Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 8Ob602/90 8Ob1661/93 4O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0047452

Geschäftszahl

8Ob602/90; 8Ob1661/93; 4Ob518/94; 3Ob1611/94 (3Ob1612/94, 3Ob1613/94); 10Ob2018/96d; 6Ob20/97b; 2Ob2132/96k; 2Ob319/99x; 6Ob182/02m; 6Ob83/02b; 3Ob222/02x; 2Ob293/03g; 4Ob4/04y; 7Ob277/03s; 8Ob62/04g; 7Ob145/04f; 10Ob11/04x; 7Ob102/06k; 7Ob178/06m; 1Ob209/08d; 3Ob10/09f; 4Ob74/10a; 10Ob49/10v; 3Ob96/12g; 5Ob2/12y; 4Ob16/13a; 6Ob11/13f; 10Ob17/15w; 1Ob158/15i; 8Ob69/15b; 1Ob207/15w; 10Ob107/15f; 6Ob55/16f; 7Ob172/16v; 1Ob151/16m; 10Ob41/17b; 1Ob23/18s; 9Ob57/17y; 4Ob22/18s; 5Ob189/18g; 1Ob9/19h; 1Ob13/19x; 3Ob101/19b

Entscheidungsdatum

13.09.1990

Norm

ABGB aF §140 Ac
ABGB idF KindNamRÄG 2013 §231 Abs2

Rechtssatz

Es entspricht der ständigen Rechtsprechung der Gerichte zweiter Instanz (EFSlg 42752, EFSlg 50441 ua), dass ein die übliche Dauer überschreitendes Besuchsrecht zu einer Reduzierung der Unterhaltsverpflichtung führen kann.

