Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 4Ob76/79 4Ob104/80 4Ob1...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0018115

Geschäftszahl

4Ob76/79; 4Ob104/80; 4Ob143/80; 4Ob110/81; 14ObA5/87; 14ObA47/87; 9ObA74/87 (9ObA75/87); 9ObA131/88; 9ObA516/88; 9ObA101/89; 9ObA206/91; 9ObA249/91; 9ObA82/92; 9ObA601/93; 9ObA205/93; 9ObA30/94; 9ObA107/94; 9ObA803/94; 9ObA95/95 (9ObA96/95); 9ObA151/97i; 8ObA167/98m; 9ObA68/99m; 9ObA40/00y; 9ObA176/02a; 9ObA206/02p; 8ObA26/06s; 8ObS7/06x; 9ObA150/13v; 9ObA80/14a; 9ObA109/15t; 8ObA59/17k

Entscheidungsdatum

27.11.1979

Norm

ABGB §863 GI
ABGB §1152 E
ArbVG §29
KollVG §2 Abs2

Rechtssatz

Gibt nicht nur der Arbeitgeber, sondern auch die Gesamtheit der Arbeitnehmer durch ihr Verhalten eindeutig zu erkennen, dass sie sich an die Bestimmung einer unzulässigen Betriebsvereinbarung halten wolle, dann besteht kein Grund, an ihrer schlüssigen Unterwerfung unter die dort getroffenen Vereinbarungen und damit an einer entsprechenden Ergänzung der Einzelarbeitsverträge zu zweifeln. Dies gilt für die gesamten Bestimmungen einer so zum Bestandteil des Arbeitsvertrages gewordenen Betriebsvereinbarung. (Hier Erfolgsprämie - Böhler Edelstahlwerk).

