Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 10ObS194/90 10ObS63/91...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0084059

Geschäftszahl

10ObS194/90; 10ObS63/91; 10ObS226/92; 10ObS252/97z; 10ObS73/98b; 10ObS78/99i; 10ObS112/00v; 10ObS64/01m; 10ObS167/02k; 10ObS236/03h; 10ObS157/09z

Entscheidungsdatum

18.12.1990

Norm

ASVG §153 Abs1
ASVG §153 Abs2

Rechtssatz

§ 153 Abs2 ASVG ist dahingehend auszulegen, dass es sich beim unentbehrlichen Zahnersatz um eine Pflichtleistung, also um eine Leistung handelt, auf die ein Rechtsanspruch besteht.

Entscheidungstexte

  • 10 ObS 194/90
    Entscheidungstext OGH 18.12.1990 10 ObS 194/90
    Veröff: SZ 63/222 = ZAS 1992,97 (Binder) = SSV-NF 4/163
  • 10 ObS 63/91
    Entscheidungstext OGH 30.04.1991 10 ObS 63/91
    Beisatz: Diese Leistung kann allerdings unter Kostenbeteiligung des Versicherten gewährt werden. (T1)
  • 10 ObS 226/92
    Entscheidungstext OGH 13.10.1992 10 ObS 226/92
    Beis wie T1; Veröff: JBl 1993,467 = DRdA 1993,294 (Binder) = SSV-NF 6/114
  • 10 ObS 252/97z
    Entscheidungstext OGH 19.08.1997 10 ObS 252/97z
    Beisatz: Ebenso Zahnbehandlung. (T2)
  • 10 ObS 73/98b
    Entscheidungstext OGH 28.04.1998 10 ObS 73/98b
    Vgl auch; Beis wie T2; Beisatz: Hier: § 153 Abs 1 ASVG. (T3)
  • 10 ObS 78/99i
    Entscheidungstext OGH 29.06.1999 10 ObS 78/99i
    Vgl auch; Beisatz: Hier: B-KUVG. (T4)
  • 10 ObS 112/00v
    Entscheidungstext OGH 19.12.2000 10 ObS 112/00v
    Ähnlich; Beis wie T2; Beis wie T3
  • 10 ObS 64/01m
    Entscheidungstext OGH 14.01.2003 10 ObS 64/01m
    Auch; Beis wie T1; Beis wie T2; Beisatz: Auch eine als untrennbarer Bestandteil einer umfassenden Therapie zur Wiederherstellung der Gesundheit eines Versicherten erbrachte Zahnbehandlung ist eine Zahnbehandlung, die nach Maßgabe der diesbezüglichen Bestimmungen der Satzung zu gewähren ist. (T5)
  • 10 ObS 167/02k
    Entscheidungstext OGH 29.04.2003 10 ObS 167/02k
    Auch; Beisatz: Deren konkrete Ausgestaltung den Sozialversicherugnsträgenr überlassen ist, die sie in ihren Satzungen festzulegen haben. (T6)
  • 10 ObS 236/03h
    Entscheidungstext OGH 21.06.2004 10 ObS 236/03h
    Beis wie T1; Beis wie T2; Beisatz: Es besteht kein Anspruch auf vollen Kostenersatz bei einer Pflichtleistung nach § 153 ASVG. (T7)
  • 10 ObS 157/09z
    Entscheidungstext OGH 23.03.2010 10 ObS 157/09z
    Vgl

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1990:RS0084059

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

31.05.2010

Dokumentnummer

JJR_19901218_OGH0002_010OBS00194_9000000_001

Rechtssatz für 10ObS174/93 10ObS200/93...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0083804

Geschäftszahl

10ObS174/93; 10ObS200/93; 10ObS252/97z; 1Ob91/99k; 10ObS78/99i; 10ObS167/02k; 10ObS157/09z; 10ObS112/12m; 10ObS135/14x; 10ObS96/19v

Entscheidungsdatum

09.11.1993

Norm

ASVG §133 Abs2
ASVG §153 Abs1

Rechtssatz

Zweckmäßig ist der Zahnersatz, wenn die gesetzten Maßnahmen nach dem anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft zum Zeitpunkt der Maßnahme objektiv geeignet waren, die beeinträchtigten Funktionen des Kauens, Beißens oder Sprechens wiederherzustellen. Der Erfolg muss dabei auf eine bestimmte Zeit gewährleistet sein, die den Bestimmungen der Satzung über die neuerliche Übernahme der Kosten entspricht. Der ortsübliche medizinisch-technische Standard eines bestimmten Landes und dessen Anforderungen an die Haltbarkeit von Zahnersatzstücken ist nicht entscheidend.