Entscheidungstexte

  • 8 Ob 602/90
    Entscheidungstext OGH 13.09.1990 8 Ob 602/90
  • 8 Ob 1661/93
    Entscheidungstext OGH 30.11.1993 8 Ob 1661/93
    Auch; Beisatz: Dabei ist nicht von den Aufwendungen des Unterhaltspflichtigen, sondern ausschließlich von den ersparten Aufwendungen der Mutter auszugehen. (T1)
  • 4 Ob 518/94
    Entscheidungstext OGH 15.02.1994 4 Ob 518/94
    Auch; Beisatz: Hier: Reduzierung der Unterhaltsverpflichtung, weil Kind tagsüber beim Geldunterhaltspflichtigen aufhältig ist. (T2)
  • 3 Ob 1611/94
    Entscheidungstext OGH 30.11.1994 3 Ob 1611/94
    Vgl
  • 10 Ob 2018/96d
    Entscheidungstext OGH 23.04.1996 10 Ob 2018/96d
    Auch; Beisatz: Hier: Dreiwöchiger Urlaubsaufenthalt des Unterhaltsberechtigten beim Unterhaltspflichtigen - keine Reduzierung der Unterhaltspflicht. (T3)
  • 6 Ob 20/97b
    Entscheidungstext OGH 27.02.1997 6 Ob 20/97b
    Beis wie T1
  • 2 Ob 2132/96k
    Entscheidungstext OGH 10.04.1997 2 Ob 2132/96k
    Auch
  • 2 Ob 319/99x
    Entscheidungstext OGH 18.11.1999 2 Ob 319/99x
    Vgl auch; Beis wie T1
  • 6 Ob 182/02m
    Entscheidungstext OGH 12.12.2002 6 Ob 182/02m
    Auch; Beis wie T1; Beisatz: Rechtslage vor dem KindRÄG 2001. (T4)
    Beisatz: Hier: Wurden die ersparten Kosten für das Taschengeld, Jausengeld, die Aufwendungen für Nahrung, Wäsche und Freizeitaktivitäten im Ausmaß von zusammen 1.300 S monatlich berücksichtigt, das sind immerhin rund 28 % des Regelbedarfs. Dieses Ergebnis ist plausibel und in rechtlicher Hinsicht nicht zu beanstanden. (T5)
  • 6 Ob 83/02b
    Entscheidungstext OGH 19.12.2002 6 Ob 83/02b
    Auch
  • 3 Ob 222/02x
    Entscheidungstext OGH 18.12.2002 3 Ob 222/02x
    Auch; Beisatz: Aus diesen Entscheidungen ist der Grundgedanke abzuleiten, dass der zu leistende Geldunterhalt dann zu reduzieren ist, wenn der Unterhaltspflichtige auch - über ein übliches Besuchsrecht hinaus - Naturalunterhalt leistet. (T6)
    Beisatz: Die Kosten für die Bereithaltung von Wohnraum oder die Anschaffung langlebiger Güter bleiben jedoch vom Aufenthalt beim anderen Elternteil unberührt. (T7)
    Beisatz: Eine Aufrechnung der von beiden Elternteilen entsprechend den Aufenthaltsquoten zu erbringenden Geldunterhaltsleistungen kommt mangels Gegenseitigkeit nicht in Betracht. (T8)
  • 2 Ob 293/03g
    Entscheidungstext OGH 15.01.2004 2 Ob 293/03g
    Beis wie T1; Beisatz: Auch bei der durch das KindRÄG 2001 eingeführten gemeinsamen Obsorge ist nicht von den Aufwendungen des Unterhaltspflichtigen, sondern von den Ersparnissen des anderen Elternteiles auszugehen. (T9)
  • 4 Ob 4/04y
    Entscheidungstext OGH 16.03.2004 4 Ob 4/04y
    Vgl auch; Beis wie T1; Beis wie T9
  • 7 Ob 277/03s
    Entscheidungstext OGH 31.03.2004 7 Ob 277/03s
    Auch; Beis wie T9
  • 8 Ob 62/04g
    Entscheidungstext OGH 24.09.2004 8 Ob 62/04g
    Beis wie T1
  • 7 Ob 145/04f
    Entscheidungstext OGH 25.05.2005 7 Ob 145/04f
    Auch; Beis wie T9; Beisatz: Diese Rechtsansicht ist auch bei einer völlig gleichteiligen Aufteilung der Betreuungszeiten ohne Vereinbarung eines hauptsächlichen Aufenthaltes des Minderjährigen iSd § 177 Abs 2 ABGB zu vertreten, soferne beiden Elternteilen ein annähernd gleich hohes bzw ein solches Einkommen (wenn auch in unterschiedlicher Höhe) zur Verfügung steht, das jeweils zu über der Luxusgrenze liegenden Unterhaltsansprüchen der Kinder führte. Andernfalls bleibt der besserverdienende Elternteil geldunterhaltspflichtig, damit das Kind an seinem höheren Lebensstandard (jedenfalls bis zur Luxusgrenze) auch in der Zeit, wo es sich beim schlechterverdienenden Elternteil aufhält, teilhaben kann. (T10)
