Wenn sie greifbare, einem Beweis zugängliche Vorgänge zum Gegenstand haben und von einem nicht unerheblichen Teil der angesprochenen Empfänger in diesem Sinn aufgefasst werden. Dass das Verhalten eines Dritten aufgrund eigener gedanklicher Tätigkeit interpretiert und einer wertenden Stellungnahme unterzogen wird, schließt daher das Vorliegen einer Tatsachenmitteilung noch nicht aus. (T6)
  • 6 Ob 218/98x
    Entscheidungstext OGH 10.09.1998 6 Ob 218/98x
    Auch; nur: Als Tatsachenmitteilungen gelten auch Verdächtigungen. (T7); Beisatz: Die Haftung des Täters ist auch dann zu bejahen, wenn die ehrenrührige Äußerung in Verdachtsform oder Vermutungsform erfolgte. (T8)
  • 6 Ob 7/99v
    Entscheidungstext OGH 25.02.1999 6 Ob 7/99v
    nur T7; Beis wie T8
  • 6 Ob 25/99s
    Entscheidungstext OGH 22.04.1999 6 Ob 25/99s
    Auch; nur T7; Beis wie T8 nur: Die Haftung des Täters ist zu bejahen, wenn die ehrenrührige Äußerung in Vermutungsform erfolgte. (T9)
  • 1 Ob 117/99h
    Entscheidungstext OGH 27.10.1999 1 Ob 117/99h
    nur T1; Beisatz: Auch wertende Äußerungen können unter § 1330 Abs 2 ABGB fallen, wenn sie als sogenannte "konkludente" Tatsachenbehauptungen auf entsprechende Tatsachen schließen lassen, greifbare, einem Beweis zugängliche Vorgänge zum Gegenstand haben und von einem nicht unerheblichen Teil der angesprochenen Empfänger in diesem Sinn aufgefasst werden. (T10)
  • 4 Ob 336/99m
    Entscheidungstext OGH 18.01.2000 4 Ob 336/99m
    nur T1; Beis wie T4 nur: Selbst Urteile, die nur auf entsprechende Tatsachen schließen lassen, gelten als Tatsachenmitteilung. (T11)
  • 6 Ob 47/02h
    Entscheidungstext OGH 16.05.2002 6 Ob 47/02h
    Vgl auch; Beis wie T10
  • 6 Ob 142/03f
    Entscheidungstext OGH 10.07.2003 6 Ob 142/03f
    Auch; Beis wie T6 nur: Dass das Verhalten eines Dritten aufgrund eigener gedanklicher Tätigkeit interpretiert und einer wertenden Stellungnahme unterzogen wird, schließt daher das Vorliegen einer Tatsachenmitteilung noch nicht aus. (T12)
  • 6 Ob 235/02f
    Entscheidungstext OGH 29.01.2004 6 Ob 235/02f
    Auch; Beis wie T6
  • 6 Ob 114/05s
    Entscheidungstext OGH 23.06.2005 6 Ob 114/05s
    Vgl auch; Beisatz: Der Vorwurf, jemand sei an einem Ereignis (einer Entwicklung) „schuld", beinhaltet nicht immer eine (wahre oder unwahre) Tatsachenbehauptung. Hier: Der Vorwurf ist ein (kritisierendes) Werturteil, wenn er erst aufgrund einer Denktätigkeit gewonnen wird und die rein subjektive Meinung des Erklärenden wiedergibt. (T13)
  • 6 Ob 295/03f
    Entscheidungstext OGH 14.07.2005 6 Ob 295/03f
    Auch; Beisatz: Die Unrichtigkeit einer Tatsachenbehauptung kann sich auch aus einer Unvollständigkeit des bekanntgegebenen Sachverhalts ergeben, die das dem Betroffenen vorgeworfene Verhalten in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. (T14)
  • 4 Ob 105/06d
    Entscheidungstext OGH 28.09.2006 4 Ob 105/06d
    Auch; Beisatz: Je weniger die zu beurteilende Rechtsfolgenbehauptung nicht einfach aus dem Gesetz abzulesen ist, sondern auf einem Vorgang der persönlichen Erkenntnisgewinnung beruht, je eingehender die Grundlagen dieses Erkenntnisprozesses dargestellt werden, und je deutlicher zum Ausdruck kommt, dass eine subjektive Überzeugung im geistigen Meinungsstreit vertreten wird, um so eher wird ein reines Werturteil vorliegen. (T15)
  • 4 Ob 166/06z
    Entscheidungstext OGH 21.11.2006 4 Ob 166/06z
    nur T1; Beis wie T11
  • 4 Ob 97/07d
    Entscheidungstext OGH 10.07.2007 4 Ob 97/07d
    nur T1; nur T7; Beis wie T15
  • 4 Ob 43/18d
    Entscheidungstext OGH 22.03.2018 4 Ob 43/18d
    Auch; nur T7; Beis wie T8

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1987:RS0031675

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

13.06.2018

Dokumentnummer

JJR_19870519_OGH0002_0040OB00391_8600000_001

Rechtssatz für 4Ob598/87 6Ob184/03g 6O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0031697

