Landesverwaltungsgerichte (LVwG)

Rechtssatz für LVwG-2014/44/0738-17

Dokumenttyp

Rechtssatz

Entscheidungsart

Erkenntnis

Geschäftszahl

LVwG-2014/44/0738-17

Rechtssatznummer

1

Entscheidungsdatum

08.10.2018

Index

L55007 Baumschutz Landschaftsschutz
Naturschutz Tirol"

Norm

NatSchG Tir 2005 §6 litd
NatSchG Tir 2005 §23
NatSchG Tir 2005 §29
TNSchV 2006 §2
TNSchV 2006 §3
TNSchV 2006 §7
TNSchV 2006 Anlage 2, 3 und 4

Anmerkung

Der Verwaltungsgerichtshof wies die gegen das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichtes Tirol vom 08.10.2018, Z LVwG-2014/44/0738-17, erhobene ordentliche Revision mit Beschluss vom 27.02.2019, Z Ro 2019/10/0006-4, zurück.

Rechtssatz

Aus der Systematik der abgestuften Beurteilungsmaßstäbe des Paragraph 29, Absatz eins und 2 TNSchG 2005 und dem klaren Gesetzeswortlaut ergibt sich, dass der Gesetzgeber in Paragraph 23, Absatz 5, Litera c, TNSchG 2005 mit den "zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses" strengere Anforderungen an die Interessenabwägung formuliert als in Paragraph 29, Absatz 2, TNSchG 2005 mit den „langfristigen öffentlichen Interessen.“

Schlagworte

Interessenabwägung; Artenschutz; Hochleger; Almweg; Landschaftsbild;

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:LVWGTI:2018:LVwG.2014.44.0738.17

Zuletzt aktualisiert am

20.03.2019

Dokumentnummer

LVWGR_TI_20181008_LVwG_2014_44_0738_17_01

Rechtssatz für LVwG-2014/44/0738-17

Dokumenttyp

Rechtssatz

Entscheidungsart

Erkenntnis

Geschäftszahl

LVwG-2014/44/0738-17

Rechtssatznummer

2

Entscheidungsdatum

08.10.2018

Index

L55007 Baumschutz Landschaftsschutz
Naturschutz Tirol"

Norm

NatSchG Tir 2005 §6 litd
NatSchG Tir 2005 §23
NatSchG Tir 2005 §29
TNSchV 2006 §2
TNSchV 2006 §3
TNSchV 2006 §7
TNSchV 2006 Anlage 2, 3 und 4

Anmerkung

Der Verwaltungsgerichtshof wies die gegen das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichtes Tirol vom 08.10.2018, Z LVwG-2014/44/0738-17, erhobene ordentliche Revision mit Beschluss vom 27.02.2019, Z Ro 2019/10/0006-4, zurück.

Rechtssatz

Ein absichtliches Handeln iSd der Verbotstatbestände des Paragraph 23, TNSchG 2005 in Verbindung mit Paragraph 2, TNSchVO 2006 liegt anders als bei der strafrechtlichen Absichtlichkeit bereits dann vor, wenn die Verwirklichung des maßgeblichen Sachverhaltes billigend in Kauf genommen wird vergleiche LVwG Tirol 16.06.2016, LVwG-2015/44/1078).

Schlagworte

Interessenabwägung; Artenschutz; Hochleger; Almweg; Landschaftsbild;

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:LVWGTI:2018:LVwG.2014.44.0738.17

Zuletzt aktualisiert am

20.03.2019

Dokumentnummer

LVWGR_TI_20181008_LVwG_2014_44_0738_17_02

Rechtssatz für LVwG-2014/44/0738-17

Dokumenttyp

Rechtssatz

Entscheidungsart

Erkenntnis

Geschäftszahl

LVwG-2014/44/0738-17

Rechtssatznummer

3

Entscheidungsdatum

08.10.2018

Index

L55007 Baumschutz Landschaftsschutz
Naturschutz Tirol"

Norm

NatSchG Tir 2005 §6 litd
NatSchG Tir 2005 §23
NatSchG Tir 2005 §29
TNSchV 2006 §2
TNSchV 2006 §3
TNSchV 2006 §7
TNSchV 2006 Anlage 2, 3 und 4

Anmerkung

Der Verwaltungsgerichtshof wies die gegen das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichtes Tirol vom 08.10.2018, Z LVwG-2014/44/0738-17, erhobene ordentliche Revision mit Beschluss vom 27.02.2019, Z Ro 2019/10/0006-4, zurück.

Rechtssatz

Die Verbotstatbestände des Paragraph 23, TNSchG 2005 in Verbindung mit Paragraphen 2 und 3 TNSchVO 2006 zum Schutz des Standortes geschützter Pflanzen bzw Pflanzengesellschaften sind bereits dann verwirklicht, wenn der Standort einzelner Exemplare der geschützten Art betroffen ist. Die Verbote bestehen also unabhängig davon, ob im Nahebereich des Vorhabens weitere Exemplare der geschützten Art wachsen.

Schlagworte

Interessenabwägung; Artenschutz; Hochleger; Almweg; Landschaftsbild;

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:LVWGTI:2018:LVwG.2014.44.0738.17

Zuletzt aktualisiert am

20.03.2019

Dokumentnummer

LVWGR_TI_20181008_LVwG_2014_44_0738_17_03

Rechtssatz für LVwG-2014/44/0738-17

Dokumenttyp

Rechtssatz

Entscheidungsart

Erkenntnis

Geschäftszahl

LVwG-2014/44/0738-17

Rechtssatznummer

4

Entscheidungsdatum

08.10.2018

Index

L55007 Baumschutz Landschaftsschutz
Naturschutz Tirol"

Norm

NatSchG Tir 2005 §6 litd
NatSchG Tir 2005 §23
NatSchG Tir 2005 §29
TNSchV 2006 §2
TNSchV 2006 §3
TNSchV 2006 §7
TNSchV 2006 Anlage 2, 3 und 4

Anmerkung

Der Verwaltungsgerichtshof wies die gegen das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichtes Tirol vom 08.10.2018, Z LVwG-2014/44/0738-17, erhobene ordentliche Revision mit Beschluss vom 27.02.2019, Z Ro 2019/10/0006-4, zurück.

Rechtssatz

Mit den „zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses“ gemäß Paragraph 23, Absatz 5, Litera c, TNSchG 2005 ist nicht das Vorliegen von Sachzwängen gemeint, denen niemand ausweichen kann, sondern ein besonders qualifiziertes öffentliches Interesse.

Schlagworte

Interessenabwägung; Artenschutz; Hochleger; Almweg; Landschaftsbild;

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:LVWGTI:2018:LVwG.2014.44.0738.17

Zuletzt aktualisiert am

20.03.2019

Dokumentnummer

LVWGR_TI_20181008_LVwG_2014_44_0738_17_04

Rechtssatz für LVwG-2014/44/0738-17

Dokumenttyp

Rechtssatz

Entscheidungsart

Erkenntnis

Geschäftszahl

LVwG-2014/44/0738-17

Rechtssatznummer

5

Entscheidungsdatum

08.10.2018

Index

L55007 Baumschutz Landschaftsschutz
Naturschutz Tirol"

Norm

NatSchG Tir 2005 §6 litd
NatSchG Tir 2005 §23
NatSchG Tir 2005 §29
TNSchV 2006 §2
TNSchV 2006 §3
TNSchV 2006 §7
TNSchV 2006 Anlage 2, 3 und 4

Anmerkung

Der Verwaltungsgerichtshof wies die gegen das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichtes Tirol vom 08.10.2018, Z LVwG-2014/44/0738-17, erhobene ordentliche Revision mit Beschluss vom 27.02.2019, Z Ro 2019/10/0006-4, zurück.

Rechtssatz

Mögliche Folgewirkungen eines beantragten Almweges, wie allfällige Bautätigkeiten auf der zu erschließenden Alm, deren konkrete Ausgestaltung nicht abschätzbar und deren Umsetzung nicht gesichert ist, dürfen in der naturschutzrechtlichen Interessenabwägung nicht als öffentliches Interesse an der Erteilung der Bewilligung miteinbezogen werden.

Schlagworte

Interessenabwägung; Artenschutz; Hochleger; Almweg; Landschaftsbild;

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:LVWGTI:2018:LVwG.2014.44.0738.17

Zuletzt aktualisiert am

20.03.2019

Dokumentnummer

LVWGR_TI_20181008_LVwG_2014_44_0738_17_05

Entscheidungstext LVwG-2014/44/0738-17

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Entscheidungsart

Erkenntnis

Geschäftszahl

LVwG-2014/44/0738-17

Entscheidungsdatum

08.10.2018

Index

L55007 Baumschutz Landschaftsschutz
Naturschutz Tirol

Norm

NatSchG Tir 2005 §6 litd
NatSchG Tir 2005 §23
NatSchG Tir 2005 §29
TNSchV 2006 §2
TNSchV 2006 §3
TNSchV 2006 §7
TNSchV 2006 Anlage 2, 3 und 4

Anmerkung

Der Verwaltungsgerichtshof wies die gegen das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichtes Tirol vom 08.10.2018, Z LVwG-2014/44/0738-17, erhobene ordentliche Revision mit Beschluss vom 27.02.2019, Z Ro 2019/10/0006-4, zurück.

Text

IM NAMEN DER REPUBLIK

Das Landesverwaltungsgericht Tirol erkennt durch seinen Richter Mag. Spielmann über die Beschwerde des AA, Adresse, Z, vertreten durch BB, Adresse 2, Y, gegen den Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Y vom 20.01.2011, Zl ****, betreffend der naturschutzrechtlichen Bewilligung für den „Wirtschaftsweg CC-Alm Hochleger“ nach Durchführung einer öffentlichen mündlichen Verhandlung

zu Recht:

1.       Die Beschwerde wird nach Maßgabe des signierten Einreichprojektes „Wirtschaftsweg CC-Alm Hochleger“ vom 09.12.2009, aktualisiert am 21.04.2017, als unbegründet abgewiesen.

2.       Die ordentliche Revision ist gemäß Artikel 133, Absatz 4, B-VG zulässig.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

römisch eins.       Verfahren:

Mit Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 09.11.2016, Zl 2014/10/0044, wurde der Berufungsbescheid der Tiroler Landesregierung vom 23.12.2013, Zl ****, mit dem die Berufung des AA vom 08.02.2011 gegen den abweisenden naturschutzrechtlichen Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Y vom 20.01.2011, Zl ****, betreffend des „Wirtschaftsweges CC-Alm Hochleger“ als unbegründet abgewiesen wurde, behoben.

Aufgrund der Verwaltungsgerichtsbarkeits-Novelle 2012 ist mit Ablauf des 31.12.2013 die Zuständigkeit für die Berufung vom 08.02.2011 auf das Landesverwaltungsgericht Tirol übergegangen (Artikel 151, Absatz 51, Ziffer 8, B-VG). Aufgrund der am 09.11.2016 erfolgten Behebung des Bescheides vom 23.12.2013 war die Berufung vom 08.02.2011 vom Landesverwaltungsgericht Tirol als Beschwerde in Behandlung zu nehmen.

Da das dem Verfahren zugrunde liegende Einreichprojekt aus dem Jahr 2009 stammt, hat der Antragsteller aufgrund eines Verbesserungsauftrages des Landesverwaltungsgerichtes das aktualisierte Einreichprojekt vom 21.04.2017 vorgelegt, welches auch geringfügige Abänderungen der ursprünglichen Trassenführung beinhaltet.

Dazu hat das Landesverwaltungsgericht das Gutachten des naturkundefachlichen Amtssachverständigen DD vom 19.07.2017, Zl ****, eingeholt und am 25.09.2017 eine öffentliche mündliche Verhandlung durchgeführt.

römisch II.      Sachverhalt:

römisch II./1.  Zu den beantragten Baumaßnahmen:

Der beantragte Almweg auf den Grundstücken Nr 1794/2, 1794/12 und 1794/14, alle KG Z, soll der Erschließung des Hochlegers der Oberen CC-Alm dienen und soll für zweispurige Kraftfahrzeuge befahrbar sein. Er ist in der am 21.04.2017 aktualisierten Variante mit einer Gesamtlänge von 1.635 m (Erstantrag: 1.653 m) geplant und soll eine Fahrbahnbreite von 3 m (Erstantrag: 3,5 m) sowie eine Planumbreite von 4 m (Erstantrag ebenfalls 4 m) aufweisen. Der Weg soll auf einer Höhe von 1.360 müA (Erstantrag: 1.370 müA) beginnen und bei 1.565 müA (Erstantrag: 1.560 müA) enden. Es ist eine Längsneigung von durchschnittlich 12,5 % (max 20%) vorgesehen. Die betroffenen Flächen liegen außerhalb geschlossener Ortschaften und sind nicht Teil des angrenzenden Naturschutzgebietes Kaisergebirge (Verordnung der Tiroler Landesregierung vom 23.05.2013 über die Erklärung des Kaisergebirges zum Naturschutzgebiet, Landesgesetzblatt Nr 65 aus 2013,).

