Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 4Ob102/70 7Ob6/77 7Ob8/...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0014078

Geschäftszahl

4Ob102/70; 7Ob6/77; 7Ob8/80; 7Ob18/80; 9ObA55/95; 8ObA223/95; 7Ob34/95; 7Ob296/99a; 6Ob310/01h; 9ObA144/02w; 1Ob158/02w; 8ObA37/06h; 9ObA73/10s; 9Ob52/10b; 9Ob64/17b

Entscheidungsdatum

12.01.1971

Norm

ABGB §862a
ABGB §1158 I
VersVG §39

Rechtssatz

Ein mit eingeschriebenem Brief übersendetes Kündigungsschreiben gilt nicht schon mit der nach dem vergeblichen Zustellversuch erfolgten Hinterlegung beim Postamt, sondern erst in dem Zeitpunkt als dem Adressaten zugegangen, in welchem die Sendung diesem oder einer zum Empfang legitimierten Person - ohne sorgloses Hinauszögern der Abholung des hinterlegten Poststückes - tatsächlich zugekommen ist.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 102/70
    Entscheidungstext OGH 12.01.1971 4 Ob 102/70
    Veröff: SZ 44/1 = EvBl 1971/235 S 434 = JBl 1971,485 = SozM IA/d,951 = ZAS 1972,20 (Rummel) = Arb 8835
  • 7 Ob 6/77
    Entscheidungstext OGH 03.03.1977 7 Ob 6/77
    Ähnlich; Beisatz: Qualifizierte Mahnung. (T1)
  • 7 Ob 8/80
    Entscheidungstext OGH 14.02.1980 7 Ob 8/80
    Vgl auch; Beisatz: Nach der Empfangstheorie reicht es aus, dass die Willenserklärung in den Machtbereich des Adressaten gelangt ist, selbst wenn sie dieser persönlich nicht erhalten hat. Es genügt vielmehr, dass er die Möglichkeit hatte, die Erklärung zur Kenntnis zu nehmen. (T2) Veröff: SZ 53/28
  • 7 Ob 18/80
    Entscheidungstext OGH 10.04.1980 7 Ob 18/80
    Vgl auch; Beis wie T2
  • 9 ObA 55/95
    Entscheidungstext OGH 26.04.1995 9 ObA 55/95
    Auch; Beis wie T2; Veröff: SZ 68/85
  • 8 ObA 223/95
    Entscheidungstext OGH 22.06.1995 8 ObA 223/95
    Auch; Beis wie T2; Beisatz: Dies ist zum Beispiel dann nicht der Fall, wenn er bewusstlos ist. (T3)
  • 7 Ob 34/95
    Entscheidungstext OGH 29.11.1995 7 Ob 34/95
    Vgl auch; Beis wie T2; Beisatz: Ist ein Versicherungsnehmer zum Zeitpunkt der Hinterlegung einer qualifizierten Mahnung bis unmittelbar nach dem Versicherungsunfall ortsabwesend, kann die betreffende Postsendung zumindest bis dahin nicht als an ihn zugegangen angesehen werden. (T4)
  • 7 Ob 296/99a
    Entscheidungstext OGH 23.11.1999 7 Ob 296/99a
    Vgl auch
  • 6 Ob 310/01h
    Entscheidungstext OGH 18.04.2002 6 Ob 310/01h
    Auch; Beis wie T2
  • 9 ObA 144/02w
    Entscheidungstext OGH 26.06.2002 9 ObA 144/02w
    Vgl auch; Beisatz: Ein Einschreibbrief geht dem zum Zeitpunkt des Zustellversuchs abwesenden Empfänger nicht schon mit der Hinterlassung des Benachrichtigungszettels zu. Vielmehr kommt es für den Zugang auf den Beginn der Abholungsmöglichkeit beim Hinterlegungspostamt an. Steht der Abholung kein (objektives) Hindernis entgegen, kann der Empfänger den Zugang der eingeschriebenen Briefsendung daher nicht dadurch verhindern, dass er sich noch vor dem ersten möglichen Abholtermin von seinem Wohnort entfernt. (T5)
  • 1 Ob 158/02w
    Entscheidungstext OGH 13.08.2002 1 Ob 158/02w
    Auch; Beisatz: Hat die Beklagte das an sie adressierte Mahnschreiben nicht behoben, Gründe für die mangelnde Behebung jedoch nicht genannt, so gilt die Mahnung mittels eingeschriebenen Briefes als ihr zugekommen. (T6)
  • 8 ObA 37/06h
    Entscheidungstext OGH 11.05.2006 8 ObA 37/06h
    Vgl auch; Beis wie T5 nur: Ein Einschreibbrief geht dem zum Zeitpunkt des Zustellversuchs abwesenden Empfänger nicht schon mit der Hinterlassung des Benachrichtigungszettels zu. (T7)
  • 9 ObA 73/10s
    Entscheidungstext OGH 03.09.2010 9 ObA 73/10s
    Vgl
  • 9 Ob 52/10b
    Entscheidungstext OGH 03.09.2010 9 Ob 52/10b
    Vgl auch; Beis wie T2 nur: Nach der Empfangstheorie reicht es aus, dass die Willenserklärung in den Machtbereich des Adressaten gelangt ist. (T8)
  • 9 Ob 64/17b
    Entscheidungstext OGH 27.02.2018 9 Ob 64/17b
    Auch; Beis wie T8