Geschäftszahl

4Ob598/87; 6Ob184/03g; 6Ob235/02f; 6Ob81/04m; 6Ob220/10m; 6Ob88/19p

Entscheidungsdatum

30.11.1987

Norm

ABGB §1330 BI

Rechtssatz

Unter § 1330 Abs 2 ABGB fällt jede Gefährdung wirtschaftlich bedeutsamer Beziehungen oder Verhältnisse. Tatsachenbehauptungen, die überhaupt keinen Bezug zur wirtschaftlichen Wertschätzung des Betroffenen aufweisen, wird zwar die Schädigungseignung im Sinne des § 1330 ABGB abzusprechen sein; zur Schädigung geeignet sind aber auch solche Behauptungen, die sich nicht unmittelbar mit der Wirtschaftslage des Betroffenen befassen. Eine Gefährdung, die mittelbar wirtschaftliche Nachteile zur Folge haben kann, reicht für den Tatbestand des § 1330 Abs 2 ABGB hin.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 598/87
    Entscheidungstext OGH 30.11.1987 4 Ob 598/87
    Veröff: SZ 60/255 = MR 1988,11 = JBl 1988,174 = ÖBl 1989,80
  • 6 Ob 184/03g
    Entscheidungstext OGH 11.09.2003 6 Ob 184/03g
    nur: Eine Gefährdung, die mittelbar wirtschaftliche Nachteile zur Folge haben kann, reicht für den Tatbestand des § 1330 Abs 2 ABGB hin. (T1)
  • 6 Ob 235/02f
    Entscheidungstext OGH 29.01.2004 6 Ob 235/02f
  • 6 Ob 81/04m
    Entscheidungstext OGH 27.05.2004 6 Ob 81/04m
    Auch
  • 6 Ob 220/10m
    Entscheidungstext OGH 17.12.2010 6 Ob 220/10m
    nur: Unter § 1330 Abs 2 ABGB fällt jede Gefährdung wirtschaftlich bedeutsamer Beziehungen oder Verhältnisse. Eine Gefährdung, die mittelbar wirtschaftliche Nachteile zur Folge haben kann, reicht aus. (T2)
  • 6 Ob 88/19p
    Entscheidungstext OGH 27.06.2019 6 Ob 88/19p
    Beisatz: Gerade bei öffentlich exponierten Personen kann auch dem Ansehen in der Öffentlichkeit (gewissermaßen sein „good will“) ein Einfluss auf die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung dieser Person nicht abgesprochen werden. (T3)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1987:RS0031697

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

30.07.2019

Dokumentnummer

JJR_19871130_OGH0002_0040OB00598_8700000_001

Rechtssatz für 4Ob82/92 4Ob52/93 4Ob40...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0031810

Geschäftszahl

4Ob82/92; 4Ob52/93; 4Ob40/93; 4Ob132/93; 4Ob133/93; 4Ob171/93; 4Ob168/93; 6Ob17/94; 4Ob139/94; 6Ob26/95; 6Ob2105/96v; 4Ob2115/96z; 4Ob2364/96t; 6Ob173/98d; 4Ob302/98k; 4Ob204/98x; 4Ob119/99z; 4Ob154/99x; 4Ob138/99v; 4Ob213/99y; 4Ob286/99h; 4Ob266/00x; 4Ob79/01y; 6Ob127/01x; 6Ob304/01a; 6Ob235/02f; 6Ob265/03v; 6Ob246/04a; 4Ob16/06s; 4Ob105/06d; 4Ob166/06z; 4Ob97/07d; 4Ob233/07d; 4Ob236/07w; 4Ob127/08t; 4Ob132/09d; 6Ob15/10i; 6Ob5/10v; 17Ob18/09k; 4Ob39/10d; 4Ob83/11a; 4Ob201/13g; 6Ob47/15b; 6Ob201/15z; 6Ob202/16y; 6Ob141/18f

Entscheidungsdatum

24.11.1992

Norm

ABGB §1330 BII
UWG §1 D2d
UWG §1 C12
UWG §7 C

Rechtssatz

Der Begriff der Tatsachenbehauptung ist nach Lehre und ständiger Rechtsprechung weit auszulegen; selbst Urteile, die nur auf entsprechende Tatsachen schließen lassen, gelten als Tatsachenmitteilung ("konkludente Tatsachenbehauptung").