Entscheidungstexte

  • 10 ObS 174/93
    Entscheidungstext OGH 09.11.1993 10 ObS 174/93
    Veröff: EvBl 1994/102 S 509
  • 10 ObS 200/93
    Entscheidungstext OGH 08.02.1994 10 ObS 200/93
    Beisatz: Die Ersatzpflicht des Versicherungsträgers ist nicht auf österreichische Leistungen nach österreichischem Standard eingeschränkt. (T1)
  • 10 ObS 252/97z
    Entscheidungstext OGH 19.08.1997 10 ObS 252/97z
    nur: Zweckmäßig ist der Zahnersatz, wenn die gesetzten Maßnahmen nach dem anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft zum Zeitpunkt der Maßnahme objektiv geeignet waren, die beeinträchtigten Funktionen des Kauens, Beißens oder Sprechens wiederherzustellen. (T2)
  • 1 Ob 91/99k
    Entscheidungstext OGH 25.05.1999 1 Ob 91/99k
    Auch; nur: Zweckmäßig, wenn die gesetzten Maßnahmen nach dem anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft zum Zeitpunkt der Maßnahme objektiv geeignet waren, die beeinträchtigten Funktionen wiederherzustellen. (T3); Beisatz: Der technisch-medizinische ortsübliche Standard eines bestimmten Landes ist nicht entscheidend. (T4); Beisatz: Gerade Ärzte einer Universitätsklinik, der aufgrund der Verbindung von Lehre und Forschung einerseits und der dort geleisteten Betreuungstätigkeit Patienten gegenüber andererseits eine Sonderstellung zukommt, können sich nicht mit Erfolg darauf berufen, der medizinische Standard eines Nachbarlandes sei ihnen unbekannt und dürfe auch unbeachtet bleiben. (T5); Veröff: SZ 72/91
  • 10 ObS 78/99i
    Entscheidungstext OGH 29.06.1999 10 ObS 78/99i
    Auch; nur T2; Beisatz: Dem entspricht eine Haltbarkeit von fünf Jahren. (T6)
  • 10 ObS 167/02k
    Entscheidungstext OGH 29.04.2003 10 ObS 167/02k
    Auch; nur T2
  • 10 ObS 157/09z
    Entscheidungstext OGH 23.03.2010 10 ObS 157/09z
    Auch
  • 10 ObS 112/12m
    Entscheidungstext OGH 23.10.2012 10 ObS 112/12m
    Auch
  • 10 ObS 135/14x
    Entscheidungstext OGH 25.11.2014 10 ObS 135/14x
    Auch; nur T3
  • 10 ObS 96/19v
    Entscheidungstext OGH 15.10.2019 10 ObS 96/19v
    Beisatz: Hier: Zweckmäßigkeit eines abnehmbaren Zahnersatzes; kein Kostenersatz für festsitzenden Zahnersatz. (T7)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1993:RS0083804

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

10.12.2019

Dokumentnummer

JJR_19931109_OGH0002_010OBS00174_9300000_001

Rechtssatz für 10ObS174/93 10ObS52/96...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0083823

Geschäftszahl

10ObS174/93; 10ObS52/96; 10ObS252/97z; 10ObS73/98b; 10ObS250/98g; 10ObS78/99i; 10ObS167/02k; 10ObS86/09h; 9Ob32/12i; 10ObS111/13s

Entscheidungsdatum

09.11.1993

Norm

ASVG §133 Abs2

Rechtssatz

Bei mehreren gleichermaßen zweckmäßigen Behandlungsmethoden ist jeweils diejenige zu wählen, die die geringsten Kosten verursacht, bzw bei der die Relation der Kosten zum Nutzen (Heilerfolg) am günstigsten ist.