  • 10 Ob 11/04x
    Entscheidungstext OGH 17.02.2006 10 Ob 11/04x
    Beis wie T1; Beis ähnlich wie T7
  • 7 Ob 102/06k
    Entscheidungstext OGH 21.06.2006 7 Ob 102/06k
    Auch
  • 7 Ob 178/06m
    Entscheidungstext OGH 30.08.2006 7 Ob 178/06m
    Beisatz: Hier: Die Kinder werden insgesamt in etwa 1/3 der Zeit vom Vater betreut - Reduzierung der Unterhaltspflicht um 20 %. (T11)
  • 1 Ob 209/08d
    Entscheidungstext OGH 31.03.2009 1 Ob 209/08d
    Vgl auch; Beis wie T1; Beis wie T9
  • 3 Ob 10/09f
    Entscheidungstext OGH 22.04.2009 3 Ob 10/09f
    Beis wie T1; Beis wie T11; Beisatz: Nur jene Aufwendungen können die Unterhaltsbemessungsgrundlage verringern, die auch ein „maßstabgerechter" Familienvater unter Berücksichtigung seiner Einkommensverhältnisse sowie der Bedürfnisse der Unterhaltsberechtigten machen würde. (T12)
    Veröff: SZ 2009/51
  • 4 Ob 74/10a
    Entscheidungstext OGH 13.07.2010 4 Ob 74/10a
    Vgl; Beisatz: Bei gleichwertigen Betreuungs‑ und Naturalunterhaltsleistungen besteht kein Geldunterhaltsanspruch, wenn das Einkommen der Eltern etwa gleich hoch ist. (T13)
    Beisatz: Ob das zutrifft, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab und begründet daher regelmäßig keine Rechtsfrage von erheblicher Bedeutung. (T14)
    Beisatz: So bereits 7 Ob 145/04f. (T15)
  • 10 Ob 49/10v
    Entscheidungstext OGH 17.08.2010 10 Ob 49/10v
    Auch
  • 3 Ob 96/12g
    Entscheidungstext OGH 14.06.2012 3 Ob 96/12g
    Vgl auch; Beisatz: Dass das Ausmaß des dem Vater eingeräumten Besuchsrechts keine Reduzierung der Unterhaltsverpflichtung rechtfertigt, beruht auf den konkreten Umständen des Einzelfalls und wirft ebenfalls keine erhebliche Rechtsfrage auf. (T16)
  • 5 Ob 2/12y
    Entscheidungstext OGH 04.07.2012 5 Ob 2/12y
    Vgl auch; Beisatz: Unterhaltsentscheidungen sind grundsätzlich Ermessensentscheidungen, weshalb es problematisch ist, allgemein verbindliche, gleichsam rechenformelmäßige Prozentsätze für Abschläge für übermäßige Betreuungsleistungen des geldunterhaltspflichtigen Elternteils festzulegen. (T17)
  • 4 Ob 16/13a
    Entscheidungstext OGH 19.03.2013 4 Ob 16/13a
    Vgl; Beis wie T6; Beis wie T13
  • 6 Ob 11/13f
    Entscheidungstext OGH 04.07.2013 6 Ob 11/13f
    Vgl auch; Beis ähnlich wie T10; Beis wie T13; Beis wie T14; Beisatz: Durch das KindNamRÄG 2013 ist an dieser Rechtslage keine Änderung eingetreten. (T18)
  • 10 Ob 17/15w
    Entscheidungstext OGH 28.04.2015 10 Ob 17/15w
    Auch; Beis wie T6; Beis wie T13
  • 1 Ob 158/15i
    Entscheidungstext OGH 17.09.2015 1 Ob 158/15i
    Vgl; Beis wie T1; Beis wie T6; Beis wie T9; Beis wie T10; Beis wie T13; Beis wie T18
  • 8 Ob 69/15b
    Entscheidungstext OGH 25.11.2015 8 Ob 69/15b
    Auch; Beis wie T6; Beis wie T13; Beisatz: Ab wann von gleichwertigen Betreuungsleistungen der Eltern die Rede sein kann, ist angesichts der Vielfalt familiärer Lebens- und Betreuungsmodelle nicht mit einem starren Prozentsatz festzulegen. (T19)
  • 1 Ob 207/15w
    Entscheidungstext OGH 24.11.2015 1 Ob 207/15w
    Vgl auch; Beis wie T11; Beisatz: Hier: Zur Berücksichtigung der ausgedehnten Betreuung durch den Vater an immerhin rund 128 Tagen im Jahr (35 %) beim Sonderbedarf ‑ Deckungsmangel. (T20)
  • 10 Ob 107/15f
    Entscheidungstext OGH 19.01.2016 10 Ob 107/15f
