Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 4Ob505/91 6Ob547/91 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0043882

Geschäftszahl

4Ob505/91; 6Ob547/91; 4Ob563/91; 8Ob615/91; 1Ob47/91; 4Ob526/92; 6Ob521/92; 1Ob583/92; 3Ob557/92; 2Ob52/92; 8Ob599/92; 3Ob44/93; 5Ob56/94; 1Ob41/93; 6Ob558/94; 8Ob13/94; 4Ob565/94; 1Ob627/94; 2Ob519/95; 1Ob3/95; 4Ob532/95; 5Ob107/95; 1Ob35/94 (1Ob36/94); 1Ob46/95; 6Ob2141/96p; 4Ob512/96; 1Ob2386/96f; 4Ob297/97y; 10ObS183/98d; 6Ob316/98h; 7Ob304/00g; 7Ob70/01x; 7Ob153/01b; 7Ob171/01z; 1Ob63/02z; 2Ob185/02y; 3Ob54/02s; 3Ob150/03k; 8ObA33/04t; 3Ob291/03w; 7Ob109/04m; 3Ob163/05z; 7Ob167/05t; 2Ob67/07b; 3Ob258/07y; 6Ob292/07w; 4Ob83/09y; 4Ob166/09d; 9Ob23/09m; 9Ob53/09y; 7Ob160/10w; 4Ob16/11y; 6Ob96/11b; 10Ob51/11i; 4Ob99/11d; 1Ob135/12b; 7Ob128/12t; 10Ob49/13y; 4Ob178/14a; 7Ob8/15z; 7Ob52/15w; 1Ob102/15d; 2Ob207/15b; 1Ob148/16w; 1Ob121/16z; 7Ob170/16z; 8ObA7/16m; 1Ob24/17m; 4Ob233/16t; 3Ob184/17f; 5Ob129/18h; 8Ob169/18p; 3Ob12/19i

