Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 4Ob76/79 4Ob104/80 4Ob1...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0018115

Geschäftszahl

4Ob76/79; 4Ob104/80; 4Ob143/80; 4Ob110/81; 14ObA5/87; 14ObA47/87; 9ObA74/87 (9ObA75/87); 9ObA131/88; 9ObA516/88; 9ObA101/89; 9ObA206/91; 9ObA249/91; 9ObA82/92; 9ObA601/93; 9ObA205/93; 9ObA30/94; 9ObA107/94; 9ObA803/94; 9ObA95/95 (9ObA96/95); 9ObA151/97i; 8ObA167/98m; 9ObA68/99m; 9ObA40/00y; 9ObA176/02a; 9ObA206/02p; 8ObA26/06s; 8ObS7/06x; 9ObA150/13v; 9ObA80/14a; 9ObA109/15t; 8ObA59/17k

Entscheidungsdatum

27.11.1979

Norm

ABGB §863 GI
ABGB §1152 E
ArbVG §29
KollVG §2 Abs2

Rechtssatz

Gibt nicht nur der Arbeitgeber, sondern auch die Gesamtheit der Arbeitnehmer durch ihr Verhalten eindeutig zu erkennen, dass sie sich an die Bestimmung einer unzulässigen Betriebsvereinbarung halten wolle, dann besteht kein Grund, an ihrer schlüssigen Unterwerfung unter die dort getroffenen Vereinbarungen und damit an einer entsprechenden Ergänzung der Einzelarbeitsverträge zu zweifeln. Dies gilt für die gesamten Bestimmungen einer so zum Bestandteil des Arbeitsvertrages gewordenen Betriebsvereinbarung. (Hier Erfolgsprämie - Böhler Edelstahlwerk).

