Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Rechtssatz für Ro 2015/15/0015

Gericht

Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

1

Geschäftszahl

Ro 2015/15/0015

Entscheidungsdatum

30.06.2015

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein
20/01 Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB)

Norm

ABGB §6;
VwRallg;

Beachte

Serie (erledigt im gleichen Sinn): Ro 2015/15/0003 E 30. Juni 2015

Rechtssatz

Erläuterungen zur Regierungsvorlage können im Rahmen der Interpretation des Gesetzes einen Hinweis auf das Verständnis des Gesetzes bieten (vgl. das hg. Erkenntnis vom 25. Juli 2013, 2012/15/0004, mwN). Gleiches gilt auch für Erläuterungen zu einem Initiativantrag.

Schlagworte

Auslegung Anwendung der Auslegungsmethoden Verhältnis der wörtlichen Auslegung zur teleologischen und historischen Auslegung Bedeutung der Gesetzesmaterialien VwRallg3/2/2

Im RIS seit

27.07.2015

Zuletzt aktualisiert am

09.03.2017

Dokumentnummer

JWR_2015150015_20150630J01

Rechtssatz für Ro 2015/15/0015

Gericht

Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

2

Geschäftszahl

Ro 2015/15/0015

Entscheidungsdatum

30.06.2015

Index

001 Verwaltungsrecht allgemein
16/02 Rundfunk
77 Kunst Kultur
91/01 Fernmeldewesen

Norm

BVG Rundfunk Art1 Abs1;
KunstförderungsbeitragsG 1981 §1 Abs1 Z1;
ORF-G 2001 §31 Abs10;
RGG 1999 §1 Abs1;
RGG 1999 §2 Abs1;
VwRallg;

Beachte

Serie (erledigt im gleichen Sinn): Ro 2015/15/0003 E 30. Juni 2015

Rechtssatz

Die Gebührenpflicht nach dem RGG gründet im Betreiben einer Rundfunkempfangseinrichtung in Gebäuden, wobei dem Betrieb die Betriebsbereitschaft gleichzuhalten ist. Auch betreffend ORF-Programmentgelt (vgl. hiezu das hg. Erkenntnis vom 27. November 2014, Zl. Ro 2014/15/0040) und Kunstförderungsbeitrag besteht eine Zahlungspflicht nur dann, wenn die betreffende Person Rundfunkteilnehmer ist, also eine Rundfunkempfangseinrichtung in Gebäuden betreibt oder betriebsbereit hält. § 1 Abs. 1 RGG verweist hiezu wiederum auf das BVG-Rundfunk. Die Legaldefinition von Rundfunk nach diesem Verfassungsgesetz ist sehr weit und führt nach seinem Wortlaut zu absurden Ergebnissen: Demnach bedürfte etwa auch die Einrichtung einer Homepage einer gesetzlichen Ermächtigung (vgl. Korinek, JRP 2000, 129 ff (133)). Es ist anerkannt, dass dieser Begriff daher teleologisch zu reduzieren ist (vgl. Berka in FS-Öhlinger, 584 ff (589)), da ein derart realitätsfremdes Ergebnis (wie das von Korinek geschilderte Beispiel) dem Verfassungsgesetzgeber nicht zugesonnen werden kann (vgl. Holoubek/Damjanovic/Fuchs/Kalteis in Holoubek/Potacs, Öffentliches Wirtschaftsrecht I3, 1127 ff (1158)).

