Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)

Rechtssatz für 3Ob420/53 3Ob777/54 3Ob...

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0018764

Geschäftszahl

3Ob420/53; 3Ob777/54; 3Ob168/58; 7Ob264/56; 2Ob179/57; 3Ob501/57; 1Ob385/57; 5Ob143/62; 5Ob389/63; 2Ob202/64; 6Ob122/66; 4Ob521/67; 1Ob274/67; 6Ob133/69 (6Ob134/69); 1Ob174/71; 6Ob164/73; 5Ob2/74; 3Ob38/74; 1Ob656/78; 7Ob644/78; 8Ob566/78; 8Ob503/79; 7Ob567/80; 7Ob617/80; 1Ob626/82; 3Ob670/82; 1Ob562/83; 6Ob680/82; 5Ob607/83; 7Ob732/83 (7Ob733/83 -7Ob738/83); 1Ob715/87; 3Ob41/87; 6Ob542/88 (6Ob543/88); 5Ob588/87; 1Ob696/88; 1Ob704/89; 8Ob562/90; 1Ob578/95; 1Ob610/95; 4Ob1678/95; 4Ob5/97g; 3Ob130/97g; 6Ob138/98g; 6Ob221/98p; 6Ob72/00g; 3Ob188/99i; 6Ob134/08m; 9Ob50/10h; 8Ob98/10k; 6Ob92/11i; 9Ob63/10w; 4Ob80/12m; 5Ob126/12h; 4Ob98/13k; 4Ob112/13v; 4Ob226/13h; 3Ob118/14w; 7Ob38/17i

Entscheidungsdatum

08.07.1953

Norm

ABGB §932 IV
ABGB §1167

Rechtssatz

Die Herabsetzung der Leistung ist nach jenem Verhältnis vorzunehmen, in welchem zur Zeit des Vertragsabschlusses der Wert der Sache in mangelfreiem Zustand zu dem Wert der mangelhaften Sache gestanden haben würde (sogenannte relative Berechnungsmethode). Bei einem Verkauf würde sich diese Berechnung folgendermaßen darstellen: Wird der Wert der Sache in mangelfreiem Zustand mit 100, ihr Wert unter Berücksichtigung des Mangels dagegen mit 50 und der Kaufpreis mit 80 angenommen, so ergibt sich nach der Verhältnisrechnung 100:50 = 80:x die Minderung mit 40. Das bedeutet: Hat jemand etwas über den Wert erworben und stellt sich das Erworbene als mangelhaft heraus, so kann er seine Leistung in einem den Minderwert übersteigenden Betrag kürzen, hat er hingegen unter dem Wert erworben, so kann er seine Leistung nicht um den ganzen Minderwert herabsetzen.