Entscheidungsdatum

09.04.1991

Norm

ZPO §519 Abs1 Z1 G
ZPO §528 K

Rechtssatz

Der Rekurs nach § 519 Abs 1 Z 1 ZPO ist auch dann zulässig, wenn der Entscheidungsgegenstand fünfzigtausend Schilling nicht übersteigt und eine erhebliche Rechtsfrage nicht vorliegt. Der gegenteiligen Meinung Faschings (LB 2.Auflage RdZ 1980, RdZ 1981), wonach auch im Fall des § 519 Abs 1 Z 1 ZPO der Rekurs nur zulässig wäre, wenn der Entscheidungsgegenstand fünfzigtausend Schilling übersteigt, kann nicht gefolgt werden. § 528 Abs 2 Z 1 ZPO ist auf Beschlüsse des Berufungsgerichtes nicht anzuwenden.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 505/91
    Entscheidungstext OGH 09.04.1991 4 Ob 505/91
  • 6 Ob 547/91
    Entscheidungstext OGH 16.05.1991 6 Ob 547/91
  • 4 Ob 563/91
    Entscheidungstext OGH 19.11.1991 4 Ob 563/91
    nur: Der Rekurs nach § 519 Abs 1 Z 1 ZPO ist auch dann zulässig, wenn der Entscheidungsgegenstand fünfzigtausend Schilling nicht übersteigt und eine erhebliche Rechtsfrage nicht vorliegt. (T1)
  • 8 Ob 615/91
    Entscheidungstext OGH 19.12.1991 8 Ob 615/91
    Vgl auch; nur T1
  • 1 Ob 47/91
    Entscheidungstext OGH 29.01.1992 1 Ob 47/91
    Auch; nur T1
  • 4 Ob 526/92
    Entscheidungstext OGH 26.05.1992 4 Ob 526/92
    Auch; nur T1
  • 6 Ob 521/92
    Entscheidungstext OGH 25.06.1992 6 Ob 521/92
    nur T1
  • 1 Ob 583/92
    Entscheidungstext OGH 14.07.1992 1 Ob 583/92
    Vgl; nur T1; Beisatz: Hier: Analogie zu § 519 Abs 1 Z 1 ZPO, wenn der Einspruch gegen den Zahlungsbefehl zurückgewiesen und dadurch dem Beklagten abschließend der Rechtsschutz verweigert wird. (T2)
  • 3 Ob 557/92
    Entscheidungstext OGH 15.10.1992 3 Ob 557/92
    nur T1
  • 2 Ob 52/92
    Entscheidungstext OGH 25.11.1992 2 Ob 52/92
    nur T1
  • 8 Ob 599/92
    Entscheidungstext OGH 28.01.1993 8 Ob 599/92
    Auch; nur: Der Rekurs nach § 519 Abs 1 Z 1 ZPO ist auch dann zulässig, wenn eine erhebliche Rechtsfrage nicht vorliegt. (T3) Beisatz: Eine Zurückweisung des Rechtsmittels mangels erheblicher Rechtsfrage ist in diesem Fall nicht vorgesehen, obwohl sie systemkonform ohne Gefahr für die Rechtssicherheit auch hier hätte eingeführt werden können (hier: Zurückweisung wegen der Rechtskraft einer entgegenstehenden Entscheidung). (T4)
  • 3 Ob 44/93
    Entscheidungstext OGH 28.04.1993 3 Ob 44/93
    Auch; nur T1
  • 5 Ob 56/94
    Entscheidungstext OGH 05.07.1994 5 Ob 56/94
    Vgl; nur T1
  • 1 Ob 41/93
    Entscheidungstext OGH 19.04.1994 1 Ob 41/93
    Auch; nur T1
  • 6 Ob 558/94
    Entscheidungstext OGH 22.09.1994 6 Ob 558/94
    nur T3
  • 8 Ob 13/94
    Entscheidungstext OGH 15.12.1994 8 Ob 13/94
    nur T1; Beis wie T4 nur: Eine Zurückweisung des Rechtsmittels mangels erheblicher Rechtsfrage ist in diesem Fall nicht vorgesehen, obwohl sie systemkonform ohne Gefahr für die Rechtssicherheit auch hier hätte eingeführt werden können. (T5)
  • 4 Ob 565/94
    Entscheidungstext OGH 19.12.1994 4 Ob 565/94
    nur T3
  • 1 Ob 627/94
    Entscheidungstext OGH 13.12.1994 1 Ob 627/94
    Auch; nur T1
  • 2 Ob 519/95
    Entscheidungstext OGH 06.04.1995 2 Ob 519/95
  • 1 Ob 3/95
    Entscheidungstext OGH 25.04.1995 1 Ob 3/95
