Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 4Ob532/90 2Ob577/90 7Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0047448

Geschäftszahl

4Ob532/90; 2Ob577/90; 7Ob661/90; 8Ob509/91; 8Ob554/91; 4Ob544/91; 3Ob573/91; 4Ob512/92; 3Ob531/92; 1Ob588/93; 1Ob622/93; 2Ob569/94; 2Ob509/95; 7Ob503/95; 2Ob2015/96d; 10Ob2104/96a; 6Ob2222/96z; 1Ob2349/96i; 4Ob2327/96a; 2Ob567/95; 1Ob2383/96i; 4Ob2285/96z; 4Ob237/97z; 4Ob333/97t; 9Ob399/97k; 1Ob180/98x; 6Ob114/99b; 6Ob233/00h; 4Ob51/06p

Entscheidungsdatum

03.04.1990

Norm

ABGB §140 Ba

Rechtssatz

Bei der Unterhaltsbemessung kommt es vor allem auf die Bedürfnisse des Unterhaltsberechtigten an; andererseits muss aber auch die konkrete Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen berücksichtigt werden.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 532/90
    Entscheidungstext OGH 03.04.1990 4 Ob 532/90
    Veröff: JBl 1991,40
  • 2 Ob 577/90
    Entscheidungstext OGH 05.09.1990 2 Ob 577/90
  • 7 Ob 661/90
    Entscheidungstext OGH 15.11.1990 7 Ob 661/90
  • 8 Ob 509/91
    Entscheidungstext OGH 14.02.1991 8 Ob 509/91
    Veröff: ÖA 1991,142
  • 8 Ob 554/91
    Entscheidungstext OGH 23.05.1991 8 Ob 554/91
  • 4 Ob 544/91
    Entscheidungstext OGH 10.09.1991 4 Ob 544/91
  • 3 Ob 573/91
    Entscheidungstext OGH 23.10.1991 3 Ob 573/91
    Beisatz: Dabei kommt aber der Frage Bedeutung zu, ob der Vater nach Rechtskraft der Ehescheidung mit einer Unterhaltspflicht für die geschiedene Ehefrau belastet ist. (T1)
  • 4 Ob 512/92
    Entscheidungstext OGH 28.01.1992 4 Ob 512/92
  • 3 Ob 531/92
    Entscheidungstext OGH 11.03.1992 3 Ob 531/92
    Vgl auch; Beisatz: Unterhaltsbemessung ist insofern ein mehrstufiger Vorgang, als mehrere Faktoren zu berücksichtigen und wertend abzuwägen sind. (T2)
  • 1 Ob 588/93
    Entscheidungstext OGH 25.08.1993 1 Ob 588/93
  • 1 Ob 622/93
    Entscheidungstext OGH 17.11.1993 1 Ob 622/93
    Auch; nur: Andererseits muss aber auch die konkrete Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen berücksichtigt werden. (T3)
  • 2 Ob 569/94
    Entscheidungstext OGH 13.10.1994 2 Ob 569/94
  • 2 Ob 509/95
    Entscheidungstext OGH 26.01.1995 2 Ob 509/95
    nur T3
  • 7 Ob 503/95
    Entscheidungstext OGH 08.02.1995 7 Ob 503/95
  • 2 Ob 2015/96d
    Entscheidungstext OGH 28.03.1996 2 Ob 2015/96d
    Beis wie T1; Beisatz: Ist die Mutter (hier: nach holländischem Recht) dazu verpflichtet, einen Teil der finanziellen Bedürfnisse des Kindes aus dem ihr vom Vater zu leistenden Unterhalt zu bestreiten und hat der Vater an die Mutter aufgrund des Umstandes, dass das Kind mit ihr im gemeinsamen Haushalt lebt, mehr (teilweise für das Kind bestimmten) Unterhalt zu leisten hat, dann kann dieser Umstand bei Bemessung der Unterhaltspflicht des Vaters nicht außer Betracht bleiben, weil es sonst zu einer Doppelbelastung des Vaters beziehungsweise zu einer doppelten finanziellen Alimentierung des Kindes käme. (T4)
  • 10 Ob 2104/96a
    Entscheidungstext OGH 16.07.1996 10 Ob 2104/96a
    nur T3; Beisatz: Ein Unterhaltsschuldner, dessen Einkommen so niedrig ist, dass ein Zuspruch des Regelbedarfes nicht möglich oder zumindest für ihn existenzbedrohend belastend wäre, darf nicht über Gebühr in Anspruch genommen werden. Ein Unterhaltszuspruch jeweils in der Höhe des Regelbedarfes kann aus dem Gesetz nicht abgeleitet werden. (T5)
  • 4 Ob 2285/96z
    Entscheidungstext OGH 29.10.1996 4 Ob 2285/96z
    Auch; Beis wie T5
  • 4 Ob 2327/96a
    Entscheidungstext OGH 12.11.1996 4 Ob 2327/96a
  • 6 Ob 2222/96z
    Entscheidungstext OGH 05.12.1996 6 Ob 2222/96z
  • 2 Ob 567/95
    Entscheidungstext OGH 23.01.1997 2 Ob 567/95
  • 1 Ob 2349/96i
    Entscheidungstext OGH 28.01.1997 1 Ob 2349/96i
  • 1 Ob 2383/96i
    Entscheidungstext OGH 18.03.1997 1 Ob 2383/96i
  • 4 Ob 237/97z
    Entscheidungstext OGH 09.09.1997 4 Ob 237/97z
  • 4 Ob 333/97t
    Entscheidungstext OGH 12.11.1997 4 Ob 333/97t
    Auch
  • 9 Ob 399/97k
    Entscheidungstext OGH 17.12.1997 9 Ob 399/97k
  • 1 Ob 180/98x
    Entscheidungstext OGH 15.12.1998 1 Ob 180/98x
  • 6 Ob 114/99b
    Entscheidungstext OGH 24.06.1999 6 Ob 114/99b
  • 6 Ob 233/00h
    Entscheidungstext OGH 16.05.2001 6 Ob 233/00h
  • 4 Ob 51/06p
    Entscheidungstext OGH 23.05.2006 4 Ob 51/06p
    nur T3