    Beis wie T6; Beisatz: Hier: zu § 7 Abs 1 UVG iVm § 19 Abs 1 UVG. (T21)
  • 6 Ob 55/16f
    Entscheidungstext OGH 30.03.2016 6 Ob 55/16f
    Vgl; Beis wie T13
  • 7 Ob 172/16v
    Entscheidungstext OGH 13.10.2016 7 Ob 172/16v
    Auch; Beis wie T6; Beis wie T13
  • 1 Ob 151/16m
    Entscheidungstext OGH 27.02.2017 1 Ob 151/16m
    Vgl; Beis wie T6; Beis wie T13; Beis wie T18; Beisatz: Teilen die Eltern die Betreuung in einem Ausmaß, das über den Rahmen der üblichen persönlichen Kontakte des Elternteils hinausgeht, bei dem sich das Kind nicht hauptsächlich aufhält, ist nach der jüngeren Rechtsprechung der zu leistende Geldunterhalt zu reduzieren, wenn der Geldunterhaltspflichtige – über ein übliches Kontaktrecht hinaus – Naturalunterhalt leistet. (T22)
    Beisatz: Voraussetzung für die Anwendung des sogenannten „betreuungsrechtlichen Unterhaltsmodells“, welches nach der neueren Judikatur zu einem Entfall des Geldunterhaltsanspruchs des Kindes gegenüber seinen Eltern führt, ist neben der gleichwertigen Betreuungs‑ und Einkommenssituation, dass auch die sonstigen (bedarfsdeckenden) Naturalleistungen von beiden Elternteilen etwa gleichwertig erbracht werden. (T23)
    Beisatz: Hier: Keine Anwendung des betreuungsrechtlichen Unterhaltsmodells, da die Mutter über die (gleichteilig mit dem Vater ausgeübte) Betreuung des Minderjährigen hinausgehend im Wesentlichen die Kosten für sämtliche bedarfsorientierten Naturalleistungen alleine trägt. (T24)
  • 10 Ob 41/17b
    Entscheidungstext OGH 10.10.2017 10 Ob 41/17b
    Auch; Beis wie T1; Beis wie T9
  • 1 Ob 23/18s
    Entscheidungstext OGH 27.02.2018 1 Ob 23/18s
    Auch; Beis wie T1; Beis wie T6; Beis wie T9; Beis wie T14; Beis wie T22; Beisatz: Bei der Anrechnung der Anzahl der Kontakttage finden einzelne Stunden eines Aufenthalts beim anderen Elternteil grundsätzlich keine Berücksichtigung. Ein Wochenendaufenthalt von Freitag nach der Schule bis Sonntag schlägt sich daher nur in zwei Tagen nieder (so schon 5 Ob 2/12y). (T25)
    Beisatz: Reduziert sich ein neben dem üblichen, vierzehntägigen Wochenendkontaktrecht eingeräumter weiter „Besuchstag“ in Wahrheit auf ein bloßes Übernachtungsbesuchsrecht unter der Woche (bis zum Schulbeginn am nächsten Morgen), wurde von keiner nennenswerten Ersparnis des anderen Elternteils ausgegangen (so schon 3 Ob 96/12g). (T26)
  • 9 Ob 57/17y
    Entscheidungstext OGH 25.04.2018 9 Ob 57/17y
    Auch; Beis wie T6; Beis wie T13
  • 4 Ob 22/18s
    Entscheidungstext OGH 19.04.2018 4 Ob 22/18s
    Auch; Beis wie T1; Beis wie T16
  • 5 Ob 189/18g
    Entscheidungstext OGH 13.12.2018 5 Ob 189/18g
    Auch; Beis wie T1; Beis wie T6; Beis wie T9
  • 1 Ob 9/19h
    Entscheidungstext OGH 05.03.2019 1 Ob 9/19h
    Vgl; Beis wie T13; Beis wie T14; Beis wie T23
  • 1 Ob 13/19x
    Entscheidungstext OGH 03.04.2019 1 Ob 13/19x
    Vgl; Beis wie T6; Beis wie T25 nur: Bei der Anrechnung der Anzahl der Kontakttage finden einzelne Stunden eines Aufenthalts beim anderen Elternteil grundsätzlich keine Berücksichtigung. (T27)
    Beisatz: Maßgeblich für die Beurteilung des Ausmaßes der Betreuung ist regelmäßig die tatsächliche Betreuung im einzelnen Kalenderjahr. (T28)
    Beisatz: Für zukünftige Unterhaltsleistungen ist auf die konkrete Ausübung des Kontaktrechts in einem angemessenen Zeitraum vor der Beschlussfassung erster Instanz abzustellen. (T29)
  • 3 Ob 101/19b
    Entscheidungstext OGH 29.08.2019 3 Ob 101/19b
    Vgl auch; Beis wie T16

