Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 1Ob162/72 7Ob169/73 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0038062

Geschäftszahl

1Ob162/72; 7Ob169/73; 4Ob48/74 (4Ob53/74); 4Ob599/75; 7Ob638/87; 4Ob129/90; 1Ob553/92; 3Ob526/92; 4Ob71/95; 4Ob69/95; 9ObA2091/96g; 8ObA59/97b; 9ObA10/97d; 1Ob55/99s; 3Ob36/99m; 10ObS9/01y; 4Ob210/03s; 4Ob66/05t; 8Ob33/10a; 8Ob3/10i; 5Ob242/10i; 4Ob215/10m; 4Ob130/11p; 6Ob195/12p; 9Ob73/16z; 4Ob217/18t

Entscheidungsdatum

06.09.1972

Norm

ZPO §226 IV

Rechtssatz

Das Bestehen eines Rechtsschutzbedürfnisses ist Voraussetzung für die gerichtliche Geltendmachung jedes Anspruches (EvBl 1957/302); besteht es nicht, ist die Fällung eines dem Klagebegehren stattgebenden Urteiles zu verweigern (EvBl 1972/20).

Entscheidungstexte

  • 1 Ob 162/72
    Entscheidungstext OGH 06.09.1972 1 Ob 162/72
    Veröff: HS 8027/7
  • 7 Ob 169/73
    Entscheidungstext OGH 03.10.1973 7 Ob 169/73
  • 4 Ob 48/74
    Entscheidungstext OGH 01.10.1974 4 Ob 48/74
    Veröff: IndS 1975 H5/960 = Arb 9256 = ZAS 1975,182 = SozM IA/1083
  • 4 Ob 599/75
    Entscheidungstext OGH 04.11.1975 4 Ob 599/75
    Veröff: SZ 48/116 = EvBl 1976/95 S 184
  • 7 Ob 638/87
    Entscheidungstext OGH 09.07.1987 7 Ob 638/87
    Auch; Beisatz: Das Fehlen des Rechtsschutzbedürfnisses führt zur Abweisung der Klage als unbegründet. Das Rechtsschutzinteresse fehlt, wenn der Kläger schon über einen Exekutionstitel zur Durchsetzung seines Anspruches verfügt bzw wenn der Kläger das mit der Klage verfolgte Rechtsschutzziel schon erreicht hat. (T1)
  • 4 Ob 129/90
    Entscheidungstext OGH 09.10.1990 4 Ob 129/90
    Auch
  • 1 Ob 553/92
    Entscheidungstext OGH 18.03.1992 1 Ob 553/92
    Auch; Veröff: EvBl 1992/153 S 623
  • 3 Ob 526/92
    Entscheidungstext OGH 08.07.1992 3 Ob 526/92
    Auch; Beis wie T1 nur: Das Fehlen des Rechtsschutzbedürfnisses führt zur Abweisung der Klage. (T2)
  • 4 Ob 71/95
    Entscheidungstext OGH 19.09.1995 4 Ob 71/95
    Auch; Beis wie T1 nur: Das Fehlen des Rechtsschutzbedürfnisses führt zur Abweisung der Klage als unbegründet. Das Rechtsschutzinteresse fehlt, wenn der Kläger schon über einen Exekutionstitel zur Durchsetzung seines Anspruches verfügt. (T3)
  • 4 Ob 69/95
    Entscheidungstext OGH 19.09.1995 4 Ob 69/95
    Auch; Beis wie T3
  • 9 ObA 2091/96g
    Entscheidungstext OGH 15.05.1996 9 ObA 2091/96g
    Auch; Beis wie T2
  • 8 ObA 59/97b
    Entscheidungstext OGH 13.03.1997 8 ObA 59/97b
    Auch; Beisatz: Hier: Antrag nach § 54 Abs 2 ASGG - in der Vergangenheit liegender Feststellungsinhalt. (T4)
  • 9 ObA 10/97d
    Entscheidungstext OGH 29.01.1997 9 ObA 10/97d
    Auch; Beisatz: Es handelt sich dabei jedoch um keine allgemeine Prozeßvoraussetzung, die von Amts wegen wahrzunehmen wäre. (T5)
  • 1 Ob 55/99s
    Entscheidungstext OGH 23.03.1999 1 Ob 55/99s
    Vgl; nur: Das Bestehen eines Rechtsschutzbedürfnisses ist Voraussetzung für die gerichtliche Geltendmachung jedes Anspruches. (T6); Beisatz: Das Rechtsschutzbedürfnis stellt keine allgemeine, sondern nur eine besondere Prozeßvoraussetzung für bestimmte gesetzlich angeordnete Ausnahmsfälle dar. (T7)
  • 3 Ob 36/99m
    Entscheidungstext OGH 28.10.1999 3 Ob 36/99m
    Vgl; nur T6; Beis wie T7
  • 10 ObS 9/01y
    Entscheidungstext OGH 20.02.2001 10 ObS 9/01y
    Vgl auch
  • 4 Ob 210/03s
    Entscheidungstext OGH 18.11.2003 4 Ob 210/03s
    Vgl; Beisatz: Hier: einstweilige Verfügung. (T8); Beisatz: Das Rechtsschutzinteresse an einer Sicherungsmaßnahme fehlt ganz allgemein nur, wenn die gefährdete Partei bereits über einen Exekutionstitel verfügt. (T9)
  • 4 Ob 66/05t
    Entscheidungstext OGH 14.06.2005 4 Ob 66/05t
    Beisatz: Das FERG verfolgt nicht das Ziel der Regelung des Wettbewerbs. Die Vorschriften zur Durchsetzung der Rechte des anderen Fernsehveranstalters gegenüber jenem, dem in bestimmten Fällen Exklusivrechte zukommen, dienen nicht der Absicherung der Regeln des lauteren Wettbewerbs, sodass dem Fernsehveranstalter, der durch unlauteren Wettbewerb des über Exklusivrechte verfügenden Mitbewerbers verletzt wird, nicht das Rechtsschutzbedürfnis bei Verfolgung wettbewerbsrechtlicher Unterlassungsansprüche abgesprochen werden kann. (T10)
  • 8 Ob 33/10a
    Entscheidungstext OGH 22.04.2010 8 Ob 33/10a
    Auch; Beisatz: Für die gerichtliche Geltendmachung jedes Anspruchs ist das Bestehen eines Rechtsschutzbedürfnisses zwingende Voraussetzung. Dies gilt auch für eine Unterlassungsklage, die zudem das Vorliegen von Wiederholungsgefahr voraussetzt, und gleichermaßen für eine entsprechende Provisorialmaßnahme. In diesem Sinn mangelt es an dem noch im Zeitpunkt der Rechtsmittelentscheidung erforderlichen Rechtsschutzinteresse, wenn der Entscheidung nur mehr theoretisch abstrakte Bedeutung zukäme. (T11); Beisatz: Hier: Wegfall des Rechtsschutzinteresses, wenn die Veröffentlichung eines Disziplinarerkenntnisses, deren Verhinderung die begehrte einstweilige Verfügung gerade bezweckte, zwischenzeitig bereits erfolgt ist. (T12)
  • 8 Ob 3/10i
    Entscheidungstext OGH 04.11.2010 8 Ob 3/10i
    Vgl auch; nur T6; Beisatz: Für die gerichtliche Geltendmachung jedes Anspruchs ist das Bestehen eines Rechtsschutzbedürfnisses zwingende Voraussetzung. Das Fehlen des Rechtsschutzbedürfnisses führt auch im Exekutionsverfahren nicht zur Zurück‑, sondern zur Abweisung des Sachantrags. (T13)
  • 5 Ob 242/10i
    Entscheidungstext OGH 24.01.2011 5 Ob 242/10i
    nur T6; Beis wie T2; auch Beis wie T13; Beisatz: Hier: Antrag nach § 30 Abs 1 Z 5 WEG auf Durchsetzung der Verwalterpflicht nach § 20 Abs 4 WEG bei bereits abgeschlossenen Arbeiten. (T14)
  • 4 Ob 215/10m
    Entscheidungstext OGH 23.03.2011 4 Ob 215/10m
    Vgl auch; Beis wie T1
  • 4 Ob 130/11p
    Entscheidungstext OGH 20.09.2011 4 Ob 130/11p
    Auch; Beis wie T1
  • 6 Ob 195/12p
    Entscheidungstext OGH 16.11.2012 6 Ob 195/12p
    Vgl; Beisatz: Eine amtswegige Wahrnehmung mangelnden Rechtsschutzbedürfnisses kommt nicht in Betracht. (T15)
  • 9 Ob 73/16z
    Entscheidungstext OGH 29.11.2016 9 Ob 73/16z
    Auch; nur T6
  • 4 Ob 217/18t
    Entscheidungstext OGH 26.03.2019 4 Ob 217/18t
    Auch; Beisatz: Hier: Rechtliches Interesse an Rechnungslegung und Auskunft. (T16)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1972:RS0038062