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 82/92
    Entscheidungstext OGH 24.11.1992 4 Ob 82/92
    Veröff: EvBl 1993/134 S 554 = ÖBl 1993,84 = MR 1993,17
  • 4 Ob 52/93
    Entscheidungstext OGH 04.05.1993 4 Ob 52/93
  • 4 Ob 40/93
    Entscheidungstext OGH 04.05.1993 4 Ob 40/93
  • 4 Ob 132/93
    Entscheidungstext OGH 21.09.1993 4 Ob 132/93
  • 4 Ob 133/93
    Entscheidungstext OGH 30.11.1993 4 Ob 133/93
  • 4 Ob 171/93
    Entscheidungstext OGH 14.12.1993 4 Ob 171/93
  • 4 Ob 168/93
    Entscheidungstext OGH 25.01.1994 4 Ob 168/93
    Veröff: SZ 67/10 = EvBl 1994/97 S 505
  • 6 Ob 17/94
    Entscheidungstext OGH 13.07.1994 6 Ob 17/94
    nur: Selbst Urteile, die nur auf entsprechende Tatsachen schließen lassen, gelten als Tatsachenmitteilung ("konkludente Tatsachenbehauptung"). (T1)
  • 4 Ob 139/94
    Entscheidungstext OGH 06.12.1994 4 Ob 139/94
  • 6 Ob 26/95
    Entscheidungstext OGH 22.08.1995 6 Ob 26/95
    nur T1
  • 6 Ob 2105/96v
    Entscheidungstext OGH 04.07.1996 6 Ob 2105/96v
  • 4 Ob 2115/96z
    Entscheidungstext OGH 09.07.1996 4 Ob 2115/96z
  • 4 Ob 2364/96t
    Entscheidungstext OGH 17.12.1996 4 Ob 2364/96t
  • 6 Ob 173/98d
    Entscheidungstext OGH 24.09.1998 6 Ob 173/98d
  • 4 Ob 302/98k
    Entscheidungstext OGH 24.11.1998 4 Ob 302/98k
    Vgl; Beisatz: Eine konkludente Tatsachenbehauptung liegt immer dann vor, wenn der Äußerung entnommen werden kann, dass sie von bestimmten Tatsachen ausgeht, ihr Inhalt demnach objektiv auf seine Richtigkeit überprüft werden kann. (T2)
  • 4 Ob 204/98x
    Entscheidungstext OGH 04.02.1999 4 Ob 204/98x
    Auch
  • 4 Ob 119/99z
    Entscheidungstext OGH 18.05.1999 4 Ob 119/99z
  • 4 Ob 154/99x
    Entscheidungstext OGH 01.06.1999 4 Ob 154/99x
  • 4 Ob 138/99v
    Entscheidungstext OGH 13.07.1999 4 Ob 138/99v
    Veröff: SZ 72/118
  • 4 Ob 213/99y
    Entscheidungstext OGH 19.10.1999 4 Ob 213/99y
  • 4 Ob 286/99h
    Entscheidungstext OGH 21.12.1999 4 Ob 286/99h
  • 4 Ob 266/00x
    Entscheidungstext OGH 24.10.2000 4 Ob 266/00x
  • 4 Ob 79/01y
    Entscheidungstext OGH 14.05.2001 4 Ob 79/01y
    Beis ähnlich wie T2
  • 6 Ob 127/01x
    Entscheidungstext OGH 27.09.2001 6 Ob 127/01x
    Vgl auch; Beisatz: Auch wertende Äußerungen können unter § 1330 Abs 2 ABGB fallen, wenn sie als sogenannte "konkludente" Tatsachenbehauptungen auf entsprechende Tatsachen schließen lassen, somit dem eine rein subjektive Auffassung wiedergebenden Werturteil entnommen werden kann, dass es von bestimmten Tatsachen ausgeht. (T3)
  • 6 Ob 304/01a
    Entscheidungstext OGH 20.12.2001 6 Ob 304/01a
    Vgl auch; Beis wie T3
  • 6 Ob 235/02f
    Entscheidungstext OGH 29.01.2004 6 Ob 235/02f
    Vgl auch; Beis wie T3; Beis wie T2
  • 6 Ob 265/03v
    Entscheidungstext OGH 19.02.2004 6 Ob 265/03v
    Beisatz: Es mag sein, dass (im Sinne Zöchbauers [MR 2002, 152], der empfiehlt, den Begriff der Tatsachenbehauptung enger und den Begriff der Meinung weiter zu verstehen), die bisher in der oberstgerichtlichen Rechtsprechung vertretene Auffassung einer weiten Auslegung der sogenannten "konkludenten Tatsachenbehauptungen" im Lichte der Judikatur des EGMR neu zu überdenken ist. (T4)
  • 6 Ob 246/04a
    Entscheidungstext OGH 15.12.2004 6 Ob 246/04a
  • 4 Ob 16/06s
    Entscheidungstext OGH 14.02.2006 4 Ob 16/06s
    Auch; Beisatz: Auch wertende Äußerungen können eine Tatsachenmitteilung sein, wenn sie als sogenannte „konkludente" Tatsachenbehauptungen auf entsprechende Tatsachen schließen lassen, greifbare, einem Beweis zugängliche Vorgänge zum Gegenstand haben und von einem nicht unerheblichen Teil der angesprochenen Empfänger in diesem Sinn aufgefasst werden. (T5)
  • 4 Ob 105/06d
    Entscheidungstext OGH 28.09.2006 4 Ob 105/06d
  • 4 Ob 166/06z
    Entscheidungstext OGH 21.11.2006 4 Ob 166/06z
    Beis ähnlich wie T2
  • 4 Ob 97/07d
    Entscheidungstext OGH 10.07.2007 4 Ob 97/07d
  • 4 Ob 233/07d
    Entscheidungstext OGH 22.01.2008 4 Ob 233/07d
  • 4 Ob 236/07w
    Entscheidungstext OGH 22.01.2008 4 Ob 236/07w
    nur T1
  • 4 Ob 127/08t
    Entscheidungstext OGH 23.09.2008 4 Ob 127/08t
    Vgl aber; Beisatz: Kein Wahrheitsbeweis bei diffuser Pauschalabwertung. (T6)
    Beisatz: Hier: Zur Rechtslage vor und nach der UWG-Novelle 2007. (T7)
    Veröff: SZ 2008/132
  • 4 Ob 132/09d
    Entscheidungstext OGH 20.10.2009 4 Ob 132/09d
    Vgl auch
  • 6 Ob 15/10i
    Entscheidungstext OGH 19.03.2010 6 Ob 15/10i
    Vgl auch
  • 6 Ob 5/10v
    Entscheidungstext OGH 19.03.2010 6 Ob 5/10v
    Vgl auch; Beis ähnlich wie T5; Beisatz: Tatsachen iSd § 1330 Abs 2 ABGB sind Umstände, die ihrer allgemeinen Natur nach objektiv überprüfbar sind. (T8)
  • 17 Ob 18/09k
    Entscheidungstext OGH 23.03.2010 17 Ob 18/09k
    Beisatz: Hier: Schutzrechtsverwarnung. (T9)
  • 4 Ob 39/10d
    Entscheidungstext OGH 13.07.2010 4 Ob 39/10d
    Auch; nur T1
  • 4 Ob 83/11a
    Entscheidungstext OGH 21.06.2011 4 Ob 83/11a
    Auch; nur T1
  • 4 Ob 201/13g
    Entscheidungstext OGH 20.01.2014 4 Ob 201/13g
    Vgl; Beis wie T2
  • 6 Ob 47/15b
    Entscheidungstext OGH 27.05.2015 6 Ob 47/15b
    Vgl
  • 6 Ob 201/15z
    Entscheidungstext OGH 23.10.2015 6 Ob 201/15z
    Vgl; Beis wie T3
  • 6 Ob 202/16y
    Entscheidungstext OGH 30.01.2017 6 Ob 202/16y
    Vgl; Beis wie T8
  • 6 Ob 141/18f
    Entscheidungstext OGH 26.09.2018 6 Ob 141/18f

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1992:RS0031810

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

09.11.2018

Dokumentnummer

JJR_19921124_OGH0002_0040OB00082_9200000_002

Rechtssatz für 6Ob2334/96w 6Ob295/97v...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0107663

Geschäftszahl

6Ob2334/96w; 6Ob295/97v; 6Ob78/99k; 6Ob328/00d; 6Ob50/01y; 6Ob80/01k; 6Ob137/01t; 6Ob312/01b; 3Ob215/02t (3Ob321/02f); 6Ob235/02f; 6Ob295/03f; 9ObA32/06f; 4Ob32/07w; 6Ob21/13a; 6Ob17/14i; 1Ob96/15x; 6Ob100/17z