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1971:RS0014078

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

16.04.2018

Dokumentnummer

JJR_19710112_OGH0002_0040OB00102_7000000_001

Rechtssatz für 4Ob68/73 4Ob60/74 4Ob14...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0028555

Geschäftszahl

4Ob68/73; 4Ob60/74; 4Ob14/76; 4Ob43/76; 4Ob88/76; 4Ob75/77; 4Ob100/77; 4Ob126/80; 4Ob154/82; 9ObA68/88; 7Ob707/88 (7Ob708/88); 9ObA48/91; 9ObA129/91; 9ObA101/92; 9ObA229/93; 9ObA55/95; 8ObA223/95; 9ObA135/95; 9ObA22/97v; 9ObA155/97b; 9ObA106/97x; 9ObA292/97z; 8ObA40/98k; 9ObA220/00v; 9ObA38/02g; 6Ob310/01h; 8ObA124/02x; 8ObA62/04g; 9ObA96/07v; 9ObA180/07x; 9ObA73/10s; 9Ob52/10b; 2Ob117/10k; 3Ob174/10z; 8Ob102/16g

Entscheidungsdatum

25.09.1973

Norm

ABGB §1158 IV
AngG §20 I2

Rechtssatz

Die Kündigung ist eine einseitige, empfangsbedürftige Willenserklärung, welche auf die künftige Beendigung eines auf unbestimmte Dauer eingegangenen Dienstverhältnisses gerichtet ist.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 68/73
    Entscheidungstext OGH 25.09.1973 4 Ob 68/73
    Veröff: EvBl 1974/185 S 402 = SozM IA/d,1069 = ZAS 1975,19 (Spielbüchler) = Arb 9142
  • 4 Ob 60/74
    Entscheidungstext OGH 15.10.1974 4 Ob 60/74
    Beisatz: Die Kündigung wird erst mit dem Zugehen an den Empfänger wirksam. (T1) Veröff: JBl 1975,437 = Arb 9259 = IndS 1975 2,939 = ZAS 1975,223 (Mayer - Maly) = DRdA 1975,283 (Fitz)
  • 4 Ob 14/76
    Entscheidungstext OGH 11.05.1976 4 Ob 14/76
  • 4 Ob 43/76
    Entscheidungstext OGH 15.06.1976 4 Ob 43/76
    Veröff: IndS 1976 6,1013 = Arb 9471 = DRdA 1977,27 (Wachter)
  • 4 Ob 88/76
    Entscheidungstext OGH 21.09.1976 4 Ob 88/76
    Veröff: IndS 1977 4,1049 = Arb 9517
  • 4 Ob 75/77
    Entscheidungstext OGH 17.05.1977 4 Ob 75/77
  • 4 Ob 100/77
    Entscheidungstext OGH 08.11.1977 4 Ob 100/77
    Zweiter Rechtsgang zu 4 Ob 14/76
  • 4 Ob 126/80
    Entscheidungstext OGH 23.06.1981 4 Ob 126/80
    Veröff: DRdA 1983,283
  • 4 Ob 154/82
    Entscheidungstext OGH 08.11.1983 4 Ob 154/82
  • 9 ObA 68/88
    Entscheidungstext OGH 13.07.1988 9 ObA 68/88
    Veröff: WBl 1988,399
  • 7 Ob 707/88
    Entscheidungstext OGH 20.04.1989 7 Ob 707/88
    Verstärkter Senat; nur: Die Kündigung ist eine einseitige, empfangsbedürftige Willenserklärung. (T2); Beisatz: Sie bedarf keiner Annahme oder Anerkennung. (T3)
  • 9 ObA 48/91
    Entscheidungstext OGH 10.04.1991 9 ObA 48/91
    Beisatz: § 48 ASGG. (T4); Beisatz: Die Kündigungserklärung muss daher bestimmt sein und zweifelsfrei erkennen lassen, dass und zu welchem Zeitpunkt das Arbeitsverhältnis endet. Unklarheiten gehen zu Lasten dessen, der die Erklärung abgegeben hat (§ 915 ABGB). Wer eine Kündigung lediglich in Aussicht stellt, kündigt noch nicht. Die Gefahr des Zugehens der Kündigung hat der Kündigende zu tragen. (T5)
