Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 9ObS4/90 3Ob44/93 4Ob38...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0008979

Geschäftszahl

9ObS4/90; 3Ob44/93; 4Ob38/95; 5Ob36/02h; 8ObS4/03a; 6Ob254/05d; 9ObA38/06p; 9ObA60/06y; 4Ob146/07k; 5Ob148/07m; 9ObA161/07b; 9ObA109/09h; 6Ob233/09x; 5Ob153/09z; 5Ob124/10m; 5Ob5/11p; 10ObS63/12f; 1Ob157/13i; 10ObS85/13t; 10ObS177/13x; 1Ob73/14p; 9Ob27/14g; 10Ob58/14y; 10ObS50/15y; 8Ob87/15z; 10ObS158/15f; 6Ob144/17w; 4Ob124/18s; 5Ob204/18p; 8Ob50/19i

Entscheidungsdatum

14.03.1990

Norm

ABGB §7

Rechtssatz

Die teleologische Reduktion verschafft der ratio legis nicht gegen einen zu engen, sondern gegen einen überschießend weiten Gesetzeswortlaut Durchsetzung. Die (verdeckte) Lücke besteht im Fehlen einer nach der ratio notwendigen Ausnahme. Vorausgesetzt ist stets der Nachweis, dass eine umschreibbare Fallgruppe von den Grundwertungen oder Zwecken des Gesetzes entgegen seinem Wortlaut gar nicht getroffen wird und dass sie sich von den "eigentlich gemeinten" Fallgruppen so weit unterscheidet, dass die Gleichbehandlung sachlich ungerechtfertigt und willkürlich wäre. Es ist jedoch nicht zulässig, durch teleologische Reduktion eine gesetzliche Vorschrift zur Gänze ihres Inhaltes zu entkleiden.

Entscheidungstexte

  • 9 ObS 4/90
    Entscheidungstext OGH 14.03.1990 9 ObS 4/90
    Veröff: WBl 1990/271 ff (Liebeg 261) = ZAS 1991/11 S 65
  • 3 Ob 44/93
    Entscheidungstext OGH 28.04.1993 3 Ob 44/93
    nur: Die teleologische Reduktion verschafft der ratio legis nicht gegen einen zu engen, sondern gegen einen überschießend weiten Gesetzeswortlaut Durchsetzung. (T1)
    Beisatz: Die Ungleichbehandlung muss geradezu willkürlich erscheinen, ein schwerwiegender Wertungswiderspruch oder eine offenbare Ungerechtfertigkeit könnten sonst nicht vermieden werden. (T2)
  • 4 Ob 38/95
    Entscheidungstext OGH 25.04.1995 4 Ob 38/95
    nur: Die teleologische Reduktion verschafft der ratio legis nicht gegen einen zu engen, sondern gegen einen überschießend weiten Gesetzeswortlaut Durchsetzung. Die (verdeckte) Lücke besteht im Fehlen einer nach der ratio notwendigen Ausnahme. Vorausgesetzt ist stets der Nachweis, dass eine umschreibbare Fallgruppe von den Grundwertungen oder Zwecken des Gesetzes entgegen seinem Wortlaut gar nicht getroffen wird und dass sie sich von den "eigentlich gemeinten" Fallgruppen so weit unterscheidet, dass die Gleichbehandlung sachlich ungerechtfertigt und willkürlich wäre. (T3)
  • 5 Ob 36/02h
    Entscheidungstext OGH 26.02.2002 5 Ob 36/02h
    nur T3
  • 8 ObS 4/03a
    Entscheidungstext OGH 07.08.2003 8 ObS 4/03a
    Auch
  • 6 Ob 254/05d
    Entscheidungstext OGH 01.12.2005 6 Ob 254/05d
    Beisatz: Die teleologische Reduktion verschafft der „ratio legis" gegen einen überschießend weiten Gesetzeswortlaut Durchsetzung. Die (verdeckte) Lücke besteht hier im Fehlen einer nach der „ratio legis" notwendigen Ausnahmeregel. (T4)
    Beisatz: Hier: § 245 Abs 1 HGB. (T5)
    Veröff: SZ 2005/177
  • 9 ObA 38/06p
    Entscheidungstext OGH 12.07.2006 9 ObA 38/06p
    Beisatz: Eine teleologische Reduktion würde den klaren Nachweis voraussetzen, dass eine umschreibbare Fallgruppe von den Grundwertungen oder Zwecken des Gesetzes entgegen seinem Wortlaut gar nicht getroffen wird und dass sie sich von den „eigentlich gemeinten" Fallgruppen so weit unterscheidet, dass die Gleichbehandlung sachlich ungerechtfertigt und willkürlich wäre. (T6)
    Veröff: SZ 2006/109
  • 9 ObA 60/06y
    Entscheidungstext OGH 12.07.2006 9 ObA 60/06y
    Beis wie T6
  • 4 Ob 146/07k
    Entscheidungstext OGH 04.09.2007 4 Ob 146/07k
    Auch; Beis wie T6
    Veröff: SZ 2007/140
  • 5 Ob 148/07m
    Entscheidungstext OGH 11.12.2007 5 Ob 148/07m
    Ähnlich; Beisatz: Besonders bei ethisch und weltanschaulich umstrittenen Fragen muss eine von den bestehenden (allgemeinen) Regeln des Rechts - hier: des Schadenersatzrechts - abweichende Bewertung dem Gesetzgeber vorbehalten bleiben. (T7)
    Beisatz: Hier: Frage nach Schadenersatz im Zusammenhang mit der Geburt eines Kindes (wrongful birth, wrongful life). (T8)
  • 9 ObA 161/07b
    Entscheidungstext OGH 07.02.2008 9 ObA 161/07b
    nur T1
  • 9 ObA 109/09h
    Entscheidungstext OGH 16.11.2009 9 ObA 109/09h
    Auch; Beisatz: Die teleologische Reduktion stellt bei zu weit geratenen gesetzlichen Tatbeständen das Gegenstück zur Analogie dar. Sie verschafft der ratio legis gegen einen überschießend weiten Gesetzeswortlaut Durchsetzung, indem sich die (letztlich den Gesetzeswortlaut korrigierende) Auslegung am Gesetzeszweck orientiert. (T9)
    Beisatz: Hier: § 4 Z 1 lit a ASGG. (T10)
    Veröff: SZ 2009/150
  • 6 Ob 233/09x
    Entscheidungstext OGH 17.12.2009 6 Ob 233/09x
    Vgl; Beis wie T6; Bem: Hier: § 17 Abs 5 PSG. (T11)
  • 5 Ob 153/09z
    Entscheidungstext OGH 24.11.2009 5 Ob 153/09z
    nur T3; Bem: Hier: Teleologische Reduktion von § 13 AnfO abgelehnt. (T12)
    Veröff: SZ 2009/155
  • 5 Ob 124/10m
    Entscheidungstext OGH 23.09.2010 5 Ob 124/10m
    Vgl; Beisatz: Es ist nicht zulässig, durch teleologische Reduktion eine gesetzliche Vorschrift (beinahe) zur Gänze ihres Inhalts zu entkleiden. (T13)
  • 5 Ob 5/11p
    Entscheidungstext OGH 26.05.2011 5 Ob 5/11p
    Auch; Beis wie T10; Beis ähnlich wie T13
  • 10 ObS 63/12f
    Entscheidungstext OGH 24.07.2012 10 ObS 63/12f
    Vgl; Beis wie T9; Veröff: SZ 2012/74
  • 1 Ob 157/13i
    Entscheidungstext OGH 21.11.2013 1 Ob 157/13i
    Vgl; Veröff: SZ 2013/109
  • 10 ObS 85/13t
    Entscheidungstext OGH 17.12.2013 10 ObS 85/13t
    nur T1; Beisatz: Hier: § 5 Abs 4 KBGG. (T14)
  • 10 ObS 177/13x
    Entscheidungstext OGH 25.02.2014 10 ObS 177/13x
    nur T1; Beis wie T14; Beisatz: Hier: Geburt des zweiten Kindes um 6 Tage früher als erwartet und daher 2‑Monatsfrist des § 5 Abs 4 KBGG nicht erfüllt. (T15)
  • 1 Ob 73/14p
    Entscheidungstext OGH 22.05.2014 1 Ob 73/14p
    Auch
  • 9 Ob 27/14g
    Entscheidungstext OGH 25.06.2014 9 Ob 27/14g
  • 10 Ob 58/14y
    Entscheidungstext OGH 24.02.2015 10 Ob 58/14y
    Auch; nur T1; Veröff: SZ 2015/10
  • 10 ObS 50/15y
    Entscheidungstext OGH 02.09.2015 10 ObS 50/15y
    Auch
  • 8 Ob 87/15z
    Entscheidungstext OGH 29.09.2015 8 Ob 87/15z
    Auch; nur T1
  • 10 ObS 158/15f
    Entscheidungstext OGH 19.01.2016 10 ObS 158/15f
    Auch
  • 6 Ob 144/17w
    Entscheidungstext OGH 17.01.2018 6 Ob 144/17w
    Auch; Veröff: SZ 2018/1
  • 4 Ob 124/18s
    Entscheidungstext OGH 23.08.2018 4 Ob 124/18s
    Auch
  • 5 Ob 204/18p
    Entscheidungstext OGH 20.03.2019 5 Ob 204/18p
    Auch; Beis wie T9; Beisatz: Hier: § 362 ABGB im Hinblick auf die unzulässige Dereliktion von (bloßen) Miteigentumsanteilen. (T16)
  • 8 Ob 50/19i
    Entscheidungstext OGH 24.05.2019 8 Ob 50/19i
    nur T3