Mit der Antragsänderung vom 21.04.2017 wurde die Wegtrasse ab Hektometer (hm) 3,9 etwas stärker steigend gewählt, sodass zwei Kehren eingespart werden können. Die Kehre bei hm 7,9 kommt an einer anderen Position zu liegen. Die größte Abweichung zur ursprünglich beantragten Trasse beträgt bei hm 6,6 etwa 30 m und befindet sich daher innerhalb der vom Beschwerdeführer vorgelegten Vegetationskartierung des Privatsachverständigen EE, die in einer Breite von ca 80 m beidseits der ursprünglichen Trassenachse angefertigt wurde. Bis hm 3,9 und ab hm 9,2 sind die Trassen fast ident, die Abweichungen betragen max 10 m und sind durch die verbesserte Planungsgrundlage in Form der Laserscan-Höhenschichtenlinien und der Querung von Trockenrunsen bedingt.

Die Dammböschungen sind grundsätzlich mit einem Böschungswinkel von 2:3 und die Einschnittsböschungen mit 4:5 geplant. Die Böschungswinkel sowie die Art des Böschungsaufbaus sollen an die örtlich vorzufindenden Gegebenheiten und Materialeigenschaften angepasst werden. Die Böschungskanten zum Urgelände hin sollen abgerundet werden. In jenen Bereichen, die aufgrund der Hangneigung mit den grundsätzlich vorgesehenen Böschungswinkeln nicht ausgeführt werden können, sollen entweder Felsböschungen entstehen oder es soll bei anstehendem Lockermaterial der Hang mittels begrünter bewehrter Erde gesichert werden. In beiden Fällen ist ein Böschungswinkel von 2:1 beabsichtigt. Die voraussichtliche Felsböschungshöhe soll max 6 m betragen. Die Entscheidungen über allfällig notwendige Sicherungsmaßnahmen im Bereich der Felsböschungen – zB Felsanker – sollen im Zuge der Bauausführung getroffen werden. Talseitig der Kehre 3 und talseitig von hm 14,3 bis 14,5 wird das Planum jedenfalls mittels bewehrter Erde aufgebaut. Diese Böschungen sollen begrünt und mit einem Böschungswinkel von 2:1 hergestellt werden.

Der vorhandene Rasen und Humus soll abgehoben und zur abschließenden Begrünung verwendet werden; Fehlstellen sollen durch Saat begrünt werden. Alle Böschungen aus bewehrter Erde sollen begrünt werden. Die entstehenden Felsböschungen sollen möglichst rau ausgeformt und mit einer Spritzbegrünung versehen werden. Der Mittelstreifen des Almweges sowie die Bankette sollen ebenfalls begrünt werden. Die Wasserableitung ist über eine talseitig hängende Fahrbahn und über Auskehren geplant. Die Auskehren sollen im Abstand von 30 bis 40 m eingebaut werden. Im Bereich der Querungen von Trockenrunsen soll die Trasse in Form von Furten ausgeformt und eine Gegensteigung angelegt werden. Die Furttiefe soll mindestens 1 m betragen.

Das Wegplanum soll in Längsrichtung 2 m links und rechts der Tiefenlinie der Trockenrunsen mit trocken verlegten Grobsteinen gesichert werden. Die Steine sollen leicht wannenförmig verlegt werden. Die talseitige Böschung der Furten soll bis zum Erreichen des Urgeländes ebenfalls mit trocken verlegten Grobsteinen gesichert werden. Die Zwischenräume der Steine sollen an der Oberfläche humusiert und mittels standortangepasster Saat begrünt werden. Die Böschungsneigung der talseitigen Steinschlichtung ist mit 2:3 geplant.

Im Bereich der Kehre 2 ist von hm 7,65 bis 7,75 eine Gegensteigung vorgesehen. Die Fahrbahn soll im Bereich der Rinne mit einem Berggraben ausgestattet werden, der mit Steinen ausgelegt wird. Dieser soll in Form einer Rinne bis zum Erreichen der orografisch rechts gelegenen Tiefenlinie der benachbarten Trockenrunse weiter gezogen und bis zum Ende der angelegten Rinne mit trocken verlegten Grobsteinen gesichert werden. Bei hm 7,75 soll die Fahrbahn in Form einer Furt ausgeformt und ebenfalls mit Grobsteinen gesichert werden. Es ist nicht geplant, wasserführende Gerinne zu queren; es wurden auch keine Hangwasseraustritte entlang der Trasse beobachtet. Sollte im Zuge der Baumaßnahmen Hangwasser austreten, soll es gefasst und schadlos abgeleitet werden. Über weite Strecken soll der Weg auf der Trasse des bestehenden Steiges verlaufen. Die vorhandenen Steige sollen in den Almweg eingebunden werden. Am Ende des Weges ist ein Umkehrplatz vorgesehen.

römisch II./2.  Zu den Naturschutzinteressen:

a) Zum Naturhaushalt und Artenschutz:

Was die Fauna betrifft, fand zwar keine systematische Kartierung statt, jedoch ist nach Einschätzung des befassten naturkundefachlichen Amtssachverständigen DD mit keinen relevanten Auswirkungen auf geschützte Tierarten und deren Lebensraum zu rechnen. Zwar kommen im gegenständlichen Bereich die geschützten Vogelarten Bergpieper und Ringdrossel vor, jedoch würde durch das beantragte Vorhaben der Lebensraum geschützter Tiere nicht in einer Art und Weise beeinträchtigt, dass deren Bestand gefährdet wäre. Insbesondere würden während der Bauzeit ausreichend Ausweichmöglichkeiten auf direkt angrenzenden Flächen bestehen.

Bei Errichtung des beantragten Almweges würden jedoch im Bereich der Wegtrasse Exemplare folgender teilweise bzw gänzlich geschützter Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften zerstört: Herzblättrige Kugelblume (Globularia cordifolia, Anlage 2 Litera d, Ziffer 34, TNSchVO 2006), Nacktstängelige Kugelblume (Globularia nudicaulis, Anlage 2 Litera d, Ziffer 34, TNSchVO 2006), Silberwurz (Dryas octopetala, Anlage 2 Litera d, Ziffer 34, TNSchVO 2006), Zwergalpenrose (Rhodothamnus chamaecistus, Anlage 2 Litera d, Ziffer 48, TNSchVO 2006), Fransenenzian (Gentiana ciliata, Anlage 3 Litera b, Ziffer 5, TNSchVO 2006), Rauer Enzian (Gentianella aspera, Anlage 3 Litera b, Ziffer 5, TNSchVO 2006), Frühlings-Enzian (Gentiana verna, Anlage 3 Litera b, Ziffer 5, TNSchVO 2006) und Almrosen-Latschengebüsch (Mugo-Rhododendretum hirsuti, Anlage 4 Ziffer 39, TNSchVO 2006). Nach Umsetzung des Vorhabens wäre auf der Fahrbahn der Bestand dieser geschützten Arten dauerhaft nicht mehr möglich. Auch auf den Wegböschungen würden diese Arten – mit Ausnahme des Fransenenzians – in näherer bzw mittlerer Zukunft nicht mehr einwandern. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass diese Arten derart stark gestört werden, dass ein weiteres Vorkommen auch im Umfeld der Wegtrasse nicht mehr gewährleistet wäre. Mit einem Aussterben oder einer Störung des Weiterbestehens der Arten auf den übrigen Almflächen ist daher nicht zu rechnen. Aufgrund der nachhaltigen Zerstörung der Standorte auf der gesamten Wegtrasse ist dennoch von mittelstarken und irreversiblen Beeinträchtigungen für den Naturhaushalt und die Lebensgemeinschaften von Pflanzen auszugehen.

b) Zum Landschaftsbild:

Der beantragte Almweg soll im Bereich des FF-Feld angelegt werden, wobei mittelsteiles bis steiles Gelände mit Kalkmagerrasen durchquert werden soll. Das FF-Feld ist von römisch zehn, Y und dem Talbereich zwischen römisch zehn und W, dem Talbereich zwischen Y und römisch fünf bei Y sowie vom gesamten Bergmassiv GG aus besonders gut einsehbar. Die Ansichten vom Süden werden durch den Anblick der sich hellgrau aus den Rasenflächen erhebenden schroffen Felsen des JJ geprägt. Das FF-Feld prägt dabei durch seine einheitlich grünen, nur sehr selten mit Latschen durchsetzten Flächen das Landschaftsbild dieser abgeschlossenen Einheit. Es ist der Abschluss der vom Menschen beeinflussten Landschaft, die als Übergangszone zwischen dem darunter liegenden dunklen Fichten-Buchen-Tannen-Mischwald und den darüber liegenden fast weißen senkrechten Felsen des Kalkgebirges fungiert. Die hellgrüne Landschaft dieses alpinen Rasens stellt somit optisch das Bindeglied zwischen den durch Talnähe beeinflussten Waldlandschaften und den vollkommen natürlichen Felszonen dar. Die einheitliche Farbgebung, die allerdings durch die unregelmäßige Linienführung der Rücken und Mulden ihre Lebhaftigkeit erhält, bestimmt die landschaftliche Eigenart und Schönheit des Bereiches. Der durch keinerlei geometrische Formen bestimmte Rasenbereich ist ein unabdingbares Element in diesem landschaftlichen Gefüge.

Diese bislang noch einigermaßen geschlossene und unberührte Almlandschaft würde durch die beantragte Wegtrasse mit bis zu 6 m hohen geradlinigen Felsböschungen durchschnitten. Die Eigenart und Schönheit der Landschaft würde durch die technische Komponente von geraden Linien, die sich nur schwer in das beschriebene Gefüge der Landschaft einpassen würden, sowohl optisch als auch funktional durchschnitten. Die Eigenart und Schönheit des gegenständlichen Rasengeländes würde daher sowohl während des Baus als auch danach stark gestört werden. Während des Baues würden die entstehenden hellen Böschungsanrisse sowie die Baumaschinen eine starke optische Störung im ansonsten natürlichen Gelände darstellen. Nach der Bauphase würden nicht die natürlichen Komponenten, sondern die entstehenden geometrischen Linien und Böschungen des Weges diesen Teil der Südabdachung des Kaisergebirges bestimmen. Aufgrund der zu erwartenden relativ hohen und voraussichtlich sehr schwierig zu rekultivierenden Böschungen würden diese Linien von weiten Teilen des Talraumes aus zu sehen sein. Die Beeinträchtigungen sind daher sehr stark und irreversibel.

c) Zum Erholungswert:

Hinsichtlich des Erholungswertes würden sich bei Bewilligung des Vorhabens während der Bauphase Beeinträchtigungen zweier Wanderwege durch Lärm und Staub sowie Beeinträchtigungen der Naturlandschaft durch Baugeräte ergeben. Die Beeinträchtigungen würden auch nach Fertigstellung des Weges teilweise weiter bestehen. Im alpinen Gelände sollen nämlich in erster Linie unberührte Landschaften mit einigen wenigen, sich in das Gelände einfügenden Fußsteigen und nicht technisch geprägte Fahrwege bzw Straßen das prägende Element sein. Eine ca 3 m breite ebene Fahrbahnoberfläche kann die Abwechslungen und Lebendigkeiten eines Wandersteiges mit unterschiedlichen Neigungen und wesentlich geringeren Breiten nicht ersetzen. Daher würden die bestehenden Wanderwege in ihrem Erholungswert eine deutliche Komponente verlieren. Die Beeinträchtigungen des Erholungswertes sind daher insgesamt als mittelstark und nur teilweise reversibel einzustufen.

römisch II./3.  Zu den sonstigen öffentlichen Interessen:

Die CC-Alm ist eine Privatalm und besteht aus zwei getrennten Teilbereichen, nämlich aus der Unteren und aus der Oberen CC-Alm. Die Obere CC-Alm verfügt über einen Nieder- und einen Hochleger. Sowohl die Untere als auch die Obere CC-Alm stehen im Eigentum des jeweiligen Eigentümers des Hofes „KK“ in EZ **4, KG Z. Derzeitiger Eigentümer ist der Beschwerdeführer.

