Landesrecht konsolidiert Wien: Gesamte Rechtsvorschrift für Europaschutzgebietsverordnung, Fassung vom 24.01.2020

§ 0

Langtitel

Verordnung der Wiener Landesregierung betreffend die Erklärung des Nationalparks Donau-Auen, des Naturschutzgebietes Lainzer Tiergarten, des Landschaftsschutzgebietes Liesing (Teile A, B, C), von Teilen des Bisamberges und Teilen des Leopoldsberges zu Europaschutzgebieten (Europaschutzgebietsverordnung)

StF: LGBl. Nr. 38/2007

Präambel/Promulgationsklausel

Auf Grund des § 22 Abs. 4 des Wiener Naturschutzgesetzes, LGBl. für Wien Nr. 45/1998 in der geltenden Fassung wird verordnet:

§ 1

Text

Erklärung zu Europaschutzgebieten

§ 1.

Folgende Gebiete werden zu Europaschutzgebieten erklärt:

1.

der Nationalpark Donau-Auen; das ist jenes Gebiet, das mit der Wiener Nationalparkverordnung, LGBl. für Wien Nr. 6/2003 zum Nationalpark erklärt wurde,

2.

das Naturschutzgebiet Lainzer Tiergarten; das ist jenes Gebiet, das mit Verordnung zum Lainzer Tiergarten, LGBl. für Wien Nr. 46/2008 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde,

3.

das Landschaftsschutzgebiet Liesing (Teile A, B, C); das sind Teile jenes Gebietes, das mit Verordnung zum Landschaftsschutzgebiet Liesing, LGBl. für Wien Nr. 20/1990 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt wurden,

4.

jener Teil des Landschaftsschutzgebietes Floridsdorf, der in der Verordnung zum Landschaftsschutzgebiet Floridsdorf, LGBl. für Wien Nr. 21/2015, als Europaschutzgebiet gekennzeichnet ist und

5.

jene Teile des Landschaftsschutzgebietes Döbling (Leopoldsberg), die in dem eine Anlage zu dieser Verordnung bildenden Plan mit einer ununterbrochenen roten Linie umgrenzt sind, wobei das Europaschutzgebiet entsprechend der unterschiedlichen Färbung im Plan aus den Teilen A und B besteht.

§ 2

Text

Schutzzweck

§ 2.

Zweck der Unterschutzstellung als Europaschutzgebiet ist die Erhaltung oder Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der in der Anlage näher bezeichneten Schutzgüter der Fauna-Flora-Habitat – Richtlinie und der Vogelschutz – Richtlinie.

§ 3

Text

Schutzbestimmungen

§ 3.

Sind zur Erreichung des Schutzzweckes der Europaschutzgebiete oder für die Vermehrungs-, Mauser- und Überwinterungsgebiete sowie die Rastplätze der regelmäßig wiederkehrenden Zugvogelarten ergänzende Erhaltungsmaßnahmen erforderlich, so sind diese Maßnahmen vom Magistrat zu treffen. Der Magistrat hat zur Erreichung des Schutzzweckes auf den Abschluss von Vereinbarungen mit natürlichen oder juristischen Personen hinzuwirken.

§ 3a

Text

Schutzbestimmungen für das Europaschutzgebiet Leopoldsberg

§ 3a.

(1) Für Teil A des Europaschutzgebietes Leopoldsberg gelten zur Erreichung des Schutzzwecks folgende Schutzmaßnahmen:

1.

eine forstliche Nutzung oder Pflege der Waldbestände darf nur zwischen 1. Oktober und 15. März erfolgen; davon ausgenommen sind nur die zur Erhaltung der Verkehrssicherheit im Bereich der markierten Wege erforderlichen Maßnahmen,

2.

die forstliche Nutzung darf nur durch Einzelstammentnahme erfolgen,

3.

zur Anreicherung von Altholz sollen Einzelbäume oder Baumgruppen ausgewählt werden, die dem natürlichen Altern überlassen werden,

4.