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 76/79
    Entscheidungstext OGH 27.11.1979 4 Ob 76/79
    Veröff: Arb 9832 = IndS 1980,1181 = JBl 1980,608 = DRdA 1983,85 (mit Besprechung von Steindl) = ZAS 1981,53
  • 4 Ob 104/80
    Entscheidungstext OGH 19.05.1981 4 Ob 104/80
    nur: Gibt nicht nur der Arbeitgeber, sondern auch die Gesamtheit der Arbeitnehmer durch ihr Verhalten eindeutig zu erkennen, daß sie sich an die Bestimmung einer unzulässigen Betriebsvereinbarung halten wolle, dann besteht kein Grund, an ihrer schlüssigen Unterwerfung unter die dort getroffenen Vereinbarungen und damit an einer entsprechenden Ergänzung der Einzelarbeitsverträge zu zweifeln. (T1)
    Beisatz: Auch bei konkludenter Begründung des Arbeitsverhältnisses kann der Arbeitnehmer von der betrieblichen Übung ausgehen und annehmen, dass die FREIE BETRIEBSVEREINBARUNG des ORF auch aus ihn in gleicher Weise und unter den gleichen Voraussetzungen angewendet wird, wie bei allen anderen vergleichbaren Arbeitskollegen. (T2)
    Veröff: SZ 54/75 = EvBl 1982/24 S 72 = ZAS 1982,10 mit Anmerkung Tomandl = DRdA 1982,191 (Anmerkung von Grasser) = JBl 1982,500 = Arb 9972
  • 4 Ob 143/80
    Entscheidungstext OGH 15.09.1981 4 Ob 143/80
    Beis wie T2
  • 4 Ob 110/81
    Entscheidungstext OGH 03.11.1981 4 Ob 110/81
    Ähnlich; nur T1
  • 14 ObA 5/87
    Entscheidungstext OGH 24.02.1987 14 ObA 5/87
    Vgl auch; Veröff: RdW 1987,236 = ZAS 1988,172 (Stöhr - Kohlmaier) = Arb 10609 = WBl 1987,217
  • 14 ObA 47/87
    Entscheidungstext OGH 07.04.1987 14 ObA 47/87
    nur T1; Beisatz: Für die Arbeitnehmerseite kann bei Betriebsvereinbarungen, die der Belegschaft nur Vorteile bringen, eine schlüssige Unterwerfung ohne weiteres angenommen werden. (T3)
    Veröff: RdW 1987,337 = DRdA 1988,124 (Strasser)
  • 9 ObA 74/87
    Entscheidungstext OGH 16.09.1987 9 ObA 74/87
    nur T1; Beis wie T2
  • 9 ObA 131/88
    Entscheidungstext OGH 12.10.1988 9 ObA 131/88
    Beisatz: Auf diese Weise in die Einzelarbeitsverträge eingeschlossene Regelungen unterliegen jedoch nicht der erhöhten Bestandsgarantie einer Betriebsvereinbarung; von einer solchen Regelung kann durch eine einvernehmliche Änderung des Arbeitsvertrages zwischen Arbeitgeber und dem einzelnen Arbeitnehmer abgegangen werden. (T4)
    Veröff: RdW 1989,279
  • 9 ObA 516/88
    Entscheidungstext OGH 11.01.1989 9 ObA 516/88
    Vgl auch
  • 9 ObA 101/89
    Entscheidungstext OGH 14.06.1989 9 ObA 101/89
    Vgl auch; Veröff: WBl 1990,23
  • 9 ObA 206/91
    Entscheidungstext OGH 23.10.1989 9 ObA 206/91
    nur T1; Beisatz: § 48 ASGG (T5)
  • 9 ObA 249/91
    Entscheidungstext OGH 29.01.1992 9 ObA 249/91
    Vgl auch; nur T1; Beisatz: Hier: Ruhegeldzusage (T6)
    Beis wie T5
  • 9 ObA 82/92
    Entscheidungstext OGH 27.05.1992 9 ObA 82/92
    Auch; Beisatz: Hat eine Partei nicht auf die Gültigkeit der Betriebsvereinbarung vertraut, kann auch die Kündigung der unzulässigen Betriebsvereinbarung durch sie schon aus diesem Grund keine Wirkung auf die zum Inhalt der Einzelarbeitsverträge gewordene (Gehalts) Regelung haben. (T7)
    Veröff: WBl 1992,332 = DRdA 1993,24 (Kerschner)
  • 9 ObA 601/93
    Entscheidungstext OGH 14.04.1993 9 ObA 601/93
    nur T1; Beisatz: Für den Umfang der Vertragsergänzung sind die faktische Leistungserbringung und deren Begleitumstände als Substrat des konkludenten Arbeitgeberoffertverhaltens maßgebend. (T8)
    Veröff: SZ 66/48
  • 9 ObA 205/93
    Entscheidungstext OGH 22.09.1993 9 ObA 205/93
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Ständige Zahlung eines über den Ansätzen des maßgebenden KollV liegenden Gehaltes auf der Grundlage einer solchen unzulässigen Betriebsvereinbarung. (T9)
    Veröff: SZ 66/117
  • 9 ObA 30/94
    Entscheidungstext OGH 23.02.1994 9 ObA 30/94
    Vgl auch; nur T1; Beis wie T8; Beis wie T5
  • 9 ObA 107/94
    Entscheidungstext OGH 14.09.1994 9 ObA 107/94
    Auch; nur T1; Beis wie T2; Beis wie T7; Beis wie T5
  • 9 ObA 803/94
    Entscheidungstext OGH 11.01.1995 9 ObA 803/94
    Vgl auch; nur T1; Beisatz: Hier: Freie Betriebsvereinbarung des ORF (T10)
  • 9 ObA 95/95
    Entscheidungstext OGH 12.07.1995 9 ObA 95/95
    Vgl auch; Beis wie T5
  • 9 ObA 151/97i
    Entscheidungstext OGH 22.10.1997 9 ObA 151/97i
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Verneint (T11)
    Veröff: SZ 70/217
  • 8 ObA 167/98m
    Entscheidungstext OGH 06.07.1998 8 ObA 167/98m
    Auch; nur T1; Beisatz: Vertragsergänzung auch bei jenen Arbeitnehmern, welche die herrschende Übung als Grundlage auch ihrer Rechtsbeziehungen zum Arbeitgeber akzeptiert haben und daher annehmen konnten, daß die vom Arbeitgeber allgemein angewendete unzulässige Regelung der Betriebsvereinbarung in gleicher Weise und unter den gleichen Voraussetzungen wie bei allen anderen vergleichbaren Arbeitnehmern auch auf sie angewendet wird (Arb 11.240 mwN). (T12); Beisatz: Hier: Regelung der Betriebsvereinbarung zwischen den Parteien daher verbindlich. (T13)
  • 9 ObA 68/99m
    Entscheidungstext OGH 09.07.1999 9 ObA 68/99m
    Vgl auch; Beisatz: Ist eine solche "Betriebsvereinbarung" durch schlüssiges Verhalten zum Bestandteil der vom Arbeitgeber mit seinen Arbeitnehmern geschlossenen Einzeldienstverträge geworden, dann müssen die Arbeitnehmer auch für sie ungünstige Vertragsbedingungen gegen sich gelten lassen. (T14)
  • 9 ObA 40/00y
    Entscheidungstext OGH 05.04.2000 9 ObA 40/00y
    Beis wie T7
  • 9 ObA 176/02a
    Entscheidungstext OGH 04.12.2002 9 ObA 176/02a
    Vgl auch; Beis wie T8
  • 9 ObA 206/02p
    Entscheidungstext OGH 18.12.2002 9 ObA 206/02p
    Vgl auch; nur T1
  • 8 ObA 26/06s
    Entscheidungstext OGH 11.05.2006 8 ObA 26/06s
    Vgl; Beisatz: Dient ein „Arbeits- und lohnrechtliches Übereinkommen" bloß als Vertragsschablone, steht es den Parteien frei, die Geltung eines solchen „Arbeits- und lohnrechtlichen Übereinkommens" nur in dem Umfang zu vereinbaren, in dem nicht im Dienstvertrag abweichende Sonderregeln getroffen werden. (T15)
  • 8 ObS 7/06x
    Entscheidungstext OGH 13.07.2006 8 ObS 7/06x
    Auch; Beisatz: Unabhängig von Wissen oder Nichtwissen der Einzelvertragsparteien über die Unzulässigkeit der Betriebsvereinbarung kann deren Inhalt in den Einzelvertrag eingehen. (T16)
  • 9 ObA 150/13v
    Entscheidungstext OGH 29.01.2014 9 ObA 150/13v
    Auch
  • 9 ObA 80/14a
    Entscheidungstext OGH 25.02.2015 9 ObA 80/14a
    Auch; Veröff: SZ 2015/12
  • 9 ObA 109/15t
    Entscheidungstext OGH 28.10.2015 9 ObA 109/15t
  • 8 ObA 59/17k
    Entscheidungstext OGH 20.12.2017 8 ObA 59/17k
    Auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1979:RS0018115