Entscheidungsdatum

27.02.1997

Norm

ABGB §1330 Abs2 BIV

Rechtssatz

Beim Widerrufsanspruch nach § 1330 Abs 2 ABGB handelt es sich um einen Schadenersatzanspruch, der den Täter zur Wiederherstellung des vorigen Zustands durch Beseitigung des rufschädigenden schlechten Bildes über den Verletzten verpflichtet. Der Täter hat seine unwahren Tatsachenmitteilungen als unwahr zu widerrufen. Der Verletzte hat aber keinen Anspruch auf Widerruf in der Form, dass den zurückgenommenen Tatsachenbehauptungen der vom Kläger behauptete Sachverhalt als richtig gegenübergestellt wird. Eine derartige Gegendarstellung sieht das Gesetz nur unter den im Mediengesetz normierten Voraussetzungen gegenüber dem Medieninhaber vor. Mangels planwidriger Gesetzeslücke kann das im Mediengesetz vorgesehene Recht auf Gegendarstellung (§ 9 MedG) auf den Widerrufsanspruch nach § 1330 ABGB nicht analog angewendet werden (abweichend von EvBl 1957/188, ÖBl 1992, 146 und MR 1993, 55).

Entscheidungstexte

  • 6 Ob 2334/96w
    Entscheidungstext OGH 27.02.1997 6 Ob 2334/96w
    Veröff: SZ 70/38
  • 6 Ob 295/97v
    Entscheidungstext OGH 17.12.1997 6 Ob 295/97v
    nur: Beim Widerrufsanspruch nach § 1330 Abs 2 ABGB handelt es sich um einen Schadenersatzanspruch, der den Täter zur Wiederherstellung des vorigen Zustands durch Beseitigung des rufschädigenden schlechten Bildes über den Verletzten verpflichtet. (T1) Veröff: SZ 70/267
  • 6 Ob 78/99k
    Entscheidungstext OGH 20.01.2000 6 Ob 78/99k
    Vgl auch; nur: Beim Widerrufsanspruch nach § 1330 Abs 2 ABGB handelt es sich um einen Schadenersatzanspruch. (T2)
  • 6 Ob 328/00d
    Entscheidungstext OGH 22.02.2001 6 Ob 328/00d
    Auch; nur: Beim Widerrufsanspruch nach § 1330 Abs 2 ABGB handelt es sich um einen Schadenersatzanspruch, der den Täter zur Wiederherstellung des vorigen Zustands durch Beseitigung des rufschädigenden schlechten Bildes über den Verletzten verpflichtet. Der Täter hat seine unwahren Tatsachenmitteilungen als unwahr zu widerrufen. (T3)
  • 6 Ob 50/01y
    Entscheidungstext OGH 15.03.2001 6 Ob 50/01y
    Auch; nur T1; Beisatz: Der Widerrufsanspruch ist kein Strafanspruch. (T4)
  • 6 Ob 80/01k
    Entscheidungstext OGH 16.05.2001 6 Ob 80/01k
    Auch; nur T1
  • 6 Ob 137/01t
    Entscheidungstext OGH 23.08.2001 6 Ob 137/01t
    nur T3
  • 6 Ob 312/01b
    Entscheidungstext OGH 14.03.2002 6 Ob 312/01b
    Auch; Beis wie T4
  • 3 Ob 215/02t
    Entscheidungstext OGH 18.12.2002 3 Ob 215/02t
    Auch; nur T3; Veröff: SZ 2002/178
  • 6 Ob 235/02f
    Entscheidungstext OGH 29.01.2004 6 Ob 235/02f
    Vgl; Beisatz: Der Anspruch auf Widerruf nach § 1330 Abs 2 Satz 2 ABGB ist verschuldensabhängig. (T5)
  • 6 Ob 295/03f
    Entscheidungstext OGH 14.07.2005 6 Ob 295/03f
    Vgl auch; Beisatz: Der in § 1330 Abs 2 ABGB normierte Anspruch auf Widerruf und dessen Veröffentlichung steht nur zu, wenn eine unwahre, kreditschädigende Tatsachenbehauptung im Sinn dieser Gesetzesstelle vorliegt und den Täter ein Verschulden trifft. Wiederholungsgefahr ist für diesen Anspruch nicht erforderlich. Der Widerruf von Äußerungen, die auf ihren Wahrheitsgehalt im Beweisweg objektiv nicht überprüft werden können, weil sie nur eine subjektive Meinung, ein wertendes Urteil enthalten, kann nicht verlangt werden. (T6)
  • 9 ObA 32/06f
    Entscheidungstext OGH 29.03.2006 9 ObA 32/06f
    nur T1; Beisatz: Auch der Widerrufsanspruch setzt die Rechtswidrigkeit des Eingriffs voraus. (T7)
  • 4 Ob 32/07w
    Entscheidungstext OGH 23.04.2007 4 Ob 32/07w
    Auch; ähnlich nur T2; Beisatz: Der Widerrufsanspruch ist nach Lehre und Rechtsprechung ein gesetzlich geregelter Sonderfall des allgemeinen Beseitigungsanspruchs, der - als eine Art der Naturalherstellung - die Wirkungen einer unwahren Äußerung beseitigen soll. (Hier: Anspruch nach UWG.) (T8)
  • 6 Ob 21/13a
    Entscheidungstext OGH 08.05.2013 6 Ob 21/13a
    Vgl; Beisatz: Nach ständiger Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs steht einem Geschädigten nach § 1330 Abs 2 ABGB zwar ein Anspruch auf Widerruf der Äußerungen und auf Veröffentlichung dieses Widerrufs zu. Zwischen diesen Veröffentlichungsansprüchen ist strikt zu unterscheiden, sie stehen zueinander in einem Aliud-Verhältnis. (T9)
  • 6 Ob 17/14i
    Entscheidungstext OGH 19.11.2014 6 Ob 17/14i
    Vgl auch; Beisatz: Zieht man die Wertungen des historischen Gesetzgebers heran, widerspricht eine analoge Anwendung der Bestimmungen des MedienG, die die Freiheit der Medien einschränken, dem Gesetzeszweck, wonach die volle Freiheit der Medien zur Sicherung der Meinungsäußerungsfreiheit gewährleistet wird. Die Verpflichtung des § 46 MedienG kann daher nicht für eine Verpflichtung zur Veröffentlichung eines Widerrufs herangezogen werden. (T10); Veröff: SZ 2014/108
  • 1 Ob 96/15x
    Entscheidungstext OGH 08.07.2015 1 Ob 96/15x
    Vgl; Beis wie T5
  • 6 Ob 100/17z
    Entscheidungstext OGH 07.07.2017 6 Ob 100/17z
    Auch; nur: Der Verletzte hat aber keinen Anspruch auf Widerruf in der Form, dass den zurückgenommenen Tatsachenbehauptungen der vom Kläger behauptete Sachverhalt als richtig gegenübergestellt wird. (T11)
    Beisatz: Aus dem Charakter des Widerrufs als Naturalrestitutionsanspruch folgt, dass der Täter selbst die Naturalrestitution zu bewirken hat; der Verletzte muss sich nicht mit einer Ermächtigung zur Veröffentlichung des Widerrufs begnügen, sondern kann die Veröffentlichung durch den Beklagten selbst verlangen. (T12)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1997:RS0107663