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

03.05.2019

Dokumentnummer

JJR_19720906_OGH0002_0010OB00162_7200000_002

Rechtssatz für 4Ob397/78 4Ob398/80 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0002451

Geschäftszahl

4Ob397/78; 4Ob398/80; 4Ob126/93; 4Ob29/94; 4Ob71/95; 4Ob69/95; 4Ob1006/96; 8ObA285/01x; 4Ob130/11p; 2Ob215/10x; 10Ob28/14m

Entscheidungsdatum

21.11.1978

Norm

EO §65 E
ZPO §226 IV

Rechtssatz

Besitzt der Kläger in Form einer einstweiligen Verfügung schon einen Exekutionstitel, mit dem er auch seinen Anspruch auf Unterlassung auf dem Wege des § 355 EO exekutiv durchsetzen kann, steht einem Erfolg seines neuerlichen Unterlassungsbegehrens und des damit verbundenen Sicherungsantrages das Fehlen des erforderlichen Rechtsschutzbedürfnisses entgegen.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 397/78
    Entscheidungstext OGH 21.11.1978 4 Ob 397/78
    Veröff: ÖBl 1979,80
  • 4 Ob 398/80
    Entscheidungstext OGH 25.11.1980 4 Ob 398/80
    Beisatz: Kein Rechtsschutzbedürfnis, wenn mit beiden Begehren der beklagten Partei verboten werden soll, durch Ankündigungen bei den Konsumenten den unrichtigen Eindruck zu erwecken, sie würden hinsichtlich des Preises ebenso wie Möbelhändler bevorzugt behandelt. (T1)
  • 4 Ob 126/93
    Entscheidungstext OGH 16.11.1993 4 Ob 126/93
    Beisatz: Dieser Rechtsprechung ist auch im Hinblick auf § 54 Abs 4 KO, § 60 Abs 2 und § 156a Abs 3 KO schon deshalb nicht der Boden entzogen, weil der Gesetzgeber damit nur dem Umstand Rechnung tragen wollte, dass unbestrittenen Forderungsanmeldungen und Auszügen aus Anmeldungsverzeichnissen im Hinblick darauf, dass zahlreiche Staaten, die zwar österreichische Urteile vollstrecken, aber eine Exekution auf Grund eines Auszuges aus einem österreichischen Anmeldungsverzeichnis ablehnen, eine geringere Wirkung als vollstreckbaren gerichtlichen Entscheidungen zukommen. (T2) Veröff: SZ 66/145
  • 4 Ob 29/94
    Entscheidungstext OGH 22.03.1994 4 Ob 29/94
    Auch; Beis wie T2
  • 4 Ob 71/95
    Entscheidungstext OGH 19.09.1995 4 Ob 71/95
    Vgl auch; Beis wie T2
  • 4 Ob 69/95
    Entscheidungstext OGH 19.09.1995 4 Ob 69/95
    Vgl auch; Beis wie T2
  • 4 Ob 1006/96
    Entscheidungstext OGH 30.01.1996 4 Ob 1006/96
    Vgl auch
  • 8 ObA 285/01x
    Entscheidungstext OGH 27.05.2002 8 ObA 285/01x
    Vgl aber; Beisatz: Jedenfalls im Bereich des Insolvenzrechtes muss aufgrund der ausdrücklichen Regelung des § 54 Abs 4 Satz 2 AO beziehungsweise § 60 Abs 2 Satz 2 und § 156a Abs 3 KO eine Klagsabweisung beziehungsweise Klagszurückweisung mangels Rechtsschutzbedürfnisses am positiven Recht scheitern. (T3)
  • 4 Ob 130/11p
    Entscheidungstext OGH 20.09.2011 4 Ob 130/11p
    Auch
  • 2 Ob 215/10x
    Entscheidungstext OGH 27.02.2012 2 Ob 215/10x
    Vgl
    Veröff: SZ 2012/20
  • 10 Ob 28/14m
    Entscheidungstext OGH 15.07.2014 10 Ob 28/14m
    Auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1978:RS0002451

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

02.09.2014

Dokumentnummer

JJR_19781121_OGH0002_0040OB00397_7800000_001

Rechtssatz für 4Ob402/85 4Ob402/87 4Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0079356

Geschäftszahl

4Ob402/85; 4Ob402/87; 4Ob128/89; 4Ob127/89; 4Ob160/89; 4Ob5/90; 4Ob129/90; 4Ob163/90; 3Ob46/91 (3Ob47/91 -3Ob66/91, 3Ob1053/91); 4Ob56/93; 4Ob160/93; 4Ob163/93; 4Ob69/95; 4Ob2145/96m; 4Ob7/98b; 4Ob201/98g; 4Ob169/99b; 4Ob149/00s; 4Ob117/00k; 4Ob241/06d; 4Ob42/07s; 4Ob171/08p; 4Ob131/10h; 4Ob165/10h; 6Ob200/13z; 4Ob102/18f; 4Ob179/18d