Entscheidungstexte

  • 10 ObS 174/93
    Entscheidungstext OGH 09.11.1993 10 ObS 174/93
    Veröff: EvBl 1994/102 S 509
  • 10 ObS 52/96
    Entscheidungstext OGH 26.03.1996 10 ObS 52/96
    Auch; Beisatz: Die Zweckmäßigkeit einer Krankenbehandlung ist auch im Bereich der sozialen Krankenversicherung nicht allein nach ökonomischen Gesichtspunkten zu beurteilen. Vielmehr tritt die Höhe der Kosten als Argument umso mehr in den Hintergrund, je höher das tangierte Gut zu bewerten ist. Lediglich bei im wesentlichen wirkungsgleichen diagnostischen oder therapeutischen Verfahren wäre das billigste zu wählen. (T1)
    Veröff: SZ 69/80
  • 10 ObS 252/97z
    Entscheidungstext OGH 19.08.1997 10 ObS 252/97z
  • 10 ObS 73/98b
    Entscheidungstext OGH 28.04.1998 10 ObS 73/98b
    Vgl auch
  • 10 ObS 250/98g
    Entscheidungstext OGH 18.08.1998 10 ObS 250/98g
    Vgl auch; Veröff: SZ 71/132
  • 10 ObS 78/99i
    Entscheidungstext OGH 29.06.1999 10 ObS 78/99i
    Vgl auch
  • 10 ObS 167/02k
    Entscheidungstext OGH 29.04.2003 10 ObS 167/02k
  • 10 ObS 86/09h
    Entscheidungstext OGH 10.11.2009 10 ObS 86/09h
    Beis ähnlich wie T1
  • 9 Ob 32/12i
    Entscheidungstext OGH 21.02.2013 9 Ob 32/12i
    Vgl; Beis wie T1
  • 10 ObS 111/13s
    Entscheidungstext OGH 22.10.2013 10 ObS 111/13s

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1993:RS0083823

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

29.01.2014

Dokumentnummer

JJR_19931109_OGH0002_010OBS00174_9300000_003

Rechtssatz für 10ObS4/93 10ObS252/97z...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0053701

Geschäftszahl

10ObS4/93; 10ObS252/97z; 10ObS164/97h; 10ObS320/97z; 10ObS100/98y; 10ObS84/98w; 10ObS51/99v; 10ObS141/02m; 10ObS167/02k; 10ObS157/09z; 10ObS50/11t; 10ObS112/12m; 10ObS25/17z; 10ObS103/19y

Entscheidungsdatum

25.10.1994

Norm

ASVG §453
ASVG §455
B-VG Art18
B-VG Art89
GSVG §227

Rechtssatz

Die Satzungen der Träger der Sozialversicherung sind generelle Akte der Selbstverwaltung, die verfassungsrechtlich als Verordnung zu qualifizieren sind. Als Rechtsverordnungen sind sie "gehörig kundzumachen", wobei die Veröffentlichung in der (nach § 31 Abs 3 Z 7 ASVG vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger herauszugebenden) Fachzeitschrift "Soziale Sicherheit" als "gehörige Kundmachung" dieser Rechtsvorschriften gilt.