Entscheidungstexte

  • 4 Ob 76/79
    Entscheidungstext OGH 27.11.1979 4 Ob 76/79
    Veröff: Arb 9832 = IndS 1980,1181 = JBl 1980,608 = DRdA 1983,85 (mit Besprechung von Steindl) = ZAS 1981,53
  • 4 Ob 104/80
    Entscheidungstext OGH 19.05.1981 4 Ob 104/80
    nur: Gibt nicht nur der Arbeitgeber, sondern auch die Gesamtheit der Arbeitnehmer durch ihr Verhalten eindeutig zu erkennen, daß sie sich an die Bestimmung einer unzulässigen Betriebsvereinbarung halten wolle, dann besteht kein Grund, an ihrer schlüssigen Unterwerfung unter die dort getroffenen Vereinbarungen und damit an einer entsprechenden Ergänzung der Einzelarbeitsverträge zu zweifeln. (T1)
    Beisatz: Auch bei konkludenter Begründung des Arbeitsverhältnisses kann der Arbeitnehmer von der betrieblichen Übung ausgehen und annehmen, dass die FREIE BETRIEBSVEREINBARUNG des ORF auch aus ihn in gleicher Weise und unter den gleichen Voraussetzungen angewendet wird, wie bei allen anderen vergleichbaren Arbeitskollegen. (T2)
    Veröff: SZ 54/75 = EvBl 1982/24 S 72 = ZAS 1982,10 mit Anmerkung Tomandl = DRdA 1982,191 (Anmerkung von Grasser) = JBl 1982,500 = Arb 9972
  • 4 Ob 143/80
    Entscheidungstext OGH 15.09.1981 4 Ob 143/80
    Beis wie T2
  • 4 Ob 110/81
    Entscheidungstext OGH 03.11.1981 4 Ob 110/81
    Ähnlich; nur T1
  • 14 ObA 5/87
    Entscheidungstext OGH 24.02.1987 14 ObA 5/87
    Vgl auch; Veröff: RdW 1987,236 = ZAS 1988,172 (Stöhr - Kohlmaier) = Arb 10609 = WBl 1987,217
  • 14 ObA 47/87
    Entscheidungstext OGH 07.04.1987 14 ObA 47/87
    nur T1; Beisatz: Für die Arbeitnehmerseite kann bei Betriebsvereinbarungen, die der Belegschaft nur Vorteile bringen, eine schlüssige Unterwerfung ohne weiteres angenommen werden. (T3)
    Veröff: RdW 1987,337 = DRdA 1988,124 (Strasser)
  • 9 ObA 74/87
    Entscheidungstext OGH 16.09.1987 9 ObA 74/87
    nur T1; Beis wie T2
  • 9 ObA 131/88
    Entscheidungstext OGH 12.10.1988 9 ObA 131/88
    Beisatz: Auf diese Weise in die Einzelarbeitsverträge eingeschlossene Regelungen unterliegen jedoch nicht der erhöhten Bestandsgarantie einer Betriebsvereinbarung; von einer solchen Regelung kann durch eine einvernehmliche Änderung des Arbeitsvertrages zwischen Arbeitgeber und dem einzelnen Arbeitnehmer abgegangen werden. (T4)
    Veröff: RdW 1989,279
  • 9 ObA 516/88
    Entscheidungstext OGH 11.01.1989 9 ObA 516/88
    Vgl auch
  • 9 ObA 101/89
    Entscheidungstext OGH 14.06.1989 9 ObA 101/89
    Vgl auch; Veröff: WBl 1990,23
  • 9 ObA 206/91
    Entscheidungstext OGH 23.10.1989 9 ObA 206/91
    nur T1; Beisatz: § 48 ASGG (T5)
  • 9 ObA 249/91
    Entscheidungstext OGH 29.01.1992 9 ObA 249/91
    Vgl auch; nur T1; Beisatz: Hier: Ruhegeldzusage (T6)
    Beis wie T5
  • 9 ObA 82/92
    Entscheidungstext OGH 27.05.1992 9 ObA 82/92
    Auch; Beisatz: Hat eine Partei nicht auf die Gültigkeit der Betriebsvereinbarung vertraut, kann auch die Kündigung der unzulässigen Betriebsvereinbarung durch sie schon aus diesem Grund keine Wirkung auf die zum Inhalt der Einzelarbeitsverträge gewordene (Gehalts) Regelung haben. (T7)
    Veröff: WBl 1992,332 = DRdA 1993,24 (Kerschner)
  • 9 ObA 601/93
    Entscheidungstext OGH 14.04.1993 9 ObA 601/93
    nur T1; Beisatz: Für den Umfang der Vertragsergänzung sind die faktische Leistungserbringung und deren Begleitumstände als Substrat des konkludenten Arbeitgeberoffertverhaltens maßgebend. (T8)
