Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 8Ob60/72 4Ob509/73 5Ob1...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0017049

Geschäftszahl

8Ob60/72; 4Ob509/73; 5Ob150/73; 7Ob72/74; 6Ob221/74; 6Ob87/75; 4Ob623/75; 4Ob582/75; 5Ob200/75; 1Ob545/76; 7Ob595/77; 7Ob70/77; 7Ob754/78; 1Ob522/79; 8Ob608/78; 1Ob18/79; 6Ob747/79; 6Ob532/80; 4Ob567/79; 1Ob587/81; 6Ob781/80; 8Ob37/81; 4Ob501/81; 6Ob769/80 (6Ob770/80); 4Ob587/81; 3Ob666/81; 7Ob537/82; 4Ob552/82; 1Ob827/82; 1Ob662/83; 8Ob130/83; 1Ob748/83; 2Ob591/83; 1Ob643/84 (1Ob644/84); 2Ob560/84; 8Ob76/84; 1Ob666/85; 1Ob23/86; 1Ob43/86; 7Ob33/87; 4Ob547/87; 2Ob593/88; 5Ob518/89; 8Ob528/89; 8Ob606/89; 1Ob39/89; 1Ob603/90; 8Ob38/90; 7Ob636/91; 10Ob509/95; 2Ob2026/96x; 3Ob382/97s; 8Ob56/98p; 7Ob167/98d; 6Ob115/99a; 4Ob218/99h; 7Ob156/01v; 3Ob286/00f; 1Ob152/02p; 9ObA243/02d; 6Ob249/03s; 8ObA100/04w; 7Ob245/05p; 6Ob15/06h; 7Ob278/05s; 9ObA46/06i; 7Ob73/06w; 3Ob232/05x; 9ObA159/05f; 2Ob265/06v; 4Ob137/07m; 9ObA72/07i; 9ObA86/07y; 9ObA87/07w; 9ObA47/07p; 2Ob12/08s; 8ObA56/08f; 8ObA57/08b; 9ObA66/08h; 9ObA179/08a; 9Ob54/09w; 9ObA124/09i; 2Ob1/09z; 9ObA140/09t; 4Ob146/10i; 8ObA36/10t; 9ObA63/11x; 9ObA151/11p; 9ObA140/12x; 8ObA85/12a; 8ObA3/13v; 7Ob43/14w; 4Ob30/16i; 2Ob129/15g; 9ObA100/16w; 2Ob240/16g; 2Ob38/17b; 7Ob207/17t; 9Ob2/18m; 9ObA8/19w; 2Ob20/20k; 9ObA114/20k; 9ObA57/20b

Entscheidungsdatum

25.04.1972

Norm

ABGB §881 IA
ABGB §1169
ABGB §1295 IIf7g
ABGB §1313a I
ABGB §1315 I

Rechtssatz

Der Abschluss eines Vertrages lässt nicht bloß die Hauptpflichten entstehen, die für die betreffende Vertragstype charakteristisch sind, sondern erzeugt auch eine Reihe von Nebenpflichten, zu denen auch die Schutzpflichten und Sorgfaltspflichten gehören. Der Schuldner hat die geschuldete Hauptleistung nicht nur zu erbringen, sondern er hat sie so sorgfältig zu bewirken, dass alle Rechtsgüter des Gläubigers, mit denen er in Berührung kommt, nach Tunlichkeit vor Schaden bewahrt und beschützt bleiben (vgl Bydlinski JBl 1960,359 ff; Koziol - Welser, Grundriss des bürgerlichen Rechtes I. Teil S 90; Gschnitzer in Klang IV/l, 473).