Sowohl die Untere CC-Alm als auch der Niederleger der Oberen CC-Alm sind bereits mit kraftfahrzeugtauglichen Verkehrswegen erschlossen. Auf dem Niederleger der Oberen CC-Alm wurde im Jahr 2008 das alte Almgebäude durch einen Neubau ersetzt, der auch touristisch genutzt wird (Beherbergung, Almausschank, Veranstaltung von Feiern, Tagungen und Seminaren: www.CC-Alm.at/****).

Nunmehr soll auch der Hochleger der Oberen CC-Alm mit einem kraftfahrzeugtauglichen Almweg erschlossen werden. Das Stallgebäude des Hochlegers ist sanierungsbedürftig und entspricht nicht mehr den Anforderungen an eine zeitgemäße Tierhaltung. Daher wird ein Zubau oder ein vergrößerter Neubau in Massivbauweise in Betracht gezogen. Der beantragte Almweg soll zur Durchführung der dafür notwendigen Baumaßnahmen dienen. Ein konkret geplantes Hochbauprojekt auf dem Hochleger ist jedoch weder Gegenstand des eingereichten Wegbauprojektes, noch ist die Größe, Bauweise, Funktion und zeitliche Umsetzung eines allfälligen Almgebäudes bekannt. Somit können auch die Auswirkungen dieses nicht absehbaren Bauvorhabens auf die Almwirtschaft nicht ermittelt werden.

Abgesehen von seinem Nutzen als Bauweg für allfällige Bauvorhaben würde der beantragte Almweg konkret und unmittelbar zur leichteren und schnelleren Erreichbarkeit des Hochlegers führen; die Gehzeit für die ca 250 Höhenmeter vom Niederleger zum Hochleger nehmen nämlich derzeit ca 30 bis 35 Minuten in Anspruch. Dies würde zu einer Erleichterung und Vereinfachung der Bewirtschaftung des Hochlegers führen. Durch den wesentlich geringeren Zeitaufwand für die almwirtschaftlich notwendigen Maßnahmen – insbesondere für die Beaufsichtigung des Weideviehs und den Transport notwendiger Materialien – wäre damit eine Kostensenkung des Almbetriebes und ein wirtschaftlicher Vorteil für den Beschwerdeführer verbunden. Außerdem könnte das Weidevieh auf dem Almweg getrieben werden und damit der Weidedruck besser verteilt werden. Kranke Tiere könnten besser versorgt bzw Tierkadaver besser entsorgt werden. Der geplante Weg könnte somit eine nachhaltige Bewirtschaftung des Hochlegers sichern.

Die CC-Alm hat ein gesamtes Flächenausmaß von ca 101,86 ha, wovon ca 68,14 ha als Alpe, 11,32 ha als Wald, 22,33 ha als Ödland und 555 m2 als Baufläche (Gebäude) ausgewiesen sind. Die Größe der Almfutterfläche beträgt ca 59,80 ha. Der durch den beantragten Almweg zu erschließende Hochleger verfügt über Almfutterflächen im Ausmaß von ca 24,46 ha. Das Futterangebot des zu erschließenden Hochlegers beträgt ca 25.700 kg, jenes der gesamten Alm ca 95.700 kg. Der Weideertrag des zu erschließenden Hochlegers stellt somit einen Anteil am gesamten Weideertrag der Alm von ca 27 % dar. Ein Teil der Tiere der CC-Alm (ca 16 bis 18 Stück) wird von ca 10. Juni bis 20. September im Bereich des Hochlegers gehalten. Der Weideertrag in diesem Bereich reicht bei einer Weidezeit von ca 100 Tagen für max 20 GVE. Der Hochleger stellt somit ein sehr wesentliches und unverzichtbares Weidegebiet für die CC-Alm dar.

Auf dem Hof „KK“ des Beschwerdeführers werden durchschnittlich 28 bis 30 Milchkühe und 50 Jungrinder gehalten. Dies entspricht einem Bestand von ca 60 GVE. Der jährliche Futterbedarf für diesen Viehbestand beträgt ca 315.000 kg Heu. Die bewirtschaftete Fläche des Hofes beträgt ca 47,83 ha Heimfläche und ca 59,80 ha Almfutterfläche (= CC-Alm). Der Ertrag aus dieser bewirtschafteten Fläche beträgt ca 313.000 kg, womit der Futterbedarf und der Futterertrag nahezu ausgeglichen sind und nur geringe Mengen Zukauffutter notwendig sind. Der Futterertrag des zu erschließenden Hochlegers stellt mit ca 25.700 kg lediglich ca 8 % des gesamten Futterertrages des Betriebes dar. Nichtsdestotrotz bildet der Hochleger einen wesentlichen Teil des landwirtschaftlichen Betriebes.

Dass ohne die Erleichterungen und Vereinfachungen der almwirtschaftlichen Nutzung, die sich konkret und unmittelbar aus dem beantragten Almweg und nicht aus allfälligen sonstigen Bauvorhaben ergeben, die gesamte CC-Alm oder gar der gesamte landwirtschaftliche Betrieb des Beschwerdeführers in seiner Existenz gefährdet wäre, hat das Verfahren jedoch nicht ergeben.

Sollte die Almwirtschaft auf dem zu erschließenden Hochleger – aus welchen Gründen auch immer – aufgegeben werden, würde sich in einem Zeitraum von mehreren Jahrzenten ein Almrosen-Latschengebüsch entwickeln, welches als prioritärer natürlicher Lebensraumtyp der Richtlinie 92/43/EWG (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) und gemäß Anlage 4, Ziffer 39, der TNSchVO 2006 geschützt ist. Ein Einwandern von Grünerlen ist ebenso möglich, jedoch aus naturkundefachlicher Sicht nicht zu erwarten.

römisch III.     Beweiswürdigung:

römisch III./1. Zu den beantragten Baumaßnahmen:

Die Feststellungen zu den beantragten Baumaßnahmen ergeben sich aus dem am 21.04.2017 aktualisierten Einreichprojekt und sind unstrittig.

römisch III./2. Zu den Naturschutzinteressen:

Die Feststellungen zu den Naturschutzinteressen ergeben sich aus dem am 21.04.2017 aktualisierten Einreichprojekt, den vom Beschwerdeführer vorgelegten Gutachten des Privatsachverständigen EE vom 25.10.2012 (Beilage zu OZ 15 im Akt der Berufungsbehörde) und 15.09.2017 (OZ 13 im Akt des LVwG), dem Gutachten des naturkundefachlichen Amtssachverständigen LL vom 16.06.2010, ZI **** (OZ 5 im Akt der belangten Behörde), den Gutachten des naturkundefachlichen Amtssachverständigen DD vom 13.07.2010, Zl **** (OZ 6 im Akt der belangten Behörde), vom 19.10.2011, Zl **** (OZ 6 im Akt der Berufungsbehörde), vom 19.03.2012, Zl **** (OZ 13 im Akt der Berufungsbehörde), vom 26.08.2013, Zl **** (OZ 26 im Akt der Berufungsbehörde), vom 19.07.2017, Zl **** (OZ 12 im Akt des LVwG) sowie aus der Erörterung der Gutachten im Rahmen der mündlichen Verhandlung vor dem Landesverwaltungsgericht (Verhandlungsschrift OZ 14).

a) Zum Naturhaushalt und Artenschutz:

Dem Gutachten des Amtssachverständigen DD vom 19.07.2017 und seiner Einvernahme vor dem Landesverwaltungsgericht lässt sich entnehmen, dass der Amtssachverständige aufgrund der geänderten Trassenführung (Antragsänderung vom 21.04.2017) am 19.07.2017 eine neuerliche Begehung des Projektgeländes vorgenommen hat und bei diesem Lokalaugenschein das Vorhandensein der geschützten Arten unmittelbar auf der neuen Wegtrasse festgestellt hat.

Auch der Privatsachverständige EE ist in seinem Gutachten vom 15.09.2017 dieser Feststellung nicht substantiiert entgegengetreten. Vielmehr hat er auf Seite 2 und 3 unter der Überschrift „Fragwürdige Beweisführung“ eingeräumt, dass die genannten Arten auf der geplanten Wegtrasse vorhanden sein können. EE kritisiert jedoch, dass der Amtssachverständige keine Kartierung vorgenommen habe. Dazu ist klarzustellen, dass es gemäß Paragraph 43, Absatz 2, Litera a, TNSchG 2005 Aufgabe des Antragstellers ist, entsprechende pflanzen- und tierkundlichen Zustandserhebungen vorzulegen. Soweit EE dem Amtssachverständigen auf Seite 3 unterstellt, das Vorkommen der geschützten Arten mit Bildmaterial aus anderen Gebirgen belegt zu haben, wird festgehalten, dass der Amtssachverständige in seinem Gutachten vom 19.07.2017 kein Bildmaterial verwendet hat und, dass er in der mündlichen Verhandlung vor dem Landesverwaltungsgericht glaubhaft dargelegt hat, dass er die geschützten Pflanzen selbst bei einer Begehung am 19.07.2017 auf der Wegtrasse in Augenschein genommen hat. Zumal diese Aussage auch nicht im Widerspruch zur Vegetationskartierung des Beschwerdeführers (Beilage zu OZ 15 im Akt der Berufungsbehörde) steht, bestehen keine Bedenken, dem Gutachten des Amtssachverständigen DD zu folgen und das Vorkommen der geschützten Arten auf der Wegtrasse festzustellen. Dass diese geschützten Arten nach dem Wegbau auf dem Trassenverlauf nicht mehr vorkommen werden, hat der Amtssachverständigen DD unbestritten ausgeführt und entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung.

b) Zum Landschaftsbild:

Gemäß dem naturkundefachlichen Amtssachverständigengutachten von DD vom 19.07.2017 und seiner Einvernahme in der mündlichen Verhandlung haben sich durch die Projektänderung vom 21.04.2017 hinsichtlich des Landschaftsbildes keine relevanten Änderungen ergeben. Daher kann auf das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 09.11.2016, Zl 2014/10/0044, verwiesen werden, wonach der Beschwerdeführer mit seinem Vorbringen gegen die bereits von der Tiroler Landesregierung als Berufungsbehörde festgestellten Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes nicht im Recht ist. Demnach hat bereits die Berufungsbehörde in nicht zu beanstandender Weise festgestellt, dass die Errichtung des beantragten Almweges starke Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes bewirken würde.

Vor diesem Hintergrund ergeben sich für das Landesverwaltungsgericht im nunmehr anhängigen Beschwerdeverfahren die Feststellungen zum Landschaftsbild aus den vorliegenden naturkundefachlichen Gutachten. Der Privatsachverständige EE hat in seinem Gutachten vom 25.10.2012 unter Punkt 5.2 ausgeführt, dass das gegenständliche Projekt lediglich eine geringe Beeinträchtigung des Landschaftsbildes mit sich bringe. In Teilbereichen sei in Folge der Nichteinsehbarkeit von keiner ästhetischen Beeinträchtigung zu sprechen. Das Planum sei seiner Einschätzung nach von der Alm, vom Tal und von den Gegenhängen aus betrachtet nur in einem geringen Ausmaß sichtbar. Das gesamte Landschaftsbild erfahre durch die Wegführung nur sehr geringe Beeinträchtigungen. Vor allem aus dem nächstgelegenen Ort Z sei die Wegtrasse, wenn sie zum Beispiel leicht vom Hang weg geneigt wäre, nicht erkennbar; dazu liege die Gemeinde zu tief im Tal. Die Argumentation, wonach eine störende Wirkung der beantragten Wegtrasse auch aus der Vogelperspektive wahrnehmbar sei, sei nicht zu folgen. Lediglich Bergwanderer und Bergsteiger würden nämlich die begrünte Wegtrasse erkennen können. Solche Wanderer würden sich jedoch auf höher gelegenen, zum Teil mit Latschen umgebenen Wegen und Routen befinden, weshalb für sie keine Sichtbarkeit des in das Gelände eingepassten Weges bestehe. Es sei ohnehin davon auszugehen, dass nach Errichtung der Wegtrasse sowohl die Böschungen als auch die geschotterten Fahrflächen vollständig mit tauglichem Saatgut gesät würden; lediglich die beiden Fahrspuren würden aufgrund der Wegbenützung sichtbar bleiben. Insgesamt sei eine optische Anpassung an das Gelände gegeben und sei die Trassenführung behutsam gewählt worden. Starke Kurvenläufe seien gezielt in jene Bereiche verlegt worden, welche seitlich durch einen mit Latschen bewachsenen Rücken gegen das Tal hin verdeckt seien. An anderen Stellen sei der Wegverlauf durch Latschen verdeckt. Bei den entstehenden Böschungen sei es nicht das Ziel, wieder einen Kalkmagerrasen oder Bürstlingsrasen wie in der Umgebung herzustellen, sondern aus optischen Gründen einen schnellen Narbenschluss als Erosionsschutz zu erreichen.