    Veröff: SZ 66/48
  • 9 ObA 205/93
    Entscheidungstext OGH 22.09.1993 9 ObA 205/93
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Ständige Zahlung eines über den Ansätzen des maßgebenden KollV liegenden Gehaltes auf der Grundlage einer solchen unzulässigen Betriebsvereinbarung. (T9)
    Veröff: SZ 66/117
  • 9 ObA 30/94
    Entscheidungstext OGH 23.02.1994 9 ObA 30/94
    Vgl auch; nur T1; Beis wie T8; Beis wie T5
  • 9 ObA 107/94
    Entscheidungstext OGH 14.09.1994 9 ObA 107/94
    Auch; nur T1; Beis wie T2; Beis wie T7; Beis wie T5
  • 9 ObA 803/94
    Entscheidungstext OGH 11.01.1995 9 ObA 803/94
    Vgl auch; nur T1; Beisatz: Hier: Freie Betriebsvereinbarung des ORF (T10)
  • 9 ObA 95/95
    Entscheidungstext OGH 12.07.1995 9 ObA 95/95
    Vgl auch; Beis wie T5
  • 9 ObA 151/97i
    Entscheidungstext OGH 22.10.1997 9 ObA 151/97i
    Vgl auch; Beisatz: Hier: Verneint (T11)
    Veröff: SZ 70/217
  • 8 ObA 167/98m
    Entscheidungstext OGH 06.07.1998 8 ObA 167/98m
    Auch; nur T1; Beisatz: Vertragsergänzung auch bei jenen Arbeitnehmern, welche die herrschende Übung als Grundlage auch ihrer Rechtsbeziehungen zum Arbeitgeber akzeptiert haben und daher annehmen konnten, daß die vom Arbeitgeber allgemein angewendete unzulässige Regelung der Betriebsvereinbarung in gleicher Weise und unter den gleichen Voraussetzungen wie bei allen anderen vergleichbaren Arbeitnehmern auch auf sie angewendet wird (Arb 11.240 mwN). (T12); Beisatz: Hier: Regelung der Betriebsvereinbarung zwischen den Parteien daher verbindlich. (T13)
  • 9 ObA 68/99m
    Entscheidungstext OGH 09.07.1999 9 ObA 68/99m
    Vgl auch; Beisatz: Ist eine solche "Betriebsvereinbarung" durch schlüssiges Verhalten zum Bestandteil der vom Arbeitgeber mit seinen Arbeitnehmern geschlossenen Einzeldienstverträge geworden, dann müssen die Arbeitnehmer auch für sie ungünstige Vertragsbedingungen gegen sich gelten lassen. (T14)
  • 9 ObA 40/00y
    Entscheidungstext OGH 05.04.2000 9 ObA 40/00y
    Beis wie T7
  • 9 ObA 176/02a
    Entscheidungstext OGH 04.12.2002 9 ObA 176/02a
    Vgl auch; Beis wie T8
  • 9 ObA 206/02p
    Entscheidungstext OGH 18.12.2002 9 ObA 206/02p
    Vgl auch; nur T1
  • 8 ObA 26/06s
    Entscheidungstext OGH 11.05.2006 8 ObA 26/06s
    Vgl; Beisatz: Dient ein „Arbeits- und lohnrechtliches Übereinkommen" bloß als Vertragsschablone, steht es den Parteien frei, die Geltung eines solchen „Arbeits- und lohnrechtlichen Übereinkommens" nur in dem Umfang zu vereinbaren, in dem nicht im Dienstvertrag abweichende Sonderregeln getroffen werden. (T15)
  • 8 ObS 7/06x
    Entscheidungstext OGH 13.07.2006 8 ObS 7/06x
    Auch; Beisatz: Unabhängig von Wissen oder Nichtwissen der Einzelvertragsparteien über die Unzulässigkeit der Betriebsvereinbarung kann deren Inhalt in den Einzelvertrag eingehen. (T16)
  • 9 ObA 150/13v
    Entscheidungstext OGH 29.01.2014 9 ObA 150/13v
    Auch
  • 9 ObA 80/14a
    Entscheidungstext OGH 25.02.2015 9 ObA 80/14a
    Auch; Veröff: SZ 2015/12
  • 9 ObA 109/15t
    Entscheidungstext OGH 28.10.2015 9 ObA 109/15t
  • 8 ObA 59/17k
    Entscheidungstext OGH 20.12.2017 8 ObA 59/17k
    Auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1979:RS0018115