zur Anreicherung von Totholz soll stehendes und liegendes Totholz in allen Altersklassen soweit möglich am Fällungsort belassen werden,

5.

als Verjüngungsart soll die Naturverjüngung zugelassen werden; zur Förderung seltener, standortgerechter Baumarten darf bei Ausbleiben der Naturverjüngung eine künstliche Verjüngung vorgenommen werden,

6.

invasive Neobiota sollen mit geeigneten Methoden beseitigt oder eingedämmt werden,

7.

die Errichtung von Fütterungsstellen und die Durchführung von Fütterungen für Schalenwild sind verboten,

8.

die Neuanlage, Verbreiterung und Verlegung von Wanderwegen sind verboten.

(2) Für Teil B des Europaschutzgebietes Leopoldsberg gelten zur Erreichung des Schutzzwecks folgende Schutzmaßnahmen:

1.

jede forstliche Nutzung oder Pflege der Waldbestände ist verboten; davon ausgenommen sind nur die zur Erhaltung der Verkehrssicherheit im Bereich der markierten Wege erforderlichen Maßnahmen,

2.

invasive Neobiota sollen mit geeigneten Methoden beseitigt oder eingedämmt werden,

3.

die Errichtung von Fütterungsstellen und die Durchführung von Fütterungen für Schalenwild sind verboten,

4.

die Neuanlage, Verbreiterung und Verlegung von Wanderwegen sind verboten.

§ 4

Text

Richtlinienumsetzung

§ 4.

Durch diese Verordnung werden folgende Richtlinien der Europäischen Union umgesetzt, die derzeit in folgender Fassung in Geltung stehen:

1.

Vogelschutz-Richtlinie: Richtlinie 2009/147/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten, ABl. Nr. L 20 vom 26.1.2010, S. 7, in der Fassung der Richtlinie 2013/17/EU des Rates vom 13. Mai 2013 zur Anpassung bestimmter Richtlinien im Bereich Umwelt auf Grund des Beitritts der Republik Kroatien, ABl. Nr. L 158 vom 10.6.2013, S. 193 ff.;

2.

Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie: Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen, ABl. Nr. L 206 vom 22.7.1992, S. 7, in der Fassung der Berichtigung der Richtlinie 2006/105/EG des Rates vom 20. November 2006 zur Anpassung der Richtlinien 79/409/EWG, 92/43/EWG, 97/68/EG, 2001/80/EG und 2001/81/EG im Bereich Umwelt anlässlich des Beitritts Bulgariens und Rumäniens, ABl. Nr. L 095 vom 29.3.2014, S. 70.

§ 5

Text

In-Kraft-Treten

§ 5.

Diese Verordnung tritt mit dem der Kundmachung folgenden Tag in Kraft.

§ 6

Text

Übergangsbestimmungen

§ 6.

(1) Auf alle zum Zeitpunkt des In-Kraft-Tretens anhängige Verfahren, in welchen die Bestimmungen des Wiener Naturschutzgesetzes oder des Wiener Nationalparkgesetzes, LGBl. für Wien Nr. 37/1996 in der Fassung LGBl. für Wien Nr. 18/2006 anzuwenden sind, sind die bisherigen Bestimmungen anzuwenden.

(2) § 1 Z 5 und § 3a sowie Teil E. des Anhangs 1 sind auf alle zum Zeitpunkt des In-Kraft-Tretens der Novelle, LGBl. für Wien Nr. 15/2017, anhängigen Verfahren nach dem Wiener Naturschutzgesetz oder dem Wiener Nationalparkgesetz nicht anzuwenden.