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1990:RS0047448

Dokumentnummer

JJR_19900403_OGH0002_0040OB00532_9000000_008

Rechtssatz für 5Ob516/92 1Ob509/93 1Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0007199

Geschäftszahl

5Ob516/92; 1Ob509/93; 1Ob512/94; 5Ob526/94; 2Ob569/94; 7Ob503/95; 1Ob2233/96f; 4Ob2327/96a; 2Ob567/95; 4Ob2285/96z; 6Ob21/07t; 8Ob30/16v

Entscheidungsdatum

16.06.1992

Norm

ABGB §140 Bb
AußStrG idF WGN 1989 §14 Abs1 C2a
AußStrG idF WGN 1989 §14 Abs1 C2d2

Rechtssatz

Eine Unterhaltsbemessung, die sich nur am Regelbedarf der jeweiligen Altersgruppe orientiert und nicht auch die Lebensverhältnisse der Eltern berücksichtigt, widerspricht dem klaren Gesetzeswortlaut des § 140 Abs 1 ABGB. Hat das Rekursgericht die ständige Judikatur des Obersten Gerichtshofes, wonach sich die Lebensverhältnisse der Eltern auf die Höhe des Geldunterhaltsanspruches auswirken müssen, nur scheinbar berücksichtigt, rechtfertigt ein solcher Fehler in der Rechtsanwendung gemäß § 14 Abs 1 AußStrG die Anrufung des Obersten Gerichtshofes, weil er in Wahrheit ein Abweichen von der ständigen Rechtsprechung bedeutet und so die Rechtssicherheit gefährdet.