Entscheidungstexte

  • 8 Ob 60/72
    Entscheidungstext OGH 25.04.1972 8 Ob 60/72
    Veröff: JBl 1972,609
  • 4 Ob 509/73
    Entscheidungstext OGH 13.03.1973 4 Ob 509/73
    Auch
  • 5 Ob 150/73
    Entscheidungstext OGH 19.09.1973 5 Ob 150/73
    Auch; Beisatz: Hier: Verletzung des Kunden anlässlich seiner ihm ausdrücklich verbotenen Mitarbeit an der Reparatur seines LKW. (T1)
  • 7 Ob 72/74
    Entscheidungstext OGH 06.06.1974 7 Ob 72/74
    Veröff: SZ 47/72
  • 6 Ob 221/74
    Entscheidungstext OGH 27.02.1975 6 Ob 221/74
    Auch
  • 6 Ob 87/75
    Entscheidungstext OGH 10.07.1975 6 Ob 87/75
    Auch
  • 4 Ob 623/75
    Entscheidungstext OGH 21.10.1975 4 Ob 623/75
    Veröff: SZ 48/107 = JBl 1978,87 (mit Anmerkung von Ostheim)
  • 4 Ob 582/75
    Entscheidungstext OGH 21.10.1975 4 Ob 582/75
    Auch
  • 5 Ob 200/75
    Entscheidungstext OGH 16.12.1975 5 Ob 200/75
    Beisatz: Hier Werkvertrag (mit Ausführungen zur Zurechnung des Gehilfenverhaltens nach § 1313a ABGB). (T2)
  • 1 Ob 545/76
    Entscheidungstext OGH 10.03.1976 1 Ob 545/76
    Beisatz: Hier Verwahrungspflicht (Diebstahl eines abgelegten Mantels beim Friseur). (T3)
    Veröff: SZ 49/37 = EvBl 1976/213 S 433
  • 7 Ob 595/77
    Entscheidungstext OGH 30.06.1977 7 Ob 595/77
    Veröff: SZ 50/102
  • 7 Ob 70/77
    Entscheidungstext OGH 15.12.1977 7 Ob 70/77
  • 7 Ob 754/78
    Entscheidungstext OGH 14.12.1978 7 Ob 754/78
  • 1 Ob 522/79
    Entscheidungstext OGH 31.01.1979 1 Ob 522/79
  • 8 Ob 608/78
    Entscheidungstext OGH 29.03.1979 8 Ob 608/78
    Auch; Beisatz: Haftung des Produzenten für Subunternehmer als Erfüllungsgehilfen. (T4)
  • 1 Ob 18/79
    Entscheidungstext OGH 15.05.1979 1 Ob 18/79
    Veröff: SZ 52/79
  • 6 Ob 747/79
    Entscheidungstext OGH 28.11.1979 6 Ob 747/79
    Beisatz: Benützung eines Eislaufplatzes. (T5)
  • 6 Ob 532/80
    Entscheidungstext OGH 21.05.1980 6 Ob 532/80
  • 4 Ob 567/79
    Entscheidungstext OGH 14.10.1980 4 Ob 567/79
    Auch
  • 1 Ob 587/81
    Entscheidungstext OGH 08.04.1981 1 Ob 587/81
    Auch
  • 6 Ob 781/80
    Entscheidungstext OGH 29.04.1981 6 Ob 781/80
    Beisatz: Sind Unterschlagungen des Vertreters bekannt, so folgt aus den Aufklärungspflichten und Sorgfaltspflichten, die jeden Vertragspartner schon vor Abschluss eines Vertrages treffen, die Verpflichtung zu einer eindeutigen Verständigung der Kunden zur Vorsichtsmaßnahmen bezüglich künftiger Kunden. (T6)
  • 8 Ob 37/81
    Entscheidungstext OGH 21.05.1981 8 Ob 37/81
    nur: Der Schuldner hat die geschuldete Hauptleistung nicht nur zu erbringen, sondern er hat sie so sorgfältig zu bewirken, dass alle Rechtsgüter des Gläubigers, mit denen er in Berührung kommt, nach Tunlichkeit vor Schaden bewahrt und beschützt bleiben. (T7)
  • 4 Ob 501/81
    Entscheidungstext OGH 19.05.1981 4 Ob 501/81
    Veröff: MietSlg 33159
  • 6 Ob 769/80
    Entscheidungstext OGH 25.11.1981 6 Ob 769/80
    Ähnlich; Beisatz: Hier: Aufforderung, sich aus einem Bestand an völlig unzureichendem Hebezeug für den beabsichtigten Hebevorgang Haken zu entnehmen. (T8)
  • 4 Ob 587/81
    Entscheidungstext OGH 01.12.1981 4 Ob 587/81
    nur T7; Beisatz: Der Gläubiger darf weder in seiner Person noch in seinen sonstigen Rechtsgütern beschädigt werden. Der Schuldner verhält sich pflichtwidrig, wenn er die Leistung mangelhaft erbringt und dadurch sonstige Güter des Gläubigers schädigt oder wenn er bei ordentlicher Erbringung der Leistung sonstige Güter des Gläubigers verletzt. (T9)
    Beisatz: Hier: Beschädigung eines Kraftfahrzeuges in einem Waschtunnel. (T10)
    Veröff: RZ 1982/61 S 243
  • 3 Ob 666/81
    Entscheidungstext OGH 24.03.1982 3 Ob 666/81
    Auch; Beisatz: Diese Schutzpflichten enden nicht immer schon zu dem Zeitpunkt, da das Hauptvertragsverhältnis endet, sondern sie bestehen so lange, als sich der eine Vertragspartner oder seine Güter in der Einflusssphäre des anderen Vertragspartners befinden. (T11)
  • 7 Ob 537/82
    Entscheidungstext OGH 08.07.1982 7 Ob 537/82
    Auch; nur T7; Beisatz: Eine Verletzung dieser Pflicht stellt eine Vertragsverletzung dar, die schadenersatzpflichtig macht. (T12)
  • 4 Ob 552/82
    Entscheidungstext OGH 21.09.1982 4 Ob 552/82
    Zweiter Rechtsgang zu 4 Ob 501/81
  • 1 Ob 827/82
    Entscheidungstext OGH 12.01.1983 1 Ob 827/82
    Auch; Beis wie T12; nur: Der Abschluss eines Vertrages lässt nicht bloß die Hauptpflichten entstehen, die für die betreffende Vertragstype charakteristisch sind, sondern erzeugt auch eine Reihe von Nebenpflichten, zu denen auch die Schutzpflichten und Sorgfaltspflichten gehören. (T13)
    Veröff: SZ 56/3 = RZ 1985/11 S 64
  • 1 Ob 662/83
    Entscheidungstext OGH 29.06.1983 1 Ob 662/83
    Beis wie T12; Veröff: RdW 1984,12
  • 8 Ob 130/83
    Entscheidungstext OGH 08.09.1983 8 Ob 130/83
  • 1 Ob 748/83
    Entscheidungstext OGH 14.12.1983 1 Ob 748/83
    Auch; Beis wie T2 nur: Hier Werkvertrag. (T14)
    Veröff: SZ 56/185
  • 2 Ob 591/83
    Entscheidungstext OGH 22.05.1984 2 Ob 591/83
    Beis wie T3 nur: Hier Verwahrungspflicht (Diebstahl eines abgelegten Mantels). (T15)
    Veröff: JBl 1985,239
  • 1 Ob 643/84
    Entscheidungstext OGH 12.12.1984 1 Ob 643/84
    Beis wie T9; Veröff: SZ 57/196 = RdW 1985,209 = JBl 1986,101
  • 2 Ob 560/84
    Entscheidungstext OGH 15.01.1985 2 Ob 560/84
    nur T13; Beisatz: Hier: Reitunfall bei Ausritt mit einer reitunkundigen Person. (T16)
  • 8 Ob 76/84
    Entscheidungstext OGH 21.03.1985 8 Ob 76/84
    Veröff: JBl 1985,748
  • 1 Ob 666/85
    Entscheidungstext OGH 27.11.1985 1 Ob 666/85
    Beis wie T16
  • 1 Ob 23/86
    Entscheidungstext OGH 03.09.1986 1 Ob 23/86
    Auch; Beis wie T2; nur T7
    Veröff: JBl 1986,789
  • 1 Ob 43/86
    Entscheidungstext OGH 18.02.1987 1 Ob 43/86
    Auch; nur T7
  • 7 Ob 33/87
    Entscheidungstext OGH 25.06.1987 7 Ob 33/87
    Veröff: ZVR 1988/70 S 148
  • 4 Ob 547/87
    Entscheidungstext OGH 29.09.1987 4 Ob 547/87
    Auch; nur T13; Beisatz: Unselbständige Nebenpflichten Abwicklung der für den Vertragstyp charakteristischen Hauptleistung; können vereinbart sein oder sich aus der ergänzenden Vertragsauslegung, insbesondere aus der Übung des redlichen Verkehrs (§ 914 ABGB), oder aus dem Gesetz ergeben. (T17)
    Veröff: SZ 60/190
  • 2 Ob 593/88
    Entscheidungstext OGH 14.03.1989 2 Ob 593/88
    Auch; Beisatz: Die vertragliche Sorgfaltspflicht darf jedoch nicht überspannt werden. (T18)
  • 5 Ob 518/89
    Entscheidungstext OGH 31.03.1989 5 Ob 518/89
    Auch; Beis wie T11; Beisatz: Gilt auch für den Handelsvertreter. (T19)
  • 8 Ob 528/89
    Entscheidungstext OGH 06.04.1989 8 Ob 528/89
    nur T7; Beis wie T2 nur T14
  • 8 Ob 606/89
    Entscheidungstext OGH 19.10.1989 8 Ob 606/89
    Auch; Beisatz: Der Schuldner haftet geschützten dritten Personen für Pflichtverletzungen seiner Gehilfen nach § 1313a ABGB und nicht nur nach § 1315 ABGB. (T20)
  • 1 Ob 39/89
    Entscheidungstext OGH 17.01.1990 1 Ob 39/89
    Beis wie T2 nur T14
  • 1 Ob 603/90
    Entscheidungstext OGH 28.11.1990 1 Ob 603/90
    Vgl; Beis wie T18
  • 8 Ob 38/90
    Entscheidungstext OGH 17.01.1991 8 Ob 38/90
    Vgl auch; Beisatz: Nach Auflösung des Vertragsverhältnisses erlöschen zwar die primären Leistungsansprüche aus dem Schuldverhältnis, es bleiben aber die Schutzpflichten und Sorgfaltspflichten bis zur Rückabwicklung aufrecht. Beide Teile haben daher dafür einzustehen, dass dem jeweiligen Vertragspartner aus der Liquidation des Vertragsverhältnisses kein Schaden zugefügt wird. (T21)
    Veröff: RdW 1991,261 = ÖBA 1991,535
  • 7 Ob 636/91
    Entscheidungstext OGH 16.01.1992 7 Ob 636/91
    Beis wie T18; Veröff: JBl 1992,593
  • 10 Ob 509/95