Anl. 1

Text

Anhang 1

A. Nationalpark Donau-Auen

I. Fauna-Flora-Habitat – Richtlinie (FFH-Richtlinie):

Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH-Richtlinie:

Code der FFH-Richtlinie:

Bezeichnung des Lebensraumtyps:

3130

Oligo- bis mesotrophe stehende Gewässer mit Vegetation der Littorelletea uniflorae und/oder der Isoeto-Nanojuncetea

3140

Oligo- bis mesotrophe kalkhaltige Gewässer mit benthischer Vegetation aus Armleuchteralgen

3150

Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions

6210

Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia) (*besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen)

6240*

Subpannonische Steppen-Trockenrasen

6510

Magere Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis)

91E0*

Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae)

91F0

Hartholzauenwälder mit Quercus robur, Ulmus laevis und Ulmus minor,

Fraxinus excelsior oder Fraxinus angustifolia (Ulmenion minoris)

Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie:

Lateinische Bezeichnung der Art:

Deutsche Bezeichnung der Art:

Anisus vorticulus

Zierliche Tellerschnecke

Aspius aspius

Rapfen

Barbastella barbastellus

Mopsfledermaus

Bombina bombina

Rotbauchunke

Callimorpha (Euplagia, Panaxia) quadripunctaria

Russischer Bär

Castor fiber

Biber

Cucujus cinnaberinus

Scharlachkäfer

Emys orbicularis

Sumpfschildkröte

Eriogaster catax

Hecken-Wollafter

Gobio albipinnatus

Weissflossengründling

Gymnocephalus schraetzer

Schrätzer

Lucanus cervus

Hirschkäfer

Lycaena dispar

Großer Feuerfalter

Misgurnus fossilis

Schlammpeizger

Rhodeus sericeus amarus

Bitterling

Rutilus pigus

Frauennerfling

Triturus dobrogicus (Triturus cristatus dobrogicus)

Donau-Kammmolch

Zingel streber

Streber

Zingel zingel

Zingel

II. Vogelschutz – Richtlinie:

Vogelarten des Anhangs I der Vogelschutz – Richtlinie und deren Lebensräume:

Lateinische Bezeichnung der Art:

Deutsche Bezeichnung der Art:

Alcedo atthis

Eisvogel

Crex crex

Wachtelkönig

Dendrocopos medius

Mittelspecht

Dryocopus martius

Schwarzspecht

Egretta alba (Ardea alba)

Silberreiher

Ficedula albicollis

Halsbandschnäpper

Haliaeetus albicilla

Seeadler

Ixobrychus minutus

Zwergdommel

Lanius collurio

Neuntöter

Mergus albellus (Mergellus albellus)

Zwergsäger

Milvus migrans

Schwarzmilan

Milvus milvus

Roter Milan

Pandion haliaetus

Fischadler

Pernis apivorus

Wespenbussard

Picus canus

Grauspecht

Sylvia nisoria

Sperbergrasmücke

B. Naturschutzgebiet Lainzer Tiergarten

I. Fauna-Flora-Habitat – Richtlinie (FFH-Richtlinie):

Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH-Richtlinie:

Code der FFH-Richtlinie:

Bezeichnung des Lebensraumtyps:

6210

Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia) (*besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen)

6230*

Artenreiche montane Borstgrasrasen (und submontan auf dem europäischen Festland) auf Silikatböden

6410

Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, torfigen und tonig-schluffigen Böden (Molinion caeruleae)

6430

Feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe

6510

Magere Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis)

7230

Kalkreiche Niedermoore

9110

Hainsimsen – Buchenwald (Luzulo-Fagetum)

9130

Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum)

9170

Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald Galio-Carpinetum

9180*

Schlucht- und Hangmischwälder Tilio-Acerion

91E0*

Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae)

91G0*

Pannonische Wälder mit Quercus petraea und Carpinus betulus

Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie:

Lateinische Bezeichnung der Art:

Deutsche Bezeichnung der Art:

Barbastella barbastellus

Mopsfledermaus

Bombina variegata

Gelbbauchunke

Cerambyx cerdo

Eichenheldbock

Cottus gobio

Koppe

Lucanus cervus

Hirschkäfer

Lycaena dispar

Großer Feuerfalter

Myotis bechsteinii

Bechsteinfledermaus

Myotis myotis

Großes Mausohr

Osmoderma eremita

Eremit

Rhinolophus hipposideros

Kleine Hufeisennase

Triturus carnifex (Triturus cristatus carnifex)