Entscheidungsdatum

04.02.1986

Norm

UWG §14 A1
UWG §14 B1
UWG §14 B2
§226 IV ZPO

Rechtssatz

Der nach § 14 UWG Klageberechtigte braucht regelmäßig nicht abzuwarten, ob ein anderer Berechtigter mit einer auf Grund desselben Sachverhaltes erhobenen Unterlassungsklage zum Ziel kommt; sein Rechtsschutzbedürfnis fällt auch nicht allein dadurch weg, dass andere Mitbewerber oder Verbände bereits einen Exekutionstitel auf Unterlassung der in Rede stehenden Wettbewerbshandlung erwirkt haben. Dieses Interesse könnte vielmehr nur dann verneint werden, wenn im Einzelfall zwischen verschiedenen Klageberechtigten solche tatsächliche oder rechtliche Bindungen bestehen, dass nach der Lebenserfahrung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, das schutzwürdige Interessen eines Klageberechtigten werde durch eine andere, natürliche oder juristische Person, die schon über einen entsprechenden Unterlassungstitel verfügt oder gerade dabei ist, sich einen solchen zu verschaffen, vollwertig gewahrt.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 402/85
    Entscheidungstext OGH 04.02.1986 4 Ob 402/85
    Veröff: SZ 59/25 = ÖBl 1986,102
  • 4 Ob 402/87
    Entscheidungstext OGH 23.02.1988 4 Ob 402/87
    Veröff: SZ 61/41 = ÖBl 1989,14
  • 4 Ob 128/89
    Entscheidungstext OGH 10.10.1989 4 Ob 128/89
    Beisatz: Sind mehrere Unternehmen von einer herabsetzenden Tatsachenmitteilung im Sinne § 7 UWG betroffen, dann kann es ihnen nicht verwehrt werden, ihre Ansprüche gesondert geltend zu machen. (T1) Veröff: ÖBl 1990,18 = MR 1989,219 (Korn)
  • 4 Ob 127/89
    Entscheidungstext OGH 07.11.1989 4 Ob 127/89
    Veröff: ÖBl 1990,151
  • 4 Ob 160/89
    Entscheidungstext OGH 19.12.1989 4 Ob 160/89
    nur: Sein Rechtsschutzbedürfnis fällt auch nicht allein dadurch weg, dass andere Mitbewerber oder Verbände bereits einen Exekutionstitel auf Unterlassung der in Rede stehenden Wettbewerbshandlung bewirkt haben. Dieses Interesse könnte vielmehr nur dann verneint werden, wenn im Einzelfall zwischen verschiedenen Klageberechtigten solche tatsächliche oder rechtliche Bindungen bestehen, dass nach der Lebenserfahrung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, das schutzwürdige Interessen eines Klageberechtigten werde durch eine andere, natürliche oder juristische Person, die schon über einen entsprechenden Unterlassungstitel verfügt oder gerade dabei ist, sich einen solchen zu verschaffen, vollwertig gewahrt. (T2)
  • 4 Ob 5/90
    Entscheidungstext OGH 20.02.1990 4 Ob 5/90
    Beisatz: Nach abermaliger Prüfung kann jedoch die Auffassung, wonach der Fall, dass eine in dem näher beschriebenen Naheverhältnis zum Kläger stehende Person schon über einen entsprechenden Unterlassungstitel verfügt, jenem gleichzustellen sei, in dem sie "erst dabei ist, sich einen Titel zu verschaffen", nicht aufrechterhalten werden. (T3) Veröff: SZ 63/21 = MR 1990,103 = ÖBl 1990,119 = WBl 1990,243
  • 4 Ob 129/90
    Entscheidungstext OGH 09.10.1990 4 Ob 129/90
    Vgl auch; nur T2; Beisatz: Das Interesse der Klägerin, gerichtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um ein ihrer Meinung nach wettbewerbswidriges Verhalten eines Mitbewerbers zu unterbinden, und sich nicht damit zu begnügen, den Prozesserfolg einer anderen, wenngleich mit ihr in einem Naheverhältnis stehenden Partei abzuwarten, kann nicht als das Interesse der Beklagten, sich Prozesskosten zu ersparen; allein darin liegt aber der Nachteil der Beklagten, wenn sie wegen desselben Verstoßes von mehreren Parteien in Anspruch genommen wird. (T4)
  • 4 Ob 163/90
    Entscheidungstext OGH 04.12.1990 4 Ob 163/90
    Beisatz: Ob zwischen den jeweils Klageberechtigten solche tatsächlichen und/oder rechtlichen Bindungen bestehen, entscheiden immer die Umstände des Einzelfalls. Schon die Verflechtung mehrere Unternehmen in einem Konzern und die Tatsache, dass solche Unternehmen schon bisher gemeinsam vorgegangen sind, kann nach der Lebenserfahrung den Schluss zulassen, dass die eine Gesellschaft tatsächlich auch das Interesse der anderen vollwertig wahren werden. (T5) Veröff: ecolex 1991,262
  • 3 Ob 46/91
    Entscheidungstext OGH 16.10.1991 3 Ob 46/91
    Auch
  • 4 Ob 56/93
    Entscheidungstext OGH 08.06.1993 4 Ob 56/93
    Beis wie T3; Beisatz: Wird im zweiten Verfahren ein Sachverhalt behauptet, der über den im ersten Verfahren geltend gemachten Sachverhalt hinausgeht und der, für sich allein genommen, das Sicherungsbegehren zu begründen vermag, dann ist der Rechtsschutz des zweiten Klägers durch die einstweilige Verfügung nicht vollständig gewahrt. (T6)
  • 4 Ob 160/93
    Entscheidungstext OGH 30.11.1993 4 Ob 160/93
  • 4 Ob 163/93
    Entscheidungstext OGH 30.11.1993 4 Ob 163/93
    Beis wie T3; Beis wie T4; Veröff: SZ 66/163
  • 4 Ob 69/95
    Entscheidungstext OGH 19.09.1995 4 Ob 69/95
    nur: Sein Rechtsschutzbedürfnis fällt auch nicht allein dadurch weg, dass andere Mitbewerber oder Verbände bereits einen Exekutionstitel auf Unterlassung der in Rede stehenden Wettbewerbshandlung bewirkt haben. Dieses Interesse könnte vielmehr nur dann verneint werden, wenn im Einzelfall zwischen verschiedenen Klageberechtigten solche tatsächliche oder rechtliche Bindungen bestehen, dass nach der Lebenserfahrung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, das schutzwürdige Interessen eines Klageberechtigten werde durch eine andere, natürliche oder juristische Person, vollwertig gewahrt. (T7)
  • 4 Ob 2145/96m
    Entscheidungstext OGH 25.06.1996 4 Ob 2145/96m
    nur T7
  • 4 Ob 7/98b
    Entscheidungstext OGH 27.01.1998 4 Ob 7/98b
    Ähnlich; nur: Dieses Interesse könnte vielmehr nur dann verneint werden, wenn im Einzelfall zwischen verschiedenen Klageberechtigten solche tatsächliche oder rechtliche Bindungen bestehen, dass nach der Lebenserfahrung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, das schutzwürdige Interessen eines Klageberechtigten werde durch eine andere, natürliche oder juristische Person, die schon über einen entsprechenden Unterlassungstitel verfügt oder gerade dabei ist, sich einen solchen zu verschaffen, vollwertig gewahrt. (T8); Beis wie T5 nur: Ob zwischen den jeweils Klageberechtigten solche tatsächlichen und/oder rechtlichen Bindungen bestehen, entscheiden immer die Umstände des Einzelfalls. (T9)
  • 4 Ob 201/98g
    Entscheidungstext OGH 28.09.1998 4 Ob 201/98g
    nur T8
  • 4 Ob 169/99b
    Entscheidungstext OGH 13.07.1999 4 Ob 169/99b
    Vgl auch; nur T8
  • 4 Ob 149/00s
    Entscheidungstext OGH 15.06.2000 4 Ob 149/00s
    Auch; nur T2
  • 4 Ob 117/00k
    Entscheidungstext OGH 15.06.2000 4 Ob 117/00k
    Vgl auch; nur: Dieses Interesse könnte vielmehr nur dann verneint werden, wenn im Einzelfall zwischen verschiedenen Klageberechtigten solche tatsächliche oder rechtliche Bindungen bestehen, dass nach der Lebenserfahrung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, das schutzwürdige Interessen eines Klageberechtigten werde durch eine andere, natürliche oder juristische Person, die schon über einen entsprechenden Unterlassungstitel verfügt oder gerade dabei ist, sich einen solchen zu verschaffen, vollwertig gewahrt. (T10)
  • 4 Ob 241/06d
    Entscheidungstext OGH 19.12.2006 4 Ob 241/06d
    Beis wie T3; Beis wie T9; Beisatz: Hier: Rechtsschutzbedürfnis eines Anwalts verneint, weil die Vorarlberger Rechtsanwaltskammer bereits einen im Wesentlichen gleichlautenden Unterlassungstitel erwirkt hat, auf dessen Grundlage sie auch Exekution führt. (T11)
  • 4 Ob 42/07s
    Entscheidungstext OGH 20.03.2007 4 Ob 42/07s
    Auch; nur T8; Beis wie T9; Beisatz: Hier: Rechtsschutzinteresse verneint, weil der Kanzleikollege des Klägers bereits über einen rechtskräftigen Titel verfügt. (T12)
  • 4 Ob 171/08p
    Entscheidungstext OGH 18.11.2008 4 Ob 171/08p
    Auch; nur T8; Beisatz: Dabei lässt nur das Vorliegen eines Titels, nicht schon ein anhängiges Verfahren das Rechtsschutzinteresse entfallen. (T13)
  • 4 Ob 131/10h
    Entscheidungstext OGH 31.08.2010 4 Ob 131/10h
    Auch; Beis wie T3; Beis wie T9; Beisatz: Hier: Die Konzernmutter der Klägerin verfügt über einen im Kern gleichlautenden Exekutionstitel. (T14)
  • 4 Ob 165/10h
    Entscheidungstext OGH 05.10.2010 4 Ob 165/10h
    Vgl; Beis wie T9; Beisatz: Maßgebend ist, ob sich der zugunsten einer anderen Person bestehende Titel zur Abstellung des gesamten im späteren Verfahren behaupteten Verfahrens eignet. (T15)
  • 6 Ob 200/13z
    Entscheidungstext OGH 13.03.2014 6 Ob 200/13z
    Vgl; Beisatz: Auch für einen Unterlassungsanspruch nach ABGB ist daran festzuhalten, dass das Vorgehen gegen einen von mehreren Unterlassungsschuldnern nicht das Rechtsschutzbedürfnis für eine Klage gegen einen anderen mittelbaren Störer oder den unmittelbaren Störer beseitigt. (T16)
  • 4 Ob 102/18f
    Entscheidungstext OGH 17.07.2018 4 Ob 102/18f
    Vgl
  • 4 Ob 179/18d
    Entscheidungstext OGH 23.10.2018 4 Ob 179/18d
    Vgl auch; Beisatz: Das Vorliegen eines Unterlassungstitels aus einem anderen Verbandsverfahren nach §§ 28, 29 KSchG beseitigt die Wiederholungsgefahr nicht. (T17)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1986:RS0079356