  • 9 ObA 129/91
    Entscheidungstext OGH 28.08.1991 9 ObA 129/91
    nur T2; Beis wie T4
  • 9 ObA 101/92
    Entscheidungstext OGH 27.05.1992 9 ObA 101/92
    Beis wie T3 nur: Sie bedarf keiner Annahme. (T6) Veröff: DRdA 1993,383 (Grömmer)
  • 9 ObA 229/93
    Entscheidungstext OGH 11.08.1993 9 ObA 229/93
    Veröff: SZ 66/96 = ZAS 1994/2 S 25 (Holzer)
  • 9 ObA 55/95
    Entscheidungstext OGH 26.04.1995 9 ObA 55/95
    nur T2; Beis wie T1; Veröff: SZ 68/85
  • 8 ObA 223/95
    Entscheidungstext OGH 22.06.1995 8 ObA 223/95
    nur T2; Beis wie T1; Beis wie T6
  • 9 ObA 135/95
    Entscheidungstext OGH 11.10.1995 9 ObA 135/95
    Vgl auch; Beis wie T1; Beisatz: Sie muss auch in den Machtbereich des Adressaten gelangt sein. (T7); Beis wie T4
  • 9 ObA 22/97v
    Entscheidungstext OGH 29.01.1997 9 ObA 22/97v
    Beis wie T3; Beis wie T4
  • 9 ObA 155/97b
    Entscheidungstext OGH 09.07.1997 9 ObA 155/97b
    nur T2
  • 9 ObA 106/97x
    Entscheidungstext OGH 09.07.1997 9 ObA 106/97x
    nur T2; Beis wie T3; Beis wie T7
  • 9 ObA 292/97z
    Entscheidungstext OGH 26.11.1997 9 ObA 292/97z
    nur T2; Beis wie T1; Beis wie T6; Beisatz: Das Kündigungsrecht gehört zu den Gestaltungsrechten, durch dessen Ausübung Veränderungen der bestehenden Rechtslage herbeigeführt werden. (T8)
  • 8 ObA 40/98k
    Entscheidungstext OGH 25.06.1998 8 ObA 40/98k
    Auch
  • 9 ObA 220/00v
    Entscheidungstext OGH 04.10.2000 9 ObA 220/00v
    Vgl auch; Beis wie T5
  • 9 ObA 38/02g
    Entscheidungstext OGH 20.02.2002 9 ObA 38/02g
    Auch; nur T2; Beisatz: Auf Kündigungserklärungen findet die Unklarheitenregel des § 915 ABGB Anwendung, sodass die für den Erklärenden ungünstigere Auslegungsmöglichkeit heranzuziehen ist. (T9)
  • 6 Ob 310/01h
    Entscheidungstext OGH 18.04.2002 6 Ob 310/01h
    nurT2; Beis wie T3
  • 8 ObA 124/02x
    Entscheidungstext OGH 13.06.2002 8 ObA 124/02x
    Vgl; Beis wie T9
  • 8 ObA 62/04g
    Entscheidungstext OGH 24.06.2004 8 ObA 62/04g
  • 9 ObA 96/07v
    Entscheidungstext OGH 07.02.2008 9 ObA 96/07v
    Auch; Beis wie T1
  • 9 ObA 180/07x
    Entscheidungstext OGH 10.04.2008 9 ObA 180/07x
  • 9 ObA 73/10s
    Entscheidungstext OGH 03.09.2010 9 ObA 73/10s
    Auch; nur T2; Beis wie T1
  • 9 Ob 52/10b
    Entscheidungstext OGH 03.09.2010 9 Ob 52/10b
    nur T2; Beis wie T1; Beis wie T7
  • 2 Ob 117/10k
    Entscheidungstext OGH 21.10.2010 2 Ob 117/10k
    Auch; Auch Beis wie T7
  • 3 Ob 174/10z
    Entscheidungstext OGH 13.10.2010 3 Ob 174/10z
    Beis wie T3; Beisatz: Hier: Außergerichtliche Mieterkündigung. (T10)
  • 8 Ob 102/16g
    Entscheidungstext OGH 28.03.2017 8 Ob 102/16g
    Auch; nur T2; Beis wie T1; Beis wie T6