    Entscheidungstext OGH 25.04.1995 10 Ob 509/95
    nur T13; Beisatz: Rechtsanwalt. (T22)
  • 2 Ob 2026/96x
    Entscheidungstext OGH 25.04.1996 2 Ob 2026/96x
    Auch; Beis wie T18; Beisatz: Der Veranstalter eines Burgfestes hat im Rahmen des Zumutbaren für eine verkehrssichere Zufahrt und Abfahrt zu sorgen. (T23)
  • 3 Ob 382/97s
    Entscheidungstext OGH 11.03.1998 3 Ob 382/97s
    Beisatz: Die Vertragspartner haben auch noch nach Einbringen der Hauptleistungen Auskunfts- und Belehrungspflichten. (T24)
  • 8 Ob 56/98p
    Entscheidungstext OGH 06.07.1998 8 Ob 56/98p
    Auch; Beis wie T11; Beisatz: Die Fortwirkung der vertraglichen Nebenpflichten erstreckt sich daher auch auf den Zeitraum, für welchen ein Nachtparkverbot auf dem Parkplatz der Beklagten angeordnet war. Eine Haftung der Beklagten für ihre Leute gemäß § 1313a ABGB kann auch für diese Zeitspanne nicht zweifelhaft sein. (T25)
  • 7 Ob 167/98d
    Entscheidungstext OGH 19.01.1999 7 Ob 167/98d
    Auch; Beisatz: Es entspricht der Rechtsprechung und Lehre, dass durch die Entrichtung des Eintrittsgeldes für die Veranstaltung zwischen dem Festteilnehmer und dem Veranstalter ein Vertragsverhältnis entsteht und dass die vertragliche Nebenpflicht besteht, die Veranstaltungsteilnehmer vor Schäden zu bewahren, wozu auch die Verpflichtung gehört, im Rahmen des Zumutbaren für einen verkehrssicheren Zugang und Abgang zu sorgen. (T26)
  • 6 Ob 115/99a
    Entscheidungstext OGH 20.05.1999 6 Ob 115/99a
    nur T7; Beisatz: Durch die Entrichtung des Eintrittsgeldes für die Veranstaltung zwischen dem Besucher und dem Veranstalter entsteht ein Vertragsverhältnis und es besteht die vertragliche Nebenpflicht, die Veranstaltungsteilnehmer durch zumutbare Maßnahmen vor Schäden zu bewahren. (T27)
  • 4 Ob 218/99h
    Entscheidungstext OGH 14.09.1999 4 Ob 218/99h
    Auch; Beis wie T17
  • 7 Ob 156/01v
    Entscheidungstext OGH 11.07.2001 7 Ob 156/01v
    Auch; Beisatz: Hier: Verletzung eines Patienten im Krankenhaus. (T28)
  • 3 Ob 286/00f
    Entscheidungstext OGH 29.08.2001 3 Ob 286/00f
  • 1 Ob 152/02p
    Entscheidungstext OGH 29.04.2003 1 Ob 152/02p
    Veröff: SZ 2003/49
  • 9 ObA 243/02d
    Entscheidungstext OGH 25.06.2003 9 ObA 243/02d
    Auch; Beisatz: Der Antragsgegner ist zu einer ausgewogenen Information verpflichtet, durch die nicht nur die zu erwartenden Vorteile, sondern insbesondere auch die allenfalls drohenden Risiken - im Rahmen des Zumutbaren und im Sinne einer ex ante-Betrachtung - aufzuzeigen sind. (T29)
    Beisatz: Entscheidend ist, welches Gesamtbild die (schriftlichen) Informationen den Betroffenen von den Chancen und Risken vermittelten. (T30)
    Beisatz: Hier: Aufklärungspflichten eines Arbeitgebers (= Antragsgegner) gegenüber seinen ehemaligen Mitarbeitern, im Zusammenhang mit dem von ihm erstatteten Vorschlag, ein Rechtsverhältnis zur Pensionskasse einzugehen und den Antragsgegner damit gleichzeitig von weiteren direkten Leistungsverpflichtungen zu befreien: Nachdem auf der Basis der Antragsbehauptungen feststeht, dass der Antragsgegner seine ehemaligen Mitarbeiter über den Einfluss des Veranlagungsrisikos der Pensionskasse auf ihre Zahlungsansprüche nicht ausreichend aufgeklärt hat, und darüber hinaus behauptet wurde, die Mitarbeiter hätten von einer solchen Übertragung Abstand genommen, wenn eine ausreichende Information über das Risiko einer Pensionskürzung erfolgt wäre, war festzustellen, dass der Antragsgegner - im Wege des Vertrauensschadenersatzes - zum Ausgleich der aus der "Übertrittsentscheidung" resultierenden Vermögensnachteile verpflichtet ist. (Feststellungsantrag gemäß § 54 Abs 2 ASGG.) (T31)
  • 6 Ob 249/03s
    Entscheidungstext OGH 27.11.2003 6 Ob 249/03s
    Vgl
  • 8 ObA 100/04w
    Entscheidungstext OGH 04.05.2005 8 ObA 100/04w
    Vgl; Beis wie T29; Beis wie T31 nur: Hier: Aufklärungspflichten eines Arbeitgebers (= Antragsgegner) gegenüber seinen ehemaligen Mitarbeitern, im Zusammenhang mit dem von ihm erstatteten Vorschlag, ein Rechtsverhältnis zur Pensionskasse einzugehen und den Antragsgegner damit gleichzeitig von weiteren direkten Leistungsverpflichtungen zu befreien. (T32)
    Beisatz: Ist ein Schadenersatzanspruch zu bejahen, ist der Geschädigte im Wege des Vertrauensschadenersatzes so zu stellen, als hätte er den ihm (zumindest potentiell) nachteiligen Vertrag nicht geschlossen (beziehungsweise als hätte er die Ablehnungserklärung abgegeben). Es hat daher eine Gesamtbetrachtung stattzufinden, in die auch die sich aus der Veranlagung ergebenden Vorteile einzubeziehen sind. (T33)
  • 7 Ob 245/05p
    Entscheidungstext OGH 09.11.2005 7 Ob 245/05p
    Auch
  • 6 Ob 15/06h
    Entscheidungstext OGH 09.03.2006 6 Ob 15/06h
    Beisatz: Zu diesen Nebenpflichten gehört die Pflicht zur Verwahrung der den Gegenstand der eigenen rechtsgeschäftlichen Leistung bildenden fremden Sache, und zwar auch dann, wenn die vereinbarte (Haupt-)Leistung unentgeltlich erbracht wird. (T34)
  • 7 Ob 278/05s
    Entscheidungstext OGH 10.05.2006 7 Ob 278/05s
    Auch; Beis wie T34
  • 9 ObA 46/06i
    Entscheidungstext OGH 07.06.2006 9 ObA 46/06i
    Auch; Beis wie T29; Beis wie T32; Beisatz: Der Oberste Gerichtshof hat bereits wiederholt ausgesprochen, dass der Arbeitgeber gegenüber seinen ehemaligen Arbeitnehmern im Zusammenhang mit Vorschlägen, die auf eine Befreiung des Arbeitgebers von weiteren direkten Leistungsverpflichtungen aus einer Pensionsvereinbarung hinauslaufen, zur umfassenden Aufklärung verpflichtet ist. (T35)
  • 7 Ob 73/06w
    Entscheidungstext OGH 26.04.2006 7 Ob 73/06w
    Auch
  • 3 Ob 232/05x
    Entscheidungstext OGH 26.07.2006 3 Ob 232/05x
    Auch; Beis wie T12; Beisatz: Ein Zedent, über dessen Vermögen der Konkurs eröffnet wurde, hat (trotz ausgeschlossener Haftung für Richtigkeit und Einbringlichkeit der Forderung) eine Fortsetzung des wegen der zedierten Forderung anhängigen, aber gemäß § 7 Abs 1 KO unterbrochenen Verfahrens jedenfalls dann unverzüglich zu beantragen, wenn er mit keinem Kostenrisiko für die Masse (mehr) belastet ist und ein Verjährungsrisiko besteht. (T36)
  • 9 ObA 159/05f
    Entscheidungstext OGH 18.10.2006 9 ObA 159/05f
    Vgl auch; Beis wie T31; Beis wie T33
  • 2 Ob 265/06v
    Entscheidungstext OGH 18.01.2007 2 Ob 265/06v
    Auch; Beisatz: Hier: Beförderungsvertrag; Sturz beim Einsteigen in U-Bahn. (T37)
  • 4 Ob 137/07m
    Entscheidungstext OGH 07.08.2007 4 Ob 137/07m
    Auch; Beis wie T24; Beisatz: Nichts anderes kann gelten, wenn ein Vertragspartner erkennt, dass sein Kontrahent darüber irrt, mit wem er den Vertrag geschlossen hat. (T38)
    Veröff: SZ 2007/122
  • 9 ObA 72/07i
    Entscheidungstext OGH 07.05.2008 9 ObA 72/07i
    Auch; Beis wie T29; Beis wie T32; Beis wie T35
  • 9 ObA 86/07y
    Entscheidungstext OGH 07.05.2008 9 ObA 86/07y
    Auch; Beis wie T29; Beis wie T32; Beis wie T35; Beisatz: Den Arbeitgeber trifft eine - hinsichtlich ihres Ausmaßes von den Umständen des Einzelfalls abhängige - Aufklärungspflicht gegenüber ehemaligen Mitarbeitern im Zusammenhang mit der Befreiung von einer direkten Leistungsverpflichtung aus einer Pensionsvereinbarung. (T39)
  • 9 ObA 87/07w
    Entscheidungstext OGH 07.05.2008 9 ObA 87/07w
    Vgl auch; Beis wie T31; Beis wie T33; Beis wie T35; Beisatz: Ob der Arbeitgeber seine Aufklärungspflicht erfüllt hat, hängt von den Umständen des jeweiligen Einzelfalls ab und begründet im Regelfall keine erhebliche Rechtsfrage im Sinn des § 502 Abs 1 ZPO. (T40)
  • 9 ObA 47/07p
    Entscheidungstext OGH 05.06.2008 9 ObA 47/07p