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 420/53
    Entscheidungstext OGH 08.07.1953 3 Ob 420/53
    Veröff: SZ 26/185
  • 3 Ob 777/54
    Entscheidungstext OGH 01.12.1954 3 Ob 777/54
    Ähnlich; Veröff: HS 1815
  • 3 Ob 168/58
    Entscheidungstext OGH 07.05.1958 3 Ob 168/58
  • 7 Ob 264/56
    Entscheidungstext OGH 30.05.1956 7 Ob 264/56
    Ähnlich
  • 2 Ob 179/57
    Entscheidungstext OGH 08.05.1957 2 Ob 179/57
    Veröff: JBl 1957,454
  • 3 Ob 501/57
    Entscheidungstext OGH 20.11.1957 3 Ob 501/57
  • 1 Ob 385/57
    Entscheidungstext OGH 09.10.1957 1 Ob 385/57
  • 5 Ob 143/62
    Entscheidungstext OGH 19.07.1962 5 Ob 143/62
    nur: Die Herabsetzung der Leistung ist nach jenem Verhältnis vorzunehmen, in welchem zur Zeit des Vertragsabschlusses der Wert der Sache in mangelfreiem Zustand zu dem Wert der mangelhaften Sache gestanden haben würde (sogenannte relative Berechnungsmethode). (T1)
  • 5 Ob 389/63
    Entscheidungstext OGH 23.01.1964 5 Ob 389/63
  • 2 Ob 202/64
    Entscheidungstext OGH 17.09.1964 2 Ob 202/64
    nur T1
  • 6 Ob 122/66
    Entscheidungstext OGH 25.05.1966 6 Ob 122/66
    Veröff: HS 5373/44
  • 4 Ob 521/67
    Entscheidungstext OGH 18.04.1967 4 Ob 521/67
    nur T1; Veröff: LwBetr 1968,157
  • 1 Ob 274/67
    Entscheidungstext OGH 21.12.1967 1 Ob 274/67
  • 6 Ob 133/69
    Entscheidungstext OGH 25.06.1969 6 Ob 133/69
    nur T1; Beisatz: Die Wertminderung kann soweit gehen, dass der Entgeltungsanspruch zur Gänze beseitigt wird. Das ist dann der Fall, wenn das Werk überhaupt wertlos ist. (T2) Veröff: HS 7337
  • 1 Ob 174/71
    Entscheidungstext OGH 01.07.1971 1 Ob 174/71
    nur T1
  • 6 Ob 164/73
    Entscheidungstext OGH 13.09.1973 6 Ob 164/73
    nur T1; Veröff: so auch SZ 26/261
  • 5 Ob 2/74
    Entscheidungstext OGH 30.01.1974 5 Ob 2/74
    EvBl 1974/195 S 437
  • 3 Ob 38/74
    Entscheidungstext OGH 02.04.1974 3 Ob 38/74
    nur T1
  • 1 Ob 656/78
    Entscheidungstext OGH 28.06.1978 1 Ob 656/78
    nur T1; Beis wie T2
  • 7 Ob 644/78
    Entscheidungstext OGH 09.11.1978 7 Ob 644/78
  • 8 Ob 566/78
    Entscheidungstext OGH 01.03.1979 8 Ob 566/78
    nur T1
  • 8 Ob 503/79
    Entscheidungstext OGH 10.05.1979 8 Ob 503/79
    nur T1
  • 7 Ob 567/80
    Entscheidungstext OGH 08.05.1980 7 Ob 567/80
    Auch; nur T1
  • 7 Ob 617/80
    Entscheidungstext OGH 13.11.1980 7 Ob 617/80
    nur T1
  • 1 Ob 626/82
    Entscheidungstext OGH 16.06.1982 1 Ob 626/82
    nur T1; Beisatz: Das Risiko späterer Wertveränderungen (auch die Relation zwischen dem Wert der mangelfreien und der mangelhaften Sache könnte sich, etwa infolge gewandelter Verkehrsauffassung, verändern) soll bei der Preisminderung unberücksichtigt bleiben. (T3)
  • 3 Ob 670/82
    Entscheidungstext OGH 26.01.1983 3 Ob 670/82
    nur T1
  • 1 Ob 562/83
    Entscheidungstext OGH 01.06.1983 1 Ob 562/83
    Auch; nur T1
  • 6 Ob 680/82
    Entscheidungstext OGH 24.11.1983 6 Ob 680/82
    nur T1
  • 5 Ob 607/83
    Entscheidungstext OGH 03.07.1984 5 Ob 607/83
    nur T1
  • 7 Ob 732/83
    Entscheidungstext OGH 20.12.1984 7 Ob 732/83
    Auch
  • 1 Ob 715/87
    Entscheidungstext OGH 09.12.1987 1 Ob 715/87
    nur T1
  • 3 Ob 41/87
    Entscheidungstext OGH 09.09.1987 3 Ob 41/87
    nur T1
  • 6 Ob 542/88
    Entscheidungstext OGH 24.03.1988 6 Ob 542/88
    nur T1
  • 5 Ob 588/87
    Entscheidungstext OGH 21.06.1988 5 Ob 588/87
  • 1 Ob 696/88
    Entscheidungstext OGH 09.11.1988 1 Ob 696/88
    nur T1; Veröff: SZ 61/237