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1990:RS0047452

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

23.09.2019

Dokumentnummer

JJR_19900913_OGH0002_0080OB00602_9000000_001

Rechtssatz für 1Ob541/92 7Ob529/93 3Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0047454

Geschäftszahl

1Ob541/92; 7Ob529/93; 3Ob517/93; 3Ob526/93; 4Ob518/94; 4Ob2084/96s; 10Ob118/97v; 1Ob3/06g; 9Ob64/05k

Entscheidungsdatum

19.02.1992

Norm

ABGB §140 Ac
EheG §66

Rechtssatz

Die Auffassung, gemischter Unterhalt (bestehend aus Naturalleistung und Geldleistung) sei grundsätzlich unzulässig kommt auch dann nicht zum Tragen, wenn durch die Naturalleistungen die Unterhaltsbedürfnisse in einem Maß und in einer Art gedeckt werden, daß der Unterhaltsberechtigte zur Bestreitung eines vollständigen Unterhaltes nur mehr eines geringeren als des festgesetzten Geldbetrages bedürfte (siehe EFSlg 28678).

Entscheidungstexte

  • 1 Ob 541/92
    Entscheidungstext OGH 19.02.1992 1 Ob 541/92
    Veröff: ÖA 1992,91
  • 7 Ob 529/93
    Entscheidungstext OGH 17.03.1993 7 Ob 529/93
    Auch
  • 3 Ob 517/93
    Entscheidungstext OGH 31.03.1993 3 Ob 517/93
    Auch
  • 3 Ob 526/93
    Entscheidungstext OGH 14.07.1993 3 Ob 526/93
    Beisatz: Dies gilt sinngemäß im besonderen für die Festsetzung des Unterhalts für die Vergangenheit. (T1) Veröff: ÖA 1994,67
  • 4 Ob 518/94
    Entscheidungstext OGH 15.02.1994 4 Ob 518/94
  • 4 Ob 2084/96s
    Entscheidungstext OGH 30.04.1996 4 Ob 2084/96s
    Beisatz: Sachleistungen eines zum Geldunterhalt Verpflichteten können also durchaus berücksichtigt werden. (T2)
  • 10 Ob 118/97v
    Entscheidungstext OGH 29.04.1997 10 Ob 118/97v
    Vgl aber; Beisatz: Gemischte Unterhaltsleistungen (Geldleistungen und Naturalleistungen) sind dann, wenn eine Verpflichtung zur Leistung eines Geldunterhalts besteht, grundsätzlich unzulässig. (T3)
  • 1 Ob 3/06g
    Entscheidungstext OGH 04.04.2006 1 Ob 3/06g
    Auch; Beisatz: Hier: Aufwendungen, um die vom Unterhaltsberechtigten benützte Wohnung in benützungsfähigem Zustand zu erhalten (Strom, Heizung, Reparaturen, Betriebskosten udgl), stellen anrechenbaren Naturalunterhalt dar. (T4)
  • 9 Ob 64/05k
    Entscheidungstext OGH 15.11.2006 9 Ob 64/05k
    Vgl auch; Beisatz: Durch die Bestimmung des § 97 ABGB soll der Ehegatte ganz allgemein in seinem Anliegen auf Sicherung seines Wohnbedürfnisses vor Willkürakten des anderen Ehegatten geschützt werden. (T5)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1992:RS0047454

Dokumentnummer

JJR_19920219_OGH0002_0010OB00541_9200000_001

Rechtssatz für 4Ob518/94 10Ob118/97v 3...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0047460

Geschäftszahl

4Ob518/94; 10Ob118/97v; 3Ob222/02x; 7Ob277/03s; 7Ob178/06m; 5Ob2/12y; 4Ob16/13a; 1Ob158/15i; 1Ob207/15w