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

08.01.2019

Dokumentnummer

JJR_19860204_OGH0002_0040OB00402_8500000_002

Rechtssatz für 4Ob5/90 4Ob89/90 4Ob16/...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0079417

Geschäftszahl

4Ob5/90; 4Ob89/90; 4Ob16/91; 3Ob46/91 (3Ob47/91 -3Ob66/91, 3Ob1053/91); 4Ob56/93; 4Ob69/95; 4Ob117/00k; 4Ob165/01w; 4Ob273/01b; 4Ob36/03b; 4Ob113/03a; 4Ob221/05m; 4Ob42/07s; 4Ob179/10t; 4Ob215/10m; 2Ob215/10x; 10Ob28/14m

Entscheidungsdatum

20.02.1990

Norm

KSchG §28
UWG §14 A1
UWG §14 B1
UWG §14 B2
ZPO §226 IV

Rechtssatz

Das Rechtsschutzbedürfnis des Klägers kann nur dann verneint werden, wenn bereits ein Exekutionstitel vorhanden ist; vor diesem Zeitpunkt kann einem Klageberechtigten keinesfalls zugemutet werden zuzuwarten, ob und wann ein anderer, mit dem er in dem bestimmten Naheverhältnis steht, mit seiner Klage Erfolg haben wird. Das muss insbesondere dann gelten, wenn die verschiedenen, miteinander wirtschaftlich oder rechtlich verbundenen Personen von verschiedenen Rechtsanwälten vertreten werden, die ihre Ansprüche zumindest teilweise unterschiedlich formulieren und begründen, so dass durchaus nicht mit Sicherheit der gleiche Ausgang aller Verfahren zu erwarten ist.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 5/90
    Entscheidungstext OGH 20.02.1990 4 Ob 5/90
    Veröff: SZ 63/21 = MR 1990,103 = ÖBl 1990,119
  • 4 Ob 89/90
    Entscheidungstext OGH 12.06.1990 4 Ob 89/90
    Vgl auch; Beisatz: Waren aber die Exekutionsschritte der Medieninhaberin rechtlich verfehlt, dann kann der Verlegerin nicht das Recht abgesprochen werden, ihrerseits den - richtigen - Weg der Klageführung zu beschreiten. (T1)
  • 4 Ob 16/91
    Entscheidungstext OGH 12.03.1991 4 Ob 16/91
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Frage der Passivlegitimation. (T2)
  • 3 Ob 46/91
    Entscheidungstext OGH 16.10.1991 3 Ob 46/91
    Vgl auch
  • 4 Ob 56/93
    Entscheidungstext OGH 08.06.1993 4 Ob 56/93
    Auch; Beisatz: Wird im zweiten Verfahren ein Sachverhalt behauptet, der über den im ersten Verfahren geltend gemachten Sachverhalt hinausgeht und der, für sich allein genommen, das Sicherungsbegehren zu begründen vermag, dann ist der Rechtsschutz des zweiten Klägers durch die einstweilige Verfügung nicht vollständig gewahrt. (T3)
  • 4 Ob 69/95
    Entscheidungstext OGH 19.09.1995 4 Ob 69/95
    Auch; nur: Das Rechtsschutzbedürfnis des Klägers kann nur dann verneint werden, wenn bereits ein Exekutionstitel vorhanden ist. (T4)
  • 4 Ob 117/00k
    Entscheidungstext OGH 15.06.2000 4 Ob 117/00k
    Auch; Beis wie T3
  • 4 Ob 165/01w
    Entscheidungstext OGH 12.09.2001 4 Ob 165/01w
    nur T4
  • 4 Ob 273/01b
    Entscheidungstext OGH 27.11.2001 4 Ob 273/01b
    Auch; nur T4; Beisatz: Zu fragen ist immer, ob das im ersten Verfahren bereits erwirkte Gebot einen tauglichen Exekutionstitel zur Abstellung auch des gesamten im zweiten Verfahren behaupteten Verhaltens bildet. (T5)
  • 4 Ob 36/03b
    Entscheidungstext OGH 29.04.2003 4 Ob 36/03b
    Vgl auch; Beisatz: Bildet das im ersten Verfahren bereits erwirkte Gebot einen tauglichen Exekutionstitel zur Abstellung auch des gesamten im zweiten Verfahren behaupteten Verhaltens, fehlt der Klägerin insoweit das Rechtsschutzbedürfnis. (T6)
  • 4 Ob 113/03a
    Entscheidungstext OGH 18.11.2003 4 Ob 113/03a
    Auch; nur T4; Beis wie T3
  • 4 Ob 221/05m
    Entscheidungstext OGH 24.01.2006 4 Ob 221/05m
    Auch; nur T4; Beis wie T5; Beis wie T6; Beisatz: Das gilt auch dann, wenn ein Exekutionsantrag in erster Instanz zu Unrecht abgewiesen wurde. Die Klägerin muss im Exekutionsverfahren Abhilfe suchen, wenn die von ihr beantragte Exekution nicht bewilligt wird, obwohl der ihr bereits zur Verfügung stehende rechtskräftige Titel das neue Verhalten der Beklagten erfasst. (T7)
  • 4 Ob 42/07s
    Entscheidungstext OGH 20.03.2007 4 Ob 42/07s
    Beisatz: Hier: Rechtsschutzinteresse verneint, weil der Kanzleikollege des Klägers bereits über einen rechtskräftigen Titel verfügt. (T8)
  • 4 Ob 179/10t
    Entscheidungstext OGH 18.01.2011 4 Ob 179/10t
    Vgl; Beis wie T6
  • 4 Ob 215/10m
    Entscheidungstext OGH 23.03.2011 4 Ob 215/10m
    Vgl auch; nur T4; Beis wie T6
    Veröff: SZ 2012/20
  • 2 Ob 215/10x
    Entscheidungstext OGH 27.02.2012 2 Ob 215/10x
    Auch; nur T4; Auch Beis wie T5; Beis wie T6; Beisatz: Hier: Unterlassungsgebot aus einem vorangegangenen Verbandsverfahren nach § 28 KSchG betreffend die Verwendung sinngleicher Klauseln. (T9)
  • 10 Ob 28/14m
    Entscheidungstext OGH 15.07.2014 10 Ob 28/14m
    Vgl; Beis wie T6