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

16.03.2018

Dokumentnummer

JJR_19791127_OGH0002_0040OB00076_7900000_002

Rechtssatz für 14ObA47/87 9ObA74/87 (9O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0050956

Geschäftszahl

14ObA47/87; 9ObA74/87 (9ObA75/87); 9ObA107/94; 9ObA151/97i; 8ObA150/97k; 8ObA167/98m; 8ObA170/02m; 9ObA68/05y; 8ObS7/06x

Entscheidungsdatum

07.04.1987

Norm

ArbVG §29

Rechtssatz

Mündliche Vereinbarungen zwischen Belegschaft und Betriebsinhaber sind, mögen sie sich auch auf zulässige Gebrauchsgegenstände gemäß § 97 Abs 1 ArbVG beziehen, keine Betriebsvereinbarungen. Ihre rechtliche Bedeutung richtet sich - so wie die von Vereinbarungen über unzulässige Regelungsgegenstände, die als Betriebsvereinbarung nichtig sind - nach allgemeinen bürgerlich - rechtlichen Grundsätzen.

Entscheidungstexte

  • 14 ObA 47/87
    Entscheidungstext OGH 07.04.1987 14 ObA 47/87
    Veröff: RdW 1987,337 = DRdA 1988,124 (Strasser)
  • 9 ObA 74/87
    Entscheidungstext OGH 16.09.1987 9 ObA 74/87
    Vgl auch; Beisatz: Dies gilt auch bei Vereinbarungen über unzulässige Regelungsgegenstände; auch eine solche Vereinbarung kann die Grundlage für einzelvertragliche Ergänzungen gemäß § 863 ABGB abgeben. (T1)
  • 9 ObA 107/94
    Entscheidungstext OGH 14.09.1994 9 ObA 107/94
    Auch; nur: So wie die von Vereinbarungen über unzulässige Regelungsgegenstände, die als Betriebsvereinbarung nichtig sind. (T2)
  • 9 ObA 151/97i
    Entscheidungstext OGH 22.10.1997 9 ObA 151/97i
    Vgl auch; Beis wie T1 Veröff: SZ 70/217
  • 8 ObA 150/97k
    Entscheidungstext OGH 26.02.1998 8 ObA 150/97k
    Auch; nur T2; Veröff: SZ 71/45
  • 8 ObA 167/98m
    Entscheidungstext OGH 06.07.1998 8 ObA 167/98m
    Vgl auch; Beis wie T1; Beisatz: Hier: Auf Grund des in der Gewährung eines Treuegeldes liegenden Erklärungsverhaltens des Arbeitgebers und der anzunehmenden schlüssigen Zustimmung der Arbeitnehmer ist eine entsprechende Ergänzung der Einzelarbeitsverträge erfolgt. (T3)
  • 8 ObA 170/02m
    Entscheidungstext OGH 23.01.2003 8 ObA 170/02m
    Beis wie T1
  • 9 ObA 68/05y
    Entscheidungstext OGH 16.12.2005 9 ObA 68/05y
    Auch; Beisatz: Dieser Grundsatz muss auch für Vereinbarungen über die Änderung einer Betriebsvereinbarung gelten. Damit besteht aber kein Anlass, Vereinbarungen über die Änderung des zeitlichen Geltungsbereichs der Betriebsvereinbarung vom Schriftlichkeitsgebot auszunehmen. (T4)
  • 8 ObS 7/06x
    Entscheidungstext OGH 13.07.2006 8 ObS 7/06x
    Auch; nur: Vereinbarungen über unzulässige Regelungsgegenstände sind als Betriebsvereinbarung nichtig. Ihre rechtliche Bedeutung richtet sich nach allgemeinen bürgerlich rechtlichen Grundsätzen. (T5)

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1987:RS0050956

Dokumentnummer

JJR_19870407_OGH0002_014OBA00047_8700000_002

Rechtssatz für 14ObA47/87 9ObA74/87 (9O...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0050978

Geschäftszahl

14ObA47/87; 9ObA74/87 (9ObA75/87); 8ObA167/98m

Entscheidungsdatum

07.04.1987

Norm

ArbVG §29

Rechtssatz

Gehen die Parteien unrichtigerweise von der Gültigkeit und Verbindlichkeit einer Absprache als Betriebsvereinbarung aus, so kann im Wege objektiver Vertragsergänzung regelmäßig erschlossen werden, daß sie, wenn ihnen die Unwirksamkeit der vermeintlichen Norm bewußt gewesen wäre, den Vertrag zu den tatsächlich gepflogenen Bedingungen fortgesetzt hätten. Auf langjährige Übung kommt es dann nicht an.

Entscheidungstexte

  • 14 ObA 47/87
    Entscheidungstext OGH 07.04.1987 14 ObA 47/87
    Veröff: RdW 1987,337 = DRdA 1988,124 (Strasser)
  • 9 ObA 74/87
    Entscheidungstext OGH 16.09.1987 9 ObA 74/87
  • 8 ObA 167/98m
    Entscheidungstext OGH 06.07.1998 8 ObA 167/98m
    Auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1987:RS0050978

Dokumentnummer

JJR_19870407_OGH0002_014OBA00047_8700000_003

Rechtssatz für 9ObA74/87 (9ObA75/87)

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0028271

Geschäftszahl

9ObA74/87 (9ObA75/87)

Entscheidungsdatum

16.09.1987

Norm

AngG §16 II
AngG §23 IB

Rechtssatz

Die Erklärung, daß die Betriebsangehörigen "mit allen bisherigen Rechten und Pflichten übernommen werden" ist ident mit dem Begriff der "Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses" und bedeutet, daß die beim früheren Arbeitgeber zugebrachte Dienstzeit für alle nach der Dauer des Arbeitsverhältnisses zu berechnenden Ansprüche zu berücksichtigen ist.