    Auch; Beis wie T31; Beis wie T32; Beisatz: Es können keine allgemein gültigen Kriterien aufgestellt werden, welche Informationen ein Arbeitgeber konkret bieten muss, um seiner Fürsorgepflicht nachzukommen. Dies ergibt sich vielmehr aus dem Einzelfall, insbesondere auch aus dem erkennbaren Informationsstand des betreffenden (ehemaligen) Arbeitnehmers. (T41)
  • 2 Ob 12/08s
    Entscheidungstext OGH 26.06.2008 2 Ob 12/08s
    Auch; nur T13
  • 8 ObA 56/08f
    Entscheidungstext OGH 13.11.2008 8 ObA 56/08f
    Vgl; Beisatz: Die Beklagte als ehemalige Arbeitgeberin des Klägers haftet wegen Verletzung der sie als ehemalige Arbeitgeberin treffenden Verpflichtung, den Kläger vor seiner Zustimmung zur Übertragung der direkten Leistungszusage an die Pensionskasse über die damit verbundenen Rechtsfolgen aufzuklären, im Rahmen des Vertrauensschadenersatzes für die Differenz zur ursprünglich vertraglich zugesagten Pension. (T42)
  • 8 ObA 57/08b
    Entscheidungstext OGH 13.11.2008 8 ObA 57/08b
    Vgl; Beisatz: Die Beklagte als ehemalige Arbeitgeberin des Klägers haftet wegen Verletzung der sie treffenden Verpflichtung, den Kläger vor seiner Zustimmung zur Übertragung der direkten Leistungszusage an die Pensionskasse über die damit verbundenen Rechtsfolgen aufzuklären, im Rahmen des Vertrauensschadenersatzes für die Differenz zur ursprünglich vertraglich zugesagten Pension. (T43)
  • 9 ObA 66/08h
    Entscheidungstext OGH 25.11.2008 9 ObA 66/08h
    Vgl auch; Beis wie T32; Beis wie T35; Beis wie T40; Beis wie T41
  • 9 ObA 179/08a
    Entscheidungstext OGH 30.09.2009 9 ObA 179/08a
    Vgl auch; Beis ähnlich wie T31; Beis ähnlich wie T39; Beis wie T40; Beis wie T41; Beisatz: Der Arbeitgeber ist gegenüber seinen ehemaligen Arbeitnehmern im Zusammenhang mit Vorschlägen, die auf eine Befreiung des Arbeitgebers von weiteren direkten Leistungsverpflichtungen aus einer Pensionsvereinbarung hinauslaufen, zur umfassenden Aufklärung verpflichtet. (T44)
    Beisatz: Hier: Vorwurf der nicht ausreichenden und ausgewogen Aufklärung über die mit der jeweiligen Pensionsvariante verbundenen Vor- und Nachteile durch den (ehemaligen) Arbeitgeber. (T45)
  • 9 Ob 54/09w
    Entscheidungstext OGH 15.12.2009 9 Ob 54/09w
    Auch; nur T13; Beisatz: Dazu gehört auch die Verpflichtung, die Vertragspartner über Schwierigkeiten und Verzögerungen bei der Abwicklung des Vertrags aufzuklären, die den angestrebten Erfolg gefährden und die Rechtssphäre des Partners beeinträchtigen können. (T46)
  • 9 ObA 124/09i
    Entscheidungstext OGH 16.11.2009 9 ObA 124/09i
    Auch; nur T13; Beis wie T32; Beis wie T35; Beis wie T44; Beisatz: Hier: Übertragung der Pensionsanwartschaften einer auf Betriebsvereinbarung beruhenden direkten Leistungszusage nicht - unmittelbar - durch die Betriebsvereinbarung, sondern erst durch die Ausübung der „Übertragungsoption" durch die von dieser erfassten Mitglieder. (T47)
    Beisatz: Ist ein Schadenersatzanspruch zu bejahen, ist der Geschädigte im Wege des Vertrauensschadenersatzes so zu stellen, als hätte er den ihm (zumindest potentiell) nachteiligen Vertrag nicht geschlossen bzw hier das für ihn nachteilige Optionsrecht nicht ausgeübt. (T48)
  • 2 Ob 1/09z
    Entscheidungstext OGH 22.04.2010 2 Ob 1/09z
    nur T13; Beisatz: Informations- und Aufklärungspflichten. (T49)
    Beisatz: Hier: Beim Finanzierungsleasing. (T50)
    Veröff: SZ 2010/41
  • 9 ObA 140/09t
    Entscheidungstext OGH 03.09.2010 9 ObA 140/09t
    Auch; Beis wie T32; Beis wie T35; Beis wie T40; Beis wie T41 nur: Es können keine allgemein gültigen Kriterien aufgestellt werden, welche Informationen ein Arbeitgeber konkret bieten muss, um seiner Fürsorgepflicht nachzukommen. (T51)
  • 4 Ob 146/10i
    Entscheidungstext OGH 09.11.2010 4 Ob 146/10i
    Auch; nur T13; Beisatz: Hier: Unterbliebenes Abklemmen der Fahrzeugbatterie durch ein professionelles Abschleppunternehmen. (T52)
  • 8 ObA 36/10t
    Entscheidungstext OGH 22.03.2011 8 ObA 36/10t
    Vgl auch; Beis wie T40; Beis wie T41
  • 9 ObA 63/11x
    Entscheidungstext OGH 29.08.2011 9 ObA 63/11x
    Vgl auch; Beis wie T40; Beis wie T51
  • 9 ObA 151/11p
    Entscheidungstext OGH 29.05.2012 9 ObA 151/11p
    Vgl; Beis wie T35; Beis wie T41
  • 9 ObA 140/12x
    Entscheidungstext OGH 29.05.2013 9 ObA 140/12x
    Vgl auch; Auch Beis wie T35; Auch Beis wie T39; Beisatz: Allgemein gültige Kriterien, welche Informationen ein Arbeitgeber konkret bieten muss, um seiner Aufklärungspflicht zu entsprechen, können allerdings nicht aufgestellt werden. (T53)
    Beisatz: Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass der Arbeitgeber zu einer ausgewogenen Information verpflichtet ist, durch die nicht nur die zu erwartenden Vorteile, sondern insbesondere auch die den Arbeitnehmern allenfalls drohenden Risiken, insbesondere über das zu tragende Kapitalmarktrisiko und die daraus möglichen Pensionsverluste, im Rahmen des Zumutbaren und im Sinne einer ex ante‑Betrachtung aufzuzeigen sind. (T54)
    Beisatz: Der zur Aufklärung Verpflichtete darf insbesondere dann keine Umstände verschweigen, wenn ihm der Arbeitnehmer eine bestimmte Erwartungshaltung kommuniziert hat, er aber erkennt, dass dessen Erwartungshaltung unrichtig ist. (T55)
  • 8 ObA 85/12a
    Entscheidungstext OGH 27.06.2013 8 ObA 85/12a
    Vgl auch; Beis wie T35; Beis wie T41
  • 8 ObA 3/13v
    Entscheidungstext OGH 27.06.2013 8 ObA 3/13v
    Vgl auch; Beis wie T32; Beis wie T35; Beis wie T39; Beis wie T40; Beis wie T44; Beis wie T51
  • 7 Ob 43/14w
    Entscheidungstext OGH 04.06.2014 7 Ob 43/14w
    Auch; Beisatz: Auch bei Beendigung des Werkvertragsverhältnisses bestehen weiterhin Schutz‑ und Sorgfaltspflichten des Werkunternehmers. (T56)
  • 4 Ob 30/16i
    Entscheidungstext OGH 15.06.2016 4 Ob 30/16i
    Auch; Beisatz: Zur Verpflichtung eines ISDN‑Providers, zum Schutz seiner Kunden vor Hackerzugriffen ein Gebührenmonitoring einzurichten (Gebührenwarnung). (T57)
    Beisatz: Jene Leistungen, die unter Verletzung von Schutz‑ und Sorgfaltspflichten durch den Anbieter entstanden und von unbefugten Dritten abgerufen worden sind, sind nicht zu vergüten. (T58)
  • 2 Ob 129/15g
    Entscheidungstext OGH 28.06.2016 2 Ob 129/15g
    Auch
  • 9 ObA 100/16w
    Entscheidungstext OGH 18.08.2016 9 ObA 100/16w
    Auch; Beis wie T35; Beis wie T39; Beis wie T40; Beis wie T41; Beis wie T44
  • 2 Ob 240/16g
    Entscheidungstext OGH 20.06.2017 2 Ob 240/16g
    Auch; nur T13; Beisatz: Hier: Fahrschulausbildung im Motorradfahren. (T59)
  • 2 Ob 38/17b
    Entscheidungstext OGH 24.10.2017 2 Ob 38/17b
    Auch; Beisatz: Hier: Sorgfaltspflichten des Telefoniebetreibers in Bezug auf Mehrwertsprachverbindungen. (T60)
    Veröff: SZ 2017/117
  • 7 Ob 207/17t
    Entscheidungstext OGH 24.01.2018 7 Ob 207/17t
    Auch
  • 9 Ob 2/18m
    Entscheidungstext OGH 21.03.2018 9 Ob 2/18m
  • 9 ObA 8/19w
    Entscheidungstext OGH 27.02.2019 9 ObA 8/19w
    Auch; Beis wie T35; Beis wie T44; Beis wie T53; Beis wie T54; Beis wie T55, Beis wie T41; Beis wie T40;
    Beisatz: Letztlich ist entscheidend, welches Gesamtbild sämtliche Informationen dem betroffenen Arbeitnehmer unter Berücksichtigung seiner Ausbildung von den Chancen und Risiken vermitteln. (T61)
    Beisatz: Hier: Übertragung einer Betriebspension auf eine Pensionskasse. (T62)
  • 2 Ob 20/20k
    Entscheidungstext OGH 29.06.2020 2 Ob 20/20k
    Vgl; Beis wie T13
  • 9 ObA 114/20k
    Entscheidungstext OGH 27.01.2021 9 ObA 114/20k
    Vgl; Beis nur wie T51; Beisatz: Eine allgemeine Pflicht des Arbeitgebers, Arbeitnehmer über ihre Rechte aufzuklären, ist aus der Fürsorgepflicht nicht abzuleiten. (T63)
  • 9 ObA 57/20b
    Entscheidungstext OGH 29.04.2021 9 ObA 57/20b
    Vgl; Beis nur wie T35; Beis wie T44; Beis wie T54

