Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für Präs1025/28 5Ob33/69 4O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0010271

Geschäftszahl

Präs1025/28; 5Ob33/69; 4Ob5/76; 4Ob12/77; 4Ob68/77 (4Ob69/77); 4Ob138/77; 4Ob36/78; 4Ob42/78; 8Ob503/80 (8Ob504/80); 4Ob43/81; 4Ob108/81; 7Ob748/83; 4Ob33/84; 3Ob548/84; 4Ob101/84; 14Ob112/86; 14Ob165/86 (14Ob166/86); 14Ob86/87; 9ObA99/87; 9ObA32/88; 2Ob644/87; 9ObA314/88; 9ObA63/90; 9ObA197/92 (9ObA198/92 -9ObA200/92); 8ObA226/92; 9ObA97/93; 9ObA119/93; 9ObA211/93; 2Ob9/96; 1Ob2267/96f; 1Ob1/98y; 9ObA295/98t; 10ObS278/99a; 10ObS234/00k; 8ObA289/01k; 8ObA176/02v; 9ObA53/05t; 9ObA151/09k; 9ObA168/13s; 9ObA46/14a; 8ObA9/16f; 8ObA45/16z; 9ObA135/16t; 8ObA18/17f; 9ObA89/17d

Entscheidungsdatum

23.04.1929

Norm

ABGB §326 B
ABGB §1431 B
ABGB §1437

Rechtssatz

Die von den Österreichischen Bundesbahnen an ihre Angestellten auf Grund irrtümlicher Berechnung des Ruhegenusses ausbezahlten Beträge können in dem Falle redlichen Verbrauches nicht zurückgefordert werden.