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

22.08.2017

Dokumentnummer

JJR_19970227_OGH0002_0060OB02334_96W0000_001

Entscheidungstext 6Ob235/02f

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

6Ob235/02f

Entscheidungsdatum

29.01.2004

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Ehmayr als Vorsitzenden und die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Prückner, Dr. Schenk, Dr. Schramm und Dr. Jensik als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei KR Hermann T*****, Masseur, ***** vertreten durch Dr. Bernhard Krump, Rechtsanwalt in Graz, gegen die beklagten Parteien 1. Erwin W*****, Masseur, ***** und 2. Ingrid M*****, Kosmetikerin, ***** beide vertreten durch Rechtsanwälte Lang & Schulze-Bauer in Fürstenfeld, wegen Unterlassung und Widerruf (Streitwert 7.267,28 EUR), infolge Revision der klagenden Partei gegen das Urteil des Landesgerichtes für Zivilrechtssachen Graz als Berufungsgericht vom 16. April 2002, GZ 7 R 2/02v-31, womit infolge Berufung der beklagten Parteien das Urteil des Bezirksgerichtes für Zivilrechtssachen Graz vom 30. Oktober 2001, GZ 57 C 22/01p-20, abgeändert wurde, in nichtöffentlicher Sitzung den Beschluss

gefasst:

Spruch

Der Revision wird Folge gegeben.

Das angefochtene Urteil wird aufgehoben. Die Rechtssache wird zur neuerlichen Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen. Die Kosten des Revisionsverfahrens sind weitere Verfahrenskosten.

Text

Begründung:

Der Kläger ist Innungsmeister der Landesinnung der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure in der S*****. Vor der Wirtschaftskammerwahl vom 26. bis 28. 3. 2000, bei der der Kläger für den Ö***** W***** kandidierte, kam es zu einer Reihe von Informationsveranstaltungen unter der Federführung des Klägers. Nach einer dieser Informationsveranstaltungen haben die Beklagten als führende Kandidaten der Liste 4 "S*****" ein Flugblatt an alle Mitglieder der Landesinnung der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure in der S***** kurz vor der Kammerwahl am 25./26. 3. 2000 versendet. In diesem Flugblatt ist unter anderem folgende Passage enthalten:

"Gezielte Mitgliederinformation

Wussten Sie, dass laut LIM T***** in Hinkunft die Lymphdrainage vom Masseur ausgegliedert werden soll und nur mehr von Physiotherapeuten angewandt wird?

Wir werden verkauft!".

Der Kläger begehrt mit seiner Klage, die Beklagten schuldig zu erkennen, die wörtlich oder sinngemäß unrichtige Behauptung zu unterlassen, der Kläger verrate ("verkaufe") als Funktionär die Mitglieder der Landesinnung der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure, indem er die Ausgliederung der Lymphdrainage aus dem Tätigkeitsbereich des Masseurs und hin zum Physiotherapeuten befürworte oder fördere, sowie diese unrichtige Behauptung gegenüber sämtlichen Mitgliedern der Landesinnung der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure S***** zu widerrufen oder durch Einschaltung in die "Kleine Zeitung", Wochenendausgabe für S*****, öffentlich zu widerrufen. Schließlich begehrte er eventualiter, die Beklagten schuldig zu erkennen, bei der wörtlichen oder sinngemäßen Behauptung gegenüber Mitgliedern der Landesinnung, dass in Hinkunft die Lymphdrainage vom Masseur ausgegliedert und nur mehr von Phydiotherapeuten angewendet werden soll und dadurch Mitglieder der Landesinnung verkauft werden, jede Bezugaufnahme auf die Person oder den Namen des Klägers zu unterlassen. Er brachte im Wesentlichen vor, von den Lesern des Flugblatts sei die Behauptung der Beklagten dahingehend verstanden worden, der Kläger befürworte die Ausgliederung der Lymphdrainage zu den Physiotherapeuten, weshalb er nicht die Interessen der Masseure vertrete. Diese Ausgliederung sei nie in Diskussion gestanden. Der Kläger habe sich vielmehr für eine Ausweitung der Befugnisse der Masseure eingesetzt. Es sei sein Bestreben gewesen, die Erlaubnis zu erlangen, die Lymphdrainage auch an kranken Patienten durchzuführen, was bisher aufgrund der Gesetzeslage nicht möglich gewesen sei. Durch diese unrichtige, kreditschädigende Tatsachenbehauptung hätten die Beklagten politisches Kapital schlagen wollen, um bei der Wirtschaftskammerwahl besser abzuschneiden. Zur Begründung des Eventualklagebegehrens brachte er vor, der Kläger sei durch die Aussendung des Flugblattes auch in seinem Namens- und Persönlichkeitsrecht verletzt worden. Die Beklagten beantragten, die Klage abzuweisen. Im Flugblatt seien schlagwortartig die Anliegen der Innungsmitglieder aufgezählt und plakativ zu Wahlwerbungszwecken einige Problembereiche der Interessensvertretung angeführt worden. Der Kläger habe am 21. 3. 2000 in einer Bezirksversammlung berichtet, die Durchführung der Lymphdrainage solle in Hinkunft aus dem Bereich der Masseure ausgegliedert werden. Im Flugblatt der Beklagten sei nicht behauptet worden, der Kläger befürworte diese Vorgangsweise. Insbesondere könne sich die Passage "Wir werden verkauft" nicht auf den Kläger bezogen haben, weil er überhaupt nicht in der Lage sei, ein entsprechendes Gesetzesvorhaben der Regierung zu verhindern. Das Widerrufsbegehren sei verfehlt, weil der Kläger die Behauptung der Ausgliederung jedenfalls im Rahmen der Veranstaltung getätigt habe. Die Äußerung "Wir werden verkauft" sei die subjektive Bewertung der Mitteilung des Klägers.