Alpen-Kammmolch

II. Vogelschutz – Richtlinie:

Vogelarten des Anhangs I der Vogelschutz – Richtlinie und deren Lebensräume:

Lateinische Bezeichnung der Art:

Deutsche Bezeichnung der Art:

Dendrocopos leucotos

Weißrückenspecht

Dendrocopos medius

Mittelspecht

Dryocopus martius

Schwarzspecht

Ficedula albicollis

Halsbandschnäpper

Ficedula parva

Zwergschnäpper

Lanius collurio

Neuntöter

Picus canus

Grauspecht

C. Landschaftsschutzgebiet Liesing

I. Fauna-Flora-Habitat – Richtlinie (FFH-Richtlinie):

Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH-Richtlinie:

Code der FFH-Richtlinie:

Bezeichnung des Lebensraumtyps:

6210

Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia) (*besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen)

6410

Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, torfigen und tonig-schluffigen Böden (Molinion caeruleae)

6510

Magere Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis)

9110

Hainsimsen – Buchenwald (Luzulo-Fagetum)

9130

Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum)

9150

Mitteleuropäischer Orchideen-Kalk-Buchenwald (Cephalanthero-Fagion)

9160

Subatlantischer oder mitteleuropäischer Stieleichenwald oder Eichen-Hainbuchenwald (Carpinion betuli)

9170

Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald Galio-Carpinetum

9180*

Schlucht- und Hangmischwälder Tilio-Acerion

9530*

Sub-mediterrane Kiefernwälder mit endemischen Schwarzkiefern

91E0*

Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno-Padion, Alnion incanae, Salicion albae)

91G0*

Pannonische Wälder mit Quercus petraea und Carpinus betulus

91H0*

Pannonische Flaumeichen-Wälder

Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie:

Lateinische Bezeichnung der Art:

Deutsche Bezeichnung der Art:

Barbastella barbastellus

Mopsfledermaus

Bombina variegata

Gelbbauchunke

Callimorpha (Euplagia, Panaxia) quadripunctaria

Russischer Bär

Lucanus cervus

Hirschkäfer

Lycaena dispar

Großer Feuerfalter

Rhinolophus hipposideros

Kleine Hufeisennase

Triturus carnifex (Triturus cristatus carnifex)

Alpen – Kammmolch

II. Vogelschutz – Richtlinie:

Vogelarten des Anhangs I der Vogelschutz – Richtlinie und deren Lebensräume:

Lateinische Bezeichnung der Art:

Deutsche Bezeichnung der Art:

Crex crex

Wachtelkönig

Dendrocopos medius

Mittelspecht

D. Landschaftsschutzgebiet Floridsdorf (Bisamberg)

I. Fauna-Flora-Habitat – Richtlinie (FFH-Richtlinie):

Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH-Richtlinie:

Code der FFH-Richtlinie:

Bezeichnung des Lebensraumtyps:

6210

Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia) (*besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen)

6250*

Pannonische Steppen-Trockenrasen auf Löss

6510

Magere Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis)

9170

Labkraut-Eichen Hainbuchenwald Galio-Carpinetum

91G0*

Pannonische Wälder mit Quercus petraea und Carpinus betulus

Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie:

Lateinische Bezeichnung der Art:

Deutsche Bezeichnung der Art:

Barbastella barbastellus

Mopsfledermaus

Callimorpha (Euplagia, Panaxia) quadripunctaria

Russischer Bär

Eriogaster catax

Heckenwollafter

Lucanus cervus

Hirschkäfer

Lycaena dispar

Großer Feuerfalter

Spermophilus citellus (Citellus citellus)

Ziesel

E. Landschaftsschutzgebiet Döbling (Leopoldsberg)

I. Fauna-Flora-Habitat – Richtlinie (FFH-Richtlinie):

Lebensraumtyp des Anhangs I der FFH-Richtlinie:

Code der FFH-Richtlinie:

Bezeichnung des Lebensraumtyps:

9150

Mitteleuropäischer Orchideen-Kalk-Buchenwald (Cephalanthero-Fagion)