Anmerkung

Bem: Der Rechtssatz wird wegen der Häufigkeit seiner Zitierung ("überlanger RS") nicht bei jeder einzelnen Bezugnahme, sondern nur fallweise mit einer Gleichstellungsindizierung versehen.

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1972:RS0017049

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

16.07.2021

Dokumentnummer

JJR_19720425_OGH0002_0080OB00060_7200000_001

Rechtssatz für 6Ob106/73 4Ob501/81 8Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0023416

Geschäftszahl

6Ob106/73; 4Ob501/81; 8Ob530/81; 4Ob552/82; 2Ob560/84

Entscheidungsdatum

10.05.1973

Norm

ABGB §1295 IId1
ABGB §1313a IIIe

Rechtssatz

Haftung des Vermieters von Reitpferden für das Verschulden (Galopp ohne entsprechende Unterweisung eines Anfängers) des von ihm mit der Führung der Reitergruppe und Gestaltung des Rittes Beauftragten.

Entscheidungstexte

  • 6 Ob 106/73
    Entscheidungstext OGH 10.05.1973 6 Ob 106/73
    Veröff: EvBl 1973/262 S 548
  • 4 Ob 501/81
    Entscheidungstext OGH 19.05.1981 4 Ob 501/81
    Vgl aber; Veröff: MietSlg 33159
  • 8 Ob 530/81
    Entscheidungstext OGH 03.12.1981 8 Ob 530/81
    Vgl; Veröff: ZVR 1982/266 S 236 = JBl 1983,255
  • 4 Ob 552/82
    Entscheidungstext OGH 21.09.1982 4 Ob 552/82
    Zweiter Rechtsgang zu 4 Ob 501/81
  • 2 Ob 560/84
    Entscheidungstext OGH 15.01.1985 2 Ob 560/84
    Auch

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1973:RS0023416

Dokumentnummer

JJR_19730510_OGH0002_0060OB00106_7300000_001

Rechtssatz für 2Ob560/84

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0030168

Geschäftszahl

2Ob560/84

Entscheidungsdatum

15.01.1985

Norm

ABGB §1320 B3
StVO §79

Rechtssatz

Haftung des als Aufsichtsperson beigegebenen Reiters für Reitunfall auf öffentlicher Verkehrsfläche bei Ausritt mit einer reitunkundigen Person.