  • 1 Ob 704/89
    Entscheidungstext OGH 29.11.1989 1 Ob 704/89
    Auch; nur T1; Veröff: SZ 62/185 = RdW 1990,342
  • 8 Ob 562/90
    Entscheidungstext OGH 20.02.1992 8 Ob 562/90
  • 1 Ob 578/95
    Entscheidungstext OGH 23.06.1995 1 Ob 578/95
    Auch; nur T1
  • 1 Ob 610/95
    Entscheidungstext OGH 30.01.1996 1 Ob 610/95
    Vgl; nur T1
  • 4 Ob 1678/95
    Entscheidungstext OGH 18.12.1995 4 Ob 1678/95
    Auch; Beisatz: Nach dem Prinzip der Erhaltung der subjektiven Äquivalenz sollen die beim Vertragsabschluss zugrunde gelegten Wertrelationen zwischen Leistung und Gegenleistung aufrechterhalten bleiben. (T4)
  • 4 Ob 5/97g
    Entscheidungstext OGH 28.01.1997 4 Ob 5/97g
    Auch; nur T1
  • 3 Ob 130/97g
    Entscheidungstext OGH 17.09.1997 3 Ob 130/97g
    Auch; Beis wie T2
  • 6 Ob 138/98g
    Entscheidungstext OGH 25.06.1998 6 Ob 138/98g
    nur T1; Beis wie T4
  • 6 Ob 221/98p
    Entscheidungstext OGH 15.10.1998 6 Ob 221/98p
    Beis wie T4
  • 6 Ob 72/00g
    Entscheidungstext OGH 23.10.2000 6 Ob 72/00g
    Vgl auch
  • 3 Ob 188/99i
    Entscheidungstext OGH 23.05.2001 3 Ob 188/99i
    nur T1; Beisatz: Lässt sich ein Wert der "mangelfreien Sache" nicht ermitteln, dann ist die Anwendung des § 273 ZPO zulässig und notwendig. (T5)
  • 6 Ob 134/08m
    Entscheidungstext OGH 07.07.2008 6 Ob 134/08m
    Vgl; Beisatz: Hier: Zur Berechnung des Preisminderungsanspruchs bei einem nach Kauf aufgetretenen Motorschaden eines Gebrauchtwagens und dessen Weiterveräußerung in unrepariertem Zustand. (T6)
  • 9 Ob 50/10h
    Entscheidungstext OGH 28.07.2010 9 Ob 50/10h
    nur T1; Beis wie T4; Beisatz: Ohne Darlegung besonders rücksichtswürdiger Verkäuferinteressen besteht für eine Preisminderung nach der relativen Berechnungsmethode keine Untergrenze mit dem Verkehrswert des mangelhaften Objekts. (T7); Veröff: SZ 2010/91
  • 8 Ob 98/10k
    Entscheidungstext OGH 29.06.2011 8 Ob 98/10k
    Vgl auch
  • 6 Ob 92/11i
    Entscheidungstext OGH 16.06.2011 6 Ob 92/11i
    Beis wie T5
  • 9 Ob 63/10w
    Entscheidungstext OGH 29.08.2011 9 Ob 63/10w
    Vgl
  • 4 Ob 80/12m
    Entscheidungstext OGH 10.07.2012 4 Ob 80/12m
    Auch; nur T1
  • 5 Ob 126/12h
    Entscheidungstext OGH 24.01.2013 5 Ob 126/12h
    Auch; nur T1
  • 4 Ob 98/13k
    Entscheidungstext OGH 18.06.2013 4 Ob 98/13k
    Vgl auch; nur T1
  • 4 Ob 112/13v
    Entscheidungstext OGH 27.08.2013 4 Ob 112/13v
    Vgl auch; nur T1
  • 4 Ob 226/13h
    Entscheidungstext OGH 17.02.2014 4 Ob 226/13h
    Vgl auch; nur T1
  • 3 Ob 118/14w
    Entscheidungstext OGH 21.08.2014 3 Ob 118/14w
    Auch; Beisatz: Schon die Berechnung auf der Basis der objektiven Wertverhältnisse zeigt, dass die subjektive(n) Auswirkung(en) von Mängeln auf den Übernehmer bei der Ermittlung der Preisminderung nicht entscheidend sind. IdS geht das Preisminderungsrecht auch nicht durch Untergang oder Veräußerung der Sache verloren. (T8)
    Beisatz: Für die Beurteilung des zeitlichen Aspekts der Reisepreisminderung kommt es nicht darauf an, ob der Reisende die mangelhafte Reiseleistung (hier Unterbringung) weiter in Anspruch nimmt, dh durch diese subjektiv beeinträchtigt wird, oder ob er ‑ wie hier bei aufrecht erhaltenem Reisevertrag ‑ selbst durch einen Wechsel in ein anderes Hotel Abhilfe schafft, sondern darauf, ob die Reisemängel während des gesamten Zeitraums der gebuchten (= vereinbarten) Unterbringung weiter bestanden. (T9)
  • 7 Ob 38/17i
    Entscheidungstext OGH 20.12.2017 7 Ob 38/17i
    Auch; Beis wie T4