Entscheidungstexte

  • Präs 1025/28
    Entscheidungstext OGH 23.04.1929 Präs 1025/28
    Veröff: SZ 11/86 = Jud. Nr. 33
  • 5 Ob 33/69
    Entscheidungstext OGH 12.02.1969 5 Ob 33/69
    Beisatz: Die Rückstattung von irrtümlich angewiesenen Lohnbezügen kann dann nicht verlangt werden, wenn der Empfänger sie im guten Glauben erhalten und sie als redlicher Besitz verbraucht hat. Keine Gutgläubigkeit bei unverhältnismäßiger Höhe des ausbezahlten Betrages. (T1)
  • 4 Ob 5/76
    Entscheidungstext OGH 12.02.1969 4 Ob 5/76
    Beisatz: Provisionsbeträge (T2)
  • 4 Ob 12/77
    Entscheidungstext OGH 22.02.1977 4 Ob 12/77
    Beisatz: Überstundenentgelt bzw. Leistungszulage. (T3)
  • 4 Ob 68/77
    Entscheidungstext OGH 03.05.1977 4 Ob 68/77
    Beisatz: Dienstbezüge mit Unterhaltscharakter. (T4) Beis wie T1; Veröff: Ind 1978 2,1089
  • 4 Ob 138/77
    Entscheidungstext OGH 18.10.1977 4 Ob 138/77
    Beisatz: Rückforderung einer Treueprämie eines Vertreters. (T5)
  • 4 Ob 36/78
    Entscheidungstext OGH 13.06.1978 4 Ob 36/78
    Beisatz: Die irrtümlich erbrachte Leistung muß wenigstens wirtschaflich gesehen die Funktion haben, dem Lebensunterhalt des Empfängers zu dienen; die rechtliche Konstruktion des Verhältnisses zwischen dem Leistenden und dem Empfänger ist nicht ausschlaggebend. (T6) Veröff: ZAS 1979,170 = öRdA 1979,197 (mit Anm. v. Mayer-Maly) = SozM IA/e,1170
  • 4 Ob 42/78
    Entscheidungstext OGH 10.10.1978 4 Ob 42/78
    Auch; Beisatz: Unterbliebene Anrechnung eines Versorgungsgenusses auf Leistungen (Zusatzpension) nach Abschnitt VI Z 4 DOLWK. (T7)
  • 8 Ob 503/80
    Entscheidungstext OGH 24.04.1980 8 Ob 503/80
    Beis wie T4
  • 4 Ob 43/81
    Entscheidungstext OGH 19.05.1981 4 Ob 43/81
    Beis wie T1; Beis wie T4 Veröff: RdW 1982,112 (mit Anm. v. Wachter) = ZAS 1982,23 mit Anm. v. Runggaldier = JBl 1983,164 (vgl. dazu Steindl Kollekivverträge im Gesamtgefüge d. Rechtsordnung, JBl 1983,113) = Arb 10030
  • 4 Ob 108/81
    Entscheidungstext OGH 20.10.1981 4 Ob 108/81
    Vgl; Beisatz: Redlichkeit ist dem Arbeitnehmer aber schon dann abzusprechen, wenn er und zwar nicht nach seinen subjektiven Wissen, sondern bei objektiver Beurteilung - an der Rechtmäßigkeit des ihm (rechtsgrundlos) ausgezahlten Betrages auch nur zweifeln mußte; so wenn ihm eine beträchtliche Abfertigungssumme innerhalb weniger Tage zweimal in genau gleicher Höhe überwiesen wird. (T8) Veröff: DRdA 1983,178 (Wocker) = ZAS 1983,101 (Gippert) = Arb 10057
  • 7 Ob 748/83
    Entscheidungstext OGH 29.11.1983 7 Ob 748/83
    Auch; Beisatz: Billigkeitserwägungen; hier: Unterhaltszahlungen. (T9) Veröff: SZ 56/179 = EvBl 1984/69 S 269
  • 4 Ob 33/84
    Entscheidungstext OGH 26.06.1984 4 Ob 33/84
    Beis wie T1
  • 3 Ob 548/84
    Entscheidungstext OGH 13.06.1984 3 Ob 548/84
    Vgl auch; Veröff: ÖA 1985,83
  • 4 Ob 101/84
    Entscheidungstext OGH 28.10.1985 4 Ob 101/84
    Beis wie T1; Beis wie T4; Beis wie T6; Beisatz: Auch wenn der Rechtsgrund für die zunächst gesetzmäßige Auszahlung der strittigen Zuschlagsteile nachträglich durch eine Gesetzesänderung rückwirkend weggefallen ist, handelt es sich doch um zu Unrecht ausgezahlte Dienstbezüge; das Schutzbedürfnis des Arbeitnehmers ist hier das gleiche wie bei einer irrtümlichen Mehrleistung des Arbeitgebers. § 1437 ABGB, auf welchen die Nichtrückforderbarkeit gutgläubig empfangenen und verbrauchten Arbeitslohnes gestützt wird, gilt nicht nur für Ansprüche nach § 1431 ABGB, sondern ganz allgemein für sämtliche Kondiktionsansprüche. Die dem Jud 33 neu folgende Rechtsprechung wird nicht nur mit einem gewissen Schuldmoment auf die Seite des Arbeitgebers begündete; ihr liegt vielmehr vornehmlich der Gedanke zugrunde, daß bei gutgläubigem Verbrauch des Mehrbezuges von einer echten Bereicherung des Arbeitnehmers nicht mehr gesprochen werden kann. (T10) Veröff: ZAS 1987,12 (Zemen) = JBl 1986,603 = RdW 1986,22 = Arb 10,476 = DRdA 1988,145
  • 14 Ob 112/86