Entscheidungstexte

  • 2 Ob 560/84
    Entscheidungstext OGH 15.01.1985 2 Ob 560/84

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1985:RS0030168

Dokumentnummer

JJR_19850115_OGH0002_0020OB00560_8400000_001

Entscheidungstext 2Ob560/84

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

2Ob560/84

Entscheidungsdatum

15.01.1985

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Scheiderbauer als Vorsitzenden und durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Kralik, Dr. Melber, Dr. Huber und Dr. Egermann als weitere Richter in der Rechtssache der klagenden Partei Ursula M***, Hausfrau, D-8542 Roth 1, Guntherstraße 2, vertreten durch Dr. Johann Poulakos, Rechtsanwalt in Linz, wider die beklagten Parteien

1.) Johann R***, Landwirt, 4741 Wendling, Weeg 5, 2.) Irmgard R***, Landarbeiterin, ebendort, beide vertreten durch Dr. Hans und Dr. Georg Maxwald, Rechtsanwälte in Linz, wegen Feststellung, infolge Revision der beklagten Parteien gegen das Urteil des Oberlandesgerichtes Linz als Berufungsgerichtes vom 26. Jänner 1984, GZ 5 R 239/83-42, womit infolge Berufung der beklagten Parteien das Urteil des Kreisgerichtes Wels vom 8. August 1983, GZ 6 Cg 301/82-31, bestätigt wurde, in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

Der Revision wird nicht Folge gegeben.

Die Beklagten sind zur ungeteilten Hand schuldig, der Klägerin die mit S 3.248,85 bestimmten Kosten des Revisionsverfahrens (darin enthalten S 295,35 Umsatzsteuer) binnen 14 Tagen bei sonstiger Exekution zu ersetzen.

Text

Entscheidungsgründe:

Die Klägerin, eine deutsche Staatsbürgerin, verbrachte im Juni 1981 auf dem Bauernhof des Erstbeklagten einen Urlaub. Der Erstbeklagte besitzt einige Reitpferde, die er für Ausritte vermietet. Am 17. Juni 1981 nahm die Klägerin gegen Bezahlung des üblichen Entgelts an einem solchen Ausritt teil. Der Ausritt wurde im Auftrag des Erstbeklagten von der Zweitbeklagten geführt. Mitgeritten war weiters noch Annemarie F***. In der Ortschaft Zupfing fiel die Klägerin vom Pferd und erlitt schwere Verletzungen, hinsichtlich welcher Spät- und Dauerfolgen nicht auszuschließen sind. Mit der Behauptung, beide Beklagten treffe aus den im einzelnen dargelegten Gründen ein Verschulden am Unfall und der Erstbeklagte hafte auch gemäß § 1313 a ABGB für die Unfallsfolgen, stellte die Klägerin ein Leistungs- sowie ein Feststellungsbegehren, nach welch letzterem ihr beide Beklagte für die künftigen Unfallsfolgen zur ungeteilten Hand hafteten.

Die Beklagten beantragten Klagsabweisung, weil der Klägerin keine Reitausbildung versprochen und eine Haftung für Reitunfälle ausdrücklich ausgeschlossen worden, darüberhinaus aber die Klägerin den Unfall auch selbst verschuldet habe, zumal sie den Zuruf der Zweitbeklagten nicht befolgt, sondern vom trabenden Pferd abgesprungen sei.

Das Erstgericht gab dem Feststellungsbegehren mit Teilurteil statt.

Das Berufungsgericht bestätigte die erstgerichtliche Entscheidung; es sprach aus, daß der Wert des Streitgegenstandes den Wert von S 60.000,--, nicht aber jenen von S 300.000,-- übersteigt und erklärte die Revision für zulässig.

Rechtliche Beurteilung

Gegen das berufungsgerichtliche Urteil wendet sich die Revision der Beklagten mit dem Antrage auf Abänderung im Sinne der Klagsabweisung, in eventu auf Feststellung der Haftung der Beklagten für die künftigen Unfallsschäden der Klägerin lediglich im Ausmaße einer Hälfte; hilfsweise wird weiters ein Aufhebungsantrag gestellt. Die Klägerin beantragt in ihrer Revisionsbeantwortung, der Revision nicht Folge zu geben. Die Revision ist nicht gerechtfertigt. Das Erstgericht stellte den auf den Seiten 2 sowie 4-6 der Urteilsausfertigung enthaltenen Sachverhalt fest. Das Berufungsgericht hielt die Beweis- und Tatsachenrüge der Beklagten nicht für gerechtfertigt. Somit ist von folgenden weiteren erstgerichtlichen Feststellungen auszugehen: Der Erstbeklagte hat die Zweitbeklagte, seine Tochter, deshalb mit der Führung auch jenes Ausrittes, an welchem die Klägerin teilnahm, betraut, weil die Zweitbeklagte den Weg zeigen und darüberhinaus sicherstellen sollte, daß nicht zu schnell geritten werde und der Ausritt ordnungsgemäß verlaufe. Die Zweitbeklagte reitet schon mehrere Jahre, sie hat sich ihre Reitkenntnisse selbst angeeignet und traut sich zu, ein A-Springturnier zu bestreiten. Die Klägerin hatte keinerlei Reiterfahrungen. Sie wurde auch vor dem gegenständlichen, für sie also ersten, Ausritt im Reiten nicht unterrichtet, insbesondere auch nicht an der Longe. Vor dem Ausritt wurde ihr gesagt, sie solle sich an der Mähne des Pferdes festhalten, falls etwas passiere, nicht aber versuchen, abzusteigen. Weiters wurde sie darauf hingewiesen, daß sie die Zügel weder zu straff noch zu locker halten solle. Das von der Klägerin gerittene Pferd war eine gutmütige, ruhige, unbeschlagene Stute, ein sieben bis neun Jahre altes österreichisches Warmblutpferd, welches von der Zweitbeklagten für Ausritte zugeritten und auch tatsächlich seit einigen Jahren bei Ausritten eingesetzt worden war, ohne daß es jemals irgendwelche Schwierigkeiten gegeben hätte. Nachdem der Ausritt der Klägerin bereits ca. 45 Minuten gedauert hatte, ritt die Gruppe in der Reihenfolge Zweitbeklagte, Klägerin und zuletzt Annemarie F*** im Schritt durch die Ortschaft Zupfing. Dabei gingen die drei Pferde am rechten Rand einer asphaltierten, 2,5 m breiten Straße. Rechts von dieser liegt eine Koppel, in welcher sich eine frei herumlaufende Stute befand. Der Koppelzaun war vom rechten Straßenrand ca. 2-3 m entfernt. Die Zweitbeklagte bemerkte das Pferd in der Koppel zunächst nicht, obwohl sie bei früheren Ausritten wiederholt festgestellt hatte, daß sich dieses gelegentlich in der Koppel aufhielt. Annemarie F*** hatte das Pferd schon vor der Zweitbeklagten wahrgenommen. Hätte es diese schon früher gesehen, dann hätte sie nach ihrer Angabe die beiden anderen Reiterinnen gewarnt bzw. auf das Pferd aufmerksam gemacht, damit sie einem Ausbrechen ihrer Pferde hätten vorbeugen können. Die in der Koppel befindliche Stute lief auf die Reitergruppe zu, worauf alle drei Pferde erschraken und in Trab fielen. Das von der Klägerin gerittene Pferd überholte dabei die vorausreitende Zweitbeklagte. Als erste fiel Annemarie F*** vom Pferd, sodann die Klägerin. "Möglicherweise" hatte diese aus Angst vorher versucht, vom trabenden Pferd abzuspringen, obwohl ihr die Zweitbeklagte zugerufen hatte, sitzen zu bleiben und sich festzuhalten. Beim Vorbeireiten an einem anderen Pferd soll, insbesondere dann, wenn sich dieses in einer Koppel frei bewegt ein möglichst großer Abstand eingehalten werden. An sich ist aber ein Sicherheitsabstand zu einer Koppelbegrenzung von 2-3 m dann ausreichend, wenn der Reiter der durch das Heranlaufen eines Pferdes gegebenen zusätzlichen Gefahr zu begegnen weiß. Aus reiterischer Sicht ist die Überlassung eines noch so gutmütigen Reitpferdes - ausgenommen ein Isländerpferd - an einen "absoluten" Anfänger zum Zwecke eines Ausrittes, selbst wenn dieser geführt wird, nicht vertretbar. Eine Feststellung dahin, daß am Unfallstag im Hof des Anwesens des Erstbeklagten an gut sichtbarer Stelle ein Schild mit der Aufschrift "Für Reitunfälle wird nicht gehaftet" angebracht war, konnte vom Erstgericht nicht getroffen werden.