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1990:RS0079417

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

02.09.2014

Dokumentnummer

JJR_19900220_OGH0002_0040OB00005_9000000_001

Rechtssatz für 4Ob60/93 3Ob146/93 4Ob6...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0079479

Geschäftszahl

4Ob60/93; 3Ob146/93; 4Ob69/95

Entscheidungsdatum

13.07.1993

Norm

UWG §9a Abs2 Z8

Rechtssatz

Ob auch gleichartige, in einem zeitlichen Zusammenhang stehende Gewinnspiele als "ein Gewinnspiel" im Sinne des § 9 a Abs 2 Z 8 UWG verstehen sind, muß daher vor allem danach beurteilt werden, ob ihre Attraktivität und damit ihr Einfluß auf den Kaufentschluß von der Gewinnchance bei einem Tagesspiel oder von der des gesamten Spiels bestimmt wird. Bei einer Gewinnspiel-Serie, die an mehreren Tagen Gewinnchancen bis je dreihunderttausend Schilling bietet ist von einem einheitlichen Spiel auszugehen, auch wenn Interessierte jeden Tag einsteigen und auch jeden Tag wieder aussteigen können.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 60/93
    Entscheidungstext OGH 13.07.1993 4 Ob 60/93
  • 3 Ob 146/93
    Entscheidungstext OGH 24.11.1993 3 Ob 146/93
  • 4 Ob 69/95
    Entscheidungstext OGH 19.09.1995 4 Ob 69/95
    nur: Ob auch gleichartige, in einem zeitlichen Zusammenhang stehende Gewinnspiele als "ein Gewinnspiel" im Sinne des § 9 a Abs 2 Z 8 UWG verstehen sind, muß daher vor allem danach beurteilt werden, ob ihre Attraktivität und damit ihr Einfluß auf den Kaufentschluß von der Gewinnchance bei einem Tagesspiel oder von der des gesamten Spiels bestimmt wird. (T1) Beisatz: Spricht der Veranstalter eines Gewinnspieles von einer "1. Runde", so gibt er damit nicht nur zu erkennen, daß (zumindest) eine zweite Runde folgen wird, sondern auch, daß er selbst die zwei oder mehreren Runden des Gewinnspiels als einheitliches Spiel betrachtet, das eben in mehreren Wochen veranstaltet wird; es handelt sich somit um eine Gewinnspiel-Serie, die mehrmals Gewinnchancen bietet. (T2)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1993:RS0079479

Dokumentnummer

JJR_19930713_OGH0002_0040OB00060_9300000_001

Rechtssatz für 3Ob505/94 4Ob69/95 8ObA...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0037411

Geschäftszahl

3Ob505/94; 4Ob69/95; 8ObA285/01x

Entscheidungsdatum

15.12.1993

Norm

AO §54 Abs4
KO §60 Abs2
KO §156a Abs3
ZPO §204 I
ZPO §226 IV
ZPO §459

Rechtssatz

Stehen der Schaffung eines Doppeltitels weder Streitanhängigkeit noch Rechtskraft entgegen, kann die Klage nicht wegen fehlenden Rechtsschutzbedürfnisses zurückgewiesen werden.

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 505/94
    Entscheidungstext OGH 15.12.1993 3 Ob 505/94
    Veröff: SZ 66/173
  • 4 Ob 69/95
    Entscheidungstext OGH 19.09.1995 4 Ob 69/95
    Vgl aber; Beisatz: Aus der Neufassung (IRÄG BGBl 1982/370) der § 54 Abs 4 AO, § 60 Abs 2 und § 156 a Abs 3 KO kann nicht gefolgert werden, daß der Gesetzgeber "Doppeltitel" billige. (T1)
  • 8 ObA 285/01x
    Entscheidungstext OGH 27.05.2002 8 ObA 285/01x
    Auch; Beisatz: Der Berufung auf den Mangel des Rechtsschutzbedürfnisses im Fall, dass bereits ein (anderer) Titel wie die Eintragung in das Anmeldungsverzeichnis bei Insolvenzverfahren vorliegt, hat der Gesetzgeber des IRÄG1982 eine klare Absage erteilt. Jedenfalls im Bereich des Insolvenzrechtes muss aufgrund der ausdrücklichen Regelung des §54 Abs4 Satz2 AO beziehungsweise §60 Abs2 Satz2 und §156a Abs3 KO eine Klagsabweisung beziehungsweise Klagszurückweisung mangels Rechtsschutzbedürfnisses am positiven Recht scheitern. (T2)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1993:RS0037411

Dokumentnummer

JJR_19931215_OGH0002_0030OB00505_9400000_001

Entscheidungstext 4Ob69/95

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

4Ob69/95

Entscheidungsdatum

19.09.1995

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht durch den Vizepräsidenten des Obersten Gerichtshofes Hon.Prof.Dr.Gamerith als Vorsitzenden und durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr.Kodek, Dr.Niederreiter, Dr.Graf und Dr.Griß als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei M***** A***** Gesellschaft mbH & Co KG, ***** vertreten durch Dr.Gottfried Korn, Rechtsanwalt in Wien, wider die beklagte Partei F*****gesellschaft mbH, ***** vertreten durch Dr.Michael Graff, Rechtsanwalt in Wien, wegen Unterlassung und Urteilsveröffentlichung (Streitwert S 500.000; Revisionsinteresse S 250.000), infolge Revision der beklagten Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichtes Wien als Berufungsgericht vom 29.Mai 1995, GZ 1 R 93/95-20, womit infolge Berufung der klagenden Partei das Urteil des Handelsgerichtes Wien vom 14.Februar 1992, GZ 37 Cg 375/93p-15, abgeändert wurde, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

 

Der Revision wird Folge gegeben.