Das Erstgericht gab dem Hauptklagebegehren statt. Über den eingangs wiedergegebenen Sachverhalt hinaus traf es noch folgende Feststellungen:

Bei der Bezirksversammlung am 21. 3. 2000 waren auch die Beklagten anwesend. Der Kläger referierte über aktuelle Themen. In der anschließenden Diskussion meldete sich der Zeuge S***** zu Wort. Konkret wurde das Thema Heilbehandlung durch gewerbliche Masseure erörtert, weil Heilbehandlungen, die vom Masseur am kranken Patienten durchgeführt werden, direkt mit den einzelnen Krankenkassen verrechnet werden könnten. Mit dieser Heilbehandlung sollte auch die Lymphdrainage am kranken Patienten ermöglicht werden, was derzeit für gewerbliche Masseure aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist. Die Behauptung, die Lymphdrainage - auch am gesunden Patienten - sollte in Zukunft nur mehr von Physiotherapeuten durchgeführt werden und daher nicht mehr von Masseuren durchgeführt werden können, hat der Kläger weder in dieser Diskussion noch in einem anderen Zusammenhang aufgestellt. Am darauffolgenden Vormittag gestaltete der Erstbeklagte das als Wahlwerbung für die Liste der beklagten Parteien gedachte Flugblatt, das noch am selben Tag an alle Kammermitglieder ausgesandt wurde. Als Reaktion auf diese Aussendung erhielt der Kläger zahlreiche Anrufe, wobei die Anrufer den Inhalt der Aussendung der Beklagten in Bezug auf den Kläger dahingehend verstanden, dass er etwas anderes vertrete als er inhaltlich behaupte. Im Rahmen der Beweiswürdigung hielt das Erstgericht fest, dass der Kläger bei der Veranstaltung über das Thema Lymphdrainage gesprochen hat, jedoch nicht im Zusammenhang mit einer Ausgliederung aus dem Bereich der Masseure, sondern sich im Gegenteil für eine Erweiterung der Befugnisse der Masseure eingesetzt hat.

In seiner rechtlichen Beurteilung führte es aus, durch die streitgegenständliche Äußerung im Flugblatt der Beklagten werde einerseits tatsachenwidrig behauptet, dass die Ausgliederung der Lymphdrainage an die Physiotherapeuten vom Kläger mitgeteilt worden sei. Andererseits werde insbesondere durch den Zusatz "Wir werden verkauft", der jedenfalls im Zusammenhang mit der Äußerung zur Lymphdrainage zu sehen sei, gegenüber den Adressaten der falsche Eindruck erweckt, der Kläger befürworte auch diese Vorgangsweise. Die Äußerungen verwirklichten daher den Tatbestand des § 1330 Abs 2 ABGB. Beide Beklagte hätten zwar einerseits Vergleichsbereitschaft und auch die Bereitschaft bekundet, diese tatsachenwidrige Behauptung in Hinkunft zu unterlassen. Gleichzeitig hätten sie doch in ihren Parteiaussagen bekräftigt, dass die gegenständliche Äußerung vom Kläger tatsächlich in der Veranstaltung gemacht worden sei. Sie hätten auch noch gegen Schluss der Verhandlung zwei weitere Zeugen namhaft gemacht, die diese Tatsache bestätigen sollten. Aus diesen Umständen sei jedenfalls ersichtlich, dass die Beklagten auch in Zukunft vorgehabt hätten, diese Behauptung aufrecht zu erhalten. Wiederholungsgefahr liege daher vor. Ein berechtigtes Interesse am Widerruf der Behauptung sei gegeben. Der Widerruf habe gegenüber jenen Personen zu erfolgen, denen gegenüber die tatsachenwidrige Behauptung aufgestellt worden sei. Ein darüber hinausgehendes Interesse auf öffentliche Mitteilung in einer Zeitung bestehe zwar nicht, der Kläger habe den Beklagten jedoch in seinem Urteilsbegehren diese Möglichkeit fakultativ eingeräumt, weshalb den Beklagten diese Variante offen stehe.