Entscheidungstexte

  • 5 Ob 516/92
    Entscheidungstext OGH 16.06.1992 5 Ob 516/92
  • 1 Ob 509/93
    Entscheidungstext OGH 29.01.1993 1 Ob 509/93
  • 1 Ob 512/94
    Entscheidungstext OGH 25.01.1994 1 Ob 512/94
    Auch; nur: Eine Unterhaltsbemessung, die sich nur am Regelbedarf der jeweiligen Altersgruppe orientiert und nicht auch die Lebensverhältnisse der Eltern berücksichtigt, widerspricht dem klaren Gesetzeswortlaut des § 140 Abs 1 ABGB. (T1)
  • 5 Ob 526/94
    Entscheidungstext OGH 12.04.1994 5 Ob 526/94
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Liegt die Grenze für die Ausschöpfung der Leistungsfähigkeit des Unterhaltsschuldners deutlich unter dem Doppelten des Regelbedarfs, bedarf es einer besonderen, alle Lebensumstände des Kindes und seiner Eltern berücksichtigenden Begründung der Unterhaltsbemessung, um den vordergründigen Verdacht einer mit der Rechtssicherheit nicht mehr zu vereinbarenden Unausgewogenheit des Ergebnisses zu entkräften. (T2)
  • 2 Ob 569/94
    Entscheidungstext OGH 13.10.1994 2 Ob 569/94
    nur T1
  • 7 Ob 503/95
    Entscheidungstext OGH 08.02.1995 7 Ob 503/95
    nur T1
  • 1 Ob 2233/96f
    Entscheidungstext OGH 22.08.1996 1 Ob 2233/96f
    nur T1
  • 4 Ob 2327/96a
    Entscheidungstext OGH 12.11.1996 4 Ob 2327/96a
    nur T1
  • 2 Ob 567/95
    Entscheidungstext OGH 23.01.1997 2 Ob 567/95
    nur T1
  • 4 Ob 2285/96z
    Entscheidungstext OGH 29.10.1996 4 Ob 2285/96z
    Auch; nur T1
  • 6 Ob 21/07t
    Entscheidungstext OGH 15.02.2007 6 Ob 21/07t
    Auch; Beisatz: Sowohl die Steuerbehörde als auch die gesetzlichen Interessenvertretungen können „eine andere Person" im Sinne des § 46 Abs 3 AußStRG 2005 sein. (T3); Beisatz: Hier: Verfahren gemäß § 40 FBG. (T4)
  • 8 Ob 30/16v
    Entscheidungstext OGH 30.05.2017 8 Ob 30/16v
    Vgl auch; Beisatz: Bei der Unterhaltsbemessung ist auch auf die Lebensverhältnisse der Eltern Bedacht zu nehmen. (T5)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1992:RS0007199

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

30.11.2017

Dokumentnummer

JJR_19920616_OGH0002_0050OB00516_9200000_002

Rechtssatz für 3Ob46/93 3Ob5/94 2Ob569...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0008667

Geschäftszahl

3Ob46/93; 3Ob5/94; 2Ob569/94; 3Ob528/95; 1Ob590/95; 1Ob1645/95; 4Ob2234/96z; 6Ob99/97w; 10Ob31/97z; 3Ob250/97d; 1Ob115/98p; 8Ob142/98k; 2Ob258/98z; 2Ob122/99a; 10Ob83/00d; 6Ob97/00h; 6Ob233/00h; 3Ob4/03i; 5Ob48/04a; 5Ob134/05z; 6Ob52/06z; 6Ob184/06m; 4Ob155/06g; 2Ob187/05x; 6Ob35/09d; 7Ob163/09k; 1Ob160/09z; 9Ob72/15a; 9Ob61/15h; 4Ob4/17t; 8Ob75/17p; 9Ob41/18x; 8Ob16/19i

Entscheidungsdatum

12.05.1993

Norm

EO §292b Z1

Rechtssatz

Dem Verpflichteten hat ein Betrag zu verbleiben, der zur Erhaltung seiner Körperkräfte und seiner geistigen Persönlichkeit notwendig ist.