Schlagworte

Angestellte, Dienstverhältnis, Auflösung, Rechtsnatur, Definition, Empfang, Zugang, Erklärung, Wirksamkeit, unbefristet, Auslegung, Interpretation

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1973:RS0028555

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

25.04.2017

Dokumentnummer

JJR_19730925_OGH0002_0040OB00068_7300000_003

Rechtssatz für 1Ob650/82 8Ob617/91 7Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0014092

Geschäftszahl

1Ob650/82; 8Ob617/91; 7Ob607/91; 9ObA55/95; 8ObA223/95; 3Ob98/99d; 6Ob310/01h; 1Ob45/04f; 9ObA73/10s; 9Ob52/10b

Entscheidungsdatum

03.11.1982

Norm

ABGB §862a
ABGB §936 IV
ABGB §1116 A
ABGB §1158 IV

Rechtssatz

Für Kündigungen gilt die Vorschrift des § 862a ABGB analog; sie müssen dem Vertragspartner zugegangen sein.

Entscheidungstexte

  • 1 Ob 650/82
    Entscheidungstext OGH 03.11.1982 1 Ob 650/82
  • 8 Ob 617/91
    Entscheidungstext OGH 10.10.1991 8 Ob 617/91
    Vgl auch
  • 7 Ob 607/91
    Entscheidungstext OGH 10.10.1991 7 Ob 607/91
    Veröff: WoBl 1993,29
  • 9 ObA 55/95
    Entscheidungstext OGH 26.04.1995 9 ObA 55/95
    Veröff: SZ 68/85
  • 8 ObA 223/95
    Entscheidungstext OGH 22.06.1995 8 ObA 223/95
  • 3 Ob 98/99d
    Entscheidungstext OGH 22.03.2000 3 Ob 98/99d
  • 6 Ob 310/01h
    Entscheidungstext OGH 18.04.2002 6 Ob 310/01h
  • 1 Ob 45/04f
    Entscheidungstext OGH 23.11.2004 1 Ob 45/04f
  • 9 ObA 73/10s
    Entscheidungstext OGH 03.09.2010 9 ObA 73/10s
    Auch
  • 9 Ob 52/10b
    Entscheidungstext OGH 03.09.2010 9 Ob 52/10b
    Auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1982:RS0014092

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

09.11.2010

Dokumentnummer

JJR_19821103_OGH0002_0010OB00650_8200000_003

Rechtssatz für 9ObA55/95 9ObA106/97x 6...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0047277

Geschäftszahl

9ObA55/95; 9ObA106/97x; 6Ob310/01h; 9ObA147/03p; 6Ob231/05x; 8ObA37/06h; 9ObA73/10s; 9ObA67/15s; 6Ob152/18y

Entscheidungsdatum

26.04.1995

Norm

ABGB §862a
ABGB §1158 IV
AngG §20 I2

Rechtssatz

Der eine Kündigung Aussprechende trägt regelmäßig das Risiko für den ordnungsgemäßen Zugang der Erklärung. Ein Übergang des Risikos kann nur eintreten, wenn sich der Vertragspartner dem Zugang der Erklärung absichtlich oder wider Treu und Glauben entzieht. In diesem Fall muss er sich so behandeln lassen, als ob er die Auflösungserklärung rechtzeitig empfangen hätte (Martinek/Schwarz/Schwarz, AngG 7.Auflage 378).

Entscheidungstexte

  • 9 ObA 55/95
    Entscheidungstext OGH 26.04.1995 9 ObA 55/95
    Veröff: SZ 68/85
  • 9 ObA 106/97x
    Entscheidungstext OGH 09.07.1997 9 ObA 106/97x
    Auch; Beisatz: Hier: Im gegenständlichen Fall war dem Dienstgeber die Urlaubsadresse des Dienstnehmers zwar nicht bekannt, wohl aber der Umstand, dass dieser "auf Urlaub fahren werde", worunter nach allgemeinem Sprachgebrauch eine Entfernung von der Wohnadresse zu verstehen ist. Dem Dienstgeber wäre es daher zumutbar gewesen, den noch am Vortag anwesenden Dienstnehmer, dessen Entfernung vom Wohnort bekannt war, nach seiner Urlaubsadresse zu fragen. Das in der Zeit der Abwesenheit zugesandte Pensionierungsschreiben kann daher nicht als zugegangen angesehen werden. (T1)
  • 6 Ob 310/01h
    Entscheidungstext OGH 18.04.2002 6 Ob 310/01h
  • 9 ObA 147/03p
    Entscheidungstext OGH 25.02.2004 9 ObA 147/03p
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Hat die beklagte Partei in Kenntnis der bevorstehenden Ortsabwesenheit des Klägers den Zeitpunkt der Absendung der Kündigungserklärung so gewählt, dass ein rechtzeitiger Zugang nur unter günstigsten Bedingungen (Zustellversuch am nächsten Tag, Rückkehr des Adressaten an seinen Wohnsitz vor Schalterschluss beim Postamt) möglich gewesen wäre, kann dem Kläger nicht der Vorwurf einer Zugangsvereitelung gemacht werden, wenn er seinen Tagesablauf an diesem Tag nicht auf die - keinesfalls mit Sicherheit zu erwartende - Zustellung ausgerichtet, sondern sich unmittelbar nach seinem Dienst an den Urlaubsort begeben hat. (T2)
  • 6 Ob 231/05x
    Entscheidungstext OGH 03.11.2005 6 Ob 231/05x
    Auch; Beisatz: Jeden Empfänger treffen gewisse Obliegenheiten zur Vorsorge, dass ihn betreffende Erklärungen ihm auch zugehen können. Die Verpflichtung, für die Möglichkeit des Zugangs von rechtsgeschäftlichen Erklärungen vorzusorgen, ist umso stärker zu gewichten, je eher mit der Möglichkeit des Einlangens solcher Erklärungen zu rechnen ist. (T3)
  • 8 ObA 37/06h
    Entscheidungstext OGH 11.05.2006 8 ObA 37/06h
    Beis wie T3
  • 9 ObA 73/10s
    Entscheidungstext OGH 03.09.2010 9 ObA 73/10s
    Auch; nur: Der eine Kündigung Aussprechende trägt regelmäßig das Risiko für den ordnungsgemäßen Zugang der Erklärung. (T4) Beisatz: Kann die Kündigung wegen etwa urlaubsbedingter Ortsabwesenheit nicht zugestellt werden, so wird sie abgesehen von Fällen einer Zugangsfiktion wegen Zugangsvereitelung nicht wirksam. (T5)
  • 9 ObA 67/15s
    Entscheidungstext OGH 24.06.2015 9 ObA 67/15s
    Auch; Beis wie T3
  • 6 Ob 152/18y
    Entscheidungstext OGH 31.08.2018 6 Ob 152/18y
    Vgl; Beisatz: Hier: Empfang einer Kündigung per E-Mail während eines angekündigten Betriebs­urlaubs in der Weihnachtszeit – keine Vereitelung des Zugangs wider Treu und Glauben, daher Zugang erst mit dem nächsten Werktag. (T6)