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

16.03.2018

Dokumentnummer

JJR_19791127_OGH0002_0040OB00076_7900000_002

Entscheidungstext 9ObA30/94

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

9ObA30/94

Entscheidungsdatum

23.02.1994

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr.Klinger als Vorsitzenden und durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr.Maier und Dr.Steinbauer sowie durch die fachkundigen Laienrichter Dr.Heinrich Matzke und Mag.Wilhelm Patzold als weitere Richter in der Arbeitsrechtssache der klagenden Partei Konrad S*****, Diplomkrankenpfleger, ***** vertreten durch Dr.Herbert Grass und Dr.Leonhard Ogris, Rechtsanwälte in Deutschlandsberg, wider die beklagte Partei Land Steiermark, vertreten durch den Landeshauptmann Dr.Josef Krainer, 8010 Graz-Burg, vertreten durch Dr.Kurt Klein und Dr.Paul Wuntschek, Rechtsanwälte in Graz, wegen Feststellung und Leistung (Streitwert S 50.000,-), infolge Revision der klagenden Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichtes Graz als Berufungsgerichtes in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 3. November 1993, GZ 7 Ra 71/93-22, womit infolge Berufung der beklagten Partei das Urteil des Landesgerichtes für ZRS Graz als Arbeits- und Sozialgericht vom 15.März 1993, GZ 31 Cga 50/92-17, abgeändert wurde, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

Der Revision wird nicht Folge gegeben.

Die klagende Partei ist schuldig, der Beklagten die mit S 3.623,04 bestimmten Kosten des Revisionsverfahrens (darin S 603,84 Umsatzsteuer) binnen 14 Tagen zu ersetzen.