    Vgl; Beisatz: Dies gilt jedenfalls dann, wenn das Berufungsgericht den Zurückweisungsgrund erstmalig wahrnimmt. (T6)
  • 4 Ob 532/95
    Entscheidungstext OGH 09.05.1995 4 Ob 532/95
    Auch; nur T1
  • 5 Ob 107/95
    Entscheidungstext OGH 29.08.1995 5 Ob 107/95
    Vgl auch; nur T1; Beisatz: Wenn das Rekursgericht den Antrag ohne Sachentscheidung aus formellen Gründen zurückwies (so schon 5 Ob 31/93 und 5 Ob 34/93). (hier: im Ergebnis durch die ersatzlose Aufhebung des die Vorschreibung von Hausbesorgerentgelts als Betriebskosten im Jahre 1991 betreffenden Sachbeschlusses des Erstgerichtes geschehen, obwohl die Rechtsmittelwerber zumindest im gerichtlichen Verfahren ausdrücklich einen auch dieses Jahr betreffenden Antrag gestellt hatten). (T7)
  • 1 Ob 35/94
    Entscheidungstext OGH 29.06.1995 1 Ob 35/94
    Auch; nur T1
  • 1 Ob 46/95
    Entscheidungstext OGH 22.11.1995 1 Ob 46/95
    Auch; nur T1
  • 6 Ob 2141/96p
    Entscheidungstext OGH 11.07.1996 6 Ob 2141/96p
    nur T3
  • 4 Ob 512/96
    Entscheidungstext OGH 27.02.1996 4 Ob 512/96
    Auch; nur T3; Beis wie T6; Beisatz: Dort aber, wo es über einen schon vom Erstgericht behandelten Zurückweisungsgrund abspricht, wäre ein Rekurs nur unter den Voraussetzungen des § 528 ZPO als zulässig anzusehen. (T8)
  • 1 Ob 2386/96f
    Entscheidungstext OGH 16.12.1996 1 Ob 2386/96f
    Vgl
  • 4 Ob 297/97y
    Entscheidungstext OGH 07.10.1997 4 Ob 297/97y
    nur T1
  • 10 ObS 183/98d
    Entscheidungstext OGH 09.06.1998 10 ObS 183/98d
    Auch; nur T1
  • 6 Ob 316/98h
    Entscheidungstext OGH 22.04.1999 6 Ob 316/98h
    nur T3
  • 7 Ob 304/00g
    Entscheidungstext OGH 20.12.2000 7 Ob 304/00g
    Auch; nur T1
  • 7 Ob 70/01x
    Entscheidungstext OGH 18.04.2001 7 Ob 70/01x
    Auch; nur T1
  • 7 Ob 153/01b
    Entscheidungstext OGH 27.06.2001 7 Ob 153/01b
    Auch; nur T1
  • 7 Ob 171/01z
    Entscheidungstext OGH 26.09.2001 7 Ob 171/01z
    Auch; nur T1
  • 1 Ob 63/02z
    Entscheidungstext OGH 30.04.2002 1 Ob 63/02z
    Vgl; Beis wie T6; Beis wie T8; Beisatz: War das (behauptete) Prozesshindernis aber bereits Gegenstand des Verfahrens erster Instanz und der erstgerichtlichen Entscheidung, so unterliegt ein Rechtsmittel an den Obersten Gerichtshof den Beschränkungen des § 528 Abs 2 ZPO. (T9)
  • 2 Ob 185/02y
    Entscheidungstext OGH 05.09.2002 2 Ob 185/02y
    Vgl; Beis wie T8; Beis wie T9
  • 3 Ob 54/02s
    Entscheidungstext OGH 19.09.2002 3 Ob 54/02s
    Auch; nur T1
  • 3 Ob 150/03k
    Entscheidungstext OGH 21.08.2003 3 Ob 150/03k
    Auch; nur T1
  • 8 ObA 33/04t
    Entscheidungstext OGH 15.04.2004 8 ObA 33/04t
    Auch; nur T3
  • 3 Ob 291/03w
    Entscheidungstext OGH 25.03.2004 3 Ob 291/03w
    Auch; nur T1
  • 7 Ob 109/04m
    Entscheidungstext OGH 26.05.2004 7 Ob 109/04m
    Auch; nur T1; Beisatz: Analogie zu § 519 Abs 1 Z 1 ZPO; der (irrtümliche) Ausspruch, ein Teil des Ersturteils sei unbekämpft geblieben, kommt einer Zurückweisung der Berufung gleich. (T10)
  • 3 Ob 163/05z
    Entscheidungstext OGH 24.08.2005 3 Ob 163/05z
    Auch; nur T1
  • 7 Ob 167/05t
    Entscheidungstext OGH 31.08.2005 7 Ob 167/05t
    nur T1
  • 2 Ob 67/07b