Entscheidungstexte

  • 9 ObA 74/87
    Entscheidungstext OGH 16.09.1987 9 ObA 74/87

Schlagworte

SW: Angestellte, besondere Entlohnung, periodische Remuneration, Entgelt, Lohn, Gehalt, Abfertigung, Urlaub, Dienstjahre, Anrechnung, Bemessung, Berechnung, Übernahme, Höhe

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1987:RS0028271

Dokumentnummer

JJR_19870916_OGH0002_009OBA00074_8700000_001

Entscheidungstext 9ObA74/87 (9ObA75/87)

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

9ObA74/87 (9ObA75/87)

Entscheidungsdatum

16.09.1987

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Hofrat des Obersten Gerichtshofes Hon.-Prof. Dr. Kuderna als Vorsitzenden und durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Gamerith und Dr. Maier sowie die fachkundigen Laienrichter Mag. Dr. Pipin Henzl und Ferdinand Rodinger als weitere Richter in den zur gemeinsamen Verhandlung und Entscheidungen verbundenen Arbeitsrechtssachen der klagenden Parteien 1. Monika G***, Angestellte, Melk, Rathausplatz 4,

2. Erika R***, Angestellte, Aggsbach, Schönbühel 55, beide vertreten durch Dr. Georg Grießer, Rechtsanwalt in Wien, wider die beklagten Parteien 1. prot. Firma Karl Z***, Metallwarenfabriken, Wieselburg, Scheibbserstraße 17, 2. M*** G*** MBH,

Wieselburg, Scheibbserstraße 17, beide vertreten durch Dr. Herbert Hofbauer und Dr. Peter Krömer, Rechtsanwälte in St. Pölten, wegen je S 7.200,-- brutto sA, infolge Revision der beklagten Parteien gegen das Urteil des Oberlandesgerichtes Wien als Berufungsgerichtes in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom 31.März 1987, GZ 31 Ra 9/87-19, womit infolge Berufung der beklagten Parteien das Urteil des Arbeitsgerichtes Amstetten vom 2.Juni 1986, GZ Cr 3/86-13, bestätigt wurde, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

Der Revision wird nicht Folge gegeben.

Die Beklagten sind zur ungeteilten Hand schuldig, den Klägerinnen die mit S 2.603,37 (darin S 236,67 Umsatzsteuer) bestimmten Kosten des Revisionsverfahrens binnen 14 Tagen bei Exekution zu ersetzen.

Text

Entscheidungsgründe:

Die Erstklägerin war im Werk B*** der Erstbeklagten einer Kommanditgesellschaft, seit 17.Juli 1981 als Lohnverrechnerin angestellt. Die Zweitklägerin trat am 27.Juli 1955 bei der Erstbeklagten als Lehrling ein und war dann ebenfalls im Werk B*** als Angestelllte beschäftigt. Im Zuge eines Ausgleichsverfahrens wurden beide Klägerinnen zum 30.September 1981 gekündigt. Da aber das Unternehmen fortgeführt werden sollte, schloß der Ausgleichsverwalter mit den Klägerinnen vorerst befristete Dienstverträge vom 1.Oktober bis 31.Dezember 1981, die in der Folge bis 31.März 1982 verlängert wurden und schließlich wieder in unbefristete Dienstverträge übergingen. Das Werk B*** wurde stillgelegt und beide Klägerinnen wurden in das Werk W*** überstellt. Das Ausgleichsverfahren wurde aufgehoben und die Zweitbeklagte, deren Geschäftsführer Konsul Dr. M*** ist, trat als persönlich haftende Gesellschafterin in die Erstbeklagte ein. Mit den vorliegenden Klagen verlangen die Klägerinnen je S 7.200,-- an der Höhe nach unbestrittenen Treueprämie für die Zeit von September 1983 bis März 1986. Den aus dem Werk B*** übernommenen Angestellten seien die Vordienstzeiten angerechnet worden. Auf Grund einer Betriebsvereinbarung hätten sich die Beklagten zur Zahlung der Prämien verpflichtet und diese tatsächlich schon dreimal ausgezahlt.

Die Beklagten beantragten, die Klage abzuweisen. Eine Betriebsvereinbarung, die inzwischen schon aufgekündigt worden sei, habe nur für das Werk B*** bestanden. Überdies sei mit den Klägerinnen, nachdem sie abgefertigt worden seien, an der Betriebsstätte W*** ein neues Dienstverhältnis begründet worden, so daß sie mangels fünfjähriger Beschäftigungsdauer die Voraussetzungen für eine Prämiengewährung nicht erfüllten. Das Erstgericht gab dem Klagebegehren statt. Es vertrat die Rechtsauffassung, daß hinsichtlich des Werkes B*** zwar keine Betriebsvereinbarung bestanden habe, wohl aber eine schriftliche Zusage der Unternehmensleitung, weshalb die Verpflichtung zur Zahlung von Treueprämien deshalb und auch auf Grund der jahrelangen Leistung Inhalt der Arbeitsverträge geworden sei. Der Geschäftsführer der Zweitbeklagten Dr. M*** habe ausdrücklich erklärt, daß alle Beschäftigten mit allen Rechten und Pflichten übernommen werden. Da die Treueprämien auch in der Folge durch eineinhalb Jahre noch dreimal ausgezahlt worden seien, sei die Erstbeklagte in die seinerzeitige Zusage der Unternehmensleitung stillschweigend eingetreten.