Entscheidungsdatum

15.02.1994

Norm

ABGB aF §140 Ac
ABGB idF KindNamRÄG 2013 §231 Abs2

Rechtssatz

Zu einer Reduzierung der Unterhaltsverpflichtung kann es führen, wenn sich ein Kind tagsüber (ständig!) im Haushalt des nicht sorgeberechtigten Elternteiles aufhält. In diesem Fall wird der sorgeberechtigte Elternteil nur einen Teil jener Aufwendungen haben, die der Geldunterhalt abgelten soll, so dass der Unterhaltsberechtigte zur Bestreitung seines vollständigen Unterhalts nur mehr eines geringeren Geldbetrages bedarf. In einem solchen Fall ist gemischter Unterhalt, bestehend aus Naturalleistung und Geldleistung zulässig.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 518/94
    Entscheidungstext OGH 15.02.1994 4 Ob 518/94
  • 10 Ob 118/97v
    Entscheidungstext OGH 29.04.1997 10 Ob 118/97v
    Vgl aber; Beisatz: Gemischte Unterhaltsleistungen (Geldleistungen und Naturalleistungen) sind dann, wenn eine Verpflichtung zur Leistung eines Geldunterhalts besteht, grundsätzlich unzulässig. (T1)
  • 3 Ob 222/02x
    Entscheidungstext OGH 18.12.2002 3 Ob 222/02x
    Vgl auch
  • 7 Ob 277/03s
    Entscheidungstext OGH 31.03.2004 7 Ob 277/03s
    Vgl auch; Beisatz: Betreuung durch Mutter an vier Tagen, durch Vater an drei Tagen pro Woche; Reduktion des Unterhaltsanspuches um 20 %. (T2)
  • 7 Ob 178/06m
    Entscheidungstext OGH 30.08.2006 7 Ob 178/06m
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Die Kinder werden insgesamt in etwa 1/3 der Zeit vom Vater betreut. (T3)
  • 5 Ob 2/12y
    Entscheidungstext OGH 04.07.2012 5 Ob 2/12y
    Vgl auch; Beisatz: Unterhaltsentscheidungen sind grundsätzlich Ermessensentscheidungen, weshalb es problematisch ist, allgemein verbindliche, gleichsam rechenformelmäßige Prozentsätze für Abschläge für übermäßige Betreuungsleistungen des geldunterhaltspflichtigen Elternteils festzulegen. (T4)
  • 4 Ob 16/13a
    Entscheidungstext OGH 19.03.2013 4 Ob 16/13a
    Vgl
  • 1 Ob 158/15i
    Entscheidungstext OGH 17.09.2015 1 Ob 158/15i
    Auch; Beis wie T4; Bem: Mit ausführlicher Darstellung der Literatur und Rechtsprechung. (T5)
  • 1 Ob 207/15w
    Entscheidungstext OGH 24.11.2015 1 Ob 207/15w
    Vgl auch; Beis wie T3; Beisatz: Hier: Zur Berücksichtigung der ausgedehnten Betreuung durch den Vater an immerhin rund 128 Tagen im Jahr (35 %) beim Sonderbedarf ‑ Deckungsmangel. (T6)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1994:RS0047460

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

17.02.2016

Dokumentnummer

JJR_19940215_OGH0002_0040OB00518_9400000_001

Entscheidungstext 4Ob518/94

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

4Ob518/94

Entscheidungsdatum

15.02.1994

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Hon.Prof.Dr.Gamerith als Vorsitzenden und durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr.Kodek, Dr.Niederreiter, Dr.Redl und Dr.Griß als weitere Richter in der Pflegschaftssache der mj. Manuela M*****, geboren am 18.Dezember 1976, infolge außerordentlichen Revisionsrekurses des Vaters Hermann M*****, vertreten durch Dr.Elisabeth Constanze Schaller, Rechtsanwältin in Wien, gegen den Beschluß des Landesgerichtes Korneuburg als Rekursgericht vom 23.November 1993, GZ 5 R 409/93-71, womit der Beschluß des Bezirksgerichtes Stockerau vom 2.September 1993, GZ P 42/92-76, bestätigt wurde, den

 

Beschluß

 

gefaßt:

Spruch

 

Dem Revisionsrekurs wird Folge gegeben.

 

Die Beschlüsse der Vorinstanzen werden im angefochtenen Umfang (Pkt 1. des Beschlusses des Erstgerichtes bezüglich des Unterhalts für die mj. Manuela ab 1.1.1993) aufgehoben. Dem Erstgericht wird insoweit eine neuerliche, nach Ergänzung des Verfahrens zu fällende Entscheidung aufgetragen.

Text

 

Begründung:

 

Die mj. Manuela M***** ist die eheliche Tochter des Hermann M***** und der Helga R*****. Die Ehe der Eltern wurde am 17.4.1992 geschieden. Die Obsorge für die mj. M***** und für ihre Schwestern N*****, geboren am 12.5.1979, und N*****, geboren am 1.5.1982, wurde der Mutter übertragen. Die Mutter verließ Mitte Juni 1992 mit den Kindern die Ehewohnung in S***** und zog mit ihnen nach F*****, später nach O*****; der Vater blieb in der Ehewohnung. Nachdem die Mutter erneut geheiratet hatte, zog die mj. M***** im August 1992 zum Vater; die mj. N***** folgte ihr im November 1992 nach. Knapp vor Weihnachten 1992 kehrte M***** zur Mutter zurück; im April 1993 zog N***** zum Vater. Am 26.4.1993 gab M***** ihre Lehrstelle auf. Seither ist sie tagsüber beim Vater, zum Schlafen kehrt sie in den Haushalt der Mutter zurück.

