Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Errichtung eines Nationalen Sicherheitsrates, Fassung vom 28.05.2024

§ 0

Langtitel

Bundesgesetz über die Errichtung eines Nationalen Sicherheitsrates
StF: BGBl. I Nr. 122/2001 (NR: GP XXI IA 505/A AB 809 S. 80. BR: AB 6470 S. 681.)

Änderung

Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 30 aus 2008, (NR: GP römisch XXIII IA 482/A AB 366 S. 41. BR: AB 7836 S. 751.)

§ 1

Text

Errichtung

Paragraph eins,

Beim Bundeskanzleramt ist ein Nationaler Sicherheitsrat (im Folgenden kurz Rat) zu errichten.

§ 2

Text

Gegenstand der Beratungen

Paragraph 2,
  1. Absatz einsDer Rat dient der Beratung der Bundesregierung und der einzelnen Bundesminister in allen grundsätzlichen Angelegenheiten der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
  2. Absatz 2Der Rat ist zu hören:
    1. Ziffer eins
      in allen Angelegenheiten der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die nach Ansicht eines stimmberechtigten Mitglieds des Rates von grundsätzlicher Bedeutung sind,
    2. Ziffer 2
      in Angelegenheiten des Artikel 23 f, Absatz 3, B-VG,
    3. Ziffer 3
      in Angelegenheiten des Kapitels römisch VII der Charta der Vereinten Nationen sowie
    4. Ziffer 4
      in Angelegenheiten der militärischen Landesverteidigung, die von grundsätzlicher Bedeutung sind und über die Zuständigkeit des Bundesministers für Landesverteidigung hinausgehen, und
    5. Ziffer 5
      1. Litera a
        vor der Beschlussfassung der Bundesregierung, jedenfalls aber vor der Erstattung eines Vorschlages an den Bundespräsidenten auf Verfügung der Heranziehung von Wehrpflichtigen zum Einsatzpräsenzdienst oder zum Aufschubpräsenzdienst durch den Bundespräsidenten,
      2. Litera b
        vor der Verfügung der Heranziehung von Wehrpflichtigen zum Einsatzpräsenzdienst oder zum Aufschubpräsenzdienst oder zu außerordentlichen Übungen durch den Bundesminister für Landesverteidigung,
      sofern in diesen Fällen nicht Gefahr in Verzug vorliegt.
  3. Absatz 3Dem Rat obliegt es, Empfehlungen für Maßnahmen in Angelegenheiten der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu erteilen.

§ 3

Text

Mitglieder des Rates

Paragraph 3,
  1. Absatz einsDem Rat gehören an:
    1. Ziffer eins
      der Bundeskanzler als Vorsitzender,
    2. Ziffer 2
      der Vizekanzler,
    3. Ziffer 3
      die Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten,
    4. Ziffer 4
      der Bundesminister für Landesverteidigung,
    5. Ziffer 5
      der Bundesminister für Inneres,
    6. Ziffer 6
      der Bundesminister für Justiz und
    7. Ziffer 7
      Vertreter der im Hauptausschuss des Nationalrates vertretenen politischen Parteien.
  2. Absatz 2Dem Rat gehören weiters mit beratender Stimme an:
    1. Ziffer eins
      ein Beamter der Präsidentschaftskanzlei,
    2. Ziffer 2
      ein Vertreter des Vorsitzenden der Landeshauptmännerkonferenz,
    3. Ziffer 3
      der Generalsekretär für auswärtige Angelegenheiten,
    4. Ziffer 4
      der Chef des Generalstabs,
    5. Ziffer 5
      der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit und
    6. Ziffer 6
      je ein weiterer vom Bundeskanzler, vom Vizekanzler, vom Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten und vom Bundesminister für Landesverteidigung zu bestimmender, hiefür fachlich geeigneter Ressortangehöriger.
  3. Absatz 3Jede im Hauptausschuss des Nationalrates vertretene politische Partei hat jedenfalls zwei Vertreter in den Rat zu entsenden. Darüber hinaus sind acht weitere Vertreter der im Nationalrat vertretenen Parteien in den Rat zu entsenden, die nach den Grundsätzen des Paragraph 30, des Geschäftsordnungsgesetzes 1975, Bundesgesetzblatt Nr. 410, in der jeweils geltenden Fassung, über die Zusammensetzung des Hauptausschusses des Nationalrates auf die Parteien aufzuteilen sind. Wenn nach der dabei anzuwendenden Berechnung zwei oder mehrere Parteien den gleichen Anspruch auf Vertreter haben, entscheidet die höhere Zahl von Wählerstimmen bei der letzten Nationalratswahl. Diese Mitglieder des Rates haben dem Nationalrat anzugehören. Je ein Vertreter pro Partei kann dem Bundesrat angehören, sofern diese Partei im Bundesrat vertreten ist.
  4. Absatz 4Für jedes von den politischen Parteien entsendete Mitglied ist ein Ersatzmitglied namhaft zu machen. Das Ersatzmitglied hat an die Stelle des Mitgliedes zu treten, wenn dieses an der Teilnahme an einer Sitzung verhindert ist.
  5. Absatz 5Die Vertreter der im Nationalrat vertretenen Parteien gehören dem Rat so lange an, bis von den im Nationalrat vertretenen Parteien andere Vertreter namhaft gemacht worden sind.