Das Berufungsgericht gab der Berufung der Beklagten Folge und wies sowohl das Haupt- als auch das Eventualklagebegehren ab. Es sprach aus, der Wert des Entscheidungsgegenstandes übersteige 4.000 EUR, nicht jedoch 20.000 EUR. Nachträglich ließ es die ordentliche Revision zu. Das Berufungsgericht ließ die Tatsachenrüge der Berufung aus rechtlichen Gründen unerledigt. Die vom Kläger im Urteilsbegehren gewählte Formulierung sei grundsätzlich geeignet, den Tatbestand des § 1330 Abs 2 ABGB zu erfüllen. Das Urteilsbegehren könne jedoch aus dem im Flugblatt abgedruckten Äußerungen nicht schlüssig abgeleitet werden. Aus der klagsgegenständlichen Passage lasse sich lediglich ableiten, dass nach einer Äußerung des Klägers davon auszugehen sei, dass die Lymphdrainage vom Masseur ausgegliedert werden solle, nicht jedoch, dass der Kläger eine derartige Ausgliederung befürworte. Das Klagebegehren entspreche daher nicht der den Beklagten vorgeworfenen Äußerung. Im Übrigen handle es sich im vorliegenden Fall um eine politische Auseinandersetzung. Das Recht auf freie Meinungsäußerung rechtfertige zwar nicht eine Herabsetzung des politischen Gegners durch unwahre Tatsachenbehauptungen, mit denen ein politischer Funktionär eines verwerflichen Verhaltens bezichtigt werde. Die Beurteilung politischer Äußerungen bedürfe jedoch besonderer Maßstäbe. Die jeweilige Formulierung dürfe nicht aus dem - politischen - Kontext gelöst werden. Zu würdigen seien auch das (politische) Verhalten des Betroffenen und das Verständnis des Empfängerkreises. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich bei dem Flugblatt um eine Wahlwerbung handle, könne nicht von einer unwahren Tatsachenbehauptung, mit denen ein politischer Funktionär eines verwerflichen Verhaltens bezichtigt werde, ausgegangen werden, zumal das Flugblatt nicht dazu dienen sollte, dem Kläger Kundschaft abzuwerben. Da somit dem Kläger nach dem Text des Flugblattes kein unabhängig von den zur Debatte gestellten rein politischen Verhaltensweisen persönliches, unehrenhaftes Verhalten vorgeworfen worden seien, erfülle diese Äußerung nicht den Tatbestand des § 1330 Abs 2 ABGB. Das Eventualbegehren sei ebenfalls abzuweisen gewesen, weil der Name des Klägers nicht unbefugt im Sinn des § 43 ABGB gebraucht worden sei. Namensgebrauch liege nur dann vor, wenn jemand den fremden Namen nach außen erkennbar zur Kennzeichnung der eigenen Person, des eigenen Unternehmens oder Namen im Zusammenhang mit seinen Gütern, Einrichtungen und Erzeugnissen verwende. Da die in Rede stehende Äußerung der Beklagten somit keinesfalls dem § 43 ABGB unterstellt werden könne, sei auch das - wenngleich eine zulässige Klagsänderung im Sinn des § 235 Abs 3 ZPO darstellende - Eventualbegehren abzuweisen gewesen. Die nachträgliche Zulassung der ordentlichen Revision begründete das Berufungsgericht damit, es sei nicht auszuschließen, dass es von der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes abgewichen sei, bzw fehle höchstgerichtliche Rechtsprechung, ob im Zusammenhang mit der EO-Novelle 2000 bei Verletzung von Persönlichkeitsrechten eine weitergehende oder engere Fassung des Unterlassungsgebots zu fordern und ein überschießendes Begehren abzuweisen oder einem solchen eingeschränkt stattzugeben sei.

Der Kläger begehrt mit seiner dagegen wegen unrichtiger rechtlicher Beurteilung der Sache erhobenen Revision die Abänderung im klagestattgebenden Sinn. Hilfsweise wird ein Aufhebungsantrag gestellt.

Die Beklagten beantragen in ihrer Revisionsbeantwortung, die Revision zurückzuweisen bzw ihr nicht Folge zu geben.

Rechtliche Beurteilung

Die Revision ist zulässig und im Sinn des Aufhebungsantrags auch berechtigt.

Sinn und Bedeutungsgehalt einer beanstandeten Äußerung wie auch die Frage, ob Tatsachen im Sinn des § 1330 Abs 2 ABGB verbreitet werden oder eine wertende Meinungsäußerung vorliegt, richten sich nach dem Gesamtzusammenhang und dem dadurch vermittelteten Gesamteindruck der Äußerung für den unbefangenen Durchschnittsadressaten der Äußerung (SZ 71/96 mwN; 6 Ob 77/02w uva). Die Äußerung ist so auszulegen, wie sie vom angesprochenen Verkehrskreis bei ungezwungener Auslegung verstanden wird, wobei die Ermittlung des Bedeutungsinhalts im Allgemeinen eine Rechtsfrage ist, die von den näheren Umständen des Einzelfalls, insbesondere aber von der konkreten Formulierung in ihrem Zusammenhang, abhängt (SZ 71/96 mwN; 6 Ob 77/02w ua). Auf den subjektiven Willen des Erklärenden ist nicht abzustellen (SZ 71/96; SZ 72/118 mwN uva). Nach der Unklarkeitenregel muss der Äußernde die für ihn ungünstigste Auslegung gegen sich gelten lassen (MR 1994, 111 mwN; MR 2001, 29 [Korn] mwN). Dies gilt vor allem dann, wenn es an einem sonst maßgeblichen Gesamtzusammenhang, in dem die Äußerung fiel, fehlt, wenn also kein den Inhalt der Äußerung aufhellender weiterer Text den Adressaten zur Verfügung steht (MR 2001, 29). Entscheidend für die Qualifikation einer Äußerung als Tatsachenbehauptung ist, ob sich ihr Bedeutungsinhalt auf einen Tatsachenkern zurückführen lässt, der einem Beweis zugänglich ist (MR 1994, 111; SZ 68/97; SZ 72/118 uva). Auch eine wertende Äußerung kann sich als Tatsachenbehauptung erweisen, wenn sie auf eine entsprechende Tatsache schließen lässt, somit dem eine rein subjektive Auffassung wiedergebenden Werturteil entnommen werden kann, dass es von bestimmten Tatsachen ausgeht ("konkludente Tatsachenbehauptung"; SZ 68/97 mwN; SZ 72/118 mwN). Auch Aussagen, die auf entsprechende Tatsachen schließen lassen, sind objektiv nachprüfbar, wenn sie greifbare, einem Beweis zugängliche Vorgänge zum Gegenstand haben und von einem nicht unerheblichen Teil der angesprochenen Empfänger in diesem Sinn aufgefasst werden. Dass das Verhalten eines Dritten auf Grund eigener gedanklicher Tätigkeit interpretiert und einer wertenden Stellungnahme unterzogen wird, schließt somit das Vorliegen einer Tatsachenmitteilung nicht aus (MR 1994, 111; SZ 68/97; 6 Ob 77/02w).