Das Berufungsgericht bestätigte diese Entscheidung und sprach aus, daß die Revision zulässig sei. Es hielt folgenden im Berufungsverfahren ergänzten Sachverhalt für wesentlich:

Zwischen dem Angestelltenbetriebsrat des Werkes W*** und der Erstbeklagten wurde am 22.März 1976 eine schriftliche Betriebsvereinbarung abgeschlossen, nach der sich die Erstbeklagte verpflichtete, jedem Angestellten des Werks W*** nach einer ununterbrochenen Betriebszugehörigkeit von fünf Jahren eine Treueprämie von monatlich S 200,-- in zwei Halbjahresraten zu je S 1.200,-- zu zahlen. Für das Werk B*** gab es keinen Betriebsrat. Da aber auch die dort Beschäftigten gleich behandelt werden sollten, schloß die Erstbeklagte mit dem Betriebsleiter des Werkes B*** am 23.März 1976 eine ebenfalls als Betriebsvereinbarung bezeichnete schriftliche Übereinkunft gleichen Inhalts. Diese Treueprämien wurden den Angestellten regelmäßig ausgezahlt.

Auf Grund der Kündigung durch den Ausgleichsverwalter erhielten die Klägerinnen ihr bis zum 30.September 1981 fällig gewordenes Entgelt einschließlich der Abfertigung vom Insolvenzentgeltsicherungsfonds. Der Geschäftsführer der Zweitbeklagten, Dr. M***, erklärte nach Übernahme der Erstbeklagten durch die Zweitbeklagte in einer Betriebsversammlung in Wieselburg im Februar oder März 1982, daß er sämtliche bisherigen Betriebsangehörigen mit allen bisherigen Rechten und Pflichten übernehme und weiterbeschäftige. Zum Abschluß neuer schriftlicher Arbeitsverträge kam es nicht. Im März 1982, sohin schon nach erfolgter Betriebsübernahme wurden die Treueprämien pünktlich ausgezahlt. Nach einem am 1.Oktober 1982 unter Verwendung von Formularblättern verfaßten Zusatz zum Dienstzettel der Erstklägerin wurde der Beginn des Anspruches auf Abfertigung mit 1.Oktober 1981 festgelegt, für den Urlaubsanspruch jedoch die Zeit ihrer Beschäftigung im Werk B*** einbezogen.

Der Prokurist Othmar S***, der die laufenden Geschäfte der Erstbeklagten führt und regelmäßig als Vertreter der Unternehmensleitung auftritt, ersuchte im Verlaufe des Jahres 1982 den Angestelltenbetriebsrat, die im September 1982 fällig werdenden Treueprämien vorläufig zu stunden. Ohne daß es zu einer ausdrücklichen Vereinbarung gekommen wäre, zeigte sich der Angestelltenbetriebsrat damit einverstanden. Mit einem an den Angestelltenbetriebsrat gerichteten Schreiben vom 28.Dezember 1982 kündigte der Prokurist Othmar S*** im Auftrag der Erstbeklagten die bestehenden Betriebsvereinbarungen mit Ausnahme einer die wöchentliche Arbeitszeit regelnden Betriebsvereinbarung unter Einhaltung einer Frist von drei Monaten auf. Über Aufforderung des Angestelltenbetriebsrats zahlte die Erstbeklagte die im September 1982 und März 1983 fällig gewordenen Treueprämien vorbehaltslos auch an die Klägerinnen aus. Seither wurden keine Prämien mehr geleistet.