 

In der Zeit vom 1.9.1992 bis 27.4.1993 war M***** als kaufmännischer Lehrling beim K***** beschäftigt. Die Lehrlingsentschädigung betrug S 3.298,31 und ab 1.1.1993 S 3.500,25 monatlich netto; die lehrbedingten Aufwendungen beliefen sich nach Abzug der Spesenvergütung auf S 6.069. Seit 28.6.1993 ist M***** arbeitslos und als arbeitssuchend gemeldet.

 

Der Vater erzielte 1992 ein durchschnittliches Nettoeinkommen von S

11.638 monatlich, ab 1.1.1993 von S 11.632 monatlich. Die Mutter hat seit 15.2.1993 als Hilfsarbeiterin bei der Firma S***** ein monatliches Durchschnittseinkommen von rund S 10.500 netto.

 

Je nachdem, wo sich die Kinder gerade aufhielten, beantragte der jeweilige Elternteil, ihm die Obsorge zu übertragen. Diese Anträge wurden bis zur Klärung der Wohnsituation vorläufig zurückgezogen.

 

Die Mutter beantragte, für die mj. M***** ab 1.4.1992 einen monatlichen Unterhalt von S 1.800 festzusetzen. Die Minderjährige befinde sich in ihrer Pflege und Erziehung; die mj. N***** und die mj. N***** seien gegen ihren Willen beim Vater.

 

Der Vater beantragte, den von der Mutter zu leistenden Unterhalt für die mj. M***** ab 1.11.1992, den für die mj. N***** ab 1.12.1992 und den für die mj. N***** ab 9.4.1993 mit je S 2.000 monatlich festzusetzen. Gleichzeitig beantragte er, ihn von seiner Unterhaltsleistung gegenüber der mj. N***** mit 1.12.1992 und gegenüber der mj. N***** mit 9.4.1993 zu entheben.

 

Seiner Information nach gehe die Mutter einer Arbeit nach; sollte das nicht zutreffen, so sei sie als junge, gesunde und arbeitsfähige Frau nach der Anspannungstheorie zur Unterhaltsleistung zu verpflichten.

 

Das Erstgericht erkannte Hermann M***** schuldig, als Vater der mj. M***** für die Zeit vom 1.4.1992 bis 31.10.1992 und ab 1.1.1993 bis auf weiteres, längstens jedoch bis zur Selbsterhaltungsfähigkeit, monatlich S 1.800 zu Handen der Mutter Helga R***** zu zahlen. Helga R***** wurde verpflichtet, zum Unterhalt der mj. M***** für die Zeit vom 1.11.1992 bis 31.12.1992 monatlich S 1.700, insgesamt daher S 3.400, zu Handen des Vaters Hermann M***** zu zahlen. Helga R***** wurde weiters schuldig erkannt, zum Unterhalt der mj. N***** ab 1.12.1992 und zum Unterhalt der mj. N***** ab 26.4.1993 bis auf weiteres, längstens jedoch bis zur Selbsterhaltungsfähigkeit, monatlich S 1.700 zu Handen des Vaters Hermann M***** zu zahlen. Hermann M***** wurde von seiner Unterhaltspflicht gegenüber der mj. N***** mit Ablauf des 30.11.1992 und gegenüber der mj. N***** mit Ablauf des 25.4.1993 enthoben. Seine Mehrbegehren wurden abgewiesen.

 

Der Vater sei aufgrund seines durchschnittlichen Nettoeinkommens und unter Berücksichtigung seiner Sorgepflichten für insgesamt drei Kinder in der Lage, den für die mj. M***** festgesetzten Unterhalt zu leisten. Er sei zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet, weil die mj. M***** Ende Dezember 1992 in den Haushalt der Mutter zurückgekehrt sei.

 

Die Mutter wäre auch vor Aufnahme ihrer Berufstätigkeit imstande gewesen, ein Einkommen in der nunmehr erreichten Höhe zu erzielen. Sie sei daher im Sinne der Anspannungstheorie auch für diesen Zeitraum zu Unterhaltsleistungen zu verpflichten.

 

Dieser Beschluß wurde von Hermann M***** nur soweit bekämpft, als er verpflichtet wurde, ab 1.5.1993 Unterhalt für die mj. M***** zu leisten.