Entscheidungstexte

  • 10 ObS 4/93
    Entscheidungstext OGH 25.10.1994 10 ObS 4/93
  • 10 ObS 252/97z
    Entscheidungstext OGH 19.08.1997 10 ObS 252/97z
    Auch
  • 10 ObS 164/97h
    Entscheidungstext OGH 04.11.1997 10 ObS 164/97h
    Auch
  • 10 ObS 320/97z
    Entscheidungstext OGH 09.02.1998 10 ObS 320/97z
    Auch; Beisatz: Die Satzung der Tiroler Gebietskrankenkasse 1995 ist gehörig kundgemacht. (T1)
  • 10 ObS 100/98y
    Entscheidungstext OGH 01.09.1998 10 ObS 100/98y
    nur: Die Satzungen der Träger der Sozialversicherung sind als Verordnung zu qualifizieren. (T2)
    Beisatz: Satzung der Sozialversicherungsträger unterliegen dem Legalitätsprinzip. (T3)
  • 10 ObS 84/98w
    Entscheidungstext OGH 01.09.1998 10 ObS 84/98w
    nur T2; Beis wie T3
  • 10 ObS 51/99v
    Entscheidungstext OGH 16.03.1999 10 ObS 51/99v
    Auch; nur T2; Beis wie T3
  • 10 ObS 141/02m
    Entscheidungstext OGH 27.05.2003 10 ObS 141/02m
    Auch; nur T2
  • 10 ObS 167/02k
    Entscheidungstext OGH 29.04.2003 10 ObS 167/02k
    Vgl auch; Beisatz: Die Satzungen der Krankenversicherungsträger sind Rechtsverordnungen. (T4)
  • 10 ObS 157/09z
    Entscheidungstext OGH 23.03.2010 10 ObS 157/09z
    Auch
  • 10 ObS 50/11t
    Entscheidungstext OGH 21.07.2011 10 ObS 50/11t
    Auch; Veröff: SZ 2011/97
  • 10 ObS 112/12m
    Entscheidungstext OGH 23.10.2012 10 ObS 112/12m
    Auch
  • 10 ObS 25/17z
    Entscheidungstext OGH 21.03.2017 10 ObS 25/17z
    Auch; nur T2
  • 10 ObS 103/19y
    Entscheidungstext OGH 18.02.2020 10 ObS 103/19y

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1994:RS0053701

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

20.04.2020

Dokumentnummer

JJR_19941025_OGH0002_010OBS00004_9300000_001

Rechtssatz für 10ObS252/97z 10ObS167/02...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0108530

Geschäftszahl

10ObS252/97z; 10ObS167/02k; 10ObS157/09z; 10ObS38/11b; 10ObS112/12m

Entscheidungsdatum

19.08.1997

Norm

ASVG §133 Abs2
ASVG §153
Mustersatzung des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger §32 Abs2
Satzung der sbg Gebietskrankenkasse §32 Abs2
Satzung der sbg Gebietskrankenkasse §32 Abs3
Satzung der sbg Gebietskrankenkasse §35
Satzung der Wr Gebietskrankenkasse §32 Abs3
Satzung 2007 der Wr Gebietskrankenkasse §30

Rechtssatz

Es ist verfassungsrechtlich unbedenklich, bei einem auch als Pflichtleistung zu erbringenden Zahnersatz zwischen abnehmbarem und festsitzendem zu differenzieren und letzteren unter bestimmten Gesichtspunkten nur subsidiär für den Fall, dass ein abnehmbarer Zahnersatz aus medizinischen Gründen nicht möglich ist, zu gewähren.

Entscheidungstexte

  • 10 ObS 252/97z
    Entscheidungstext OGH 19.08.1997 10 ObS 252/97z
  • 10 ObS 167/02k
    Entscheidungstext OGH 29.04.2003 10 ObS 167/02k
    Auch; Beisatz: Hier: Zur gleichlautenden Regelung im § 32 der Satzung 1999 der Wiener Gebietskrankenkasse. (T1)
  • 10 ObS 157/09z
    Entscheidungstext OGH 23.03.2010 10 ObS 157/09z
    Beisatz: Hier: § 30 der Satzung 2007 der Wiener Gebietskrankenkasse. (T2)
  • 10 ObS 38/11b
    Entscheidungstext OGH 03.05.2011 10 ObS 38/11b
    Auch; Veröff: SZ 2011/59
  • 10 ObS 112/12m
    Entscheidungstext OGH 23.10.2012 10 ObS 112/12m
    Auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1997:RS0108530