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1953:RS0018764

Im RIS seit

15.06.1997

Zuletzt aktualisiert am

31.01.2018

Dokumentnummer

JJR_19530708_OGH0002_0030OB00420_5300000_001

Rechtssatz für 3Ob420/53

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0024221

Geschäftszahl

3Ob420/53

Entscheidungsdatum

08.07.1953

Norm

ABGB §932 IV

Rechtssatz

Bei Mängel einer von mehreren gegen eine Aufzahlungsverpflichtung im Tausch gegebenen Sachen sind für die Minderung dieselben Grundsätze wie bei einem Verkauf mehrerer Sachen anzuwenden, dh es ist bei der Herabsetzung der Leistung der Gesamtwert aller Sachen zugrundezulegen.

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 420/53
    Entscheidungstext OGH 08.07.1953 3 Ob 420/53
    Veröff: SZ 26/185

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1953:RS0024221

Dokumentnummer

JJR_19530708_OGH0002_0030OB00420_5300000_002

Rechtssatz für 3Ob420/53

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0024354

Geschäftszahl

3Ob420/53

Entscheidungsdatum

08.07.1953

Norm

ABGB §932 IIb

Rechtssatz

Ein Huffehler, der die Verwendung eines Pferdes auf hartem Boden hindert, und der eine besondere Behandlung und eine besondere Art des Hufschlages erfordert, ist nicht als unerheblich, sondern im Gegenteil als ein ungewöhnlicher und wertmindernder Mangel anzusehen.

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 420/53
    Entscheidungstext OGH 08.07.1953 3 Ob 420/53
    Veröff: SZ 26/185

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1953:RS0024354

Dokumentnummer

JJR_19530708_OGH0002_0030OB00420_5300000_003

Rechtssatz für 3Ob420/53

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

RS0032123

Geschäftszahl

3Ob420/53

Entscheidungsdatum

08.07.1953

Norm

ABGB §891

Rechtssatz

Erzeugt die Hauptverpflichtung eine Korrealschuld so muß dies auch für die mit dieser Schuld im Zusammenhang stehende Nebenverpflichtung gelten, mag diese auch eine teilbare Schuld betreffen.

Entscheidungstexte

  • 3 Ob 420/53
    Entscheidungstext OGH 08.07.1953 3 Ob 420/53
    Veröff: SZ 26/185

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1953:RS0032123

Dokumentnummer

JJR_19530708_OGH0002_0030OB00420_5300000_004

Entscheidungstext 3Ob420/53

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Geschäftszahl

3Ob420/53

Entscheidungsdatum

08.07.1953

Norm

Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch §888
Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch §889
Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch §923
Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch §932
Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch §932a

Kopf

SZ 26/185

Spruch

Bei Mängeln einer von mehreren gegen eine Aufzahlungsverpflichtung im Tausch gegebenen Sachen sind für die Minderung dieselben Grundsätze wie bei einem Verkauf mehrerer Sachen anzuwenden.

Erzeugt die Hauptverpflichtung eine Korrealschuld, so gilt dies auch für die mit dieser Schuld im Zusammenhang stehende Nebenverpflichtung, mag diese auch eine teilbare Schuld betreffen.

Ein Huffehler, der die Verwendung eines Pferdes auf hartem Boden hindert und eine besondere Behandlung und eine besondere Art des Hufbeschlages erfordert, ist als ein ungewöhnlicher und wertmindernder Mangel anzusehen.

Entscheidung vom 8. Juli 1953, 3 Ob 420/53.

I. Instanz: Bezirksgericht Oberpullendorf; II. Instanz:

Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien.

Text

Im Mai 1951 kamen die beiden Beklagten, zwei Brüder, die miteinander wirtschaften, zum Kläger, einem Pferdehändler, und boten ihm den Tausch zweier dem Erstbeklagten gehörigen Pferde gegen zwei mittlere Zugpferde an.