Schlagworte

Arbeitsverhältnis, Auflösung, Beendigung, Zustellung, Rechtsmissbrauch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1995:RS0047277

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

12.10.2018

Dokumentnummer

JJR_19950426_OGH0002_009OBA00055_9500000_001

Rechtssatz für 9ObA55/95

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0047279

Geschäftszahl

9ObA55/95

Entscheidungsdatum

26.04.1995

Norm

ABGB §862a
ABGB §1158 IV
AngG §20 I2
PO §148

Rechtssatz

Mit dem Zeitpunkt der Übernahme eines Briefes durch die Anstaltsleitung ist das Poststück noch keineswegs in den Machtbereich des Empfängers gelangt. Es gilt in diesen Fällen nur dann als zugegangen, wenn es nach Weiterleitung durch die Anstaltsverwaltung so in den Machtbereich des Empfängers gelangt, daß unter gewöhnlichen Umständen mit seiner Kenntnis gerechnet werden kann. Dies ist dann der Fall, wenn die Sendung dem Empfänger ausgehändigt oder auf andere Art so für ihn zurückgelassen wird, daß er die Möglichkeit hat, davon Kenntnis zu nehmen.

Entscheidungstexte

  • 9 ObA 55/95
    Entscheidungstext OGH 26.04.1995 9 ObA 55/95
    Veröff: SZ 68/85

Schlagworte

SW: Kündigung, Arbeitsverhältnis, Zustellung, Empfang, Klinik, Anstaltsordnung, Anstaltsangehörige, Spital, Krankenhaus

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1995:RS0047279

Dokumentnummer

JJR_19950426_OGH0002_009OBA00055_9500000_002

Entscheidungstext 9ObA55/95

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

9ObA55/95

Entscheidungsdatum

26.04.1995

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr.Klinger als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr.Maier und Dr.Bauer als weitere Richter sowie die fachkundigen Laienrichter Dr.Robert Prohaska und Dr.Gerhard Dengscherz in der Arbeitsrechtssache der klagenden Partei Johannes A*****, Angestellter, ***** vertreten durch Mag.Christoph Eibensteiner, Arbeiterkammer für Oberösterreich, Volksgartenstraße 40, 4020 Linz, dieser vertreten durch Dr.Peter Keul und Dr.Alexander Burkowski, Rechtsanwälte in Linz, wider die beklagte Partei B***** GmbH, ***** vertreten durch Dr.Estermann, Dr.Wagner, Dr.Postlmayr Kommandit-Partnerschaft, Rechtsanwälte in Mattighofen, wegen 108.505,62 S brutto sA, infolge Rekurses der klagenden Partei gegen den Beschluß des Oberlandesgerichtes Linz als Berufungsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 10.Jänner 1995, GZ 12 Ra 109/94-19, womit infolge Berufung der beklagten Partei das Urteil des Landesgerichtes Salzburg als Arbeits- und Sozialgericht vom 26.August 1994, GZ 18 Cga 172/94w-15, aufgehoben wurde, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

 

Dem Rekurs wird Folge gegeben.

 

Der angefochtene Beschluß wird aufgehoben und in der Sache selbst dahin zu Recht erkannt, daß das Urteil des Erstgerichtes wiederhergestellt wird.

 

Die beklagte Partei ist schuldig, der klagenden Partei die mit 3.200 S bestimmten Kosten des Berufungsverfahrens sowie die mit 20.855 S bestimmten Kosten des Revisionsverfahrens (darin enthalten 1.267,50 S Umsatzsteuer und 13.250 S Barauslagen) binnen 14 Tagen zu ersetzen.

Text

 

Entscheidungsgründe:

 

Der Kläger war vom 1.9.1990 bis 30.6.1993 für die beklagte Partei als technischer Angestellter mit einem Bruttomonatsgehalt von zuletzt 17.559 S tätig. Vom 27.4.1993 bis 28.5.1993 befand sich der Kläger in stationärer Behandlung in der Landesnervenklinik Salzburg. Mit eingeschriebenem Brief vom 28.4.1993 kündigte die beklagte Partei das Dienstverhältnis des Klägers zum 30.6.1993 auf. Das Kündigungsschreiben war an die Landesnervenklinik, Psychsomatik Salzburg, zu Handen des Klägers adressiert. Das Schreiben wurde am 28.4.1993 in Salzburg zur Post gegeben und am 29.4.1993 an die Poststelle der Landesnervenklinik Salzburg ausgefolgt. Die Postsendung wurde am 29.4.1993 von einer Krankenschwester, die in der Abteilung tätig war, in der sich der Kläger befand, zur Ausfolgung an den Kläger übernommen. Da sich der Kläger zu dieser Zeit bei einer Therapie befand, konnte sie ihn nicht antreffen, legte den Brief im Dienstzimmer ab und verließ das Krankenhaus nach Dienstende. Die nächsten Tage hatte sie dienstfrei und folgte den Brief nach dem Wiederantritt ihres Dienstes am 3.5.1993 an den Kläger aus. Es bestanden keine medizinischen Gründe, das Schreiben nicht an den Kläger auszufolgen. Er war in der Lage, den Inhalt des Kündigungsschreibens zu verstehen.