Dem entgegen hat der naturkundefachliche Amtssachverständige DD zunächst ausführlich dargelegt, inwiefern der gegenständliche Landschaftsraum geprägt ist und welche Merkmale zu seiner Eigenart und landschaftlichen Schönheit beitragen. Ebenso erfolgte eine entsprechende Abgrenzung des gegenständlichen Landschaftsraums. In weiterer Folge hat der naturkundefachliche Amtssachverständige in seinen gutachterlichen Ausführungen umfassend und sehr detailliert die Eigenart und Schönheit des gegenständlichen Bereichs und die entsprechenden Auswirkungen und Beeinträchtigungen durch die Errichtung des projektierten Weges dargetan. Die unmittelbaren Auswirkungen durch die Errichtung der Weganlage sind daher schlüssig nachvollziehbar. Dass es im Zuge der Baumaßnahmen zu entsprechend gravierenden Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes durch die Baumaßnahmen selbst und die dabei verwendeten Baumaschinen kommt, ergibt sich zudem aus der allgemeinen Lebenserfahrung, wonach Bauarbeiten mit schwerem Gerät im alpinen Bereich deutlich in Erscheinung treten und somit eine, wenn auch temporäre, starke Beeinträchtigung des Landschaftsbildes darstellen.

Im Rahmen seiner Stellungnahme vom 06.03.2012 (OZ 12 im Akt der Berufungsbehörde) weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass der Niederleger der Oberen CC-Alm bereits derzeit mit einem Wirtschaftsweg, der mehr oder weniger als gerade Linie optisch und funktional in der Landschaft wahrnehmbar sei, erschlossen sei. Zwischen dem Niederleger und dem Hochleger würden sich bereits heute zahlreiche Wanderwege, die teilweise ebenfalls als gerade Linien optisch und funktional wahrnehmbar seien und die die Landschaft durchschneiden würden, befinden. Zur Herabminderung der Beeinträchtigungen solcher Maßnahmen sei festzuhalten, dass offen gelegte Böschungen mittels intensiver Begrünung so gestaltet werden könnten, dass diese nicht mehr als solche wahrnehmbar seien. Freilich sei dies mit einem längeren Arbeitsaufwand verbunden.

Hierzu hat der Amtssachverständige in seinem Gutachten vom 19.03.2012 ausgeführt, dass eben das Beispiel der bestehenden Erschließungsstraße zur CC-Alm (entsprechend der Abbildung 1 in diesem Gutachten) verdeutlicht, welch starker Eingriff im Landschaftsbild gegeben ist, wenn eine Fahrstraße angelegt wird. Diese ist schon im Orthofoto deutlich besser als die bestehenden Fußwege auf der Alm erkennbar. Die Fußwege fallen aufgrund der schmalen Ausprägung sowohl in der Aufsicht als auch aufgrund der geringen Böschungshöhen seitlich deutlich weniger auf. Auch diesbezüglich ergibt sich aus der allgemeinen Lebenserfahrung, dass Fußwege weitaus weniger stark im Landschaftsbild in Erscheinung treten als kraftfahrzeugtaugliche Wege. Dazu kommen die im vorliegenden Fall besonders ausgeprägten, bis zu 6 m hohen Böschungsanschnitte, die sich vom umgebenden Gelände in Struktur und Farbe absetzen und die Erkennbarkeit deutlich erhöhen.

Der Beschwerdeführer hat in seiner Stellungnahme vom 15.10.2013 (OZ 29 im Akt der Berufungsbehörde) erklärt, dass die vom Amtssachverständigen DD in seinem Gutachten vom 26.08.2013 verwendeten Wegbeispiele nicht den tatsächlichen Zustand im Bereich der CC-Alm wiedergeben würden. Die abgebildeten Wegtrassen seien demnach keine massive Störung des Landschaftsbildes, sondern seien fachkundig und gut in die Landschaft eingegliedert worden. Das Beispiel der Abbildung 5 würde offensichtlich einen frischen Geländeanriss in Folge einer Neutrassierung der Almerschließung darstellen, welcher erst im Laufe der Zeit mit geeigneter Vegetation zuwachsen müsse. Im gegenständlichen Fall werde die geplante Wegtrasse aufgrund der sofortigen Ansaat und aufgrund des geringen Fahrbetriebes zuwachsen. Insgesamt sei der Weg in den gut einsehbaren Bereichen – vor allem auf dem FF-Feld – aufgrund des Geländeverlaufes und der Humusauflage sehr gut zu begrünen. Die schwierigsten Bereiche und Kehrenplätze seien bewusst so gewählt worden, dass sie hinter einer breiteren Geländerinne kaum einsehbar seien.

Zur Frage der Einsehbarkeit der Wegtrasse ist diesen Ausführungen des Beschwerdeführers entgegen zu halten, dass der naturkundefachliche Amtssachverständige DD in seinem Gutachten vom 26.08.2013 explizit dargelegt hat, dass die gewählten Abbildungen Aufnahmen aus dem näheren Bereich um Z (nicht aus Z direkt) in der Ansicht von unten (aus dem Talraum) aus der gleichen Höhe sowie von oben (aus dem Bergbereich) darstellen. Auch sind die Abbildungen 1 bis 4 bewusst gewählt worden, da diese in ihrer Wirkung nicht als Negativbeispiele für Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes heranzuziehen sind. Dennoch ergibt sich aus den Fotos klar, dass solche Weganlagen das Landschaftsbild eines Almbereichs massiv prägen. Die Abbildung 5, welche vom Beschwerdeführer stark kritisiert wird, wird vom naturkundefachlichen Amtssachverständigen auch gesondert beurteilt und als „auffälliges Bild eines Wegebaues“ – als Negativbeispiel – charakterisiert. Daraus ist zu schließen, dass auch solche besonders stark auffälligen Weganlagen das Ergebnis entsprechender Baumaßnahmen sein können, insbesondere wenn sich Wegtrasse und Böschungen aufgrund schwieriger Verhältnisse – wie im vorliegenden Fall – nicht gut rekultivieren lassen. Betreffend der Einsehbarkeit aus dem Talraum hat auch der naturkundefachliche Amtssachverständige LL festgestellt, dass die Weganlage vom Tal und von den gegenüberliegenden Bergen aus störend in Erscheinung treten würde. Es ist daher den Ausführungen beider Amtssachverständigen zu folgen, wonach eine Sichtbarkeit von weiten Bereichen des Bezirks Y aus gegeben ist.

Zum Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach bei entsprechender Einsaat sowie Rekultivierung und Begrünung die Beeinträchtigungen rasch abklingen würden, ist zu entgegnen, dass wie schon die beiden naturkundefachlichen Amtssachverständigen und der Amtssachverständige für Wildbach- und Lawinenverbauung in seinem Gutachten vom 04.10.2011, Zl **** (OZ 5 im Akt der Berufungsbehörde), sowie der geologische Amtssachverständige in seinem Gutachten vom 31.01.2012, Zl **** (OZ 10 im Akt der Berufungsbehörde), festgestellt haben, die zu erwartenden Böschungen bei der Errichtung des gegenständlichen Weges aufgrund der Steilheit und des vermutlich großflächig auftretenden Kalkschuttes im Untergrund sehr schwierig zu begrünen sein werden. Zudem wird, wie der Sachverständige für Wildbach- und Lawinenverbauung ausgeführt hat, durch den Weidegang der Rinder der ankommende Aufwuchs an den steilen Anschnitt- und Schüttböschungen immer wieder aufs Neue zerstört, wodurch die Böschungsflächen offen gehalten werden. Der Amtssachverständige DD hat zudem nachvollziehbar erläutert, dass im gegenständlichen Fall die künstliche Begrünung den natürlichen Bewuchs mit Kalkmagerrasen nicht nur in Bezug auf die Artenvielfalt, sondern auch optisch nicht ersetzen kann. Die Begrünung würde allenfalls zu einer optischen Verbesserung führen, die in der Beurteilung miteinbezogen wurde.

Zuletzt hat der naturkundefachliche Amtssachverständige in der mündlichen Verhandlung vor dem Landesverwaltungsgericht zur Frage der Begrünung schlüssig ausgeführt, dass bei den gegenständlichen Böschungen, die mit einer Neigung von 2:3 geplant sind, eine adäquate Begrünung – insbesondere im oberen Bereich des Weges – aufgrund der Höhenlage, der Topografie und der Seichtgründigkeit nicht möglich ist. Es würde zu Erosionserscheinungen kommen und die Beschaffenheit des Untergrundes würde dazu führen, dass immer wieder Material aus der Böschung ausbricht. Außerdem benötigt der Kalkmagerrasen, der im gegenständlichen Bereich dominiert, einen über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende gewachsenen Boden. Mit einer anthropogen überformten Böschung kann dies nicht innerhalb kurzer Zeit erreicht werden. Dafür wäre ein Zeitraum von mehreren hundert Jahren und eine adäquate Bewirtschaftung erforderlich. Der Kalkmagerrasen ist optisch von der neu zu begrünenden Böschung unterscheidbar. Dies insbesondere zu Beginn und Ende der Vegetationsperiode, da die künstliche Böschung früher grün ist bzw länger grün bleibt. Würde die Böschung hingegen nicht gepflegt, würde sie herunterrutschen und zu Erosionserscheinungen führen.

Sofern der Beschwerdeführer in der mündlichen Verhandlung vor dem Landesverwaltungsgericht vorgebracht hat, dass die Böschungen auch mit bewehrter Erde gesichert werden sollen, hat der Amtssachverständige nachvollziehbar entgegen gehalten, dass auch Böschungen mit bewehrter Erde im Landschaftsbild anders in Erscheinung treten als natürliche Kalkmagerrasen. Es handelt sich um glatte anthropogene Fläche, die schon aufgrund ihrer Oberflächenstruktur stark im Gelände in Erscheinung treten.

Insgesamt ist daher mit hohen, kaum zu rekultivierenden und daher stark in Erscheinung tretenden Böschungen zu rechnen. Diese werden im Zusammenhang mit der jedenfalls wahrnehmbaren Fahrspur als geometrisch geradlinige Struktur, die sich farblich von der Umgebung absetzt, stark in der natürlich geprägten Landschaft in Erscheinung treten.

Auch wenn, wie der Beschwerdeführer vorbringt, betreffend der Einsehbarkeit ein optimierter Trassenverlauf gewählt wurde, steht aufgrund der Aussagen des Amtssachverständigen DD fest, dass die Trasse dennoch von weiten Bereichen des Bezirks Y aus erkennbar ist. Auch räumt der Privatsachverständige EE in seinem Gutachten vom 25.10.2012 unter Punkt 5.2 ein, dass das Planum sowohl von der Alm, als auch vom Tal und den Gegenhängen aus sichtbar sein wird. Qualitativ betrachtet sei dies seiner Meinung nach jedoch nur im geringen Ausmaß der Fall. Dem stehen jedoch die schlüssigen Ausführungen der Amtssachverständigen entgegen.

Wenn der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Stellungnahme vom 06.03.2012 vorbringt, der naturkundefachliche Amtssachverständige möge zur Minderung der Beeinträchtigung entsprechende Auflagen formulieren, mit denen eine Rekultivierung der Böschung erreicht werden könne, so hat der naturkundefachliche Amtssachverständigen in seinem Gutachten vom 26.08.2013 nachvollziehbar ausgeführt, dass aufgrund der relativ hohen und schlecht zu rekultivierenden Böschungen die damit einhergehenden Beeinträchtigungen nicht durch Maßnahmen und/oder Vorschreibungen kaschiert oder wesentlich abgemindert werden können. Dasselbe gilt für die Bereiche mit bewehrter Erde, die sich aufgrund ihrer glatten und geradlinigen Oberflächenstruktur markant von der natürlichen Umgebung absetzen.

