Landesrecht konsolidiert Wien: Gesamte Rechtsvorschrift für Wiener Frühförderungsgesetz, Fassung vom 24.04.2024

§ 0

Langtitel

Gesetz über die verpflichtende frühe Förderung in elementaren Bildungseinrichtungen (Wiener Frühförderungsgesetz – WFfG)

StF.: LGBl. Nr. 21/2010

Änderung

Landesgesetzblatt Nr. 27 aus 2013,

Landesgesetzblatt Nr. 42 aus 2016,

Landesgesetzblatt Nr. 24 aus 2019,

Landesgesetzblatt Nr. 33 aus 2019,

Präambel/Promulgationsklausel

Der Wiener Landtag hat beschlossen:

§ 1

Text

Zielsetzung

Paragraph eins,

Um allen Kindern beste Bildungsmöglichkeiten und Startchancen in das weitere Bildungs- und spätere Berufsleben unabhängig von ihrer sozioökonomischen Herkunft zu bieten, sollen Kinder im letzten Jahr vor der Schulpflicht zum Besuch von geeigneten elementaren Bildungseinrichtungen verpflichtet werden.

§ 2

Text

Begriffsbestimmungen

Paragraph 2,

Im Sinne dieses Gesetzes

  1. Ziffer eins
    ist eine geeignete elementare Bildungseinrichtung
    1. Litera a
      ein gemäß dem Wiener Kindergartengesetz – WKGG, LGBl. für Wien Nr. 17/2003, in der jeweils geltenden Fassung, bewilligter Kindergarten,
    2. Litera b
      ein Übungskindergarten, der einer öffentlichen Schule zum Zwecke lehrplanmäßig vorgesehener Übungen eingegliedert ist, oder
    3. Litera c
      eine gemäß dem Wiener Tagesbetreuungsgesetz – WTBG, LGBl. für Wien Nr. 73/2001, in der jeweils geltenden Fassung, bewilligte Kindergruppe,
    sofern diese Einrichtung nach dem Wiener Bildungsplan (Anlage 1), dem Bundesländerübergreifenden BildungsRahmenPlan für elementare Bildungseinrichtungen in Österreich (Anlage 2), dem Werte- und Orientierungsleitfaden (Anlage 3), dem Leitfaden zur sprachlichen Förderung am Übergang vom Kindergarten in die Grundschule (Anlage 4) sowie dem Modul für das letzte Jahr in elementaren Bildungseinrichtungen (Anlage 5) arbeitet
  2. Ziffer 2
    entspricht das verpflichtende Kindergartenjahr dem Unterrichtsjahr im Sinne des Paragraph 56, Wiener Schulgesetz – WrSchG, LGBl. für Wien Nr. 20/1976, in der jeweils geltenden Fassung.

§ 3

Text

Umfang der Besuchspflicht

Paragraph 3,
  1. Absatz einsDer Besuch der geeigneten elementaren Bildungseinrichtung hat während des gesamten verpflichtenden Kindergartenjahres im Ausmaß von mindestens 20 Stunden an mindestens vier Tagen pro Woche zu erfolgen. Die Besuchspflicht beginnt mit dem 6. September 2010.
  2. Absatz 2Zum Besuch sind jene Kinder verpflichtet, die vor dem 1. September des jeweiligen Kalenderjahres das 5. Lebensjahr vollendet und ihren Hauptwohnsitz in Wien haben. Die Erziehungsberechtigten sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder die Besuchspflicht erfüllen.
  3. Absatz 3Das Fernbleiben ist nur im Falle einer gerechtfertigten Verhinderung des Kindes zulässig. Diese liegt insbesondere bei Erkrankung des Kindes oder der Erziehungsberechtigten, Urlaub im Ausmaß von höchstens fünf Wochen innerhalb des verpflichtenden Kindergartenjahres sowie außergewöhnlichen Ereignissen vor. Die Erziehungsberechtigten haben Verhinderungen der elementaren Bildungseinrichtung zu melden.
  4. Absatz 4Von den Erfordernissen des WKGG, des WTBG sowie der Verordnungen, die auf Grund dieser Gesetze ergangen sind, kann in begründeten Ausnahmefällen abgesehen werden, wenn dies zur Sicherstellung der Umsetzung der Besuchspflicht unumgänglich notwendig ist. Der Träger der geeigneten elementaren Bildungseinrichtung hat das Vorliegen eines begründeten Ausnahmefalles und das Absehen von der Einhaltung dieser Bestimmungen der Behörde unverzüglich anzuzeigen. Liegen die Voraussetzungen für das Absehen von der Einhaltung dieser Bestimmungen nicht vor, hat die Behörde dies mit Bescheid festzustellen.