 

Der Kläger begehrt die Zahlung des der Höhe nach nicht bestrittenen Betrages von 108.505,62 S brutto. Die Kündigung sei ihm erst nach dem 30.4.1993 zugekommen, so daß die Kündigung zum 30.6.1993 nicht mehr möglich gewesen sei, weil die Kündigungsfrist nicht eingehalten worden sei. Die Kündigung sei daher erst zum 30.9.1993 möglich gewesen. Der begehrte Betrag gebühre ihm als Kündigungsentschädigung und anteiligen Sonderzahlungen, Urlaubsentschädigung und Abfertigung ausgehend von einer Auflösung des Dienstverhältnisses per 30.9.1993.

 

Die beklagte Partei beantragt die Abweisung der Klage. Das Kündigungsschreiben sei am 29.4.1993 an die Poststelle der Landesnervenklinik als Ersatzempfänger ausgefolgt und noch am selben Tag an die Abteilung, in welcher sich der Kläger aufgehalten habe, weitergeleitet worden. Sie gelte mit diesem Tag dem Kläger zugekommen, so daß die Kündigung zum 30.6.1993 zulässig erfolgt sei. Die erhobenen Ansprüche bestünden daher nicht zu Recht. Durch die Ausfolgung des Briefes an die Poststelle der Landesnervenklinik Salzburg sei im Hinblick auf § 148 PostO die Zustellung wirksam erfolgt.

 

Das Erstgericht gab dem Klagebegehren statt. Die Kündigung werde als einseitige empfangsbedürftige Willenserklärung erst mit dem Zugang wirksam. Da die tatsächliche Übergabe des Kündigungsschreibens an den Kläger dessen Einflußmöglichkeiten gänzlich entzogen gewesen sei und die bei der Zustellung aufgetretenen Störungen damit nicht seiner Sphäre zuzurechnen seien, sei davon auszugehen, daß die Kündigung dem Kläger erst im Zeitpunkt der tatsächlichen Aushändigung an ihn zugegangen sei. Die Übergabe des Schreibens an die Poststelle der Landesnervenklinik Salzburg habe keine wirksame Ersatzzustellung bewirkt, weil kein Tatbestand der PostO erfüllt sei.

 

Das Berufungsgericht hob über Berufung der beklagten Partei dieses Urteil auf und verwies die Rechtssache zur Ergänzung des Verfahrens und zur neuerlichen Entscheidung an das Erstgericht, wobei es aussprach, daß der Rekurs gegen diese Entscheidung zulässig sei. Der Zugang einer empfangsbedürftigen Willenserklärung werde angenommen, wenn die Erklärung derart in den Machtbereich des Empfängers gelangt sei, daß nach den regelmäßigen Umständen mit der Kenntnisnahme durch ihn gerechnet werden könne und Störungen nur mehr in seiner Sphäre und nicht mehr beim Absender oder der Übermittlungsanstalt möglich seien. Bei Übersendung schriftlicher Erklärungen durch die Post bestehe ein schutzwürdiges Verkehrsinteresse durch vorschriftsmäßige Zustellung (entsprechend dem PostG oder der PostO) den zivilrechtlichen Zugang zu bewirken, da jeder Empfänger damit rechnet, daß die Post als Erklärungsbote eingesetzt werde. Im Interesse der Verkehrssicherheit dürfe nicht jeder Absender, der sich der Post bediene, mit der Ungewißheit belastet werden, ob seine Erklärung - selbst bei ordnungsgemäßer Zustellung - auch zugehe. In diesem Sinne habe auch der Oberste Gerichtshof wiederholt ausgesprochen, daß eine Ersatzzustellung nach den §§ 174 PostO den zivilrechtlichen Zugang bewirke. Wohl sei im vorliegenden Fall eine Ersatzzustellung in diesem Sinne nicht bewirkt worden, weil keiner der Fälle des § 176 PostO vorgelegen sei, doch mache die beklagte Partei zu Recht geltend, daß sich das Erstgericht mit der Bestimmung des § 148 PostO nicht auseinandergesetzt habe. Nach dieser Bestimmung seien Postsendungen dann, wenn der Empfänger einer Anstaltsordnung unterworfen sei, statt an den Empfänger an die Person abzugeben, die aufgrund einer Vereinbarung zwischen dem Leiter der Anstalt und dem Abgabepostamt zur Übernahme der für die Angehörigen der Anstalt einlangenden Postsendungen berechtigt sei. Wenn es sich auch bei der Ausfolgung an Übernahmsberechtigte kraft Anstaltsordnung nicht um eine Ersatzzustellung handle, sei doch davon auszugehen, daß auch diese in der PostO vorgesehene Form einer unmittelbaren Zustellung den zivilrechtlichen Zugang bewirke. Es werde daher zu prüfen sein, ob zwischen dem Leiter der Landesnervenklinik Salzburg und dem Abgabepostamt eine Vereinbarung im Sinne des § 148 PostO bestand, bejahendenfalls, ob die Sendung an die danach berechtigte Person ausgefolgt wurde. In diesem Punkt erweise sich das Verfahren ergänzungsbedürftig.