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1990:RS0008979

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

11.12.2019

Dokumentnummer

JJR_19900314_OGH0002_009OBS00004_9000000_001

Rechtssatz für 9ObS4/91 9ObS16/91 9ObS...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0076409

Geschäftszahl

9ObS4/91; 9ObS16/91; 9ObS22/91; 9ObS15/92; 9ObS24/93; 9ObS32/93; 8ObS8/94; 8ObS7/94; 8ObS6/94; 8ObS24/95; 8ObS2049/96y; 8ObS2107/96b; 8ObS42/95; 8ObS346/97h; 7Ob243/98f; 8ObS192/98p; 8ObS183/98i; 8ObS162/98a; 8ObS133/99p; 8ObS306/98b; 8ObS295/98k; 8ObS28/99x; 8ObS32/99k; 8ObS48/99p; 8ObS277/99i; 8ObS49/00i; 8ObS69/00f; 8ObS56/00v; 8ObS294/99i; 8ObS153/00h; 8ObS57/00s; 8ObS150/00t; 8ObS311/99i; 8ObS206/00b; 8ObS218/00t; 8ObS243/00v; 9ObA25/01v; 8ObS77/01h; 8ObS249/00a; 8ObS154/01g; 8ObS114/01z; 4Ob157/02w; 8ObS200/02y; 8ObS4/03a; 8ObS11/03f; 8ObS14/03x; 8ObS15/03v; 8ObS3/04f; 8ObS17/05s; 8ObS24/05w; 8ObS9/06s; 8ObS3/08m; 8ObS6/11g; 8ObS13/11m; 8ObS12/12s; 8ObS2/13x; 8ObS3/13v; 8ObS3/14w; 8ObS7/14h; 8ObS1/15b; 8ObS2/15z; 8ObS2/16a; 8ObS17/16g; 8ObS12/17y; 8ObS13/17w; 8ObS9/17g; 8ObS1/19h

Entscheidungsdatum

08.05.1991

Norm

EStG §67 Abs8 litg
IESG §1
IESG §1 Abs2 Z2

Rechtssatz

Zweck des IESG ist eine sozialversicherungsrechtliche Sicherung von Entgeltansprüchen und sonstigen aus dem Arbeitsverhältnis erwachsenden Ansprüchen von Arbeitnehmern im Falle der Insolvenz ihres Arbeitgebers. Versichertes Risiko ist demnach im Kernbereich die von den Arbeitnehmern typischerweise nicht selbst abwendbare und absicherbare Gefahr des gänzlichen oder teilweisen Verlustes ihrer Entgeltansprüche, auf die sie typischerweise zur Bestreitung des eigenen Lebensunterhaltes sowie des Lebensunterhaltes ihrer unterhaltsberechtigten Angehörigen angewiesen sind.