Im RIS seit

18.09.1997

Zuletzt aktualisiert am

02.05.2013

Dokumentnummer

JJR_19970819_OGH0002_010OBS00252_97Z0000_003

Entscheidungstext 10ObS167/02k

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

10ObS167/02k

Entscheidungsdatum

29.04.2003

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Bauer als Vorsitzenden und die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Fellinger und Dr. Schramm sowie die fachkundigen Laienrichter Dr. Johannes Pflug (aus dem Kreis der Arbeitgeber) und Dr. Herbert Stegmüller (aus dem Kreis der Arbeitnehmer) als weitere Richter in der Sozialrechtssache der klagenden Partei Herbert W*****, vertreten durch Dr. Charlotte Böhm, Rechtsanwältin in Wien, gegen die beklagte Partei Wiener Gebietskrankenkasse, Wienerbergstraße 15-19, 1103 Wien, vertreten durch Dr. Heinz Edelmann, Rechtsanwalt in Wien, wegen Kostenerstattung, infolge außerordentlicher Revision der klagenden Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichtes Wien als Berufungsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 20. Februar 2002, GZ 8 Rs 4/02w-12, womit infolge Berufung der klagenden Partei das Urteil des Arbeits- und Sozialgerichtes Wien vom 13. August 2001, GZ 3 Cgs 95/01h-8, bestätigt wurde, in nichtöffentlicher Sitzung den Beschluss

gefasst:

Spruch

Die außerordentliche Revision der klagenden Partei wird gemäß § 508a Abs 2 ZPO mangels der Voraussetzungen des § 46 Abs 1 ASGG zurückgewiesen.

Der Antrag auf Zuspruch der Kosten der Revisionsbeantwortung wird gemäß § 508a Abs 2 Satz 2 ZPO abgewiesen.

Text

Begründung:

Da das hier zu beurteilende Klagebegehren auf Kostenerstattung keine wiederkehrenden Leistungen in Sozialrechtssachen betrifft, ist nach § 46 Abs 1 ASGG die Revision nur bei Vorliegen einer erheblichen Rechtsfrage zulässig. Eine solche wird in der außerordentlichen Revision jedoch nicht dargetan.

Der unentbehrliche Zahnersatz kann unter Kostenbeteiligung des Versicherten gewährt werden. Anstelle der Sachleistung können auch Zuschüsse zu den Kosten eines Zahnersatzes geleistet werden. Das Nähere wird durch die Satzung des Versicherungsträgers bestimmt (§ 153 Abs 2 ASVG).

Unentbehrlicher Zahnersatz ist eine Pflichtleistung der Krankenversicherung (SSV-NF 13/139 ua), deren konkrete Ausgestaltung den Sozialversicherugnsträgenr überlassen ist, die sie in ihren Satzungen festzulegen haben (SSV-NF 13/139). Diese Satzungen der Krankenversicherungsträger sind Rechtsverordnungen (VfSlg 3709, 5422 ua).

Entsprechend dem für verbindlich erklärten § 32 Abs 2 bis 4 der Mustersatzung 1999 des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, SozSi 1999, Amtliche Verlautbarung Nr 39/1999, 325, lauten die Abs 2 bis 4 des § 32 der im vorliegenden Fall anzuwendenden Satzung 1999 der beklagten Wiener Gebietskrankenkasse, SozSi 1999, Amtliche Verlautbarung Nr 70/199, 650:

"...

(2) Unentbehrlicher Zahnersatz ist der Zahnersatz, der notwendig ist, um eine Gesundheitsstörung zu vermeiden oder zu beseitigen.

(3) Als unentbehrlicher Zahnersatz wird im Allgemeinen der abnehmbare Zahnersatz samt medizinisch notwendiger Halteelemete (Zahnkrone) erbracht. Fest sitzender Zahnersatz wird nur dann erbracht, wenn ein abnehmbarer Zahnersatz aus medizinischen Gründen nicht möglich ist; dies ist insbesondere der Fall

-

bei Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten,

-

bei Tumorpatienten in der postoperativen Rehabilitation,

-

bei Patienten nach polytraumatischen Kieferfrakturen in der posttraumatischen Rehabilitation,

-

bei Patienten mit extremer Kieferrelationen (zB extreme Progrenie, Prognathie, totale Atrophie des Kieferkammes),

die eine prothetische Versorgung mit abnehmbarem Zahnersatz nicht zulassen. Zum unentbehrlichen Zahnersatz gehört auch die notwendige Reparatur von unentbehrlichen Zahnersatzstücken. Für festsitzenden Zahnersatz ohne diese medizinische Notwendigkeit übernimmt die Kasse keine Kosten.