    Entscheidungstext OGH 15.07.1986 14 Ob 112/86
    Auch; Beis wie T1; Beis wie T8
  • 14 Ob 165/86
    Entscheidungstext OGH 04.11.1986 14 Ob 165/86
    Auch; Beisatz: Die Voraussetzungen treffen auf einen Vorschuß (Arb 9070) oder auf eigenmächtig zurückbehaltene Geldbeträge aber nicht zu. (T11)
  • 14 Ob 86/87
    Entscheidungstext OGH 01.07.1987 14 Ob 86/87
    Vgl; Beis wie T1; Beis wie T6; Beis wie T10; Beisatz: Der AN darf grundsätzlich darauf vertrauen, daß alle ihm von Seiten des AG zukommenden Leistungen ihm auch wirklich endgültig zustehen (hier: über das gebührende Ausmaß bezahlte Familienbeihilfe). Es ist im Hinblick auf § 328 ABGB Sache des kondizierenden AG, die Unredlichkeit des AN zu behaupten und zu beweisen. (T12) Veröff: SZ 60/136 = Arb 10639 = WBl 1987,340
  • 9 ObA 99/87
    Entscheidungstext OGH 16.12.1987 9 ObA 99/87
    Vgl; Veröff: JBl 1988,735 (zust. Müller)
  • 9 ObA 32/88
    Entscheidungstext OGH 16.03.1988 9 ObA 32/88
    Auch; Beisatz: (§ 48 ASGG) (T13); Beis wie T8; Beisatz: hier: Abfertigungsanspruch bei weitem übersteigender Betrag ausbezahlt. (T14)
  • 2 Ob 644/87
    Entscheidungstext OGH 25.10.1988 2 Ob 644/87
    Vgl auch; Veröff: JBl 1989,183 = SZ 61/218
  • 9 ObA 314/88
    Entscheidungstext OGH 25.01.1989 9 ObA 314/88
    Beis wie T6; Veröff: SZ 62/15 = ZAS 1989/23 S 177 (Luik)
  • 9 ObA 63/90
    Entscheidungstext OGH 14.03.1990 9 ObA 63/90
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Rückforderung bei Vereinbarung, daß Benützungsentgelt und Betriebskosten für Dienst- oder Werkswohnung einschließlich Umsatzsteuer vom Gehalt einbehalten werden. (T15) Beis wie T13
  • 9 ObA 197/92
    Entscheidungstext OGH 08.07.1992 9 ObA 197/92
    Beis wie T1 nur: Die Rückstattung von irrtümlich angewiesenen Lohnbezügen kann dann nicht verlangt werden, wenn der Empfänger sie im guten Glauben erhalten und sie als redlicher Besitz verbraucht hat. (T16); Beis wie T4; Beis wie T8 nur: Redlichkeit ist dem Arbeitnehmer aber schon dann abzusprechen, wenn er und zwar nicht nach seinen subjektiven Wissen, sondern bei objektiver Beurteilung - an der Rechtmäßigkeit des ihm (rechtsgrundlos) ausgezahlten Betrages auch nur zweifeln mußte. (T17) Beis wie T12 Beisatz: Gemäß §§ 1437, 326 ABGB ist derjenige Empfänger einer Nichtschuld als unredlich anzusehen, der weiß oder nach den Umständen wissen muß, daß ihm die Leistung nicht (mehr) gebührt. Hier: Kein Gutgläubiger Empfang und Verbrauch der nach Selbsterhaltungsfähigkeit der Kinder weiterbezogenen Familienzulage. (T18) Veröff: DRdA 1993,214 (Wachter) = WBl 1993,20
  • 8 ObA 226/92
    Entscheidungstext OGH 02.09.1992 8 ObA 226/92
    Beis wie T1; Beis wie T4; Beisatz: Für die Beurteilung, ob den DN eine Rückzahlungsverpflichtung trifft, ist allein entscheidend, ob dieser sowohl im Zeitpunkt des Empfanges als auch des Verbrauches des Überbezuges im gutem Glauben gewesen ist und gewesen sein durfte. Dabei wird der gute Glaube nicht nur durch auffallende Sorgelosigkeit des Empfängers ausgeschlossen, sondern die Redlichkeit des DN schon dann verneint, wenn er bei objektiver Beurteilung an der Rechtmäßigkeit des ihm ausgezahlten Betrages auch nur zweifeln mußte. Dafür ist der beklagte Dienstnehmer behauptungspflichtig und beweispflichtig. (T19) Veröff: DRdA 1993,225 (Trost)
  • 9 ObA 97/93
    Entscheidungstext OGH 19.05.1993 9 ObA 97/93
    Auch; Beis wie T4
  • 9 ObA 119/93
    Entscheidungstext OGH 11.08.1993 9 ObA 119/93
    Vgl auch; Beis wie T4; Beis wie T17; Beisatz: Damit, daß der Verfassungsgerichtshof die Bestimmung des § 8 Abs 2 BEinstG aufheben wird, muß der Arbeitnehmer nicht rechnen. (T20) Veröff: DRdA 1994,138 (Schnorr)
  • 9 ObA 211/93
    Entscheidungstext OGH 24.11.1993 9 ObA 211/93
    Auch; Beis wie T1; Beis wie T4; Beis wie T8; Beis wie T18; Veröff: SZ 66/156
  • 2 Ob 9/96
    Entscheidungstext OGH 29.02.1996 2 Ob 9/96