Entscheidungstexte

  • 9 ObS 4/91
    Entscheidungstext OGH 08.05.1991 9 ObS 4/91
    Veröff: SZ 64/54 = RdW 1991,333 = WBl 1991,328 = ecolex 1991,636
  • 9 ObS 16/91
    Entscheidungstext OGH 11.09.1991 9 ObS 16/91
    nur: Versichertes Risiko ist demnach im Kernbereich die von den Arbeitnehmern typischerweise nicht selbst abwendbare und absicherbare Gefahr des gänzlichen oder teilweisen Verlustes ihrer Entgeltansprüche, auf die sie typischerweise zur Bestreitung des eigenen Lebensunterhaltes sowie des Lebensunterhaltes ihrer unterhaltsberechtigten Angehörigen angewiesen sind. (T1)
    Veröff: SZ 64/124
  • 9 ObS 22/91
    Entscheidungstext OGH 29.01.1992 9 ObS 22/91
    Veröff: SZ 65/15 = WBl 1992/236
  • 9 ObS 15/92
    Entscheidungstext OGH 27.01.1993 9 ObS 15/92
    nur T1; Veröff: SZ 66/8 = DRdA 1993,490 (Geist) = SozArb 1993 H6,12
  • 9 ObS 24/93
    Entscheidungstext OGH 13.10.1993 9 ObS 24/93
    Veröff: SZ 66/124 = WBl 1993,124 = RdW 1993,251
  • 9 ObS 32/93
    Entscheidungstext OGH 16.03.1994 9 ObS 32/93
    Beisatz: § 48 ASGG (T2)
    Veröff: SZ 67/41
  • 8 ObS 8/94
    Entscheidungstext OGH 26.01.1994 8 ObS 8/94
    Veröff: SZ 67/14
  • 8 ObS 7/94
    Entscheidungstext OGH 13.04.1994 8 ObS 7/94
  • 8 ObS 6/94
    Entscheidungstext OGH 31.08.1994 8 ObS 6/94
    Veröff: SZ 67/142
  • 8 ObS 24/95
    Entscheidungstext OGH 22.06.1995 8 ObS 24/95
  • 8 ObS 2049/96y
    Entscheidungstext OGH 29.08.1996 8 ObS 2049/96y
    nur: Zweck des IESG ist eine sozialversicherungsrechtliche Sicherung von Entgeltansprüchen und sonstigen aus dem Arbeitsverhältnis erwachsenden Ansprüchen von Arbeitnehmern im Falle der Insolvenz ihres Arbeitgebers. (T3)
    Beisatz: Es sind nur jene Ansprüche gesichert, die mit den ein Arbeitsverhältnis kennzeichnenden Hauptpflichten und Nebenpflichten in einem solchen Sachzusammenhang stehen, dass davon ausgegangen werden kann, die Ansprüche hätten ihren Entstehungsgrund letztlich im Arbeitsverhältnis (DRdA 1992, 383; 8 ObS 7/94 = ecolex 1994, 561). (T4)
    Veröff: SZ 69/195
  • 8 ObS 2107/96b
    Entscheidungstext OGH 12.09.1996 8 ObS 2107/96b
    nur T1; Veröff: SZ 69/208
  • 8 ObS 42/95
    Entscheidungstext OGH 17.10.1996 8 ObS 42/95
    Beisatz: Das IESG setzt den Typus des benachteiligten Arbeitnehmers voraus, dem der Einblick in die wirtschaftliche Gestion des Arbeitgebers verwehrt ist und der dadurch einem erhöhten, von ihm nicht zu beeinflussenden Risiko ausgesetzt ist, an seinem Entgeltanspruch, auf den er zur Sicherung seiner Existenz angewiesen ist, Schaden zu nehmen. (T5)
  • 8 ObS 346/97h
    Entscheidungstext OGH 12.03.1998 8 ObS 346/97h
    Vgl auch; nur T3; Beisatz: Der Arbeitnehmer, dem es gelingt, vom Arbeitgeber oder einem Dritten eine ausreichende Sicherheit gegen den Verlust seiner Entgeltansprüche bei Insolvenz des Arbeitgebers zu erlangen, ist daher nicht vom Schutzzweck des IESG erfasst. (T6)
  • 7 Ob 243/98f
    Entscheidungstext OGH 20.10.1998 7 Ob 243/98f
    nur T1
  • 8 ObS 192/98p
    Entscheidungstext OGH 12.11.1998 8 ObS 192/98p
    Beis wie T5
  • 8 ObS 183/98i
    Entscheidungstext OGH 22.12.1998 8 ObS 183/98i
    Beisatz: Das Entgelt aus einem völlig atypisch gestalteten Arbeitsverhältnis, das nicht auf Erzielung von Entgelt für die Bestreitung des Lebensunterhalts gerichtet ist, kann nach den Bestimmungen des IESG nicht gesichert sein. Die Erwartung, auf Grund eines derartigen Arbeitsverhältnisses später eine höhere Pension zu beziehen, ist nicht vom Schutzzweck des IESG erfasst. (T7)
  • 8 ObS 162/98a
    Entscheidungstext OGH 10.12.1998 8 ObS 162/98a
    nur T3; Beis wie T4; Veröff: SZ 71/208
  • 8 ObS 133/99p
    Entscheidungstext OGH 27.05.1999 8 ObS 133/99p
  • 8 ObS 306/98b
    Entscheidungstext OGH 07.06.1999 8 ObS 306/98b
    nur T1; Beis wie T7 nur: Das Entgelt aus einem völlig atypisch gestalteten Arbeitsverhältnis, das nicht auf Erzielung von Entgelt für die Bestreitung des Lebensunterhalts gerichtet ist, kann nach den Bestimmungen des IESG nicht gesichert sein. (T8)
  • 8 ObS 295/98k
    Entscheidungstext OGH 07.06.1999 8 ObS 295/98k
    nur T1; Beis wie T2
  • 8 ObS 28/99x
    Entscheidungstext OGH 07.06.1999 8 ObS 28/99x
    nur T1; Beis wie T8; Beisatz: Aus dem Schutzzweck des IESG ergibt sich, dass Arbeitnehmeransprüche, die ein Arbeitnehmer untypischerweise durch Jahre hindurch nicht gerichtlich geltend macht, auch dann, wenn sie vom Arbeitgeber anerkannt und von diesem auf den Verjährungseinwand verzichtet wurde, nicht als gesicherte Ansprüche iSd § 1 Abs 1 IESG anzusehen sind. (T9)
  • 8 ObS 32/99k
    Entscheidungstext OGH 08.07.1999 8 ObS 32/99k
    nur T1; Beis wie T8; Beis ähnlich wie T9
  • 8 ObS 48/99p
    Entscheidungstext OGH 08.07.1999 8 ObS 48/99p
    nur T1; Beis wie T8; Beis ähnlich wie T9
  • 8 ObS 277/99i
    Entscheidungstext OGH 27.01.2000 8 ObS 277/99i
    Vgl auch; Beis ähnlich wie T9
  • 8 ObS 49/00i
    Entscheidungstext OGH 24.02.2000 8 ObS 49/00i
    Beis wie T4; Beisatz: Dieser Zweck erfordert es, dem Arbeitnehmer die Inanspruchnahme der Sicherung in zumutbarer Weise auch dann zu ermöglichen, wenn sein in Aussicht genommener Arbeitgeber rechtlich nicht existent wird. (T10)
  • 8 ObS 69/00f
    Entscheidungstext OGH 30.03.2000 8 ObS 69/00f
    Vgl auch; Beisatz: Bei Ansprüchen von Arbeitnehmer-Gesellschaftern, die wegen ihrer Beteiligung an der als Arbeitgeberin fungierenden GmbH die Befriedigung der ihnen aus ihrem Arbeitsverhältnis zustehenden Entgeltansprüche hintanstellten, handelt es sich nicht um typische Arbeitnehmeransprüche im Sinne des Schutzzweckes des IESG. (T11)
  • 8 ObS 56/00v
    Entscheidungstext OGH 13.04.2000 8 ObS 56/00v
    Vgl auch; Beis wie T8
  • 8 ObS 294/99i
    Entscheidungstext OGH 08.06.2000 8 ObS 294/99i
    nur T1; Beis wie T8; Beisatz: Kein vom Schutzzweck des IESG erfasstes Arbeitsverhältnis liegt vor, wenn die vom "Arbeitnehmer" zu erbringende Gegenleistung im Wesentlichen nicht eine seine Arbeitskraft zur Gänze oder zum Großteil in Anspruch nehmende Arbeitsleistung, sondern die Beistellung seiner Gewerbeberechtigung ist. (T12)
  • 8 ObS 153/00h
    Entscheidungstext OGH 08.06.2000 8 ObS 153/00h
    Beis wie T8; Beis ähnlich wie T9
  • 8 ObS 57/00s
    Entscheidungstext OGH 13.07.2000 8 ObS 57/00s
    Beis wie T8; Beis ähnlich wie T9
  • 8 ObS 150/00t
    Entscheidungstext OGH 13.07.2000 8 ObS 150/00t
    Beis wie T8
  • 8 ObS 311/99i
    Entscheidungstext OGH 29.06.2000 8 ObS 311/99i
  • 8 ObS 206/00b
    Entscheidungstext OGH 23.10.2000 8 ObS 206/00b
    Beis wie T5
  • 8 ObS 218/00t
    Entscheidungstext OGH 11.01.2001 8 ObS 218/00t
  • 8 ObS 243/00v
    Entscheidungstext OGH 11.01.2001 8 ObS 243/00v
    Veröff: SZ 74/3
  • 9 ObA 25/01v
    Entscheidungstext OGH 28.03.2001 9 ObA 25/01v
    Vgl auch; Beis wie T8; Beis wie T9
  • 8 ObS 77/01h
    Entscheidungstext OGH 12.04.2001 8 ObS 77/01h
    Auch; Beis wie T4; Beisatz: Miete und sonstige Kosten für die dem Arbeitgeber als "Zwischenlösung" als Büro vom Arbeitnehmer zur Verfügung gestellte eigene Wohnung sind nicht gesichert. (T13)
  • 8 ObS 249/00a
    Entscheidungstext OGH 26.04.2001 8 ObS 249/00a
  • 8 ObS 154/01g
    Entscheidungstext OGH 29.11.2001 8 ObS 154/01g
    nur T1
  • 8 ObS 114/01z
    Entscheidungstext OGH 29.11.2001 8 ObS 114/01z
    nur T3; Beis wie T4
  • 4 Ob 157/02w
    Entscheidungstext OGH 16.07.2002 4 Ob 157/02w
    Vgl auch; Beis wie T7
  • 8 ObS 200/02y
    Entscheidungstext OGH 07.11.2002 8 ObS 200/02y
    Auch; Beisatz: Mit diesem Zweck ist es nicht vereinbar, längst zurückliegende (weil lange stehen gelassene) Ansprüche, die mit der Sicherung des laufenden Lebensunterhalts in keinerlei Zusammenhang mehr gebracht werden können, dem Schutzzweck des IESG zu unterstellen. (T14)
  • 8 ObS 4/03a
    Entscheidungstext OGH 07.08.2003 8 ObS 4/03a
    Beisatz: Lohnsteuerschäden infolge verspäteter Entgeltzahlung sind durch die pauschale Regelung der Besteuerung nach § 67 Abs 8 lit g EStG abgegolten und können daher nicht gesondert als Schadenersatzanspruch nach § 1 Abs 2 Z 2 IESG geltend gemacht werden. (T15)
  • 8 ObS 11/03f
    Entscheidungstext OGH 25.11.2003 8 ObS 11/03f
  • 8 ObS 14/03x
    Entscheidungstext OGH 30.10.2003 8 ObS 14/03x
    Auch; nur T3
  • 8 ObS 15/03v
    Entscheidungstext OGH 13.11.2003 8 ObS 15/03v
    Auch; nur T3
  • 8 ObS 3/04f
    Entscheidungstext OGH 12.03.2004 8 ObS 3/04f
    Beisatz: Nach dem Zweck des IESG kann ein Anspruch nicht gesichert sein, der zu einem Doppelbezug der Arbeitnehmer führen würde, weshalb eine bereits an den Arbeitnehmer gezahlte Ausgleichsquote nicht gesichert ist. (T16)
  • 8 ObS 17/05s
    Entscheidungstext OGH 06.10.2005 8 ObS 17/05s
    nur: Zweck des IESG ist eine sozialversicherungsrechtliche Sicherung von Entgeltansprüchen und sonstigen aus dem Arbeitsverhältnis erwachsenden Ansprüchen von Arbeitnehmern im Falle der Insolvenz ihres Arbeitgebers. Versichertes Risiko ist demnach im Kernbereich die von den Arbeitnehmern typischerweise nicht selbst abwendbare und absicherbare Gefahr des gänzlichen oder teilweisen Verlustes ihrer Entgeltansprüche. (T17)
    Beisatz: Ersatz von vom Arbeitgeber nicht ausgefolgten Werkzeugen des Arbeitnehmers. (T18)
  • 8 ObS 24/05w
    Entscheidungstext OGH 16.11.2005 8 ObS 24/05w
    nur T3; Beis wie T4
  • 8 ObS 9/06s
    Entscheidungstext OGH 13.07.2006 8 ObS 9/06s
    nur T1; Beisatz: Hier verneint bei neuerlichem Eingehen eines Arbeitsverhältnisses zum selben Arbeitgeber trotz erheblicher Entgeltrückstände aus dem ersten Arbeitsverhältnis. (T19)
  • 8 ObS 3/08m
    Entscheidungstext OGH 10.07.2008 8 ObS 3/08m
    Beisatz: Hingegen ist es nicht Zweck des IESG, dem Gesellschafter einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung das Finanzierungsrisiko abzunehmen. (T20)
    Bem: So auch schon RS0018227. (T21)
  • 8 ObS 6/11g
    Entscheidungstext OGH 25.05.2011 8 ObS 6/11g
    Veröff: SZ 2011/65
  • 8 ObS 13/11m
    Entscheidungstext OGH 30.08.2011 8 ObS 13/11m
  • 8 ObS 12/12s
    Entscheidungstext OGH 27.11.2012 8 ObS 12/12s
    Veröff: SZ 2012/131
  • 8 ObS 2/13x
    Entscheidungstext OGH 29.04.2013 8 ObS 2/13x
  • 8 ObS 3/13v
    Entscheidungstext OGH 29.04.2013 8 ObS 3/13v
  • 8 ObS 3/14w
    Entscheidungstext OGH 24.03.2014 8 ObS 3/14w
    Auch; Beisatz: Typische unternehmerische Tätigkeiten sowie die besonderen Unternehmer‑(Arbeitgeber‑)Funktionen von Vorstandsmitgliedern einer Aktiengesellschaft fallen aus diesem besonderen Schutzbereich heraus. (T22);Veröff: SZ 2014/28
  • 8 ObS 7/14h
    Entscheidungstext OGH 23.01.2015 8 ObS 7/14h
    Auch
  • 8 ObS 1/15b
    Entscheidungstext OGH 24.03.2015 8 ObS 1/15b
  • 8 ObS 2/15z
    Entscheidungstext OGH 25.06.2015 8 ObS 2/15z
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Von der Dienstnehmerin getragene Kosten für die nach dem Ende des Dienstverhältnisses absolvierte zweite Hälfte einer während des aufrechten Dienstverhältnisses begonnenen Ausbildung, zu deren Ersatz sich der Dienstgeber verpflichtet hatte. (T23)
  • 8 ObS 2/16a
    Entscheidungstext OGH 28.06.2016 8 ObS 2/16a
  • 8 ObS 17/16g
    Entscheidungstext OGH 22.02.2017 8 ObS 17/16g
    Veröff: SZ 2017/18
  • 8 ObS 12/17y
    Entscheidungstext OGH 20.12.2017 8 ObS 12/17y
  • 8 ObS 13/17w
    Entscheidungstext OGH 20.12.2017 8 ObS 13/17w
    Auch; Beis wie T4
  • 8 ObS 9/17g
    Entscheidungstext OGH 26.01.2018 8 ObS 9/17g
    Auch; Veröff: SZ 2018/5
  • 8 ObS 1/19h
    Entscheidungstext OGH 29.08.2019 8 ObS 1/19h
    Beis wie T14