§ 4

Text

Sitzungen

Paragraph 4,
  1. Absatz einsDer Rat ist vom Bundeskanzler einzuberufen.
  2. Absatz 2Begehren zwei stimmberechtigte Mitglieder des Rates dessen Einberufung, so hat der Bundeskanzler eine Sitzung anzuberaumen, die innerhalb von 14 Tagen stattzufinden hat.

§ 5

Text

Geschäftsführung sowie Vorbereitung von Sitzungen

Paragraph 5,
  1. Absatz einsDie Geschäftsführung für den Rat obliegt einem im Bundeskanzleramt einzurichtenden Sekretariat. Das Sekretariat hat laufenden Kontakt zu Verbindungspersonen zu halten, die von den in Paragraph 3, Absatz eins, genannten Mitgliedern der Bundesregierung namhaft zu machen sind.
  2. Absatz 2Das Sekretariat hat mit den in Absatz eins, genannten Verbindungspersonen außen-, sicherheits- und verteidigungspolitische Angelegenheiten zu evaluieren und zu beraten sowie die Sitzungen des Rates vorzubereiten.
  3. Absatz 3Auch außerhalb von Sitzungen des Rates können die dem Rat angehörenden Vertreter der politischen Parteien zu Angelegenheiten, die vom Rat bearbeitet werden, beim Sekretariat die ihnen erforderlich erscheinenden Auskünfte einholen. Derartige Auskünfte sind vertraulich.

§ 6

Text

Beizuziehende Personen

Paragraph 6,
  1. Absatz einsDen Beratungen des Rates sind die jeweils sachlich beteiligten Bundesminister und Staatssekretäre beizuziehen.
  2. Absatz 2Werden im Rat Angelegenheiten beraten, die im besonderen Maße die Interessen eines Bundeslandes berühren, so ist der betreffende Landeshauptmann beizuziehen.
  3. Absatz 3Zu den Beratungen können den Sitzungen des Rates bei Bedarf durch die im Paragraph 3, Absatz eins, genannten Mitglieder der Bundesregierung sachkundige Personen beigezogen werden.

§ 7

Text

Vertraulichkeit

Paragraph 7,
  1. Absatz einsDie Beratungen des Rates sind vertraulich. Der Rat kann die Vertraulichkeit der Beratungen oder Teile davon aufheben, soweit er dies nach dem Gegenstand der Beratung für zweckmäßig erachtet.
  2. Absatz 2Die stimmberechtigten Mitglieder des Rates gemäß Paragraph 3, Absatz eins, Ziffer 7 und die Mitglieder mit beratender Stimme gemäß Paragraph 3, Absatz 2, sind vom Bundeskanzler auf Wahrung der Vertraulichkeit zu vereidigen.

§ 8

Text

Quoren

Paragraph 8,

Zur Beratung und Beschlussfassung im Rat ist die Anwesenheit von mindestens der Hälfte der stimmberechtigten Mitglieder erforderlich. Beschlüsse hat der Rat mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen zu fassen.

§ 9

Text

Ehrenamtliche Tätigkeit

Paragraph 9,

Die Mitglieder des Rates sowie die allenfalls beigezogenen Personen haben ihre Tätigkeit ehrenamtlich auszuüben.

§ 10

Text

Geschäftsordnung

Paragraph 10,

Die Geschäftsordnung des Rates, in der insbesondere nähere Bestimmungen über die Aufgaben des Vorsitzenden, über die Zusammensetzung des Sekretariates, über die Vorbereitung und Einberufung der Sitzungen sowie über die Vorgangsweise bei den Beratungen zu treffen sind, hat die Bundesregierung durch Verordnung mit Zustimmung des Hauptausschusses des Nationalrates zu erlassen.

§ 11

Text

Außer-Kraft-Treten

Paragraph 11,

Mit In-Kraft-Treten dieses Bundesgesetzes treten folgende Rechtsvorschriften außer Kraft:

  1. Ziffer eins
    Das Bundesgesetz über die Errichtung eines Rates für Auswärtige Angelegenheiten, Bundesgesetzblatt Nr. 330 aus 1976,,
  2. Ziffer 2
    die Verordnung der Bundesregierung, mit der die Geschäftsordnung des Rates für Auswärtige Angelegenheiten erlassen wird, Bundesgesetzblatt Nr. 573 aus 1976,,
  3. Ziffer 3
    die Verordnung der Bundesregierung, mit der die Geschäftsordnung des Landesverteidigungsrates erlassen wird, Bundesgesetzblatt Nr. 251 aus 1991,.

§ 12

Text

Vollziehung

Paragraph 12,

Mit der Vollziehung dieses Bundesgesetzes ist der Bundeskanzler im Einvernehmen mit den beteiligten Bundesministern betraut.