Schlagworte

Auslegung Anwendung der Auslegungsmethoden Verhältnis der wörtlichen Auslegung zur teleologischen und historischen Auslegung Bedeutung der Gesetzesmaterialien VwRallg3/2/2

Im RIS seit

27.07.2015

Zuletzt aktualisiert am

09.03.2017

Dokumentnummer

JWR_2015150015_20150630J02

Rechtssatz für Ro 2015/15/0015

Gericht

Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

3

Geschäftszahl

Ro 2015/15/0015

Entscheidungsdatum

30.06.2015

Index

16/02 Rundfunk

Norm

BVG Rundfunk Art1 Abs1;

Beachte

Serie (erledigt im gleichen Sinn): Ro 2015/15/0003 E 30. Juni 2015

Rechtssatz

Der Verwaltungsgerichtshof schließt sich der Ansicht von Twaroch/Buchner (Rundfunkrecht in Österreich5 [2000], 34 f, Anm. 2.1 zum BVG-Rundfunk) an, wonach der historische Gesetzgeber mit Art. I Abs. 1 BVG-Rundfunk elektronische Darbietungen über das Internet nicht erfassen wollte (siehe zur teleologischen Reduktion von Art. I Abs. 1 BVG-Rundfunk auch Berka, FS-Öhlinger, 584 ff [589]); Holoubek/Damjanovic/Fuchs/Kalteis in Holoubek/Potacs, Öffentliches Wirtschaftsrecht I3, 1127 ff [1158]). In diesem Sinne sind auch die ErlRV zum Gesetz BGBl. I Nr. 50/2010 (Hinweis 611 BlgNR 24. GP, 1 ff) zu verstehen.

Im RIS seit

27.07.2015

Zuletzt aktualisiert am

09.03.2017

Dokumentnummer

JWR_2015150015_20150630J03

Rechtssatz für Ro 2015/15/0015

Gericht

Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

4

Geschäftszahl

Ro 2015/15/0015

Entscheidungsdatum

30.06.2015

Index

E3L E06202050
16/02 Rundfunk

Norm

32007L0065 Nov-31989L0552;
32010L0013 audiovisuelle Mediendienste;
AMD-G 2001 §2 Z16 idF 2010/I/050;
BVG Rundfunk Art1 Abs1;
ORF-G 2001 §1a Z2;

Beachte

Serie (erledigt im gleichen Sinn): Ro 2015/15/0003 E 30. Juni 2015

Rechtssatz

Bei Erlassung des Gesetzes BGBl. I Nr. 50/2010 ging der nationale Gesetzgeber - wie aus den Erläuterungen (Hinweis 611 BlgNR 24. GP, 1 ff) hervorgeht - davon aus, dass der Begriff "Fernsehprogramme" (laut Richtlinie 2007/65/EG) über den Begriff "Rundfunk" iSd BVG-Rundfunk hinausgehe. Dem entsprechend erfolgte die Definition in § 2 Z 16 AMD-G, wonach ein Fernsehprogramm nicht nur audiovisuelle Rundfunkprogramme iSd BVG-Rundfunk, sondern auch andere über elektronische Kommunikationsnetze verbreitete audiovisuelle Mediendienste umfasse, die für den zeitgleichen Empfang bereitgestellt würden. Diese (zusätzliche) Regelung wäre überflüssig, würde man annehmen, dass auch über elektronische Kommunikationsnetze verbreitete audiovisuelle Mediendienste (mit zeitgleichem Empfang) dem Begriff des Rundfunks iSd BVG-Rundfunk entsprechen würden. Es ist aber im Allgemeinen nicht anzunehmen, dass der Gesetzgeber Überflüssiges regelt. "Live-Streaming" fällt daher zwar unter den Begriff "Fernsehprogramm" iSd Richtlinie 2007/65/EG (so auch ausdrücklich Erwägungsgrund 20 der genannten Richtlinie; vgl. nunmehr Erwägungsgrund 27 der Richtlinie 2010/13/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. März 2010 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Bereitstellung audiovisueller Mediendienste) und ebenso unter den Begriff "Fernsehprogramm" iSd § 1a Z 2 ORF-Gesetz, erfüllt aber nicht den Begriff des "Rundfunks" iSd BVG-Rundfunk.