Schließlich hat der naturkundefachliche Amtssachverständige in der mündlichen Verhandlung vor dem Landesverwaltungsgericht dargelegt, dass zwar aufgrund der Antragsänderung vom 21.04.2017 die Anzahl der Spitzkehren reduziert wurde, dass sich dadurch aber die Beurteilung des Landschaftsbildes nicht relevant geändert hat, da der Weg nach wie vor gut einsichtig ist. Der Beschwerdeführer hat jedoch bereits in seinem Schreiben vom 05.08.2010 (OZ 7 im Akt der belangten Behörde) zum ursprünglichen Projekt erklärt, dass bei dessen Projektierung darauf geachtet worden sei, die sensibelsten Gebiete auszusparen, die geeignetsten Stellen für die Kehren auszuwählen und die Wegbreite auf das notwendigste Maß zu beschränken. Mit der Antragsänderung vom 21.04.2017 ist eine weitere Verbesserung der Trasse und eine zusätzliche Reduzierung der Wegbreite gelungen. Daraus ergibt sich, dass die nunmehr antragsgegenständliche Trasse im Sinne der Wahrung der Naturschutzinteressen bereits die Optimalvariante darstellt und dennoch die festgestellten gravierenden und irreversiblen Beeinträchtigungen der Naturschutzinteressen eintreten werden.

c) Zum Erholungswert:

Betreffend des Erholungswertes hat der Privatsachverständige EE in seinem Gutachten vom 25.10.2012 unter Punkt 5.5 ausgeführt, dass Lärm- und Staubbeeinträchtigungen zwar während der Bauphase in marginal geringer Weise auftreten würden, dass dies allerdings in Anbetracht der kurzen Bauphase und der mit dem Wegbau verbundenen öffentlichen Interessen zu vernachlässigen sei. Der Beschwerdeführer hat in seiner Stellungnahme vom 06.03.2012 ausgeführt, dass die Beeinträchtigungen nur während der Bauarbeiten wahrzunehmen seien. Nach Abschluss der Bauarbeiten würden keine Beeinträchtigung mehr bestehen. Dem Gutachten des Amtssachverständigen DD vom 19.03.2012 ist zu entnehmen, dass dieser klar zwischen Beeinträchtigungen des Erholungswertes während und nach Bauphase differenziert hat. Während des Baues sind demnach insbesondere Lärm und Staub relevant. Nach der Bauphase würde der Weg durch die technische Überprägung zu einer Minderung des Erholungserlebnisses der relativ unberührten Alpinlandschaft führen.

Zur Frage der Beeinträchtigung der bestehenden Wanderwege hat der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme vom 15.10.2013 ausgeführt, dass im Bereich der gegenständlichen Alm Wanderwege im Ausmaß von 5.300 m verlaufen würden. Davon würden 380 m durch den beantragten Almweg ersetzt. Dabei handle es sich lediglich um 7 % der Gesamtlänge des Wegenetzes. Dem ist entgegenzuhalten, dass grundsätzlich nur die konkreten Auswirkungen auf die vom Vorhaben betroffenen Abschnitte der Wanderwege zu beurteilen sind. Da aber tatsächlich nur ein sehr kleiner Teil der im Kaisergebirge vorhandenen Wanderwege betroffen wäre, ist auch nur von mittelmäßigen Beeinträchtigungen auszugehen. Die Beeinträchtigungen sind, was den Verlust der Fußwege und deren Erlebnispotential anbelangt, dem naturkundefachlichen Amtssachverständigen folgend als irreversibel zu betrachten. Außerdem wird festgehalten, dass auch der Betrieb eines geschotterten Fahrweges – zumindest bei Trockenheit – zu störenden Staubemissionen führen kann.

römisch III./3. Zu den sonstigen öffentlichen Interessen:

Hinsichtlich der Feststellungen zu den sonstigen öffentlichen Interessen am Wegebau ist vorweg klarzustellen, dass – wie noch in den rechtlichen Erwägungen unter Punkt römisch fünf. zu erläutern sein wird – im anhängigen Verfahren nur die konkreten und unmittelbaren Auswirkungen des beantragten Almweges auf die almwirtschaftliche Nutzung des Hochlegers und nicht auch Auswirkungen allfälliger sonstiger baulicher Maßnahmen auf dem Hochleger oder Folgewirkungen einer allfälligen Aufgabe der Almwirtschaft berücksichtigt werden können.

Die entscheidungsrelevanten Feststellungen zu den konkreten und unmittelbaren Auswirkungen des beantragten Almweges auf die almwirtschaftliche Nutzung ergeben sich aus den am 21.04.2017 aktualisierten Einreichunterlagen, aus den bereits erwähnten Stellungnahmen des Privatsachverständige EE und aus den Gutachten des agrarwirtschaftlichen Amtssachverständigen MM vom 23.11.2010, Zl **** (OZ 9 im Akt der belangten Behörde), und vom 13.01.2012, Zl **** (OZ 8 im Akt der Berufungsbehörde). Im Wesentlichen sind diese Feststellungen unstrittig. Insbesondere hat der Beschwerdeführer, dem es gemäß Paragraph 43, Absatz 3, TNSchG 2005 obliegt, das öffentliche Interesse zu formulieren und die zu dessen Beurteilung erforderlichen Tatsachen vorzubringen vergleiche VwGH 27.03.2000, Zl 97/10/0149), nicht konkret vorgebracht, dass ohne Erschließung des Hochlegers die Existenz der gesamten CC-Alm oder gar sein landwirtschaftlicher Betrieb als Ganzes gefährdet wäre. In der mündlichen Verhandlung vor dem Landesverwaltungsgericht hat er selbst eingeräumt, dass auch die allfällige Auflassung des Hochlegers für ihn nicht existenzgefährdend ist.

Und den Gutachten des agrarwirtschaftlichen Amtssachverständigen kann entnommen werden, dass die allfällige – im anhängigen Verfahren nicht zu berücksichtigende – Errichtung eines neuen Laufstalles in Massivbauweise einen entscheidenden Beitrag zur dauernden Sicherung der Bewirtschaftung des Hochlegers darstellen könnte. Dass aber der beantragte Almweg selbst nicht nur zu einer Ertragsverbesserung, Rationalisierung und Arbeitserleichterung hinsichtlich des Hochleger führen würde, sondern dass es ohne diesen Weg geradezu unmöglich wäre, die Existenz der gesamten CC-Alm bzw des Betriebes des Beschwerdeführers dauerhaft zu sichern bzw in gleicher Weise einen zeitgemäßen Wirtschaftsbetrieb zu gewährleisten, kann diesem Gutachten nicht entnommen werden.

römisch IV.      Rechtslage:

Die hier maßgeblichen Bestimmungen des Tiroler Naturschutzgesetzes 2005 (TNSchG 2005) lauten wie folgt:

㤠1

Allgemeine Grundsätze

(1) Dieses Gesetz hat zum Ziel, die Natur als Lebensgrundlage des Menschen so zu erhalten

und zu pflegen, dass

a) ihre Vielfalt, Eigenart und Schönheit,

b) ihr Erholungswert,

c) der Artenreichtum der heimischen Tier- und Pflanzenwelt und deren natürliche Lebensräume und

d) ein möglichst unbeeinträchtigter und leistungsfähiger Naturhaushalt bewahrt und nachhaltig gesichert oder wiederhergestellt werden. Die Erhaltung und die Pflege der Natur erstrecken sich auf alle ihre Erscheinungsformen, insbesondere auch auf die Landschaft, und zwar unabhängig davon, ob sie sich in ihrem ursprünglichen Zustand befindet (Naturlandschaft) oder durch den Menschen gestaltet wurde (Kulturlandschaft). Der ökologisch orientierten und der die Kulturlandschaft erhaltenden land- und forstwirtschaftlichen Nutzung kommt dabei besondere Bedeutung zu. Wesentliche Bestandteile der Natur bilden insbesondere auch die Gewässer und die von Wasser geprägten Lebensräume, denen besondere Bedeutung für einen leistungsfähigen Naturhaushalt, den Artenreichtum der heimischen Tier- und Pflanzenwelt, das Naturerlebnis und die Erholung zukommt. Die Natur darf nur so weit in Anspruch genommen werden, dass ihr Wert auch für die nachfolgenden Generationen erhalten bleibt.

(…)

Paragraph 6,

Allgemeine Bewilligungspflicht

Außerhalb geschlossener Ortschaften bedürfen folgende Vorhaben einer Bewilligung, sofern hiefür nicht nach einer anderen Bestimmung dieses Gesetzes, einer Verordnung aufgrund dieses Gesetzes oder einem der in der Anlage zu Paragraph 48, Absatz eins, genannten Gesetze eine naturschutzrechtliche Bewilligung erforderlich ist:

(…)

d) der Neubau von Straßen und Wegen oberhalb der Seehöhe von 1.700 Metern oder mit einer Länge von mehr als 500 Metern, mit Ausnahme von Straßen, für die in einem Bebauungsplan die Straßenfluchtlinien festgelegt sind, und von Güterwegen nach Paragraph 4, Absatz eins, des Güter- und Seilwege-Landesgesetzes;

(…)

Paragraph 23,

Geschützte Pflanzenarten und Pilze

(1) Die Landesregierung hat durch Verordnung

(…)

b) andere wild wachsende Pflanzenarten und Pilze, die in ihrem Bestand allgemein oder in bestimmten Gebieten gefährdet sind, deren Erhaltung aber zur Wahrung der Interessen des Naturschutzes nach Paragraph eins, Absatz eins, geboten ist, zu geschützten Arten zu erklären.

(…)

(3) Die Landesregierung kann durch Verordnung für Pflanzenarten nach Absatz eins, Litera b,, soweit dies zur Sicherung des Bestandes bestimmter Pflanzenarten, insbesondere zur Aufrechterhaltung eines günstigen Erhaltungszustandes der wild wachsenden Pflanzenarten des Anhanges römisch fünf Litera b, der Habitat-Richtlinie, erforderlich ist,

a) verbieten,

1. Pflanzen solcher Arten sowie deren Teile (Wurzeln, Zwiebeln, Knollen, Blüten, Blätter, Zweige, Früchte und dergleichen) und Entwicklungsformen von ihrem Standort zu entfernen, zu beschädigen oder zu vernichten, im frischen oder getrockneten Zustand zu befördern, feilzubieten, zu veräußern oder zu erwerben;

2. den Standort von Pflanzen solcher Arten so zu behandeln, dass ihr weiterer Bestand an diesem Standort unmöglich wird;

3. Pflanzen auf eine bestimmte Art zu entnehmen.

(…)

(5) Sofern es keine andere zufrieden stellende Lösung gibt und die Populationen der betroffenen Pflanzenart in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet ohne Beeinträchtigung in einem günstigen Erhaltungszustand verweilen, können Ausnahmen von den Verboten nach den Absatz 2 und 3 Litera a, bewilligt oder hinsichtlich der im Absatz eins, Litera b, genannten Pflanzenarten auch durch Verordnung der Landesregierung festgelegt werden

(…)

c) im Interesse der Volksgesundheit und der öffentlichen Sicherheit oder aus anderen zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses einschließlich solcher sozialer oder wirtschaftlicher Art oder positiver Folgen für die Umwelt,

(…)

Paragraph 29,

Naturschutzrechtliche Bewilligungen, aufsichtsbehördliche Genehmigungen

(1) Eine naturschutzrechtliche Bewilligung ist, soweit in den Absatz 2 und 3 nichts anderes bestimmt ist, zu erteilen,

a) wenn das Vorhaben, für das die Bewilligung beantragt wird, die Interessen des Naturschutzes nach Paragraph eins, Absatz eins, nicht beeinträchtigt oder

b) wenn andere öffentliche Interessen an der Erteilung der Bewilligung die Interessen des Naturschutzes nach Paragraph eins, Absatz eins, überwiegen.