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 46/93
    Entscheidungstext OGH 12.05.1993 3 Ob 46/93
    Veröff: ÖA 1994,29 = RZ 1994/57 S 170
  • 3 Ob 5/94
    Entscheidungstext OGH 23.03.1994 3 Ob 5/94
    Beisatz: Ein Grundsatz, dass die angemessene Herabsetzung des Freibetrages ihre Grenze findet, wenn nicht einmal der laufende Unterhalt zur Gänze hereingebracht werden könnte, ist dem Gesetz nicht zu entnehmen. (T1)
    Veröff: SZ 67/47
  • 2 Ob 569/94
    Entscheidungstext OGH 13.10.1994 2 Ob 569/94
  • 3 Ob 528/95
    Entscheidungstext OGH 26.04.1995 3 Ob 528/95
  • 1 Ob 590/95
    Entscheidungstext OGH 27.07.1995 1 Ob 590/95
    Beis wie T1
  • 1 Ob 1645/95
    Entscheidungstext OGH 19.12.1995 1 Ob 1645/95
  • 4 Ob 2234/96z
    Entscheidungstext OGH 17.09.1996 4 Ob 2234/96z
  • 6 Ob 99/97w
    Entscheidungstext OGH 24.04.1997 6 Ob 99/97w
  • 10 Ob 31/97z
    Entscheidungstext OGH 11.02.1997 10 Ob 31/97z
  • 3 Ob 250/97d
    Entscheidungstext OGH 29.10.1997 3 Ob 250/97d
  • 1 Ob 115/98p
    Entscheidungstext OGH 29.09.1998 1 Ob 115/98p
    Beis wie T1
  • 8 Ob 142/98k
    Entscheidungstext OGH 15.10.1998 8 Ob 142/98k
  • 2 Ob 258/98z
    Entscheidungstext OGH 29.10.1998 2 Ob 258/98z
  • 2 Ob 122/99a
    Entscheidungstext OGH 24.06.1999 2 Ob 122/99a
  • 10 Ob 83/00d
    Entscheidungstext OGH 18.04.2000 10 Ob 83/00d
    Beisatz: Eine genaue Berechnung dieses Betrages ist nicht möglich, es ist im Einzelfall eine nach den gegebenen Umständen für den Unterhaltsschuldner und den Unterhaltsberechtigten noch am ehesten tragbare Regelung zu treffen. Diese Grundsätze eröffnen den Gerichten somit einen Ermessensspielraum. (T2)
  • 6 Ob 97/00h
    Entscheidungstext OGH 17.05.2000 6 Ob 97/00h
    Beisatz: Unterhaltsforderungen genießen Priorität. Ein pflichtbewusster Unterhaltsschuldner wird seine Kinder im Normalfall an seinen - wenn auch kärglichen - Einkommensverhältnissen teilhaben lassen. (T3)
  • 6 Ob 233/00h
    Entscheidungstext OGH 16.05.2001 6 Ob 233/00h
    Beis wie T3
  • 3 Ob 4/03i
    Entscheidungstext OGH 26.03.2003 3 Ob 4/03i
  • 5 Ob 48/04a
    Entscheidungstext OGH 11.05.2004 5 Ob 48/04a
  • 5 Ob 134/05z
    Entscheidungstext OGH 18.10.2005 5 Ob 134/05z
    Beis wie T2
  • 6 Ob 52/06z
    Entscheidungstext OGH 06.04.2006 6 Ob 52/06z
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Die Frage, ob sich die Anwendung der Differenzmethode auf jene Fälle reduziert, in denen der Unterhaltspflichtige entweder bereits bei Eröffnung des Konkursverfahrens (in der Form eines Schuldenregulierungsverfahrens) unselbstständig erwerbstätig war (8 Ob 50/04t = EFSlg 107.212) oder zwar zu diesem Zeitpunkt ein Unternehmen betrieb, dieses in weiterer Folge dann aber gemäß § 114 KO geschlossen wurde und ob in den letztgenannten Fällen der Differenzrechnung ein aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit (nunmehr) tatsächlich erzieltes (3 Ob 1/05a) oder ein - nach Anspannungsgrundsätzen - erzielbares Einkommen zu Grunde zu legen ist (6 Ob 284/02m = EFSlg 103.521; 6 Ob 51/04z), wird - nach ausführlicher Ableitung - ausdrücklich offen gelassen. (T4)
  • 6 Ob 184/06m
    Entscheidungstext OGH 31.08.2006 6 Ob 184/06m
  • 4 Ob 155/06g
    Entscheidungstext OGH 28.09.2006 4 Ob 155/06g
    Beis wie T2
  • 2 Ob 187/05x
    Entscheidungstext OGH 08.03.2007 2 Ob 187/05x
  • 6 Ob 35/09d
    Entscheidungstext OGH 26.03.2009 6 Ob 35/09d
    Beis wie T2
  • 7 Ob 163/09k
    Entscheidungstext OGH 27.01.2010 7 Ob 163/09k
    Beis wie T2
  • 1 Ob 160/09z
    Entscheidungstext OGH 05.05.2010 1 Ob 160/09z
    Verstärkter Senat; Vgl auch; Beisatz: In allen Insolvenzfällen richtet sich die Belastbarkeit des Unterhaltspflichtigen nach dem Unterhaltsexistenzminimum gemäß § 291b EO, das ausnahmsweise in den Grenzen des § 292b EO unterschritten werden kann. (T5)
    Bem: Siehe RS0125931. (T6)
    Veröff: SZ 2010/48
  • 9 Ob 72/15a
    Entscheidungstext OGH 21.12.2015 9 Ob 72/15a
    Beis ähnlich wie T2
  • 9 Ob 61/15h
    Entscheidungstext OGH 27.01.2016 9 Ob 61/15h
  • 4 Ob 4/17t
    Entscheidungstext OGH 30.05.2017 4 Ob 4/17t
    Beis wie T2
  • 8 Ob 75/17p
    Entscheidungstext OGH 28.09.2017 8 Ob 75/17p
    Auch
  • 9 Ob 41/18x
    Entscheidungstext OGH 28.06.2018 9 Ob 41/18x
  • 8 Ob 16/19i
    Entscheidungstext OGH 29.08.2019 8 Ob 16/19i