 

Das angefochtene Urteil wird dahin abgeändert, daß das Ersturteil zur Gänze wiederhergestellt wird.

 

Die klagende Partei ist schuldig, der beklagten Partei die mit S 44.492,60 bestimmten Kosten des Rechtsmittelverfahrens (darin S 5.207,10 Umsatzsteuer und S 13.250 Barauslagen) binnen 14 Tagen zu ersetzen.

Text

 

Entscheidungsgründe:

 

Die Beklagte, die Medieninhaberin von "t*****", brachte in der Ausgabe dieser Zeitung vom 5.9.1993 folgende Ankündigung:

 

Der Ausgabe dieser Zeitung lag auch ein "Casino-Spieltisch" mit 17 vorgedruckten Zahlen bei. Nach Ablauf der ersten Woche wurde das Gewinnspiel weitergeführt, so daß die Gesamtsumme der ausgespielten Gewinne S 300.000 überstieg.

 

Die Klägerin ist eine 100 %ige Tochter der M*****gesellschaft mbH & Co KG. Es besteht ein Rechtsbüro, das dieser Gesellschaft und ihren fünf Tochtergesellschaften, darunter auch der Klägerin, zur Verfügung steht. Üblicherweise machen diejenigen Gesellschaften Wettbewerbsverstöße geltend, die davon betroffen sind. Das Rechtsbüro koordiniert die Verfolgung der Wettbewerbsverstöße.

 

Mit Vergleich vom 5.3.1993 hatte sich die Beklagte im Verfahren zu 37 Cg 82/92 des Handelsgerichtes Wien gegenüber der dortigen Klägerin M*****gesellschaft mbH & Co KG zur Unterlassung des Ankündigens unentgeltlicher Zugaben verpflichtet. Der Klage war ein Gewinnspiel mit einer ausgespielten Summe von mehr als S 300.000 zugrunde gelegen. Der Vergleich (im folgenden kurz als "Vergleich 37 Cg 82/92" bezeichnet) lautet:

 

"Die Beklagte verpflichtet sich, im geschäftlichen Verkehr beim Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften zu Zwecken des Wettbewerbs die Ankündigung der Gewährung unentgeltlicher Zugaben und/oder Prämien, insbesondere von Traumeinrichtungen im Gesamtwert von S 600.000, zu unterlassen, wenn für die Erlangung der Zugabe und/oder Prämie der Erwerb einer von der beklagten Partei verlegten Zeitung oder Zeitschrift, insbesondere der Zeitschrift "D*****" notwendig oder förderlich ist."

 

Am 15.9.1993 beantragte die M*****gesellschaft mbH & Co KG auf Grund dieses Vergleiches gegen die Beklagte wegen des Casino-Gewinnspiels die Exekution zur Erzwingung der Unterlassung. Sie wies darauf hin, daß durch dieses Gewinnspiel die Höchstgrenze von S 300.000 überschritten worden sei, vertrat allerdings auch den Rechtsstandpunkt, daß infolge der Änderung des Wettbewerbs-Deregulierungsgesetzes das Gewinnspiel auch ohne Überschreitung eines Höchstbetrages unzulässig und vom Exekutionstitel umfaßt sei. Sie gründete ihren Exekutionsantrag auch auf die einstweilige Verfügung des Handelsgerichtes Wien vom 9.6.1993 zu 37 Cg 255/93, mit welcher der Beklagten verboten worden war, im geschäftlichen Verkehr zu Zwecken des Wettbewerbs bei der Herausgabe periodischer Druckschriften, insbesondere der Tageszeitung "t*****", Zugaben anzukündigen und/oder zu gewähren, insbesondere wenn dies durch Einräumung einer Teilnahmemöglichkeit an einem Gewinnspiel (Preisausschreiben) geschieht, wie etwa dem Spiel "Lot-Top".

 

Mit der Behauptung, daß das "Casino-Gewinnspiel" gegen § 9 a oder doch gegen § 1 UWG verstoße, begehrt die Klägerin, die Beklagte schuldig zu erkennen, im geschäftlichen Verkehr beim Vertrieb von Zeitungen und/oder Zeitschriften zu Wettbewerbszwecken es zu unterlassen, unentgeltliche Zugaben, insbesondere Geldprämien in Höhe von S 100.000, S 50.0000 und/oder S 5.000 für Spielteilnehmer am "Casino-Gewinnspiel", die 17, 16 oder 15 richtige Spielzahlen eingekreist haben, anzukündigen und/oder zu gewähren. Ferner stellt sie ein Veröffentlichungsbegehren.

 

Die Beklagte beantragt die Abweisung des Klagebegehrens. Das Gewinnspiel sei nach § 9 a Abs 2 Z 5 UWG zulässig. Außerdem fehle der Klägerin das Rechtsschutzinteresse, weil ihr der Vergleich 37 Cg 82/92, zur Verfügung stehe. Auf Grund dieses Exekutionstitels werde wegen des Casinospiels schon Unterlassungsexekution geführt. Ob dieser Vergleich auch Gewinnspiele betrifft, bei denen der Gesamtwert der ausgespielten Preise unter S 300.000 liege, brauche nicht erörtert zu werden, weil die einzelnen Folgen des Gewinnspiels wegen der einheitlichen Bezeichnung und Gestaltung ohnehin zuzusammenzurechnen seien und die Gesamtsumme der Preise S 300.000 überschreite.

 

Die Klägerin behauptete demgegenüber, daß ihr Rechtsschutzinteresse zu bejahen sei. Ganz abgesehen davon, daß der Vergleich 37 Cg 82/92 nur das Verbot des Ankündigens umfasse, verschweige die Beklagte das Wesentliche, daß nämlich das Casino-Gewinnspiel ursprünglich für die Woche vom 5. bis 11.9.1993 ausgelegt gewesen sei, für welche die Gesamtgewinnsumme auf S 300.000 begrenzt war. Tatsächlich habe aber die Beklagte das Gewinnspiel - offensichtlich wegen des großen Erfolges - über das angekündigte Ende hinaus fortgesetzt. Das Klagebegehren sei ausschließlich auf die erste Spielrunde abgestellt. Der klagenden Partei selbst stehe überhaupt kein Unterlassungstitel gegen die Beklagte zur Verfügung.