(2) Eine naturschutzrechtliche Bewilligung

a) für die Errichtung von Anlagen in Gletscherschigebieten nach Paragraph 5, Absatz eins, Litera d, Ziffer 3, (Paragraph 6, Litera c,), eine über die Instandhaltung oder Instandsetzung hinausgehende Änderung einer bestehenden Anlage im Bereich der Gletscher, ihrer Einzugsgebiete und ihrer im Nahbereich gelegenen Moränen (Paragraph 6, Litera f,), für Vorhaben nach den Paragraphen 7, Absatz eins und 2, 8, 9 Absatz eins und 2, 27 Absatz 3 und 28 Absatz 3,,

(…)

1. wenn das Vorhaben, für das die Bewilligung beantragt wird, die Interessen des Naturschutzes nach Paragraph eins, Absatz eins, nicht beeinträchtigt oder

2. wenn andere langfristige öffentliche Interessen an der Erteilung der Bewilligung die Interessen des Naturschutzes nach Paragraph eins, Absatz eins, überwiegen. In Naturschutzgebieten darf außerdem ein erheblicher, unwiederbringlicher Verlust der betreffenden Schutzgüter nicht zu erwarten sein.

(…)

(3) Eine naturschutzrechtliche Bewilligung

(…)

b) für Ausnahmen von den Verboten nach den Paragraphen 23, Absatz 2 und 3 Litera a,, 24 Absatz 2 und 3 Litera a und 25 Absatz eins, und

(…)

darf nur erteilt werden, wenn die jeweiligen Voraussetzungen vorliegen.

(…)

(8) Eine Bewilligung ist zu versagen, wenn eine Voraussetzung für ihre Erteilung nicht vorliegt.

(…)“

Die relevanten Bestimmungen der Tiroler Naturschutzverordnung 2006 (TNSchVO 2006) lauten auszugsweise wie folgt:

㤠2

Schutz von anderen wild wachsenden Pflanzenarten

(1) Die in der Anlage 2 angeführten wild wachsenden Pflanzenarten, unbeschadet der Arten nach Paragraph eins,, werden zu gänzlich geschützten Pflanzenarten erklärt.

(2) Hinsichtlich der gänzlich geschützten Pflanzenarten der Anlage 2 ist es verboten:

a) absichtlich Pflanzen solcher Arten sowie deren Teile (Wurzeln, Zwiebeln, Knollen, Blüten, Blätter, Zweige, Früchte und dergleichen) und Entwicklungsformen von ihrem Standort zu entfernen, zu beschädigen oder zu vernichten, im frischen oder getrockneten Zustand zu befördern, feilzubieten, zu veräußern oder zu erwerben,

b) den Standort von Pflanzen solcher Arten so zu behandeln, dass ihr weiterer Bestand an diesem Standort unmöglich wird.

(3) Die in der Anlage 3 angeführten wild wachsenden Pflanzenarten, unbeschadet der Arten nach den Paragraphen eins und 2 Absatz eins,, werden zu teilweise geschützten Pflanzenarten erklärt.

(4) Hinsichtlich der teilweise geschützten Pflanzenarten der Anlage 3 ist es verboten:

a) die oberirdisch wachsenden Teile solcher Arten absichtlich in einer über einen Handstrauß hinausgehenden Menge zu entnehmen und zu befördern,

b) die unterirdisch wachsenden Teile (Wurzeln, Zwiebeln, Knollen) solcher Arten absichtlich von ihrem Standort zu entfernen, zu beschädigen oder zu vernichten, zu befördern, feilzubieten, zu veräußern oder zu erwerben,

c) den Standort von Pflanzen solcher Arten so zu behandeln, dass ihr weiterer Bestand an diesem Standort unmöglich wird.

(5) a) Ausgenommen von den Verboten nach den Absatz 2 und 4 ist das Entfernen, Beschädigen, Vernichten, Erwerben und Befördern einzelner Exemplare der nach den Anlagen 2 und 3 geschützten Pflanzenarten in dem für diesen Zweck unbedingt notwendigen Umfang zu Forschungs- und Lehrzwecken durch naturwissenschaftliche Kräfte von Forschungsanstalten bzw. sonstige Personen im Auftrag oder unter Anleitung solcher Anstalten, weiters durch Mitarbeiter von Planungsbüros (wie Ziviltechniker, Technische Büros) zur Ausführung von Aufträgen naturkundlichen Inhalts im Rahmen einer Forschungstätigkeit. Personen, welche im Auftrag oder unter Anleitung einer Forschungsanstalt tätig sind, haben eine entsprechende Bestätigung dieser Anstalt über die Beauftragung bzw. Anleitung mit sich zu führen.

b) Für pädagogische Zwecke, wie im Rahmen des naturkundlichen Unterrichts an Schulen, dürfen – unabhängig von den Verboten nach den Absatz 2 und 4 – einzelne Exemplare der nach den Anlagen 2 und 3 geschützten Pflanzenarten aufbewahrt, in dem für diesen Zweck unbedingt notwendigen Umfang entfernt, beschädigt, vernichtet, erworben oder befördert werden.

(…)

Paragraph 3,

Schutz von Arten gefährdeter besonderer Pflanzengesellschaften Unbeschadet der Bestimmungen der Paragraphen eins und 2 sind die in der Anlage 4 angeführten gefährdeten besonderen

Pflanzengesellschaften dahingehend geschützt, als es verboten ist, ihre Standorte so zu behandeln, dass ihr Fortbestand erheblich beeinträchtigt oder unmöglich wird, insbesondere die natürliche Artenzusammensetzung der Pflanzengesellschaft verändert wird.

Paragraph 7,

Ausnahmen von den Verboten und Zuwiderhandlungen

(1) Von den Verboten nach den Paragraphen eins, Absatz 2,, 2 Absatz 2 und 4, 3, 4 Absatz 2,, 5 Absatz 2 und 6
Absatz 3, können Ausnahmen nach den Paragraphen 23, Absatz 5,, 24 Absatz 5 und 25 Absatz 3, des Tiroler Naturschutzgesetzes 2005, Landesgesetzblatt Nr. 26, in der jeweils geltenden Fassung, bewilligt werden.

(…)

Anlage 2

(…)

d) Blütenpflanzen:

(…)

34. Rosetten- und Polsterpflanzen, alle, wie Steinbrech-Arten (Saxifraga spp.) und Mannsschildarten (Androsace spp.)

(…)

48. Zwergalpenrose – Rhodothamnus chamaecistus Rehb.

(…)

Anlage 3

(…)

b) Blütenpflanzen:

(…)

5. Enziane, alle – Gentiana spp.

(…)

Anlage 4

39. Buschvegetation mit Pinus mugo und Rhododendron hirsutum (Mugo-Rhododendretum hirsuti);

(…)“

römisch fünf.       Erwägungen:

römisch fünf./1.   Zur Antragsänderung:

Ein verfahrenseinleitender Antrag kann gemäß Paragraph 13, Absatz 8, Allgemeines Verwaltungsverfahrensgesetz 1991 (AVG) in jeder Lage des Verfahrens bis zu einer allfälligen Schließung des Ermittlungsverfahrens (Paragraph 39, Absatz 3, AVG) geändert werden. Durch die Antragsänderung darf die Sache ihrem Wesen nach nicht geändert und die sachliche und örtliche Zuständigkeit nicht berührt werden. Auch während des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens ist eine Antragsänderung gemäß Paragraph 13, Absatz 8, AVG grundsätzlich zulässig. Allerdings zieht Artikel 130, Absatz 4, B-VG in Verbindung mit Paragraphen 27, f Verwaltungsgerichtsverfahrensgesetz (VwGVG) solchen Projektmodifikationen engere Grenzen als der bloß auf das Wesen der Sache abstellende Paragraph 13, Absatz 8, AVG. Die Entscheidungsbefugnis des Landesverwaltungsgerichts ist nämlich jedenfalls auf die „Sache“ des behördlichen Verfahrens beschränkt. Somit sind Projektänderungen im Beschwerdeverfahren nur in dem Umfang zulässig, als nicht der Prozessgegenstand, der den Inhalt des Spruches des verwaltungsbehördlichen Bescheides darstellt, ausgewechselt wird vergleiche VwGH 12.12.2017, Zl 2016/05/0068). Im Mehrparteienverfahren darf die Antragsänderung vor dem Landesverwaltungsgericht keine zusätzlichen subjektiven Rechte mitbeteiligter Parteien berühren und darüber hinaus auch bisher geltend gemachte Rechte nicht anderes berühren vergleiche VwGH 20.06.2013, Zl 2012/06/0092).

Zumal die vorliegende Antragsänderung vom 21.04.2017 lediglich eine geringfügige Verschiebung der Wegtrasse zum Gegenstand hat, davon keine zusätzlichen Grundstücke berührt werden auch sonstige Rechte nicht anderes als bisher berührt werden, liegt kein unzulässiger Austausch des Prozessgegenstandes vor. Die Antragsänderung ist somit zulässig.

römisch fünf./2.   Zu den Bewilligungstatbeständen:

In der Sache ist die Tiroler Landesregierung im Berufungsbescheid vom 23.12.2013, Zl ****, zutreffend von einer Bewilligungspflicht des beantragten Vorhabens nach Paragraph 6, Litera d, TNSchG 2005 ausgegangen, weil sich der zu errichtende Almweg unbestritten außerhalb geschlossener Ortschaften befindet und eine Länge von mehr als 500 Metern aufweist. Aufgrund einer Interessenabwägung nach Paragraph 29, Absatz 2, Litera a, TNSchG 2005 hat die Tiroler Landesregierung die beantragte Bewilligung versagt, da die „langfristigen öffentlichen Interessen“ an der Erteilung der Bewilligung die Interessen des Naturschutzes nach Paragraph eins, Absatz eins, TNSchG 2005 nicht überwiegen würden.

Der Verwaltungsgerichtshof hat diesen Berufungsbescheid mit Erkenntnis vom 09.11.2016, Zl 2014/10/0044, behoben, da beim Bewilligungstatbestand des Paragraph 6, Litera d, TNSchG 2005 den festgestellten Beeinträchtigung des Naturschutzes nicht die „langfristigen öffentlichen Interessen“ des Paragraph 29, Absatz 2, TNSchG 2005, sondern nur die „öffentlichen Interessen“ des Paragraph 29, Absatz eins, TNSchG 2005 gegenüberzustellen sind.

Aus dem vom Landesverwaltungsgericht durchgeführten Ermittlungsverfahren ergibt sich jedoch, dass das beantragte Vorhaben nicht nur den Bewilligungstatbestand des Paragraph 6, Litera d, TNSchG 2005, sondern auch die Verbotstatbestände des Paragraph 23, TNSchG 2005 in Verbindung mit Paragraph 2, TNSchVo 2006 betreffend geschützter Pflanzenarten verwirklicht. Von der Errichtung des beantragten Weges sind nämlich folgende geschützte Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften unmittelbar betroffen, die direkt auf der geplanten Wegtrasse wachsen und die bei Umsetzung des Vorhabens jedenfalls zerstört bzw entfernt werden und dadurch an diesem Standort unwiederbringlich verloren gehen: Herzblättrige Kugelblume (Anlage 2 Litera d, Ziffer 34, TNSchVO 2006), Nacktstängelige Kugelblume (Anlage 2 Litera d, Ziffer 34, TNSchVO 2006), Silberwurz (Anlage 2 Litera d, Ziffer 34, TNSchVO 2006), Zwergalpenrose (Anlage 2 Litera d, Ziffer 48, TNSchVO 2006), Fransenenzian (Anlage 3 Litera b, Ziffer 5, TNSchVO 2006), Rauer Enzian (Anlage 3 Litera b, Ziffer 5, TNSchVO 2006), Frühlings-Enzian (Anlage 3 Litera b, Ziffer 5, TNSchVO 2006) und Almrosen-Latschengebüsch (Anlage 4 Ziffer 39, TNSchVO 2006).

Dadurch werden hinsichtlich der gänzlich geschützten Pflanzen der Anlage 2 die Verbotstatbestände gemäß Paragraph 2, Absatz 2, TNSchVO 2006, also das absichtliche Entfernen, Beschädigen oder Vernichten solcher Pflanzen und deren Teile sowie das Behandeln des Standortes solcher Pflanzen, sodass ihr weiterer Bestand an diesem Standort unmöglich wird, verwirklicht. Auch die weniger strengen Verbote des Paragraph 2, Absatz 4, TNSchVO 2006 hinsichtlich der teilweise geschützten Pflanzen der Anlage 3, also das absichtliche Entnehmen oberirdisch wachsender Teile solcher Pflanzen in einer über einen Handstrauß hinausgehenden Menge, das absichtliche Beschädigen oder Vernichten unterirdisch wachsender Teile sowie das Behandeln des Standortes, sodass ihr weiterer Bestand an diesem Standort unmöglich wird, werden verwirklicht. Die Entfernung des Almrosen-Latschengebüsches auf der Wegtrasse widerspricht schließlich dem Verbot des Paragraph 3, TNSchVO 2006 betreffend der Standortbehandlung geschützter Pflanzengesellschaften.