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1993:RS0008667

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

03.10.2019

Dokumentnummer

JJR_19930512_OGH0002_0030OB00046_9300000_001

Rechtssatz für 2Ob569/94 2Ob576/94 9Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0017946

Geschäftszahl

2Ob569/94; 2Ob576/94; 9Ob507/95; 3Ob528/95; 1Ob590/95; 1Ob1645/95; 4Ob2234/96z; 1Ob2383/96i; 10Ob31/97z; 6Ob285/97y; 4Ob53/06g

Entscheidungsdatum

13.10.1994

Norm

ABGB §140 Ba
EO §292b

Rechtssatz

Für die Belastbarkeitsgrenze des Unterhaltsschuldners ist der Freibetrag im Sinne des § 292 b EO maßgeblich.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 569/94
    Entscheidungstext OGH 13.10.1994 2 Ob 569/94
  • 2 Ob 576/94
    Entscheidungstext OGH 10.11.1994 2 Ob 576/94
  • 9 Ob 507/95
    Entscheidungstext OGH 22.02.1995 9 Ob 507/95
    Auch; Veröff: SZ 68/38
  • 3 Ob 528/95
    Entscheidungstext OGH 26.04.1995 3 Ob 528/95
  • 1 Ob 590/95
    Entscheidungstext OGH 27.07.1995 1 Ob 590/95
    Vgl
  • 1 Ob 1645/95
    Entscheidungstext OGH 19.12.1995 1 Ob 1645/95
  • 4 Ob 2234/96z
    Entscheidungstext OGH 17.09.1996 4 Ob 2234/96z
    Auch
  • 10 Ob 31/97z
    Entscheidungstext OGH 11.02.1997 10 Ob 31/97z
  • 1 Ob 2383/96i
    Entscheidungstext OGH 18.03.1997 1 Ob 2383/96i
    Auch
  • 6 Ob 285/97y
    Entscheidungstext OGH 16.10.1997 6 Ob 285/97y
  • 4 Ob 53/06g
    Entscheidungstext OGH 28.09.2006 4 Ob 53/06g
    Vgl auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1994:RS0017946