§ 4

Text

Ausnahmen von der Besuchspflicht

Paragraph 4,
  1. Absatz einsVon der Besuchspflicht gemäß Paragraph 3, ausgenommen sind Kinder,
    1. Ziffer eins
      die vorzeitig die Schule besuchen (Paragraph 7, Schulpflichtgesetz 1985, BGBl. Nr. 76, in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 113 aus 2006,),
    2. Ziffer 2
      denen auf Grund einer Behinderung, aus medizinischen Gründen oder auf Grund eines besonderen sonderpädagogischen Förderbedarfes der Besuch nicht zugemutet werden kann,
    3. Ziffer 3
      denen auf Grund der Entfernung zwischen Wohnort und nächstgelegener geeigneter elementarer Bildungseinrichtung der Besuch nicht zugemutet werden kann,
    4. Ziffer 4
      deren Betreuung durch eine Tagesmutter oder einen Tagesvater im Sinne des WTBG erfolgt, wenn der Leitfaden für die häusliche Betreuung sowie die Betreuung durch Tageseltern (Anlage 6) und der Werte- und Orientierungsleitfaden (Anlage 3) eingehalten werden,
    5. Ziffer 5
      deren Betreuung durch häusliche Erziehung erfolgt, wenn der Leitfaden für die häusliche Betreuung sowie die Betreuung durch Tageseltern (Anlage 6) und der Werte- und Orientierungsleitfaden (Anlage 3) eingehalten werden, oder
    6. Ziffer 6
      die eine elementare Bildungseinrichtung außerhalb Wiens besuchen.
  2. Absatz 2Bei Vorliegen eines Ausnahmegrundes gemäß Absatz eins, Ziffer 2 bis 6 haben die Erziehungsberechtigten diesen der Behörde bis spätestens 30. Juni vor Beginn des kommenden verpflichtenden Kindergartenjahres anzuzeigen. Wird das Vorliegen eines Ausnahmegrundes angezeigt, obwohl die Voraussetzungen dafür nicht vorliegen, so hat die Behörde dies mit Bescheid festzustellen.
  3. Absatz 3entfällt; LGBl. für Wien Nr. 24/2019 vom 9.5.2019

§ 5

Text

Datenverwendung

Paragraph 5,
  1. Absatz einsZum Zweck der Überprüfung der Einhaltung der Besuchspflicht ist von der Behörde mit Hilfe der automationsunterstützten Datenverarbeitung ein Verzeichnis derjenigen Kinder zu führen, die der Besuchspflicht unterliegen und ihren Hauptwohnsitz in Wien haben.

    Dieses Verzeichnis hat folgende Daten zu enthalten:

    1. Ziffer eins
      Vor- und Nachnamen des Kindes und der Erziehungsberechtigten
    2. Ziffer 2
      Geburtsdatum und Geschlecht des Kindes
    3. Ziffer 3
      Wohnadresse des Kindes und der Erziehungsberechtigten.
    Die für die Erstellung der Schulpflichtmatrik gemäß Paragraph 16, Schulpflichtgesetz 1985 Bundesgesetzblatt Nr. 76 aus 1985, in der Fassung Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 101 aus 2018, zuständige Stelle ist ermächtigt und verpflichtet, die im Zuge der Erstellung der Schulpflichtmatrik verarbeiteten Daten der besuchspflichtigen Kinder der Behörde zu übermitteln..
  2. Absatz 2Die Träger der geeigneten elementaren Bildungseinrichtungen sind verpflichtet, folgende Daten der besuchspflichtigen Kinder zum Nachweis der Erfüllung der Besuchspflicht automationsunterstützt zu verarbeiten und an die Behörde zu übermitteln:
    1. Ziffer eins
      Vor- und Nachnamen des Kindes und der Erziehungsberechtigten
    2. Ziffer 2
      Geburtsdatum und Geschlecht des Kindes
    3. Ziffer 3
      Wohnadresse des Kindes und der Erziehungsberechtigten
    4. Ziffer 4
      Anwesenheitszeiten
    5. Ziffer 5
      Ein- und Austrittsdatum.
      Diese Daten sind von der Behörde zum Nachweis der Erfüllung der Besuchspflicht automationsunterstützt zu verarbeiten.
  3. Absatz 3Die Behörde hat zum Nachweis der berechtigten Nichterfüllung der Besuchspflicht die Daten gemäß Absatz eins, derjenigen Kinder, die gemäß Paragraph 4, von der Besuchspflicht ausgenommen sind, zu ermitteln und automationsunterstützt zu verarbeiten. Zu diesem Zweck sind die Daten über die Schuleinschreibung und den vorzeitigen Schulbesuch (Paragraph 4, Absatz eins, Ziffer eins,) von der zuständigen Stelle an die Behörde zu übermitteln.
  4. Absatz 4Zur Sicherstellung des beitragsfreien Besuches im Sinne des Artikel 6, der Vereinbarung gemäß Artikel 15 a, B-VG zwischen dem Bund und den Ländern über die Elementarpädagogik für die Kindergartenjahre 2018/19 bis 2021/22 sind die Träger der elementaren Bildungseinrichtungen und die Behörde ermächtigt, die gemäß Absatz eins bis 3 verarbeiteten Daten der im Magistrat zuständigen Stelle zum Zwecke der Gewährung von Förderungen zu übermitteln. Die zur Gewährung von Förderungen im Magistrat zuständige Stelle ist ermächtigt, diese Daten automationsunterstützt zu verarbeiten.

§ 6

Text

Behörden und Rechtsmittel

Paragraph 6,
  1. Absatz einsBehörde im Sinne dieses Gesetzes ist der Magistrat als Bezirksverwaltungsbehörde.
  2. Absatz 2Über Beschwerden gegen Bescheide, die die Behörde auf Grund dieses Gesetzes erlässt, entscheidet das Verwaltungsgericht Wien.

§ 7

Text

Strafbestimmungen

Paragraph 7,

Die Nichterfüllung der in Paragraph 3, festgelegten Besuchspflicht stellt eine Verwaltungsübertretung dar und ist mit einer Geldstrafe bis zu 440 Euro zu bestrafen.

§ 8

Text

In-Kraft-Treten

Paragraph 8,

Dieses Gesetz tritt mit dem der Kundmachung folgenden Tag in Kraft.

Anl. 1

Anl. 2

Anl. 3

Anl. 4

Anl. 5

Anl. 6