Das Berufungsgericht vertrat die Rechtsauffassung, daß die Verpflichtung des Arbeitgebers zur Zahlung von Treueprämien zulässiger Inhalt einer Betriebsvereinbarung im Sinne des § 97 Abs 1 Z 15 ArbVG sein könne. Für die Beschäftigten des Werkes W*** der Erstbeklagten habe daher eine gültige Betriebsvereinbarung vorgelegen, deren Wirksamkeit gemäß § 31 Abs 4 ArbVG durch die Veräußerung des Betriebes nicht berührt worden sei und die auf die durch sie erfaßten Arbeitsverhältnisse gemäß § 32 Abs 3 ArbVG noch so lange anzuwenden sei, bis eine neue Betriebsvereinbarung oder eine Einzelvereinbarung mit den betroffenen Arbeitnehmer abgeschlossen worden sei.

Mit den Klägerinnen seien am 1.Oktober 1981 neue Arbeitsverhältnisse abgeschlossen worden, doch könnten diese nicht losgelöst von den vorher bestandenen Arbeitsverhältnissen betrachtet werden. Es seien zwar ihre Abfertigungsansprüche bis zu diesem Zeitpunkt befriedigt worden, doch sei etwa für den Urlaubsanspruch die Dauer der Beschäftigung im Werk B*** angerechnet worden. Weiters habe die Erstbeklagte durch die Auszahlung der im März 1982, September 1982 und März 1983 fälligen Treueprämien eindeutig zum Ausdruck gebracht, daß sie hinsichtlich dieser Verpflichtung von einer Fortwirkung des Arbeitsverhältnisses ausgehe. Durch diese Vorgangsweise habe die Erstbeklagte klargestellt, daß sich die Erklärung des Geschäftsführers der Zweitbeklagten Dr. M*** vom März 1982, die Arbeitsverhältnisse würden mit allen Rechten und Pflichten übernommen, sich auch auf die Anrechnung der Vordienstzeiten in bezug auf die Treueprämien beziehen sollte. Obwohl für das Werk B*** keine Betriebsvereinbarung zustande gekommen sei, habe doch eine entsprechende Zusage der Betriebsleitung bestanden und die Treueprämien seien jahrelang ausgezahlt und von den Klägerinnen entgegengenommen worden. Gehe man von der erwähnten Fortwirkung der früheren Arbeitsverhältnisse und der dreimaligen Auszahlung der Treueprämien aus, hätten die Klägerinnen auch ohne eine wirksame Betriebsvereinbarung einen Anspruch auf den Bezug der Treueprämien schon auf Grund ihrer Einzelverträge auch für die Zukunft erworben.

Gegen dieses Urteil richtet sich die Revision der Beklagten aus dem Grunde der unrichtigen rechtlichen Beurteilung mit dem Antrag, die Entscheidungen der Vorinstanzen im Sinne einer Abweisung der Klagebegehren abzuändern. Hilfsweise wird ein Aufhebungsantrag gestellt.

Die Klägerinnen beantragten in ihrer Revisionsbeantwortung, der Revision nicht Folge zu geben.

Rechtliche Beurteilung

Die Revision ist nicht berechtigt.

Die Beklagten vertreten weiterhin im wesentlichen die Ansicht, daß im Werk W*** der Erstbeklagten keine zulässige, sondern nur eine sogenannte "freie" Betriebsvereinbarung zustande gekommen sei, weil es sich bei den geltend gemachten Treueprämien nicht um einmalige, sondern um regelmäßig wiederkehrende Zuwendungen mit Entgeltcharakter gehandelt habe, deren Regelung dem Kollektivvertrag vorbehalten sein müsse. Als Grundlage für die Ergänzung der Arbeitsverträge der Klägerinnen im Sinne des § 863 ABGB reiche andererseits eine nur dreimal gewährte Zuwendung nicht hin, zumal sich die Einrechnung der Vordienstzeiten hinsichtlich des Urlaubsanspruches schon auf § 3 Abs 1 UrlG gründe.

Nach den maßgeblichen Feststellungen erfolgte die Überstellung der Klägerinnen in das Werk W*** der Beklagten, für welches eine Betriebsvereinbarung über die Gewährung von Treueprämien abgeschlossen worden war, noch zu einem Zeitpunkt als diese Betriebsvereinbarung nicht aufgekündigt war. Es kann daher dahingestellt bleiben, ob die Vereinbarung vom 22.März 1976 als Betriebsvereinbarung im Sinne des § 29 ArbVG