 

Das Erstgericht gab dem Klagebegehren nur insoweit statt, als es das Gewähren betraf; das Mehrbegehren, der Beklagten auch das Ankündigen der näher bezeichneten Zugaben zu untersagen, wies es ebenso wie das darauf entfallende Veröffentlichungsbegehren ab. Daß das Gewinnspiel unzulässig sei, sei schon im Provisorialverfahren ausgesprochen worden; die Beklagte habe dazu keine Ausführungen mehr erstattet. Das Rechtschutzinteresse der Klägerin sei zu verneinen, soweit ihre Muttergesellschaft oder andere Tochtergesellschaften über gleichwertige Titel verfügten. Das treffe auf den Vergleich 37 Cg 82/92 zu. Dieser sei zwar auf Grund der alten Rechtslage (Unzulässigkeit von Gewinnspielen nur über S 300.000 Gesamtwert der ausgespielten Preise) und einer auf diese gegründeten Klage geschlossen worden, jedoch nicht auf den konkreten oder gleichartige Verstöße eingeschränkt. Es sei anzunehmen, daß die Streitteile durch den Vergleich einen möglichst umfassenden, Folgeprozesse sparenden Titel schaffen wollten. Nach dem - maßgeblichen - klaren Wortlaut sollten alle - also auch auf Grund künftiger Rechtslage- unzulässige Gewinnspiele umfaßt werden. Die Geltung des Vergleichs sei somit nicht auf Gewinnspiele mit einer Gesamtsumme von über S 300.000 eingeschränkt. Allerdings sei hievon nur die Ankündigung, nicht auch die Durchführung von Gewinnspielen umfaßt. An dem Verbot des Gewährens bestehe daher nach wie vor ein Rechtschutzinteresse, so daß sich das Unterlassungsbegehren nur hinsichtlich der Durchführung, nicht aber auch des Ankündigens als gerechtfertigt erweise.

 

Das Berufungsgericht gab dem Klagebegehren zur Gänze statt und sprach aus, daß der Wert des Entscheidungsgegenstandes S 50.000 übersteige und die ordentliche Revision zulässig sei. Der Vergleich 37 Cg 82/92 wahre das Rechtsschutzinteresse der Klägerin nicht vollständig im Sinne der Entscheidung MR 1994, 81 - Singer-Werbung. Der Vergleich sei so auszulegen, wie diese Erklärung der Parteien unter Berücksichtigung der konkreten gesetzlichen Regelung, des Prozeßzweckes und der dem Gericht sowie dem Gegner bekannten Prozeß- und Aktenlage - also insbesondere der Ergebnisse des Provisorialverfahrens - objektiv verstanden werden mußte. Zu ermitteln sei nicht der tatsächliche (innere) Wille des Erklärenden, sondern der objektive Erklärungswert. Nach diesen Grundsätzen habe aber kein Anlaß daran zu zweifeln bestanden, daß der objektive Erklärungswert hier in der Vereinbarung einer - prozeßbeendenden - Unterlassungsverpflichtung der Beklagten in bezug auf Zeitungsgewinnspiele bestanden habe, deren Gewinnsumme S 300.000 überstieg.

Rechtliche Beurteilung

 

Die gegen dieses Urteil erhobene Revision der Beklagten ist zulässig und berechtigt.

 

Gegenstand des Rechtsmittelverfahrens ist allein die Frage, ob das Rechtschutzinteresse der Klägerin für ihr Begehren auf Verbot des Ankündigens von Zugaben, insbesondere Geldprämien, deshalb zu verneinen ist, weil ihre Muttergesellschaft mit dem Vergleich 37 Cg 82/92 insoweit einen Exekutionstitel erlangt hat. Zutreffend verweist die Beklagte darauf, daß es für die Beantwortung dieser Frage nicht auf die Auslegung des Vergleiches ankommt. Ob die von der Beklagten - dem Wortlaut des Vergleiches nach unbeschränkt übernommene - Unterlassungsverpflichtung nur für solche Zugabenankündigungen gelten sollte, die zur Zeit des Vergleichsabschlusses nicht unter die Ausnahmebestimmung des § 9 a Abs 2 Z 8 UWG idF Wettbewerbs-Deregulierungsgesetz 1992 BGBl 147 fielen oder aber für alle Zugabenankündigungen, die nach der jeweiligen Rechtslage unzulässig sind, kann tatsächlich offen bleiben, weil bei dem hier beanstandeten Gewinnspiel der Gesamtwert der ausgespielten Preise ohnehin S 300.000 überschritten hat. Wohl hieß es in der Ankündigung, daß "insgesamt ... S 300.000 als Gewinne zur Verfügung (stehen)"; diese Behauptung bezog sich aber auf das Spiel in der Woche vom 5. bis 11.9.1993. Diese Spielwoche wurde aber schon in der - in der Klage abgelichteten - Ankündigung als "1. Runde" bezeichnet. Damit hatte die Beklagte schon damals klargestellt, daß es nicht bei dem Spiel in der Woche ab 5.9.1993 bleiben soll. Die tatsächliche spätere Weiterführung des Gewinnspiels war also schon vorgesehen und (auch) für die Klägerin erkennbar. Der Hinweis der Revision auf diese Ankündigung ist entgegen der Meinung der Klägerin nicht aktenwidrig, sondern steht im Einklang mit dem diese Ankündigung enthaltenden Klagevorbringen.

 

Wie der erkennende Senat schon ausgesprochen hat, muß die Frage, ob mehrere gleichartige, in einem zeitlichen Zusammenhang stehende Gewinnspiele als "ein Gewinnspiel" iS des § 9 a Abs 2 Z 8 UWG zu verstehen sind, vor allem danach beurteilt werden, ob ihre Attraktivität und damit ihr Einfluß auf den Kaufentschluß von der Gewinnchance bei einem Tagesspiel oder von der des gesamten Spiels bestimmt wird (ÖBl 1993, 171 - Lot top). Da die Klägerin - wie beim "Lot top"-Spiel - von einer "1. Runde" gesprochen hat, hat sie damit nicht nur zu erkennen gegeben, daß (zumindest) eine zweite Runde folgen wird, sondern auch, daß sie selbst die zwei oder mehreren Runden des Casino-Gewinnspiels als einheitliches Spiel betrachtet, das eben in mehreren Wochen veranstaltet wird. Die Beklagte war daher Veranstalterin einer Gewinnspiel-Serie, die mehrmals Gewinnchancen bot und dementsprechend auch eine größere Aufmerksamkeit auf das Spiel und damit auf ihre Zeitung zog. Ohne die Regeln der zweiten Runde zu kennen, konnte es doch keinem Zweifel unterliegen, daß auch dabei wieder Geld ausgespielt wird. Die Summe von S 300.000, die ja schon in der ersten Woche erreicht wurde, mußte damit jedenfalls überschritten werden.

 

Daraus folgt aber, daß das Ankündigen des beanstandeten Gewinnspiels unter den Wortlaut des Vergleiches 37 Cg 82/92 fiel. Eine Exekutionsführung auf Grund dieses Vergleiches ist freilich nur der Klägerin des Verfahrens zu 37 Cg 82/92, also der M*****gesellschaft mbH & Co KG, nicht aber der Klägerin möglich.