Dokumentnummer

JJR_19941013_OGH0002_0020OB00569_9400000_001

Entscheidungstext 2Ob569/94

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

2Ob569/94

Entscheidungsdatum

13.10.1994

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr.Melber als Vorsitzenden und durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr.Graf, Dr.Schinko, Dr.Tittel und Dr.Baumann als weitere Richter in der Pflegschaftssache des am 9.April 1984 geborenen Stefan K*****, vertreten durch den Unterhaltssachwalter Magistrat der Landeshauptstadt St.Pölten, infolge Revisionsrekurses des Unterhaltssachwalters gegen den Beschluß des Landesgerichtes St.Pölten als Rekursgericht vom 1.Juni 1994, GZ R 392/94-70, womit der Beschluß des Bezirksgerichtes St.Pölten vom 28.April 1994, GZ 1 P 124/84-66, bestätigt wurde, folgenden

 

Beschluß

 

gefaßt:

Spruch

 

Dem Revisionsrekurs wird Folge gegeben. Die Beschlüsse der Vorinstanzen werden aufgehoben und dem Erstgericht eine neuerliche Entscheidung nach Verfahrensergänzung aufgetragen.

Text

 

Begründung:

 

Der Vater des minderjährigen Stefan K***** wurde mit Beschluß vom 12.2.1991 verpflichtet, ab 1.1.1991 einen monatlichen Unterhalt von S 920 für Stefan zu zahlen. Diese Entscheidung lag im wesentlichen zugrunde, daß der Vater ab 1.7.1990 einen monatlichen Pensionsvorschuß von S 6.783,40 und ab 1.1.1991 einen solchen von S 7.178,- bezog und für seine geschiedene Ehefrau einen monatlichen Unterhalt von S 1.300,- zu leisten hatte.

 

Am 28.4.1992 stellte der Vater den Antrag, seine monatliche Unterhaltsverpflichtung ab 1.5.1992 auf S 500,- herabzusetzen; er begründete dies damit, daß er von der Pensionsversicherungsanstalt der Arbeiter monatlich vorläufig S 4.850,- zuzüglich eines Kinderzuschlages von S 600,- erhalte. Mit Zustimmung des Unterhaltssachwalters wurde diesem Antrag stattgegeben.

 

Mit der Begründung, der Unterhaltsschuldner beziehe seit 1.11.1993 einen Pensionsvorschuß von täglich S 241,50 und ab 1.1.1994 einen solchen von S 247,50 täglich begehrt der Unterhaltssachwalter die Erhöhung des vom Unterhaltsschuldner zu leistenden Unterhaltsbeitrages auf S 1.300,- monatlich für die Zeit vom 1.11.1993 bis 31.3.1994 und auf S 1.450,- ab 1.4.1994.

 

Der Unterhaltsschuldner sprach sich dagegen aus und wendete auch ein, auf Grund seines schlechten Gesundheitszustandes auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

 

Das Erstgericht wies den Unterhaltserhöhungsantrag ab, wobei es feststellte, daß der Unterhaltsschuldner in der Zeit vom 1.1.1993 bis 31.12.1993 Pensionsvorschüsse von monatlich S 7.324,70 erhielt, in der Zeit vom 1.1.1994 bis 12.1.1994 erhöhte sich dieser Betrag auf S 7.506,68. In der Zeit vom 13.1.1994 bis 1.4.1994 bezog der Unterhaltsschuldner Krankengeld in der Höhe des Pensionsvorschusses. Der Unterhaltsschuldner hat keine weiteren Sorgepflichten.