Text

Entscheidungsgründe:

Rechtliche Beurteilung

Das Berufungsgericht hat die Frage, ob die im Zusammenhang mit den Betriebsvereinbarungen vom 21.5.1987 (die die bisher gewährte Feiertagszulage von 2/26-stel des Monatsentgelts entzog) und vom 1.10.1987 (die die Diensteinteilung neu regelte) stehende Änderung der Arbeitszeit ab 1.6.1987 von 2.082 auf 1.978 jährlichen Regelarbeitsstunden eine schlüssige Ergänzung des Einzelarbeitsvertrages des Klägers bewirkte und er nicht nur Anspruch auf die zu Unrecht entzogene Feiertagszulage habe sondern für ihn auch eine Arbeitszeit von 1.978 Regelarbeitsstunden gelte, zutreffend verneint, sodaß es insofern genügt, auf die Begründung des angefochtenen Urteils zu verweisen (§ 48 ASGG).

Der Entzug der bisher gewährten Feiertagszulage durch die Betriebsvereinbarung vom 21.5.1987 war unzulässig (9 Ob A 78/89). Die auf diese Betriebsvereinbarung aufbauende weitere Betriebsvereinbarung vom 1.10.1987 und die mit beiden Regelungen im Zusammenhang stehende Änderung der Regelarbeitszeit (Herabsetzung auf 1.978 jährlichen Stunden) konnte eine Ergänzung des Einzelarbeitsvertrages des Klägers nur bewirken, wenn aus dem Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverhalten erkennbar gewesen wäre, daß sie die durch die Betriebsvereinbarungen und die Arbeitszeitregelung bezweckte einheitliche Gesamtregelung, nämlich Beseitigung der überproportionalen Abgeltung der Feiertagsarbeit durch eine adäquate und einheitliche Entlohnung akzeptieren. Es sind nicht nur die einzelnen Regelungen gesondert, sondern die Absicht und die Begleitumstände als Substrat des Arbeitgeberoffertverhaltens maßgebend (9 Ob A 601/93).

Der Kläger, der den Entzug der Feiertagszulage nicht akzeptierte, kann daher nicht durch Herausnehmen einzelner für ihn günstiger Detailregelungen (Geltendmachung der Ungültigkeit der den Feiertagszuschlag entziehenden Betriebsvereinbarung und gleichzeitig Bestehen auf der Wirksamkeit der für ihn günstigen Arbeitszeitkürzung durch den Dienstgeber) aus dem vorgegebenen Gesamtzusammenhang sich nur auf die Gültigkeit der günstigsten Regelung beziehen (sogenannte "Rosinentheorie"; 9 Ob A 305/92, 9 Ob A 87/93).

Der Kläger konnte daher aus dem durch die trotz Unwirksamkeit der Betriebsvereinbarung vom 21.5.1987 zunächst beibehaltene Arbeitszeitkürzung gezeigten Erklärungsverhaltens des Arbeitgebers nach Ergehen des Urteiles des Obersten Gerichtshofes und die daraufhin erfolgte Rückzahlung der entzogenen Feiertagsentgelte bis einschließlich Dezember 1990 nicht redlicherweise den Eindruck gewinnen, daß der Arbeitgeber losgelöst von der beabsichtigten Gesamtregelung nur mehr die Arbeitszeitverkürzung ohne Kürzung des Entgelts für die Feiertagszulage zum Gegenstand seines Offertes machen wollte. Dagegen spricht, daß Verhandlungen mit dem Betriebsrat über diesen Regelungskomplex stattfanden und überdies neue Varianten zur Regelung der Feiertagsabgeltung und der damit in untrennbaren Zusammenhang stehenden Arbeitszeitregelung erarbeitet wurden, die der Kläger nicht akzeptierte und im übrigen die Beklagte auch noch in dem zwischen den Streitteilen abgeführten Verfahren 31 Cga 121/91, wo es um die Nachzahlung von 1991 einbehaltenen Feiertagsentgelten ging, auf dem Standpunkt stand, daß bei weniger Arbeitszeit auch weniger Entgelt gebühre.

Der Kläger kann sich daher nicht darauf berufen, daß er auf Grund einer konkludenten Änderung seines Einzelarbeitsvertrages nur mehr

1.978 Stunden jährlich bei ungeschmälerten Bezug der Feiertagszulage arbeiten muß.

Die Kostenentscheidung gründet sich auf § 41, 50 ZPO.

Anmerkung

E32809

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1994:009OBA00030.94.0223.000

Dokumentnummer

JJT_19940223_OGH0002_009OBA00030_9400000_000