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1991:RS0076409

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

11.12.2019

Dokumentnummer

JJR_19910508_OGH0002_009OBS00004_9100000_002

Rechtssatz für 9ObS22/91 8ObS7/94 8ObS...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0076382

Geschäftszahl

9ObS22/91; 8ObS7/94; 8ObS2049/96y; 8ObS162/98a; 8ObS49/00i; 8ObS114/01z; 8ObS4/03a; 8ObS17/05s; 8ObS24/05w; 8ObS6/11g; 8ObS1/15b

Entscheidungsdatum

29.01.1992

Norm

IESG allg

Rechtssatz

Dem Zweck des IESG entspricht es, unter Schadenersatzansprüchen "aus dem Arbeitsverhältnis" nur solche Ansprüche zu verstehen, die mit den ein Arbeitsverhältnis kennzeichnenden Hauptpflichten und Nebenpflichten in einem solchen Sachzusammenhang stehen, dass davon ausgegangen werden kann, die Ansprüche hätten ihren Entstehungsgrund letztlich im Arbeitsverhältnis.

Entscheidungstexte

  • 9 ObS 22/91
    Entscheidungstext OGH 29.01.1992 9 ObS 22/91
    Veröff: SZ 65/15 = WBl 1992,236
  • 8 ObS 7/94
    Entscheidungstext OGH 13.04.1994 8 ObS 7/94
  • 8 ObS 2049/96y
    Entscheidungstext OGH 29.08.1996 8 ObS 2049/96y
    nur: Dem Zweck des IESG entspricht es, unter Ansprüchen "aus dem Arbeitsverhältnis" nur solche Ansprüche zu verstehen, die mit den ein Arbeitsverhältnis kennzeichnenden Hauptpflichten und Nebenpflichten in einem solchen Sachzusammenhang stehen, dass davon ausgegangen werden kann, die Ansprüche hätten ihren Entstehungsgrund letztlich im Arbeitsverhältnis. (T1)
    Veröff: SZ 69/195
  • 8 ObS 162/98a
    Entscheidungstext OGH 10.12.1998 8 ObS 162/98a
    nur T1; Veröff: SZ 71/208
  • 8 ObS 49/00i
    Entscheidungstext OGH 24.02.2000 8 ObS 49/00i
    nur T1
  • 8 ObS 114/01z
    Entscheidungstext OGH 29.11.2001 8 ObS 114/01z
    nur T1
  • 8 ObS 4/03a
    Entscheidungstext OGH 07.08.2003 8 ObS 4/03a
  • 8 ObS 17/05s
    Entscheidungstext OGH 06.10.2005 8 ObS 17/05s
    Beisatz: Begehrt der Arbeitnehmer Ersatz von vom Arbeitgeber nicht ausgefolgten Werkzeugen des Arbeitnehmers, so liegt ein nach dem IESG gesicherter Schadenersatzanspruch vor. (T2)
  • 8 ObS 24/05w
    Entscheidungstext OGH 16.11.2005 8 ObS 24/05w
    Beisatz: Der durch die nicht rechtzeitige Entgeltzahlung entstehende „Verzugsschaden" kann nur im Rahmen der Regelungen des IESG über die Verzinsung gesicherter Ansprüche geltend gemacht werden. (T3)
    Beisatz: Ein weitergehender Ersatzanspruch aus der verspäteten Entgeltzahlung als der im IESG geregelte Anspruch auf (Verzugs-)Zinsen ist nach der Systematik dieses Gesetzes nicht gesichert. (T4)
    Beisatz: Der Anspruch des Klägers auf Ersatz der Mahnkosten und Spesen, mit denen er im Zusammenhang mit einer Kreditaufnahme belastet wurde, hat seinen Entstehungsgrund nicht im Arbeitsverhältnis. (T5)
  • 8 ObS 6/11g
    Entscheidungstext OGH 25.05.2011 8 ObS 6/11g
    Auch; Beisatz: Dies gilt auch dann, wenn dem geltend gemachten Anspruch eine Konventionalstrafenvereinbarung zugrunde liegt. (T6)
    Veröff: SZ 2011/65
  • 8 ObS 1/15b
    Entscheidungstext OGH 24.03.2015 8 ObS 1/15b
    Beis wie T6; Beisatz: Bei einer Konventionalstrafenvereinbarung, die erst nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses abgeschlossen wurde, handelt es sich um einen gesonderten Verpflichtungsgrund, der außerhalb des Arbeitsverhältnisses gelegen ist. (T7)
    Beisatz: Außerdem muss ein konkreter Schaden eingetreten und dementsprechend vom Kläger behauptet und bewiesen werden, weil ein bloßer Pflichtverstoß des Arbeitgebers selbst im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis nicht als Schadenersatzanspruch „aus einem Arbeitsverhältnis“ im Sinn des § 1 Abs 2 Z 2 IESG angesehen werden kann. (T8)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1992:RS0076382