Im RIS seit

27.07.2015

Zuletzt aktualisiert am

09.03.2017

Dokumentnummer

JWR_2015150015_20150630J04

Rechtssatz für Ro 2015/15/0015

Gericht

Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

5

Geschäftszahl

Ro 2015/15/0015

Entscheidungsdatum

30.06.2015

Index

16/02 Rundfunk
91/01 Fernmeldewesen

Norm

PrivatradioG 2001 §1 Abs1 idF 2010/I/050;
RGG 1999 §1 Abs1;

Beachte

Serie (erledigt im gleichen Sinn): Ro 2015/15/0003 E 30. Juni 2015

Rechtssatz

Rundfunkempfangseinrichtungen iSd RGG sind lediglich jene Geräte, die "Rundfunktechnologien" verwenden (drahtloser terrestrischer Weg, Kabelnetze, Satellit). Einem solchen Verständnis entspricht nunmehr auch der Wortlaut des § 1 Abs. 1 Privatradiogesetz. Ein Computer, über den mittels dieser Rundfunktechnologien Rundfunkprogramme empfangen werden können (etwa mittels TV- oder Radiokarte, DVB-T-Modul), ist demnach als Rundfunkempfangsgerät zu beurteilen. Ein Computer lediglich mit einem Internetanschluss - ohne Rundfunktechnologie - ist hingegen kein Rundfunkempfangsgerät (vgl. Holoubek/Kassai/Traimer, Grundzüge des Rechts der Massenmedien5, 121; ähnlich Kogler/Traimer/Truppe, Österreichische Rundfunkgesetze3, 894 f).

Im RIS seit

27.07.2015

Zuletzt aktualisiert am

09.03.2017

Dokumentnummer

JWR_2015150015_20150630J05

Rechtssatz für Ro 2015/15/0015

Gericht

Verwaltungsgerichtshof (VwGH)

Entscheidungsart

Erkenntnis

Dokumenttyp

Rechtssatz

Rechtssatznummer

6

Geschäftszahl

Ro 2015/15/0015

Entscheidungsdatum

30.06.2015

Index

L36109 Kulturförderungsabgabe Rundfunkabgabe Wien
10/07 Verwaltungsgerichtshof
16/02 Rundfunk
91/01 Fernmeldewesen

Norm

KulturförderungsbeitragsG Wr 2000 §8 Abs1a;
RGG 1999 §5 Abs6;
VwGG §47 Abs3;
VwGG §47 Abs5;

Beachte

Serie (erledigt im gleichen Sinn): Ro 2015/15/0003 E 30. Juni 2015

Rechtssatz

Der Ausspruch über den Aufwandersatz gründet in §§ 47 ff VwGG in Verbindung mit der VwGH-AufwErsV. Gemäß § 47 Abs. 3 VwGG haben Mitbeteiligte einen Anspruch auf Aufwandersatz im - hier vorliegenden - Fall der Abweisung der Revision. Zu leisten ist der Aufwandersatz bei Abweisung der Revision an sich vom Revisionswerber. Da Revisionswerber im hier vorliegenden Fall aber die belangte Behörde des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht ist (hier die GIS Gebühren Info Service GmbH), ist der Aufwandersatz im Sinne des § 47 Abs. 5 VwGG von dem Rechtsträger zu tragen, in dessen Namen die Behörde in dem dem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht vorangegangenen Verwaltungsverfahren gehandelt hat. Dabei handelt es sich - schon im Hinblick auf die Weisungsbefugnis des Bundesministers für Finanzen (§ 5 Abs. 6 RGG) - um den Bund (anderes würde gelten, wäre die Eintreibung des Wiener Kulturförderungsbeitrages Gegenstand des Verfahrens vor dem Verwaltungsgerichtshof; in diesem Fall wäre im Hinblick auf die Weisungsbefugnis der Wiener Landesregierung nach § 8 Abs. 1a Wiener Kulturförderungsbeitragsgesetz 2000 das Land Wien der betroffene Rechtsträger). (Hier: Gegenstand des Verfahrens vor dem Verwaltungsgerichtshof war die Vorschreibung der Rundfunkgebühren, des ORF-Programmentgelts und des Kunstförderungsbeitrags.)

Im RIS seit

27.07.2015

Zuletzt aktualisiert am

09.03.2017

Dokumentnummer

JWR_2015150015_20150630J06