Zu diesen Verbotstatbeständen ist zunächst klarzustellen, dass ein absichtliches Handeln iSd Paragraph 23, TNSchG 2005 in Verbindung mit Paragraph 2, TNSchVO 2006 anders als bei der strafrechtlichen Absichtlichkeit bereits dann vorliegt, wenn die Verwirklichung des maßgeblichen Sachverhaltes billigend in Kauf genommen wird vergleiche Umweltsenat 26.08.2013, Zl ****; LVwG Tirol 16.06.2016, Zl LVwG-2015/44/1078-12; Wallnöfer/Augustin, TNSchG 2005, Paragraph 23, RZ 3; Held/Neuerer/Schmid, TNSchG 2005, Paragraph 23,, zu Absatz 2,). Das Tatbestandsmerkmal der Absichtlichkeit ist gegenständlich erfüllt, da feststeht, dass das beantragte Vorhaben zur Entnahme, Entfernung, Beschädigung bzw Vernichtung der betroffenen Pflanzen bzw deren Teile führt.

Aus der Gegenüberstellung der unterschiedlichen Ausprägungen der genannten Verbotstatbestände zeigt sich zudem deutlich, dass das TNSchG 2005 und die TNSchVO 2006 betreffend der geschützten Pflanzenarten ausdrücklich den Schutz jedes einzelnen Exemplars vor Augen hat und eine Beeinträchtigung geschützter Arten daher nicht etwa erst ab einer gewissen Größenordnung eine Regelung findet, sondern bereits das einzelne Individuum den Schutz des Naturschutzrechts genießt. So sieht auch Paragraph 2, Absatz 5, TNSchVo 2006 bestimmte Ausnahmen von den Verboten hinsichtlich der Behandlung einzelner Exemplare der geschützten Pflanzenarten vor. Vor diesem Hintergrund können die Verbote nur so verstanden werden, dass die im Zuge der Umsetzung eines Vorhabens mit Sicherheit zu erwartende Zerstörung von einzelnen Exemplaren einer geschützten Pflanzenart nur nach Erteilung einer naturschutzrechtlichen Bewilligung möglich ist. Für jede andere Sichtweise, dass nämlich erst bei der Zerstörung einer größeren Gruppe geschützter Pflanzenarten oder etwa bei der Auslöschung des gesamten regionalen Bestandes die Genehmigungspflicht greift, fehlen Anhaltspunkte im Gesetz und ließe sich eine derartige Auslegung auch nicht mit den Zielen und Grundsätzen des TNSchG 2005, wie sie in Paragraph eins, Absatz eins, TNSchG 2005 statuiert werden, in Einklang bringen.

Eine gegenteilige Auslegung, dass nämlich das Gesetz nicht den Schutz jeder einzelnen Pflanze vor Augen hat, stünde im Widerspruch zur Wertung des Normgebers in Paragraph 2, TNSchVo 2006. Dann würde es nämlich keinen Sinn mehr ergeben, dass bei den Arten der weniger geschützten Kategorie die Entnahme eines Handstraußes ausdrücklich vom Verbot ausgenommen wird. Wenn nämlich nur eine lokale Population in ihrer Gesamtheit den Schutz des Gesetzes genießen würde und nicht jedes einzelne Individuum, so wäre eine derartige Ausnahme entbehrlich. Dadurch, dass der Normgeber bei weniger stark geschützten Arten explizit die Entnahme von Arten bis zu einer Menge eines Handstraußes (unter Schonung des unterirdischen Teils der Pflanze) von der Genehmigungspflicht ausnimmt und bei den stärker geschützten Arten explizit nur die Entnahme von einzelnen Exemplaren zu genau bestimmten Zwecken, etwa für die Forschung, zulässt, zeigt er ohne jeden Zweifel, dass die Regelung grundsätzlich den Schutz jedes einzelnen Exemplars umfasst. Die umgekehrte Auslegung, dass nämlich nur eine gesamte Population den Schutz des Gesetzes genießt, würde diese Ausnahmen sinnlos machen, was dem Normgeber aber nicht unterstellt werden darf.

Die Verbotstatbestände des Paragraph 23, TNSchG 2005 in Verbindung mit Paragraphen 2 und 3 TNSchVo 2006 zum Schutz des Standortes geschützter Pflanzen und Pflanzengesellschaften sind somit bereits dann verwirklicht, wenn der Standort einzelner Exemplare der geschützten Art betroffen ist. Die Verbote bestehen also unabhängig davon, ob im Nahebereich des Vorhabens weitere Exemplare der geschützten Art wachsen vergleiche LVwG Tirol 04.08.2014, Zl LVwG-2014/15/120-8; 16.06.2016, Zl LVwG-2015/44/1078-12; Wallnöfer/Augustin, TNSchG 2005, Paragraph 23, E 3; Held/Neuerer/Schmid, TNSchG 2005, Paragraph 23,, zu Absatz 2 ;, in diesem Sinne auch VwGH 26.04.2010, Zl 2008/10/0162).

Da sich auf der gegenständlich beantragten Wegtrasse geschützte Arten der Anlagen 2 und 3 TNSchVO 2006 befinden, diese Exemplare durch die Umsetzung des Vorhabens zerstört werden und ihr weiterer Bestand auf diesem Standort unmöglich wird, gilt für die Frage, in wie weit das Vorhaben dennoch bewilligt werden kann, das Ausnahmeregime nach Paragraph 23, Absatz 5, TNSchG 2005.

römisch fünf./3.   Zur Interessenabwägung:

Das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 09.11.2016, Zl 2014/10/0044, mit dem der Berufungsbescheid der Tiroler Landesregierung vom 23.12.2013, Zl ****, behoben wurde, basiert auf der Annahme der Berufungsbehörde, dass das beantragte Vorhaben nur den Bewilligungstatbestand des Paragraph 6, Litera d, TNSchG 2005 erfüllt. In diesem Fall wären nicht „langfristige öffentliche Interessen“ iSd Paragraph 29, Absatz 2, TNSchG 2005, sondern nur „öffentliche Interessen“ iSd Paragraph 29, Absatz eins, TNSchG 2005 den Interessen des Naturschutzes gegenüberzustellen. Aufgrund der vom Landesverwaltungsgericht durchgeführten Ermittlungen steht jedoch fest, dass gegenständlich auch eine Ausnahmebewilligung nach den Artenschutzbestimmungen gemäß Paragraph 23, Absatz 5, TNSchG 2005 erforderlich ist.

Von den Ausnahmetatbeständen des Paragraph 23, Absatz 5, TNSchG 2005 kommt lediglich die Litera c, in Betracht, wonach dann, wenn die Populationen der betroffenen Pflanzenarten in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet ohne Beeinträchtigung in einem günstigen Erhaltungszustand verweilen, eine Genehmigung im Interesse der Volksgesundheit und der öffentlichen Sicherheit oder aus anderen zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses einschließlich solcher sozialer oder wirtschaftlicher Art oder positiver Folgen für die Umwelt erteilt werden kann. Für die Bewilligung des Vorhabens müssten daher nicht nur – wie von der Berufungsbehörde angenommen – „langfristige öffentliche Interessen“ iSd Paragraph 29, Absatz 2, TNSchG 2005, sondern sogar "zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses" iSd Paragraph 23, Absatz 5, Litera c, TNSchG 2005 die Interessen des Naturschutzes überwiegen.

Dazu ist zunächst klarzustellen, dass mit den "zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses" iSd Paragraph 23, Absatz 5, Litera c, TNSchG 2005 nicht das Vorliegen von Sachzwängen gemeint ist, denen niemand ausweichen kann, sondern ein besonders qualifiziertes öffentliches Interesse vergleiche Umweltsenat 26.08.2013, Zl ****; LVwG Tirol 16.06.2016, Zl LVwG-2015/44/1078-12; Wallnöfer/Augustin, TNSchG 2005, Paragraph 23, RZ 5; Held/Neuerer/Schmid, TNSchG 2005, Paragraph 23,, zu Absatz 5,). Aus der Systematik der abgestuften Beurteilungsmaßstäbe des Paragraph 29, Absatz eins und 2 TNSchG 2005 und dem klaren Wortlaut ergibt sich zudem, dass der Gesetzgeber in Paragraph 23, Absatz 5, Litera c, TNSchG 2005 mit den "zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses" strengere Anforderungen an die Interessenabwägung formuliert als in Paragraph 29, Absatz 2, TNSchG 2005 mit den „langfristigen öffentlichen Interessen.“

Rein privatwirtschaftliche Nützlichkeitserwägungen reichen daher zur Begründung des öffentlichen Interesses an der Verwirklichung des Almweges keinesfalls aus. Insbesondere kann nicht jegliche einer Ertragsverbesserung dienende Maßnahme des Antragstellers als eine im öffentlichen Interesse und nicht in dessen Privatinteresse gelegene Disposition angesehen werden vergleiche VwGH 31.01.2000, Zl 98/10/0066). Der Verwaltungsgerichtshof hat jedoch schon mehrfach das Interesse an der Erhaltung der Almwirtschaft als im Sinne naturschutzgesetzlicher Vorschriften beachtliches öffentliches Interesse bezeichnet. Nach ständiger Rechtsprechung ist dabei allerdings zu beachten, dass nicht jede der Ertragsverbesserung, Rationalisierung oder Arbeitserleichterung dienende Maßnahme bereits im langfristigen öffentlichen Interesse liegt. Maßgeblich ist vielmehr, dass die Maßnahme für die Existenz des Betriebes bzw für einen zeitgemäßen Betrieb der Almwirtschaft entscheidende Bedeutung besitzt vergleiche etwa VwGH 15.12.2006, Zl 2004/10/0173). Allein in der Erschließung der Almen und der Erleichterung bei der Bewirtschaftung kann jedenfalls kein überwiegendes öffentliches Interesse iSd TNSchG 2005 erblickt werden vergleiche VwGH 31.05.2006, Zl 2002/10/0220).

Im Bewilligungsverfahren können auch nur jene öffentlichen Interessen berücksichtigt werden, die unmittelbar und konkret durch das beantragte Vorhaben verwirklicht werden vergleiche VwGH 25.04.2001, Zl 99/10/0055). Die naturschutzrechtliche Interessenabwägung kann nur projektbezogen erfolgen vergleiche VwGH 13.12.1995, Zl 90/10/0018,). Bei der Beurteilung der Genehmigungsfähigkeit eines Vorhabens ist von der Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt der Entscheidung auszugehen; nicht konkret absehbare Entwicklungen haben außer Betracht zu bleiben. Nur wenn bereits konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass es in absehbarer Zeit zu einer Änderung des Sachverhalts kommen wird und die Behörde bzw das Verwaltungsgericht in der Lage ist, sich über die Auswirkungen dieser Änderung ein hinlängliches Bild zu machen, ist auf derartige Entwicklungen bei der Entscheidung über die Genehmigung des Vorhabens Bedacht zu nehmen vergleiche VwGH 20.12.2016, Zl 2014/03/0035).

Mögliche Folgewirkungen eines beantragten Almweges, wie allfällige Bautätigkeiten auf der zu erschließenden Alm, deren konkrete Ausgestaltung nicht abschätzbar und deren Umsetzung nicht gesichert ist, dürfen in der naturschutzrechtlichen Interessenabwägung hingegen nicht als öffentliches Interesse an der Erteilung der Bewilligung miteinbezogen werden. Es kann gegenständlich auch gar nicht ermittelt werden, ob allfällige, noch nicht konkret geplante Bauvorhaben auf dem Hochleger aus naturschutzrechtlicher Sicht überhaupt zulässig wären und welche Auswirkungen sie auf die almwirtschaftlichen und naturschutzrechtlichen Interesse hätten. In Bezug auf derartige Bauvorhaben handelt es sich beim beantragten (Bau)Weg lediglich um eine Vorbereitungsmaßnahme, die selbst den Zweck allenfalls geplanter Bauwerke (noch) nicht erkennen lässt vergleiche VwGH 13.12.1995, Zl 90/10/0018). Das öffentliche Interesse muss sich somit direkt aus dem beantragten Projekt – also aus dem Almweg – ergeben. Im vorliegenden Fall sind somit nur die unmittelbaren und konkreten Auswirkungen des beantragten Almweges auf die almwirtschaftliche Nutzung des Hochlegers und nicht die Auswirkungen allfälliger weiterer Bauvorhaben relevant.