 

In rechtlicher Hinsicht vertrat das Erstgericht die Ansicht, daß bei Berechnung der Unterhaltspflicht nach der Prozentkomponente die begehrten Unterhaltsbeiträge gerechtfertigt seien. Im Hinblick auf das unterdurchschnittliche Einkommen des Unterhaltspflichtigen könnten die Prozentsätze aber nicht angewendet werden. Es sei auch die Intention des Gesetzgebers der Exekutionsordnungsnovelle, daß ein bestimmter Mindeststandard gesichert werden müßte, wobei als Orientierungshilfe der Richtsatz für die Gewährung der Ausgleichszulage heranzuziehen sei. Dieser Richtsatz hätte im Jahre 1993 S 8.166,- monatlich betragen und liege im Jahre 1994 bei S 8.750,- monatlich. Ziehe man den festgesetzen Unterhaltsbeitrag von S 500,- vom Einkommen des Unterhaltspflichtigen ab, so verblieben diesem lediglich S 7.000,-. Bei dieser Situation sei insbesonders unter Berücksichtigung der krankheitsbedingten Mehraufwendungen des Unterhaltspflichtigen eine weitere Abschöpfung seines Einkommens nicht gerechtfertigt.

 

Das vom Unterhaltssachwalter angerufene Rekursgericht bestätigte diese Entscheidung und erklärte den ordentlichen Revisionsrekurs für zulässig. Auch das Rekursgericht vertrat die Ansicht, dem Vater müsse jener Betrag verbleiben, der seinen Mindestlebensstandard sichere; zu Recht habe das Erstgericht diesbezüglich auf den Richtsatz für die Gewährung der Ausgleichszulage hingewiesen. Nach der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes sei bei einfachen Lebensverhältnissen der Richtsatz für die Gewährung einer Ausgleichszulage als Richtschnur für die Beurteilung, ob Selbsterhaltungsfähigkeit anzunehmen sei, heranzuziehen. Diese für die Mindestbedürfnisse eines Kindes entwickelten Grundsätze müßten gleicherweise auch für unterhaltspflichtige Personen gelten. Im vorliegenden Fall habe der Unterhaltsschuldner ein Einkommen, das erheblich unter diesen Richtsatzbeträgen liege. Es sei zwar richtig, daß die exekutionsrechtlichen Bestimmungen, insbesonders wenn es um die Hereinbringung von Unterhaltsbeiträgen gehe, als Existenzminimum niedrigere Beträge als die erwähnten Richtsatzbeträge vorsehe. Im Exekutionsverfahren gehe es aber darum, daß eine unter bestimmten Prämissen geschaffene titelmäßige Verpflichtung bestehe und der Verpflichtete mit seinen Zahlungen in Verzug gekommen sei; es sei gleichsam zwischen dem forderungsberechtigten betreibenden Gläubiger und dem Verpflichteten ein entsprechender Ausgleich nach Billigkeitsgrundsätzen zu schaffen.

 

Der ordentliche Revisionsrekurs wurde zugelassen, weil zur Frage des "Existenzminimums" unterhaltspflichtiger Personen keine gesicherte höchstgerichtliche Judikatur bestehe.

 

Dagegen richtet sich der Revisionsrekurs des Unterhaltssachwalters mit dem Antrag, den angefochtenen Beschluß dahingehend abzuändern, daß die Unterhaltsbeiträge antragsgemäß erhöht werden; hilfsweise wird ein Aufhebungsantrag gestellt.

Rechtliche Beurteilung

 

Der Revisionsrekurs ist zulässig und im Sinne seines Eventualantrages auch berechtigt.

 