 

Nach ständiger Rechtsprechung des erkennenden Senates fällt das Rechtschutzbedürfnis eines Klägers nicht schon dadurch weg, daß andere Mitbewerber oder Verbände bereits einen Exekutionstitel auf Unterlassung der in Rede stehenden Wettbewerbshandlung erwirkt haben

(SZ 59/25 = ÖBl 1986, 102 - Nr 1 im Fensterbau; ÖBl 1989, 14 - C &

C-Markt; ÖBl 1990, 18 = MR 1989, 219 - Mafiaprint; ÖBl 1990, 119 -

Zinsertragssteuer-Rückvergütung ua). Dieses Interesse kann freilich - aber auch nur - dann verneint werden, wenn im Einzelfall zwischen verschiedenen Klageberechtigten solche tatsächlichen oder rechtlichen Bindungen bestehen, daß nach der Lebenserfahrung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, daß das schutzwürdige Interesse eines Klageberechtigten durch eine andere (natürliche oder juristische) Person vollwertig gewahrt wird (ÖBl 1990, 119 - Zinsertragssteuer-Rückvergütung).

 

Ein solcher Zusammenhang zwischen der Klägerin und ihrer Muttergesellschaft ist im Hinblick auf die dazu getroffenen Feststellungen zu bejahen. Danach besteht für die miteinander verbundenen Gesellschaften der M*****-Gruppe ein einheitliches Rechtsbüro, welches die Verfolgung von Wettbewerbsverstößen koordiniert. Das Interesse (auch) der Klägerin an der Verfolgung unzulässiger Wettbewerbshandlungen der Beklagten ist daher vollwertig gewahrt, wenn auch nur eine der Gesellschaften über einen entsprechenden Exekutionstitel verfügt, deren Exekutionsführung vom gemeinsamen Rechtsbüro bestimmt wird.

 

Diese Rechtsauffassung beruht auf einer Weiterentwicklung der seit Jahrzehnten ständigen Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes, wonach einer neuerlichen Klage dann, wenn der Kläger bereits einen Exekutionstitel zur Durchsetzung seines Anspruches hat, die (materiellrechtliche) Einrede des mangelnden Rechtschutzbedürfnisses entgegensteht, welche zur Abweisung des Klagebegehrens führt (SZ 21/124; SZ 48/116; ÖBl 1979, 81 - K, Der Witwentröster; ÖBl 1983, 16 - Die meistgelesene Zeitung; SZ 63/109 = ÖBl 1991, 113 - Goldfassl; MR 1990, 237 - Bezahlte Promotion; SZ 66/145 uva). Von dieser Rechtsprechung ist allerdings jüngst der dritte Senat des Obersten Gerichtshofes in SZ 66/173 im Hinblick auf die Änderung der § 54 Abs 4 AO, § 60 Abs 2, § 156 a Abs 2 KO durch das Insolvenzrechtsänderungsgesetz 1982 BGBl 370 abgegangen. Nunmehr normiere der Gesetzgeber ungeachtet des Umstandes, daß zumindest im Inland die Eintragungen in den Anmeldungsverzeichnissen in den Wirkungen mit Urteilen völlig gleichgestellt wurden, daß Leistungsbegehren dennoch zulässig blieben, dem unterlegenen Beklagten aber die Prozeßkosten zu ersetzen seien, es sei denn, er habe die Abweisung des Klagebegehrens beantragt oder der Kläger benötige das Urteil zur Zwangsvollstreckung in einem Staat, der Auszüge aus dem Anmeldungsverzeichnis eines österreichischen Gerichtes nicht als Exekutionstitel anerkennt. Wie die RV 3 BlgNR 15. GP 41 dazu ausführe, sollte damit der wichtige Streit gelöst werden, ob und wie weit die Möglichkeit der Beschaffung eines Exekutionstitels auf Grund der Ergebnisse des Insolvenzverfahrens auf nachfolgende Verfahren über Geldleistungsansprüche einwirke. Dem berechtigten Schutz des Schuldners vor willkürlicher Inanspruchnahme diene eine besondere Kostenersatzbestimmung, die dem § 45 ZPO verwandt sei. Jedenfalls für einen der Hauptanwendungsfälle der Lehre vom allgemeinen Rechtschutzbedürfnis, nämlich der Schaffung eines Doppeltitels, habe damit der Gesetzgeber klar zu erkennen gegeben, daß er ein solches Prinzip in analoger Erweiterung der ausdrücklich im Gesetz angegebenen negativen Prozeßvoraussetzungen ablehne. Es würde einen kaum erklärbaren Wertungswiderspruch bedeuten, wenn man in anderen gleichgelagerten Fällen, denen die Prozeßhindernisse der Streitanhängigkeit oder der Rechtskraft nicht entgegenstehen, durch eine allgemeine Rechtsanalogie, die eine bisher unbewiesen gebliebene Gesetzeslücke voraussetzen würde, der Ablehnung gerichtlichen Rechtsschutzes das Wort redete. Dies könnte weder den Verfassungsgarantien des Art 6 MRK noch den Bestrebungen des österreichischen Gesetzgebers entsprechen, den Zugang zum Recht zu verbessern.

 

Dieser Auffassung - die sich auf Lehrmeinungen stützen kann (Fasching, LB2 Rz 742; Konecny in RdW 1986, 37; Rechberger/Simotta, Zivilprozeßrecht3 Rz 16/1; Graff in ecolex 1990, 294) - vermag sich der erkennende Senat nicht anzuschließen:

 

Wie schon in SZ 66/145 ausgeführt, kann aus der Neufassung der § 54 Abs 4 AO, § 60 Abs 2 und § 156 a Abs 3 KO nicht gefolgert werden, daß der Gesetzgeber "Doppeltitel" billige. Diese Bestimmungen wurden vielmehr nur deshalb geändert, weil unbestrittenen Forderungsanmeldungen und Auszügen aus Anmeldungsverzeichnissen deshalb eine geringere Wirkung als vollstreckbaren gerichtlichen Entscheidungen zukommt, weil zahlreiche Staaten die Exekution bloß auf Grund eines Auszuges aus einem österreichischen Anmeldungsverzeichnis ablehnen. Das bedeutet aber, daß das Rechtschutzbedürfnis eines Gläubigers durch ein solches Anmeldungsverzeichnis noch nicht hinreichend befriedigt ist. Wäre der Gesetzgeber der Ansicht, daß die Schaffung eines Exekutionstitels, dem nicht Streitanhängigkeit oder Rechtskraft entgegensteht, ohne weiteres zulässig sei, dann hätte es der ausdrücklichen Norm, daß Leistungsklagen über solche Forderungen zulässig bleiben, nicht bedurft; vielmehr hätte eine Regelung der Kostenfrage genügt. Kann ein Kläger ohnehin schon Exekution führen, dann ist nicht zu erkennen, weshalb die Verweigerung einer weiteren Klageführung - soweit für sie nicht besondere triftige Gründe ins Treffen geführt werden können - in Widerspruch zu Art 6 MRK stünde oder den Zugang zum Recht unbillig erschwerte.

 

Der erkennende Senat sieht daher keinen Anlaß, von der bisherigen Rechtsprechung zur Frage des Rechtschutzbedürfnisses abzugehen.

 

Aus diesen Erwägungen war das Urteil des Erstgerichtes in Stattgebung der Revision wiederherzustellen.

 

Der Ausspruch über die Kosten des Rechtsmittelverfahrens gründet sich auf §§ 41, 50 Abs 1, § 52 ZPO.

Anmerkung

E40061 04A00695

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1995:0040OB00069.95.0919.000

Dokumentnummer

JJT_19950919_OGH0002_0040OB00069_9500000_000