    Vgl auch; Beis wie T16; Beis wie T6; Beis wie T12 nur: Es ist im Hinblick auf § 328 ABGB Sache des kondizierenden AG, die Unredlichkeit des AN zu behaupten und zu beweisen. (T21); Beisatz: Die dem Judikat 33 neu folgende Rechtsprechung wird nicht nur mit einem gewissen Schuldelement auf der Seite des Zahlenden begründet, es liegt ihr vornehmlich vielmehr der Gedanke zugrunde, daß bei gutgläubigem Verbrauch von Unterhaltsleistungen von einer echten Bereicherung nicht gesprochen werden kann. (T22)
  • 1 Ob 2267/96f
    Entscheidungstext OGH 26.11.1996 1 Ob 2267/96f
    Vgl; Beisatz: Hier: Gutgläubig verbrauchte Unterhaltszahlungen. (T23)
  • 1 Ob 1/98y
    Entscheidungstext OGH 30.06.1998 1 Ob 1/98y
    Vgl; Beis wie T23
  • 9 ObA 295/98t
    Entscheidungstext OGH 24.02.1999 9 ObA 295/98t
    Vgl auch; Beis wie T16; Beis wie T17
  • 10 ObS 278/99a
    Entscheidungstext OGH 09.11.1999 10 ObS 278/99a
    Vgl aber; Beisatz: Keine Anwendung dieses Grundsatzes im Zusammenhang mit der in mehreren Sozialversicherungsgesetzen ausdrücklich geregelten Rückforderung zu Unrecht erbrachter Leistungen (§ 107 ASVG, § 76 GSVG, § 72 BSVG, § 49 B-KUVG, § 25 AlVG ua). (T24)
  • 10 ObS 234/00k
    Entscheidungstext OGH 14.11.2000 10 ObS 234/00k
    Vgl aber; Beis wie T24
  • 8 ObA 289/01k
    Entscheidungstext OGH 29.11.2001 8 ObA 289/01k
    Vgl; Beis wie T17; Beisatz: Bei der Beurteilung der Frage, ob der Empfänger unredlich war und die irrtümliche Zahlung nicht gutgläubig verbrauchen konnte, handelt es sich um einen Einzelfall. (T25)
  • 8 ObA 176/02v
    Entscheidungstext OGH 07.11.2002 8 ObA 176/02v
    Vgl; Beis wie T16; Beis wie T17; Beis wie T25; Beisatz: Hier: Rückforderung einer nach ausdrücklicher Ablehnung einer freiwilligen Abfertigung bei Arbeitnehmerkündigung irrtümlich als "gesetzliche Abfertigung" angewiesenen Zahlung. (T26)
  • 9 ObA 53/05t
    Entscheidungstext OGH 03.08.2005 9 ObA 53/05t
    Vgl auch; Beis wie T16; Beis wie T17; Veröff: SZ 2005/110
  • 9 ObA 151/09k
    Entscheidungstext OGH 03.03.2010 9 ObA 151/09k
    Vgl; Beisatz: Mangels gegenteiliger Anordnung im Kollektivvertrag (hier: Kollektivvertrag für Angestellte des Metallgewerbes) ist eine den entgeltfreien Zeiten auf Grund längeren Krankenstandes entsprechende anteilige Kürzung der Sonderzahlungen auch dann zulässig, wenn der Kollektivvertrag eine solche bloß für den Fall der Begründung oder Beendigung des Arbeitsverhältnisses während des Kalenderjahres ausdrücklich anordnet. Auch in diesem Fall kann der Rückverrechnung nicht der Einwand des gutgläubigen Verbrauchs entgegengehalten werden. (T27)
  • 9 ObA 168/13s
    Entscheidungstext OGH 26.02.2014 9 ObA 168/13s
    Vgl; Beis wie T12
  • 9 ObA 46/14a
    Entscheidungstext OGH 22.07.2014 9 ObA 46/14a
    Vgl auch; Beis ähnlich wie T1; Beisatz: Hier: Dienstverhältnis nach dem VBG 1948. (T28)
  • 8 ObA 9/16f
    Entscheidungstext OGH 27.04.2016 8 ObA 9/16f
    Auch; Beisatz: Der gute Glaube wird nicht nur durch auffallende Sorglosigkeit des Empfängers ausgeschlossen, sondern schon dann verneint, wenn er zwar nicht nach seinem subjektiven Wissen, aber bei objektiver Beurteilung an der Rechtmäßigkeit des ihm ausgezahlten Betrages auch nur zweifeln musste. (T29)
  • 8 ObA 45/16z
    Entscheidungstext OGH 30.08.2016 8 ObA 45/16z
    Auch; Beis wie T29
  • 9 ObA 135/16t
    Entscheidungstext OGH 26.01.2017 9 ObA 135/16t
    Auch; Beis ähnlich wie T12
  • 8 ObA 18/17f
    Entscheidungstext OGH 28.03.2017 8 ObA 18/17f
    Vgl auch; Beis wie T19; Beis wie T25; Beisatz: Der Arbeitgeber kann sich der ihn treffenden Beweislast für die fehlende Redlichkeit nicht schlechthin durch einen Vorbehalt bei der Zahlung entledigen; es müssen vielmehr darüber hinaus noch objektive Anhaltspunkte für einen Fehler vorliegen, sodass dem Arbeitnehmer tatsächlich Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Empfangenen kommen müssen. (T30)
  • 9 ObA 89/17d
    Entscheidungstext OGH 30.10.2017 9 ObA 89/17d
    Auch; Beis wie T17