 

Gegen diesen Aufhebungsbeschluß richtet sich der Rekurs des Klägers mit dem Antrag, den angefochtenen Beschluß aufzuheben und das erstgerichtliche Urteil zu bestätigen.

 

Die beklagte Partei beantragt, dem Rekurs nicht Folge zu geben.

Rechtliche Beurteilung

 

Der Rekurs ist berechtigt.

 

Die Kündigung ist eine empfangsbedürftige Willenserklärung, die erst mit dem Zugehen der Erklärung an den Empfänger wirksam wird (Arb 9259 mwH uva). Unter Abwesenden hat der Erklärende dafür zu sorgen, daß die Erklärung durch Zustellung in die persönliche Sphäre des anderen Teiles gelangt. Hier fallen Ausspruch und Zugang der Erklärung der Auflösung des Arbeitsverhältnisses zeitlich auseinander. Erst mit der Zustellung sind die Voraussetzungen für den Beginn der Kündigungsfrist gegeben. Der Erklärende trägt regelmäßig das Risiko für den ordnungsgemäßen Zugang der Erklärung. Ein Übergang des Risikos kann nur eintreten, wenn sich der Vertragspartner dem Zugang der Erklärung absichtlich oder wider Treu und Glauben entzieht. In diesem Fall muß er sich so behandeln lassen, als ob er die Auflösungserklärung rechtzeitig empfangen hätte (Martinek/Schwarz/Schwarz, AngG7 378). Im Sinne der hier analog anzuwendenden Bestimmung des § 862 a ABGB kommt es dabei auf den Zeitpunkt des Zuganges der Kündigung an; die besonderen Wirkungen, welche Gesetz oder Vertrag an die Zusendung eines eingeschriebenen Briefes oder einer Rückscheinsendung knüpfen, treten erst ein, wenn der Brief in die Hand einer Person gelangt ist, welche nach den Postvorschriften zur Empfangnahme solcher Zustellungen für den Empfänger legitimiert ist (Gschnitzer in Klang2 IV/1, 69 f). Dem ist der Oberste Gerichtshof unter Berufung auch auf die deutsche Judikatur und Literatur (dort zur Bestimmung des § 130 BGB, dem § 862 a ABGB nachgebildet ist) gefolgt (Arb 8835). Die deutsche Lehre vertritt dazu im Einklang mit der Rechtsprechung (Schaub, Arbeitsrechtshandbuch7 949 und die dort zitierte Judikatur) den Standpunkt, daß die Kündigung dann zugegangen ist, wenn sie so in den Machtbereich des Empfängers gelangt ist, daß bei Annahme gewöhnlicher Verhältnisse damit zu rechnen ist, daß er von ihr Kenntnis nehmen konnte. Sie könne dementsprechend auch zugehen, wenn sie an unterstelltes Personal, einen Familienangehörigen, die Lebensgefährtin oder den Zimmervermieter (unerheblich, ob nach der Postordnung zulässig) an der Wohnungstür ausgehändigt werde. Werde die Kündigung dagegen einem Empfangsboten ausgehändigt, so gehe sie erst zu, wenn nach dem gewöhnlichen Verlauf der Dinge die Übermittlung an den Adressaten zu erwarten sei. Auch nach der österreichischen Lehre und Rechtsprechung gilt die Kündigung als zugegangen, wenn sie in den persönlichen Bereich des Vertragspartners gelangt. Der Oberste Gerichtshof spricht in diesem Zusammenhang auch vom Machtbereich des Empfängers einer Mitteilung (SZ 53/28; Arb 9403 ua; sa Schwarz/Löschnigg, Arbeitsrecht4 399).

 

Dullinger (JBl 1986, 13 ff [16]) vertritt die Ansicht, daß im Hinblick darauf, daß die Post allgemein zur Übermittlung von Erklärungen herangezogen wird, eine nach den Postvorschriften ordnungsgemäß zugestellte Erklärung als zugegangen im Sinne des § 862 a ABGB anzusehen sei; bei den Bestimmungen des PostG und der PostO handle es sich nicht bloß um interne Dienstanweisungen für die Behandlung von Postsendungen. Er lehnt damit die Ansicht Bydlinski/Koziol (Anmerkung zu JBl 1967, 151) ab. Diese Autoren vertreten (aaO 153) die Ansicht, daß es sich bei der PostO nur um Anweisungen für den Dienstbetrieb der Post handle und wenden sich vor allem dagegen, aus Beförderungsvorschriften Auskunft darüber zu erwarten, wann nach materiellem Recht vom Zugang einer Willenserklärung gesprochen werden könne. Auch Dullinger räumt jedoch ein, daß - wie öfter auch bei Boteneinschaltung - bezüglich des Zeitpunktes des Zuganges eine Einschränkung zu machen sei, denn Zustellung und Zugang könnten auseinanderfallen; auch bei der Übermittlung durch die Post sei an dem allgemeinen Grundsatz festzuhalten, daß die Erklärung erst wirksam werde, sobald unter normalen Voraussetzungen mit Kenntnisnahme gerechnet werden könne. Zugangsprobleme in Abweichung von der PostO könnten sich in Fällen der Ersatzzustellung nach §§ 174 ff PostO ergeben, weil es zweifelhaft sei, ob alle Personen, denen nach diesen Normen ersatzweise zugestellt werden könne, auch Empfangsboten nach zivilrechtlichen Grundsätzen seien (Dullinger aaO).