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

26.05.2015

Dokumentnummer

JJR_19920129_OGH0002_009OBS00022_9100000_002

Entscheidungstext 8ObS4/03a

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Fundstelle

wbl 2003,592 = DRdA 2003,580 = ecolex 2003,931 = RdW 2004,115 = ZIK 2004,33 = SSV-NF 17/86

Geschäftszahl

8ObS4/03a

Entscheidungsdatum

07.08.2003

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Petrag als Vorsitzenden und durch den Hofrat des Obersten Gerichtshofes Dr. Rohrer und die Hofrätin des Obersten Gerichtshofes Dr. Lovrek sowie die fachkundigen Laienrichter Mag. Harald Kaszanits und Mag. Gabriele Jarosch als weitere Richter in der Sozialrechtssache der klagenden Partei Raimund M*****, Elektriker, ***** vertreten durch Forcher-Mayr & Kantner, Rechtsanwälte in Innsbruck, wider die beklagte Partei IAF Service GmbH, ***** vertreten durch die Finanzprokurator, Singerstraße 17-19, 1010 Wien, wegen Insolvenzausfallgeld (EUR 3.390,51 sA), über die Revision der klagenden Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichtes Innsbruck als Berufungsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 21. Jänner 2003, GZ 25 Rs 1/03p-10, womit über Berufung des Klägers das Urteil des Landesgerichtes Innsbruck als Arbeits- und Sozialgericht vom 2. Oktober 2002, GZ 47 Cgs 104/02a-6, bestätigt wurde, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

Der Revision wird nicht Folge gegeben.

Der Kläger hat die Kosten des Revisionsverfahrens selbst zu tragen.

Text

Entscheidungsgründe:

Der Kläger war vom 6. 2. 1998 bis 1. 9. 2001 als Lehrling und in der Folge bis 14. 11. 2001 als Elektriker mit einem Bruttomonatslohn von S 17.652 bei der protokollierten Firma "Helmut F*****" in L***** beschäftigt. Mit Schreiben vom 29. 10. 2001 intervenierte die Arbeiterkammer L***** für den Kläger beim Arbeitgeber, weil dieser die Lehrlingsentschädigungen inklusive Überstunden für die Monate Juni bis August 2001, die Löhne September und Oktober 2001 und den Urlaubszuschuss 2001 nicht ausbezahlt hatte. Der Kläger setzte seinem ehemaligen Arbeitgeber und nunmehrigem Gemeinschuldner mit Schreiben vom 9. 11. 2001 eine Frist zur Zahlung der Rückstände bis 14. 11. 2001 und kündigte für den Fall, dass keine Zahlung erfolge, seinen berechtigten vorzeitigen Austritt an. Eine Zahlung erfolgte nicht. Der Kläger trat am 14. 11. 2001 vorzeitig aus dem Arbeitsverhältnis aus.

Mit Beschluss des Landesgerichtes Innsbruck vom 29. 1. 2002 wurde über das Vermögen des Dienstgebers des Klägers der Konkurs eröffnet. Im Konkursverfahren meldete der Kläger unter anderem EUR 3.207,71 als Schadenersatz aus erhöhter Einkommensteuer infolge nicht rechtzeitiger Auszahlung von Lehrlingsentschädigung, Lohn, Sonderzahlungen und Überstunden an. Die so angemeldete Forderung wurde vom Masseverwalter zur Gänze anerkannt.

Mit Bescheid vom 16. 5. 2002 wurde dem Kläger ein Insolvenzausfallgeld von netto EUR 13.912 zuerkannt; mit Bescheid vom selben Tag wurde die Zuerkennung des aus dem Titel "Schadenersatz aus erhöhter Einkommensteuer" geltend gemachten Insolvenzausfallgeldes verwehrt.

Mit Klage vom 6. 6. 2002 begehrt der Kläger EUR 3.207,71 an Schadenersatz aus erhöhter Einkommensteuer zuzüglich Kosten und Zinsen; somit insgesamt EUR 3.390,51. Dabei bezieht sich der Kläger zusammengefasst darauf, dass er durch eine Änderung des EStG einen in der Folge näher aufgeschlüsselten (ON 4) Schaden erlitten habe, der aus einer Verletzung der Verpflichtungen des ehemaligen Arbeitgebers zur rechtzeitigen Lohnauszahlung entstanden sei.

Die Beklagte wendet ein, dass es unzulässig sei, aus den mit 1. 1. 2001 in Kraft getretenen gesetzlichen Regelungen (§ 67 Abs 8 lit g EStG 1988 idF des BudgetbegleitG 2001) einen dem Kläger zustehenden Schadenersatzanspruch zu konstruieren. Habe der Gesetzgeber - wie hier - die steuerrechtliche Behandlung von durch Insolvenzverfahren bedingten Nachzahlungen einer Neuregelung zugeführt, könne diese Vorgangsweise nicht zu einem gegenüber der Beklagten geltend zu machenden Schadenersatzanspruch führen. Einerseits seien die durch die verspätete Zahlung resultierenden Schäden pauschal mit den Vergütungszinsen nach § 49a ASGG abgegolten; andererseits verfolge das IESG lediglich den Zweck, die Arbeitnehmer gegen das Risiko des gänzlichen oder teilweisen Verlustes ihrer Entgeltansprüche zu sichern. Die Annahme, dass auch ein sogenannter Steuerschaden sicherungsfähig wäre, widerspreche dem Gesetzeszweck. Ferner wendete die Beklagte Unzulässigkeit des Rechtsweges ein.

Das Erstgericht wies das Klagebegehren unter Zugrundelegung des eingangs dargestellten unstrittigen Sachverhaltes ab, wobei es ergänzend "feststellte", dass dem Kläger durch die nicht rechtzeitige Auszahlung von Lehrlingsentschädigungen, Löhnen, Sonderzahlungen sowie Überstunden ein "Steuerschaden" von netto EUR 3.207,68 entstanden sei.

Rechtlich ging das Erstgericht davon aus, dass es sich beim vom Kläger geltend gemachten Steuerschaden nicht um einen sicherungsfähigen Anspruch im Sinne des § 1 Abs 2 Z 2 IESG handle. Der Gesetzgeber habe durch die Neuregelung des § 67 Abs 8 lit g EStG keine Erweiterung der Ansprüche nach dem IESG schaffen wollen.

Das Berufungsgericht gab der dagegen vom Kläger erhobenen Berufung nicht Folge und sprach aus, dass die ordentliche Revision zulässig sei, weil sich der Oberste Gerichtshof mit der hier vorliegenden Frage eines "Lohnsteuerschadens" bisher noch nicht auseinandergesetzt habe.