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1929:RS0010271

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

10.01.2018

Dokumentnummer

JJR_19290423_OGH0002_000PRA01025_2800000_001

Rechtssatz für 4Ob102/85 4Ob159/85 9Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0064232

Geschäftszahl

4Ob102/85; 4Ob159/85; 9ObA32/88; 9ObA130/06t; 8ObA76/11a

Entscheidungsdatum

10.09.1985

Norm

KollV für das eisen- und metallverarbeitende Gewerbe ArtXX Z1

Rechtssatz

Der Lauf der Verfallsfrist beginnt grundsätzlich mit der Fälligkeit des betreffenden Anspruchs. Nur wenn dem Anspruchsberechtigten der tatsächliche Entstehungsgrund der betreffenden Forderung oder der Zeitpunkt ihrer Fälligkeit nicht bekannt ist, ist der Zeitpunkt des Bekanntwerdens solcher Umstände für den Beginn des Laufes der Fallfrist maßgebend. Das "Bekanntwerden" bezieht sich auf den jeweiligen Entgeltanspruch und nicht auf den von Anspruchsverpflichteten nicht erfüllten Teil eines dem Anspruchsberechtigten im Sinne der obigen Ausführungen bekannten Anspruchs. Die Fallfrist wird daher in der Regel spätestens mit der letzten Lohnauszahlung zu laufen beginnen.