In seiner rechtlichen Beurteilung vertrat das Erstgericht die Ansicht, der Zweitbeklagten sei ein Verschulden am Unfall anzulasten, weil sie einerseits zufolge ihrer verspäteten Wahrnehmung des in der Koppel befindlichen Pferdes eine rechtzeitige Warnung der Klägerin vor der von diesem Pferd ausgehenden Gefahr unterlassen habe und andererseits wegen dieses Pferdes von vornherein Vorsorge zB durch Wahl einer anderen Route, oder Einhalten eines größeren Abstandes von der Koppel, hätte treffen müssen. Da die Zweitbeklagte unbestritten Erfüllungsgehilfin des Erstbeklagten gewesen sei, hafte dieser gemäß § 1313 a ABGB für deren Verschulden. Ein Mitverschulden der Klägerin am Unfall sei unter den gegebenen Umständen zu verneinen.

Das Berufungsgericht hielt auch die Mängel- und Rechtsrüge der Beklagten nicht für gerechtfertigt und führte aus: Im Gegensatz zu den Darlegungen der Berufungswerber müsse davon ausgegangen werden, daß der Erstbeklagte der des Reitens unkundigen Klägerin das Pferd entgeltlich zum Ausritt überlassen habe. Es könne unerörtert bleiben, ob es sich dabei um einen Werkvertrag, wie die Klägerin meine, oder um einen nach Auffassung der Beklagten abgeschlossenen Mietvertrag handle. Entscheidungserheblich erscheine allein, daß auf Grund der abgeschlossenen entgeltlichen Vereinbarung infolge der besonderen, dem Erstbeklagten bekannten Umstände, diesen die verstärkte Obsorgeverpflichtung dafür getroffen habe, die Klägerin vor körperlichen Schäden zu bewahren. Um sich dieser Obsorgeverpflichtung zu entledigen, habe es nicht genügt, der Klägerin ein gutmütiges, ruhiges Pferd zu geben; denn mit für einen unkundigen Reiter nicht beherrschbaren Situationen bei Ausritten in das Gelände müsse von einem Pferdehalter auch bei gutmütigen Tieren gerechnet werden. Schon dieser Umstand hätte den Erstbeklagten davon abhalten müssen, das Pferd der Klägerin zum Ausritt in das Gelände entgeltlich zu überlassen. Wenn er solchen Gefahren dadurch zu begegnen versucht habe, daß er der Klägerin und der Annemarie F*** die Zweitbeklagte als Begleiterin und Aufsichtsperson mitgegeben habe, so ändere dies an seiner Schadenshaftung nichts. Er hätte als Reitpferdehalter auch damit rechnen müssen, daß trotz dieser Begleitung und Aufsicht durch ein Verhalten der Tiere an den ungeübten Reitern ein Schaden eintreten könne, wie es auch tatsächlich geschehen sei. Die Unterweisung, man solle sich, so "etwas passiert", an der Mähne der Pferde festhalten und nicht versuchen, vom Pferd zu steigen sei wohl zu wenig, um sich von der Haftung zu befreien. Die Zweitbeklagte habe sich fahrlässig an der Entstehung des Schadens unmittelbar beteiligt, weil sie durch ihre - fachkundig scheinende - Begleitung und Aufsicht die Klägerin in der Vorstellung bestärken habe müssen, daß der Ausritt nicht besonders gefährlich sein könne. Schon deswegen sei die Zweitbeklagte für den Schaden zur ungeteilten Hand mit dem Erstbeklagten verantwortlich. Dazu komme noch, daß die Zweitbeklagte die Reitergruppe an einer Pferdekoppel vorbeigeführt habe, von der sie gewußt habe, daß sich dort zuweilen Pferde befänden. Es habe ihr als Reiterin, die sich eine Anfängergruppe zu führen als befähigt gehalten habe, auch bekannt sein müssen, daß dann, wenn sich ein Pferd in der Koppel befinde, die Tiere ihrer Gruppe unruhig würden und dadurch die ungeübten Reiter gefährden könnten. Daß sie auf diese mögliche und dann auch eingetretene Gefahr nicht rechtzeitig Bedacht genommen habe, begründe ein weiteres Verschulden ihrerseits, wofür auch der Erstbeklagte einzustehen habe (§ 1313 a ABGB). Was die Frage eines Mitverschuldens der Klägerin anlange so habe diese zwar wissen müssen, daß Reiten nicht ungefährlich und, ganz besonders am Anfang, mit Stürzen vom Pferd zu rechnen sei. Dieser Umstand werde aber durch die Tatsache aufgewogen, daß die Klägerin zunächst vom Reitbetrieb des Erstbeklagten den Eindruck gewinnen habe müssen, daß dort von Gästen ständig ausgeritten werde, die beiden Beklagten über genügend Fachkenntnisse verfügten, um zu wissen, wie auch mit Reitanfängern umzugehen sei und wie das Ausreiten gestaltet werden müsse, um möglichst ohne Gefährdung abgewickelt werden zu können. Dieser Eindruck habe sich verstärken müssen, wenn die Zweitbeklagte wenngleich als junge, aber doch erfahren scheinende Reiterin, beim Ausritt mitgegeben worden sei, um zu gewährleisten, daß der Ausritt klaglos vonstatten gehe. Die Klägerin habe gegen einen Ausritt in das Gelände keine besonderen Bedenken haben müssen, werde doch einerseits der Reiturlaub am Land in verschiedenen Publikationen als besonders naturnahes Ferienerlebnis dargestellt und habe andererseits die Begleitung durch die Zweitbeklagte ein solches gefahrloses Reiterlebnis garantieren können. Daß die Klägerin beim Auftreten der Gefahr in plötzlich aufkommender Angst allenfalls unrichtig reagiert habe, könne ihr ebenfalls nicht zum Verschulden gereichen. Bei Gegenüberstellung des Verhaltens der Beklagten, und jenes der Klägerin könne insbesondere deshalb, weil letztere den Eindruck gewinnen habe können, es handle sich um einen mit keinen besonderen Gefahren verbundenen Reitausflug, gesagt werden, daß gegenüber dem schuldhaften Verhalten der Beklagten die Klägerin keine meßbare Sorglosigkeit treffe.

Die Revision führt aus, wegen der festgestellten Eigenschaften des von der Klägerin gerittenen Pferdes habe dessen Überlassung an sie als Reitneuling dem Erstbeklagten unbedenklich erscheinen müssen. Die Annahme einer Haftung deswegen, weil die Zweitbeklagte durch ihre fachkundig scheinende Begleitung und Aufsicht die Klägerin in der Vorstellung bestärkt habe, das Ausreiten sei nicht besonders gefährlich, erscheine rechtsirrig. Damit werde dem erwachsenen Menschen die einfachste Kalkulation eines Risikos völlig abgenommen. Aber auch das Vorbeireiten der Gruppe an einer Koppel, in welcher sich ein Pferd befinde, begründe kein Verschulden, weil im ländlichen Bereich überall Koppeln und Weiden vorhanden seien und sich die Zweitbeklagte auf die Straße habe konzentrieren müssen. Schließlich erscheine hier die Frage des Handelns auf eigene Gefahr von entscheidender Bedeutung. Die Klägerin habe sich ohne Zwang der Tiergefahr ausgesetzt und somit, wie bei jedem Sport, die Gefährdung ihrer Gesundheit in Kauf genommen. Wenn sie sich, des Reitens unkundig, aus eigenem Antrieb zu einem Ausritt entschlossen habe, so stelle dies ebenfalls ein Handeln auf eigene Gefahr dar. In dieser Gefahr habe sie eine Fehlreaktion gesetzt, indem sie trotz gegenteiliger Belehrung vom Pferd abgesprungen sei. Demgemäß habe sie den Unfall selbst zu verantworten, zumindest aber diesen erheblich mitverschuldet.