Gemäß § 140 ABGB haben die Eltern zur Deckung der ihren Lebensverhältnissen angemessenen Bedürfnisse des Kindes anteilig beizutragen. Bei der Unterhaltsbemessung kommt es vor allem auf die Bedürfnisse des Unterhaltsberechtigten an; es ist aber auch die konkrete Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen zu berücksichtigen. Einen Anhaltspunkt dafür, nach welchen Kriterien der Beitrag der Eltern zu ermitteln ist, gibt das Gesetz durch Verknüpfung der Bedürfnisse des Kindes mit den Lebensverhältnissen der Eltern (JBl 1991, 40; 1 Ob 588/93 ua). Ein konkretes Berechnungssystem kann dem Gesetz, das die Bemessungskriterien nur durch unbestimmte Rechtsbegriffe umschreibt, nicht entnommen werden. Es kann daher auch der Oberste Gerichtshof nur jene Umstände aufzeigen, auf die es im Einzelfall ankommt (8 Ob 605/93). Die Bemessung des Unterhalts bloß in Höhe des Regelbedarfs ohne Bedachtnahme auf die konkreten Lebensverhältnisse des Unterhaltsschuldners steht mit dem Gesetz nicht in Einklang, weil sie die Leisungsfähigkeit des Unterhaltsschuldners nicht berücksichtigt (RZ 1991/26 und 50; 1 Ob 512/94 uva). Hingegen stellt die Bemessung des Unterhalts nach bestimmten, nach Altersgrenzen abgestuften Hundertsätzen des Einkommens des Unterhaltsschuldners, durch die die Gleichbehandlung gleichartiger Fälle gewährleistet werden soll, an sich für durchschnittliche Fälle eine brauchbare Handhabe dar, um den Unterhaltsberechtigten an den Lebensverhältnissen des Unterhaltsschuldners angemessen teilhaben zu lassen (RZ 1991/26; 1 Ob 512/94; 2 Ob 548/94 ua). Die Belastung des Unterhaltspflichtigen kann aber nicht unbeschränkt erfolgen, sondern ist eine Belastbarkeitsgrenze zu ziehen. Nach Ansicht des erkennenden Senates ist hiefür maßgeblich der Freibetrag im Sinne des § 292 b EO. Nach § 292 b Z 1 EO hat nämlich das Exekutionsgericht auf Antrag den für Unterhaltsforderungen geltenden Freibetrag angemessen herabzusetzen, wenn laufende gesetzliche Unterhaltsforderungen durch die Exekution nicht zur Gänze hereingebracht werden. Der Gesetzgeber hat damit zum Ausdruck gebracht, daß Unterhaltsforderungen Priorität genießen und daß zugunsten von Unterhaltsforderungen dem Unterhaltsschuldner nur jener Betrag zu verbleiben hat, der zur Erhaltung seiner Körperkräfte und seiner geistigen Persönlichkeit notwendig ist (vgl 3 Ob 46/93; 3 Ob 5/94). Auch im Normalfall würde ein ein sehr geringes Einkommen beziehender Vater nur soviel für seinen Unterhalt verbrauchen, als zur Erhaltung seiner Körperkräfte und seiner geistigen Persönlichkeit notwendig ist.

 

Zieht man nun im vorliegenden Fall vom Einkommen des Unterhaltspflichtigen die vom Unterhaltssachwalter begehrten Unterhaltsbeiträge ab, so verbleibt ihm ein Betrag von über S 6.000,-, der den zur Erhaltung der Körperkräfte und der geistigen Persönlichkeit notwendigen Betrag übersteigt (vgl 3 Ob 5/94). Allerdings hat der Unterhaltsschuldner geltend gemacht, er hätte krankheitsbedingte Mehraufwendungen, während hingegen der Unterhaltssachwalter geltend gemacht hat, der Unterhaltsschuldner hätte einen Pflegegeldanspruch. Mit diesen Fragen hat sich das Erstgericht - ausgehend von einer anderen Rechtsansicht - nicht im Detail auseinandergesetzt. Sollte der Unterhaltsschuldner krankheitsbedingte Mehraufwendungen haben, so sind diese bei der Ermittlung jenes Betrages, der ihm zu verbleiben hat, zu berücksichtigen, weil sie ja zur Erhaltung seiner Körperkräfte notwendig sind. In diesem Zusammenhang wird aber auch zu prüfen sein, ob und inwieweit ein derartiger Mehraufwand durch Pflegegeld abgedeckt werden kann.

 

Die Rechtssache erweist sich aus diesen Gründen noch nicht als spruchreif, sodaß mit einer Aufhebung der Beschlüsse der Vorinstanzen vorzugehen war.

Anmerkung

E36846

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1994:0020OB00569.94.1013.000

Dokumentnummer

JJT_19941013_OGH0002_0020OB00569_9400000_000