Am 31. Mai 1951 brachte der Kläger zwei Pferde nach H., dem Wohnort der Beklagten. Das eine Pferd war 6jährig, das andere 8 - 9jährig. Das ältere Pferd hatte am rechten Vorderhuf einen Hufmangel, der schon seit längerer Zeit bestand, aber nicht angeboren war. Der Kläger bot diese beiden Pferde den Beklagten zum Tausch an und verlangte überdies noch 2500 S. Das Geschäft kam mit einer Aufzahlungsverpflichtung der Beklagten von 2000 S zustande. Der Erstbeklagte zahlte 1000 S gleich und stellte die Bezahlung der restlichen 1000 S in ein paar Tagen in Aussicht. Der Restbetrag wurde aber von den Beklagten nicht bezahlt, da sie gegen die Forderung des Klägers Gewährleistungsansprüche geltend machten, und zwar aus dem Gründe, daß das eine Pferd zu alt sei und überdies den erwähnten Hufmangel habe.

Auf die Klage des Pferdehändlers erkannte das Erstgericht die Beklagten zur ungeteilten Hand schuldig, dem Kläger 490 S zu bezahlen. Das Erstgericht erachtete den Gewährleistungsanspruch wegen des zu hohen Alters des einen Pferdes und des bei diesem bestehenden Hufmangels für gegeben, wobei es den Minderwert dieses Pferdes infolge des höheren Alters mit 500 S und infolge des Hufmangels mit 10 S bewertete.

Gegen das Urteil des Erstgerichtes erhoben beide Streitteile Berufung. Das Berufungsgericht änderte das Ersturteil in dem Sinne, daß es die Beklagten zur Zahlung eines Betrages von 1000 S verurteilte, das Begehren, die Zahlung den Beklagten zur ungeteilten Hand aufzuerlegen, aber abwies.

Das Berufungsgericht ging dabei davon aus, daß ein bestimmtes Alter der Pferde vom Kläger nicht zugesagt worden sei und der Hufmangel das Pferd zum bedungenen Gebrauch nicht untauglich machte.

Der Oberste Gerichtshof gab der Revision der Beklagten zum Teil Folge und verurteilte sie zur ungeteilten Hand zur Bezahlung eines Betrages von 800 S an den Kläger, während er das Mehrbegehren abwies.

Rechtliche Beurteilung

Aus den Entscheidungsgründen:

Bei der Verurteilung der Beklagten zur ungeteilten Hand ist der Oberste Gerichtshof entsprechend den Feststellungen der Vorinstanzen davon ausgegangen, daß die beiden Beklagten gemeinsam den Vertrag geschlossen haben, daß sie gemeinsam wirtschaften sowie davon, daß es sich hier um einen Tauschvertrag mit einer Aufzahlungsverpflichtung der Beklagten handelt und daß daher in der Hauptsache ein Tauschvertrag, u. zw. ein unteilbare Sachen betreffender Tauschvertrag, vorliegt. Erzeugt die Hauptverpflichtung eine Korrealschuld, so muß dies auch für die mit dieser Schuld im Zusammenhang stehende Nebenverpflichtung gelten, mag diese auch eine teilbare Sache betreffen.