(§ 97 Abs 1 Z 15 ArbVG) anzusehen ist (Cerny in FS Strasser 503; Arb. 10.039), da auch Vereinbarungen über unzulässige Regelungsgegenstände, die als Betriebsvereinbarung nichtig sind, nach den allgemeinen Regeln des Zivilrechts Bedeutung erlangen (Strasser in Floretta-Strasser, Kommentar zum ArbVG 169; Strasser in Floretta-Spielbüchler-Strasser Arbeitsrecht2 II 322). Für die bürgerlich-rechtliche Beurteilung solcher Vereinbarungen kann der dem einzelnen Arbeitnehmer bekanntgegebene und von ihm stillschweigend zur Kenntnis genommene Inhalt ebenso wie der tatsächlich beachtete Inhalt insofern bedeutsam werden, als er die Grundlage für einzelvertragliche Ergänzungen gemäß § 863 ABGB abgeben kann (Arb. 9.972 mwH). Gibt nicht nur der Arbeitgeber, sondern auch die Gesamtheit der Arbeitnehmer durch ihr Verhalten eindeutig zu erkennen, daß sie sich an die Bestimmungen einer unzulässigen Betriebsvereinbarung halten wollen, dann besteht kein Grund, an ihrer schlüssigen Unterwerfung unter die dort getroffene Vereinbarung und damit an einer entsprechenden Ergänzung der Einzelarbeitsverträge zu zweifeln (Arb. 8.802, 9.832 ua). Auf Seiten der Erstbeklagten, die nach wie vor Arbeitgeberin der Klägerinnen war, lag ein ausdrücklich erklärter Bindungswille vor und beide Teile sind unbestritten von der Gültigkeit und Verbindlichkeit der Absprache als Betriebsvereinbarung ausgegangen. Es kann daher im Weg objektiver Vertragsergänzung erschlossen werden, daß sie, wenn ihnen die allfällige Unwirksamkeit der vermeintlichen Norm bewußt gewesen wäre, den Vertrag zu den tatsächlich gepflogenen Bedingungen fortgesetzt hätten (Strasser in Floretta-Spielbüchler-Strasser aaO 325 unter Berufung auf Rummel in ZAS 1981, 55 f). Auf langjährige Übung kommt es dann nicht an (Rummel aaO; 14 Ob A 47/87).

Der weitere Einwand der Beklagten, die Klägerinnen hätten auf Grund des Neubeginns ihrer Arbeitsverhältnisse mit 1.Oktober 1981 die Anspruchsvoraussetzungen für die Gewährung von Treueprämien nicht erfüllt, übersieht, daß der Geschäftsführer der Zweitbeklagten Dr. M*** nach der Betriebsübernahme die ausdrückliche Erklärung abgegeben hatte, daß er die Betriebsangehörigen "mit allen bisherigen Rechten und Pflichten übernehme". Diese Formulierung ist ident mit dem Begriff der "Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses" und bedeutet, daß die beim früheren Arbeitgeber zugebrachte Dienstzeit für alle nach der Dauer des Arbeitsverhältnisses zu berechnenden Ansprüche zu berücksichtigen ist (Martinek-Schwarz AngG6 474). Da die Erstbeklagte lediglich hinsichtlich der Abfertigung einen Vorbehalt machte, durften die Klägerinnen mit Recht annehmen, es werde ihnen hinsichtlich aller übrigen dienstzeitabhängigen Ansprüche die bei der Erstbeklagten vor der Kündigung verbrachten Arbeitszeiten angerechnet (Martinek-Schwarz aaO 451; 10.139 ua). Dieses objektive Erklärungsverhalten des Arbeitgebers wurde im vorliegenden Fall noch dadurch verstärkt, daß die Erstbeklagte der auf die Vereinbarung vom 22.März 1976 zurückgehenden Verpflichtung zur Zahlung von Treueprämien zu den Fälligkeitsterminen März 1982, September 1982 und März 1983 vorbehaltlos nachgekommen ist. Das Berufungsgericht hat daher richtig erkannt, daß beide Teile diesbezüglich von einer Fortwirkung des früheren Arbeitsverhältnisses ausgegangen sind und daß den Klägerinnen für ihren Anspruch auf Treueprämie die Vordienstzeiten anzurechnen sind. Die Kostenentscheidung gründet sich auf die §§ 50 und 41 ZPO.

Anmerkung

E12158

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1987:009OBA00074.87.0916.000

Dokumentnummer

JJT_19870916_OGH0002_009OBA00074_8700000_000