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 102/85
    Entscheidungstext OGH 10.09.1985 4 Ob 102/85
    Veröff: RdW 1986,52
  • 4 Ob 159/85
    Entscheidungstext OGH 28.01.1986 4 Ob 159/85
    nur: Der Lauf der Verfallsfrist beginnt grundsätzlich mit der Fälligkeit des betreffenden Anspruchs. Nur wenn dem Anspruchsberechtigten der tatsächliche Entstehungsgrund der betreffenden Forderung oder der Zeitpunkt ihrer Fälligkeit nicht bekannt ist, ist der Zeitpunkt des Bekanntwerdens solcher Umstände für den Beginn des Laufes der Fallfrist maßgebend. Das "Bekanntwerden" bezieht sich auf den jeweiligen Entgeltanspruch und nicht auf den von Anspruchsverpflichteten nicht erfüllten Teil eines dem Anspruchsberechtigten im Sinne der obigen Ausführungen bekannten Anspruchs. (T1)
  • 9 ObA 32/88
    Entscheidungstext OGH 16.03.1988 9 ObA 32/88
    Auch; Veröff: RdW 1988,296
  • 9 ObA 130/06t
    Entscheidungstext OGH 20.12.2006 9 ObA 130/06t
    nur: Der Lauf der Verfallsfrist beginnt grundsätzlich mit der Fälligkeit des betreffenden Anspruchs. (T2)
  • 8 ObA 76/11a
    Entscheidungstext OGH 22.11.2011 8 ObA 76/11a
    nur T2

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1985:RS0064232

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

16.01.2012

Dokumentnummer

JJR_19850910_OGH0002_0040OB00102_8500000_002

Rechtssatz für 9ObA32/88

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0064240

Geschäftszahl

9ObA32/88

Entscheidungsdatum

16.03.1988

Norm

KollV für die eisen- und metallerzeugende und verarbeitende Industrie PktXX

Rechtssatz

Die in diesem KollV vorgesehene Verfallsfrist für alle gegenseitigen Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis gilt nicht für Bereicherungsansprüche.

Entscheidungstexte

  • 9 ObA 32/88
    Entscheidungstext OGH 16.03.1988 9 ObA 32/88
    Veröff: RdW 1988,296

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1988:RS0064240

Dokumentnummer

JJR_19880316_OGH0002_009OBA00032_8800000_001

Entscheidungstext 9ObA32/88

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

9ObA32/88

Entscheidungsdatum

16.03.1988

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Hon.-Prof. Dr. Kuderna als Vorsitzenden und durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Gamerith und Dr. Maier sowie die fachkundigen Laienrichter Mag. Dkfm. Reinhard Keibl und Alfred Klair als weitere Richter in der Arbeitsrechtssache der klagenden Partei W*** K*** und M*** Gesellschaft mbH, Wien 21., Siemensstraße 88, vertreten durch Dr. Michael Meyenburg, Rechtsanwalt in Wien, wider die beklagte Partei Robert H***, Starkstrommonteur, Wien 3., Steingasse 26/1/3/19, vertreten durch Josef R***, Sekretär der Gewerkschaft Metall, Bergbau, Energie, Wien 4., Plößlgasse 15, dieser vertreten durch Dr. Adolf Fiebich, Dr. Vera Kremslehner und Dr. Josef Milchram, Rechtsanwälte in Wien, wegen S 85.134,56 netto sA, infolge Revision der beklagten Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichtes Wien als Berufungsgerichtes in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 30. Oktober 1987, GZ 33 Ra 77/87-9, womit infolge Berufung der beklagten Partei das Urteil des Arbeits- und Sozialgerichtes Wien vom 2. März 1987, GZ 15 Cga 166/86-5, bestätigt wurde, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

Der Revision wird nicht Folge gegeben.

Die beklagte Partei ist schuldig, der klagenden Partei die mit S 4.243,80 (darin S 385,80 Umsatzsteuer) bestimmten Kosten des Revisionsverfahrens binnen 14 Tagen bei Exekution zu ersetzen.