    Entscheidungstext OGH 26.04.2007 2 Ob 67/07b
    Auch; nur T1
  • 3 Ob 258/07y
    Entscheidungstext OGH 30.01.2008 3 Ob 258/07y
    Auch; nur T1; Beisatz: Wenn das Berufungsgericht unter Nichtigerklärung des erstinstanzlichen Verfahrens und des Urteils die Klage zurückweist, ist sein Beschluss stets, also unabhängig vom Streitwert und vom Vorliegen erheblicher Rechtsfragen, anfechtbar. (T11)
  • 6 Ob 292/07w
    Entscheidungstext OGH 24.01.2008 6 Ob 292/07w
    Auch; nur T3; Beis ähnlich wie T6; Beis wie T11
  • 4 Ob 83/09y
    Entscheidungstext OGH 14.07.2009 4 Ob 83/09y
    Vgl; nur T1; Beis wie T11
  • 4 Ob 166/09d
    Entscheidungstext OGH 19.11.2009 4 Ob 166/09d
    Auch; Beis wie T11
  • 9 Ob 23/09m
    Entscheidungstext OGH 03.03.2010 9 Ob 23/09m
    Vgl auch; Beis ähnlich wie T11
  • 9 Ob 53/09y
    Entscheidungstext OGH 28.07.2010 9 Ob 53/09y
    Auch
  • 7 Ob 160/10w
    Entscheidungstext OGH 29.09.2010 7 Ob 160/10w
    Auch
  • 4 Ob 16/11y
    Entscheidungstext OGH 15.02.2011 4 Ob 16/11y
    Vgl auch; Beis wie T11; Beisatz: Das Rekursverfahren ist gemäß § 521a ZPO idF ZVN 2009 zweiseitig, wenn die Entscheidung erster Instanz nach dem 31. 3. 2009 erging. (T12)
  • 6 Ob 96/11b
    Entscheidungstext OGH 16.06.2011 6 Ob 96/11b
    Vgl auch
  • 10 Ob 51/11i
    Entscheidungstext OGH 28.06.2011 10 Ob 51/11i
    Auch
  • 4 Ob 99/11d
    Entscheidungstext OGH 09.08.2011 4 Ob 99/11d
    Vgl; Beis wie T9
  • 1 Ob 135/12b
    Entscheidungstext OGH 01.08.2012 1 Ob 135/12b
    Vgl; Beis wie T6; Beis wie T11
  • 7 Ob 128/12t
    Entscheidungstext OGH 19.12.2012 7 Ob 128/12t
    Auch; Beis wie T11
  • 10 Ob 49/13y
    Entscheidungstext OGH 19.11.2013 10 Ob 49/13y
    Auch
  • 4 Ob 178/14a
    Entscheidungstext OGH 17.02.2015 4 Ob 178/14a
  • 7 Ob 8/15z
    Entscheidungstext OGH 18.02.2015 7 Ob 8/15z
    Auch
  • 7 Ob 52/15w
    Entscheidungstext OGH 09.04.2015 7 Ob 52/15w
    Auch
  • 1 Ob 102/15d
    Entscheidungstext OGH 18.06.2015 1 Ob 102/15d
    Vgl auch; nur T1
  • 2 Ob 207/15b
    Entscheidungstext OGH 12.04.2016 2 Ob 207/15b
    Vgl auch; Beis wie T11
  • 1 Ob 148/16w
    Entscheidungstext OGH 30.08.2016 1 Ob 148/16w
    Auch; nur T1
  • 1 Ob 121/16z
    Entscheidungstext OGH 30.08.2016 1 Ob 121/16z
    Auch; Beisatz: Hier: Zurückweisung der Wiederaufnahmsklage durch das Berufungsgericht. (T13)
  • 7 Ob 170/16z
    Entscheidungstext OGH 28.09.2016 7 Ob 170/16z
    Auch; nur T1
  • 8 ObA 7/16m
    Entscheidungstext OGH 25.10.2016 8 ObA 7/16m
    Auch; Beis wie T11
  • 1 Ob 24/17m
    Entscheidungstext OGH 27.02.2017 1 Ob 24/17m
  • 4 Ob 233/16t
    Entscheidungstext OGH 28.03.2017 4 Ob 233/16t
    Auch
  • 3 Ob 184/17f
    Entscheidungstext OGH 22.11.2017 3 Ob 184/17f
    Auch; Beis ähnlich wie T6
  • 5 Ob 129/18h
    Entscheidungstext OGH 28.08.2018 5 Ob 129/18h
    Vgl auch; Beis wie T12
  • 8 Ob 169/18p
    Entscheidungstext OGH 25.01.2019 8 Ob 169/18p
  • 3 Ob 12/19i
    Entscheidungstext OGH 20.02.2019 3 Ob 12/19i
    Auch; Beis wie T11; Beisatz: Das Rekursverfahren ist zweiseitig, die Rekurs-(beantwortungs)-frist beträge 14 Tage (§§ 521, 521a ZPO). (T14)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1991:RS0043882