Rechtlich ging das Berufungsgericht davon aus, dass der von der Beklagten erhobene Einwand der Unzulässigkeit des Rechtsweges unberechtigt sei.

Aus den vom Berufungsgericht eingehend dargestellten Änderungen des EStG 1988 folgerte es, dass der Anspruch des Klägers gegenüber der Beklagten auf Insolvenzausfallgeld als Bruttoanspruch zu verstehen sei. Es müsse dem Gesetzgeber überlassen bleiben, wie er die Besteuerung dieses Bruttolohnanspruches normiere, solange er nicht gleichheitswidrig oder unsachlich vorgehe. Der Gesetzgeber könne daher auch Regelungen treffen, die einen Ausgleich für eine verspätete Zahlung beträfen. Eine entsprechende Regelung sei - wie aus den Gesetzesmaterialien ersichtlich - ohnedies getroffen worden, habe der Gesetzgeber doch zur Abgeltung des durch das nun eingeführte Zuflussprinzip für die Nachzahlungen eintretenden Progressionseffektes ein Fünftel des sich nach Ausscheiden gesondert zu versteuernder Bezüge und nach Abzug der Pflichtbeiträge ergebenden Betrages endgültig steuerfrei belassen. Habe aber der Gesetzgeber - wie hier - solche besonderen Regelungen getroffen, bleibe für eine zusätzliche Abgeltung im Rahmen des IESG kein Raum. Im Ergebnis würde dadurch eine doppelte Berücksichtigung erfolgen, die dem Gesetzgeber nicht unterstellt werden könne. Würde man dies annehmen, käme ein so betroffener Arbeitnehmer einerseits in den Genuss eines besonderen Steuersatzes im Rahmen der Zahlung des Insolvenzausfallgeldes; andererseits könnte er noch zusätzliche Schadenersatzansprüche relevieren. Auch mit dem Zweck des IESG, nämlich der Absicherung des Arbeitnehmers gegen das Risiko des gänzlichen oder teilweisen Verlustes der Entgeltansprüche, auf deren regelmäßige Befriedigung der Arbeitnehmer typischerweise zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes für sich und seine Angehörigen angewiesen sei, sei die Zuerkennung eines derartigen Schadenersatzanspruches nicht in Einklang zu bringen. Eine historische Auslegung nach der Absicht des Gesetzgebers rechtfertige diese Auslegung. Auch bei einer teleologisch-systematischen Betrachtung ergebe sich dieses Ergebnis, wären doch die neuen Bestimmungen des EStG überflüssig, wenn ohnedies nach dem IESG jedenfalls ein "Lohnsteuerschaden" zu liquidieren wäre. Bedenken gegen die Verfassungskonformität der Neuregelung bestünden nicht. Der Umstand, dass der Arbeitnehmer gegen einen nicht insolventen Arbeitgeber einen Schadenersatzanspruch für einen Lohnsteuerschaden stellen könne, verpflichte den Gesetzgeber nicht, einen solchen Anspruch auch in den Sicherungskatalog des IESG aufzunehmen.

Die Insolvenzrichtlinie gebe einen Mindeststandard zur Sicherung des dort definierten Arbeitsentgelts vor. Dieser Mindeststandard werde nicht dadurch verletzt, dass der Kläger keinen "Lohnsteuerschaden" geltend machen könne.

Die dagegen vom Kläger erhobene Revision ist aus dem vom Berufungsgericht genannten Grund zulässig; sie ist jedoch nicht berechtigt.

Auf den von der Beklagten in erster Instanz erhobenen Einwand der Unzulässigkeit des Rechtsweges muss nicht näher eingegangen werden, zumal nach der Rechtsprechung eine Wahrnehmung des Mangels der Zulässigkeit des Rechtsweges jedenfalls nicht mehr möglich ist, wenn bereits eine bindende Gerichtsentscheidung über diese Voraussetzung erfolgt ist, die bereits dann anzunehmen ist, wenn sich ein Gericht nur in den Entscheidungsgründen mit dem Vorliegen der Prozessvoraussetzung auseinandergesetzt hat (vgl die Nachweise bei Mayr in Rechberger² § 42 JN Rz 11 f).

Der Kläger hält der Rechtsauffassung des Berufungsgerichtes entgegen, dass gemäß § 1 Abs 2 Z 2 IESG zu den gesicherten Ansprüchen auch Schadenersatzansprüche zählten. Die Rechtsansicht des Berufungsgerichtes, wonach der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer nicht jenen Schaden zu ersetzen habe, der aus einer höheren Besteuerung aufgrund einer verschuldeten späteren Auszahlung resultiere, stehe im Widerspruch zur Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes. Hätte der Gesetzgeber für Steuerschäden keinen Anspruch auf Insolvenzausfallgeld gewähren wollen, hätte er solche Ansprüche in die Liste der ausgeschlossenen Ansprüche nach § 1 Abs 3 IESG aufgenommen.

Rechtliche Beurteilung

Diesen Ausführungen kann sich der erkennende Senat nicht anschließen:

Gemäß § 3 Abs 1 IESG gebührt Insolvenzausfallgeld in der Höhe des gesicherten Anspruches, vermindert um die Dienstnehmerbeitragsanteile zur gesetzlichen Sozialversicherung, und vermindert um jene gesetzlichen Abzüge, die von anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaften im Insolvenzverfahren geltend zu machen sind.

Nach der bisherigen Regelung des § 67 Abs 8 EStG 1988 waren Nachzahlungen und nachträgliche Zahlungen von laufenden und sonstigen Bezügen für abgelaufene Kalenderjahre, die neben dem laufenden Arbeitslohn von demselben Arbeitgeber oder in einem Konkursverfahren geleistet wurden und die nicht auf einer willkürlichen Verschiebung des Auszahlungszeitpunktes beruhten, mit dem Steuersatz zu versteuern, der tarifmäßig dem Arbeitslohn des letzten vollen Kalenderjahres entsprach. Soweit hingegen die Nachzahlungen oder nachträglichen Zahlungen laufenden Arbeitslohn für das laufende Kalenderjahr betrafen, war die Lohnsteuer durch Aufrollen der in Betracht kommenden Lohnzahlungszeiträume zu berechnen. Die Ermittlung der Lohnsteuer durch Aufrollen unterblieb bei Nachzahlungen und nachträglichen Zahlungen in einem Konkursverfahren.

Dieser sogenannte Belastungsprozentsatz war sowohl nach der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes (9 ObS 20/91 = WBl 1992, 125 = ecolex 1992, 353) als auch des VwGH (vgl die Nachweise bei Fellner in Hofstätter-Reichel, Kommentar EStG 1988 III § 67 Abs 8) nach den im letzten Kalenderjahr auszuzahlenden Bezügen zu ermitteln (Umrechnung der zugeflossenen Bezüge auf ein volles Kalenderjahr). Wann also die tatsächliche Auszahlung des Insolvenzausfallgeldes erfolgte bzw wann der Fonds die Abrechnung durchführte, war für die Besteuerung unerheblich (Mitterer-Steinbichler, Wegfall des Belastungsprozentsatzes nach § 67 Abs 8 im Insolvenzverfahren, SWK 2001, 216). Nach Aufhebung der Wortfolge "sowie die Tariflohnsteuer des Abs 8" in § 67 Abs 9 letzter Satz EStG 1988 wegen Widerspruchs zum Gleichheitssatz durch den VfGH (2. 12. 1999; G 106/99) erfolgte eine Neuregelung des § 67 Abs 8 EStG 1988 durch Art 7 Z 21 BudgetbegleitG 2001, BGBl I 142/2000, wobei die Neuregelung erstmals bei der Veranlagung für das Kalenderjahr 2001 bzw für Lohnzahlungszeiträume, die nach dem 31. Dezember 2000 enden, anzuwenden ist. § 67 Abs 8 lit g der Neuregelung sieht vor, dass Nachzahlungen in einem Insolvenzverfahren, soweit sie Bezüge gemäß § 67 Abs 3, 6 oder 8 lit e oder f betreffen, mit dem festen Steuersatz zu versteuern sind. Von den übrigen Nachzahlungen ist nach Abzug der darauf entfallenden Beiträge im Sinne des § 62 Z 3, 4 und 5 ein Fünftel steuerfrei zu belassen. Der verbleibende Betrag ist als laufender Bezug mit einer vorläufigen laufenden Lohnsteuer in Höhe von 15 % zu versteuern. Nach Ausscheiden der gesondert zu versteuernden Bezüge (Abfertigungen, Pensionsabfindungen und Sozialplanzahlungen) sind die auf die restlichen Bezüge entfallenden Pflichtbeiträge abzuziehen. Vom verbleibenden Betrag ist nach Abzug der Pflichtbeiträge ein Fünftel als pauschale Berücksichtigung für allfällige steuerfreie Zulagen und Zuschläge oder sonstige Bezüge sowie als Abschlag für einen Progressionseffekt durch die Zusammenballung von Bezügen steuerfrei zu belassen (diese Steuerfreiheit bleibt auch bei einer allfälligen Veranlagung erhalten). Die verbleibenden 4/5 sind schließlich wie ein laufender Bezug im Zeitpunkt des Zufließens nach dem Lohnsteuertarif des jeweiligen Kalendermonates der Besteuerung zu unterziehen. Die auf den steuerfreien Teil entfallenden Sozialversicherungsbeiträge sind nicht abzugsfähig.