Text

Entscheidungsgründe:

Rechtliche Beurteilung

Das Berufungsgericht hat die streitentscheidende Frage, ob der Beklagte verpflichtet ist, die irrtümlich erbrachte rechtsgrundlose Leistung zurückzuerstatten, richtig gelöst (vgl. Kuderna, DRdA 1978, 3 ff und 7 f; Strasser im ArbVG-Handkommentar § 2 Rz 5.3; Arb. 10.057 = DRdA 1983/11 = ZAS 1983/9 mwH; ZAS 1987/1 = JBl. 1986, 603; JBl. 1987, 513; WBl. 1987, 195; 14 Ob A 86/87 ua). Es reicht daher aus, auf die Richtigkeit der Begründung der angefochtenen Entscheidung hinzuweisen (§ 48 ASGG).

Ergänzend ist zur Revision des Beklagten auszuführen, daß die von Wachter in einer Entscheidungsbesprechung vertretene Rechtsansicht, daß Verfallsklauseln in Kollektivverträgen auch für bereicherungsrechtliche Ansprüche zu beachten seien (DRdA 1983, 180 ff, insbes. 184 ff), gerade im Anwendungsbereich des Kollektivvertrages für die eisen- und metallerzeugende und -verarbeitende Industrie keine Stütze findet. Nach Punkt XX des Kollektivvertrages müssen alle gegenseitigen Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis bei sonstigem Verfall innerhalb von 3 Monaten nach Fälligkeit bzw. Bekanntwerden mündlich oder schriftlich geltend gemacht werden (1). Als Fälligkeitstag gilt der Auszahlungstag für jene Lohnperiode, in welcher der Anspruch entstanden ist (2). Bei rechtzeitiger Geltendmachung bleibt die gesetzliche dreijährige Verjährungsfrist gewahrt (3). Es ergibt sich sohin schon aus dem in der systematischen Stellung der Verfallsnorm zum Ausdruck kommenden Sachzusammenhang (vgl. Geppert in ZAS 1983, 103 ff), daß nur der Verfall von typischen Ansprüchen aus dem Arbeitsverhältnis, die im wesentlichen schon aus dem sonstigen Inhalt des Kollektivvertrages oder des Einzelarbeitsvertrages herrühren, geregelt werden sollte. Dies bestätigt nicht nur die Bezugnahme auf eine Fälligkeit am Auszahlungstag in der "Lohnperiode", sondern auch der ausdrückliche Vorbehalt der Wahrung der gesetzlichen Verjährungsfrist von drei Jahren bei rechtzeitiger Geltendmachung, woraus eindeutig zu entnehmen ist, daß jedenfalls Bereicherungsansprüche, die einer 30jährigen Verjährung unterliegen (vgl. SZ 52/170 ua), von der kollektivvertraglichen Verfallsbestimmung nicht getroffen werden. Abgesehen davon wurde der Klägerin die irrtümliche Überzahlung nach den Feststellungen erst am 15. Oktober 1986 "bekannt", so daß die Geltendmachung ihres Rückforderungsanspruches mit und vor der am 5. Dezember 1986 eingebrachten Klage ohnehin innerhalb der Verfallsfrist erfolgte (4 Ob 102/85 und 4 Ob 159/85). Soweit sich die Rechtsrüge subsidiär gegen die Annahme der fehlenden Gutgläubigkeit des Beklagten bei Empfang und Verbrauch der Doppelzahlung richtet, geht sie nicht von den Feststellungen aus, nach denen der Beklagte wußte, daß er eine Abfertigung in Höhe von 4 Monatsbezügen erhalte und es ihm bekannt war, daß ihm ein seine Ansprüche bei weitem übersteigender Betrag ausgezahlt wurde. Da er bei seinem Anruf im Lohnbüro der Klägerin den Erhalt des Abfertigungsvorschusses von S 85.134,56 verschwieg, kann er sich auch nicht darauf berufen, er habe - objektiv gesehen - alles getan, um den Irrtum aufzuklären (vgl. Arb. 10.057).

Die Kostenentscheidung ist in den §§ 41 und 50 ZPO begründet.

Anmerkung

E13649

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1988:009OBA00032.88.0316.000

Dokumentnummer

JJT_19880316_OGH0002_009OBA00032_8800000_000