Mit dem Revisionsgrund der Mangelhaftigkeit rügt die Revision zunächst, daß sich das Berufungsgericht ohne einen Beweisbeschluß in Beweiserhebungen über den Wert der in Tausch gegebenen und genommenen Pferde eingelassen habe. Da aber die Beklagten diesen Mangel im Berufungsverfahren nicht gerügt haben, können sie ihn im Revisionsverfahren nach § 488 Abs. 2 und § 196 ZPO. nicht mehr vorbringen (vgl. Rsp. 1936 Nr. 254). Wenn in diesem Zusammenhang die Revision die Ansicht vertritt, daß Beweise in dieser Richtung völlig überflüssig gewesen seien, so ist das nur bedingt richtig. Für den Bestand eines einredeweise geltend gemachten Gewährleistungsanspruches ist es allerdings unerheblich, ob der sich der Einrede bedienende Beklagte ein gutes oder schlechtes Geschäft gemacht hat. Stellte man sich mit dem Berufungsgericht auf den Standpunkt, daß das ältere der von den Beklagten eingetauschten Pferde, das einmal als Rotschimmel, das andere Mal wieder als stichelhaariger Fuchs bezeichnet wurde, keinen Gewährleistungsmangel aufgewiesen habe, weil es "zu dem bedungenen Gebrauch verwendbar war", dann hätte sich allerdings eine Erörterung des Wertes der hin- und hergetauschten Pferde erübrigt. Nach Ansicht der Revision liegt aber ein Mangel vor. Er betrifft eine von zwei gegen eine zusätzliche Aufzahlungsverpflichtung in Tausch gegebenen Sachen. In einem solchen Fall sind für die Minderung dieselben Grundsätze wie bei einem Verkauf mehrerer Sachen anzuwenden, d. h. es ist bei der Herabsetzung der Leistung der Gesamtwert aller Sachen zugrunde zu legen (vgl. § 472 Abs. 2 BGB.). Im übrigen ist die Herabsetzung der Leistung nach jenem Verhältnis vorzunehmen, in welchem zur Zeit des Vertragsschlusses der Wert der Sache in mangelfreiem Zustand zu dem Wert der mangelhaften Sache gestanden haben würde (sogenannte relative Berechnungsmethode). Bei einem Verkauf würde sich diese Berechnung folgendermaßen darstellen: Wird der Wert der Sache in mangelfreiem Zustand mit 100, ihr Wert unter Berücksichtigung des Mangels dagegen mit 50 und der Kaufpreis mit 80 angenommen, so ergibt sich nach der Verhältnisrechnung 100 : 50 = 80 : x die Minderung mit 40. Das bedeutet: Hat jemand etwas über den Wert erworben und stellt sich das Erworbene als mangelhaft heraus, so kann er seine Leistung in einem den Minderwert übersteigenden Betrag kürzen, hat er hingegen unter dem Wert erworben, so kann er seine Leistung nicht um den ganzen Minderwert herabsetzen. Bei Vorliegen eines Gewährleistungsmangels hätte daher eine Erhebung des Wertes der beiderseitigen Leistungen guten Sinn gehabt.

Soweit im Rahmen der Rechtsrüge die Beklagten gegen die Auffassung des Berufungsgerichtes polemisieren, es läge ein Kaufvertrag vor, so handelt es sich dabei offenkundig nicht um eine Beurteilung des Geschäftes als eines Kaufvertrages durch das Berufungsgericht, sondern nur um eine unschädliche Ungenauigkeit des Ausdrucks. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß beide Vorinstanzen das Geschäft zutreffend als einen Tauschvertrag mit zusätzlicher Aufzahlungsverpflichtung beurteilt haben.

Mit ihrer Rechtsrüge wenden sich die Beklagten weiter gegen die von beiden Vorinstanzen angenommene Passivlegitimation des Zweitbeklagten. Zu diesem Punkt liegen aber die Feststellungen der Vorinstanzen vor, daß beide Beklagten mit dem Kläger verhandelt haben, daß beide Beklagten miteinander wirtschaften und die eingetauschten Pferde auch beim Zweitbeklagten Verwendung finden sollten. Wenn unter diesen Umständen die Vorinstanzen die Passivlegitimation des Zweitbeklagten annahmen, so kann darin kein Rechtsirrtum gefunden werden. Allerdings hat das Berufungsgericht festgestellt, daß die Pferde, die der Kläger eingetauscht hat, zuvor dem Erstbeklagten gehört haben. Für einen Tauschvertrag ist aber Eigentum der Tauschpartner nicht Voraussetzung, sondern nur die Möglichkeit, das Eigentum zu verschaffen. Es konnte daher der Zweitbeklagte, der diese Möglichkeit eben wegen des seinem Bruder zustehenden Eigentums hatte, mit diesem zusammen den Vertrag schließen, jedenfalls hatte er aber die Möglichkeit, zusammen mit seinem Bruder die Aufzahlungsverpflichtung auf sich zu nehmen, und das allein würde für seine Passivlegitimation genügen.

Begrundet ist die Rechtsrüge insoweit, als sie sich gegen die Auffassung des Berufungsgerichtes wendet, der Kläger habe deshalb nicht Gewähr zu leisten, weil der Rotschimmel (stichelhaariger Fuchs) zur Verwendung im landwirtschaftlichen Betrieb der Beklagten geeignet war. Zunächst ist gar nicht festgestellt, daß nur eine Verwendung für bestimmte Zugzwecke bedungen war, im Gegenteil hat das Berufungsgericht festgestellt, daß bedungen war, es müßten zwei fromme, gemütliche Zugpferde sein, ohne daß dabei eine bestimmte Art des Zuges erwähnt worden wäre.