 

Das Rekursgericht gab dem Rekurs des Vaters nicht Folge und sprach aus, daß der ordentliche Revisionsrekurs unzulässig sei. Das Rekursgericht wies darauf hin, daß die Mutter nach wie vor obsorgeberechtigt sei; ihr Einverständnis damit, daß sich die mj. M***** tagsüber im Haushalt des Vaters aufhalte und nur zum Schlafen in den Haushalt zurückkehre, sei nicht aktenkundig. Zur Frage, ob die Mutter ihr Einverständnis zur Erbringung irgendwelcher Leistungen in natura statt in Geld erteilt habe, sei nichts vorgebracht worden. Durch die Betreuung des Kindes durch den nicht obsorgeberechtigten Elternteil gegen den Willen des anderen Elternteils ändere sich nichts an der zwischen den Eltern bestehenden Pflichtenverteilung zur Leistung von Natural- und Geldunterhalt. Naturalleistungen könnten nur mit Zustimmung des obsorgeberechtigten Elternteils auf den Geldunterhalt angerechnet werden. Im vorliegenden Fall sei eine Zustimmung nicht behauptet worden und auch nicht hervorgekommen. Eine allenfalls vereinbarte Anrechnung müsse durch das Pflegschaftsgericht genehmigt werden.

 

Gegen diese Entscheidung richtet sich der außerordentliche Revisionsrekurs des Vaters mit dem Antrag, den angefochtenen Beschluß dahin abzuändern, daß er ab 1.5.1993 seiner Geldunterhaltsverpflichtung gegenüber der mj. M***** enthoben werde.

Rechtliche Beurteilung

 

Der Revisionsrekurs ist zulässig und im Sinne der Aufhebung der angefochtenen Entscheidung - daß kein Aufhebungsantrag gestellt wurde, schadet nicht (s RZ 1961, 140; EFSlg 37.247) - berechtigt.

 

Der Rechtsmittelwerber weist zutreffend darauf hin, daß die vom Rekursgericht zitierten Entscheidungen auf den vorliegenden Fall nicht anwendbar sind. Es geht nicht um die Frage, ob (nicht geschuldete) Naturalleistungen des Unterhaltspflichtigen auf den (geschuldeten) Geldunterhalt anzurechnen sind (EFSlg 58.880, EFSlg 65.027), sondern darum, wie der Unterhalt zu bemessen ist, wenn der Unterhaltsberechtigte von sich aus Naturalleistungen des Unterhaltspflichtigen in Anspruch nimmt, die über das hinausgehen, was üblicherweise vom nicht sorgeberechtigten Elternteil in natura geleistet wird. Dazu fehlt eine höchstgerichtliche Rechtsprechung.

 

Die mj. M***** ist tagsüber beim nicht sorgeberechtigten Vater, nur zum Schlafen kehrt sie in den Haushalt der Mutter zurück. Sie verbringt damit wesentlich mehr Zeit beim nicht sorgeberechtigten Elternteil, als dies üblich ist.

 

Der vorliegende Fall ist demnach ähnlich dem gelagert, in dem ein Besuchsrecht die übliche Dauer überschreitet. Ein solches Besuchsrecht kann nach ständiger Rechtsprechung (EFSlg 64.666 mwN) zu einer Reduzierung der Unterhaltsverpflichtung führen. Das gleiche muß gelten, wenn sich ein Kind tagsüber (ständig!) im Haushalt des nicht sorgeberechtigten Elternteiles aufhält. Auch in diesem Fall wird der sorgeberechtigte Elternteil nur einen Teil jener Aufwendungen haben, die der Geldunterhalt abgelten soll, so daß der Unterhaltsberechtigte zur Bestreitung seines vollständigen Unterhalts nur mehr eines geringeren Geldbetrages bedarf. In einem solchen Fall ist gemischter Unterhalt, bestehend aus Natural- und Geldleistung, zulässig (ÖA 1992, 91 ua).

 

Das Erstgericht hat nicht geprüft, ob und in welchem Ausmaß der Vater, bedingt durch den Aufenthalt der mj. M***** in seinem Haushalt, Naturalleistungen erbringt, die ansonsten der sorgeberechtigten Mutter oblägen. Es hat das Verfahren daher in diesem Sinn zu ergänzen. Erst danach kann beurteilt werden, ob und in welchem Ausmaß die Naturalleistungen des Vaters bei der Bemessung des Geldunterhalts zu berücksichtigen sind.

 

Dem Revisionsrekurs war Folge zu geben.

Anmerkung

E32766

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1994:0040OB00518.94.0215.000

Dokumentnummer

JJT_19940215_OGH0002_0040OB00518_9400000_000