(4) Kronen, Brücken, gegossene Stiftaufbauten und Implantate gelten jedenfalls als fest sitzender Zahnersatz."

Rechtliche Beurteilung

Der Revisionswerber macht als erhebliche Rechtsfrage allein geltend, die Bestimmung des § 32 Abs 3 letzter Satz der Mustersatzung 1999 und der Satzung 1999 der beklagten Partei seien gesetzwidrig, weil es hiefür keine gesetzliche Ermächtigung gebe. Die Bestimmung verstoße auch gegen den Gleichheitssatz (Art 7 B-VG).

Der Senat legte bereits in der Entscheidung 10 ObS 252/97z = SSV-NF 11/96 ausführlich dar, dass er gegen die Gesetz- und Verfassungsmäßigkeit der gleichlautenden Regelung im § 32 Abs 3 der Satzung 1995 der Salzburger Gebietskrankenkasse, SozSi 1995, Amtliche Verlautbarung Nr 66/195, 512, keine Bedenken hegt. Zusammengefasst führte er aus: Nach § 133 Abs 2 ASVG muss die Krankenbehandlung ausreichend und zweckmäßig sein, sie darf aber das Maß des Notwendigen nicht übersteigen. Aus dieser auch für den Zahnersatz anwendbaren Bestimmung folgt, dass Zweckmäßigkeit des Zahnersatzes dann gegeben ist, wenn die gesetzten Maßnahmen nach dem anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft zum Zeitpunkt der Maßnahme objektiv geeignet waren, die durch das Fehlen von Zähnen oder Zahnstücken bzw durch schadhafte Zähne beeinträchtigen Funktionen des Kauens, Beißens oder Sprechens wiederherzustellen. Das Maß des Notwendigen (als grundsätzliches Ziel einer Krankenbehandlung) bestimmt sich zwar aus dem Zweck der Leistung; notwendig ist jedoch nur jene Maßnahme, die zur Erreichung des Zweckes unentbehrlich oder unvermeidbar ist. Diese Einschränkung soll nicht notwendige und kostenintensive Maßnahmen vermeiden und damit die finanzielle Belastung in Grenzen halten und damit auch dem Gebot der Wirtschaftlichkeit der Krankenbehandlung zum Durchbruch verhelfen. Bei mehreren gleichermaßen zweckmäßigen Behandlungsmethoden ist jeweils diejenige zu wählen, welche die geringsten Kosten verursacht, bzw bei der die Relation der Kosten zum Nutzen (Heilerfolg) am Günstigsten ist. Unter dem Gesichtspunkt dieses im Gesetz verankerten Prinzips der Kostenbegrenzung erachtete es der Senat als jedenfalls verfassungsrechtlich unbedenklich und gesetzmäßig, bei einem auch als Pflichtleistung zu erbringenden Zahnersatz zwischen abnehmbarem und festsitzendem zu differenzieren und letzteren nur subsidiär für den Fall, dass ein abnehmbarer Zahnersatz aus medizinischen Gründen nicht möglich ist, zu gewähren und die Ersatzleistung auf den unbedingt notwendigen Zahnersatz zu beschränken. Gegen diese Rechtsauffassung des Senats werden in der Revision keine Argumente vorgebracht. Da der Oberste Gerichtshof die vorgetragenen Bedenken gegen die Gesetz- und die Verfassungsmäßigkeit der im vorliegenden Fall anzuwendenden Satzungsbestimmung nicht teilt, erweist sich die außerordentliche Revision mangels erheblicher Rechtsfrage als unzulässig.

Anmerkung

E69438 10ObS167.02k

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2003:010OBS00167.02K.0429.000

Dokumentnummer

JJT_20030429_OGH0002_010OBS00167_02K0000_000