Aus den Gesetzesmaterialien (RV 311 BlgNR XXI. GP 9) ist abzuleiten, dass die bisherige Bestimmung des § 67 Abs 8 lit a EStG, wonach Kündigungsentschädigungen, Nachzahlungen und Vergleichszahlungen mit dem sogenannten Belastungsprozentsatz zu versteuern gewesen seien, zu systemwidrigen Ergebnissen geführt habe, weil alle anderen Einkünfte bei der Berechnung des Steuersatzes außer Ansatz geblieben seien. Überdies sei vom Verfassungsgerichtshof eine mit dieser Berechnung zusammenhängende Bestimmung aufgehoben worden. Schließlich heißt es wörtlich:

"g) Mit der Neuregelung der Besteuerung von Nachzahlungen im Insolvenzverfahren wird ein einfaches Verfahren für den Lohnsteuerabzug entwickelt, das sich an Durchschnittswerten orientiert. Durch die Möglichkeit der Neuberechnung bei der Veranlagung wird der diesbezüglichen Beanstandung durch den Verfassungsgerichtshof Rechnung getragen. Im Einzelnen ist bei der Berechnung der Steuer wie folgt vorzugehen:

Kostenersätze gemäß § 26 behalten ihre Steuerfreiheit.

Sonstige Bezüge gemäß § 67 Abs 3, 6 und 8 lit e und f (Abfertigungen, Pensionsabfindungen und Sozialzahlungen) sind im Rahmen der jeweiligen Bestimmungen mit dem festen Steuersatz zu versteuern.

Nach Ausscheiden dieser gesondert zu versteuernden Bezüge sind die auf die restlichen Bezüge entfallenden Pflichtbeiträge abzuziehen. Vom verbleibenden Betrag ist 1/5 als pauschale Berücksichtigung für steuerfreie Zulagen und Zuschläge oder sonstige Bezüge sowie als Abschlag für einen Progressionseffekt durch die Zusammenballung von Bezügen steuerfrei zu belassen (diese Steuerfreiheit bleibt auch bei einer allfälligen Veranlagung erhalten). Die verbleibenden 4/5 sind als laufender Arbeitslohn mit einem vorläufigen Steuersatz von 15 % zu versteuern...

zu Art 7 Z 23 (§ 69 Abs 2 und 6 EStG):

....

Bei Auszahlung von Insolvenzausfallgeld durch den Insolvenzausfallgeldfonds ist von der auszahlenden Stelle ein Lohnzettel auszustellen. Die ausgezahlten Bezüge sind - ausgenommen Kostenersätze im Sinne des § 26 sowie sonstige Bezüge im Sinne des § 67 Abs 3, 6 und 8 lit e und f - in das Veranlagungsverfahren einzubeziehen. Dadurch kommt es zur Rückzahlung der vom Fonds in Abzug gebrachten Steuer, wenn für das gesamte steuerpflichtige Einkommen eine geringere Steuer anfällt bzw zu Nachzahlungen, wenn sich eine höhere Einkommensteuer ergibt. Bei der Veranlagung werden jene 4/5, die mit dem Steuersatz von 15 % versteuert wurden, als laufende Bezüge in die Einkünfte aus nicht selbständiger Arbeit einbezogen. Die Steuer von 15 % ist auf dem Lohnzettel als anrechenbare Steuer für laufende Bezüge auszuweisen und bei der Veranlagung anzurechnen. Bei der Auszahlung des Nettobetrages der Ansprüche durch den Fonds bzw der Entrichtung der Lohnsteuer tritt keine Änderung zum bisherigen Verfahren ein. Die sich aus dem Steuersatz von 15 % ergebende Steuer (bzw die jeweilige feste Steuer gemäß § 67 Abs 3 und 8 lit d und e) ist jener Betrag, der das Ausmaß des Insolvenzausfallgeldes gemäß § 3 IESG mindert und im Insolvenzverfahren des Arbeitgebers als Forderung (bedingt) angemeldet wird."

Gegen diese Neuregelung bestehen - wie bereits das Berufungsgericht zutreffend erkannte - keine verfassungsrechtlichen Bedenken: Der Gesetzgeber kann nach der ständigen Rechtsprechung des VfGH von einer Durchschnittsbetrachtung ausgehen und auf den Regelfall abstellen. Dass dabei Härtefälle entstehen, macht das Gesetz nicht gleichheitswidrig. Ebensowenig können daher Einzelfälle die am Durchschnitt orientierte Regelung unsachlich machen (Walter-Mayer Bundesverfassungsrecht9 Rz 1350; Machacek, Das Verfahren vor dem VfGH und VwGH14 116 mwN). Der Gesetzgeber kann in Grenzen auch einfache und leichte handhabbare Regelungen schaffen (Walter-Mayer aaO).

Unter Berücksichtigung des vom Berufungsgericht zutreffend hervorgehobenen Umstandes, dass der durch die nunmehrige Geltung des Zuflussprinzipes mögliche Progressionseffekt dadurch berücksichtigt wird, dass nach Ausscheiden der gesondert zu versteuernden Bezüge und nach Abzug der auf die restlichen Bezüge entfallenden Pflichtbeiträge vom verbleibenden Betrag ein Fünftel als pauschale Berücksichtigung für steuerfreie Zulagen und Zuschläge oder sonstige Bezüge sowie als Abschlag für einen Progressionseffekt endgültig steuerfrei belassen wird, ist bei der maßgeblichen Durchschnittsbetrachtung nach dem Regelfall die Neuregelung nicht als unsachlich anzusehen.

Damit sind die in Anwendung dieser Neuregelung vorgenommenen Abzüge nicht zu beanstanden.

Der Kläger wendet sich in Wahrheit auch nicht gegen die in Übereinstimmung mit den neuen Bestimmungen erfolgten Lohnsteuerabzüge; er steht vielmehr auf dem Standpunkt, dass der ihm eingetretene Nachteil als Schadenersatzanspruch im Sinne des § 1 Abs 2 Z 2 IESG gesichert wäre.

Unter gesicherten Schadenersatzansprüchen im Sinn des § 1 Abs 2 Z 2 IESG verstehen sowohl Lehre (Liebeg IESG² § 1 Rz 202; Holzer-Reissner-Schwarz, Die Rechte des Arbeitnehmers bei Insolvenz 154) wie Rechtsprechung solche Ansprüche, die mit den ein Arbeitsverhältnis kennzeichnenden Hauptpflichten und Nebenpflichten in einem solchen Sachzusammenhang stehen, dass davon ausgegangen werden kann, die Ansprüche hätten ihren Entstehungsgrund letztlich im Arbeitsverhältnis (RIS-Justiz RS0076382; SZ 69/195; SZ 71/208).