Aus § 932 ABGB. ergibt sich mit aller Deutlichkeit, daß auch für einen den ordentlichen Gebrauch nicht hindernden Mangel Gewähr zu leisten ist,vorausgesetzt, daß der Mangel nicht unerheblich ist.

Der Oberste Gerichtshof ist der Ansicht, daß ein Huffehler, der die Verwendung eines Pferdes auf hartem Boden hindert, der eine besondere Behandlung und eine besondere Art des Hufbeschlages erfordert, nicht als unerheblich, sondern im Gegenteil als ein ungewöhnlicher und wertmindernder Mangel anzusehen ist. Als einen solchen hat den Huffehler auch der Sachverständige Dr. K., gegen dessen "grundliche, alle Umstände erwägenden Angaben" das Berufungsgericht keine Bedenken hatte, gewertet. Allerdings war der Huffehler nach etwa 1 1/2 Jahren im Herbst 1952 völlig geheilt. Daraus folgt aber nicht, daß für den Fehler nicht Gewähr zu leisten ist, sondern nur, daß bei dem Umfang der Minderung das Zeitmoment zu berücksichtigen ist. Ob die Beklagten für einen besonderen Beschlag oder sonst für die Beseitigung des Mangels Auslagen hatten, fällt nicht entscheidend ins Gewicht, denn der Minderungsanspruch ist kein Schadenersatzanspruch.

Nach den Wertangaben des Sachverständigen Dr. K., die das Berufungsgericht seiner Beurteilung, ob das Geschäft für die Beklagten günstig oder ungünstig war, zugrunde legte, betrug die Wertminderung des acht- bis neunjährigen Rotschimmels (stichelhaarigen Fuchses) infolge des Huffehlers ungefähr 1000 S, wobei die Verkaufswerte zugrunde gelegt wurden. Nach Ansicht des Obersten Gerichtshofes wäre eine Wertminderung in dieser Höhe aber nur anzuerkennen, wenn der Mangel in der Folge nicht behoben worden wäre. Nun ist der Mangel aber nach etwa 1 1/2 Jahren im Herbst 1952, also nach Schluß der Verhandlung erster Instanz, ausgeheilt worden. Nimmt man nun mit dem Sachverständigen die Gebrauchstauglichkeit eines Pferdes bis zum Alter von 15 Jahren an, so hat der wertmindernde Mangel in einem Viertel des Zeitraumes bestanden, zu dem vom Tausch an Gebrauchstauglichkeit des Pferdes anzunehmen ist. Unter Berücksichtigung dieses Zeitmomentes ist daher der Minderwert nur mit 250 S anzunehmen. Nun haben aber nach den Feststellungen des Berufungsgerichtes die Beklagten ein gutes Geschäft gemacht. Sie haben die eingetauschten Pferde unter ihrem Wert übernommen. Nach den früher dargestellten Grundsätzen können die Beklagten daher nicht den ganzen Minderwert in der Höhe von 250 S in Abzug bringen, sondern nur einen Teil davon, den der Oberste Gerichtshof im Sinne des § 273 ZPO. mit 200 S annimmt. Eine genauere Berechnung ist im Hinblick darauf, daß der Sachverständige nur ungefähre Werte, teilweise mit einer Spannung bis zu 500 S, angegeben hat, aber auch deshalb gar nicht möglich, da die hin- und hergetauschten Pferde, zumindest zwei von ihnen, gar nicht mehr vorhanden sind.

Aus diesen Erwägungen hat der Oberste Gerichtshof das Urteil des Berufungsgerichtes dahin geändert, daß die Beklagten nur zu vier Fünftel des eingeklagten Betrages verurteilt wurden.

Schlagworte

Aufzahlung, Tausch - Minderung, Hauptschuld, Korrealverpflichtung, Huffehler, Viehmangel, Kauf, Minderung und Tausch, Korrealität, Nebenverpflichtung, Mängel, Pferd, Minderung Tausch, Nebenverpflichtung, Korrealschuld, Pferd, Viehmangel, Tausch, Mängel, Minderung, Viehmangel, Huffehler

Anmerkung

Z26185

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1953:0030OB00420.53.0708.000

Dokumentnummer

JJT_19530708_OGH0002_0030OB00420_5300000_000