Den Revisionsausführungen kann im Ergebnis nicht gefolgt werden. Zunächst ist darauf zu verweisen, daß die Vorinstanzen im Hinblick auf den Ort des Vertragsabschlusses und der Schädigung der Klägerin zutreffend österreichisches Recht angewendet haben. Bei der Beurteilung der Haftungsfrage ist davon auszugehen, daß die Klägerin als Reitneuling nicht befähigt war, ein Pferd allein zu führen und auch keine Wegkenntnisse für einen Ausritt hatte, sodaß es jedenfalls Vertragsvoraussetzung war, daß sie von einer Aufsichtsperson begleitet wurde, welcher die sichere Führung der Reitergruppe und die Beaufsichtigung der Pferde oblag. Demgemäß handelte es sich bei dem zwischen der Klägerin und dem Erstbeklagten geschlossenen entgeltlichen Vertrag aber nicht mehr um einen reinen Mietvertrag, wie er sonst bei der bloßen Vermietung von Reitpferden grundsätzlich vorliegt (4 Ob 501/81), und es traf den Erstbeklagten daher die vertragliche Nebenpflicht, auch für die Sicherheit der Klägerin in zumutbarer Weise vorzusorgen (ähnlich 8 Ob 530/81). Dieser Verpflichtung entsprechend hat der Erstbeklagte nach den getroffenen Feststellungen die offenbar grundsätzlich nicht ungeeignete Zweitbeklagte mit der fachkundigen Führung des Ausrittes beauftragt, denn sie sollte "den Weg zeigen und einen ordnungsgemäßen Verlauf des Ausrittes sicherstellen". Für einen solchen ordnungsgemäßen Verlauf des Ausrittes wäre aber nur dann in zumutbarer Weise vorgesorgt gewesen, wenn die Zweitbeklagte der völlig reitunkundigen Klägerin zunächst Aufklärung über die Möglichkeiten der Abwendung der für einen Anfänger mit einem - reiterisch gar nicht vertretbaren - Ausritt im Gelände verbundenen erhöhten Gefahren gegeben, also erklärt hätte, wie das Pferd gelenkt und gezügelt wird, und sodann vor allem auch eine Route gewählt hätte, auf welcher von außen kommende, zusätzliche Gefahren für einen Reitneuling soweit wie möglich ausgeschlossen worden wären. Hiezu hätte insbesondere gehört, ein unvermitteltes Zusammenkommen mit anderen Pferden zu vermeiden, zumal ein solches auch für die Zweitbeklagte vorhersehbare (siehe ihre

Parteivernehmung AS 95: "...Wenn ein anderes Tier plötzlich kommt,

besteht die Gefahr, daß das eigene Tier durchbricht... Um einem

derartigen Durchbruch vorzubeugen, sind die Zügel straff zu halten.") Fluchtreaktionen der von den Anfängern gerittenen Pferde nach sich ziehen und solcherart eine zusätzliche Gefahr auch für die Klägerin bewirken konnte. Demgemäß hätte sich der Ausritt aus Vorsichtsgründen jedenfalls auf ein Gebiet beschränken müssen, in welchem die Zweitbeklagte solche zusätzliche Gefahren vermeiden bzw. ihnen rechtzeitig begegnen hätte können.

Tatsächlich wurde die Klägerin von der Zweitbeklagten weder auf den Fall einer solchen im Zuge des länger dauernden Ausrittes wegen der Annäherung eines anderen Pferdes möglichen plötzlichen Fluchtreaktion ihres Pferdes vorbereitet, noch hat die Zweitbeklagte eine solche Annäherung durch die Wahl der Route und durch entsprechend erhöhte Aufmerksamkeit (Parteienvernehmung der Zweitbeklagten AS 96: "Ich hätte das Pferd in der Koppel früher sehen können, wenn ich nach rechts geschaut hätte...") verhindert. Statt daß sie mit den Reitneulingen auf dem Privatgelände verblieben wäre, führte sie diese durch die Ortschaft Zupfing, wo es dann auf der Gemeindestraße (Parteiaussage der Zweitbeklagten AS. 126) zum Unfall kam.

Gemäß § 79 Abs 1 StVO 1960 dürfen öffentliche Verkehrsflächen nur von Reitern, die des Reitens kundig sind, benützt werden. Somit hatte die Zweitbeklagte aber eine Route gewählt, auf welcher nicht nur von vornherein zusätzliche Gefahren, wie die plötzliche Annäherung anderer Pferde, im besonderen Maße drohten, sondern deren Benützung für die Klägerin überhaupt verboten war. Im Sinne der vorgenannten Bestimmung hätte sich der Ausritt mit der reitunkundigen Klägerin von vornherein ausschließlich auf Privatgrund beschränken müssen, in welchem Falle der gegenständliche Unfall unterblieben wäre.

Die Zweitbeklagte hat daher durch ihr fahrlässiges, weil vorhersehbar mit der Herbeiführung einer zusätzlichen Unfallsgefahr verbundenes Verhalten das Schadensereignis verschuldet. Da sie beim Ausritt als Erfüllungsgehilfin des Erstbeklagten tätig war, trifft diesen gemäß § 1313 a ABGB wegen Verletzung der vertraglichen Schutz -und Sorgfaltspflichten (JBl. 1978, 479; JBl. 1979, 201; SZ 49/37; 6 Ob 532/80; 8 Ob 530/81 u.a.) ebenfalls die Haftung für die Unfallsfolgen.

Entgegen der Ansicht der Beklagten wurde von den Unterinstanzen ein Mitverschulden der Klägerin am Unfall zutreffend verneint. Die Klägerin hat wohl die üblichen Gefahren, welche bei der Ausübung des Reitsportes und aus dem unberechenbaren tierischen Verhalten von Reitpferden jedenfalls drohen, in Kauf genommen, sie mußte aber nicht damit rechnen, daß sie beim Ausritt in vermeidbare zusätzliche Gefahren gebracht und auf eine für einen Laien nicht erkennbare Gefahr, wie sie in der Annäherung eines fremden Pferdes liegt, weder grundsätzlich vorbereitet noch rechtzeitig aufmerksam gemacht werde. Daß sie entgegen einem Rat der Beklagten den Ausritt gewünscht hätte, wurde gar nicht behauptet. Nach den Feststellungen ist sie möglicherweise von dem plötzlich durchbrechenden Pferd aus Angst abgesprungen. Mangels jeglicher Reitkenntnisse ihrerseits müßte auch ein solches Verhalten aber als eine in Gefahr gesetzte entschuldbare Fehlreaktion gewertet werden.

Der insgesamt ungerechtfertigten Revision war demgemäß ein Erfolg zu versagen.

Die Entscheidung über die Kosten des Revisionsverfahrens gründet sich auf die §§ 41 und 50 ZPO.

Anmerkung

E08866

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1985:0020OB00560.84.0115.000

Dokumentnummer

JJT_19850115_OGH0002_0020OB00560_8400000_000