Dem Kläger ist nun grundsätzlich darin beizupflichten, dass der aus der verspäteten Lohnzahlung resultierende "Lohnsteuerschaden" einen Schaden darstellt, der mit den das Arbeitsverhältnis kennzeichnenden Hauptpflichten in einem Sachzusammenhang steht.

Orientiert am Zweck des IESG hat allerdings eine teleologische Reduktion des § 1 Abs 2 Z 2 IESG um den hier geltend gemachten Schadenersatzanspruch wegen eines durch die Neuregelung des § 67 Abs 8 lit g EStG verursachten "Steuerschadens" zu erfolgen.

Zweck des IESG ist nach völlig herrschender Rechtsprechung eine sozialversicherungsrechtliche Sicherung von Entgeltansprüchen und sonstigen aus dem Arbeitsverhältnis erwachsenden Ansprüchen von Arbeitnehmern im Falle der Insolvenz des Arbeitgebers. Versichertes Risiko ist im Kernbereich die von den Arbeitnehmern typischerweise nicht selbst abwendbare oder absicherbare Gefahr des gänzlichen oder teilweisen Verlustes ihrer Entgeltansprüche, auf die sie typischerweise zur Bestreitung des eigenen Lebensunterhaltes sowie des Lebensunterhaltes ihrer unterhaltsberechtigten Angehörigen angewiesen sind (RIS-Justiz RS0076409; RS0076384; SZ 61/254; SZ 67/14; zuletzt 8 ObS 200/02y).

Es liegt bereits in der Natur dieser (bloß) sozialversicherungsrechtlichen Sicherung, dass sie nicht jeden dem Arbeitnehmer aus der Insolvenz entstandenen Schaden abdecken soll und kann: Beispielshaft ist hier etwa die Regelung des § 1 Abs 3 Z 4 iVm § 1 Abs 4 IESG herauszugreifen. Dem in der Revision hervorgehobenen Umstand, dass für den Gesetzgeber die Möglichkeit bestanden hätte, Schäden in der Art des hier geltend gemachten in den Ausnahmekatalog des § 1 Abs 3 IESG aufzunehmen, ist zu entgegnen, dass es einer entsprechenden Ausschlussbestimmung bis zum Inkrafttreten der hier anzuwendenden Neuregelungen nicht bedurfte, weil durch die gesetzlich vorgegebene Anwendung des Belastungsprozentsatzes der hier geltend gemachte Progressionseffekt nicht eintreten konnte. Dass der Gesetzgeber die durch das BudgetbegleitG 2001 geschaffenen Regelungen nicht zum Anlass einer Änderung des IESG nahm, lässt aus den folgenden Überlegungen eher den Rückschluss auf ein Redaktionsversehen zu:

Dem Berufungsgericht ist nämlich darin beizupflichten, dass sich insbesondere aus der Absicht des Gesetzgebers, die sich aus den wiedergegebenen Ausführungen in der Regierungsvorlage ableiten lässt, ergibt, dass § 1 Abs 2 Z 2 IESG teleologisch dahin zu reduzieren ist, dass unter den dort genannten Schadenersatzansprüchen "Steuerschäden" nicht fallen: Die teleologische Reduktion verschafft der ratio legis nicht gegen einen zu engen, sondern gegen einen überschießend weiten Gesetzeswortlaut Durchsetzung. Die (verdeckte) Lücke besteht im Fehlen einer nach der ratio notwendigen Ausnahme. Vorausgesetzt ist stets der Nachweis, dass eine umschreibbare Fallgruppe von den Grundwertungen oder Zwecken des Gesetzes entgegen seinem Wortlaut gar nicht getroffen wird und dass er sich von den "eigentlich gemeinten" Fallgruppen so weit unterscheidet, dass die Gleichbehandlung sachlich ungerechtfertigt und willkürlich wäre (RIS-Justiz RS0008979; Bydlinski in Rummel³ § 7 ABGB Rz 7 mwN). Dieser Fall liegt hier vor, wie das Berufungsgericht zutreffend erkannte, weil die steuerrechtliche Neuregelung ihren Sinn verlöre, würde man allfällig entstandene "Lohnsteuerschäden" als sicherungsfähige Schadenersatzansprüche im Sinn des § 1 Abs 2 Z 2 IESG anerkennen. Gerade vom Standpunkt des Gesetzgebers, dessen Absicht sich sowohl aus dem Wortlaut des § 67 Abs 8 lit g EStG in seiner Neufassung als auch aus den Gesetzesmaterialien ergibt, ist die hier vorgenommene teleologische Reduktion gerechtfertigt. Wären nämlich alle durch die Neuregelungen bewirkten Progressionsschäden nach IESG gesichert, wäre insbesondere die endgültige Belassung des steuerfreien Fünftels zur Abgeltung des bei einer Durchschnittsbetrachtung wahrscheinlichen Progressions- verlustes nicht nur sinnlos, sondern würde insgesamt zu einer Besserstellung der Arbeitnehmer führen, die dem Gesetzgeber nicht unterstellt werden kann. Jenen Arbeitnehmern, die durch die Neuregelung ohnedies begünstigt werden (etwa weil sie im Zuflussjahr keine oder nur geringe andere Einkünfte erzielten), bliebe der Vorteil endgültig. Alle anderen könnten ihre Nachteile über § 1 Abs 2 Z 2 IESG ausgleichen.

Der Hinweis in der Revision, das Berufungsgericht habe sich mit seiner Entscheidung von der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshof entfernt, übersieht, dass das Berufungsgericht nicht grundsätzlich einen Schadenersatzanspruch des Arbeitnehmers gegen den Arbeitgeber wegen verspäteter Zahlung und dadurch bewirkter Progressionseffekte ausschloss, sondern nur solche gegen den Arbeitgeber grundsätzlich zustehenden Ansprüche nicht als sicherungsfähig im Sinne des § 1 Abs 2 Z 2 IESG erachtete.

Letztlich ist dem Berufungsgericht auch darin beizupflichten, dass zumindest nach der eigenen Berechnung des Klägers eine Doppelberücksichtigung des Progressionseffektes erfolgen würde, würde man ihm einen Schadenersatzanspruch nach seiner eigenen Berechnungsmethode zuerkennen: Die Berechnung der Klageforderung durch den Kläger (ON 4) lässt nämlich außer Acht, dass durch die Einführung des Zuflussprinzipes die von ihm zu entrichtende Lohnsteuer des Jahres 2001 geringer war als sie bei der vom Kläger vorgenommenen Berechnung bei ordnungsgemäßem Zufluss gewesen wäre. Überdies hat der Kläger bei der Berechnung seines "Steuerschadens" außer Acht gelassen, dass die tatsächliche Steuerermittlung des Jahres 2002 unter Berücksichtigung des mehrmals erwähnten endgültig steuerfrei bleibenden Fünftels zu erfolgen hat. Damit ist dem Berufungsgericht beizupflichten, dass eine Doppelberücksichtigung des Progressionseffektes erfolgen würde, weil der Kläger selbst bei seiner Berechnung das endgültige steuerfrei bleibende Fünftel des Jahres 2002 außer Acht ließ.

Die ebenfalls zutreffende Rechtsauffassung des Berufungsgerichtes, die Insolvenz-RL stehe dieser Beurteilung nicht entgegen, wird von der Revision nicht begründet in Zweifel gezogen.

Der unberechtigten Revision war daher ein Erfolg zu versagen.

Die Entscheidung über die Kosten des Revisionsverfahrens gründet sich auf § 77 Abs 1 Z 2 lit b ASGG. Besondere Billigkeitsgründe, die einen Kostenersatzzuspruch trotz Unterliegens des Klägers rechtfertigen könnten, wurden weder bescheinigt noch sind sie der Aktenlage zu entnehmen.

Textnummer

E70419

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2003:008OBS00004.03A.0807.000

Im RIS seit

06.09.2003

Zuletzt aktualisiert am

20.11.2012

Dokumentnummer

JJT_20030807_OGH0002_008OBS00004_03A0000_000