Gleiches gilt für die allfällige Änderung der Vegetation bei einer – auch bei Errichtung des beantragten Almweges – möglichen künftigen Aufgabe der Almbewirtschaftung. Derartige Folgewirkungen, die nicht unmittelbar mit dem verfahrensgegenständlichen Projekt verbunden sind, dürfen bei der Bewilligung eines Projektes nicht in die Beurteilung miteinbezogen werden, weshalb auf das diesbezügliche Vorbringen des Antragstellers nicht näher einzugehen ist vergleiche VwGH 22.04.2015, Zl 2012/10/0003; 21.05.2008, Zl 2004/10/0038). Nur der Vollständigkeit halber wird daher festgehalten, dass der naturkundefachliche Amtssachverständige in der mündlichen Verhandlung vor dem Landesverwaltungsgesetz erläutert hat, dass sich bei Aufgabe der Almwirtschaft auf dem Hochleger ein Almrosen-Latschengebüsch entwickeln würde, welches als prioritärer natürlicher Lebensraumtyp der Richtlinie 92/43/EWG (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) und gemäß Anlage 4, Ziffer 39, der TNSchVO 2006 geschützt ist. Gemäß seinem Gutachten vom 19.07.2017 gilt dieser alpine Lebensraumtyp im gesamten EU-Raum als sehr selten und wird mit der höchsten Priorität belegt. Österreich, als Mitgliedsstaat der EU mit dem höchsten Prozentanteil alpiner Fläche, kommt hier eine besondere Verantwortung zu. In der mündlichen Verhandlung hat der Amtssachverständige zudem erklärt, dass der derzeit auf der Alm bestehende Kalkmagerrasen gegenüber dem möglicherweise künftig entstehenden Almrosen-Latschengebüsch keinen ökologischen Vorzug genießt.

Aber auch auf Seiten der beeinträchtigten Naturschutzinteressen dürfen nur die konkreten und unmittelbaren Auswirkungen der beantragten Wegerrichtung ins Kalkül gezogen werden. Im naturschutzrechtlichen Bewilligungsverfahren sind nämlich nur die mit der Verwirklichung des Wegprojekts verbundenen Auswirkungen auf die naturschutzgesetzlich geschützten Rechtsgüter zu beurteilen, nicht aber jene Auswirkungen, die nicht mit der Errichtung des Weges selbst, sondern gegebenenfalls mit einer Almbewirtschaftung, die in ihrer Art oder Intensität durch den Almweg erst ermöglicht wird, verbunden sind. Änderungen der Almbewirtschaftungsform, wie etwa das Ausbringen von Gülle, die der Antragsteller allenfalls in Aussicht nehmen könnte und die nicht Gegenstand des Projektes sind, zählen nicht dazu (VwGH 26.09.2011, Zl 2009/10/0243; 21.05.2012, Zl 2011/10/0105).

Somit verbleibt für die Interessenabwägung, dass der Bau des beantragten Almweges unmittelbar zu mittelstarken und irreversiblen Beeinträchtigungen für den Naturhaushalt und geschützte Pflanzenarten, zu sehr starken und irreversiblen Beeinträchtigungen für das Landschaftsbild und zu mittelstarken und nur teilweise reversiblen Beeinträchtigungen des Erholungswertes führen würde, die nicht mit Auflagen gemindert werden können. Auf der anderen Seite würde durch den Bau des Almweges die Gehzeit für die ca 250 Höhenmeter vom Niederleger zum Hochleger von ca 30 bis 35 Minuten wegfallen. Dies würde ohne Zweifel konkret und unmittelbar zu einer Erleichterung und Vereinfachung der Bewirtschaftung des Hochlegers führen. Durch den wesentlich geringeren Zeitaufwand für die almwirtschaftlich notwendigen Maßnahmen wäre damit eine Ertragsverbesserung, Rationalisierung und Arbeitserleichterung hinsichtlich des Hochlegers verbunden. Dass es angesichts der ohne den Almweg nur fußläufig zurückzulegenden Wegstrecke von ca 250 Höhenmeter aber nicht nur mühevoller, sondern geradezu unmöglich wäre, die Existenz der CC-Alm bzw des Betriebes zu sichern oder in gleicher Weise einen zeitgemäßen Wirtschaftsbetrieb zu gewährleisten, ist dem Vorbringen des Beschwerdeführers nicht zu entnehmen vergleiche dazu auch VwGH 29.04.2009, Zl 2007/10/0309).

Aber auch wenn man davon ausginge, dass bereits die Nichterrichtung des beantragten Almweges und nicht erst die unterlassene Umsetzung weiterer – nicht projektgegenständlicher – Baumaßnahmen unmittelbar zur Aufgabe der Bewirtschaftung des Hochlegers führen würde, bliebe immer noch der bereits erschlossene Niederleger der Oberen CC-Alm und die Untere CC-Alm. Dass ohne Erschließung des Hochlegers die gesamte CC-Alm oder gar der gesamte landwirtschaftliche Betrieb des Beschwerdeführers gefährdet wäre, wurde weder vorgebracht, noch ist dies sonst im Verfahren zu Tage getreten. Insbesondere liefert der Hochleger nur einen Beitrag von ca 8 % des Gesamtfutterertrages des landwirtschaftlichen Betriebes und hat der Beschwerdeführer in der mündlichen Verhandlung vor dem Landesverwaltungsgericht selbst eingeräumt, dass die allfällige Auflassung des Hochlegers nicht existenzgefährdend ist.

In Anbetracht der in alpinen Bereichen erfolgten zahlreichen menschlichen Eingriffe ist der Erhaltung jener Räume, in denen noch keine großflächigen Erschließungen stattgefunden haben, besonderes Gewicht beizumessen vergleiche VwGH 31.05.2006, Zl 2002/10/0220). Auch wenn die Aufrechterhaltung der Bewirtschaftung des Hochlegers im öffentlichen Interesse liegt, stehen dem gravierende und irreversible Beeinträchtigungen der Naturschutzinteressen gegenüber. Zumal letztlich nur das Interesse an der Weiterführung eines Teils der CC-Alm – nämlich des Hochlegers der Oberen CC-Alm – mit dem beantragten Almweg verknüpft ist, diese Almfläche lediglich ca 8 % des Gesamtfutterertrages des Betriebes hervorbringt und weder die Bewirtschaftung der gesamten CC-Alm noch die Existenz und der zeitgemäße Wirtschaftsbetrieb des Gesamtbetriebes in Frage steht, stellt das öffentliche Interesse am beantragten Almweg keinen zwingenden Grund des überwiegenden öffentlichen Interesses dar, der die mittelstarken und irreversiblen Beeinträchtigungen für den Naturhaushalt und geschützte Pflanzenarten, die mittelstarken und nur teilweise reversiblen Beeinträchtigungen des Erholungswertes und insbesondere die sehr starken und irreversiblen Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes überwiegen könnte. Dabei ist vor allem zu berücksichtigen, dass der betroffene Almbereich im Kaisergebirge sehr prominent in Erscheinung tritt und die festgestellte Beeinträchtigung des Landschaftsbildes in weiten Bereichen des Bezirks Y sichtbar wäre.

Sofern der Beschwerdeführer und der Bürgermeister der Standortgemeinde in der mündlichen Verhandlung vor dem Landesverwaltungsgericht auch ein touristisches Interesse an der Errichtung des Almweges ins Treffen geführt haben, ist klarzustellen, dass ein öffentliches Interesse des Fremdenverkehrs an der Wegerrichtung nur dann vorliegen würde, wenn bei Nichterteilung der Bewilligung wesentliche Nachteile für den Fremdenverkehr zu besorgen wären oder wenn durch den Wegebau eine wesentliche Verbesserung für Belange des Fremdenverkehrs erzielt werden könnte vergleiche VwGH 31.03.2011, Zl 2007/10/0033). Bezugspunkt für das Vorliegen langfristiger öffentlicher Interessen ist dabei der wirtschaftliche Erfolg in der gesamten Region vergleiche LVwG Tirol 04.08.2014, Zl LVwG-2014/15/0120; VwGH 20.09.1999, Zl 96/10/0106; 30.09.2002, Zl 2000/10/0065). Voraussetzung ist nicht nur, dass an dem Nutzen, den das Projekt erbringen soll, allgemein ein langfristiges öffentliches Interesse besteht, sondern auch, dass das konkrete Projekt zur langfristigen qualitativen oder quantitativen Sicherung dieses Interesses erforderlich ist. Dabei ist es Sache der Partei, das langfristige öffentliche Interesse zu formulieren sowie die zu dessen Beurteilung erforderlichen Tatsachen vorzubringen vergleiche VwGH 27.03.2000, Zl 97/10/0149). Dass der Erfolg der Fremdenverkehrswirtschaft in der gesamten Region vom Bestand des beantragten Almweges betroffen wäre, wurde weder behauptet, noch ist dies sonst im Verfahren zu Tage getreten. Vielmehr reduziert sich das Vorhaben – gleich wie sein Nutzen – auf die Bewirtschaftung des Hochlegers der CC-Alm und ist im Verfahren nichts zu Tage getreten, das tatsächlich relevante Auswirkungen des Wegebaus auf die Tourismuswirtschaft in der Region JJ nahe legen würde. Abgesehen davon stellt auch die Befürwortung eines Vorhabens durch eine Gemeinde bzw einen Tourismusverband für sich kein langfristiges öffentliches Interesse dar vergleiche VwGH 26.09.2011, Zl 2009/10/0256).

Wie bereits die Tiroler Landesregierung als Berufungsbehörde – wenngleich auf einer unzutreffenden Rechtsgrundlage – erkannt hat, ist die Bezirkshauptmannschaft Y als belangte Behörde somit zu Recht davon ausgegangen, dass die beantragte naturschutzrechtliche Bewilligung zu versagen ist.

römisch VI.      Zulässigkeit der ordentlichen Revision:

Die ordentliche Revision ist zulässig, da im gegenständlichen Verfahren Rechtsfragen zu lösen waren, denen iSd Artikel 133, Absatz 4, B-VG grundsätzliche Bedeutung zukommt. Es fehlt nämlich an einer Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu den artenschutzrechtlichen Bestimmungen des TNSchG 2005 und der TNSchVO 2006. Insbesondere fehlt eine Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zum Tatbestandsmerkmal der Absichtlichkeit iSd Paragraph 2, Absatz 2, Litera a und Absatz 4, Litera a und b TNSchVO 2006, zur Auslegung des Standortschutzes gemäß Paragraph 2, Absatz 2, Litera b,, Absatz 4, Litera c und Paragraph 3, TNSchVO 2006 sowie zur Auslegung der „zwingenden Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses“ gemäß Paragraph 23, Absatz 5, Litera c, TNSchG 2005.

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g

Gegen diese Entscheidung kann binnen sechs Wochen ab der Zustellung Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof, Freyung 8, 1010 Wien, oder ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof erhoben werden. Die Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof ist direkt bei diesem, die ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof ist beim Landesverwaltungsgericht Tirol einzubringen.

Die genannten Rechtsmittel sind von einem bevollmächtigten Rechtsanwalt bzw einer bevollmächtigten Rechtsanwältin abzufassen und einzubringen und es ist eine Eingabegebühr von Euro 240,00 zu entrichten.

Es besteht die Möglichkeit, auf die Revision beim Verwaltungsgerichtshof und die Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof zu verzichten. Ein solcher Verzicht hat zur Folge, dass eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof und eine Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof nicht mehr erhoben werden können.

Landesverwaltungsgericht Tirol

Mag. Spielmann

(Richter)

Schlagworte

Interessenabwägung; Artenschutz; Hochleger; Almweg; Landschaftsbild

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:LVWGTI:2018:LVwG.2014.44.0738.17

Zuletzt aktualisiert am

20.03.2019

Dokumentnummer

LVWGT_TI_20181008_LVwG_2014_44_0738_17_00