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

18.04.2019

Dokumentnummer

JJR_19910409_OGH0002_0040OB00505_9100000_001

Entscheidungstext 6Ob2141/96p

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

6Ob2141/96p

Entscheidungsdatum

11.07.1996

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Mag.Engelmaier als Vorsitzenden und durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr.Kellner, Dr.Graf, Dr.Schiemer und Dr.Prückner als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei Dr.Ingeborg L*****, wider die beklagte Partei Hans-Dieter R*****, vertreten durch Dr.Franz Eckert ua Rechtsanwälte in Baden, wegen 12.730,90 S, infolge Rekurses der beklagten Partei gegen den Beschluß des Landesgerichtes für Zivilrechtssachen Wien als Berufungsgerichtes vom 6.März 1996, GZ 36 R 36/96b-16, womit aus Anlaß der Berufung der Klägerin das Urteil des Bezirksgerichtes Innere Stadt Wien vom 16.November 1995, GZ 34 C 199/95h-12, und das diesem Urteil vorangegangene Verfahren als nichtig aufgehoben und die Klage wegen Unzulässigkeit des streitigen Rechtsweges zurückgewiesen wurden, den

Beschluß

gefaßt:

Spruch

Dem Rekurs wird nicht Folge gegeben.

Die beklagte Partei hat die Kosten ihres Rechtsmittels selbst zu tragen.

Text

Begründung:

Gegen den Beklagten war zu 12 f Vr 14.473/92, 12 f Hv 2.795/93 des Landesgerichtes für Strafsachen Wien ein Strafverfahren anhängig. Er hatte zunächst einen Wahlverteidiger, der am 2.3.1994 die Vollmacht kündigte. Das Strafgericht bestellte daraufhin für den Beklagten einen Amtsverteidiger gemäß § 41 Abs 3 StPO. Mit Bescheid der Rechtsanwaltskammer Wien vom 21.3.1994 wurde die Klägerin mit zwei weiteren Rechtsanwälten zur Amtsverteidigerin des Beklagten bestellt.

Bereits am 11.3.1994 hatte der Beklagte die Bevollmächtigung der Beklagtenvertreter als neue Wahlverteidiger angezeigt. Mit einem am 21.3.1994 beim Landesgericht für Strafsachen Wien eingelangten Schriftsatz beantragte der Beklagte den Widerruf der verfügten Bestellung eines Amtsverteidigers. Das Landesgericht für Strafsachen Wien wies (diesen Antrag) mit Beschluß vom 21.3.1994 ab. Der dagegen erhobenen Beschwerde des Beklagten wurde vom Oberlandesgericht Wien mit Beschluß vom 26.4.1994 Folge gegeben, weil gemäß § 41 Abs 6 StPO die Bestellung eines Verfahrenshilfe- oder Amtsverteidigers mit dem Einschreiten eines gewählten Verteidigers ex lege erlösche.

Die Klägerin hat Leistungen für den Beklagten erst nach dem 21.3.1994 erbracht. Sie wurde mit Bescheid der Rechtsanwaltskammer Wien vom 5.5.1994 von ihrer Enthebung als Amtsverteidigerin verständigt.

Die Klägerin begehrte mit ihrer Mahnklage vom 31.1.1995 ein Honorar für die Amtsverteidigung im angeführten Strafverfahren.

Das Erstgericht wies die Klage ab. Es beurteilte den eingangs wiedergegebenen Sachverhalt rechtlich dahin, daß die Bestellung eines Amtsverteidigers für den Beklagten zunächst zu Recht erfolgt sei, weil der ursprüngliche Wahlverteidiger seine Vollmacht gekündigt habe. Mit dem Einschreiten des vom Beklagten neu bestellten Wahlverteidigers am 21.3.1993 sei die Bestellung der Amtsverteidigerin gemäß § 41 Abs 6 StPO ex lege erloschen. Zu diesem Zeitpunkt habe die Klägerin aber noch keine Leistungen für den Beklagten erbracht gehabt. Zum Zeitpunkt der Leistungserbringung sei sie nicht mehr Amtsverteidigerin gewesen.