 

Diese Zweifel sind berechtigt. Beizutreten ist der Ansicht von Bydlinski/Koziol, daß eine Differenzierung zwischen den Bestimmungen der PostO, die die Zustellung regeln und der Frage, wann nach materiellem Recht vom Zugang einer Willenserklärung auszugehen ist, geboten ist. Nicht in jedem Fall, in dem nach den Vorschriften der PostO die Abgabe der Sendung an eine andere Person als den Empfänger zulässig ist, kann unterstellt werden, daß die Sendung damit dem Empfänger auch zugegangen ist. Dies kommt in den oben zitierten Aussagen des Schrifttums wie auch der Rechtsprechung deutlich zum Ausdruck. Verlangt wird, daß die Sendung in den Machtbereich (persönlichen Bereich, die persönliche Sphäre) des Kündigungsgegners gelangt, sohin in einen Bereich, in dem dem Kündigungsgegner eine gewisse Einflußnahme auf das weitere Schicksal von Postzustellungen zukommt. Durch organisatorische Vorsorgen, die ihm in diesem Bereich möglich sind, kann er dafür Vorsorge treffen, daß ihm Postsendungen, die von anderen Personen übernommen oder auf andere Weise zurückgelassen werden (Briefkasten) auch tatsächlich zukommen. Nur dann ist die Annahme zulässig, daß dem Adressaten die auf diese Weise übermittelte Erklärung mit dem Zeitpunkt tatsächlich zugegangen ist, zu dem nach dem gewöhnlichen Verlauf mit der Aushändigung an ihn gerechnet werden konnte; des konkreten Nachweises der Kenntnisnahme durch den Empfänger bedarf es in diesem Fall nicht. Dies trifft etwa regelmäßig in den Fällen zu, in denen nach dem Zustellgesetz Ersatzzustellungen zulässig sind.

 

Diese Voraussetzungen sind aber bei einer Zustellung über die Anstaltsleitung nicht erfüllt. § 148 PostO gestattet wohl unter den vom Berufungsgericht näher dargestellten Bedingungen die Abgabe einer Sendung an eine von der Anstalt benannte Person, doch ist das Poststück damit noch keineswegs in den Machtbereich des Empfängers gelangt. Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, daß dem Empfänger mit dem Zeitpunkt der Übernahme des Briefes durch die Anstaltsleitung von dessen Inhalt bereits Kenntnis erlangt hätte. Es hängt vielmehr von der inneren Organisation der Anstalt ab, wann die Sendung dem Empfänger tatsächlich zukommt. Diesem steht hierauf keinerlei Einfluß zu. Die Anstaltsleitung ist in diesen Fällen nichts anderes als der verlängerte Arm der Post; sie übernimmt anstaltsintern die Weiterleitung der von der Post zur Anstalt beförderten Sendungen. Ein Poststück gilt in diesen Fällen daher nur dann als zugegangen, wenn es nach Weiterleitung durch die Anstaltsverwaltung so in den Machtbereich des Empfängers gelangt, daß unter gewöhnlichen Umständen mit seiner Kenntnis gerechnet werden kann. Dies ist dann der Fall, wenn die Sendung dem Empfänger ausgehändigt oder auf andere Art so für ihn zurückgelassen wird, daß er die Möglichkeit hat, davon Kenntnis zu nehmen, wie etwa im Krankenhaus durch Deponierung am Nachtkasten oder in einem allenfalls für die Patienten eines Zimmers oder einer Station bestimmten Postfach.

 

Da die Übernahme der Sendung durch einen Anstaltsangehörigen auch bei Zutreffen aller Voraussetzungen des § 148 PostO die Kenntnisnahme durch den Kläger nicht bewirken konnte, bedarf es der vom Berufungsgericht aufgetragenen Ergänzungen des Verfahrens nicht. Fest steht, daß das Kündigungsschreiben nach Einlangen bei der Krankenanstalt erst im Mai an den Kläger weitergeleitet wurde. Vorher ist es aber nicht in seinen Machtbereich gelangt. Zutreffend ist daher das Erstgericht zum Ergebnis gelangt, daß die Kündigung fristwidrig ausgesprochen wurde. Die Höhe der geltend gemachten Forderung ist unbestritten. Die Sache ist daher im Sinne einer Wiederherstellung des Urteiles des Erstgerichtes spruchreif.

 

Die Kostenentscheidung gründet sich auf §§ 41 und 50 Abs 1 ZPO.

Anmerkung

E38941

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1995:009OBA00055.95.0426.000

Dokumentnummer

JJT_19950426_OGH0002_009OBA00055_9500000_000