Zu Recht rügt der Revisionswerber die Auffassung des Berufungsgerichts, die zu verbietende Äußerung ergebe sich nicht schlüssig aus dem Gesamtzusammenhang der beanstandeten Äußerungen der Beklagten in deren Wahlaussendung. Ein unbefangener Leser wird die Aussage "Wir werden verkauft!" auf den Kläger beziehen, der im vorangehenden Satz als Mitteilender einer beabsichtigten Ausgliederung der Lymphdrainage "vom Masseur" genannt wird, und zumindest in dem Sinn verstehen, dass der Kläger als Innungsmeister nicht gegen eine beabsichtigte Einschränkung der Berufsbefugnisse von Kammermitgliedern auftritt und durch Passivität diese Einschränkung befürwortet oder fördert. Dieser Eindruck wird durch die anschließende Textpassage: "Wählen auch Sie! Denn unsere Innung benötigt dringend eine Veränderung. Die derzeitige Mandatsverteilung ermöglicht nur eine Alleinregierung und Machtkonzentration" bestätigt. Diese den beanstandeten Äußerungen im gegebenen Zusammenhang zu entnehmende Aussage ist eine Tatsachenbehauptung, weil ihre Wahrheit bewiesen werden kann. Ihre Unwahrheit steht indessen nicht fest, weil das Berufungsgericht die Beweisrüge unerledigt ließ. Es ist zulässig, eine Aussage des Inhalts zu verbieten, welcher - wenngleich mit anderen Worten - der beanstandeten Äußerung zu entnehmen ist (4 Ob 109/94 = MR 1994, 244; vgl MR 1994, 113). Das Unterlassungsbegehren und das Widerrufsbegehren des Klägers geben den Bedeutungsinhalt der beanstandeten Äußerungen der Beklagten wieder.

Unzutreffend ist die Ansicht der Beklagten, der dargestellte Vorwurf sei nicht geeignet, den Kredit, den Erwerb oder das Fortkommen des Klägers zu gefährden. § 1330 Abs 2 ABGB soll den wirtschaftlichen Ruf einer Person als absolutes Recht schützen (SZ 60/255). Unter diese Bestimmung fällt jede Gefährdung wirtschaftlich bedeutsamer Beziehungen oder Verhältnisse. Tatsachenbehauptungen, die überhaupt keinen Bezug zur wirtschaftlichen Wertschätzung des Betroffenen aufweisen, wird zwar die Schädigungseignung im Sinn des § 1330 ABGB abzusprechen sein; zur Schädigung geeignet sind aber auch solche Behauptungen, die sich nicht ummittelbar mit der Wirtschaftlage des Betroffenen befassen. Eine Gefährdung, die mittelbar wirtschaftliche Nachteile zur Folge haben kann, reicht für den Tatbestand des § 1330 Abs 2 ABGB hin (SZ 60/255 mwN; 6 Ob 184/03g). Der Begriff des "Fortkommens" darf nicht eng verstanden werden (SZ 60/138). So hat der Oberste Gerichtshof in der Entscheidung SZ 60/255 ausgesprochen, dass (auch) die wirtschaftliche Position einer politischen Partei von ihrem politischen Erfolg abhängt und daher jede Aussage, die dem Ziel dient, den politischen Einfluss dieser Partei zu schwächen, auch geeignet ist, deren wirtschaftlichen Verhältnisse zu beeinträchtigen. In diesem Sinn ist den Vorinstanzen darin beizupflichten, dass einer Aussage über den Kläger, wie sie Gegenstand des Unterlassungsbegehrens ist, Schädigungseignung im Sinn des § 1330 Abs 2 ABGB zukommt, wird doch damit der Kläger eines den Interessen der von ihm vertretenen Kammermitglieder gegenläufigen Verhaltens geziehen, was auch die wirtschaftliche Stellung des Klägers beeinträchtigen kann.

Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts, könnte die im kammerpolitischen Zusammenhang gefallene, den wirtschaftlichen Ruf des Klägers beeinträchtigende Tatsachenbehauptung, wäre sie unwahr, nicht durch das Recht auf freie Meinungsäußerung (Art 10 EMRK; Art 13 StGG) gerechtfertigt werden (6 Ob 37/98d; SZ 70/38 RIS-Justiz RS0032201). Es gibt kein Recht auf freie Meinungsäußerung auf Basis unwahrer Tatsachenbehauptungen.

Soweit die Beklagten darzulegen versuchen, dass sie die beanstandeten Äußerungen im guten Glauben erhoben und dabei auch keine Pflicht zu einer sorgfältigen Prüfung verletzt hätten, übersehen sie, dass es darauf für den geltend gemachten Unterlassungsanspruch nicht ankommt. Nach nunmehr ständiger Rechtsprechung und ganz herrschender Lehre ist der Anspruch auf Unterlassung der weiteren Verbreitung einer herabsetzenden Äußerung verschuldensunabhängig, ist doch allein schon die Rufgefährdung durch objektiv unwahre Behauptungen von der Rechtsordnung verpönt (MR 1990, 183 mN; SZ 72/144; SZ 69/12 uva). Hingegen ist der Anspruch auf Widerruf nach § 1330 Abs 2 Satz 2 ABGB verschuldensabhängig (SZ 50/111; SZ 70/38 uva; RIS-Justiz RS0107663). Das Berufungsgericht hat ausgehend von der Rechtsauffassung, die nicht gebilligt wird, die Beweisrüge der Berufung der Beklagten nicht erledigt. Die Unwahrheit der beanstandeten Äußerungen der Beklagten und damit deren Tatbestandsmäßigkeit im Sinn des § 1330 Abs 2 ABGB stehen daher nicht fest. Dies muss zur Aufhebung des Berufungsurteils und zur Zurückverweisung der Rechtssache an das Berufungsgericht zur neuerlichen Entscheidung führen.

Der Kostenvorbehalt beruht auf § 52 Abs 1 ZPO.

Anmerkung

E72192 6Ob235.02f

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2004:0060OB00235.02F.0129.000

Dokumentnummer

JJT_20040129_OGH0002_0060OB00235_02F0000_000