Das Berufungsgericht hob aus Anlaß der Berufung der Klägerin das Ersturteil und das diesem vorangegangene Verfahren als nichtig auf und wies die Klage wegen Unzulässigkeit des streitigen Rechtsweges zurück. Es vertrat die Auffassung, daß die Klägerin ihren Honoraranspruch ausschließlich für Leistungen als Amtsverteidigerin des Beklagten begehre. Gemäß § 395 Abs 5 StPO seien die Kosten des Amtsverteidigers durch das Strafgericht zu bestimmen. Die Bestimmung und Auferlegung der Kosten der Amtsverteidigung sei den Strafgerichten zugewiesen, weswegen eine Geltendmachung vor den Zivilgerichten ausscheide. Es entspreche der ständigen Judikatur, daß Verteidigungskosten, die im Zuge eines aufgrund einer mutwillen Anzeige geführten Strafverfahrens entstünden, nicht im Zivilrechtsweg, sondern lediglich vor den Strafgerichten eingefordert werden könnten. Dies gelte nur dann nicht, wenn die Verteidigungskosten aus dem Rechtsgrund des Schadenersatzes geltend gemacht werden. Da die Klägerin keinen anderen Rechtsgrund als die Erbringung der Leistungen im Zuge der Amtsverteidigung geltend gemacht habe, sei der streitige Rechtsweg unzulässig.

Gegen diesen Beschluß richtet sich der Rekurs des Beklagten mit dem Antrag auf Behebung. Dem Berufungsgericht möge eine (meritorische) Entscheidung über die Berufung der Klägerin aufgetragen werden.

Die Klägerin hat sich am Rekursverfahren nicht beteiligt.

Rechtliche Beurteilung

Der Rekurs ist zulässig.

Gegen einen Beschluß, mit welchem ein Berufungsgericht die Klage aus formellen Gründen zurückgewiesen hat, ist der Vollrekurs an den Obersten Gerichtshof ohne Rücksicht auf das Vorliegen einer erheblichen Rechtsfrage und ohne Rücksicht auf die Höhe des Streitwertes zulässig (RZ 1992/1 und 26; 2 Ob 519/95 mwN). Auch dem Beklagten steht gegen eine Zurückweisung der Klage durch das Berufungsgericht die Rekurslegitimation zu. Seine Beschwer ist wegen des Interesses an einer meritorischen, die Klage abweisenden Sachentscheidung zu bejahen.

Der Rekurs ist jedoch nicht berechtigt.

Als einzigen Rekursgrund macht der Beklagte geltend, daß im vorliegenden Fall wegen der Enthebung der Amtsverteidigerin ihre Kosten nicht durch das Strafgericht gemäß § 395 Abs 5 StPO zu bestimmen gewesen wären. Es sei daher von einem zivilrechtlichen Rechtsverhältnis auszugehen. Dieses Rekursvorbringen trifft zwar nach den erstinstanzlichen Feststellungen grundsätzlich zu. Der Rekurswerber übersieht aber, daß die Klägerin ihren Honoraranspruch - worauf das Berufungsgericht zutreffend verwies - ausschließlich auf Leistungen gestützt hat, die sie als Amtsverteidigerin erbracht habe. Auf einen anderen Sachverhalt und andere Rechtsgründe (etwa auf Bereicherungsrecht, Schadenersatzrecht oder eine Geschäftsführung ohne Auftrag) hat sie sich nicht gestützt. Bei der Beurteilung der Zulässigkeit des Rechtsweges ist jedoch auf den geltend gemachten Klagegrund, nicht aber auf bloß hypothetische, nicht erhobene Rechtsgründe abzustellen. Für die allein geltend gemachten Anspruchsgrundlagen, nämlich die Erbringung von Leistungen als Amtsverteidigerin in einem Strafverfahren, ist der Rechtsweg aber aus den vom Berufungsgericht zutreffend erkannten Gründen nicht zulässig, was vom Rekurswerber auch nicht bezweifelt wird. Dem Rekurs ist daher nicht Folge zu geben.

Anmerkung

E42716 06A21416

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1996:0060OB02141.96P.0711.000

Dokumentnummer

JJT_19960711_OGH0002_0060OB02141_96P0000_000